Kundenrezensionen


3 Rezensionen
5 Sterne:
 (2)
4 Sterne:
 (1)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Religionsverständnis über zweitausend Jahre. Gelungene Textzusammenstellung., 14. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Was ist Religion?: Texte von Cicero bis Luhmann (Broschiert)
Dr. Jens Schlieter (*1966) ist Professor für systematische Religionswissenschaften an der Uni Bern. Er hat sich die Mühe gemacht über einen Zeitraum von zweitausend Jahren der Frage nachzugehen: "Was ist Religion?" Dabei hat der Versuchung widerstanden, selbst eine Definition zu geben. Er lässt verschiedene Autoren mit Auszügen aus ihren Originaltexten zu Wort kommen. Es beginnt mit Cicero im 1. vorchristlichen Jahrhundert und endet mit Niklas Luhmann im 20. Jahrhundert. Schlieter belässt es nicht dabei, einfach nur Textauszüge zu präsentieren. Jedem seiner zitierten Autoren widmet er eine kurze Einführung, in der er die wesentlichen Aussagen zur Fragestellung herausarbeitet. Dies gelingt ihm auch. Dadurch wird die Textsammlung auch für Nicht-Theologen und Nicht-Soziologen verständlich.

Er ordnet seine insgesamt dreißig Autoren ein in Zeitperioden: Antike und Mittelalter, Neuzeit und Aufklärung, Moderne. In seiner Einführung weist Schlieter darauf hin, dass das, was man unter Religion versteht, bestimmt werde vom "Erkenntnisinteresse". Davon hänge ab, welche Theorien über Religion erstellt würden, welche Fragen sich daraus ergeben und was außen vor bleiben würde. Nach Schlieters Ansicht gibt es drei Kategorien, wie Religion definiert werden kann (S. 22-23): Realdefinition, also Aussagen über die Inhalte; Nominaldefinition, mit der Ausarbeitung von mehr formalen Kriterien; operationale Definition, mit der Untersuchung der gesellschaftlichen und individuellen Leistungen. Mit diesen Kategorien wird es leichter, die verschiedenen Autoren einzuordnen - unabhängig davon, in welchem Zeitalter sie gelebt haben oder leben. In seinem Nachwort bezweifelt er allerdings, ob Religion nicht vielleicht ein Begriff sei, der nur aus der abendländischen Kultur heraus verständlich wäre und auf östliche Kulturen und Sinnsysteme nicht angewandt werden sollte.

Der Bogen zwischen den verschiedenen Autoren ist weit gespannt. Es beginnt mit Cicero (106 - 43 v. Chr.), der Religion hauptsächlich in ihrer Funktion als soziales Bindemittel sieht und auf die einigende Kraft religiöser Rituale setzt. Es kommt (natürlich) auch Immanuel Kant zu Wort mit seiner Aussage, dass sinnentleerte Rituale (Lobpreisungen) "ein Opiat für das Gewissen" seien (S. 75). Man könnte nun folgern, dass Karl Marx seine viel zitierte Aussage (S. 100) "Sie [die Religion] ist das Opium des Volks" bei Kant ausgeliehen hat. Man erfährt bei Max Weber, dass seiner Ansicht nach (S. 142) Priester "die Funktionäre eines regelmäßigen organisierten stetigen Betriebs der Beeinflussung der Götter" sind. Während Pierre Bourdieu meint, die Priesterschaft würde aus "austauschbaren Produzenten von Heilsgütern und religiösen Dienstleistungen" besehen (S. 231). Hermann Lübbe ist der Ansicht, dass man bei Religion nicht von "wahr" oder "falsch" sprechen könne, sondern nur von "gelungen" oder "misslungen" bzw. "zweckmäßig" oder "unzweckmäßig". Er, Lübbe, und auch der folgende Autor Niklas Luhmann sehen Religion als ein Werkzeug zur "Kontingenzbewältigung", also die Sinndeutung auch scheinbar sinnloser zufälliger Ereignisse. Mit Luhmann (1927 - 1998) enden die Autoren. Vielleicht von Schlieter ungewollt schließt sich der Kreis zum ersten Autor, zu Cicero. Denn Luhmann meint auch, dass zwar Religion für individuelle Menschen entbehrlich sei, nicht jedoch für die Gesellschaft, die er als ein "Kommunikationssystem" betrachtet.

Was man vielleicht vermissen könnte, sind Aussagen über Religion von heutigen Naturwissenschaftlern. Es fehlen auch Textzitate von Autoren, die Religion als ein evolutionäres Produkt der kulturellen Entwicklung betrachten (z.B. Ina Wunn) oder als ein "Memplex" (z.B. Richard Dawkins oder Susan Blackmore). Dennoch ist die Textzusammenstellung gelungen. Sie ist nicht nur geeignet als Basisliteratur für Theologen oder Soziologen. Der interessierte Laie erhält einen kompakten Ein- und Überblick zum Bedeutungswandel des Begriffes Religion" über zwei Jahrtausende.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungener Quellenband zur Religionstheorie, auch für Uni-Seminare geeignet, 18. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Was ist Religion?: Texte von Cicero bis Luhmann (Broschiert)
Der von Jens Schlieter herausgegebene Band versammelt Text-Auszüge zur Definition von "Religion" von Cicero über Hume, Hegel, Feuerbach, bis Geertz, Luckmann, Lübbe und Luhmann. Ein guter Reader, sowohl fürs Selbststudium als auch für Uni-Seminare geeignet. Die Einleitung ist knapp und informativ, der Stil ist akademisch, daher vielleicht nicht so geeignet für die schnelle Lektüre. Vorwissen zu haben, ist auch empfehlenswert. Die Textauszüge umfassen wenige Seiten, werden kompetent eingeleitet, wobei Schlieter immer wieder kritische Rückfragen an die jeweilige Theorie stellt. Ein Nachwort zum außereuropäischen Begriff für "Religion" schließt den Band ab.
Die Textauszüge sind unterschiedlich gut gelungen. Den Auszug aus Rudolf Otto finde ich misslungen (aber zugegeben, bei Otto ist es schwierig eine solche Passage zu finden). Bei Luckmann fehlt die wichtige Passage über "kleine, mittlere und große Transzendenzen" ganz. Die Passage aus Luhmann erschließt nicht wirklich, worum es Luhmann geht, führt vielmehr in die Irre. Da gibt es in anderen Readern bessere Auszüge zu Luhmann. Die Autoren-Auswahl ist natürlich immer ein Streitpunkt und (teilweise) Geschmackssache: Mir persönlich fehlen Texte von gegenwärtigen christlichen Theologen, etwa die Religionsdefinition von Ulrich Barth. Umgekehrt ist die protestantische Theologie des 19. und der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts überrepräsentiert: Schleiermacher, Karl Barth, Paul Tillich. Dagegen steht lediglich Thomas von Aquin als katholischer Theologe. Aber vielleicht ist ja Schlieter der Meinung, dass die katholische Theologie in den letzten Jahrhunderten keinen maßgeblichen Beitrag zur Religionstheorie lieferte.
Fazit: Für Studierende ein guter Einstieg in die Religionstheorie aufgrund komprimierter Quellenlektüre.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolles Konzept: Studium für Zwischendurch, 30. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Was ist Religion?: Texte von Cicero bis Luhmann (Broschiert)
Ich bin positiv überrascht von der gut kommentierten Zusammenstellung von Jens Schlieter. Ich hab sie gern in der Jackentasche, so kann man "zwischendurch" etwas über Ciceros oder C. G. Jungs Religionsverständis lernen.

Die drei Ansprüche von Schlieter sind: Einen Überbick über das Denken über Religion im Abendland zu geben, und zwar in Form einer "Begriffsgeschichte". Dann ein Überblick über den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion, sodass der Leser sich anschließend eine fundierte "Arbeitsdefinition" für seine eigenen Zwecke zusammenstellen kann. Und schließlich die Verdeutlichung der 'Variablen' von Religionsdefinitionen.

Wer also den Überblick über die Vielfalt von Religionsbegriffen und -konzepten sucht, findet hier eine übersichtliche Sammlung aus über 2000 Jahren Ideengeschichte. Zwischen einem einleitenden und resümierenden Kapitel finden sich 30 Denker zum Thema Religion, je mit 2-4 Seiten vorangestelltem Kommentar und 2-6 Seiten Originaltext. Und auch wenn man 'nur' kleinere Ausschnitte aus den Originalwerken lesen kann, fühlt man sich gut informiert. Ich würde hier sogar so weit gehen und von einem optimalen Verhältnis von Kürze und Nutzen zu sprechen.

Behandelt werden: Cicero, Lactantius, Augustinus v. Hippo, Th. v. Aquin, Rousseau, Hume, Kant, Hegel, Feuerbach, Marx, Friedrich M. Müller, Edward B. Tylor, W. James, Freud, Durkheim, M. Weber, R. Otto, C. G. Jung, K. Barth, Malinowski, P. Tillich, M. Eliade, W. C. Smith, C. Geertz, Th. Luckmann, R. N. Smart, P. Bourdieu, H. Lübbe, N. Luhmann.

Es sind also auch unbekanntere Autoren darunter und nicht nur Klassiker im engeren Sinne. Schade ist jedoch, dass z.B. Nietzsche fehlt, obwohl sogar Schlieters Einleitung mit einem Zitat von Nietzsche beginnt. Ein weiteres kleines Defizit ist das 'Loch' in den letzten 30 Jahren, obwohl das Reclam-Heftchen auf 2010 datiert ist. Die Sammlung hört in den 80ern auf. Aber auch das lässt sich verkraften, Anspruch auf Vollständigkeit hat das Werk natürlich nicht und außerdem heißt das Buch ja auch ausdrücklich "von Cicero bis Luhmann".

Empfehlung für alle, die mit dem Thema Religion zu tun haben!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Was ist Religion?: Texte von Cicero bis Luhmann
Was ist Religion?: Texte von Cicero bis Luhmann von Jens Schlieter (Broschiert - 15. November 2010)
EUR 6,80
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen