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Kundenrezensionen

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am 27. April 2006
Kennen Sie das? Sie sollten längst schlafen, aber Sie können das Buch nicht aus der Hand legen. Sie sollten längst in der Firma sein, aber ein paar Seiten noch, nur ein paar Seiten. Sie sitzen im Kaffeehaus und warten und lesen, und hoffen, dass das Gegenüber sich verspätet, damit sie noch ein paar Seiten lesen können?
So ging es mir bei diesem Buch. Tragikomisch. Liebevoll erzählt.Immer mit einem Augenzwinkern und Witz. Und mit einer unendlichen Liebe zum Leben.
Sätze, die man sich einprägen möchte, so schön sind sie geschrieben. Wunderbare Wortspiele, Weisheiten, so banal und wahr wie das Leben, aber so formuliert, dass man meint, man höre sie zum ersten Mal.
Ich habe die beiden Versager, die noch nicht mal richtige Versager sind, ins Herz geschlossen. Ihre Familien auch. Hab mitgelitten, mich mitgefreut und viel gelacht. Über den Popen Serafim, über die Großmutter auf dem Friedhof, über die Längen und Breiten im Atlas, ... ach, es ist so viel, dass ich es gar nicht aufzählen kann.
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am 28. Juni 2005
"Engelszungen" ist die Biographie zweier junger Männer, geboren um 1967 wie der Autor, die es - wiederum wie den Autor - aus dem bulgarischen Plovdiv nach Wien verschlagen hat. Obwohl sie nahezu gleich alt sind, sich ihre Väter mehrmals in die Haare gerieten, sie auch die Erinnerung an das Mädchen Radost, den serbischen Gangsterboss Miro und an einige andere Personen teilen, glauben sie bis zuletzt, sich nicht zu kennen.
Die beiden Lebensgeschichten unaufdringlich und witzig ineinander fließen zu lassen, ist die große Kunst Dimitré Dinevs. Er meistert es auch, über nahezu 600 Seiten die Spannung aufrecht zu erhalten, obwohl man aus dem Stoff mit all seinen Verästelungen und amüsanten Geschichtchen gut 5 Romane schreiben könnte. (Die Stammbäume der Familien in den Einbandinnenseiten bewahren vor größerer Verwirrung und lästigem Vor- und Zurückblättern.)
Doch gegen Ende werden die erzählten Zeitabschnitte zu lang; teils auch zu rasch und mit - im Vergleich zum Beginn - weit weniger Details erzählt. Hier finden sich auch inhaltliche Fehler: Der Roman endet am 1.1.2001 mit dem Beginn des neuen Jahrtausends und bezieht dennoch schon die Ereignisse des 11. September 2001 ein; hier und in einigen anderen Chronologien irrt der Autor. Überhaupt scheinen die letzten Kapitel mit weniger Sorgfalt geschrieben und lektoriert zu sein.
Das störte mich aber kaum, denn zu diesem Zeitpunkt habe ich die beiden Helden, den Pechvogel Svjetlo und den durchtriebenen Iskren, schon schätzen gelernt und kann mit ihren Augen neue Perspektiven auf Österreich und seinen Umgang mit Fremden werfen. Denn das Buch ist nicht nur ein ansprechender Roman, sondern auch eine profunde Kritik an den materiellen Gewinnern der Wende im Osten wie im Westen.
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...oder ein Hoch auf das pralle Leben!

Beinahe hätten sich Iskren und Svetljo auf dem prominenten Wiener Friedhof vor dem Grab des begabten und bekehrten Verbrechers Miro zum ersten Mal getroffen. Beinahe. Sie waren schon einmal zur gleichen Zeit auf einem Friedhof, in einem anderen Land, in einer bleiernen Zeit, in ihrer gemeinsamen Heimatstadt. Aber das wissen sie nicht. Der eine begleitete seine jetzt nur noch in seinem Herzen lebende Großmutter, die oft mit ihren Toten sprach, der andere, ein Lausbub, versteckte sich hinter einem Grabstein. Aus diesem Versteck heraus erschreckte er die alte Frau so sehr, dass sie den Friedhof fast nie mehr verlassen hätte. Svetljo gab Fersengeld und Iskren holte ihn nicht ein...

Damals waren sie noch Kinder und es wäre gut möglich gewesen, dass sich ihre Wege kreuzten. Taten sie aber nicht. Dabei liebten sie beide Lena und später Radost, die sie nie vergessen sollten. Aber diese Lieben sind schon lange ausgeträumt, andere folgten und vergingen. Die beiden bulgarischen Männer sind, der eine ohne Papiere und der andere mit gefälschten, illegal in Wien und die Walzerstadt zeigt ihnen ausdauernd ihre kalte Schulter. Aber das ist beinahe schon das Ende einer Erzählung, von der man sich wünscht, sie würde dauern, obwohl sie bereits stattliche 600 Seiten umfasst. Das Leben von Iskren und Svetljo und ihren Familien wird so farbig, warmherzig, aberwitzig und zum Lachen traurig erzählt, dass man nicht genug davon bekommen kann. Dimitré Dinevs Geschichte zweier Familien im kommunistischen Bulgarien, deren Leben von ihm so sacht miteinander verflochten werden, dass sie es gar nicht bemerken, ist von großer Intensität. Die Lebensläufe der Männer sind durch ein Feuerwerk der Fabulierkunst zwar zugespitzt und ausgeschmückt, dennoch erscheinen sie ganz und gar wahr. Der Leser taucht in eine fremde Welt ein und hat nur eins im Sinn: weiterlesen, weiterlesen und erfahren, wie das Leben mit Iskren, Svetljo und ihren Angehörigen bis zu jenem Tag umging, an dem sie sich auf dem Wiener Zentralfriedhof zum ersten Mal bewusst gegenüber stehen und nicht ahnen, wie viel sie gemeinsam in ihren Erinnerungen und in ihren Herzen tragen. Wir Leser jedoch wissen es, wir haben sie und ihre Familien und ihre Verflechtungen gründlich kennengelernt. Dieses überlegene Wissen macht einen beträchtlichen Teil der Anziehungskraft des Buches aus.

Am Ende dieser Familiensaga angekommen, hat man das Gefühl ein Stück jüngerer osteuropäischer Geschichte miterlebt zu haben und mehr über die Befindlichkeiten der Menschen gelernt zu haben, die so lange weit entfernt hinter dem Eisernen Vorhang lebten. Das ist gut so, denn Bulgarien ist seit dem vergangenen Jahr Mitglied der EU. Der wie seine Protagonisten aus dem südbulgarischen Plovdiv stammende Dinev, der 1990 nach Österreich floh, musste sich ein Jahrzehnt mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten, bevor er durch das Schreiben (in deutscher Sprache!) in einer bürgerlichen Existenz Fuß fasste. Zuvor war er ein Schatten ohne Papiere. "Engelszungen" ist sein verblüffend gelungenes Romandebüt. Großherzig nimmt er uns an die Hand und zeigt uns seine Heimat im Würgegriff des Kommunismus, ohne ins Lamentieren zu verfallen. Er beschreibt mit großer Liebe die Menschen mit ihren Stärken und Schwächen und ihrem unverwüstlichen Hang zum Aberglauben, ein Thema, das sich durch das ganze Buch zieht. Neben Iskren und Svetljo sind es die Väter der beiden, auf die unser Augenmerk besonders gelenkt wird. Beide sind Kommunisten durch und durch, wenn auch auf unterschiedlichen Hierarchiestufen. Der eine ist Funktionär und gehört zur Elite des Landes, der andere erledigt als Milizionär das Dreckgeschäft. Glücklich werden sie nicht; ihre Söhne, ihre Frauen, ja ihr Leben entgleiten ihnen unaufhaltsam. Der Funktionär stirbt zur rechten Zeit, der Milizionär aber wird zu einem durch Aberglauben bestimmten Leben verdammt. Erwähnt werden muss auch die herrliche Sdravka mit ihrem goldenen Herzen, Iskrens Großmutter. Als der Junge geboren wird, steht sie schon seit Jahren mit einem Fuß im vertrauten Grab, das andere aber dient dem Enkel als verlässliche Stütze. Als sie gehen muss, lässt sie so viel Wärme zurück, dass Iskrens Seele nicht erfrieren kann.

"Engelszungen" ist ein fantastischer Roman, ich habe ihn lieb gewonnen. Dass am Ende die Zeiten ein wenig durcheinander geraten, schadet ihm nicht. Dinev ist ein Glücksfall für Leser, die sich in Geschichten verlieren wollen. Er hat im Gegensatz zu vielen künstlich gehypten Autoren mit manchmal traurig hohen Auflagen ein großes Publikum verdient. Zum Schluss soll er selbst zu Wort kommen:

"Es war gar nicht so leicht, im realen und auch im reifen Sozialismus an ein Pornoheft zu kommen. Es war sogar eine der schwierigsten Sachen überhaupt. Und je realer der Sozialismus wurde, desto irrealer die Möglichkeit, an so ein Heft zu gelangen.(...) Gott und Pornographie waren gleich schlecht für die Arbeiterklasse. Sie schwächten sie, sie brachten sie ins Wanken, der eine von hoch oben, die andere von allen üblichen Seiten. (...) Und zum ersten Mal seit Erschaffung der Welt wurde Gott und die Pornographie auf die gleiche Weise behandelt. Im Unterschied zu Gott mischte sich aber die Pornographie doch öfters unters Volk, und so ein Heft hielt nun Svetljo in seinen Händen."

Dimitré Dinev hat das Buch seinen beiden Großmüttern gewidmet: "Für meine Großmutter Kaliopa, die bis zum Ende mit einem Kreuz unterschrieb und für meine Großmutter Dena, die immer noch auf ihre gestohlenen Schafe wartet"

Darin ist bereits die Melodie des Romans enthalten.

Helga Kurz
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am 1. April 2005
Zwei Familiengeschichten treten mühelos Stück für Stück aus einem historischen Kontext hervor, ein Relief entsteht, in das die Schicksale einzelner Menschen vernetzt eingraviert sind, denen wiederum von der Zeit wie von einer ätzenden Säure die Fülle abgetragen wurde. Die Familie, eine zerbrechliche lose Verkettung, in der sich die einzelnen Glieder ablösen und wiederfinden oder nicht. Am Ende geht das Leben weiter, Transformation und galoppierende Schicksalswandlungen und all das Reale, das sich tausendfach in den Schicksalen wiederholt, stehen nebeneinander. Nichts ist banal. Ich habe das Buch in zwei Tagen gelesen, es ist spannend, seine Sprache einzigartig. Sie gibt die Stimmung eines Wien wieder, wie es eben ist. Wenn Bulgarien, wovon der größte Teil des Buches handelt, ebenso treffend gespiegelt ist, ist es eine grandiose Skizze zu einem europäischen Zeitbild, das wir ohnehin so gut zu kennen glauben. Keine Angst, wenn Sie sich sonst schwer tun, zahlreiche Namen zu speichern, hier geschieht das mühelos, so geschickt ist die Dramaturgie dieses Romans angelegt und - wer hat sich das nicht schon oft gewünscht - der Verlag hat hier in die Coverblätter den Stammbaum über drei Generationen abgebildet, ein Blick genügt, die Hauptakteure, mit denen sich das Buch begnügt, einzuordnen, sollte man den Faden kurzerhand ausgelassen haben. Interessant auch: die ersten Wienseiten sind wie in einer anderen Sprache geschrieben, wohl auch eingangs sperrig, danach folgen fast 600 Seiten sprachlich höchst beeindruckender Güteklasse. Am Schluß ist es, als hätte man Jahrzehnte durchschritten, deren Tragik im Zerfall und Verlust, deren Magie im Wiederauflesen und Neuzusammenpuzzeln der Atome bestand.
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am 6. Juli 2007
Dieses Buch, das ich schon nach ein paar Kapiteln zu meinem neuen Lieblingsbuch auserkoren habe, vereint so viele Dinge-es ist eine spannende Doppelbiographie, ein Abriss der europäischen, besonders der bulgarischen Geschichte des 20. Jhdt, spannend und teilweise unterhaltsam. Die beiden Protagonisten sind bis ins letzte Detail durchdacht, durchgehend stimmig und ihre Geschichten sind auf spannende und keinenfalls aufgelegte Weise miteinander versponnen. Die Sprache ist wunderschön, an jeder Stelle ist genau das passende Wort gewählt. ich war wirklich erstaunt, als ich erfahren habe, dass der bulgarische Autor diesen Roman auf Deutsch verfasst hat. Besonders gut ist auch die Beschreibung der Hauptdarsteller als Kinder sowie die ihrer damaligen Gedanken gelungen. Auch wenn das Buch auf den ersten Blick wie ein Wälzer aussieht, liest es sich sehr schnell und man möchte gar nicht, dass es jemals wieder aufhört. Man erfährt nebenbei viele interessante Dinge, wie zum Beispiel die Umstände in Bulgarien zu Zeiten des Kommunismus, aber auch über die Umstände mit denen illegale Einwanderer konfrontiert wurden/werden. Empfehlenswert für alle die sich für Bulgarien interessieren und noch viel mehr für diejenigen, die von diesem Land bisher noch nicht sehr viel wussten. Ein absolutes Muss!
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am 23. Februar 2010
Und wieder einmal habe ich mich zu meinem Berg der ungelesenen Bücher begeben und eines hervorgeholt, Dimitré Dinevs Engelszungen aus dem Jahr 2003 - seit damals hielt sich sein Inhalt für mich verborgen. Dinev ist ein Geschichtenerzähler alten Stils. Er führt uns nach Bulgarien, wo sich das Leben der beiden Protagonisten Iskren und Svetljo in bunten Bildern entfaltet.

Ich habe eine Leidenschaft für Menschen, ich tauche gerne in fremde Leben ein um zu entdecken, welche anderen Möglichkeiten neben meinem eigengen Leben noch existent sind. Besonders angetan haben es mir Dinevs Kinderaugen, durch die er das Heranwachsen der beiden Hauptfiguren sieht und beschreibt. Hier klingt sicherlich viel Autobiographisches durch, ist doch der Autor selbst bulgarischer Abstammung und 1990 nach Österreich geflohen.

Nicht nur, dass es mir schwer fiel, das Buch nicht in einem Zug durchzulesen - da kam dann doch nach stundenlangem Lesen die Müdigkeit dazuwischen - sondern auch ein ganz spezielle Humor zeichnet diesen Roman aus. Neben oftmaligen Schmunzeln habe ich einige Male sogar laut aufgelacht.

Engelszungen, das ist ein Buch mit Herz, Humor aber auch mit Spannung und überraschenden Wendungen. Ich habe es wirklich genossen!
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am 21. Januar 2007
Ich bin begeistert: Von der ersten Seite an ein unglaublich fesselnder Roman. Man kann nicht aufhören zu lesen und möchte gar nicht, daß das Buch jemals endet. Trotz seiner 600 Seiten und seiner epischen Aufbereitung ein erstaunlich leicht zu lesendes Meisterwerk. Kaum zu glauben, daß es Dinevs Debut ist. Ein "must read" für alle Wiener, Bulgaren, Ungarn, Polen, Russen und den Rest der Welt.
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am 29. Juni 2011
Ich bedanke mich für das Erlebnis! Das beste Buch das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Nicht einfach gut geschrieben, sondern ein Meisterwerk. Und ich, als eine Auswanderin aus Bulgarien, genau um die beschriebe Zeit, kann behaupten, dass kein Wort übertrieben oder erfunden ist. Das ist die wahrhafteste Beschreibung einer Zeitspanne Bulgariens, die rührendste Geschichte einer Generation.
danke
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am 18. Dezember 2006
Selten habe ich ein so schönes Erstlingsbuch gelesen. Mit soviel Wärme und Hingabe geschrieben. Bulgarien, das Land, das gerade ins EU kommt, kennen viele (fast) nur als Urlaubsland.

Svetljo in Iskren (die Namen der Jungen kann man als Licht und Funke übersetzen) wachsen im Shiwkovs Land, das sich von allen Warschauerländer am meisten an den grossen Bruder lehnt. Eine Diktatur des Proletariats sollte es sein, eine Diktatur der regiender "kommunistischen" Klasse ist es geworden. Damit die Leute nicht an Geschmack kommen, sind die Parteimittglieder lieber für sich, essen Bananen, die das Volk einmal im Jahr zum Gesicht und vielleicht zum Mund bekommt (sowas kennt nur einer, der im Sozialismus der 70-und 80-Jahre lebte). Die Familien der beiden treffen sich nie und doch berühren sich ihre Wege vom Beginn an. Svetljo, dessen Vater ein Millizionär ist, ein Schatten der Regierung, erkennt die Wahrheit auf die harte Weise. Iskren mit einem einflussreichen Vater sollte es leichter haben, seine Wege sind aber sehr schnell unorthodox, was ihn ins Westen führt. Beide wollen eigentlich nichts besonderes, Iskren das Geld, Svetljo eine Arbeit, aber es scheint als wollen sie etwas unmögliches.

Und als daheim die Regierung fällt, bleibt die Partei mit einem neuen Namen, aber alten Leuten an der Spitze. Nur der Todor Shiwkov hat ausgedient.

Am Zentralfriedhof von Wien treffen sich, ein Engel soll helfen, ein Engel mit einem Handy. Ob er das kann?

Die Geschichte ist noch so frisch, aber es scheint, dass sich auch jetzt sehr weinige fragen werden, wie es damals im Bulgarien war, was macht dieses Land, 15 Jahre nach dem Umbruch?

D. Dimev ist ein grosser Erzähler, das Buch zu lesen ist eine Wonne, die einzelnen Geschichten sind wunderbar zusammengeknüpft, die Personen lebendig, zu Greiffen nah. I.B. Singer lässt grüssen!
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am 19. Dezember 2009
"...Aus Stahl werde ich sein, so dachte Jordan, denn er war aus einfachem Holz geschnitzt." S153

Mit einem letzten Rest Geld sind sie gestrandet. In Wien, im Prater. Mit letzter illusorischer Hoffnung begegnen sie einander. In Wien, am Zentralfriedhof.

Dabei stammen sie beide aus Polvdiv, einer Stadt in Bulgarien, entstammen beide bulgarischer Familien mit unterschiedlichem Zugang zum Kommunismus und seiner Genossen. Haben sich beide nach der Ostöffnung auf den Weg gemacht - in eine westliche Welt der Möglichkeiten - in eine offene Welt, die nur aus Mauern und Zugangsbeschränkungen besteht. Und wissen nicht, dass sich auch die Geschichten ihrer Eltern und Großeltern die Hand reichen.

Dinev erzählt in seinem Generationenroman, die Geschichte seiner Heimat. Abwechselnd werden die beiden Stammbäume aufgerollt (am Ende im Buch abgebildet), werden Wunden geöffnet und wird mit Freude erinnert - an die Familie Apostolov und die Familie des Genossen Mladenov. Doch der Roman ist auch die Geschichte, zweier Einwanderer in Wien - nicht nur systemkritisch sondern auch überaus Österreich-kritisch geschildert. Und wenn auch in den Erlebnissen des kommunistischen Bulgarien sehr schelmischer Humor mitschwingt, ist es mit der Ankunft in Wien vorbei mit Schalk und "Schmäh".

Ein wunderschöner Roman:
Reich an Sprache und Sprachwitz, verspielt in immer wieder kehrenden Wiederholungen, die mir Leser unbeschreibliche Nähe zu den Familienmitgliedern schenken, fabelhaft bildgewaltig erzählt und unheimlich menschlich im Abgang!
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