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4.0 von 5 Sternen Naturbetrachtung und Geistesverzückung, 31. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Besteigung des Mont Ventoux (Taschenbuch)
Keuchend, schwitzend und erschöpft erreichen am 14. Juli 2013, dem französischen Nationalfeiertag, die Fahrer der Tour de France den kahlen Gipfel des 1912 Meter hohen Mont Ventoux. Vor dem Aufstieg zu diesem mystischen Berg im Radsport passieren die Fahrer den kleinen Ort Malaucène, von dem aus vor etwas mehr als 675 Jahren eine kleine Gruppe Wanderer aufbrach, den Gipfel zu Fuß zu bezwingen. Zu dieser Gruppe zählte auch der junge Gelehrte und Schriftsteller Francesco Petrarca. Von ihm stammt der, nur wenige Blätter zählende Reisebericht ‚Die Besteigung des Mont Ventoux’.

Francescos Vater musste seine Heimatstadt Florenz nach seiner politischen Ächtung verlassen. Die Familie siedelte in das zu jener Zeit päpstliche Avignon über. Seine Frau und die beiden Söhne, Francesco und er etwas jüngere Gherardo wohnten in Carpentras. Der Knabe hatte als Kind den „windigen“ Berg „fast immer vor Augen“. Den Wunsch, den Berg einmal zu besteigen, reifte heran und wurde nach Angaben des Autors im Alter von 33 Jahren nach der Lektüre des Livius in Angriff genommen. Livius berichtet in seinem 40. Buch, dass der makedonische König Phillip V den Berg Haemus in Thessalien bestieg, um vom Gipfel aus das Schwarze Meer und die Adria zu betrachten, mit „nicht geringer Bedeutung für seinen Kriegsplan gegen Rom“. In der Antike wurden Berge nur aus wissenschaftlichen oder militärischen Gründen bestiegen.

Petrarca sucht nach geeigneten Begleitern und wägt deren Qualitäten ab. Alle Freunde scheiden aus („concordia rara est“) und schließlich wendet er sich an seinen Bruder, der erfreut zustimmt. In Begleitung der Diener marschieren die beiden Brüder los und erreichen am Ende des ersten Tages den Ort Malaucène. Von hier aus beginnt am 26. April 1336 der Aufstieg zum Gipfel.

Während Gherardo den direkten Weg wählt, sucht Francesco nach dem bequemen Weg. Letztendlich muss er aber erkennen, dass alle Wege nach oben mühsam sind und er nur Zeit verloren hat. Francesco vergleicht den körperlichen Aufstieg zum Berggipfel mit dem geistigen Aufstieg der Seele zur Erkenntnis: „In der Tat liegt das Leben, das man das Selige nennt, auf hohem Gipfel, und ein schmaler Pfad, so heißt es, führt zu ihm hin. Auch viele Gipfel ragen dazwischen auf, und von Tugend zu Tugend muss man mit erhabenen Schritten wandeln …“. Beide. Körper und Seele wollen zum Ziel, doch „wie Ovid sagt: velle parum est; cupias, ut re potiaris, oportet (Wollen, das ist zu wenig, Begehren erst führt dich zum Ziel)“. Vielleicht beneidet Francesco den jüngeren Bruder Gherardo, der 1343 in ein Kloster eintrat und den direkten Weg zur seelischen Erkenntnis wählte.

Ein uralter Hirte versucht sie vom Vorhaben abzubringen. Er selbst, so sagt er, habe vor Jahren „mit demselben Ungestüm jugendlichen Feuers den höchsten Gipfel erstiegen, habe aber nichts von dort zurück gebracht außer Reue und Mühsal und einen von Felszacken und Dornsträuchern zerfetzten Leib und Mantel …“. Doch Vergils Worte „labor omnia vincit improbus (Rastlose Müh besiegt alles)“ spornen Francesco an.

Durch diese Gedanken gestärkt, setzt die Gruppe den Weg fort und erreicht den Gipfel. „Zuerst stand ich, durch den ungewohnten Hauch der Luft und die ganze freie Rundsicht bewegt, einem Betäubten gleich da.“ Ein erhabener Augenblick, die Wolken zu Füßen, den Blick auf die Alpen gerichtet, denkt Francesco an Hannibals Alpenüberquerung. Sein Blick schweift nach Süden. Der Pyrenäenkamm ist zu weit entfernt, um ihn sehen zu können. „Die Rhone lag unter meinen Augen“.

Seine Gedanken wandern von der Betrachtung des Raumes zur Erwägung der Zeit. Zehn Jahre sind seit den „jugendlichen Studien“ in Bologna vergangen und wieder der Hinweis, dass es sein seelisches Ziel noch nicht erreicht hat („Denn noch bin ich nicht im Hafen“). Auch Augustinus benutzte gerne den Vergleich aus der Seefahrt.

Francesco schreibt, dass er die Bekenntnisse (Confessiones) des Augustinus mit sich trug und ihm zufällig jene Stelle aufschlug, die da lautet: „Und es gehen die Menschen hin, zu bewundern die Höhen der Berge und die gewaltigen Fluten des Meeres und das Fließen der breitesten Ströme und des Ozeans Umlauf und die Kreisbahnen der Gestirne – und verlassen dabei sich selbst“. Wiederum eine Parallele zu Augustinus, der seine Bekehrung auf eine zufällig ausgewählte Stelle des Apostelbriefes zurückführte. Augustinus hat dieses Bekehrunsgerlebnis in den Confessiones beschrieben. Überglücklich und seelisch gestärkt tritt Francesco den Rückweg an und will nach eigenem Bekunden sogleich mit der Niederschrift begonnen haben.

Zuviel des Zufalls und des Zahlenspiels mutmaßt die moderne Forschung und datiert das Werk Petrarcas in eine spätere Phase. Auch wenn Petrarca auf dem Berggipfel dem Glauben den Vorrang gibt, sich sind die Wissenschaftler einig, dass Petrarcas Werk ein wichtiger Schritt in der Natur- und Landschaftsbeschreibung darstellt und gleichzeitig ein Beitrag zur Überwindung des mittelalterlichen, dogmatischen Gläubigkeit hin zu einer modernen, ästhetischen, kontemplativen Naturbetrachtung.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Finden des Weltinnenraums, 17. August 2005
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Petrarca unternimmt die Besteigung des Mont Ventoux, weil er es schon immer wollte. Es war der Berg in seiner Nähe und dieser Anstieg bedurfte einer guten Vorbereitung. Nicht dass er den Proviant als das wichtigste ansah, es war die Auswahl seines Begleiters. Nicht zu redselig, nicht zu schweigsam, nicht zu schnell, nicht zu langsam, nicht jemand, der zuviel Mut verlangt, um um Hilfe zu bitten, kurzum ein Bruder, der ein Freund ist. Und so macht sich Petrarca auf dem Weg, sein Erlebnis und sein Gedanken umfassen dieses wunderschöne Büchlein des Insel-Verlages, welches mit Fotos der Region den Inhalt schmückt.
Zusammengefasst als Brief an einen Pater, der ihm die "Bekenntnisse " des Augustinus mit auf den Lebensweg gab. Und wie Petrarca den Weg ging, dass auf und ab des (Lebens)Pfades empfinden konnte, so konnte er auch die Umgebung in allen Himmelsrichtungen geographisch und bewundernd einordnen. Im Überschwang des Sehens der Außenwelt schlug er Augustinus' Buch der „Bekenntnisse" auf, das sein ständiger Begleiter war. Glaubwürdigkeit unterstellt, schlägt er die Seite auf, wo Augustinus schreibt, dass der Blick auf die Außenwelt ein tiefes Empfinden erzeugen kann aber nichts ist, gegen die Sicht ins tiefste Innere. ("Und es gehen die Menschen und bestaunen [...] und haben nicht acht ihrer selbst.")Und hier wird der Brief zu einer Einmaligkeit verknüpft. Wandern auf Wegen ist gehen eines Lebensweges und Vorrat ist in einem Selbst. Dieses Suchen nach dem Ich, nach sich selbst ist ca. im Jahre 400 von Augustinus geschrieben, 1336 von Petrarca aufgegriffen und war Lebenszweck bei Michel de Montaigne im 16. Jahrhundert, in seinen Essais bestens beschrieben, für die Goethe war es seine "Zitadelle", und taucht mit gleicher Leidenschaft auf in den Gedichten Rilkes, der es Weltinnenraum nennt, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Stefan Zweig verweist in seinem unvollendeten Werk über Montaigne im Jahre 1942 ebenso auf dieses Streben oder Suchen nach dem Selbst.
Ein weiter Bogen eines Themas. Ein wunderbarer Brief des Francesco Petrarca.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Wollen, das reicht nicht aus, Verlangen erst führt dich zum Ziel.", 6. März 2010
Von 
Der Mont Ventoux, der sogenannte "windige Berg" ist ein einsam aufragender, 1.912 m hoher Berg in der französischen Provence. Er soll ein heiliger Berg der Kelten gewesen sein und wurde durch die Besteigung durch Francesco Petrarca im Jahr 1336 bekannt, indem er diesen Brief über die Besteigung des Berges schrieb. Der beschwerliche Aufstieg den er mit seinem Bruder durchführt, wird auf 46 Seiten schön geschildert. Francesco Petrarca trennt sich zunächst von dem Bruder und versucht einen angenehmen Weg um den Berg herum zu finden, da diese Suche ihn nicht weiter bringt, steigt er dann doch den steilen Berg direkt hinauf. Welche Schönheiten er auf dem Gipfel entdeckt und welche Einsichten er dann hat, zeigt dem Leser, dass bereits am Ende des Mittelalters ein bestimmtes Naturverständnis vorhanden war, dass die Blickrichtung verändern konnte von außen auch nach innen.
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8 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen der Bergaufstieg als Allegorie menschlichen Strebens, 22. Oktober 1999
Von Ein Kunde
Man möge Francesca als Reinhold Messner des Humanismus bezeichnen, der sich mit einer Klarheit in Gedanken und Wesensschau zu vermitteln weiß, Grenzbereiche im Alleingang zu meistern gewillt ist, und den Erkenntnisschritt im Glauben an das eigene Selbst-Bewußtsein in unerforschtes (Wesens)Land setzt. Aus der Selbstreflexion, lösgelöst vom Konventionellen entsteht zutiefst Menschliches. Ein Buch für Suchende, die einen möglichen Weg in diesen edlen Zeilen unverklärt skizziert bekommen.
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Die Besteigung des Mont Ventoux: (Was bedeutet das alles?)
Die Besteigung des Mont Ventoux: (Was bedeutet das alles?) von Francesco Petrarca (Taschenbuch - 26. März 2014)
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