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5.0 von 5 Sternen Gute Unterhaltung
Weynfeldt ging ins Bad, duschte und zog einen frischen Pyjama an. Wie jeden Abend. Er besaß vierzehn Pyjamas, alle von seinem Hemdenmacher, alle mit Monogramm, sechs hellblaue für gerade Tage, sechs blauweiß gestreifte für die ungeraden, zwei weiße für die Sonntage. Eine der kleinen Marotten, die er sich leistete und mit denen er ein wenig...
Veröffentlicht am 9. Dezember 2011 von Tanja Heckendorn

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85 von 95 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Buch wie eine schweizer Uhr
Was könnte Martin Suter doch für fantastische Romane schreiben. Es scheint mittlerweile, als habe der Autor sein Pulver als großer Geschichtenerzähler bereits mit seinen beiden ersten Romanen "Small Word" und "Die dunkle Seite des Mondes" verschossen. Zu belanglos, zu beliebig, uninspiriert und in ihrer Entwicklung vorhersehbar waren alle...
Am 17. Februar 2008 veröffentlicht


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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Unterhaltung, 9. Dezember 2011
Von 
Tanja Heckendorn "heckendorn" (Lörrach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Weynfeldt (Broschiert)
Weynfeldt ging ins Bad, duschte und zog einen frischen Pyjama an. Wie jeden Abend. Er besaß vierzehn Pyjamas, alle von seinem Hemdenmacher, alle mit Monogramm, sechs hellblaue für gerade Tage, sechs blauweiß gestreifte für die ungeraden, zwei weiße für die Sonntage. Eine der kleinen Marotten, die er sich leistete und mit denen er ein wenig Luxus und ein wenig Regelmäßigkeit in sein Leben brachte. Denn er glaubte an die Regelmäßigkeit als lebensverlängernde Maßnahme.
Es auch die andere Theorie: Die Regelmäßigkeit mache die Tage gleichförmig, und je mehr sich die Ereignisse und Gewohnheiten wiederholten, desto ähnlicher würde sich die Tage und damit die Jahre. Bis das Leben einem wie ein einziges Jahr vorkomme.
Weynfeldt war vom Gegenteil überzeugt. Je öfter man die gleichen Dinge tat, die gleichen Orte besuchte und die gleichen Leute traf, desto kleiner würden die Unterschiede. Und je kleiner die Unterschiede, desto unmerklicher vergehe die Zeit. Jemand, den man jeden Monat sieht statt nur jedes Jahr, bleibt immer gleich alt. Und man selbst kommt dem andern auch immer gleich alt vor.
Die Regelmäßigkeit verlangsamt den Lauf der Zeit. Davon war Weynfeldt fest überzeugt. Die Abwechslung mag das Lebens ereignisreicher machen, aber sie machte es bestimmt auch kürzer.
("Der letzte Weynfeldt", Seiten 16, 17).

Zwischen Kunstbetrug und Liebesspagat siedelt Martin Suter seine Geschichte an, die durch ihre schlichte Eleganz bezaubert, mit subtiler Spannung angereichert und mit feinem Humor garniert ist. Es ist eine reine Freude diesen Roman zu lesen, den man wahrscheinlich nach einem Abend durchliest und sich dabei niveauvoll und angenehm unterhalten fühlt.

Adrian Weynfeldt heißt der Held dieser Geschichte. Weynfeldt führt als respektabler Kunstexperte und Junggeselle im mittleren Alter ein sehr geregeltes Leben. Und doch beginnt dieser Roman mit einer dramatischen Eingangssituation: Eine Frau steht vor ihm auf dem Balkongeländer, entschlossen ihrem Leben ein Ende zu setzen. Diese Frau hatte Adrian, ganz gegen seine sonstigen Gewohnheiten nach erster Bekanntschaft in einer Bar zu sich nach Hause mitgenommen. Jetzt ist der nächste Morgen und seine neue Bekannte fordert ihn auf, nur einen Grund zu nennen, damit sie das Balkongeländer nicht los lassen wird. Nur einen einzigen. Wie durch ein Wunder findet Adrian zu einer Geste voller Gefühl und damit zu einer ganz neuen Situation. Denn die rothaarige Dame, die sich nun doch überreden lässt, nicht zu springen, ist überzeugt, dass Weynfeldt nun für ihr Leben verantwortlich ist. Eine Verantwortung mit weit reichenden Konsequenzen - und zwar für einige Personen dieser Geschichte.
Und dann ist da noch das Kunstgeschäft Adrians. Es geht um das Gemälde "Femme nue devant salamandre", des Malers Félix Vallottons, welches man abgedruckt auf dem Umschlagbild des Buches betrachten kann. Ein langjähriger Kunstsammler hat sich entschlossen, sich von diesem wertvollen Bild zu trennen. Es wird Weynfeldt anvertraut. Er soll es bei einer Kunstaktion zu einem Höchstgebot versteigern. Eine Herausforderung, die der Kunstexperte mit Ehre und Gewissen zur Zufriedenheit seines Kunden meistern kann. Doch diesmal hat dieser Auftrag einen Haken.

Mit der Figurenzeichnung des Adrian Weynfeldt ist dem Autor ein ganz besonderes Kunststück gelungen. Die Tiefe der Darstellung seines Charakters beeindruckt den Leser und macht ihn neugierig auf die Entwicklung der Geschichte, die mit einigen, kleinen Überraschungen aufwartet. Der moralische und doch so humorvoll vorgetragene Schluss ist ein gelungener Schachzug des Autors. Zufrieden lächelnd beschließt man das Buch und freut sich schon auf weitere anregende Geschichten von Martin Suter.
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85 von 95 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Buch wie eine schweizer Uhr, 17. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Weynfeldt (Gebundene Ausgabe)
Was könnte Martin Suter doch für fantastische Romane schreiben. Es scheint mittlerweile, als habe der Autor sein Pulver als großer Geschichtenerzähler bereits mit seinen beiden ersten Romanen "Small Word" und "Die dunkle Seite des Mondes" verschossen. Zu belanglos, zu beliebig, uninspiriert und in ihrer Entwicklung vorhersehbar waren alle literarischen Werke, die danach kamen - "Der letzte Weynfeldt" leider eingeschlossen.

Was mich allerdings bei Suter hält, ist seine wunderbare Sprache. Die Präzision, in der er Charaktere, Stimmungen, Empfindungen, Orte und Begebenheiten beschreibt, ist selten geworden in der deutschen Gegenwartsliteratur. Es gelingt ihm immer wieder mit schnellen, präzisen und sprachlich wunderbar virtuos geführten Strichen, Wortbilder zu zeichnen, die den Leser so tief und umfassend in seine Geschichten eintauchen lassen, als nähme man als stiller Beobachter unmittelbar an der Handlung teil. Als könne man die von Suter beschriebenen Szenen, Protagonisten, Räume, Speisen, Gerüche, Requisiten und Kulissen mit allen Sinnen erfahren. Martin Suter hat hierfür ein unglaubliches Können entwickelt, aus diesem Grund schätze ich ihn und lese ihn immer wieder gern.

Seine Geschichten werden hingegen zuehmend banaler, gehen immer mehr ins Klischeehafte, erzeugen keine Nachhaltigkeit, bleiben flach und damit letztlich nur unterhaltend. Sollte dies seine Intention sein, also schlicht zu unterhalten, dann gebührt ihm großer Repekt, viel besser kann man es nämlich nicht machen. Ich weigere mich allerdings zu glauben, dass Suter einfach nur ein Autor für Unterhaltungsliteratur sein will. Einer der regelmässig einen neuen Roman produziert und damit schlicht einen Beruf ausübt. Dafür spürt man in seinen Büchern zu viel Leidenschaft am Erzählen und Beschreiben, zu viel Liebe zum Detail und am Sujet. Zugute halten muss man Martin Suter allerdings, dass er immer wieder interessante Themen als Rahmen für seine Geschichten wählt. Er recherchiert hierfür sehr gut, lässt eigene Erfahrungen einfließen, schafft damit Aufmerksamkeit für bestimmte Themen und bietet dem Leser neue Blickwinkel. Hierbei geht Suter auch durchaus kritisch und ironisch mit einem Thema um. Beispielsweise mit dem Literaturbetrieb in "Lila, Lila" oder mit dem internationalen Kunstmarkt in seinem aktuellen Buch. Das gefällt, wirkt authentisch und rettet so manche Geschichte davor, gänzlich in Belanglosigkeit zu verschwinden. Legt man den ausgelesenen Roman dann aber beiseite, bleibt nichts zurück. Man kann sofort wieder zur Tagesordnung übergehen und hat die Geschichte nach kurzer Zeit schon wieder aus seiner Erinnerung verloren. Das war bei seinen frühen Romanen anders.

Und hiermit komme ich wieder zu meinem einleitenden Satz. Was könnte Martin Suter doch für fantastische Romane schreiben. Er hat ein großes Talent, hat diese wunderbare Sachlichkeit, Klarheit, Unaufgeregtheit und Präzison in seiner Sprache. Leider überträgt sich dieses Können nicht auf die Entwicklung seiner Geschichten. Er könnte ein wirklich großer Literat werden, würde er wieder zu der Dichte und Intensität seiner frühen Geschichten zurückkehren. Dies ist das Dilemma mit Martin Suter. Er schreibt zu gut, als dass man seine letzten Bücher als reine Unterhaltungsliteratur abtun könnte. Aus diesem Grund bringt es auch der Literaturkritker Denis Scheck nicht übers Herz, Suters jüngsten Roman "Der letzte Weynfeldt" in seiner Sendung "Druckfrisch" die berühmte Ausschußrampe hinunterzustoßen, sondern auf den Stapel der lesenswerten Bücher zu legen, wenn auch zögerlich und dies rein Suters hervorragendem Erzählstil geschuldet. "Der letzte Weynfeldt" ist ein schönes, lesenswertes Buch. Ästhetisch, präzise, solide und gediegen. Ein Buch wie eine schweizer Uhr. Man kann sich daran erfreuen, aber letztlich erfüllt sie nur einen banalen Zweck.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Turbulenzen die ein geregeltes Leben aus den Fugen geraten lassen, 12. Juni 2008
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Weynfeldt (Gebundene Ausgabe)
Wie in seinen viel beachteten Romanen "Small World" und "Der Teufel von Mailand" besticht auch sein neues Oeuvre "Der letzte Weynfeldt" durch einen schlanken, raffiniert gemachten und fesselnden Plot. Ein berühmtes Bild des Schweizer Malers Félix Vallotton, "La femme nue devant une salamandre", spielt eine geheimnisvolle Rolle. Schnittlinien zwischen dem Autor Suter und dem Maler Vallotton sind der kühl-ironische Blick auf die gesellschaftliche Doppelmoral, eine Mischung aus Gutbürgerlichkeit und Schamlosigkeit. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, um den Lesespaß nicht zu Spoilern.

Der Protagonist Adrian Weynfeldt, Junggeselle, Mitte fünfzig, großbürgerlicher Herkunft, vermögender Immobilienbesitzer mit einem Jahreseinkommen von einer Million Euro, Designsammler und Kunstexperte bei einem internationalen Auktionshaus lebt in einer riesigen 500-Quadratmeter Wohnung im Zentrum der Stadt. Und wie sollte es anders sein, die Wohnung ist ausstaffiert mit Schweizer Kunst und Designermöbeln. Sein Freundeskreis rekrutiert einerseits aus viel jüngeren Menschen, die ihn wegen seines Reichtums bewundern und aus älteren, die seiner Elterngeneration angehören könnten. Eigentlich genießt er die Einsamkeit, mit der Liebe hat er schon lange abgeschlossen. Doch eines Tages ändert sich sein bisheriges Leben schlagartig. In einer Bar wird er von einer jüngeren Frau angesprochen, die ihn an eine Liaison aus vergangen Tagen erinnert. Es ist Lorena Steiner, eine etwas abgetakelte 37- jährige Schönheit. Sie umgarnt ihn und entgegen seinen Gepflogenheiten nimmt er sie mit nach Haus. Am nächsten Morgen steht sie außerhalb der Balkonbrüstung und droht zu springen. Er rettet sie, sie outet sich und bittet Weynfeldt von nun an ihre Angelegenheiten zu regeln und sie aus ausweglosen Situationen zu befreien. Das bisher geregelte Leben des Junggesellen Weynfeldt gerät aus den Fugen, die Geschichte entwickelt sich ganz anders als er es erwartet hatte. Im Zusammenspiel mit einem kriminellen Kleiderverkäufer beutet Lorena ihren Adrian nach allen Regeln der Kunst aus. Nichts ist so, wie es scheint in dieser Welt der betrogenen Betrüger.

Suter schreibt in einer Klarheit der Sprache die geradezu phantastisch ist, wenn auch eine gewisse historische Patina auf seiner Prosa liegt, dann wenn die Wirklichkeit aus den Bahnen gerät und die Identität zerrinnt. Flüssig und atmosphärisch dicht schreibt er diese aufregende und nahezu filmisch gebaute, kurzweilige Geschichte, die einen Sog entwickelt von dem man sich gern gefangen nehmen lässt. Dieses bestechende Buch sollten Sie unbedingt lesen.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meister der deutschen Sprache, 3. Mai 2008
Von 
Abby Normal - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Weynfeldt (Gebundene Ausgabe)
Martin Suters Werke leben nicht von seinen Geschichten allein. Er versteht, es wie kaum ein anderer, die Sprache zu formen. Seine Bücher funktionieren so auf mehreren Ebenen. Man kann schnell die Geschichte aufsaugen, oder man kann die Sätze auf sich wirken lassen und selbst zwischen den Zeilen lesen.

Ich gehöre zu denen, die auch vom TEUFEL VON MAILAND begeistert waren. Wie Suter darin allein die Synästhesie beschrieb, war ganz große Klasse.

In DER LETZTE WEYNFELDT wendet er sich wieder einmal einem ganz anderen Thema zu. Der Kunst. Dabei ist die Geschichte selbst alltäglicher als in seinem letzten Buch. Nichts Übernatürliches, keine Wunder, keine Flüche. Es handelt von Liebe und Einsamkeit, Erfolg und Versagen, Freundschaft und Verrat. Es geht um viel Geld, aber auch um alltägliche, zwischenmenschliche Probleme.

Das macht DER LETZTE WEYNFELDT auch für die gut lesbar, die mehr Wert auf die Geschichte legen und sich nicht nur von Sprache verzaubern lassen möchte. Wenngleich sich die Geschichte an sich eher langsam entfaltet (für Suters Verhältnisse aber dennoch relativ schnell). Die Handlungsstränge laufen lange Zeit parallel, bis sie am Ende zu einem unheimlich spannenden Finale zusammenfinden.

Martin Suter überrascht mit Einblicke in die Malerei und einem unglaublichen Auge für Details. Hier merkt man, dass er sehr viel recherchiert hat für dieses Buch. Mit einer Leichtigkeit und Präzision beschreibt er die Kunstwerke und lässt den Leser selbst banale Dinge und Landschaften durch die Augen eines Künstlers sehen. Passend zum Sujet, erzählt Suter die Geschichte mit penibel genauen und teils belanglosen Beschreibungen, mit denen er wahre Bilder in den Köpfen der Lesern malt. Dabei bedient er sich auch vieler Fachbegriffe, mit denen man zum Teil zwar nicht viel anfangen kann, aber dennoch genau versteht, was Martin Suter damit meint. Das nenne ich meisterhaft!

Dasselbe gilt freilich für die Beschreibungen der Figuren. Suter beweist wieder einmal seinen Ideenreichtum und sein Gespür für plastische, interessante Figuren. Allen voran die Hauptfigur Adrian Weynfeldt, ein Mann der alten Schule. Martin Suter stellt ihn vor Konflikte und es macht Spaß zu lesen, was Weynfeldt denkt und was er tut. Warum er es tut. Eine gekonnte Mischung aus menschlichen Schwächen und Prinzipien macht ihn liebenswert und es wächst die Spannung, wie weit seine Liebenswürdigkeit geht.

Aber, wie gesagt, ich bin begeistert von der Sprache. Trotz der genauen Beschreibungen schafft es Martin Suter, Klischees zu vermeiden und für seine Beschreibungen Details zu finden, die einerseits originell und zugleich subtil sind und andererseits durch eine indirekte Art ein genaues Bild vom Beschriebenen schaffen. Martin Suter ist einer der wenigen Autoren, der selbst Banales interessant darzustellen vermag, indem er es durch Handlung beschreibt. Er versteht es auch, den Leser auf die Folter zu spannen, Fragen aufzuwerfen und erst später zu beantworten - und zwar anders, als man erwartet hatte.

DER LETZTE WEYNFELDT ist ein geniales Werk. Es steht auf einer Stufe mit seinen bisherigen Erfolgen SMALL WORLD oder DIE DUNKLE SEITE DES MONDES. Es ist sogar ausgereifter. Auch wenn Suter schon immer einen einmaligen Stil hatte, so hat selbst er noch dazugelernt. Und so habe ich angefangen zu lesen und konnte das Buch einfach nicht mehr weglegen. Perfekt!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geld oder Herz?, 11. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Weynfeldt (Broschiert)
Zwei Welten prallen aufeinander, als sich Dr. Adrian Weynfeldt, gut situierter letzter Nachkomme einer alten Industriellenfamilie, und Lorena, ein in die Jahre gekommenes Ex-Model und Gelegenheitsdiebin, eines Abends in einer Bar kennenlernen. Keine einmalige, vielmehr eine schicksalhafte Begegnung für beide, wie sich bald herausstellt.

Wer die Schweiz mag, der kann Martin Suter nur schwer abgeneigt sein. Diskretion und Behäbigkeit (nicht zu verwechseln mit Langeweile), beides hierzulande unbekannt, fast schon verpönt, ziehen sich durch die gesamte Geschichte. Es passiert im Grunde nicht sonderlich viel, Suter hat auf den ersten Blick nichts Weltbewegendes zu verkünden. Seine Protagonisten scheinen mit geschlossenen Augen durchs Leben zu laufen, sind Gefangene ihrer festgefahrenen Rollen. Wie so oft bedarf es einer Initialzündung, um das Leben doch noch aus den gewohnten Bahnen zu werfen. Auf der einen Seite der sorglose Schöngeist, umgarnt von allerlei "Freunden", jedoch viel zu gut erzogen und auf Manieren achtend, um seinem Schicksal als gutmütige, unerschöpfliche Finanzierungsquelle den Garaus zu machen. Andererseits die vom Leben und den Männern Enttäuschte, die der Versuchung aufs große Geld um jeden Preis nicht widerstehen kann, was jedoch innerlich zu einem weitaus größeren Konflikt führt als gedacht.
Suter ist kein Mann der großen Worte, von Übertreibungen und Ausschweifungen bleibt der Leser verschont. Sein sachlicher, nüchterner Schreibstil ist ein Genuss und macht schon allein jedes seiner Bücher lesenswert.
"Der letzte Weynfeldt" mag vielleicht nicht mit Suters absoluten Highlights mithalten können, eine Empfehlung wert ist die Story jedoch allemal.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprachlich erstklassig, fesselnder Plot, so wird Literatur zum Genuss, 7. August 2012
Von 
Ela Flury (Rastatt, Baden-Württemberg Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Weynfeldt (Broschiert)
Martin Suter ist wahrlich ein ganz Großer, seine Wortwahl immer ungewöhnlich, stimmungserzeugend und brillant. Allein wie er seine Romanfiguren beschreibt, ihnen im Laufe der Geschichte immer mehr Charakter und Leuchtkraft gibt, sucht seinesgleichen.
Aber auch seine Fähigkeit, einen Plot vorzubereiten, ist unvergleichlich gut.
Diese Geschichte, die in der Welt der Kunst, der Kunstauktionen, aber auch des Geldes oder zumindest des Scheins von Geld spielt, hat es in sich. Ganz langsam entwickelt sich ein Spannungsbogen, dessen Auflösung man als Leser entgegenfiebert.
Adrian Weynfeldt, ein wohlhabender, integerer Kunstexperte, der mit der Liebe eigentlich abgeschlossen hat, lernt Lorena kennen, eine schillernde Frau, für die Moral ein dehnbarer Begriff ist. Sie hat gelernt, wie man sich durchs Leben mogelt und wie sie Männer für ihre Zwecke einspannt.
Als sie in Adrians Leben tritt, hat dieser eine wichtige Entscheidung zu treffen, die zeigen wird, wie seriös oder eben bestechlich dieser ist.
Ein großartiger Roman, der mich begeistert hat! Unbedingt lesenswert!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solide erzähltes Kunstmarkt-Intrigenspiel, 21. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Weynfeldt (Gebundene Ausgabe)
Grid Girl, Smooth Jazz Classics, Dinnerjacket, Designer-Takeaway, Badge, Check-in, Catering Service - ein Freund der deutschen Sprache ist er ja nicht gerade, der Schweizer Autor unterhaltsam weggeschriebener Romane. Sprachpuristen kommen hier sicher nicht auf ihre Kosten, Kunstliebhaber schon eher, denn Martin Suter hat sich gut eingearbeitet in die Materie des Kunsthandels, die als Kulisse für ein leidlich unterhaltsames Intrigenspiel dient, in dessen Zentrum der kinderlose Kunstexperte und -liebhaber Adrian Weynfeldt steht, der in einer Schweizer Großstadt für ein internationales Auktionshaus tätig ist.

Weynfeldt macht in einer Bar die Bekanntschaft der lebensmüden Lorena, eines Fotomodells, das schon bessere Tage gesehen hat, kann sie vom geplanten Sprung vom Balkon nach einer gemeinsamen Nacht gerade noch abhalten und verfällt der attraktiven Mittdreißigerin, die etwas Farbe in seinen gleichförmigen Alltag gebracht hat. Doch Lorena spielt ein doppeltes Spiel: Sie hat sich zeitgleich mit dem Ex-Gauner Pedroni zusammengetan, der anlässlich eines Ladendiebstahls in einer Boutique auf die ausgekochte Frau aufmerksam geworden ist. Gemeinsam versuchen sie nun den vermögenden und stets spendablen Weynfeldt auszunehmen, indem sie Pedroni als gefährlichen Geldeintreiber inszenieren.
In einem zweiten Handlungsstrang macht der Leser die Bekanntschaft von Weynfeldts illustrem Freundeskreis, der sich aufteilt in einen älteren und einen jüngeren Zirkel. Etwas bemüht wirkt der Zufall, dass ausgerechnet Strasser, ein begabter Kunstmaler aus dem jüngeren Kreis, für den in Finanznot geratenen Baier aus dem älteren Kreis ein Duplikat des berühmten Félix-Vallotton-Gemäldes "Femme nue devant une salamandre" (Titelbild dieses Bandes) anfertigen lässt, das Baier Weynfeldt unterjubeln möchte, damit er es anstelle des Originals millionenschwer versteigern lässt. Lorena wird nun von Baier angestiftet, Weynfeldt zu dem Betrug zu überreden. Baier hofft, um einer großen Liebe willen und mit einem saftigen Bestechungsbonus obendrauf könnte Weynfeldt bereit sein, seine ehernen Prinzipien sausen zu lassen. Pedroni bekommt durch Lorena Wind von dem Betrugsversuch. Sein Wissen nutzt er für eine schamlose Erpressung. Und Lorena steht vor einer Zerreißprobe.

Die Erfahrung, dass man Suter-Romane nicht mehr aus der Hand legen kann, habe ich zwar trotz der vielen Vorhersagen diverser Rezensenten bei diesem Werk nicht gemacht, aber man muss zugeben, dass der Autor sein Handwerk versteht: Er knüpft ein vielschichtiges Geflecht aus interessanten Figuren und kriminellen Energien, verschränkt geschickt die Handlungsebenen und lässt alles in der Versteigerung kulminieren, auf die sich alle Fäden der Handlung zubewegen. Vor allem seine Hauptfigur, der genügsame, fast lethargisch in sich ruhende und stets berechenbare Weynfeldt, ist Martin Suter sehr gut gelungen, weshalb man auch das Bockshorn ahnt, in das er den Leser im gelungenen Finale jagen will. Ein paar nette Überraschungseier gibt es trotzdem noch und der gelegentliche Griff in die Klischee-Kiste ist auch verschmerzbar. Insgesamt also ein Vier-Sterne-Roman, wäre da nicht dieses blasierte Wir-sind-so-hip-Englisch, das kolossal nervt.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Anleitung zum Sammeln von Schweizer Designmöbeln, 7. Mai 2008
Von 
Lieselotte Schiesser (Kreuzlingen, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Weynfeldt (Gebundene Ausgabe)
Die Ausgangslage ist interessant: Reicher Mitfünfziger, Kunsthistoriker mit Zugang zu Kunstwerken und den damit zu machenden Geschäften lernt junge, "halbseidene" Frau kennnen und verliebt sich. Gleichzeitig lässt er sich von allen möglichen "Freunden" finanziell ausnutzen und tappt als vermeintlich Naiver durch die Welt. Und so wird er in einen Kunstfalscher-Deal verwickelt. So weit so gut. Aber allein für diese Exposition braucht Suter das halbe Buch - und das ist wörtlich gemeint. Bis zur Hälfte passiert in diesem Roman kaum etwas. Leider ist auch das Seelenleben der Personen nicht so, dass man davon wirklich gefesselt würde. Dann kommt so langsam (mit Betonung auf langsam) etwas in Gang, das Spannung aufbaut. Nun können ja auch sehr ruhig verlaufende Romane fesseln - man denke an Anne Tylers Bücher. Leider gelingt das Suter hier nicht: Es wird zuviel behauptet und zu wenig nacherlebbar gemacht. Bestes Beispiel dafür ist Suters Beschreibung der Wohnung des "letzten Weynfeldt": Er traut seinen sprachlichen Umschreibungen zu wenig, weshalb er das jeweilige Möbelstück mit Name des Designers, dem Entstehungsjahr und der Bezeichnung präsentiert, bevor er es beschreibt. So entsteht eher ein Katalog "Schweizer Design des frühen 20. Jahrhunderts" als ein Roman, in dem man mit den Figuren lebt. Natürlich kann Suter trotzdem schreiben - aber eigentlich besser als im "letzten Weynfeldt".
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Stille Wasser gründen tief, 29. September 2010
Von 
Brigitte Hilgner (Vienna Austria) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Weynfeldt (Broschiert)
Vielleicht liegt es an meiner mangelnden Bekanntschaft mit sehr reichen Menschen (gibt ein Mensch wirklich bedenkenlos großzügig Geld für andere aus, auch wenn sie ihm nicht viel bedeuten?), dass ich den Roman nicht realistisch finde, aber als modernes Märchen ist er gut lesbar.
Reichtum und eine gute Erziehung haben einen Kokon um Adrian Weynfeldt geschaffen, aus dem er zwar gelegentlich seine Fühler streckt, aus dem er sich aber wohl nie ganz lösen wird. Dieser Kokon schirmt ihn von seiner Umwelt ab und schafft eine Distanz zu seinen Mitmenschen, verhindert aber auch Einblicke in seinen Charakter - für Außenstehende (und somit auch den Leser) bleibt er weitgehend ein Mann ohne Eigenschaften. Er geht in seinem Beruf auf und schätzt kulinarische Genüsse, viel mehr erfahren wir nicht über seine Vorlieben. Ist er fähig zu lieben? Ist seine Zuneigung zu der wesentlich jüngeren Lorena (die sich lange nicht entscheiden kann, ob sie ihn ausnutzen oder Halt bei ihm suchen soll) nur Ausdruck von Nostalgie, der Erinnerung an eine Jugendliebe, die er gehen ließ, weil er nicht wusste, wie er sie halten sollte, oder mehr? Wie viel Gefühl ist er bereit zuzulassen, zu wie viel Gefühl ist er überhaupt fähig?
Er konstatiert bei sich selbst einen "irreparablen Erziehungsschaden", und so wird er wohl nie eine gewisse Distanz (mehr oder weniger verborgen hinter ausgesuchter Höflichkeit) zu seinen Mitmenschen überwinden, während seine wahre Leidenschaft der Kunst gilt. Wie groß diese Leidenschaft ist, verbirgt er selbst vor der Person, die ihm am nächsten steht.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht sein bestes Buch, 20. April 2008
Von 
Janne Hoffmann (Bad Schwalbach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Weynfeldt (Gebundene Ausgabe)
Ich bin Suter-Fan, liebe die elegante Sprache, in der der Autor schreibt und seine präzisen Schilderungen diverser Milieus in der Welt des Großbürgertums und des Business. Den Weynfeldt jedoch habe ich nur mit Mühe geschafft. Da gibt's Längen, Phasen der Blutleere, das Ganze wirkt wie eine Suppe ohne Salz. Eine gute Suppe, aus feinsten Zutaten, nur eben etwas fade so ohne Gewürz. Weynfeldt ging mir in seiner Unerschütterlichkeit und Gefühlsgebremsheit irgendwann auf die Nerven, ich hätte mir gewünscht, dass Lorena, seine Flamme, ihn irgendwann - wenigstens für einen Moment - knackt. Doch das passiert nicht. Weynfeldt bleibt, wie er ist, als Figur hat er sich im Lauf des Romans kaum entwickelt. Dennoch kann ich das Buch empfehlen, denn auch wenn Suter hier vielleicht nicht in absoluter Hochform war, ist und bleibt er einer der besten Erzähler der Gegenwart.
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Der letzte Weynfeldt
Der letzte Weynfeldt von Martin Suter (Gebundene Ausgabe - Januar 2008)
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