Kundenrezensionen


6 Rezensionen
5 Sterne:
 (6)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über die gut verträgliche Leichtigkeit des Seins, 25. August 2000
Von 
Hans Henkel (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Eingestellt auf eine sich kontinuierlich entwickelnde Geschichte, fühlte ich mich am Anfang ein wenig vor den Kopf gestossen. Laurence Sterne lässt Geschichten abrupt enden, kommt vom Hundertsten ins Tausendste und wechselt die Zeiten ungeniert. Noch dazu scheint es nicht genug dieses Buch zu lesen. Es entsteht vielmehr ein Gespräch mit dem Autor, das ständiges Wachsein und eine gewisse Eigenaktivität erfordert. Aber beim Weiterlesen stellte ich fest, dass es nicht nur der Inhalt der Geschichten war, der mich fesselte. Es ist mehr die Art wie er mich miteinbezog, wie er mir eine Art interaktiven Lesens abverlangte.
Bei Sterne weiss man nie, was der nächste Absatz bringt, ja man weiss nicht einmal, ob er nicht das nächste Kapitel auslässt, um es später nachzuholen oder auch nicht. Das erzeugt Spannung und erfordert Aufmerksamkeit.
Aber das eigentlich Bezaubernde und Tröstliche an diesem Buch ist die Haltung des Autors. Es zeichnet ihn aus ohne Vorwurf, ohne Klage und ohne wertendes Urteil seine Geschichten zu erzählen. Für mich das eigentlich Eindringliche ist die Freundlichkeit und Gutmütigkeit mit der er menschliche Schwächen, Missverständnisse und Eigenheiten seiner Charaktere sehenden Auges aus tiefem Herzen wertschätzt. Es gibt kein Geziehe und Gezerre an seinen Figuren. Er stellt sie ungeschminkt dar, hilflos, lächerlich und liebenswert.
In einem Buch erzählt er gleichzeitig von mehreren Reisen durch Frankreich. Es ist von erfrischender, scheinbarer Belanglosigkeit und obwohl ich nicht mehr sagen könnte, wovon es handelt, erinnere ich mich daran, mehrfach gelacht und fast immer geschmunzelt zu haben bei der Lektüre. Selbst seine eigenen Schmerzen, sein vor dem eigenen Tod Davonfahren, gestaltet er clownesk und vermeidet jede Tragik. Gerade deshalb spürt man seinen Tiefgang und geniesst die gut verträgliche Leichtigkeit des Seins.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesereise durch verwirrende, belustigende Handlungsfragmente, 19. August 1999
Von Ein Kunde
Jeder Leser, der den "Tristram Shandy" zum ersten Mal zur Hand nimmt, fühlt sich durch das Buch irritiert und gefoppt und es gehört eine gesunde Portion Leselust dazu, sich durch die knapp 700 Seiten hindurchzukämpfen. Zumal man vom Autor auch schon mal ein paar Seiten zurückgeschickt wird, um seine beim ersten Lesen nur unvollkommen aufgenommenen Gedanken durch ein zweites Lesen zu intensivieren. Zum Ausgleich werden einem durch ein (vom Autor) geschwärztes, aber dennoch abgedrucktes Kapitel zehn Seiten "geschenkt". Es gibt keine geschlossene Handlung im üblichen Sinne und damit keine auf den Ausgang bezogene Spannung, sondern nur Fragmente von Handlungen und ein auf die jeweilige Situation oder die gedankliche Kapriole fixiertes Interesse des Lesers. Die Meinungen und Ansichten Tristrams machen nicht den Inhalt des Romans aus, sondern man erfährt vielmehr etwas über die Steckenpferde seines Vaters und Onkels. Ein Gutteil der Verständnisschwierigkeiten, denen man sich bei der Lektüre des Romans gegenübersieht, resultiert aus dem ständigen Wechsel zwischen den verschiedenen Zeitebenen, auf denen das Geschehen angesiedelt ist So liegt das Ende des Romans (paradoxerweise) zeitlich vor seinem Anfang. Trotzdem, oder gerade deswegen ist das Buch eines von der Sorte, die man gelesen haben muss, wenn man das Lesen von Büchern als eine liebe Beschäftigung schätzt. Manchmal glaubt man, Laurence Sterne habe das Buch nur geschrieben, um seine wunderbaren paradoxen Einfälle, die bei der Lektüre anderer Bücher bekommt, miteinander zu verbinden. Es ist etwas ganz besonderes, wenn man als Leser direkt vom Autor angesprochen wird. Es ist etwas noch viel bedeutenderes, wenn man das Fertigstellungsdatum des Romans im Jahre 1759 bedenkt. Deshalb sind 5 Sterne noch einer zu wenig. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniales Tohuwabohu, 16. Juli 1999
Von Ein Kunde
Laurence Sterne verfaßte mit diesem Buch eine Parodie der Kunstform des Romans, die noch nicht allzulange zu dieser Zeit gebräuchlich war. Denn es entspricht nichts weniger als einem Handlungsablauf, der relativ klar, da kontinuierlich, zu verfolgen ist. Es wimmelt in diesem Werk von Rückblenden und Vorausblicken, Abschweifungen und Ergänzungen, aufgrund deren der Verfasser es erst ab Seite 200 etwa schafft, die eigentliche Hauptperson, nämlich ihn selbst, Tristram Shandy, überhaupt das Licht der Welt erblicken zu lassen. Selbst dann gelingt es nur unter erheblichen Komplikationen, denn der Autor bleibt immer wieder an den vorausgehenden Ereignissen hängen und schweift ab, so daß sogar der Ritt des Knechtes, der beauftragt wurde, einen Arzt zu holen, zu einem regelrechten Abenteuer wird. Als dann dieser Tristram endlich auf die Welt kommt, wird nicht direkt seine Geschichte erzählt, sondern weiterhin die seiner Mitmenschen, die mit so manchen Schrullen behaftet sind. So ist da zum Beispiel Onkel Toby, ein alter Kriegsveteran, der in der langen Zeit, in der er durch eine Verletzung an das Bett gefesselt ist, sich ausführlich mit Festungsbaukunde beschäftigt und darin zu einem ausgesprochenen Experten heranreift. Als er schließlich genesen ist, stellt er mit der Hilfe seines ausgesprochen erfindungsreichen Dieners sämtliche Schlachten des vorhergegangenen Krieges in seinem Garten nach. Doch auch der Vater Tristrams ist ein gelehrter Mann, der sich mit allerlei Problemen der Menschheit befaßt, so schriebt er einen Essay über Nasen und hat eine Vielzahl wissenschaftlicher Abhandlungen über dieses Thema gesammelt. Das waren nur die zwei bedeutendsten Scheingelehrten, die dieser Roman zu bieten hat, allerdings sind die anderen Personen des Werkes nicht weniger interessant. Also, wer Spaß daran hat, sich mit einer Menge gelehrten Unsinns zu beschäftigen, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Fundament artifizierter Literatur, 31. August 2010
Kurz und knapp: meines Erachtens ist Ulysses das Buch aller Bücher. Doch wäre es wohl kaum ohne dieses, das ihm dicht auf dem Fuße folgt, entstanden. Was Sterne hier geschaffen hat, findet sich sonst in seiner frivolen Einzigartigkeit sehr, sehr selten im Fundus der Weltliteratur. Und jedem sei angeraten, die Finger vom Hörbuch (so es denn tatsächlich eines gibt) zu lassen. Kenner dieses Meisterwerkes werden verstehen, was ich meine!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


24 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Buch der letzten vierhundert Jahre!!!, 26. Januar 2004
„Sie werden lachen - die Bibel!" soll Bert Brecht auf die Frage nach seiner Lieblingslektüre, nach dem für ihn wichtigsten Buch der Weltliteratur geantwortet haben. Und ich lache tatsächlich, Herr Brecht, wenn man aus ohnehin überschätztem Dichtermund derartige Plattheiten zu hören gezwungen ist, die das Feuilleton zu gerne noch Jahrhunderte nachäfft und vergeblich intellektuell zu adeln versucht. Gut klauen freilich lässt sich aus dem Schmöker, den keiner wirklich kennt, das mag sein; und aus der Warte muss ich dem Bert schon fast wieder recht geben ...
Aber ernsthaft! Wenn mich einer fragen würde, welche drei Dinge ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, käme neben einem unversiegbaren Bierkasten und Kate Beckinsale nur ein Buch in Frage: der unsterbliche Tristram Shandy des unvergleichlichen Lawrence Sterne!
Auf eine Inhaltsangabe kann ich hier verzichten, desgleichen auf eine Darstellung der Wirkungsgeschichte. Seinen Platz innerhalb der Weltliteratur hat das Buch längst eingenommen, wer dazu nachlesen will, der tue das etwa in Kindlers Neuem Literaturlexikon.
Es ist ein Buch, das einfach so anfängt und hunderte Seiten später einfach so aufhört. Es erzählt weniger die Geschichte, die der Titel nahelegen würde, sondern ganz andere, und auch die nicht und dann wieder doch. Es ist voll der skurrilsten Gestalten, der exzentrischsten Ideen und formalen Innovationen; es ist so naiv wie weise; so episch breit wie anekdotisch kurz. Der Autor hält uns zum Narren, belehrt uns und treibt seine Faxen. Nichts ist, wie es scheint; und doch ist alles folgerichtig. Sexualisiert bis ins Mark und gelehrt bis in die Knochen gebärdet sich der selbstherrliche Verfasser - in aller Bescheidenheit natürlich - wie der höchste Schriftsetzer selbst, der allmächtige Vater, der die Welt schrieb und seiner nicht schonte.
Und vor allem, bei aller artistischen Brillianz, ist der Unroman komisch, zum Brüllen komisch, zum Schenkelklopfen und Herausprusten komisch, dass einem zuweilen der Atem stille steht und man sich erholen muss von der fröhlichen Tortur. Neben derber Komik finden sich Stellen, die zum Lächeln reizen, die Passagen, die zum Schmunzeln nötigen, die Konstellationen, die den Mund verbreiterten, die Gespräche gar, die einem die Tränen in die Augen treiben. Komisch, ironisch, sarkastisch, humorig, lustig, zynisch, lächerlich, grotesk ist das Buch; dabei immer hintersinnig und verschmitzt, man liest es mit lachendem und weinendem Auge.
Und wie bei jedem großen Buch spricht die Wahrheit aus allen seinen Zeilen; und neben dem heilsamen Gelächter steht sattsam bekannt die Melancholie. Es ist nur ein Buch für starke Geister und gefestigte Seelen. Wer gewiegt sein will, sollte besser zum Goethe greifen.
Dass man mit literarischer oder sonst wie gearteter Bildung den Tristram erst recht genießen kann, versteht sich von selbst. Es gibt keinen vorurteilsfreien Genuss im Reiche des Geistes.
So steht am eigentlichen Beginn des Romanzeitalters um die Mitte des 18. Jahrhunderts bereits ein Buch auf der Schwelle der Moderne; nimmt alle inhaltlichen, formalen und sprachlichen Schliche der Zukunft vorweg und setzt sich somit anfangs schon selbstsicher und herrlich als großen Schlusspunkt. Wenn mit Joyce die Zukunft begann, kulminierte sie in der Sternschen Werkstatt.
Neben Arno Schmidts „Abend mit Goldrand" und dem „Ulysses" des Iren dürfte der familiäre Reigen um Tristram, Walther und den so sehr guten Menschen Onkel Toby die heilige Trinität auf dem Gebiete der Prosakunst vorstellen. Und wer sich des Lesens scheut, der greife zur Hörkasette, ein unvergleichliches Vergnügen, dass die Lektüre unweigerlich nach sich ziehen wird.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebenswert!, 4. November 1999
Von Ein Kunde
Dieses Buch hat schon soviel vorweggenommen, dass es fast so erscheint, als hätte es eine Zeitmaschine 'zurückgebeamt'!Dahinter kann sich fast Joyce' Ulysses verstecken!Lasst Euch verführen von diesem Schelm der englischen Weltliteratur!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Leben und Meinungen von Tristram Shandy, Gentleman: (Reihe Reclam)
Leben und Meinungen von Tristram Shandy, Gentleman: (Reihe Reclam) von Laurence Sterne (Gebundene Ausgabe - 1995)
Gebraucht & neu ab: EUR 3,70
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen