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Traumzeit für Millionäre: Die 929 reichsten Wienerinnen und Wiener im Jahr 1910
Format: Gebundene AusgabeÄndern
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Die Kluft zwischen Reich und Arm hat seit ca. 1990 stark zugenommen. Das Thema ist daher wieder in den Fokus der Forschung und der allgemeinen gesellschaftlichen Debatte gerückt. Dieses Buch ist zunächst ein sehr interessanter und anschaulicher historischer Beitrag zu diesem Diskurs. Wien um 1910 war die Traumzeit und die Traumstadt der Reichen. Nirgendwo sonst war das Einkommen derartig schief verteilt. Der Traum bereitete - auch den Erfolgreichen - Alpträume. Die Angst den schnell erworbenen Reichtum wieder zu verlieren ging um.
Es gibt über diese goldene Epoche zahlreiche Bücher. Allerdings konzentrieren sich diese weitgehend auf den geistesgeschichtlichen oder kulturellen Aspekt. Ein Beispiel dafür ist die ausgezeichnete Freud Biographie von Peter Gay. Man erfährt bei Gay jedoch nicht, was Freud verdient hat, wieviele eine Analyse gekostet hat. Gay behandelt das Thema Geld nur im Zusammenhang mit Freud's Antiamerikanismus.
Das Buch ist über den ökonomischen Aspekt hinaus ein Dokument des Aufstiegs des liberalen jüdischen Bürgertums. Der tiefe Fall bis zur Vernichtung wird einem erst so richtig bewusst, wenn man sich den von Sandgruber beschriebenen Höhepunkt vor Augen führt.
Wobei der Autor nüchtern auch die Abgründe hinter der goldenen Fassade schildert. So spielten Frauen als Steuersubjekte nur eine untergeorndete Rolle. Nur ein Bruchteil der damaligen von der Finanz erfassten Millionäre waren Frauen. Es gab natürlich die Millionärsgattinnen und Töchter. Das Bild dieser Frauen ist sehr widersprüchlich. Auf Klimts Bildern strahlen sie Eleganz und Attraktivität aus. Sie gelten als gebildete und feinfühlige Förderinnen der Schönen Künste. Der bedeutende englische Historiker Eric Hobsbawm stammte aus diesen Kreisen (die Familie hieß ursprünglich Obstbaum). Sein Urteil fiel hingegen vernichtend aus:
„Die Frauen dieser Klasse waren durch den Reichtum ihrer Männer sogar der Möglichkeit beraubt, in der Hausarbeit Befriedigung zu finden, verkörperten die Tugend ihrer Klasse. Sie waren dumm, unpraktisch, ungebildet, unsinnlich, reizlos, eigentumslos und eingesperrt.“
Sandgruber zitiert Hobsbawm, schließt sich seiner Meinung aber nicht an. Es ist durchaus möglich, dass die Abneigung des Marxisten gegen seine eigene einstige Klasse eine Rolle gespielt haben mag. Hobsbawm war aber zweifellos ein scharfsinniger Denker, der generell Schein und Sein, Essenz und Akzidenz, unterscheiden konnte.

Meiner Meinung nach gehört dieses Buch zur Pflichtlektüren eines jeden, der sich für die Österreichische Geschichte interessiert. Wobei das Lesen des Buches keine Pflicht sondern ein ausgesprochenes Vergnügen ist. Es ist auch handwerklich sehr sorgfältig gemacht. Schöne Illustrationen, ein sehr guter Index, eine Kurzbiographie aller 929 Reichen. Das Buch hat auch einen Platz auf dem Lieblingsregal in meiner Bibliothek bekommen. Es steht nun Rücken an Rücken mit Donalds Knuths "The Art of Computer Programming".
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Oktober 2013
Die gegenwärtige Konzentration von Macht und Vermögen, die Wiederkehr der Ungleichheit auch in Österreich war einer der Beweggründe für den Linzer Wirtschafts- und Sozialhistoriker Roman Sandgruber, in einer großen Arbeit jenen Macht- und Vermögenskonzentrationen nachzugehen, die im Wien des Jahres 1910 zu einer beispiellosen Ein-Promille-Gesellschaft geführt haben.

Er beschreibt zunächst die Kulturgeschichte dieses Reichtums, wie all diese Menschen zu ihrem Geld gekommen sind, wie sie reich wurden, sich reich erbten, wie es ihnen gelang reich zu bleiben und wie ihr Leben und Sterben mitten im Reichtum aussah.

Ein abschließender, die zweite Hälfte des Buches einnehmender Teil dokumentiert in einer Art Ranking alle ermittelbaren Daten der 929 Millionäre.

Obwohl Sandgruber nicht glaubt, dass sich die Geschichte wiederholt, dafür fehle es an der Gewaltbereitschaft und Kriegslüsternheit der 1910 –er Jahre, und er das Europa der Gegenwart mit einer Friedensperspektive sieht, schreibt er:

„Monopolartige Strukturen und unvollkommene Wettbewerbsmärkte sind sehr stark geworden, ähnlich wie vor 100 Jahren. Der Einfluss der Bankmanager und Ratingagenturen ist groß. Das Steuersystem hat riesige Schlupflöcher und belastet vornehmlich die Mittelschicht. Die Zweifel an der Durchsetzungskraft und Lösungskompetenz der Politik und ihrer demokratisch gewählten Exponenten wachsen überall. Die wachsende Instabilität der Regierungen und das sich breit machende Gefühl eines ethischen Niedergangs, ausgedrückt durch zunehmende Korruption, Steuerflucht und gegenseitige Begünstigung einer schmalen Oberschicht, birgt die Gefahr einer Schwächung der Demokratie, der Suche nach alternativen Herrschaftsmodellen und einer neuerlichen Neigung zu diktatorischen Systemen, die wir nach den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts für überwunden hielten.“

Auf diese historischen Parallelitäten hingewiesen zu haben, ist eines der Verdienste dieses großzügig aufgemachten Buches. Dort wo sich die Gesellschaft zunehmend spaltet in superreich und bettelarm – und das ist in ganz Europa der Fall, nicht nur in Österreich, wo dieses Buch entstand- da kann keine wirkliche Demokratie leben, da wird sie von diesem Skandal unterhöhlt.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Dezember 2014
Als geschichtlich sehr interessierter Leser kann ich dieses Buch nur jedem empfehlen, der sich mit dem Ende der Habsburgermonarchie auseinandersetzen möchte. Sehr gut recherchiert, gut lesbar und vielen neuen Erkenntnissen - wie man es von einem Uni-Prof. für Geschichte erwarten darf.
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