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Tannhäuser: und der Sängerkrieg auf Wartburg. WWV 70. Textbuch/Libretto. (Opern der Welt)
Format: TaschenbuchÄndern
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Juni 2014
"Opern der Welt" ist eine Buchreihe, die mit erheblichem Ehrgeiz und Elan verfasst wurde. Kurt Pahlen hat sich einiger großer Werke des Musiktheaters angenommen und jeweils ein einführendes Buch geschrieben: Pahlens "Opern der Welt"-Reihe umfasst mehr als 40 Bücher; zehn davon drehen sich um Richard Wagners Bühnenwerke. Und der Beitrag zu Wagners "Tannhäuser" weist einige ansprechende Besonderheiten auf.

Schließlich nimmt "Tannhäuser" auch eine Sonderstellung in Wagners Schaffen ein. Es gibt kein anderes Werk Wagners, das so häufig überarbeitet wurde wie der "Tannhäuser". Es gibt kaum einen Wagner-Ausspruch, der häufiger zitiert wird als der Stoßseufzer, der Komponist sei "der Welt noch einen Tannhäuser schuldig" (auch wenn Pahlen dieses Diktum erstaunlicherweise gar nicht zitiert). Zwei "Tannhäuser"-Fassungen sind weit verbreitet: Da ist zum einen die "Dresdener Version" (mit dreiteilig-geschlossener Ouvertüre); und es gibt die "Pariser Fassung" (mit ausgebauter Venusberg-Szenerie). Im theatralischen Alltag herrschst überdies ein wahres Versionen-Wirrwarr, weil sich mancher Dirigent eine eigene "Tannhäuser"-Version zusammenbastelt: So lässt Daniel Barenboim z.B. die Dresdener Ouvertüre spielen, bevorzugt beim Dialog zwischen Tannhäuser und Venus aber die Pariser Fassung. Der Hörer kann fallweise kaum nachvollziehen, welche Version (oder Fassungsvariante) er gerade hört.

Pahlens "Tannhäuser"-Publikation schafft Abhilfe. Den ersten Teil des Buches nimmt das Libretto ein, und dieser Teil ist - im Grunde - in drei Spalten gegliedert: Es gibt eine Spalte mit dem Dresdener Text, eine zweite Spalte mit dem Pariser Text, eine dritte Spalte mit musikalischen und dramatischen Erläuterungen und Kommentaren. Beim Hören und Mitlesen ist es also leicht ersichtlich, welche Fassung gerade dargeboten wird.

Die musikalischen und inhaltlichen Kommentare (in der dritten Spalte) führen den Hörer nett und wortgewandt durchs "Tannhäuser"-Drama. Inhaltlich wichtige Wende- und Schlüsselpunkte werden hervorgehoben; zahlreiche Notenbeispiele werden (auch für den Laien) verständlich expliziert. Diese Erläuterungen gehen allerdings nie in die komplexere Tiefe des Werks. Auf leitmotivische Aspekte (die es auch im "Tannhäuser" schon gibt) geht Pahlen praktisch gar nicht ein.

Im Allgemeinen fällt auf, dass Pahlens "Tannhäuser"-Buch eher an der Oberfläche arbeitet (und keine Tiefenforschung betrieben wird). In Sachen Interpretation übt sich Kurt Pahlen in Zurückhaltung. Er erwägt nicht, ob (und inwieweit) Richard Wagners "Tannhäuser" in Beziehung zur literarischen Bewegung des "Jungen Deutschland" steht; er bedenkt nicht, dass die Darstellung der Wartburggesellschaft (mit ihrem Minnesang und ihrer Landgrafschaft) nicht nur als positiv-tugendhaftes Gegenbild zum negativ-höllischen Venusberg fungiert - sondern dass die scheinbar brave Sittenwelt viel ambivalenter ist, als man auf den ersten Blick annehmen möchte.

Stattdessen konzentriert Pahlen sich auf geschichtliche Fakten und Anekdoten. In seinem umfangreichen Aufsatz "Zur Geschichte des 'Tannhäuser'" (im zweiten Teil des Buches) erzählt Pahlen in blumiger Sprache von Werkgenese, Rahmenbedingungen und Rezeptionsgeschichte. Einerseits ist es bedauerlich, dass hierbei manchmal seitenlange Zitate aus Wagners Autobiographie "Mein Leben" gebracht werden (denn ihr Wert als historische Quelle ist oft fragwürdig). Andererseits passen diese Zitate recht gut in den Gesamtfluss der Pahlenschen Erzählung (weil Wagners verschachtelte Satzkonstruktionen und Pahlens Hang zur verbrämten Ausdrucksweise ein homogenes Ganzes bilden).

Kurt Pahlen hat ein Faible für hochfliegend-klangvolle Formulierungen. Seine Wortwahl gemahnt mancherorts wirklich an Richard Wagners Jahrhundert. Über Wolfram von Eschenbachs "Lied an den Abendstern" schreibt Pahlen: "Er präludiert auf seiner kleinen Harfe, leise Akkorde der hohen Flöten antworten ihm wie milde Träume aus einer anderen Welt" (S. 108). Und über Wagners Kompositionsstil schreibt Pahlen: Seine "musikalische Eingebung schwemmt allzu Intellektuelles in einem breiten Strom sinnlicher Phantasie fort" (S. 220). So viel Pathetik wirkt heutzutage zunächst befremdlich. Aber schnell merkt man, dass ungekünstelte, kernige Euphorie dahintersteckt. Pahlens urwüchsige Verve gipfelt hie und da in unsachlich-überschwänglicher Begeisterung, die den Leser richtiggehend erfrischt: "Der Schritt von der mittelalterlichen Hölle zum Himmel ist getan, eine einzige Wendung der Musik hat es vermocht: welche unbegrenzten Möglichkeiten besitzt doch diese Kunst" (S. 124)!

Bei so viel Verzückung ist es ärgerlich, dass Pahlens "Tannhäuser"-Buch einige Ungenauigkeiten und Fehler enthält. Den Pilgergesang im ersten und dritten Aufzug nennt er "Priestergesang" (S. 50, S. 52) und "Chor der jungen Priester" (S. 126). Wagners Mutter Johanna Rosine heißt bei Pahlen "Johanne Rosine" (S. 227). Und selbst der Name des behandelten Bühnenwerks wird nicht immer korrekt wiedergegeben. Das Stück heißt "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg"; es heißt nicht "Tannhäuser oder der Sängerkrieg auf Wartburg" (S. 189). Das mögen kleine Fehler sein. Aber es sind Fehler, die man in einem Buch über Wagner und "Tannhäuser" nicht erwarten würde (zumal Pahlens "Tannhäuser"-Betrachtungen seit 1981 in etlichen Auflagen erschienen sind).

Pahlens "Tannhäuser"-Buch ist also eine lesenswerte, begeisternde Werkeinführung, die nicht in jeder Hinsicht eine ganz runde Sache ist. Vielleicht ist das Buch - ähnlich wie Wagners "Tannhäuser" - schon durch zu viele Etappen und Auflagen gegangen, um nicht auch an der Unübersichtlichkeit der Versionen-Konstellationen zu kränkeln. Kurt Pahlen schreibt, Wagner trage "dem Orchester eine 'motivische Arbeit' (siehe Erklärung Seite 249) auf" (S. 215). Aber Seite 249 ist leer: Es ist die letzte, unbedruckte Seite des "Tannhäuser"-Buches. Vielleicht ist auch der Buchmarkt der Welt noch einen "Tannhäuser" schuldig.
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am 14. August 2014
Da ich eine Karte für die Festspiele habe und gut informiert die Oper genießen möchte, habe ich dies Buch gekauft.
Es ist sehr gut! !!!!! Der Text und das ursprüngliche Bühnenbild wie von Wagner
gedacht ist enthalten in beiden Versionen . Pariser Fassung und Dresdner Fassung. Auch die Entwicklung der Musik und Dramatik wird beschrieben und sehr eingängig kommentiert.
Eine tolle Interpretation und Dokumentation zum Werk als solches, Wagners Leben und weitere Werke sind als zusätzliche Kapitel enthalten. Auch Fotos bzw Bilder der Bühnenbild Entwürfe in Bayreuth im 19. Jhdt.
Da ich relativer Wagner Neuling bin und mich ehrlicher weise traditionelle Buhnenbilder mehr ansprechen als moderne Inszenierungen habe ich mit dem vorliegenden Buch die für mich optimale Information gefunden. Dadurch kenne ich mich aus , auch wenn es in der Inszenierung einer Biogasanlage spielt.

Der Autor hat weitere Text Bücher herausgegeben: Puccini , Verdi, Mozart, Bizet , Rossini u.a.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. September 2010
Wollen Sie sich wirklich mit Wagner und seinem TANNHÄUSER beschäftigen und beim Hören wirklich alles verstehen ? Dann ist dieses Buch absolut das richtige für Sie !
Also viel Freude beim Lesen und/oder Hören !
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