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32 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. Juni 2001
Hans Kelsen gehört unbestritten zu den größten Denkern des 20. Jahrhunderts. In seiner ihm eigenen Denkweise, die an Präzision und Schärfe kaum zu überbieten ist, geht er im vorliegenden Buch dem ewigen Problem der Gerechtigkeit nach. Kaum jemand anders hat es je fertig gebracht, diese Frage so umfassend und zugleich kurzweilig in all ihren Aspekten zu erörtern. In klarer und verständlicher Sprache zeigt er, daß alle Bemühungen scheitern müssen, die Frage, was Gerechtigkeit ist, in einem absoluten Sinne zu beantworten. Die Folgerichtigkeit seiner Schrift hat manch einen Philosophen in Resignation sagen lassen, daß Kelsen die Gerechtigkeitsfrage als Scherbenhaufen hinterlassen habe. Das bedeutet zugleich, daß kein Weg an dieser grundlegenden Analyse vorbeiführt. Jeder, der der Gerechtigkeit auf den Grund gehen möchte, sollte sich daher diese kurze Abhandlung unbedingt kaufen. Absolut lesenswert!!
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. September 2008
Hans Kelsen geht die beiden führenden Theoriebildungen über die Gerechtigkeit an, wie ein routinierter Kirmesboxer übermütige Teenager, die sich zu ihm in den Ring trauen. Ohne erkennbare Mühe streckt er erst die metaphysischen (namentlich religiösen) Gerechtigkeitstheorien nieder, denen er nachweisen kann, dass sie das Problem der Relativität von Werten nicht lösen können. "Wissenschaftliche" Gerechtigkeitsheorien folgen den metaphysischen auf die harten Bretter, denn sie sind auf bereits gesetzte Aussagen über Recht und Unrecht angewiesen.
"Wenn wir aus der geistigen Erfahrung der Vergangenheit irgend etwas lernen können, ist es dies, dass die menschliche Vernunft nur relative Werte begreifen kann," schlussfolgert Kelsen aus dieser philosophischen Rauferei. Und das Erstaunliche ist: dass diese Erkenntnis ausreicht, um doch so etwas wie eine Lösung anzubieten: Toleranz ("Toleranz bedeutet Gedankenfreiheit"). Diesen Text hätten wir von Kindergarten bis zum letzten Schultag lesen lesen und wieder lesen sollen. Warum liest in unserer Demokratie keiner Kelsen? Man sollte. Dringend. Denn hier ist der Anwalt der Demokratie, als der Kelsen auftritt, kein verhuschter Bürokrat, sondern ein wahrer Bud Spencer (der übrigens von Juristen Carlo Pedersoli gespielt wurde).
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Hans Kelsen wurde ob seines Werterelativismus oft eine Art Opportunismus unterstellt. Theorien wie die seine, so hieß es, machten Systeme wie das der Nationalsozialisten erst möglich. Als Liberaler jüdischer Herkunft sollte dieser Vorwurf abwegig genug erscheinen.

Es geht Kelsen nicht um Legitimation, sondern um Reinheit. Sein Hauptwerk, die "Reine Rechtslehre", zeigt den Juristen seinen Wurzeln treu. Eigentlich wollte Kelsen Mathematik, Physik und Philosophie studieren.

"Was ist Gerechtigkeit?" ist als Beiwerk seines Gesamtopus zu verstehen. Hier begründet er, warum er nach der Maxime handelt, die ihm stets negativ ausgelegt wird: Warum er von einer Verflechtung der Gerechtigkeit in ein System des Rechts nicht hält.

Im Buch werden alle gängigen Gerechtigkeits-Theorien widerlegt und als Legitimatoren der jeweiligen Kultur entlarvt. Nicht auf Gerechtigkeit sind sie aus, sondern auf Konservierung des Bestehenden.

Freilich hat die Philosophie nach Kelsen nicht aufgehört und mit ihr die Frage nach Gerechtigkeit. Als Nachfolgeliteratur für Gerechtigkeitssucher seien Jacques Derrida und Emmanuel Lévinas empfohlen, die eine postkelsen'schen, konstruktivistischen Gerechtigkeitbegriff statuieren.
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am 11. August 2014
Gerechtigkeit - ein vielzitiertes, ein vielstrapaziertes Wort. "Wo bleibt die Gerechtigkeit?" Immer wieder, zumeist in anklagendem Ton, wird diese Frage aufgeworfen, wenn die Öffentlichkeit mit gerichtlichen Entscheidungen nicht einverstanden ist oder einzelne Personen der Meinung sind, sie seien vor Gericht nicht zu ihrem Recht gekommen. Doch was ist das eigentlich - Gerechtigkeit?

Der österreichische Staatsrechtler und Rechtstheoretiker Hans Kelsen (1881-1973), einer der ganz großen Rechtsdenker des 20. Jahrhunderts, gibt in dieser kleinen Schrift aus dem Jahr 1953 eine ebenso verblüffende wie einleuchtende Antwort: "Ich weiß nicht, was Gerechtigkeit ist." Gerechtigkeit lässt sich nicht definieren. Hinter dem Ideal der Gerechtigkeit steht immer das Streben nach dem Ausgleich von Interessen, und welche Interessen wie zu bewerten sind, ist immer subjektiv. Kelsen zeigt mit einfachen Worten und unwiderleglicher Logik auf, dass alle Versuche, eine verallgemeinerungsfähige Definition von "Gerechtigkeit" zu geben, von Plato und Aristoteles über Jesus ("goldene Regel") bis Kant ("kategorischer Imperativ"), immer untauglich, da tautologisch, geblieben sind. Was man für Gerechtigkeit hält, ist immer abhängig von persönlichen Werten, deren Richtigkeit sich nicht beweisen lässt. Der dahinterstehende Gedanke, zu dem sich Kelsen auch offen bekennt, ist der philosophische Relativismus, Ausgangspunkt seines Denkens die Trennung von Sein und Sollen. Der Gedanke, dass aus dem Sein kein Sollen folgt - ein Grundgedanke des Rechtspositivismus -, ist nirgends so stringent und so bezwingend begründet wie in diesem kleinen Werk, und wenn aus dem Sein kein bestimmtes Sollen folgt, ist auch jeder Versuch, eine allgemeingültige, verbindliche Definition von "Gerechtigkeit" zu geben, zum Scheitern verurteilt. Dass Kelsens Ansatz radikal aufklärerisch, gegen jedes irrationale Denken und gegen jede Ideologie gerichtet ist, wird in jeder Zeile deutlich (in politischer Hinsicht war Kelsen demokratischer Sozialist und wurde deshalb sowie wegen seiner jüdischen Abstammung 1930 erst aus Österreich und dann 1933 aus Deutschland vertrieben.)

In seinem grundlegenden Standardwerk "Reine Rechtslehre: Einleitung in die rechtswissenschaftliche Problematik" hat Kelsen die Gerechtigkeit kurz und bündig als "irrationales Ideal" bezeichnet, ein Begriff, den er auch hier verwendet. Im vorliegenden kleinen Text, deutlich eingängiger und leichter zu lesen als die "Reine Rechtslehre", findet Kelsen die treffende Formulierung von der Gerechtigkeit als ein "schöner Traum der Menschheit". Mit resignativer Fröhlichkeit bekennt Kelsen: Eine absolute Gerechtigkeit gibt es nicht, somit bleibt für ihn nur eine relative Gerechtigkeit: "Eine Gerechtigkeit der Freiheit, ein Gerechtigkeit des Friedens, eine Gerechtigkeit der Demokratie, eine Gerechtigkeit der Toleranz". Und das ist doch eigentlich eine ganze Menge.
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16 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Mit diesem schmalen Aufsatz habe ich ein Problem. Kelsen vertritt den Ansatz, dass jeder Begriff der Gerechtigkeit abhängig ist von den Werten, die wir setzen. Sein Text lässt jedoch den Eindruck entstehen, dieses "Werte-Setzen" vollziehe sich willkürlich, sei sozusagen rein kulturabhängig und Kultur wiederum sei ein Spiel mit beliebigen Regeln. Dem kann aber nicht so sein, weil es a.) eine allgemeine Conditio Humana gibt, die wir alle teilen und b.) allen Menschen mitgegebene Verhaltens- und Wahrnehmungsdispositionen, die definieren, was wir möglicherweise als Gut/Schlecht, Glück/Unglück definieren. Man lese hierzu die großen Humanethologen (Eibl-Eibesfeldt) und Evolutionspsychologen und befasse sich auch mit den kulturübergreifenden Ähnlichkeiten aller Menschen-Gesellschaften, wie sie von den Ethnologen gefunden wurden, um zu verstehen, welche Unterschiede möglich und welche übereinstimmungen notwendig gegeben sind. Deshalb nur 4 Sterne. Ansonsten ist das Buch sein Geld wert und bietet auch einige interessante Differenzierungen.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. August 2013
Der Versand war, wie man es gewohnt ist reibungslos und unkompliziert.

Ich habe dieses Buch empfohlen bekommen und ich kann es auch nur empfehlen.
Wer eine Antwort auf die Frage "Was ist Gerechtigkeit" sucht, sollte sich lieber ein anderes Buch kaufen. Dieses Buch wird den Blickwinkel auf Gerechtigkeit erweitern und dennoch keine eine vorgegebene Meinung transportieren! Der Leser ist gezwungen sich seine eigene Meinung zu bilden und wird durch den Schreibstil automatisch dazu verleitet sich selbst Gedanken über diese Thematik zu machen.
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