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5.0 von 5 Sternen Reichtum von unschätzbarem Wert, 18. Oktober 2006
Von 
Frank Pintsch (Augsburg, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Reclams Führer zur lateinischen Kirchenmusik (Gebundene Ausgabe)
Das Buch „Reclams Führer zur lateinischen Kirchenmusik“ von Michael Wersin stellt ohne Zweifel das zurzeit beste Kompendium zur katholischen Kirchenmusik dar. Der Autor zitiert zu Beginn seines Vorworts aus der Liturgiekonstitution des II. Vatikanischen Konzils, in der die überlieferte lateinische Kirchenmusik als „Reichtum von unschätzbarem Wert“ bezeichnet wird. Auf gut fünfhundert Seiten geht der Autor der geschichtlichen Entwicklung und dem Bestand dieses „Reichtums“ in bestechender Art und Weise nach.

Besprochen werden die liturgischen Gattungen des Messordinariums (feste Messtexte) und des Messpropriums (wechselnde Messtexte). Vertonungen besonders wichtiger liturgischer Texte (z.B. der Hymnus "Te Deum" und die Sequenz "Stabat Mater"), sowie dem speziellen Messformular des "Requiem" sind dabei eigene Kapitel gewidmet. Besonders erfreulich ist, dass sich der Autor auch tiefgehend der Kirchenmusik des Stundengebets zuwendet. Zwei hervorragende Kapitel befassen sich mit der Musik zur Vesper (inklusive den vielfältigen Magnificat-Kompositionen und Psalmvertonungen) und zu den Karmetten.

Jedes Kapitel wird mit einer profunden Einführung in die Textgrundlage und liturgische Stellung der jeweiligen Gattung begonnen. Theologische Erläuterungen zu schwierigeren Texten (z.B. der Requiem-Sequenz "Dies irae") zeigen, dass der Autor kirchenmusikalische Kompositionen nie nach bloßen musikalischen Kriterien beurteilt, sondern immer im Kontext mit dem ihnen zugrunde liegenden Sinngehalt betrachtet. Gerade die wechselseitige Berücksichtigung beider Kriterien – künstlerische Qualität und theologische Stimmigkeit – heben das Buch angenehm von zum Teil unerträglich trivialen Booklet-Texten oder ähnlichen schriftlichen Veröffentlichungen zu kirchenmusikalischen Werken ab. Der Autor, selber Musikwissenschaftler, weist durchgehende Kompetenz in beiden Gebieten auf und hat sich darüber hinaus - wie aus dem Vorwort hervorgeht - theologischen Fachrat eingeholt, was die Qualität des Buches nur unterstreicht.

Das eigentlich besondere an diesem Buch ist, das es mehrere Bücher gelungen in sich vereinigt. Dies soll an folgendem Beispiel verdeutlicht werden: das Kapitel über das Ordinarium beginnt mit der "Messe de Nostre Dame" von Guillaume de Machaut (um 1300-1377), der ersten vollständig erhaltenen Messvertonung, und endet mit dem 1998 uraufgeführten Credo von Krysztof Penderecki. Dazwischen liegen nahezu 200 eng beschriebene Seiten, die die Kompositionsgeschichte der Gattung „Messe“ anhand von zahlreichen Werken aller Epochen auf beeindruckende Weise dokumentiert. Bekannte und unbekannte Werke des Repertoires kommen gleichermaßen zu Wort. Informationen zur Entstehungsgeschichte, zur der den Komponisten umgebenden Zeitgeschichte und auch manche Anekdote sind zu einem sehr gut leserlichen, hochinformativen und spannenden Buch zusammengefasst. Dabei ist jedes der über 400 (!!) besprochenen Werke jeweils in einem Abschnitt von gut einer Seite Länge behandelt. Man findet also sowohl ein fundiertes Sachbuch, als auch eine vielfältige Musiker-Biografie, ein zuverlässiges Lehrbuch, ein datenreiches Geschichtsbuch und nicht zuletzt eine schnelles Nachschlagewerk vor. Das Buch liest sich dabei durchgehend angenehm, was auch an dem Schreibstil des Autors liegt.

Ein Anhang mit den lateinischen Texten und einer zuverlässigen Übersetzung ins Deutsche, ein umfangreiches Fachwortverzeichnis, sowie ein Verzeichnis mit CD-Empfehlungen zu allen besprochenen Werken runden das Buch ab. Mit den CD-Empfehlungen knüpft der Autor an ein anderes Werk von ihm an, das ebenfalls vorbehaltlos zu empfehlen ist: der CD-Führer Klassik, ebenfalls im Reclam-Verlag erschienen.

Der Klappentext beschreibt das Buch als Einführung in den „Kosmos der lateinischen Kirchenmusik“. Dem Autor ist die Kunst gelungen, nicht nur einzelne Fixsterne zu beleuchten, sondern ein ganzes Abbild des Sternenhimmels zu zeichnen, um in der Diktion zu bleiben.

Für haupt- und nebenamtliche Kirchenmusiker, für Musiklehrende und Musikstudenten, für Priester und theologisch Verantwortliche und für alle musisch und theologisch interessierten Menschen ein Standardwerk, das in keiner Bibliothek fehlen sollte. Es ist selbst ein Buch „von unschätzbarem Wert“.
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Reclams Führer zur lateinischen Kirchenmusik
Reclams Führer zur lateinischen Kirchenmusik von Michael Wersin (Gebundene Ausgabe - September 2006)
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