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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein lesenswertes Netzwerk von Erfahrungen, Reisen und Erkenntnissen eines Mannes, der quasi durch seine eigene Biografie tanzt, 16. September 2009
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: War meine Zeit meine Zeit (Gebundene Ausgabe)
"Wie alle bin ich ungefragt auf die Welt gekommen. Ich gehöre zu denen, die versuchten, daraus etwas zu machen."

Mit diesen bescheidenen Worten beginnt das letzte, kurz nach seinem Tod erschienene Buch des 1929 geborenen Schweizer Schriftstellers Hugo Loetscher. Ein Buch, in dem er noch einmal nach seinem schon 1975 erschienenen großen autobiographischen Roman "Der Immune" Bilanz zieht. Wie schon dort kommt auch in seinem letzten Buch der cholerische und alkoholabhängige Vater wieder vor, doch sein Bild ist sanfter geworden.

Dennoch hat sich Loetscher bis zu seinem Lebensende seinen klaren und realistischen Blick auf die Welt bewahrt, ein Blick, der aber das Staunen über die Vielfältigkeit der Phänomene nicht verlernt hat und der, davon erzählend, von Witz und Charme nur so sprühen kann. Mit seinem schon vor einigen Jahren angekündigten Versuch allerdings, in diesem Buch, das geschrieben ist als Lebensrückblick, zu zeigen, wie globales Bewusstsein entstehe, ein Bewusstsein, bei dem "alles mit allem zusammenhängt", ist er nicht sehr weit gekommen. Denn man kann zwar das weit Entfernte und das viele Ungleichzeitige in der Welt durchaus nebeneinander stellen, wie das Loetscher tut, doch es ergibt keine geschlossene und in sich stimmige Erzählung. Ich glaube auch nicht, dass das überhaupt möglich ist.

Und so bleibt ein durchaus lesenswertes Netzwerk von Erfahrungen, Reisen und Erkenntnissen eines Mannes, der quasi durch seine eigene Biografie tanzt. Ein anregendes und intellektuelles Lesevergnügen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schweizer oder Weltbürger, das ist hier die Frage, 9. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: War meine Zeit meine Zeit (Gebundene Ausgabe)
Schon mit dem Titel begründet Hugo Loetscher seinen Stil, der ihn mit immer neuen Fragen bewegt hat, die er z.T. nicht beantworten kann und will.
Zürich ist die Stadt der Herkunft und des Aufbruchs von Hugo Loetscher, des Schweizer Schriftstellers, Journalisten und Reiseberichterstatters.
Zwischen Melancholie, Zweifel und Skepsis bewegen sich seine Reflexionen, die einer Reise durch das letzte Jahrhundert gleichen.
Er ist nicht gefragt worden, ob er geboren werden will,--wie vielen mag es mit dieser Frage ähnlich ergehen wie diesem nachdenklichen und weitgereisten Dichter?
Sein sinnierender und eindrucksvoller Lebensbericht beschreibt die Anfänge seines Lebens als eines Bewohners des Diesseits und des Jenseits, womit er seinen Wohnort diesseits und jenseits des Flüsschens Sihl meint. Von der Sihl bis zum Nil und zum Amazonas reichen seine Reiseeindrücke, mit denen sich immer auch Lebenserfahrungen verbinden. Aufmerksam und klar in der Beobachtung erlebt er sprachliche Ausdrücke, und sieht hinter der Sprache Inhalte wie in diesem Satz eines Arabers:"Du hast uns einsam gemacht",--im Schweizerdeutsch gleichbedeutend nach langem Wiedersehen mit "da chunnt ein Frömde"; " da kommt ein Fremder".

Er ist und bleibt von Kindheit an ein Fragender und ein Ratloser. Das "Woher" oder "Wohin" beschäftigt ihn über die Jahre wie viele andere seiner Schriftstellerzeitgenossen. Mit einigen verband ihn Freundschaft wie Friedrich Dürrenmatt oder Max Frisch, mit denen er in einem Namen genannt wird.

Seine Stadteindrücke von Venedig über Rom und Neapel bilden den Grundstock, von dem aus man seine weiteren Reisen betrachtet. Örtlichkeiten, Mentalitätsgeschichten und atmosphärische Impressionen lassen den Leser unmittelbar teilhaben an seiner Geschichte, die ihn mit den Trümmern des zweiten Weltkriegs in Berlin und Frankfurt ebenso konfrontiert hat wie mit Fragen nach dem Minarettstreit in der Schweiz. Geschichtswissen und politische Historie begleiten ihn in Griechenland zu den Wirkungsorten bekannter Philosophen der Antike. In Istanbul befindet er sich zugleich in Byzanz und Konstantinopel und weiß über die Geschichte dieser Stadt profund zu berichten. Er hat die Welt nicht erobert, sondern beobachtend sie sich zu eigen gemacht.
"Das NIE GANZ DAZUGEHÖREN schärfte wohl den Blick für das, was sonstwo und sonstwie nicht dazugehörte". Mit diesen Worten gibt er recht genau wieder, wie er sich in der Welt gefühlt hat.

2009 wurde mit Hugo Loetscher ein Weltbürger zu Grabe getragen, dessen Wirken und Schreiben für viele unvergessen bleibt.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine tief bewegende und würdige literarische Lebensbilanz., 20. November 2009
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: War meine Zeit meine Zeit (Gebundene Ausgabe)
Einen Tag vor seinem Tod, konnte der Schweizer Autor Hugo Loetscher voller Freude den Schwestern auf der Intensivstation eines Züricher Krankenhauses das erste gebunden Exemplar seines literarischen Vermächtnisses "War meine Zeit, meine Zeit" zeigen.
In kurzen Geschichten und mit knappem Vokabular hat er die zahllosen Szenen zu einem kleinteiligen Kaleidoskop verwoben. Durchgängig ist dabei seine hintergründige Ironie. Er erzählt in der ersten Person, beginnt mit der Geburt, "Wie alle bin ich ungefragt auf die Welt gekommen. Ich gehöre zu denen, die versuchten, daraus etwas zu machen." Und er geht auch ungefragt schließlich wieder aus diesem Leben. Dazwischen ist eine Brücke. Er schildert die Kinderjahre, Schul- und Studienjahre, folgt dabei in seinem reisegeprägten Lebenslauf, am Züricher Proletenfluss" Sihl beginnend, nicht dem Lauf seines Lebens, sondern als Vielgereister dem Lauf der Flüsse. Und auf diesem Fluss sieht er ein Holzscheit vorbeischwimmen. Dieses Holzscheit schwimmt aus dem dreckigen Fluss seiner Heimat mit dem Siechenhaus und dem Krematorium in einen feinen, sauberen Fluss des Bürgertums. Den Flüssen folgen die Ufer verbindenden Brücken und über die Meere, in die die Flüsse einmünden, gelangt der Autor in die vielen Länder die er während seines Lebens bereist hat.

Er war eben ein Fixstern am Literaturhimmel der keine Grenzen kannte, aber immer wieder an den gleichen Ort zurückkehrte. Es ist die weite Welt, mit der er sich verknüpft. Eigentlich hat er keinen Himmel und keinen Gott über sich und er kann diese Welt nur zu seiner machen, in dem er auf die Menschen zugeht, sie umarmt und in der Liebe zu seinen Mitmenschen diese zu Gefragten macht. Das ist ein wichtiges Thema bei Loetscher. Diese Empathie ist so unendlich stark in dem Buch, dass er eigentlich immer in der Hinwendung zu den Menschen lebt und schreibt.

In der Mitte seines Buches setzt er sich mutig auch mit privaten Themen, wie der eigenen Sexualität auseinander, wobei er auch hier mit erzählerischem Einfallsreichtum mehr über die biblischen Figuren David und Jonathan schreibt als über sich. Zum Schluss reflektiert er mit Kühnheit und Klarheit über das Alter, den Tod und die Götter. "Erzähl mir von deinem Gott". "Den Grabstein oder die Grabplatte werden andere setzten und während der Dauer meiner Verwesung wird man die Information lesen Hugo was here"."

In diesem letzten Buch ist eigentlich alles vorhanden, was bisher Loetschers Werk ausgezeichnet hat. Es ist weniger sinnlich als sein Lebensfreund Dürrenmatt, weniger rigoros als sein Landsmann Max Frisch. Seine raffinierte Erzählkunst gleicht im Tempo einem dahin fließenden Strom, der nie schneller und auch nie langsamer wird. Dabei zappt er mit seinen Themen ohne Scheu vom Allgemeinen ins Persönliche und bei den vielen Zwischentönen, vermischt mit unterschwelliger Ironie und Melancholie, glaubt man die von ihm bekannte Verschmitztheit in der Stimme heraus zu hören, denn das Vulkanische seines Mundes war sein Markenzeichen.

Man muss dieses Buch in eine Reihe stellen mit "Der Immune" und "Die Papiere des Immunen". Viele Episoden kommen in allen Büchern vor, aber nirgends sind sie so gleitend. Alle drei Bücher sind autobiografisch gefärbt. Für Loetscher ist immer wieder die Rückkehr ebenso wichtig, wie die Abreise aus der engen heimatlichen Welt.

Man kann "War meine Zeit, meine Zeit" auch als eine Art Bildungsroman sehen. Der Weg vom einfachen proletarischen Elternhaus zum Weltbürger, wobei Loetscher sich nie hat aufsaugen lassen und immer seine Widerständigkeit bewahren konnte. Der Immune heißt ja, ich lasse mich nicht aufsaugen und ich halte eine gewisse Distanz, auch eine ironische Distanz.
Die Bewegung von seinem einfachen Elternhaus hin zum Weltbürger und wieder zurück in die Heimat. Dieses Hin und Her fand ich ganz großartig und ungeheuer sympathisch. Immer ist es eine Rückkehr zu sich selber, der Planet wird sein Blutsystem, er schwimmt auf den Flüssen durch die Welt, kehrt aber immer wieder an seinen Schreibtisch zurück.

Dieses letzte Buch ist eine Art Meditation und man hat das Gefühl als ob ein sechster Sinn dem Autor sagte, dass seine Lebensuhr bald abgelaufen sein würde, denn in diesem Buch ist ganz viel Abschied drin und auch immer wieder die Frage, was wird aus meinen Büchern.

Dieses literarische Vermächtnis des Schweizer Autors ist ein ganz wunderbares Buch. War seine Welt, seine Welt?
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Neue Perspektiven, 5. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: War meine Zeit meine Zeit (Gebundene Ausgabe)
Hugo Loetscher hat in seinem letzten Buch ein Vermächtnis über etwas andere Perspektiven zur Umgebung und zum Leben hinterlassen. Der Fluss als Symbol des Lebens zieht sich wunderbar als roter Faden durch diese nicht immer geradlinige Lebensgeschichte. Man muss schon bereit sein, seinen Gedankensprüngen ( manchmal auch über den Fluss ) zu folgen - dafür wird man dann immer wieder mit überraschenden "Aussichten" und Einsichten belohnt.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Intellektueller Höhenrausch / Einfache wunderbare Sprache, 6. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: War meine Zeit meine Zeit (Gebundene Ausgabe)
Der Tod von Hugo Lörtscher hat mich betroffen gemacht. Dieser Homme de Lettres, der durchaus als Gewissen der Schweiz gelten darf und kann, hat mit diesem Buch ein vermächtnis literarischer Art hinterlassen, das sowohl Lesefreude als auch grösstmöglichen Denkspass bietet.

Er schreibt seine Erinnerungen auf, parliert über Politik, Literatur, seine Beziehungen zur Kirche, zur Schweiz zu Zürich und zur ganzen Welt. Dies gelingt ihm (fast) ohne, dass er streckenweise geschwätzig wird. Ich habe dieses Buch, dieses wunderbare Buch mit Wonne gelesen und werde es wieder tun... Danke Hugo Lörtscher für dieses Werk.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf den Spuren seines Lebens philosophiert der Autor......, 14. März 2014
Rezension bezieht sich auf: War meine Zeit meine Zeit (Gebundene Ausgabe)
.......und erzählt facettenreich sein Leben. Eine Rückschau auf die Ereignissse und Eindrücke die sein Leben in ihm hinterlassen haben, von einem der ungefragt in die Welt geworfen wurde und versucht hat daraus etwas zu machen. Ich glaube, dass ihm das gelungen ist. Er folgt den Spuren der Vergangenheit die in seine ganz persönliche Zukunft führen und fragt sich ob seine Zeit eine Unzeit gewesen sei. Und er schliesst, dass er trotz aller Widerwärtigkeiten wolle, dass es diese Welt gebe wegen all derer, die er liebe, weil Zuneigung keine Rechtferigung braucht.

Er führt uns in seinem ihm eigenen Erzählstil auf 408 Seiten durch sein Leben, zu kleinen und grossen Ereignissen und teilt seine Nachdenklichkeit, seine Überlegungen mit den Lesern.

Ich wünsche diesem letzten Buch das von ihm herausgegeben worden ist viele Leser. Es ist die Autobiografie Hugo Loetscher's und damit Zeitgeschichte eines Weltbürgers aus Zürich. Erzählungen seiner Kindheit sind gleichsam Erzählungen vieler Kindheiten in Zürich die seine Erlebnisse jener Zeit mit ihm teilen. Der Fluss seiner Kindheit ist der Fluss vieler Kindheiten.
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8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Loetscher ehrt sich mit seinem neuen Buch posthum, 28. August 2009
Rezension bezieht sich auf: War meine Zeit meine Zeit (Gebundene Ausgabe)
Die ersten hundert Seiten sind sehr gut, und ich freu mich auf den Rest. Keine Chronologie seines Lebens, dafür ein Mosaik mit Querverweisen, Assoziationen. Alles fliesst, Bilder entstehen im Kopf des Lesers. Im Alter verdichten sich die Eindrücke und werden neu zusammengesetzt. Hugo Loetscher gelingt dies meisterhaft.
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4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das letzte Buch des Hugo Loetscher, 4. November 2009
Von 
HEIDIZ "Bücherfreak" (Heyerode) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: War meine Zeit meine Zeit (Gebundene Ausgabe)
Hugo Loetscher ist der Autor des Buches, welches ich euch heute vorstellen möchte.

Er verstarb leider in diesem August.
Hugo Loetscher wurde am 22. Dezember 1929 in Zürich geboren.
Er studierte Philosophie, Soziologie und Literaturwissenschaft. Er ist Doktor der Philosophie.

Dem ein oder anderen unter euch wird vielleicht die Dürrenmatt-Affäre bekannt sein. Loetscher kannte Friedrich Dürrenmatt und nach dessen Tod wurde er von Dürrenmatts Frau angegriffen, weil sie sich bezüglich eines Textes, den Loetscher über Dürrenmatt verfasste in ihren Persönlichkeitsrechte angegriffen fühlte. (Das benannte Werk heißt: Lesen statt klettern.)

Weitere seiner bekannten Werke:

Die Augen des Mandarin. Roman. Diogenes, Zürich 1999
Saison. Roman. Diogenes, Zürich 1995
Die Papiere des Immunen. Roman. Diogenes, Zürich 1986
Der Buckel. Geschichten. Diogenes, Zürich 2002
Es war einmal die Welt. Gedichte. Diogenes, Zürich 2004

War meine Zeit meine Zeit ist sein leider letztes Werk.

Inhalt:
=====

Das Buch beginnt mit einem sehr sinnigen und eigentlich schon beinahe weisen Ausspruch:

WIE ALLE BIN ICH UNGEFRAGT AUF DIE WELT GEKOMMEN. ICH GEHÖRE ZU DENEN, DIE VERSUCHEN, DARAUS ETWAS ZU MACHEN.

Das Buch ist, wie man hier merkt, in der ICH-Schreibweise geschrieben.

Das Buch beginnt damit, dass ein Junge an einem Fluss sitzt und mit einem Schiff aus Holz spielt, dieses ins Wasser lässt. Unser Autor ist ganz sicher dieser kleine Junge, der zu einem Schriftsteller wird ...

Schon sein 1975 erschienenes Buch "Der Immune" ist eine Teilbilanz seines Lebens gewesen, hier nimmt er irgendwie Bezug auf dieses damalige Buch und weitet es aus.
Man spürt, dass Loetschers Vater auch hier wieder eine Rolle spielt, aber seine Verbindung zu ihm und sein Empfinden ihm gegenüber ist wesentlich positiver zu bemerken ist. Man spürt auch hier eine Wandlung.

meine Meinung:
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Ich kann es nicht definieren, aber beim Lesen des Buches habe ich empfunden, als hätte Hugo Loetscher beim Schreiben des Buches irgendwie geahnt, dass es sein letztes Werk sein soll. Ich kann es nicht anders sagen und ich weiß auch nicht warum ich so denke, aber ich wollte es trotzdessen erwähnt haben.

Ich habe dieses Buch mit großem Interesse, mit Spannung und Unterhaltung gelesen.

Loetscher ist ja für seine unnachahmliche Schreibweise bekannt, die er auch hier in diesem Werk wieder sehr gut zum Ausdruck brachte.

Irgendwie ist es eine Bilanz, die der Autor zieht. Flüsse und Brücken werden hineingewoben in die Texte, die irgendwie eine Reise durch sein literarisches Leben sind, an Flüssen entlang, so wie er sein Leben mit seinen Reisen durch Lateinamerika, Südostasien und den USA erlebt haben mag.

Man kann sagen, das Loetscher mit diesem Buch einen Streifzug durch sein Leben, durch die Welt an sich, durch Politik, Literatur, Religion usw. erschaffen hat. Er lässt den Leser an seinen Gedanken teilhaben und lässt ihm aber auch genügend Raum, sich ein eigenes Bild zu machen von der Welt.

Es ist ein sehr bildhaftes Buch, eine bildhafte Geschichte mit vielen Fassetten, die mich sehr beeindruckt haben. Die Geschichte ist sehr flüssig geschrieben - einfach meisterhaft.

Schon allein der Titel lässt so viel erhoffen, lässt den Leser nachdenken, was der Inhalt des Buches wohl sein mag und lässt aber auch schon ein wenig durchblicken, um was es im Buch gehen könnte.

So viele realisitische Szenen und Details, so viele Lebensweisheiten und Empfindungen auf einem Haufen - in einem Buch - das ist wirklich Anerkennung wert - um so viel Trauriger ist es, dass dieser Schriftsteller nicht mehr unter uns ist.

Loetscher stellt im Buch Fragen, Fragen an sich, an den Leser? Beantwortet sie teilweise oder lässt sie im Raum stehen ...

Ich finde dieses Buch zum Anregen zum Nachdenken über phisolophische Dinge besonders gut, ich bin angetan von Loetschers Gedanken und wie er diese im Buch in die Geschichte hineingebracht hat.

Am Schluss noch eine kurze Leseprobe:
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Deckungsgleich - aber keine Decke groß genug. Da spottete ich umsonst: Identität sei etwas für den Friedhof. Dort seien alle identisch mit sich selbst, da keine Herausforderung mehr an sie herankommt und keine Veränderung mehr möglich ist.

Nationale Identität - in meinem Fall Schweizer-Sein. Das ist das eine. Das deckt nicht ab, was ich sonst bin. Was bin ich sonst noch? Ich bin zugehörig zu einem Land, das viersprachig ist. Das prägte insofern, als mir immer klar war, dass es neben meiner eigenen Sprache noch andere gibt, die meine Identität ausmachen, ob ich sie beherrsche oder nicht ...

Zusammenfassend ein sehr melodisches und zu Herzen gehendes Buch, für welches man sich schon Zeit und Muße nehmen sollte. Als Urlaubslektüre der lockeren Art vielleicht nicht unbedingt geeignet, man muss sich darauf einlassen, um in die Geschichte und das Leben des Hugo Loetscher eintauchen zu können. Man kann auch viel von ihm lernen. Ich finde, ein Buch, welches man gelesen haben sollte.
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War meine Zeit meine Zeit
War meine Zeit meine Zeit von Hugo Loetscher (Gebundene Ausgabe - 25. August 2009)
EUR 21,90
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