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5.0 von 5 Sternen Der Text: Einer der Grundsteine unserer modernen Weltauffassung.
Es gibt Texte, die allein mit Worten, Ideen und Argumenten den Lauf der Weltgeschichte nicht nur verändert sondern mitbestimmt haben. Lockes "Über die Regierung" gehört mit Sicherheit zu dieser Reihe von Werken. Wer es gelesen hat, erfährt mehr über die Welt, in der er lebt, und über die Ursprünge so vieler gesellschaftlicher...
Veröffentlicht am 10. Juli 2011 von Kankin Gawain

versus
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3.0 von 5 Sternen Im Einfluß des Königs?
Mit dem Wissen, dass "Utopia" rund 100 Jahre zuvor mit ähnlichen Wurzeln verfasst wurde kommt dies einem königstreuen Kontrastprogramm nahe. Ohne dem Hintergrundwissen über die damalige Zeit - ~17. Jhd. - und dem adäquaten Politik-Verständnis wäre diese Lektüre mit einer langweiligen Abhandlung gleich zu setzen. Eine Gewisse Vorsicht...
Veröffentlicht am 22. Juli 2010 von S. Michael


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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Text: Einer der Grundsteine unserer modernen Weltauffassung., 10. Juli 2011
Von 
Kankin Gawain "Bis übermorgen dann..." (Eutopia) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
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Rezension bezieht sich auf: Über die Regierung: The Second Treatise of Government (Taschenbuch)
Es gibt Texte, die allein mit Worten, Ideen und Argumenten den Lauf der Weltgeschichte nicht nur verändert sondern mitbestimmt haben. Lockes "Über die Regierung" gehört mit Sicherheit zu dieser Reihe von Werken. Wer es gelesen hat, erfährt mehr über die Welt, in der er lebt, und über die Ursprünge so vieler gesellschaftlicher Einrichtungen, die so umfassend das moderne Leben prägen, dass man schon vergessen hat, dass sie keine Selbstverständlichkeit sind. Von unsereren Staatsauffassungen bis zu unseren Staatsverfassungen, von unseren politischen Institutionen bis in die Ideengeschichte unserer politischen Parteien - die Locke'sche These von der naturrechtlich begründeten Souveränität des Menschen hat so weite Kreise gezogen, dass wir in (verwirklichten) Locke'schen Ideen "schwimmen", von ihnen, auch in unserem individualistischen - eben liberalistischen - Selbstverständnis, allzeit umgeben, eingehüllt sind, wie, ja, wie Fische im Wasser... die das Medium gar nicht mehr sehen, in dem sie ihr Leben verbringen. Historische Lektüre, zumal wenn sie so einfach verständlich und argumentativ weitgehend stringent daherkommt, wie in der Abhandlung "Über die Regierung", kann einem hier die Augen öffnen dafür, warum die Moderne, unser aller Zeitalter, so ist, wie sie ist!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Im Einfluß des Königs?, 22. Juli 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über die Regierung: The Second Treatise of Government (Taschenbuch)
Mit dem Wissen, dass "Utopia" rund 100 Jahre zuvor mit ähnlichen Wurzeln verfasst wurde kommt dies einem königstreuen Kontrastprogramm nahe. Ohne dem Hintergrundwissen über die damalige Zeit - ~17. Jhd. - und dem adäquaten Politik-Verständnis wäre diese Lektüre mit einer langweiligen Abhandlung gleich zu setzen. Eine Gewisse Vorsicht gegenüber der herrschenden Klasse scheint mir zwischen den Zeilen hervorzukommen. Die Rechtfertigungen Pro und Kontra diverser v.a. kriegerischer Handlungen sprechen mit dafür.
Brauchbar hingegen sind gewisse Analogien, die dennoch heute Verwendung finden können.
In Summe: für einen Politik-Interessierten muss man es gelesen haben, das warŽs aber auch schon.
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5.0 von 5 Sternen John Locke, der Kongregationalismus und die Entstehung der westlichen Demokratie, 9. Juli 2012
Von 
FMA - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Über die Regierung: The Second Treatise of Government (Taschenbuch)
John Lockes Schrift ist ein Grundlagenwerk der westlichen Gesellschaftstheorie. Berühmt geworden ist eine seiner Schlüsselpassagen:

"Um politische Gewalt richtig zu verstehen und sie von ihrem Ursprung herzuleiten, müssen wir sehen, in welchem Zustand sich die Menschen von Natur aus befinden. Es ist ein Zustand vollkommener Freiheit, innerhalb der Grenzen des Naturgesetzes seine Handlungen zu lenken und über seinen Besitz und seine Person zu verfügen, wie es einem am besten scheint - ohne jemandes Erlaubnis einzuholen und ohne von dem Willen eines anderen abhängig zu sein.

Es ist überdies ein Zustand der Gleichheit, in dem alle Macht und Rechtsprechung wechselseitig sind, da niemand mehr besitzt als ein anderer: Ist doch nichts offensichtlicher, als daß Lebewesen von gleicher Art und gleichem Rang, die unterschiedslos zum Genuß derselben Vorteile der Natur und zum Gebrauch der gleichen Fähigkeiten geboren sind, auch gleichgestellt leben sollen, ohne Unterordnung oder Unterwerfung"

In diesen revolutionären Zeilen spiegeln sich die Umbrüche der damaligen Zeit wieder. Ähnliche Töne waren bei den griechischen Stoikern zu hören, die den Gleichheitsgedanken ebenso wie das Christentum von einem monotheistischem Gottesbild ableiteten, jedoch in keinem antiken Demokratiemodell. Bei Aristoteles waren ganz selbstverständlich die einen Menschen zum Herrschen, die anderen zum Sklavendasein berufen. Soziale Gleichheit bahnte sich in den ersten christlichen Gemeinden an. Spätestens mit Konstantin änderte sich dies jedoch grundlegend. Es sollte Jahrhunderte dauern, bis hier wieder angeknüpft werden konnte. Stationen auf dem Weg waren die Magna Charta, die Habeas Corpus Akte, in Deutschland die Zwölf Artikel von Memmingen, die ihre Forderungen dezidiert aus dem Neuen Testament ableiteten.

Um Lockes Denkweg zu verstehen, gilt es, sich das politische und gesellschaftliche Hintergrundgeschehen seiner Zeit zu vergegenwärtigen. Äußerst interessant ist dabei auch ein Vergleich des tief gläubigen Christen Locke mit seinem der Religion eher indifferent gegenüberstehenden Zeitgenossen Hobbes.

Locke wuchs im Umfeld des puritanischen Kongregationalismus auf. Im Jahr 1580 wurde in England die erste von der Staatskirche unabhängige Gemeinde gegründet. Diese verstand sich als Bundesgemeinschaft; als sich durch gegenseitige freie Vereinbarung konstituierender Bund gleichberechtigter Christen (mit Gott und untereinander). Die Gemeinde wurde zunächst strafrechtlich verfolgt. Nur wenige Jahre später wurde jedoch nach demselben Muster die erste kongregationalistische Freikirche gegründet, 1612 die erste englische Baptistengemeinde. Die Gemeinden vereinigten Christen, die sich von Gott zu dieser Gemeinschaft gerufen sahen. In ihrem Verständnis konnte ein Mensch nicht als Christ geboren werden. Dies setzt vielmehr eine freie Entscheidung als Antwort auf den Ruf Gottes voraus. Auf der anderen Seite wurde aus dieser Sicht heraus auch ernst gemacht mit dem Priestertum aller Gläubigen" (Luther). Entscheidungen wurden deshalb nach Mehrheitsprinzip innerhalb der Gemeindeversammlung gefällt; Amtsträger wurden demokratisch gewählt. Das Amt bedeutete dann in erster Linie Dienerschaft (ministry), nicht hierarchische Überordnung. Jedes Gemeindemitglied hatte z. B. weiterhin das Recht zu predigen.

Besonders die beiden kongregationalistischen Gründergestalten Robert Brown und Henry Jakob artikulierten sich bald auch politisch. Ihr Gemeindemodell schien auch in Bezug auf die Verfassung eines Staates anwendbar zu sein. "Church goveners are persons receyving their authorities & office of God for the guiding of his people the church receyved and called thereto by due consent and agreement of the church." "Civill magistrates are persons receyving their authorities & office of God for the due guiding of common wealth, whereto they are duely receyved and called by consent and agreement of the people and subjects." (R. Brown, zit. aus Poppers, S. 46)

Brown und Jakob mahnten eine Trennung von Kirche und Staat an, gingen allerdings noch von der Möglichkeit eines allgemeinen gesellschaftlichen Konsens in Bezug auf eine christliche Verfasstheit der Gesellschaft aus. In diesem Sinne sollte dann aus ihrer Sicht auch die Regierung agieren (godly commonwealth). Dass Kongregationalisten hier jedoch durchaus zum Umdenken fähig waren - angesichts der zunehmenden konfessionellen bzw. religiös-weltanschaulichen Aufspaltung innerhalb der Gesellschaft - zeigen entsprechende spätere politische Aktivitäten. Unter der Regierung Cromwells gab es bereits Glaubensfreiheit für Juden. Katholiken hatten es allerdings schwer. Der freikirchliche Kongregationalist und Politiker John Milton setzte sich dann für Rede- und Meinungsfreiheit sowie den Abbau der Zensur ein. Auch seine Staatstheorie war angelehnt an die puritanische Sozialtheologie und die Covenant-Idee: Volk und Herrscher sind einander und gemeinsam gleicherweise einer übergreifenden Rechtsordnung verpflichtet. Jeder Einzelne besitzt die Würde der Gottesebenbildlichkeit und ist frei geboren. Der ungerechte oder seine Macht missbrauchende Herrscher verliert seine Legitimation.

Die Vordenker einer umfassenden Glaubens- und Gewissensfreiheit stammten offenbar ausschließlich aus dem freikirchlichen Lager. Die Levellers, ebenfalls freikirchliche Kongregationalisten" und wohl ihr progressivster Flügel forderten dementsprechend bereits ein allgemeines Wahlrecht. Samuel Richardson, Baptist und Mitarbeiter Cromwells plädierte entschieden für Religions- und Gewissensfreiheit auch für die Irrgläubigen der falschen Religionen" (etwa der Katholiken). Falsche religiöse Überzeugungen, so sein Argument, könnte keine Macht der Welt korrigieren, sondern nur der Heilige Geist, dessen Wirken aber nicht erzwungen werden könne. Richardson ist nur exemplarisch für ein besonders bei den Baptisten ausgeprägtes Engagement in diese Richtung.

Ganz erheblichen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung im Großbritannien des 17. Jahrhunderts hatten auch die puritanischen Pilger bzw. Siedler, die zunächst - oftmals aufgrund der Verfolgung, der sie ausgesetzt waren - nach Nordamerika ausgewanderten und ihre Gemeinwesen dort entsprechend der Covenant-Idee organisierten bzw. verfassten. Als das Klima in England umschlug, wanderten viele zurück und setzten sich dort für das politisch erfolgreich erprobte Modell Neuengland" ein und wirkten mit im Sinne einer Bewegung, die schließlich in der Glorious Revolution 1689 gipfelte - mit der Bill of Rights, der bekräftigten Habeas Corpus Akte, dem Toleranzgesetz der Auftakt für die republikanische Konsolidierung Großbritanniens. Die Dagebliebenen wirkten weiter mit am Aufbau der Nation, die schließlich die erste demokratische Verfassung haben wird - den USA.

Sowohl Thomas Hobbes als auch John Locke waren von der puritanischen Sozialtheologie beeinflusst und knüpften mit dem Gesellschaftsvertrag" an die church covenants an. (Vgl. u.a. Förster, Winfried, Thomas Hobbes und der Puritanismus. Grundlagen und Grundfragen seiner Staatslehre, 1969). Interessant ist nun, was bei dem in seinem Denken eher säkulare Züge aufweisenden Hobbes daraus wird. Hobbes ist fasziniert von den Ergebnissen der zu seiner Zeit aufblühenden Naturwissenschaften mit ihrer exakten mathematischen Methodik und deduktiven Systematik. Er versucht nun in ähnlicher Weise seine Staats- und Gesellschaftslehre zu konstruieren. Sein mechanistisches Gesellschaftsbild entfaltet er in seinem bekanntesten Werk, dem "Leviathan". Alle gesellschaftlichen Gruppen haben hier eine den Organen und Körperteilen des biblischen Ungeheuers analoge Funktion, sind ein Rad im furchterregenden Getriebe.

In Hobbes Theorie zielt wenig auf den Menschen als verantwortliches Subjekt. Das Individuum wird vielmehr als naturgegeben auf das radikale Streben nach Selbsterhalt, Eigennutz und Vormacht angelegt gesehen. Der Mensch ist des Menschen Wolf. Die Rettung liegt allein in der vertraglichen Übertragung aller Rechte von Seiten jedes Einzelnen auf das Oberhaupt eines Staates. Rein theoretisch ist für Hobbes dabei auch eine demokratische Regierungsform denkbar; er traut dieser jedoch noch weniger zu als antike Gesellschaftstheoretiker. Deren Unterscheidung von Demokratie und Anarchie hält er vielmehr für künstlich; sie sei allein ein Ausdruck unterschiedlicher Bewertungen, nicht eines möglichen qualitativen Unterschieds in der Realität. Gleiches gilt für ihn nun freilich auch für die Unterscheidung von Monarchie und Tyrannei. Der Herrscher ist immer absoluter Herrscher und jede seiner Forderungen an seine Untertanen ebenso wie jede Handlung diesen gegenüber vertraglich legitim.

Dass Hobbes von den absolutistischen Machthabern seiner Zeit, ebenso wie von nachfolgenden Despoten aller Couleur zum Star-Philosophen gekrönt wurde, verwundert nicht. Einfluss hatte Hobbes Theorie, wie viele ähnlich gelagerte, natürlich auch auf die Selbstdefinition der Gesellschaft bzw. der Individuen, die sie bildeten. Sie transferiert eine ähnliche Anthropologie wie später der radikale Wirtschaftsliberalismus oder der Sozialdarwinismus.

Während für Hobbes eine in ihren Grundzügen allen Menschen verbindliche, evidente Moral und Ethik, so sie in seiner Sicht überhaupt existiert, nicht als Bezugspunkt gesellschaftlicher Selbstdefinition und Gestaltung dienen kann, setzt Locke diese als selbstverständlich voraus und baut konsequent darauf auf. Lockes Erkenntnistheorie hebt sich dabei vom eindimensionalen Naturalismus Hobbes ab; er differenziert zwischen dem, was rational gewusst, für wahrscheinlich gehalten, vermutet oder erahnt werden oder aber auch nur durch Offenbarung Gottes, die - in Anlehnung an Thomas von Aquin - niemals widervernünftig, wohl aber übervernünftig sein kann, erkannt werden kann. Auf dem Gebiet der Religion entgeht er so der Falle der Vernunftreligion, die alles nicht unmittelbar sinnlich Fassbare ausschließen will und gleichzeitig zwingende Evidenz für jedermann proklamiert und ggf. politisch einfordert.

Er bestreitet nicht die Möglichkeit unmittelbar von Gott gegebener Geisteswirkung, mahnt aber, dass diese nicht der ebenfalls von Gott gegebenen Vernunft widersprechen könne. Soweit es um Inhalte geht, die dabei nicht empirisch zu entscheiden sind, fordert Locke die Prüfung an Hand der Heiligen Schrift, an deren Verbalinspiration er festhält. In dieser sieht er nun freilich auch - genau wie die Kongregationalisten - das Prinzip der Freiwilligkeit als Grundvoraussetzung einer Glaubensentscheidung. Diese ist in der Bibel identisch mit der Forderung zu letzter Aufrichtigkeit. Erzwungene Konfessionen sind oft nichts anderes als Heuchelei. Deshalb ist Toleranz in Lockes Gesellschaftstheorie ein grundlegendes Erfordernis.
Lockes Anthropologie erwartet mehr vom Individuum, traut diesem aber auch mehr zu. In Hobbes Sicht hat der Mensch nur die Wahl zwischen Untergang und Versklavung. Bei Locke ist der Mensch zur Freiheit berufen.

So wurde Locke zum maßgeblichen Vordenker westlicher Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Jeder Mensch ist bei ihm gleichermaßen natur- bzw. schöpfungsgemäß mit Pflichten und Rechten ausgestattet. Der Staat hat die Aufgabe, die Rechte des Individuums vor Übergriffen und Einschränkungen zu schützen.

Auch bei Locke konstituiert sich der Staat durch einen Gesellschaftsvertrag, bei dem die Beziehung zwischen Volk und Regierung eine Übereinkunft einer freien bürgerlichen Eigentümergesellschaft darstellt. Anders als bei Hobbes finden sich bei Locke jedoch Maßstäbe für die Legitimität oder Illegitimität einer Regierung, die ihrer Aufgabe, die natürlich gegebenen Rechte des Menschen zu schützen, gerecht werden muss. Daraus ergibt sich auch das Recht, ggf. gegen eine Regierung Widerstand zu leisten. Bei Hobbes hat der Herrscher absolute Macht. Dergleichen ist schon von Lockes Theologie her undenkbar. Jeder Mensch - ob der Regierung zugehörig oder nicht - unterliegt den gleichen ethisch-moralischen Verpflichtungen. Macht ist niemals irreversibel übereignet, sondern nur unter Vorbehalt geliehen. Zudem plädiert Locke für die Aufteilung von Recht setzender und exekutiver Gewalt.

Lockes von den oben geschilderten Ansätze der Kongregationalisten inspirierte politische Theorie wurde in vielerlei Hinsicht im britischen Parlamentarismus rezipiert. Auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung (1776) sowie später der französische Verfassungsentwurf (1791) greifen auf sie zurück. Montesquieus Werk ist später ebenso von ihm inspiriert wie das von Rousseau oder Kant.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen John Locke - einer der Begründer einer politischen Theorie des Liberalismus.,, 23. August 2008
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Über die Regierung: The Second Treatise of Government (Taschenbuch)
John Locke(1632-1704) ist einer der Begründer der politischen Theorie des Liberalismus, die er vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen und politischen Aufschwungs in England im 17. Jahrhundert entwickelt hat und die diesen, wie auch den Fortschrittsoptimismus und den politischen Machtanspruch des Bürgertums deutlich zum Ausdruck bringt.

Auf dem Hintergrund der gedanklichen Konstruktion eines Naturzustandes entwickelt Locke seine Staatsrechtfertigung und die darin beinhaltete Legitimation der staatlich garantierten Grundfreiheiten. In seinen "Zwei Abhandlungen über die Regierung" , hat sich der englische Philosoph damit auseinandergesetzt.

Im Folgenden sollen einige zentrale Gedanken der von John Locke errichteten Konzeption dargestellt werden.
Der Naturzustand ist ein Zustand vollkommener Freiheit und Gleichheit. Das bedeutet hinsichtlich der Freiheit, dass der Mensch im Naturzustand frei über seine Person und seinen Besitz entscheiden kann.

Der Mensch ist in seiner Freiheit zu handeln von keinem anderen Menschen abhängig. Er braucht sich bei keinem eine Handlungserlaubnis einzuholen, sondern kann stattdessen seine Handlungen eigenständig steuern.

Der Mensch, der im Naturzustand lebt, ist in seinem gesamten Tun an niemanden und an nichts gebunden, außer an ein "natürliches Gesetz".

Dieses Gesetz allerdings ist für alle Individuen maßgebliche Handlungsvorraussetzung.

Inhalt des natürlichen Gesetzes ist das Gebot, dass alle Menschen gleich und unabhängig sein sollen; keiner soll den anderen an seinem Leben, seiner Freiheit, seiner Gesundheit und an seinem Besitz schädigen.

Dieses natürliche Gesetz wird verletzt, wenn ein Individuum das Gebot aus eigennützigen Motiven übertritt.

Mit seinem unrechtmäßigen Vorgehen demonstriert der Rechtsbrecher, "dass er nach einer anderen Regel lebt, als der der Vernunft und der allgemeinen Billigkeit, die Gott den Menschen zu Sicherheit voneinander als Maß für ihre Handlungen gesetzt hat.

Strafe und Wiedergutmachung werden im Naturzustand zum Akt der Selbstjustiz, denn es gibt keine anerkannten Richter, die berechtigt sind in allen Streitigkeiten den Ausschlag zu geben und den Gesetzen entsprechend zu entscheiden, zudem ist keine zwingende Gewalt vorhanden, die imstande wäre, die Vollstreckung der Gesetze zu sichern.

Das bedeutet, dass im Falle einer Gesetzesübertretung ein Mensch einem anderen "rechtmäßig Schaden zufügen" darf, allerdings gibt es hierbei auch im Naturzustand Grenzen. So darf die Strafe nur die Höhe erreichen, die zur Abschreckung zweckdienlich ist, wobei das Recht zu strafen im Naturzustand ein allgemeingültiges Recht ist, welches von jedem Individuum ausgeübt werden kann. Die Wiedergutmachung muss im rechten Verhältnis zum erlittenen Schaden stehen und kann nur von demjenigen gefordert werden, dem der Schaden zugefügt worden ist.

Das natürliche Gesetz, aus dem die natürlichen Grundfreiheiten des Menschen hervorgehen, ist nicht schriftlich fixiert, sondern beruht auf einer bloßen Anerkennung durch alle im Naturzustand lebenden Individuen.

Diese Anerkennung ergibt sich auf der Basis der vernunftsgeleiteten Einsicht in den Willen Gottes. Besagte Anerkennung schließlich, dazu schreibt Locke ausführlich, verkörpert für ihn den Legitimationsgrund für die Grundfreiheiten, die durch Lockes politische Gesellschaft garantiert werden.

Die natürliche Freiheit steht bei Locke in einem engen Zusammenhang mit der Vorraussetzung die Verfügungsgewalt über materielles Eigentum zu besitzen.

Um diesen Zusammenhang zwischen der natürlichen Freiheit und dem materiellen Eigentum aufzuzeigen, bedarf es zunächst der Erläuterung des Lock`schen Eigentumsbegriffes.

Obschon alle Menschen im übergeordneten Sinne Eigentum Gottes verkörpern, ist doch jedes Individuum im Hinblick auf die anderen Indiviuen Eigentümer an seiner eigenen Person und in dieser Beziehung auch Herr seiner Handlungen und Arbeit.
Locke weist in Kapitel V seiner Schrift mehrfach darauf hin, dass Gott zu dem Zeitpunkt als er den Menschen die Welt zum gemeinsamen Besitz gab, ihnen zu arbeiten gebot. Auf diese Weise sollten sich die Menschen die Erde untertan machen. Allerdings war es nicht nur Gottes Gebot, sondern auch die eigene Vernunft die den Menschen befahl in diesem Sinne tätig zu sein.

Die Produkte der Arbeit waren das "unbestrittene Eigentum des Arbeitenden." Arbeit und menschlicher Fleiß waren es, die zu Anfang materielles Eigentum entstehen ließen und dem Einzelnen ein Recht an dem so erworbenen materiellen Eigentum verliehen. Die Schranken solch erwerbbarem, materiellen Eigentums im Naturzustand ergeben sich duch dessen ungenutze Anhäufung. Das bedeutet, dass der Einzelne zwar materielles Eigentum in beliebiger Menge erwerben kann, aber er muss in der Lage sein, dieses Eigentum zu verbrauchen, bevor es verdirbt.

Tauschhandel zu betreiben ist grundsätzlich nicht untersagt, denn man verletzt die Grenzen rechtmäßigen Eigentums nicht durch die Vergrößerung seines Besitzes, sondern eben nur dadurch, dass man etwas ungenutzt verderben lässt.

Mit der Einführung des Geldes wurde es im Naturzustand möglich, auch unverderbliches Eigentum anzuhäufen. Dadurch wurden die Besitzverhältnisse ungleich.

Locke zufolge haben die Menschen durch stillschweigende Übereinkunft mit der Einführung des Geldes der sich daraus ergebenden Folge- der Ungleichheit des Besitzes- zugestimmt. Somit ist an dieser Stelle festzuhalten, dass Geld und ungleiche Besitzverhältnisse aus der Sicht des Philosophen eine vorstaatliche Errungenschaft sind, die ihren Wert und ihre Geltung der natürlichen Vernunft des Einzelnen verdanken.

Die Zustimmung der Individuen bezüglich der Transformation gleicher natürlicher Rechte in unterschiedliche natürliche Rechte verschaffen den "Fleißigeren" die Möglichkeit, ihr natürliches Recht auf Eigentum in unbeschränkte Aneigung desselben umzuwandeln. Denjenigen, die die Chance nicht nutzen konnten, blieb nur die Alternative, die Verfügungsgewalt über ihre Arbeitskraft zu verkaufen.

John Locke sieht die Arbeitskraft des Einzelnen im Hinblick auf die anderen Individuen als dessen unbestreitbares Eigentum an. Insofern ist der Einzelne in der Lage, ohne dadurch unfrei, d.h. zum Sklaven zu werden, seine Arbeitskraft für eine gewisse Zeit gegen Lohn zu veräußern. Allerdings ist die verkaufte Arbeitskraft dann Eigentum des Käufers. Dieser Käufer ist nunmehr berechtigt sich die Produkte aus dieser Arbeit anzueignen.

Obschon der Naturzustand ein friedvoller ist, beinhaltet er doch die Gefahr des Übergriffes. Der Einzelne ist nicht immer bereit, die grundsätzliche Verbindlichkeit des von ihm anerkannten Naturgesetzes zu akzeptieren. Ursache hierfür ist nach Locke einerseits der persönliche Egoismus eines jeden Individuums und andererseits das Moment der mangelhaften gedanklichen Auseinandersetzung mit dem Inhalt des Gesetzes.

Leben, Freiheiten und Güter des Einzelnen werden im Naturzustand nicht durch die Gefahr des Rechtsbruches bedroht, sondern auch durch eine nicht immer klar vorhersehbare Vorgehensweise beim Akt der Selbstjustiz.

Die Selbstjustiz beinhaltet die Möglichkeit der emotionalen und damit zugleich subjektiven Betrachtungs- und Handlungsweisen seitens desjenigen, dem ein Schaden zugefügt worden ist gegenüber dem Rechtsbrecher. Die Grenzen für Strafe und Wiedergutmachung könnten möglicherwiese widerstandslos überschritten werden, weil sich Dritte in solchen Angelegenheiten eventuell gleichgültig verhalten.

Durch die Neigung der Individuen dem natürlichen Gesetz auszuweichen wird ein Zustand erzeugt, welcher als bedrohlich empfunden wird und Reaktionen, wie etwa Furcht und Verunsicherung freisetzt.

Das Wissen um die fortwährende Gefahr der Bedrohung des persönlichen Eigentums und die daraus resultierende Furcht bewirken, dass der Einzelne sich entscheidet den Naturzustand zu verlassen, um sich mit anderen zu einem Staatswesen zusammenzuschließen, welches in erster Linie dieses Eigentum schützen und jene bestrafen soll, die die aufgestellten Rechtregeln übertreten.

Die diesem Staatswesen obliegende Schiedsfunktion soll durch anerkannte, unparteiische Richter ausgeübt werden. Diese Richter sollen in allen Streitigkeiten den Ausschlag geben und den Gesetzen entsprechend entscheiden. Außerdem soll es eine zwingende Gewalt geben, die die Vollstreckung der Gesetze sichert.

So wird der Staat zum "Schiedrichter nach festgesetzten Regeln, unparteiisch und derselbe für alle".

Die Freiheit des Einzelnen im Staat scheint zwar im Verhältnis zur Freiheit im Naturzustand durch die Richter begrenzt zu sein, tatsächlich aber gewährt der Staat dem Eigentum des Einzelnen eine größere Sicherheit.

Jeder, der in eine politische Gesellschaft eintreten möchte, muss nach Locke hierzu seine individuelle Zustimmung geben.
Der englische Theoretiker unterscheidet zwischen einer "stillschweigenden" und einer "ausdrücklichen" Zustimmung.

Die stillschweigende Zustimmung gibt jedermann , der innerhalb des Herrschaftsbereiches einer Regierung lebt, bzw. sich dort für eine gewisse Zeit aufhält. Diese Form der Zustimmung setzt Locke also bei jedermann, d.h. letztendlich bei Besitzenden und bei Besitzlosen voraus. Die stillschweigende Zustimmung genügt allerdings nicht um vollwärtiges Mitglied einer Gesellschaft zu werden, denn " nichts kann einen Menschen dazu machen als sein tatsächlicher Eintritt durch positive Verpflichtung und ausdrückliches Versprechen und Vertrag".

Die vollwertigen Mitglieder der politischen Gesellschaft, d.h. die durch individuellen Vertragsabschluss , respektive ausdrückliche Zustimmung in diesselbe eintreten, bilden die Mehrheit und nur sie haben das Recht zu regieren bzw. die Regierung zu kontrollieren.

Diese vollwertigen Mitglieder der politischen Gesellschaft verfügen über materiellen Besitz oder haben solchen in Aussicht, denn nach Locke kann davon ausgegangen werden, dass nur diejenigen ihre "ausdrückliche Zustimmung" geben, die ein berechtigtes Interesse an der Sicherung ihres materiellen Eigentums haben. Da die Besitzenden Steuern aufbringen , die notwendig sind, damit eine Regierung unterhalten werden kann, sollen diese besitzenden auch über den Verwendungszweck dieser Steuern entscheiden können und zudem das Recht haben in öffentlichen Angelegenheiten mitzubestimmen.

Die Mehrheit in Lockes politischer Gesellschaft bilden also diejenigen, die über materiellen Besitz verfügen. Entscheidungen, die von ihnen getroffen werden, binden aber nicht nur sie selbst, sondern auch diejenigen, über deren Arbeitskraft sie verfügen, denn die Pflicht den Gesetzen zu gehorchen und sich einer legalen Regierung unterzuordnen haben sowohl diejenigen, die ausdrücklich ihre Zustimmung gegeben haben als auch diejenigen , die stillschweigend zugestimmt haben.

Alle Individuen, die durch einen individuellen Vertragsabschluss Mitglied der von Locke beschriebenen Gesellschaft werden, stimmen darin überein, dass die primäre Aufgabe ihres Staates darin besteht, die gottgewollten und von allen Individuen anerkannten Grundfreiheiten zu schützen und sicherzustellen.

Dieser "christlich-religiöse Konsens" stellt die Rechtfertigung für Lockes Staat und der darin enthaltenen Grundfreiheiten dar.

Ganz abgesehen davon, dass Lockes Konsensidee hinsichtlich der Anerkennung des Staates und der durch ihn garantierten Grundfreiheiten aufgrund eines christlich-religiösen Rechtfertigungsgrundes unhistorisch und nicht empirisch ist, wäre sein Modell selbst dann nicht in die Realiät übertragbar, wenn man von einer dem individualistischen Konsensmodell angemessenen Ausgangssituation ausgeht, weil nicht davon ausgegangen werden kann, dass die einzelnen Bürger, unabhängig von einem organisatorischen Prozess kollektiver Willensbildung alle das Gleiche wollen.

Eine bemerkenswerte Lektüre.
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17 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Staatsphilosophie die man gelesen haben muß, 8. Juli 2004
Rezension bezieht sich auf: Über die Regierung: The Second Treatise of Government (Taschenbuch)
Über die Regierung von John Locke gehört definitief zu den bedeutensten Werken der Staatsphilosophie. Er formuliert zum ersten Mal die Prinzipien der Geweltenteilung aus und hilft somit auch dem heutigen Leser die Prinzipien zu verstehen, auf denen unsere Gesellschaft fußt.
Zeitgeschichtlich war dieses Werk eine regelrechte Revolution und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich in Europa Demokratien entwicklet haben.
Aber auch in Anbetracht der neuerlichen Debatten im Kontext der Terrorbekämpfung bekommt dieses Werk wieder neue Aktualität und Autorität.
Dieses Buch ist jedem zu empfehlen, der ein besseres Verständnis von unserer Gesellschaft erlangen möchte. Für Leute, die sich für Philosophie, Staatenkunde und/oder Geschichte interresieren, ist dieses Werk ohnehin eine Pflichtlektüre, die man in dieser Ausgabe zu einem äußerst geringen Preis erwerben kann.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen gefällt mir, 14. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über die Regierung: The Second Treatise of Government (Taschenbuch)
sollte für manche eine Aufgabe sein und es lesen, gerade, wenn man so die heutige Situation bedenkt, dann stellt man sich doch einige Fragen.
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24 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Standartwerk der politischen Philosophie, 20. September 2001
Rezension bezieht sich auf: Über die Regierung: The Second Treatise of Government (Taschenbuch)
John Locke (1632-1704) hat mit "Über die Regierung" ein Meilenstein geschaffen, da er als einer der ersten war, der die Gewaltenteilung formulierte und herbeiführen wollte. Seine Postulate sind in die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und in die Erklärung der Menschen und Bürgerrechte der franz. Revolution eingegangen.
Für Politilogen Pflichtlektüre, allerdings ist es in der Übersetzung leicht zu lesen und gut nachvollziehbar.
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Über die Regierung: The Second Treatise of Government
Über die Regierung: The Second Treatise of Government von John Locke (Taschenbuch - 1986)
EUR 6,80
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