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Bob Dylan und Amerika
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Wer den unzähligen Büchern und Essays über Bob Dylan ein weiteres Werk hinzufügt, fühlt sich verständlicherweise dazu gedrängt, dies ausführlich zu begründen. Und das macht der amerikanische Historiker Sean Wilentz in seiner Einführung so gut, dass ich nicht das Gefühl hatte, er wolle sich einfach mit einem berühmten Namen schmücken oder einen festen Platz in der „Dylanologie“ erobern.

Auch bei Sean Wilentz sind es Erlebnisse der Kindheit und Jugendjahre, die den Grundstein für eine lebenslange Liebe legten. Und weil sich der Zufall auch in sein Leben mischte, verfasste er Jahrzehnte später dieses Buch. Da sich Dylan-Fans natürlich sofort fragen, ob Wilentz etwas Neues zu sagen hat, nehme ich meine Einschätzung gleich vorweg. Ja, er spricht tatsächlich von Dingen und Zusammenhängen, die vor allem Europäern unbekannt sein dürften. Der Originaltitel lautet ja „Dylan in America“. Und dass Wilentz angefragt wurde, „Line notes“ für Dylans-Platten zu verfassen, ist ein guter Beleg dafür, dass ihm Sachverstand und Einfühlungsvermögen zugesprochen wird.

Kurz vor dem Aufschalten der Rezension, entschloss ich mich dazu, den bereits abgezogenen Bewertungsstern wieder hinzuzufügen. Denn das außergewöhnliche Bildmaterial macht die nicht immer überzeugende Sprache wett. Meine Vermutung, dass unnötige Satzverschränkungen und Wortwiederholungen nicht nur dem Übersetzer anzulasten sind, bestätigte ein Ausflug auf die Website des Autors. Denn dort stieß ich auf andere Textformen von Sean Wilentz. Und ein Vergleich führt zu Annahme, dass kürzere Texte wie Essay oder eben „Lines notes“ eher Wilentz’ Stärken sind als dicke Bücher. Aber nochmals zu den Bildern: Sie finden sich größtenteils nicht in anderen Büchern über Bob Dylan, weil sie kulturgeschichtlich Interessantes wiedergeben. Zum Beispiel Bing Crosby als Schwarzer geschminkt, John Lomax’ tragbare Aufnahmeausrüstung, Gemälde, Manuskripte, Porträts, Plakate und Landschaftaufnahmen.

Den Inhalt gliedert Sean Wilentz in fünf Teile und elf Kapitel, die seine Beobachtungen und Analysen in chronologischer Reihenfolge wiedergeben. Es beginnt also mit den frühesten Einflüssen auf Bob Dylans Werk und damit mit der Volksfront und Aaron Coplands Amerika. Das finde ich einen ungemein spannenden Einstieg, da mir die linke Arbeiterbewegung der USA nur in groben Zügen bekannt war. Danach widmet sich Sean Wilentz der Beat Generation und Allen Ginsberg.

Zur Frühzeit zählt Sean Wilentz das Konzert Dylans in der New Yorker Philharmonic Hall am 31. Oktober 1964 und die Arbeit an „Blonde in Blonde“. Unter der Kapitelüberschrift „Kinder des Olymp“ erfahren wir, wie Bob Dylan schon sehr früh alles aufnahm, was kulturell von Bedeutung war. Im vierten Teil sind wir dann schon im Jahre 1993 angelangt, wobei mir der Sprung etwas groß vorkam. „Jüngst“ lautet der letzte Teil, in dem Sean Wilentz über die Einflüsse auf „Love and Theft“ spricht und auch ausführlich auf „Chronicles“ sowie „Theme Time Radio Hour“ eingeht. Schön finde ich zudem, dass Sean Wilentz unter „Coda“ Dylans „Christmas in the Heart würdigt und mit den Traditionen Amerikas verbindet.

Der Anhang umfasst siebzig Seiten, auf denen nebst dem obligaten Dank die Rechteinhaber, Register, Anmerkungen, Discographie und ausgewählte Lektüre zu finden sind. Die Literaturhinweise von Sean Wilentz haben meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil es die ausführlichen und teilweise persönlichen Kommentare belesenen Dylan-Fans erleichtern, ihnen bisher unbekannte Titel besser einzuordnen und eventuell anzuschaffen.

Mein Fazit: Dieses Buch ist nicht einfach die x-te Zusammenfassung bereits bekannter Zahlen, Namen und Fakten. Sean Wilentz ist ein Historiker, der als bekennender Dylan-Fan die Arbeit gerne auf sich genommen hat, den unzähligen Einflüssen nachzugehen, die auf Bob Dylan wirkten und gleichzeitig von ihm ausgingen. Für mich also Europäer gibt es den Mehrwert, über Amerikas Kultur Dinge zu erfahren, die mein bisheriges Verständnis von Dylans Musik und Texten in vielen kleinen Punkten verändert haben. Das Bildmaterial macht sprachliche Schwächen wieder wett.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. Oktober 2013
Mein Vorgänger hat die wichtigsten Pluspunkte bereits angesprochen.
Der musikalische Backround und die aufgezeichneten Ursprünge dieser Musik, waren
ungemein hilfreich um Dylan und oder seine Musik besser zu verstehen.
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