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am 25. Juli 2004
Wunderbar um sich einen Überblick über das Schaffen von Gernhardt zu machen. Das Heftchen enthält ein vom Autor zusammengestelltes Best of mit Gedichten, Satiren, Aphorismen, Kurzgeschichten etc., die sich durch den für Gernhardt typischen Sprachwitz und Hintersinn auszeichnen.
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am 27. Januar 2009
Gernhardt bleibt Gernhardt, egal was er sich vorknöpft. Zum Beispiel all diese Prosa-Genres und Sujets aus Elysium und Schmuddelkinder-Purgatorium der Literaturwissenschaft. Beides lässt sich nämlich ohne Ansehen des hehren Originals gegen den Strich bürsten, und nicht umsonst heißt es, man habe ein Werk erst durchschaut, wenn man's parodieren könne. Gernhardt hat alles durchschaut, alles. Dem macht keiner was vor, und vor ihm sicher ist sowieso nichts: Das Buch Hiob mitsammen "Faust"-Prolog im Himmel? Wird schnell mal vom "Buch Ewald" entkernt, leitmotivisch durchzogen von der Frage, ob der "sie" nun bürstle, und zwar, wie Mephisto erleichtert feststellt, wenigstens nicht in der Mensa. Ostfriesenwitze sind nicht mehr zu parodieren, da sie's schon selber tun? Denkste! Gernhardts Pointen liegen dermaßen nahe, dass keiner (außer ihm natürlich) drauf gekommen wäre.
Das gilt erstrecht fürs gesamte Spektrum zwischen Hiob und Ostfriesenwitz, das Gernhardt hier 1995 mit System zusammengestellt hat. Jede Pointe ein Treffer.

Überpersönliche Prosa-Formen also erstmal, als Einstiegsdroge mit garantierter lebenslänglicher Sucht bereits nach dem ersten Satz. Ganz harmlos zunächst die dankbaren Opfer, die Ratgeber-Seiten aus den Wartezimmer-Fachzeitschriften für die wartende Dame: "Der Tip": "Brandspuren in Bibeln lassen sich verhindern, wenn man seine Zigaretten in einem Aschenbecher ausdrückt." Viel brauchbarer, dieser Rat, als all diese Ratschläge zum Gurkenmarmelade-Kochen. Finde ich wenigstens. "Wussten Sie schon..." -- hmmm. So herum wusste ich das alles noch nicht, weil ich's so herum noch nie betrachtet habe. Aber jetzt, ja klar doch: Nachts sind alle Glatzen kahl, und im Gegensatz zu einer Schwalbe können zwei Schwalben noch was ganz anderes machen. Überhaupt, all diese Parodien auf Zeitungs-Rubriken, haargenau in derem Sprachduktus. Wer Gernhardts Interpretation dieser Klassiker gelesen hat, der liest das Zeug hernach mit anderen Augen.
So. Jetzt ist der Leser süchtig und braucht härteren Stoff. Kriegt er auch, gleich im nächsten Kapitel. Da geht's den "überpersönlichen Mitteilungsformen", wie Gernhardt das nennt, sauber an den Kragen; Gernhardt sich selber auf höchstem Niveau noch steigernd. Erst die gymnasiale Landplage des Deutschunterrichts später 70er Jahre: Publikumswirksame Rede; Predigt; wildwabernde Reflexion über ein nicht ganz klar erkennbares Thema; Arnold Hau und sein "Gesetz" mit alttestamentarischem Furor? Und wurde sinnbefreit enthusiastisches Feuilleton jemals gründlicher auseinandergenommen als beim Parforceritt durch die Literaturgeschichte gehobenen Anspruchs ("Der Apfel des Apoll")? Nicht minder fies die drei Mozart-Besprechungen, incl. genretypisch verstolperter Metaphern: "Die erste [Aufnahme] zeigt das Wiener Wunderkind beim feierlichen ersten Spatenstich zu seinem Armenbegräbnisse, zu sehen ist auf ihr wegen der schlechten Lichtverhältnisse nicht viel, zu hören ist gar nichts, wenden wir uns also den beiden anderen zu." Die beiden anderen reichen aber auch völlig, um Lesers Zwerchfell außer Gefecht zu setzen. Nach diesen Lektionen dürfte außerdem auch der Literaturresistente kapiert haben, wieso ein Nachruf keine Quizfrage ist.
Und freilich hat Gernhardt in seine Auswahl auch seine berühmte Parodie auf mehrere überregionale Tages- und Wochenzeitungen aufgenommen -- eine banal-absurde Nachricht zum Thema "Das Quadrat und die Frauen" wird nämlich je nach Generallinie ganz verschieden kommentiert. Auch ohne das jeweilige Zeitungs-Logo hätte man sofort "Die Welt!", "Brigitte!", "Spiegel!", "Pflasterstrand!", "Die Zeit!" (und was sonst noch so alles drankommt) gerufen; die Stile sind ins Schwarze (bzw. ins Rote, oder ins Regenbogenbunte) getroffen.
Wer die literarischen Überpersönlichen vermisst -- gemach, gemach. Kommt alles. Der Parodien-Dealer meines unbedingten Vertrauens hat guten Stoff. Lehrreiche Fabel, andächtige Legende, neckische Anekdote, lehrreiche Dichterlesung... Viele ernstgemeinte Vorlagen können schon formal nicht das Wasser reichen, und vom Inhalt wollen wir milde schweigen.
Ähnlich furios geht's Heiligen Kühen der universalen Weltliteratur an den Kragen: "Buch der Wandlungen", "Märchen aus Tausendundeiner Nacht", Ernst Jünger im Schützengraben, Karl May... pardon, "Volk ohne Öl"... Alles gut versteckt in den einzelnen Parodien, aber nicht verschwurbelt verstandesabhold zu erahnen, sondern allen Lorbeerkranzes beraubt und umso klarer aufs Wesentliche reduziert.

Ja, und dann noch Gernhardts "Nachlese" am Schluss. Das ist jetzt keine Parodie auf lorbeerkranzumwundene Nachworte, sondern ernst gemeint, geistreich und witzig.
Die "Prosamen" also in ihrer Gesamtheit eine bein- bzw. gernhardte Parodie aufs "Meistererzählungen von XY"-Sortiment? Na klar! Ist ja vom Gernhardt.
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TOP 500 REZENSENTam 30. Dezember 2012
Ich mag Gernhardt als den brillanten Dichter. Und so blitzen auch hier in der Prosa immer wieder herrliche aphorismenhafte Sätze auf. Der blödelnde bis belesene Humor Gernhardts ist auch in den "Prosamen" allgegenwärtig. Darin hat Reclam R.G. selbst Prosa-Krümel aus diversen, durchaus verschiedenen Werken zusammensuchen lassen. Und in Reclams-Dichter&Denker-Universum gehörte Gernhardt aufgenommen (wie auch der Rezensionskollege ausführlich auslegte). - Woran man eine ostfriesische Braut erkennt? Hier wird es verraten.

Für mich sind auch die "Prosamen" eine mögliche günstige Einstiegslektüre, um jemanden anzufixen, der trockenen prosaischen Humor mag und Gernhardt dann immer mehr durchpflügen wird. Fünf Sterne.
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