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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit!"
Bei den "Räubern" geht es um den Zerfall der Familie Moor. Karl, der älteste Sohn und damit auch der Erbe des alten Grafen ist klüger, sieht besser aus und hat auch mehr Erfolg bei den Frauen als sein Bruder Franz. Jedoch führt er ein Luderleben, spielt allerlei Streiche und hat in der Vergangenheit schon das ein oder andere Mal über die Strenge...
Veröffentlicht am 18. Januar 2005 von Paxton

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Outlaws - in Sturm und Drang...
Die zwei Extreme zwischen denen sich eine tragische Geschichte - derjenigen zwischen Kain und Abel nicht unähnlich - aufbaut sind die beiden adeligen Söhne Franz und Karl Moor. Karl, der Erstgeborene, als Student in Leipzig entwickelt eine hochstilisierte Moralvorstellung an der die reale Welt scheitern muss. Als Reaktion bekämpft er das bestehende...
Veröffentlicht am 17. Juni 2012 von Kucher Wolfgang


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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit!", 18. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Räuber (Taschenbuch)
Bei den "Räubern" geht es um den Zerfall der Familie Moor. Karl, der älteste Sohn und damit auch der Erbe des alten Grafen ist klüger, sieht besser aus und hat auch mehr Erfolg bei den Frauen als sein Bruder Franz. Jedoch führt er ein Luderleben, spielt allerlei Streiche und hat in der Vergangenheit schon das ein oder andere Mal über die Strenge geschlagen. Diese Tatsache nutzt sein neidischer Bruder schamlos aus und versucht durch einen gefälschten Brief Karl vom Vater zu entfernen, um der Alleinerbe zu sein. Damit nicht genug, er will, wie er selbst sagt, „Herr" sein (1.Akt, 1.Szene). Um das durchzusetzen, muss sein Vater sterben. Franz tut für sein Ziel alles und scheut vor nichts zurück.
Karl hat sich eigentlich mittels eines Briefes, den sein Bruder Franz verfälscht, bei seinem Vater für seine begangenen Fehler entschuldigen wollen. Aber als Karl den Antwortbrief seines Vaters, den Franz in Auftrag des Vaters schreiben sollte, auf den verfälschten Brief erhält, ist er zu tiefst verletzt. In ihm steht, dass sich der Alte Moor von Karl abwendet und nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Verzweiflung schlägt um in Wut. In Wut auf die ganze Menschheit; eine Menschheit, die keine Verzeihung kennt. Karl weiß jedoch nicht, dass alles eine Intrige seines Bruders ist und beschließt sich an der Menschheit zu rächen, indem er sich als Hauptmann an die Spitze einer Räuberbande stellt: „Räuber und Mörder!-So wahr meine Seele lebt, ich bin euer Hauptmann!" (1.Akt, 2.Szene)
Das Thema "Freiheit" wird in diesem Drama (mit dem er im Alter von 18 Jahren angefangen hat zu schreiben) groß geschrieben. Ein Drama, in dem Schiller seine Jugend- und Kindheitserlebnisse verarbeitet hat. Er war nämlich 7 Jahre lang auf der sogenannten militärischen Pflanzschule, gegründet von dem Fürsten Karl Eugen. Friedrich Schiller hat in dieser Schule seelisch sehr stark gelitten, denn sie war geprägt von Disziplin und Arbeit. Er hatte keine Freizeit und war seiner Freiheit beraubt. Und diese Erfahrungen fließen mit in das Theaterstück ein.
Obwohl dieses Drama schon über 200 Jahre alt ist, hat es nichts von seiner Aktualität und Faszination verloren. Mir hat es wirklich sehr viel Spaß gemacht dieses Buch zu lesen und die Sprache Schillers ist nicht wirklich ein Hinderniss. Man gewöhnt sich so schnell an sie, dass man es gar nicht merkt.
Fazit: Lesen! Das ist Weltliteratur und Lesegenuss in höchster Vollendung!
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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mord und Revolution made in 1781!!, 6. Juni 2005
Von 
Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Räuber (Taschenbuch)
Mannheim 1782: man freut sich auf einen entspannten Theaterabend. "Die Räuber" soll gespielt werden, ein Stück des noch relativ unbekannten Friedrich Schiller. Und dann das!! Damen gesetzteren Alters schwinden die Sinne, würdevolle Herren springen ob des Geschehens auf der Bühne auf und tun lautstark ihren Unmut kund. Was ist passiert, was hat diesen Aufruhr verursacht?

Schon Akt 1, Szene 1 lässt den Zuschauern kalte Schauer des Unglaubens über den Rücken laufen. Franz, jüngster Sohn des Graf von Moor, schmettert sein Motto "Frisch also! mutig ans Werk! - Ich will alles um mich her/ausrotten, was mich einschränkt, dass ich nicht Herr bin./Herr muss ich sein, dass ich das mit Gewalt ertrotze,/wozu mir die Liebenswürdigleit gebricht." So einen krass formulierten Ahteismus a la Machiavelli kannte man bisher nur aus Werken wie "Richard III" oder "King Lear" von Shakespeare. Aber von einem Deutschen? Niemals.

Und auch der ältere Bruder von Franz, der hinterlistig betrogene Karl, lässt sich nicht viel besser an. Da schimpft er über das "tintenklecksende Saekulum" und das "Kastratenjahrhundert" und vollkündet dann doch tatsächlich "Stelle mich vor ein Heer Kerls wie ich, und aus Deutsch/land soll eine Republik werden" (Akt 1, Szene 2). Das kam ja Hochverrat gleich, ein direkter Angriff auf die gottgewollte Obrigkeit.
Und das ist erst der Anfang. Noch in derselben Szene ruft Karl: "Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit". Und in Akt 2, Szene 3 fügt er hinzu "Ich fühle eine Armee in meiner Faust - Tod oder Freiheit!" Auch dies ein Affront. Eigene Ambitionen waren in einer Ordnung mit einem direkt von Gott eingesetzten absoluten Monarchen tabu. Jeder hatte seine von Geburt an festgelegte Stellung in der Gesellschaft, die er nicht zu verlassen hatte.

Die Taten der Räuberbande, deren Hauptmann, Karl ist, führten der Gesellschaft ihre schlimmsten Albträume vor Augen: Brennende Städte, ermordete Frauen und Kinder und sogar vergewaltigte Nonnen! Ungeheheurlich! Da nutzte es auch wenig, dass gegen Ende des Stückes alles wieder so halbwegs in die gewohnten Bahnen der gottgewollten Ordnung zurückkehrte. Viele waren entweder gar nicht mehr im Theater oder einfach noch zu schockiert von dem eben Gesehenen.

"Die Räuber", eines der Gründungswerke der Sturm und Drang Zeit, hat auch in den folgenden Jahrhunderten nichts von seiner Sprengkraft verloren. Im Vorfeld der Revolution von 1848 war es Lieblingslektüre vieler nach Freiheit strebender National- und Verfassungsstaatler. Und noch 120 Jahre später zitierten die rebellierenden Studenten die "Armee in [ihrer] Faust".

Fazit: die Vokabel "unvergänglich" wird des öfteren im Zusammenhang mit literarischen Werken genannt. "Die Räuber" fällt auf jeden Fall unter diese Kategorie!
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34 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Werk eines Genies- in jeder Hinsicht, 10. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Räuber (Taschenbuch)
Ich möchte es gleich vorwegnehmen: Lesen Sie „De Räuber" von Friedrich Schiller. Sicherlich gibt es viele gute Theaterinszenierungen. Leider beschränken sich diese jedoch auf den Terrorismus. Diese Tatsache ist mehr als bedauerlich.
Schillers „Die Räuber" wird meistens in die Epoche des Sturm und Drangs eingeordnet. Gefühle und Triebe werden in dieser Epoche dem Verstand gegenübergestellt. Meiner Meinung nach ist Schillers Drama jedoch weit mehr als nur ein Stück des Sturm und Drangs. Friedrich Schiller, der dieses Stück in sehr jungen Jahren verfasst hat, muss seiner Zeit weit voraus gewesen sein. Er stellt dem verstandorientierten Franz einen gefühlvollen Bruder Karl gegenüber. Beide werden oder können nicht glücklich werden.
Friedrich Schiller hat, und das ist nur wenigen bekannt, eine Vorrede zu seinem Stück geschrieben. In dieser Vorrede schreibt Schiller von Bösewichten, die unglücklich werden, obwohl sie auf dem Weg zum höchsten glück sind. Karl und Franz können ohne jede Frage als Bösewichte bezeichnet werden. Karl, Hauptmann einer Räuberbande, ist Mörder vieler ihm unbekannter Menschen. Außerdem ist er der Mörder seiner Geliebten Amalia. Und sein Vater ist durch ein schock, der durch Karls unsensible Worte hervorgerufen wurde, gestorben. Sein Bruder Franz ist ebenfalls ein Bösewicht. Schließlich hat er eine Intrige gegen seinen Bruder geplant, ist für dessen Entwicklung mitverantwortlich, und auch der Tod seines Vaters wurde von ihm geplant. Warum fragt man sich jedoch, sind diese Bösewichte auf dem Weg zum höchsten Glück. Ganz einfach: Zur zeit des Sturm und Drangs war der Begriff des Genies von zentraler Bedeutung. Das Genie stellte derjenige dar, dem es durch Originalität, Individualität und durch eine gewisse Stärke möglich war, auf gesellschaftlicher, politischer und vor allem literarischer Ebene sich seine eigenen Grenzen zu schaffen. Friedrich Schiller, der durch das Schauspiel „Die Räuber" auf Grund seines Hinwegsetzens über die literarischen Gesetze selbst zum Genie wurde, hieß diese Entfaltung des Menschen sicherlich für richtig. Für ihn stellte diese Entwicklung zum Genie den Weg zum höchsten Glück dar. Beide Brüder, sowohl Franz als auch Karl, schaffen sich ihre eigenen Gesetze, indem sie sich über gewisse Normen und Konventionen hinwegsetzen. Beide haben erkannt, dass solche Konventionen die Individualität und die völlige Entfaltung der eigenen Person einschränken. Beide sind Genies, aber sie sind nicht glücklich. Die Antwort, die Schillers Schauspiel hierfür liefert, ist das eigentliche Geniale. Das Scheitern Karl und Franzens macht die eigentliche Kritik Schillers aus. Es ist diese Kritik, die zeigt, wie weit Schiller seiner eigenen Zeit voraus war. Karl und Franz sind gescheitert, weil sie den Einklang zwischen Gefühl und Verstand nicht gefunden haben und damit die Fähigkeit zum Leben verloren haben. Aus diesem Grund sind sie, wie Schiller außerdem in seiner Vorrede erwähnt, „auf dem Weg zur vollkommensten Vollkommenheit zu den unvollkommensten" geworden.
Franz hat die Mitte zwischen Gefühl und Verstand gefunden. Die Enttäuschung und der Schmerz, die er in seiner Kindheit erfahren musste, hat er nicht verarbeitet. Er hat erst seine Gefühle radikalisiert; Enttäuschung und Schmerz wurden zu Hass, und später dieses Gefühl von Hass unterdrückt. Von dort an hat er nur noch Pläne geschmiedet, die ihm zu einem besseren Leben verhelfen sollten. Dabei hat er jedoch nur seinen Verstand eingesetzt und seine Gefühle, wie schon erwähnt, vollends unterdrückt. Das Unterdrücken seiner Gefühle und die zwanghafte Überbetonung seines Intellekts wurden ihm letztendlich zum Verhängnis. Wie ein Sturm sind kurz vor seinem Tod die unterdrückten Gefühle aus ihm herausgedrungen. Die Gefühle Franzens sind zu einer überdimensionalen Macht geworden, die seinen Verstand vollständig ausgelöscht haben, und ihn somit in den Wahnsinn getrieben haben. Dieser Wahn ist erst durch die Unterdrückung der Gefühle entstanden.
Wie sein Bruder ist auch Karl Opfer seiner Gefühle geworden. So kann er mit seinem Schmerz und seiner Enttäuschung über die angebliche Verstoßung seines Vaters nicht vernünftig umgehen. Karl radikalisiert ebenfalls seine Gefühle und wird zu einem Räuber. Obwohl er im Laufe der Handlung immer wider seinen Verstand benutzt und zu vernünftigen Schlüssen kommt, kann er die tiefsitzenden Gefühle nie so überwinden, dass sie im Einklang mit dem Verstand sind. Am Ende des Schauspiels packt auch ihn der Wahn. In diesem agiert er so emotionsgeladen, dass sich seine Gefühle auch auf die Menschen übertragen, die er geliebt hat. Er tötet Amalia, die sich umbringen will, und erweckt in seinem Vater eine solche Enttäuschung, die die dazu fähig ist, auch ihn in den Tod zu treiben. Aus dieser Szene ist jedoch auch erkennbar, dass Amalia und der Vater ebenfalls auf grund von Gehfühlen sterben mussten. Der Vater erliegt dem Gefühl der Enttäuschung und Amalia dem Schmerz, der aus ihrer Liebe resultiert. Alle vier Hauptpersonen werden zu opfern ihrer Emotionen. Zwei davon waren auf dem Weg zum höchsten Glück. Sie scheiterten an der völligen Hingabe einerseits und an der erbarmungslosen Unterdrückung ihrer Gefühle andererseits. Letzteres läuft auf das erst genannte hinaus, da Gefühle sich nicht unterdrücken lassen.
Die Vertreter des Sturm und Drangs haben verstanden, dass man seine Gefühle ausleben muss und dies propagiert. Friedrich Schiller hat jedoch die Erkenntnis gehabt, dass das Gefühl nicht überbetont werden darf. Nur derjenige, in dem Gefühl und Verstand gleichermaßen vereint werden und gleichermaßen zum tragen kommen, ist dazu fähig vernünftig zu sein.
Schillers „Die Räuber" zeigt auf, dass es für sensible und hochbegabte Menschen von solcher Größe, wie Karl und Franz sie sind, unabdingbar ist die Gefühle mit dem Verstand zu vereinen.
Diese Erkenntnis war in der Zeit, in der Schiller lebte, einfach revolutionär und daher sollte dieses Werk wieder viel öfter gelesen werden.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verstand contra Gefühl '- Ein zeitloses Meisterwerk des Sturm und Drang, 18. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Räuber (Taschenbuch)
Friedrich Schiller hat zu Lebzeiten etliche lesenswerte und die Literatur prägende Stücke verfasst. "Die Räuber" ist in meinen Augen das großartigste, zeitloseste und für mich prägendste Werk. Im Fokus stehen hier die Protagonisten Karl und Franz Moor, welche im Laufe der Handlung unterschiedliche Entwicklungen durchleben.

Sowohl der jüngere Karl als auch Franz sind zwei vielschichtige, aber auch komplizierte Charaktere. Franz lebt zurückgezogen im Schloss des Vaters und spinnt Intrigen, die ihm zum Aufstieg verhelfen sollen. Sein Ziel ist es, seinen Bruder Karl und seinen Vater auszuschalten. Einerseits möchte er damit selbst zum Herrscher werden, andererseits will er sich an seinem Erzeuger rächen, da er im Kindesalter von seinem Vater vernachlässigt wurde. Doch auch Karl ist mit seiner derzeitigen Lage nicht zufrieden: Aufgrund des gefälschten Briefes von Franz glaubt er, vom Vater verstoßen worden zu sein, und das lässt seine Enttäuschung und Wut unermessliche Züge annehmen. Als Folge wird Karl zum Hauptmann einer Räuberbande und verlebt eine von Gräueltaten geprägte Zeit in den böhmischen Wäldern.

Schillers Figuren sind zweifellos schillernde Persönlichkeiten, die auf den ersten Blick grundverschieden wirken. Karl ist der aufbrausende, vitale, rebellische junge Mann, während Franz eher einen ruhigen, grüblerischen Eindruck macht. Doch bei näherer Betrachtung fällt auf, dass beide sehr viele Gemeinsamkeiten haben. So handeln beide aus Vergeltung: Sie wollen sich an ihrem Vater rächen, aber gleichzeitig auch für Gerechtigkeit kämpfen. Franz sieht es als legitim an, dem Vater Leid zuzufügen, da dieser ihn vor vielen Jahren selbst Leid erfahren ließ. Karl hingegen fühlt sich durch Regeln und Normen in seinem Gerechtigkeitsgefühl gekränkt und möchte dem durch Rebellion entgegenwirken. Schlussfolgernd wollen beide Gerechtigkeit mit dem Unterschied, dass Franz nur einen Anspruch auf sich erhebt, während Karl die Gerechtigkeit für alle anstrebt. Beide wollen etwas Neues schaffen und demnach ist es nicht verwunderlich, dass die Brüder mit dem Geniebegriff in Verbindung gebracht werden, welcher zum ästhetischen Zentralbegriff der Sturm und Drang- Epoche wurde.

Beide wollen alles richtig machen, doch scheitern sie am Ende. Karl sieht ein, dass seine tyrannischen Taten verkehrt waren und seinen Zielen nicht dienlich. Er kann diese Erkenntnis nicht mit seinem Gewissen vereinbaren und stellt sich der Justiz. Er geht an dem Überfluss seiner Gefühle zu Grunde: Die Überbetonung der Emotionalität schadet ihm letztendlich so sehr, dass sein Handeln zum Scheitern verdammt ist. Bei Franz ist es genau umgekehrt: Er muss realisieren, dass seine Intrige aufgeflogen ist und die Räuber ihn töten wollen, sodass er sich letztlich selbst erdrosselt. Ihm wird die Unterdrückung seiner Emotionen zum Verhängnis. Er hat stets seinen Verstand arbeiten lassen und seine Gefühle ignoriert.

Schiller zeigt somit, dass weder die Radikalität des verstandesorientierten Handelns noch die des vom Gefühl geleiteten Handelns den glücklichen Ausweg aus einer verzwickten Lage erzielen können. Sowohl die Überbetonung als auch die Unterdrückung von Verstand und Gefühl ist nicht richtig und kann sich - wie wir bei Karl und Franz sehen - zerstörerisch auswirken. Die einzig richtige Lösung ist die Einheit von beidem, ohne dass eine Richtung radikalisiert wird.

Bis man jedoch zu dieser Erkenntnis gelangt, muss man "Die Räuber" erst einmal lesen und sich mit den Charakteren von Karl und Franz auseinandersetzen. Schiller ermöglicht es dem Leser, aus den menschlichen Fehlern der ungehobelten Protagonisten zu lernen. Wer "Die Räuber" nicht liest, verpasst eine wichtige Lektion fürs Leben.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bruderkrieg, 17. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Räuber: Ein Schauspiel (Taschenbuch)
Karl Moor hat alles, was sein Bruder Franz begehrt: er ist ein Bild von einem Mann, ihm gehört das Herz der schönen Amalia und als Erstgeborener wird er das Erbe seines Vaters antreten. Da entsinnt der listige Franz eine Intrige gegen Karl um seinen Platz einzunehmen. Karl wird verstoßen und gründet aus Protest eine Räuberbande.

Verkehrte Welt: Der moralisch verkommene Franz nistet sich in der Gesellschaft ein und der gutherzige Idealist Karl revoltiert gegen die bestehenden Zustände.

In einem tieferen Sinn wird in »Die Räuber« die Aufklärung hinterfragt: so benutzt Franz seine Aufgeklärtheit, um seine eigenen egoistischen Ziele zu verfolgen. Moralisches und aufgeklärtes Handeln fallen bei ihm nicht zusammen.

Dieses ganze Erstlingswerk Schillers ist ein einziger Protest: die Räuber werden zu Antihelden und auch sprachlich und formal hebt sich dieses Werk vom klassischen Drama ab. So ist »Die Räuber« nicht in wenig lebensnahen Versen verfasst, sondern in »gesprochenen Deutsch« als sehr kraftvolle Prosa (und mit ganz viel genialen Pathos).

Im Gymnasium mein Lieblingsschiller und an der Uni mein Lieblingsschiller. Ein absolutes Muss.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kampf der Brüder bis aufs Blut, 8. März 2009
Von 
A. Winnefeld (Niedersachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Räuber (Taschenbuch)
Schillers "Die Räuber" schildert das Schicksal der Grafenfamilie von Moor; neben dem alten kränkelnden Grafen Moor gibt es den intriganten Bösewicht Franz, seinen jüngeren Sohn, sowie den älteren Sohn, Karl; letzterer ist der schwärmerische Protagonist des Dramas. Ebendieser Karl Moor glaubt, auf Grund eines von Franz fingierten Briefes, bei seinem Vater in Ungnade gefallen zu sein und gibt sich einem Leben als "edler" Räuber hin.
Doch hier gibt es schließlich kein so klares Gut und Böse, wie man es oftmals aus Stücken dieser Zeit kennt, es gibt keinen überlebensgroßen Helden, auch keinen die Ordnung rettenden Verrina wie in Schillers Fiesco. Franz, der vor nichts zurückscheut, um sich das zu holen, was ihm seiner Meinung nach die Natur verweigert hat, und der seinen Bruder aus der Gunst des Vaters zu verdrängen sucht, wird schließlich von seinem Gewissen bedrängt. Dieses meldet sich jedoch keinesfalls von selbst zu Wort - das Fegefeuer fürchtet Franz erst, als Karls Räuber in das Schloss eindringen um ihn in selbiges zu hinabzuschicken.
Auch Karl muss jedoch letztendlich zu Grunde gehen. Das "edle" Räuberleben fordert immer wieder das Blut unschuldiger. Karl ist kein Racheengel, sondern maßt sich nur eine richterliche Gewalt an, die er nicht haben dürfte - einerseits distanziert er sich von zwielichtigen Figuren wie Spiegelberg und wirft den Kindsmörder Schufterle aus seiner Bande, andererseits setzt er eine ganze Stadt in Brand und nimmt den Tod unschuldiger in Kauf, um einen Kameraden vom Galgen zu holen. In seinen hysterischen Momenten vergisst er die Gefährten, die ihm so treu ergeben sind: Roller und Schweizer, die beiden am positivsten gezeichneten Bandenmitglieder, die ihm aber bedingungslos ergeben sind, führt er in den Tod. Schweizer, seinem treusten Knecht, der sich von ihm Absolution erhoffte, weint er nicht eine Träne nach, als dieser sich, in seinem Auftrag Franz Moor lebendig zu fassen gescheitert, selbst erschießt, um seinen Schwur zu erfüllen. Schließlich muss Karl Moor erkennen, dass die Moral nur dann siegen kann, wenn er selbst verliert. Diese Einsicht kommt freilich erst, als seine Welt in Trümmern liegt.

Negativ zu bemerken ist an dieser Ausgabe der fehlende Kommentar; es gibt zwar Worterklärungen, aber ein umfassendes Nachwort fehlt. Wer Reclam Ausgaben wie die zum "Nibelungenlied" kennt, ist da besseres gewöhnt.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Räuber - Für die Schule bearbeitet, 11. Oktober 2009
Von 
Phlix "phil-books-dvds.blogspot.com" (Karlsruhe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich schreibe hier als Schülerin der 13.Klasse.
Voriges Jahr mussten wir dieses Buch lesen, da es zu den 3 Abilektüren gehört.
Da diese Lektüren manchmal sehr schwierig geschrieben sind aufgrund der altdeutschen Sprache und der Aufbau allgemein für die heutige jugendliche Leserschaft sehr ungewohnt ist, habe ich mir diese Schul-Version zusätzlich bestellt und es nebenher gelesen, d.h. ich habe immer erst einen Akt im gelben Buch (dem original) gelesen und dasselbe danach in der Schul-Version.
Ich kann es nur für alle Schüler empfehlen, es hilft einem wirklich besser zu verstehen. Es ist sehr verständlich geschrieben, alle Gefühle erreichen den Leser, die einem sonst bei der Originalversion unter Umständen nicht ganz klar geworden wären.
Allerdings ein Tipp an alle Schüler:
Solltet ihr über dieses Buch tatsächlich ABI oder auch nur eine Klassenarbeit schreiben, lest auf jeden Fall BEIDE Bücher und nicht nur die vereinfachte Schulversion. Man muss sich mit dem Normalen Stil anfreunden, sonst sitzt man in der Arbeit und versteht nur Bahnhof.
Aber als Neben- und Verständnisvertiefung ist dieses Buch nur sehr zu empfehlen :-) Ich hoffe ich konnte helfen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen beste ausgabe für schüler und studenten, 25. August 2012
das dram ist natürlich über jeden zweifel erhaben, ich liebe es und warte nur noch auf eine wirklich kongeniale filmadaption
schillers erstling enthält großartige dilaoge und eine verrückte story, fantasy und herr der ringe lässt schon fast grüßen

große literatur für wenig geld,

es gibt ja viele ausgaben und anderem die reclam sachen, aber ich empfehle immer die suhrkamp-bücher, weil sie im text die veralteten wörter erklären, so wird der lesefluss nicht durch blättern gestört, inhaltlich gibt es wirklich keine mängel und das sind die perfekten ausgaben für die schule, papier ist vllt etwas dünn, reißt schnell, deshalb nur 4 sterne, aber man soll ja auch nicht damit werfen :)
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Phantastisches Buch, sehr lesenswert, 6. Dezember 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Räuber (Taschenbuch)
Als es in der Schule hieß: Mensch Kinder, wir lesen Schiller, dachte ich mir meinen Teil und war im stillen nicht gerade davon begeistert. Ein Theaterstück lesen, verstehen und dabei auch noch Spaß haben? Das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Doch wie es so ist, irrt man eben doch öfter, als man denkt. Mürrisch begann ich diesen Klassiker zu lesen und merkte bald, daß dieses wunderbare Buch gar nicht so verstaubt und antiquiert ist, wie ich immer dachte. So verschlang ich die Geschichte der Räuber mit Lust und Wonne! Intirigen und Verrat, Libe, Haß- alles was das Herz begehrt. Ein Drama des großen Formats. Jedem zu empfehelen und vielleicht sogar zum mehrmals lesen. Viel Spaß also bei dem alten Klassiker! Schiller wußte, was er tat!!!!!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Outlaws - in Sturm und Drang..., 17. Juni 2012
Von 
Kucher Wolfgang "wak" (Rietz / Tirol / Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Die zwei Extreme zwischen denen sich eine tragische Geschichte - derjenigen zwischen Kain und Abel nicht unähnlich - aufbaut sind die beiden adeligen Söhne Franz und Karl Moor. Karl, der Erstgeborene, als Student in Leipzig entwickelt eine hochstilisierte Moralvorstellung an der die reale Welt scheitern muss. Als Reaktion bekämpft er das bestehende Establishment zuerst mit Worten später mit Taten als Anführer einer Gesetzlosenbande. Als charismatischer Anführer der Räuber weiß er gesellschaftliches Strandgut zu Hauf anzuziehen. Die Triebfeder seines Hasses ist für ihn immer wieder sein ungerechtfertigten Verstoß durch den Vater den er weder versteht noch verwindet. Einen nicht unmaßgeblichen Anteil daran, dass der alte Moor ihn verstößt hat Franz, der einzig seinen materiellen Vorteil im Auge, intrigiert, um das Erstgebohrenenrecht auf das Moor'sche Anwesen zu erlangen. Beide, Franz und Karl, scheitern letzten Endes an ihrer pervertierten Sicht auf die Welt, die bei Franz bis zum versuchten Vatermord, bei Karl bis zum Mord an seiner geliebten Amalia geht. Franz entzieht sich der Rache seines Bruders durch Selbstmord, Karl überantwortet sich den Häschern. Zurück bleibt eine Spur aus Vernichtung, menschlichem Leid und gescheiterten Menschen.

Fazit: 'Reichlich schwer zu lesendes aber spannendes und facettenreiches Stück des Sturm und Drang, von dem Schiller selbst behauptete, es sei "von der Bühne verdammt" (Vorrede zur ersten Auflage).
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Die Räuber: Studienausgabe
Die Räuber: Studienausgabe von Friedrich Schiller (Broschiert - 1. Oktober 2009)
EUR 8,80
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