Kundenrezensionen


3 Rezensionen
5 Sterne:
 (2)
4 Sterne:
 (1)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Die Philosophie ist das größte Geschenk der Götter." Platon, 6. September 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Timaios: Griech. /Dt. (Taschenbuch)
"Timaios" ist ein nicht ganz einfacher Dialog Platons, da mehrere philosophische Gedanken in den Text eingeflossen sind. Sie lesen Gedanken über den Kosmos, die Astronomie, die Mathematik, die Medizin und die Biologie.
Die Einleitung des Buches wiederholt die wesentlichen Ergebnisse des "Politeia" von Platon. Dann erzählt Kritias von einem Besuch Solons in Ägypten, dort habe dieser von den Priestern etwas über die Geschichte von "Ur-Athen" und von Atlantis und seinem Untergang erfahren. Timaios führt den Dialog mit Sokrates weiter. Wir erfahren etwas über den Makrokosmos, wie dieser durch Gott geschaffen wurde. Das All als ein Körper, der aus den vier Elementen zusammengesetzt wurde, der eine perfekte zeitlose Ordnung zeigt und eine Seele besitzt.
Timaisos sagt: "Wie das Gewordene geworden ist und das Werdende ein Werdendes ist und das was noch werden wird, ein Sein-Werdendes ist, und das das Nichtseiende ein Nichtseiendes ist, dass sei so nicht begreifbar." Um diese doch etwas schwierigen Gedanken näher zu erklären betrachtet er dann die Natur,und zwar die vier Elemente als Abbild des Alls und als eine ewige Nachahmung, und dann den Menschen. Dem Menschen ist eine Seele gegeben, damit er die vier Elemente die den Körper beherrschen, wieder in eine Ordnung bringt und sie durch Vernunft bezwingt um so im Einklang mit dem kosmischen Prinzip zu leben. Es folgt eine genauere Betrachtung der vier Elemente mit geometrischen Formen, wobei die Erde die Würfelform erhält, denn von den vier Elementen ist sie am unbeweglichsten. Die anderen Elemente werden als unterschiedliche Dreiecke dargestellt. Das Tetraeder steht für Feuer; das Oktaeder für Luft; das Ikosaeder für Wasser. Diese werden dann im Text ausführlich erklärt.
Beschrieben werden die drei Formen der Seele, die vier Sinne ( Geschmack/ Geruch/ Hören/ Sehen). Es wird auf das harmonische und unharmonische Verhältnis zwischen Körper und Seele hingewiesen, dass letztere unharmonische Verhältnis kann den Menschen krank machen, wobei Wahnsinn und Unwissenheit als Krankheit der Seele betrachtet werden.

Der Kosmos wird von Platon als ein Lebewesen gesehen, dass alles Sichtbare umfaßt, als einen wahrnehmbaren Gott, ein Abbild, das einzigartig ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen "Alles Gute nun ist schön und was schön ist, das entbehrt nicht des richtigen Maßes", 15. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Timaios: Griech. /Dt. (Taschenbuch)
Platons Spätwerk ‚Timaios’ (ca. 365 v.Chr.) ist ein Dialog der Philosophen Sokrates, Kritias, Timaios und Hermokrates. In ihm verteidigt Platon die Naturphilosophie der Vorsokratiker und insbesondere die Zahlenarithmetik des Pythagoras.

Den Dialog eröffnet Sokrates mit einer Zusammenfassung seiner am Vortag gehaltenen Ausführungen über den besten Staat. Dann ergreift Kritias das Wort und erzählt eine von Solon in Ägypten gehörte Geschichte über die sagenumwobene Insel Atlantis, die vor den „Säulen des Herkules“ lag. Dem Kriegzug dieses Volkes vermochten einzig die Athener zu widerstehen. Nach der „Überschwemmung der Erde … der größten verheerenden Flut“, versank die Insel für immer im Meer.

Nun kommt die Reihe an Timaios. Er soll von „der Schöpfung der Welt und schließend mit der Entstehung der Menschen“ berichten. Nachdem er den Beistand der Götter erfleht hat, beginnt er mit der grundlegenden Unterscheidung zwischen dem Sein und dem Werden. Das Sein ist die einzige Wahrheit und nur vom Verstand wahrnehmbar. Das Werden ist das Wahrscheinliche, von den Sinnesorganen wahrgenommene. Timaios bittet um Verständnis, dass seine Mutmaßungen menschlichen Irrtümern unterliegen und seine Deutung auf Wahrscheinlichkeit beruht: „…so können wir ganz zufrieden sein und brauchen nichts weiter (Wahrheit) zu verlangen.“

Das Weltall wurde vom großen Bildner (Demiurg), der „voller Güte“ und ohne Neid ist, geschaffen. Indem Platon einen Urheber, den „Vaters dieses Alls“ postuliert, stellt er die polytheistische Götterschar der Athener in Frage. An anderer Stelle bemerkt Platon fast ironisch über die Dämonen: „Wie könnten wir den Nachkommen der Götter den Glauben versagen? Mögen ihre Aussagen auch keinen Anspruch haben auf Wahrscheinlichkeit … so müssen wir doch … dem Herkommen gemäß ihnen Glauben beimessen“.

Die Unordnung, die „an kein Maß und keine Regel gebundenen Bewegung“, überführte der Schöpfer in die Ordnung und machte aus der Erde ein „vollkommenes Geschöpf“. Platon dachte sich die Welt beseelt, als „lebendiges Wesen“, ein Gedanke, den später auch Hegel aufgriff: „Der Seele aber gab er ihren Sitz in der Mitte der Welt“. Das ganze Weltall mit allen Bestandteilen beruht für Platon auf einer himmlischen Zahlenarithmetik, die für den Leser ohne fachkundige Erläuterungen unverständlich bleibt. Platon folgt darin ebenso wie bei der Berechung des Abstandes zwischen den kreisförmigen Planetenbahnen der Lehre des Pythagoras.

„Alles Gute nun ist schön und was schön ist, das entbehrt nicht des richtigen Maßes“.

Aus der Lehre der Vorsokratiker übernahm Platon die vier Urelemente: Feuer, Erde, Wasser und Luft. Aus ihnen schuf der Meister die Erde. Die Elemente setzten sich aus Dreiecken und Kombinationen von Dreiecken zusammen. Das Feuer als kleinstes Element besteht aus Tetraedern, die Luft aus Oktaedern, das Wasser aus Ikosaedern und die Erde aus Hexaedern (Würfen). Gleichartige Elemente sammeln sich aufgrund von Masse und Beschaffenheit an einem Ort. Die schweren und großen Elemente der Erde bilden die Grundlage, dann folgen Wasser, Luft und am leichtesten sind die Feuertetraeder. Werden die Elemente durch den Umschwung des Weltalls durchmischt, streben sie wieder ihrer ‚natürlichen’ gottgegebenen Ordnung zu (Feuer strebt immer nach oben). Dieses Durchdringen und Vermischen sorgt für einen nie endenden Kreislauf des Werdens.

Der seiner Natur nach formlose Raum („aller Formen ledig“) ist nicht leer, sondern wird von den Elementen gefüllt und geformt.

Modern klingt Platons Begriff der Zeit. Er bindet ihn an die Entstehung des Weltalls, des Gewordenen und damit an den Raum. In Verbindung mit dem Sein und der Unendlichkeit aber wird Zeit sinnlos.

Die Philosophie bezeichnet er als größtes Gut, „…das dem sterblichen Geschlecht von den Göttern verliehen ward…“.

Der Seele, die „Herrin“ der Körpers nimmt eine Mittelstellung „zwischen dem Unteilbaren und dem körperliche Teilbaren“ ein. Der Schöpfer fügte die Seele dem „Selbigen“ und dem „Anderen“ zu und mischte die drei Teile. Die Dreieinigkeit erinnert an das Neue Testament, ebenso wie der nachfolgende Text der Genesis entnommen sein könnte: „Als nun der schaffende Vater dies Abbild der ewigen Götter von Bewegung und Leben erfüllt sah, freute er sich“. An anderer Stelle spricht Platon vom Künstler, „…der uns wie aus Wachs formte…“.

Selbst die Götter verdanken dem Ur-Schöpfer ihr Dasein: „Und was die göttlichen Wesen anlangt, so war er (der Demiurg) selbst ihr Schöpfer, während er die Entstehung der Sterblichen in die Hand derer legte, die er selbst geschaffen“. Die Götter gaben dem Menschen „…den sterblichen Körper … zu einer Art Gefährt…“ und statteten ihn sowohl mit der unsterblichen als auch mit der sterblichen Seele aus, „die Heimstätte gefährlicher und unvermeidlicher Erregungen, als da sind erstens die Lust, die größte Verführerin zum Schlechten, dann der Schmerz, der Verscheucher des Guten, ferner Keckheit und Furcht, zwei unbesonnene Ratgeber, und der Zorn, der schwer zu besänftigende Unruhestifter, und die Hoffnung, die Mutter der Täuschungen; all dem gesellten sie noch vernunftlose Wahrnehmung und die Leidenschaft alles wagender Liebe zu unlöslichem Bunde bei und bildeten so das Geschlecht der Sterblichen“.

Platon stelle sich die Seele dreigeteilt vor. Der unsterbliche Anteil hat seinen Sitz im Kopf, der sterbliche Anteil in der Brust und der triebhafte Seelenteil, „…dessen Begehren auf Speise und Trank sowie auf alles gerichtet ist, dessen Unentbehrlichkeit für ihn in der Natur des Leibes begründet ist … wie ein wildes Tier…“ befindet sich unterhalb des Zwerchfells. Sigmund Freud würde diese Definition sicher gefallen. Selbst den Pflanzen billigte Platon den dritten Seelenanteil zu.

An der Vormachtstellung des Mannes („…das stärkere von beiden Geschlechtern…“) rüttelt Platon nicht. „Von denen, die als Männer geboren waren, wurden alle diejenigen, die feige waren und ein frevelhaftes Leben führten, nach allem, was die Wahrscheinlichkeit lehrt, bei der zweiten Geburt in Weiber verwandelt.“. Noch schlimmer trifft es die „harmlosen“, „leichtsinnigen’“ und „einfältigen“ Männer, ihnen droht die Wiedergeburt im tierischen Fell oder Federkleid.

Auch über biologische Sachverhalte machte sich Platon Gedanken. Die Besonderheiten von Zunge, Nase und Ohr beschäftigten ihn ebenso wie die Ursachen der körperlichen Empfindungen. Weiterhin interessierten ihn der Aufbau des Körpers und seine Krankheiten. Die Ursache der inneren Krankheiten suchte er in der Ungleichverteilung oder einem zuviel bzw. zuwenig der vier Elemente. Im Gegensatz zu Albert Camus gelangt Platon zu der Überzeugung, „dem kürzeren aber edleren Leben den Vorzug (zu) geben vor dem längeren aber wertloseren“.

Mit einem urchristlichen Bild und dem Lobgesang auf den Schöpfer endet das Werk: „Und nunmehr dürfen wir denn auch sagen, dass unsere Erörterung über das all ihr Ende erreicht hat; denn ausgestattet mit sterblichen und unsterblichen Wesen und vollständig erfüllt, ist diese Welt ein sichtbares lebendiges Wesen geworden, das alles Sichtbare umfasst, ein Bild des Schöpfers, ein sinnlich wahrnehmbarer Gott, der mächtigste und schönste – eben diese eine und eingeborene Welt“.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was Raffael in seinem Bilde offenbarte., 16. September 2007
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Timaios: Griech. /Dt. (Taschenbuch)
"Es ist nun also meiner Meinung nach zuerst folgendes zu unterscheiden:
was das immer Seiende ist, das kein Entstehen hat,
und was das immer Entstehende, niemals Seiende;
daß das eine, durch Denken mittels des Begreifens zu erfassen, immer sich gleich ist;
das andere dagegen durch Anschein mittels der Wahrnehmung begriffslos anzunehmen ist,
als entstehend und vergehend, niemals aber wirklich seiend;
daß alles Entstehende jedoch gemäß einer Ursache aus Notwendigkeit entsteht,
denn gänzlich unmöglich sei es, daß es ohne Ursache eine Entstehung habe."
(Platon, Timaios)

Es ist angesagt, sich mit Religion zu beschäftigen. Spaemann entdeckt den letzten Beweis Gottes, Dawkins erkennt gar den Gotteswahn. Seine (Dawkins, 2007) Argumentationen zielen darauf ab, warum man mittels Religion nichts erklären kann, dafür aber jeglichen Erkenntnisfortschritt verweigert. Aber es ist nicht nur die Verleugnung naturwissenschaftlicher Modelle, die von der Religion vorgenommen werden, es ist auch die negative Beeinflussung des Menschen, die von ihr ausgeht und die Dawkins angreift. Der Autor bezeichnet die Religion als das größte Übel für die Menschheitsentwicklung. Religionen indoktrinieren, sie lehnen kritisches und selbstständiges Denken ab und erziehen Menschen zu hörigen Wesen, die all zu schnell Autoritäten glauben. So seine Vorurteilsrede.

Doch was ist Religion, dass verschweigt der Herr und letztendlich führt er nicht zurück zu dem Denken. Religion gleich zu setzen mit Gott ist eine Art, doch jede Doktrin und Beeinflussung bedient sich gleicher Mittel zu unterschiedlichen Zwecken, meist vermeintlich höheren. Diese Zwecke und diese Mittel sind Ausgeburt menschlichen Geistes, nicht mehr und nicht weniger auch bei der Religion. Diese gibt "guidance from above" wie Katie Melua singt, oder übernimmt eine selbst definierte Elternrolle nach Schmidbauer während deren Entstehung und Erklärung Platon (ca. 400 v. Chr.), der bereits den Monotheismus denkt, in seinem Timaios hintergründig durchblickend beschreibt.

Timaios ist Pythagoreer, sein Lebensinhalt ist das Wissen von der Natur des Alls, von der Entstehung der Welt und dem Ursprung des Menschen. Ein Pythagoreer ist Naturwissenschaftler, der Zahlentheorie mehr verhaftet als den Träumen. Und so schließt er seine Rede an Sokrates, der das Staatswesen aus der Politea rekapituliert und an Kritas, der den ägyptischen Ursprung Athens reflektiert, an. Timaios Rede zeigt (1) das Wirken der Vernunft im Sinne des teleologischen Prinzips, er geht (2) auf das Wirken der Notwendigkeit (ananke, vgl Freud am Beispiel Eros und Ananke) des kausalen Prinzips ein und befasst sich schließlich (3) mit dem Zusammenwirken beider ursächlichen Prinzipien im Leben des Kosmos. Als Weltschöpfer wendet er sich zunächst dem Bau des Weltkörpers zu, der mit der Weltseele vereinigt wird und erzeugt so die Notwendigkeit, die tatsächliche und ursprünglich genetische frühere Seele aus dem Hintergrund des Geschaffenen hervorzuholen und seinsmäßig nachzutragen. So ist Körper und Seele verbunden durch Sein. Sein und Werden unterscheidet er grandios (siehe obiges Zitat), verfolgt das Sein im Gleichklang des Werdens zum Sein-Werden in der Zeit. Substanz und Zahlenstruktur, Gestalt und Bewegung sind Funktionen der Vernunft, die sich mit der Notwendigkeit von Sinneswahrnehmungen sinn-voll ergänzen.

Die Schöpfung erscheint bei ihm im Sinne von unsichtbaren, vorgestelltem Urbild und Abbild (Erinnerung), das vorgestellt ästhetisch Schöne wird kopiert und erweitert zu einer Welt, die dem Seinsursprung ähnlich werden will und so im Werden zum Ursprung Ewigkeit erlangt. Zeit des Werdens ist nichts mehr als ein bewegtes Abbild der Ewigkeit.

Anders als Dawkins hat Platon längst auf den Weg gegeben, dass Vernunft und Seele eine Dualität im Sein verknüpft. Beides gehört immanent zum Menschen bei aller Trennung und Zwiespalt gegenüber der Religion oder der fundamentalistischen Betrachtung der selbigen. Platon weiß bereits zu trennen zwischen dem Werden und dem Sein, Cicero folgte ihm im Begriff des "relegere", der diese Trennung auf ewig im Begriff Religion bannte (vgl. bei G. Agamben, Profanierungen) Mit dem Wissen um diese Trennung kann der Mensch dem Werden zum Sein folgen oder es unterlassen. Religion ist damit nichts, was Dawkins dort feststellt, er ist Erzähler in einer Zeit der Beliebigkeit, die Unachtsamkeit des Geistes honoriert. Vor nahezu 2500 Jahren war es Sokrates, der wachsam im Geiste sich den Dingen stellte.

Der Timaios ist ein Lese-Muss. Raffael in seiner "Schule von Athen" (ein wohlbekanntes Bildnis) stellte Platon, gen Himmel weisend, und Aristoteles, gen Betrachter weisend, in den Mittelpunkt des Bildes. Platon trug seinen wissenschaftlichen Timaois unter den Arm, Aristoteles seine Ethik. Zwei Denkrichtungen, die in der Gesamtheit das Menschenbild prägen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Timaios: Griech. /Dt.
Timaios: Griech. /Dt. von Platon (Taschenbuch - Oktober 2003)
EUR 7,00
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen