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TOP 1000 REZENSENTam 4. Dezember 2010
Inhaltlich ist auf diesen Roman in Rezensionen zu anderen Ausgaben bereits hinreichend ausführlich eingegangen worden. Dabei wurde aber immer wieder auch auf die unzureichende deutsche Übersetzung hingewiesen. Es ist daher wohl zweckmäßig, darauf aufmerksam zu machen, dass mit dieser Ausgabe von 2010, wie auch der Diogenes Verlag mitteilte, der erstmals 1915 erschienene Roman "nun in überarbeiteter Übersetzung" vorliegt. Die Textfassung von Susanne Feigl und Mimi Zoff wurde für die neue Ausgabe von Marion Hertle überarbeitet und die bisher bestehenden eklatanten Übersetzungsfehler korrigiert.

Diese Ausgabe hat zugegebenermaßen ihren Preis, sie ist jedoch auch in Leinen gebunden und mit einem Pappschuber versehen. Wichtiger als das aber wiegt der Umstand, dass alle älteren, noch erhältlichen deutschen Ausgaben ausnahmslos die Übersetzung von Feigl und Zoff beinhalten. Maugham hatte letztere seinerzeit zwar selbst noch mit den Rechten für die Übersetzungen seiner Werke bedacht, ihre übersetzerischen Qualitäten gelten aber nachweislich als zweifelhaft. Gerade bei "Der Menschen Hörigkeit" erwies sich die deutsche Textfassung daher nicht nur in sprachlicher Hinsicht in gravierendem Maße als ungenügend.

Diese Einschätzung belegt anschaulich ein Zitat aus der Rezension von A. L. zur bisherigen Ausgabe (Artikelbewertung ein *, "unfassbare Übersetzung"), welches die Defizite auf den Punkt bringt: "... es fehlen teilweise ganze Passagen, einzelne Abschnitte oder Sätze fehlen ständig, auch Handlungen werden teils nach eigenem Belieben etwas abgewandelt." Genau dieser Umstand machte die Lektüre bisher zu einem zunehmend enervierenden Ärgernis und ließ die Anschaffung im Nachhinein zur reinen Geldverschwendung verkommen.

Man sollte daher, wenn man an einer deutschsprachigen Fassung des Romans interessiert ist, sein Geld am besten nur noch in die nun vorliegende, neue Ausgabe investieren. Die Taschenbuchausgabe dieser Übersetzung, "Der Menschen Hörigkeit", ist seit Ende Oktober 2012 erhältlich. Als Alternative zur deutschen Textfassung ist ansonsten das ebenfalls gut lesbare englische Original "Of Human Bondage" gleichermaßen zu empfehlen.
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am 12. September 1999
Er gilt als der autobiographischste Roman in Maughams vielfältigen Erzählungen, die meist genaue und vielschichtige Beobachtung und Betrachtungen über den Menschen in der ihn umgebenden Gesellschaft zum Inhalt haben: "Der Menschen Hörigkeit" ist ein Entwicklungsroman über die Kind- hin zur Jugend- und Studienzeit bis zum Berufsanfang von Philip Carey, der die Person Maughams darstellt. Viele Parallelen lassen sich zwischen dem Leben Careys und Maughams finden, so man sich in der Biographie von Somerset Maugham ein wenig auskennt. Philip Carey verliert früh seine Eltern, wächst bei einem lieblosen und egozentrischen Pfarrer, der sein Onkel ist, auf, bis er sich schließlich entgegen dem Wunsch des Onkels entscheidet, nicht Theologie zu studieren, sondern ins grosse London zu gehen und dort zunächst eine Ausbildung zu beginnen. Zu einseitig, zu wenig seinem Können entsprechend scheint Philip sein Leben in London. Er geht nach Heidelberg, um Deutsch zu lernen, geht nach Paris, um Maler zu werden. Auch hier genügen ihm seine Fähigkeiten nicht, Philips Ansprüche an sich selbst sind hoch. Er geht zurück nach London, mutiger und entschlossener, und beginnt sein Medizinstudium. Dann lernt er die Kellnerin Mildred kennen und der Weg in eine tiefe, zerstörerische und entwürdigende Hörigkeit beginnt. In seiner unendlichen Zuneigung und Liebe zu Mildred vernachlässigt Philip sein eigenes Leben und Fortkommen, überläßt ihr vorbehaltlos immer wieder Geld, von dem er selbst nicht reichlich hat, läßt sich von ihr beschimpfen, betrügen und vorführen - und hält doch an ihr fest, und ist doch immer wieder zur Stelle, wenn sie ihn braucht, nach ihm verlangt. Die Hörigkeit Philips, der zerstörerische Scheuklappenblick, mit dem Philip aufs immer Neue auf Mildred hereinfällt, seine unglaubliche Gütigkeit lassen den Leser unruhig werden, manchmal unverständig für so viel Vernarrtheit, so wenig objektive Wahrnehmung und so bedingungslose Selbstaufgabe. Aber eben da setzt der für Maughams Werke so typische Effekt ein: Der Leser beobachtet sich selbst, rekapituliert Selbsterlebtes und eigenes Verhalten, er lernt über sich selbst und den Menschen. Und über dessen Fähigkeit oder vielmehr Gefährdung, sich in eine Abhängigkeit, eine Hörigkeit zu begeben. "Der Menschen Hörigkeit" ist ein brillantes Buch, das neben autobiographischen Informationen über Somerset Maugham auch Aufschluss über den Leser selbst gibt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 7. Januar 2011
Somerset Maughams großer Entwicklungsroman "Der Menschen Hörigkeit" ist ein Meisterwerk, in dem der Lebensweg des Philip Carey geschildert wird, der an einem Klumpfuß leidet. Aus der Enge des Pfarrhauses seines Onkels in der englischen Provinz, von dem er nach dem Tod seiner Mutter aufgenommen wurde, verschlägt es den Jungen auf ein geistliches Internat. Schließlich zieht er zum Erlernen der deutschen Sprache nach Heidelberg, um dann nach Paris umzusiedeln, wo er sich als Maler versucht. In London, wo er schließlich Medizin studiert, begegnet er seinem Verhängnis in Gestalt der Kellnerin Mildred, von der er fortan nicht mehr loskommt. Damit ist auch der Titel erklärt: Carey ist der an sich ordinären Frau verfallen, die ihn ausnimmt wie eine Weihnachtsgans. Somerset Maughams Roman erinnert zumindest inhaltlich in den Passagen, wo Philips Versuche als Maler in Paris dargestellt werden, an Gottfried Kellers "grünen Heinrich". Zum Glück hat sich der von mir sehr geschätzte Diogenes Verlag zu einer Neuedition mit verbesserter Übersetzung entschieden, war der Roman doch zuvor nur antiquarisch greifbar. Die edle Leinenausgabe im Schmuckschuber ist als bibliophile Kostbarkeit anzusehen, die jedem geneigten Leser ans Herz gelegt sei.
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am 20. September 2005
Eins der besten Bücher, das ich je gelesen habe. Sowohl ein „Bildungsroman“ in dem der Reifeprozess eines Jungen geschildert wird, wie auch eine vielschichtige Autobiographie; verglichen mit dem englischen Originaltext liest sich die Übersetzung jedoch wie ein Erzeugnis aus dem Google-Automaten. Zensurfunktion inklusive.
Man kann dem Übersetzer Zugute halten, dass es ihm gelungen ist, Maughams schnörkellosen Stil ansatzweise einzufangen jedoch sind viele Passagen schlichtweg falsch übersetzt bzw. verzerrt.
Dies gilt besonders für Schimpfwörter und ordinäre Ausdrücke, die in der deutschen Fassung so stark abgemildert wurden, dass die Schärfe des dargestellten Konflikts kaum noch nachzuvollziehen ist. Wenn aus „ill mannered slut“ im Deutschen eine „ungezogene Person“ wird, kann man dahinter nur eine persönliche Prüderie des Übersetzers vermuten.
Ich kann nur jedem empfehlen, zur Originalfassung zu greifen, vor allem da Maughams kristallklare Sprache keine großen Englischkenntnisse erfordert. Diese Übersetzung ist eine Beleidigung eines großartigen Romans.
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am 4. Juli 2003
"Der Menschen Hörigkeit" (1915) beschreibt einen Zeitraum von etwa 25 Jahren aus dem Leben von Philip Carey, das verschiedenste Stationen umfasst, wie das Internat, Malereistudium in Paris oder das Medizinstudium und die Arztausbildung in London. Das Buch spannt einen grossen Bogen von Geburt bis Tod, Armut und Reichtum, Liebe und Leiden, bis Philip Carey schliesslich die wahren Werte des Lebens erkennt. Der Roman wirkt durch seine epische und chronologische Erzählweise etwas altmodisch, aber durchaus nicht veraltet in der heutigen schnelllebigen Zeit. Solche Wälzer schreibt heute nur noch ein John Irving.
Besonders bewegend ist die Liebes- und Leidensgeschichte von Philip und Mildred. Sie gehört wohl zu den unsympathischsten Frauenfiguren in der Literaturgeschichte. Als Leser fragte ich mich ständig, warum läuft Philip dieser Mildred schon wieder nach, denn diese ist einfach nur blöd und nützt ihn aus. Der Roman zeigt eindrücklich, wie dem Mann die Liebe (oder Verliebtheit) auf den Verstand schlägt, er irrational und libidogesteuert handelt, sich selbst verleugnet und erniedrigt. Und das nur, weil er um die Liebe einer Frau kämpft, die seiner Liebe gar nicht wert ist.
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TOP 1000 REZENSENTam 9. August 2013
Auf Grund der mehr als unzureichenden Übersetzung von Susanne Feigl und Mimi Zoff kann von dieser Ausgabe inzwischen nur noch abgeraten werden. Maugham hatte letztere seinerzeit zwar selbst noch mit den Rechten für die Übersetzungen seiner Werke bedacht, ihre übersetzerischen Qualitäten gelten aber nachweislich als zweifelhaft. Der Rezensent A. L. (Artikelbewertung ein *, "unfassbare Übersetzung") brachte die eklatanten Übersetzungsdefizite auf den Punkt: "... es fehlen teilweise ganze Passagen, einzelne Abschnitte oder Sätze fehlen ständig, auch Handlungen werden teils nach eigenem Belieben etwas abgewandelt." Dieser Umstand machte die Lektüre bisher zu einem zunehmend enervierenden Ärgernis und ließ die Anschaffung im Nachhinein zur reinen Geldverschwendung verkommen.

Hinzuweisen ist dem entgegen auf die 2010 bei Diogenes erschienene, überarbeitete Textfassung von Marion Hertle unter Berücksichtigung der ursprünglichen Übersetzung von Feigl und Zoff. Die neue Ausgabe, gebunden "Der Menschen Hörigkeit", ist seit Oktober 2012 auch als Taschenbuch "Der Menschen Hörigkeit" erhältlich. Interessierte an einer deutschsprachigen Fassung sollten ihr Geld daher besser nur noch in eine dieser Ausgaben investieren. Erwähnt sei an dieser Stelle aber auch die Übersetzung von Renate Seiller, unter anderem in den fünfziger Jahren im Rascher sowie in den sechziger Jahren im Desch Verlag erschienen und auch hier nach wie vor angeboten. Diese Übersetzung kenne ich allerdings nicht und kann zu dieser somit nichts sagen. Als Alternative ist ansonsten gleichermaßen das ebenfalls gut lesbare englische Original "Of Human Bondage" zu empfehlen.
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am 7. Mai 2008
Dies Buch bekam ich von einiger Zeit geschenkt - nachdem ich in den höchsten Tönen von Maughams "Auf Messers Schneide" geschwärmt habe. Jetzt habe ich es gelesen und muss sagen: Auch diese Lektüre hat sich gelohnt, auch wenn ich das eine Zeitlang kaum glauben mochte.

Das Buch erzählt eine Geschichte, die nicht nur zufällige Parralelen zu Maughams eigener aufweist: Der junge Philip Carey verliert früh seine Eltern und wächst bei puritanischen Verwandten auf, bevor er auf ein Internat geht. Der scheue Junge ist mit einem Klumpfuß geschlagen und hat große Minderwertigkeitskomplexe, die von den gemeinen Hänseleien seiner Mitschüler noch verschlimmert werden. Aber er beißt sich durchs Leben - und lernt bald, Schutz in Ironie und Sarkasmus zu finden.
Nach der Schule geht er nach Heidelberg und lernt einen Mann kennen, der in seinem Leben immer wieder eine Rolle spielen wird, beginnt danach eine langweilige Büro-Lehre, die er aber bald schmeißt und, nachdem er seine letzten Ersparnisse zusammengekratzt und seine Tante angepumpt hat, nach Paris geht, um dort Maler zu werden. Sein Talent erweist sich zwar als nicht eben überwältigend, aber er reift an der Seine zum Lebenskünstler und lernt weitere schillernde Gestalten beiderlei Geschlechts kennen. Zurück in London und ziemlich ernüchtert entschließt sich Philip schließlich, ein Medizinstudium zu beginnen und findet seine Berufung - und die Kellnerin Mildred, in die er sich bald verliebt. Doch wie sich herausstellt, ist sie ein vollendetes Miststück, das seine Liebe und Treue mit Füßen tritt und ihn gnadenlos ausnutzt. Doch Philip ist ihr beinahe bedingungslos hörig - und gibt die Hoffnung nicht auf, dass Mildred sich eines Tages noch bessern wird. Bisweilen möchte man ihm eine kleben, aber dann wird einem klar, dass (ich bitte um Entschuldigung, hier zitiere eine alte Rezension von mir zu Pierre. Oder die Doppeldeutigkeiten) der Mensch nicht so ist, wie man meint, dass er sein müsste: er handelt selten nachvollziehbar, ist und bleibt geheimnisvoll - und er ist nie alleiniger Urheber all seiner Entscheidungen (was Menschen mit genügend Selbsteinsicht nicht verborgen bleiben wird [wie schon Melville in seinem "Pierre" wusste]).

Eins gleich an dieser Stelle: Somerset Maugham schreibt nicht in allen Passagen dieses Buches wirklich begeisternd. Sehr zurückhaltend und sparsam ist der Stil; gerafft, kühl.
Während der Anfang mich noch mit seiner schlichten Schönheit verzauberte, fand ich mich nach einigen Seiten gelangweilt wieder - und beinahe willens, das Buch wegzustellen. Glücklicherweise habe ich genau das aber nicht getan, sondern ein paar Kapitel lang den Hintern zusammengekniffen und durchgehalten. Dann nämlich kamen das erste Techtelmechtel, das Künstlerleben in Paris und letztlich die zerreibende Hassliebe zu dem Miststück Mildred. Rund dreihundert Seiten hat es gedauert, bis ich vollends warm geworden bin mit dem klumpfüßigen Philip Carey - oder auch mit Maughams Schreibe.
Jetzt aber, da ich (nach für meine Verhältnisse extrem langen 3 Monaten) fertig bin mit dem Buch, vermisse ich es richtig - und wäre fast geneigt, es noch einmal zu lesen, wären da nicht noch zig weitere Klassiker in meinem Regal, die erstgelesen werden müssen... ;-)

Fazit: Wer Zeit und Geduld aufbringen kann, der sollte unbedingt zugreifen. Maugham bringt einem nicht nur Unmengen an Kunst, Kultur und Philosophie nahe, er schreibt auch unglaublich viele Wahrheiten über Männer, Frauen und das Leben an sich. Nach schwerem Einstieg muss ich sagen: ein tolles Buch - ein echter "Grower"! (engl. to grow = wachsen)
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am 22. August 2007
Fast erscheint es einem so, als plagiiere Somerset Maugham Dickens. Ein Junge mit Klumpfuß geboren, mit einem Sprachfehler versehen, verliert er seine Eltern und müßte eigentlich im Sozialkitsch vieler Romane des 19. Jahrhunderts enden. Doch verarbeitet der Autor in diesem Roman autobiographische Züge. Er schreibt so eine Art Entwicklungsroman, der sich zwar entlang des bewährten Leidenswegs samt puritanischen Onkels, Internats und manisch unterwürfiger Liebe schlängelt, den Philip Carey auf dem Weg der Selbstfindung beschreitet. Daß Somerset Maugham ähnlich wie Dickens spannend zu erzählen weiß, seine Sprache bildreich beschreibt, die Figuren feine Psychogramme voller Widersprüche sind, bewahrt ihn vor billiger Schwarz-Weiß-Malerei.

Der Menschen Hörigkeit gehört zu den großen Roman der modernen Literatur, die einen Leser nicht nur in ein fremdes Leben entführt, vielmehr die übersteigerten Ansprüche ans eigene Leben bloßstellt, die Carey von sich fordert, sie als das offenbart, was sind: Eine Flucht vor der Vergangenheit. Ein Vergessen wollen. In welchen Armen, in welcher Idylle auch immer.
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am 10. Oktober 2003
"Of Human Bondage" von Somerset Maugham gilt völlig zu Recht als eines der besten Bücher der englischen Literatur und wird als solches sogar von Jerome D. Salingers "Fänger im Roggen" gewürdigt, denn er rechnet das Werk, zusammen mit Thomas Hardys "The Return of the Native", Tania Blixens "Out of Africa" und F. Scott Fitzgeralds "The Great Gatsby", zu den für ihn herausragenden Lektüren, auch wenn Maugham nicht der Typ sei, den er Lust hätte "mal eben anzurufen". Trotzdem dürfte sich Holden Caulfield mit dem stellenweise noch mehr leidenden Protagonisten aus Maughams angeblich autobiografischem Roman gut identifizieren können: Seine Mitschüler machen es dem leicht behinderten Philip ähnlich schwer wie Typen wie Ackley oder Stradlater dem ewig genervten Holden. Allerdings geht die Reise des Philip Carey wesentlich weiter: nach Heidelberg, Paris und schließlich London, wo Philip als Medizinstudent völlig verarmt. Schuld daran ist seine persönliche "femme fatale" Mildred, eine ebenso selbstsüchtige wie sittenlose Kellnerin, die Philip "malgré lui" abgöttisch liebt. Da ist der Ruin vorprogrammiert - und Maugham lässt seinen Leser mitleiden, zieht ihn förmlich mit hinein in den Abgrund, vor dem man Philip so gerne bewahrt hätte. In den Mildred-Kapiteln in der Mitte des Romans finden sich die besten Passagen des Buches. Wenn der komplett desillusionierte Philip etwa sinniert über die Liebe (ich zitiere aus dem Gedächtnis): Eigentlich stelle man sie sich ja so vor: Eine wunderschöne Frau betritt einen glänzenden Ballsaal, er sieht sie an, sie sieht ihn an und wortlos versinken beide in einen rauschenden Tanz, neidvoll bestaunt von allen Umstehenden. Nicht mehr von einander lassen könnend verlassen sie den Saal und treten auf den nächtlichen Balkon, beide in dem unbeirrbaren Wissen, die große Liebe gefunden zu haben...
Herrlich, wie mit dieser Schilderung einer Fantasie, die sicher vielen Menschen in ähnlicher Form schon durch den Kopf gegeistert ist, die brutale, naturalistisch geschilderte Realität kontrastiert. Nirgends ist dieses Buch besser und wird an diesen Stellen auch nur von wenigen übertroffen. Aber nicht nur als Seelentröster für verbitterte Ex-Liebhaber taugt dieses Buch, sondern es führt auch anschaulich in die Welt der Boheme um die Jahrhundertwende sowie in Londons Lower-class-Milieu und weist hierin große Verwandtschaft zu Zola, etwa zu "L'oeuvre" oder "Au bonheur des dames" auf. Und schließlich gefällt Maughams wunderbar unmanierierte Sprache, die es auch dem deutschen Leser leicht macht, sein Buch im Original zu lesen.
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TOP 50 REZENSENTam 12. März 2015
Viele Bücher beugen sich zum Leser herab, als ob diese nichts vom Leben verstünden. Andere erzählen umständlich von Rätseln und Anklagen, sie entlassen einen mit dem unguten Gefühl, nichts, aber auch gar nichts verstanden zu haben.

Ganz anders W. Somerset Maugham (WSM): er taucht hinab in das zutiefst Menschliche, in Seelen und leuchtet diese nach allen Regeln der einfach natürlichen, verständlichen Satzkunst aus. Wir nehmen teil an den Sorgen und Nöten des (autobiografisch angelegten) Protagonisten, an Gesprächen mit Freunden, der ersten Liebe, Reisen, Feiern - wir diskutieren über Gott und die Welt und natürlich um den Sinn des Lebens. Nichts ist erkünstelt, alles bleibt verständlich und diskutiert den Lauf eines Lebens in seinen unwahrscheinlichen, erfreulichen, aber auch niederschmetternden Wandlungen.

"Als ich zwanzig war", sagte Maugham, "sagten die Kritiker, ich sei brutal; als ich dreißig war, ich sei vorlaut; als ich vierzig war, ich sei zynisch; als ich fünfzig war, ich sei hinreichend zulänglich, und jetzt, in meinen Sechzigern, sagen sie, ich sei oberflächlich.“ Nichts an diesem Buch ist oberflächlich, jede Seite spannend, prall gefüllt mit allen Gedanken, die jeder von uns ebenso lebt und erhofft. WSM hat im echten Leben zeitlebens gestottert, sein Protagonist hinkt - stellvertretend für unser aller Leiden, die wir im Leben erkennbar oder in der Seele mit uns herumschleppen.

Es ist zeitlose, großartige Kunst, in Sätzen, die erkennen lassen, wie gut WSM beobachten kann und alles in Beschreibungen gießt, Bewertungen sind ihm fremd. Über das Leben zu philosophieren zwischen Neigung und Pflicht, zwischen Kunst und Alltag, zwischen Liebe und Hass. Nichts daran ist anders heute, nur dass wir ein paar Optionen sowie Informationen mehr haben und die Möglichkeit, schneller von A nach B zu kommen.
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