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Max Webers 1919 als Redevorlage entstandenes Werk "Politik als Beruf" ist legendär und gehört im Zusammenhang mit Kritik an modernen Politikern immer wieder zu den meistzitierten Werken. Das Büchlein ist zugleich auch eines jener Werke vor denen man eigentlich ehrfürchtig zurückschrecken könnte, deren Mythos bis heute wirkt und Argumente formuliert hat, die der gegenwärtigen Praxis kaum noch ähnlich sind. Man darf nicht vergessen, der Vortrag stammt aus der Frühzeit mitteleuropäischer Demokratie, dem so genannten Revolutionswinter, als die Republik zwar ausgerufen, die Demokratie aber nicht von jedermann als wünschenswert empfunden wurde.

Unter Politik versteht man, so Weber (S. 5) "die Leitung oder die Beeinflussung der Leitung eines politischen Verbandes, heute also: eines Staates". Politik kann natürlich auch privat oder geschäftlich sein, wie Devisen- und Geschäftspolitik oder gar eines Partners der eine Beziehung zu dominieren versteht, als Beruf kann man diese allerdings nicht ausüben.

Ärgerlich für heutige Leser ist natürlich, dass Webers Vortrag je nach geschichtlichen Wissen, nicht für jedermann leicht zugänglich ist, vor allem weil der bekannte Nationalökonom sich in seinen Ausführungen sehr allgemein hält und die erste Hälfte des Werks zur geschichtlichen Exkursion nutzt, um die Entstehungsgeschichte der "Politiker" zu beleuchten. "Ich stelle für unsere Betrachtung nur das rein Begriffliche fest: daß der moderne Staat ein gestaltsmäßiger Herrschaftsverband ist, der innerhalb eines Gebietes die legitime physische Gewaltsamkeit als Mittel der Herrschaft zu monopolisieren mit Erfolg getrachtet hat und zu diesem Zweck die sachlichen Betriebsmittel in der Hand seiner Leiter vereinigt, die sämtlichen eigenberechtigten ständischen Funktionäre aber, die früher zu Eigenrecht darüber verfügten, enteignet und sich selbst in seiner höchsten Spitze an deren Stelle gesetzt hat." (S. 13) Für Weber sind Politiker dem höchsten Souverän untertan, war dieser früher der Kaiser, dessen Interessen es gegenüber den Ständen und Adel zu vertreten galt, so ist es heute das Volk.

Von daher ist Politik auch immer Interessensvertretung und erfordert von einem Politiker, dass dieser auch die nötige Zeit und Energie aufwenden kann, um das allerdings tun zu können muss er "vermögend oder in einer privaten Lebensstellung sein, welche ihm auskömmliche Einkünftige abwirft." (S. 17) Weber untersucht sehr genau, die verschiedenen Berufsstände auf ideale Politiker und kommt zu interessanten Schlüssen. Landwirte seien etwa nur saisonell als Politiker tauglich, Arbeiter und Angestellte nicht, weil sie um ihr Auskommen und die Arbeitsstelle fürchten müssten, ebenso wie Unternehmer, ganz im Dienste ihres Betriebes stehen sollten, um diesen zu behalten, auch Journalisten hätten womöglich mit einer inneren Lähmung, der geistigen Blockade zu kämpfen, es wären daher vor allem jene, die in keiner festen Beschäftigung stehen und frei über ein Vermögen verfügen, die für die Politik prädestiniert wären. Pensionisten, Studenten, allerdings keine Hausfrauen, zählt Weber zu am besten geeigneten Kandidaten, aber auch Juristen, denn "ohne ihn ist die Entstehung des absoluten Staates so wenig denkbar wie die Revolution" (S. 30) und Interessensvertretung ist sein Beruf, Routine in Sachen Rhetorik sein entscheidender Vorteil.

Doch was hat man von Politik. "Was vermag sie nun an inneren Freuden zu bieten, und welche persönlichen Vorbedingungen setzt sie bei dem voraus, der sich ihr zuwendet? Nun, sie gewährt zunächst: Machtgefühl. Selbst in den formell bescheidenen Stellungen vermag den Berufspolitiker das Bewusstsein von Einfluss auf Menschen, von Teilnahme an der Macht über sie, vor allem aber: das Gefühl, einen Nervenstrang historisch wichtigen Geschehens mit in Händen zu halten, über den Alltag hinauszuheben. Aber die Frage ist nun für ihn: durch welche Qualitäten kann er hoffen, dieser (sei es auch im Einzelfall noch so eng umschriebenen) Macht und also der Verantwortung, die sie auf ihn legt, gerecht zu werden? Damit betreten wir das Gebiet ethischer Fragen; denn dahin gehört die Frage: was für ein Mensch man sein muss, um seine Hand in die Speichen des Rades der Geschichte legen zu dürfen. Man kann sagen, dass drei Qualitäten vornehmlich entscheidend sind für den Politiker: Leidenschaft - Verantwortungsgefühl - Augenmaß. Leidenschaft im Sinn von Sachlichkeit: leidenschaftliche Hingabe an eine »Sache«, an den Gott oder Dämon, der ihr Gebieter ist." (S. 61f) "Die »Stärke« einer politischen »Persönlichkeit« bedeutet in allererster Linie den Besitz dieser Qualitäten.", (S. 63) so Max Weber.

Doch auch Ralf Dahrendorf, der das Nachwort zur Reclam-Ausgabe verfasst stellt Webers These zumindest zum Teil in Frage, denn es "macht schon etwas aus, ob "die Sache" die Freiheit ist oder die Rasse, Europa oder der eigene Stamm, soziale Gerechtigkeit oder wirtschaftliches Wachstum." (S. 94f) Rückblickend sind so manche von Webers Aussagen zwar sehr idealistisch, aber nach heutigen Wissen wenig realistisch. Dass etwa eine "kleinbürgerliche Abneigung gegen Führer", den Aufstieg eines Diktators unmöglich gemacht und Konsens erzwungen hätte, haben der Führerkult und seine Folgen dann doch widerlegt. Stattdessen sollte eine Auslese der Besten unter den Volksvertretern eine kompetente Regierungsmannschaft garantieren. Über Einfluss der Parteien, so genannte Parteisoldaten und Funktionäre, welche nie direkt gewählt, über die Hintertür der Parteilisten in ein Parlament gelangen können, verliert er kaum ein Wort. Es sind Grundlagen die Max Weber vermittelt hat, aber nur wenig davon wirkt fast ein Jahrhundert danach noch zeitgemäß, von zu vielem konnte der Autor noch nichts wissen, zu sehr wirken seine Worte heute nur noch wie Plattitüden.

"Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich. Es ist ja durchaus richtig, und alle geschichtliche Erfahrung bestätigt es, dass man das Mögliche nicht erreichte, wenn nicht immer wieder in der Welt nach dem Unmöglichen gegriffen worden wäre. Aber der, der das tun kann, muss ein Führer und nicht nur das, sondern auch - in einem sehr schlichten Wortsinn - ein Held sein. Und auch die, welche beides nicht sind, müssen sich wappnen mit jener Festigkeit des Herzens, die auch dem Scheitern aller Hoffnungen gewachsen ist, jetzt schon, sonst werden sie nicht imstande sein, auch nur durchzusetzen, was heute möglich ist. Nur wer sicher ist, dass er daran nicht zerbricht, wenn die Welt, von seinem Standpunkt aus gesehen, zu dumm oder zu gemein ist für das, was er ihr bieten will, dass er all dem gegenüber: »dennoch!« zu sagen vermag, nur der hat den »Beruf« zur Politik." (S. 82-83)

Die Gefahr für einen Politiker liegt in der Eitelkeit, welche sein Urteilsvermögen trüben kann, denn nach dem Weberschen Ideal, strebt ein verantwortungsvoller Politiker nach höheren Zielen als den eigenen Machterhalt oder auch den der Partei. Als die drei Legitimitätsgründe für Herrschaften/Regierungen benennt Weber jene durch Sitte, also traditionelle Herrschaft, wie durch einen Patriarchen, jene durch charismatische Herrschaft, wie durch Demagogen und politische Parteifahrer, aber auch durch Legalität, einer Satzung.

Fazit:
Aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades ein Werk, um dessen Lektüre man nicht herumkommt, möchte man sich mit politischer Theorie befassen. Doch zugleich ist es auch ein Kind seiner Zeit, fast schon mehr zeitgeschichtliches Dokument, als ein heute noch praktischer Leitfaden. Vielmehr vermittelt Max Weber grundlegende Ideale, welche man jedoch auch als schwammig definiert bezeichnen kann, zu ihrer Verwirklichung gibt er keine Anleitung.
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am 24. Juli 2008
Max Webers "Politik als Beruf" ist, mit kaum achtzig Seiten, kurz und prägnant. Die Länge aber mag täuschen, denn innerhalb dieser achtzig Seiten entwickelt Weber zahlreiche Ideen, von denen viele heutzutage zum Allgemeingut geworden sind.

Die These, daß alle Herrschaftsansprüche in drei Typen - traditionell, charismatisch, legal - einzuteilen seien, ist hilfreich und wird auch z.B. in der Geschichtswissenschaft häufig verwendet. Ebenso ist es mit der Idee, daß ein Staat vor allem durch seinen Anspruch aufs Gewaltmonopol gekennzeichnet sei, und der Definition der Politik als den Versuch, die Machtverhältnisse zu beeinflussen. Webers Beschreibung der modernen, auf Parteiführer zugeschnittenen Demokratie als "plebiszitäre Diktatur" ist interessant und durchaus im Kern zutreffend, wenn er auch natürlich überspitzt - so klar verteilt sind die Machtverhältnisse innerhalb von Parteien selten.

Fünf Punkte also für diese klar dargestellten Ideen. Im Gegensatz zu manchen anderen fand ich auch Webers Stil relativ zugänglich: nur seine gelegentlichen Gedankensprünge stören. Dennoch muß Kritik geübt werden an dem letzten Abschnitt des Buches, in dem Weber sein Konzept der Gesinnungs- und Verantwortungsethik entwickelt. Hier muß ich anmerken, daß Weber allzu offensichtlich mit christlichen Ideen der Staatenlehre nicht vertraut ist; er scheint anzunehmen, daß Christentum und Politik sich gegenseitig ausschließen. Daß aber christliche Politiker durchaus ohne Gewissenskonflikte haben arbeiten können (man siehe Oliver Cromwell, William Gladstone), widerlegt Webers These doch wohl, ebenso wie die gesamte Geschichte der christlichen Staatenlehre, in der Zaudern vor der Politik durchaus die Ausnahme und nicht die Regel ist.

Ralf Dahrendorfs Nachwort ist durchaus gut; Dahrendorf vermeidet glücklicherweise die ja manchmal bei prominenten Autoren vorhandene Tendenz, über sich selbst anstatt ihr eigentliches Thema zu schreiben. Er erklärt und kommentiert; allein seine Kritik der Inhaltslosigkeit von Webers Politikbegriff ist mir unverständlich. Selbstverständlich ist für Weber der Inhalt der Politik wissenschaftlich zweitrangig; ihm geht es um eine grundsätzliche Untersuchung des Phänomens, nicht um konkrete politische Empfehlungen oder Werturteile.
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am 19. November 2011
Max Weber veröffentlichte seine Gedanken anlässlich einer Rede im Jahre 1919. Der Krieg war verloren, Zukunft stand auf dem Spiel, nach den Versailler Verträgen war eine Neuorientierung notwendig und das Vielparteiensystem der Weimarer Republik mag im Blick gewesen sein. Politik als Beruf wurde damit zu einer wichtigen Botschaft, den Staat zu bedienen mit Menschen, die gleichsam ihm dienen wollten und konnten. Von oder für die Politik zu leben war jene zentrale Frage, die Weber ausmaß und eine Antwort herleitete im Sinne des Staates. Seine wichtige Botschaft, ein Politiker habe Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmaß als notwendige Grundlage, erweiterte er gerade am Schluss auf die bravouröse Unterscheidung von Gesinnungsethik und Verantwortungsethik. Gerade in der zuletzt genannten war der Entscheider selbst verantwortlich und hatte bereit zu sein für die Konsequenzen. Gesinnungsethik im Kernsinn entmündigt den Entscheider letztendlich, weil die höhere Welt der Gesinnung genügend Schuldige bereitzustellen vermag.

Dass hier ein wichtiger Text bereitsteht, sagt allein die Menge der Verweise, die Politker diesem Text geben. Wichtig zur Staatenbildung und ebenso wichtig für eine kritisch-konstruktive Haltung in einem Lande, geführt durch die Staatsform der Demokratie, in der man alle vier Jahre wählen darf, welcher Berufspolitker einen ver- oder zertreten (eine Marx-Anleihe) darf.
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am 21. Juni 2006
In seinen Anfängen in der Antike, war die „Staatsphilosophie“ Thematik wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit der Politik. Die beiden griechischen Philosophen Platon und Aristoteles haben sich in ihren Werken „Politeia“ und „Politika“ mit den Grundsätzen der damaligen Herrschaftsformen beschäftigt und einhergehend untersucht. Das Phänomen gesellschaftlichen Zusammenlebens faszinierte Menschen gleich welcher Epoche.

In Zeiten der ökonomischen Unsicherheit, den zunehmenden Vertrauensverlust in die Politik und der damit verbundenen Forderung nach „mehr Staat wagen“ seitens großen Teilen der Bevölkerung stellt sich die Frage nach der Bedeutung politischer Grundbegriffe nicht nur in der Politikwissenschaft neu, sondern steht zudem auch im Rampenlicht der öffentlichen Debatte der Gesellschaft. Derartige Fragen bilden das Fundament eines ganzen Kataloges: Wie funktioniert eigentlich der Staat? Was sind die Aufgaben respektive das Wesen eines Politikers? Wie ist politische Macht definiert?

Im Zusammenhang mit dem Bedarf einer „moderneren Form“ der Rekonstruktion eines Staatsbildes, hielt Max Weber eine Rede in München, welche nun als gedruckte Fassung unter dem Titel „Politik als Beruf“ vorliegt. Max Weber studierte sowohl Nationalökonomie als auch Jura und war Mitbegründer der „Deutschen Gesellschaft für Soziologie“. Er gilt als wichtiger Impulsgeber der modernen Sozialwis-senschaften, dessen Wirkung sich posthum noch verstärkte und bis heute ein Teil der universitären Lehre blieb.

Ausgehend von der Definition zentraler Begriffe der politischen Theorie „dekodiert“ Weber in „Politik als Beruf“ elementare Bestandteile der Politik als solche. Grundsätzlich wird dabei Politik als „Streben nach Machtanteilen, sei es zwischen zwei Staaten, sei es innerhalb eines Staates zwischen Machtgruppen, die er umschließt“ bezeichnet. Weber unterscheidet dabei zwischen drei Idealtypen der Herrschaft:

Der Traditionellen, der Charismatischen und der Legalen. Erstere ist durch die Weiterreichung der Machtposition z.B. durch Erbfolge, zweite durch die die Herrschaft eines außerordentlichen Demagogen und dritte durch den Glauben an die Legalität der Satzung seitens der Bevölkerung gekennzeichnet.

Spezifisch ist modernen Herrschaftssystemen, dass der reibungslose Ablauf aller Regierungsgeschäfte aufgrund der Bürokratie des Staatsapparates gewährleistet wird. Dieser Verwaltungsstab besteht aus Beamten. Vorteil dieses Systems ist, dass die Beamten nicht in einem persönlichen Vertrauensverhältnis mit dem jeweiligen Machthaber, sondern ihre Arbeit in Unabhängigkeit jedweder Führungspersonen verrichten. Die Bürokratie erfüllt also die Funktion eines Perpetuum mobile: Ist die Verwaltungsmaschinerie einmal in Gang gesetzt, überlebt sie jegliche Umstrukturierung an der Staatsspitze.

Die Auseinandersetzung mit den jeweiligen tagesaktuellen Problemen liegt im Aufga-benbereich der Politiker. Weber trennt hierbei zwischen denjenigen, der „für“ die Politik lebt und denjenigen, der „von“ der Politik lebt. „Für“ die Politik zu leben setzt vor-aus, dass man primär von einer anderen Einnahmequelle zehrt und somit nicht aufgrund von Mittellosigkeit dazu getrieben wurde, den Politikerberuf alleine des Salärs wegen auszuüben. Dies ist gegensätzlich ein Charakteristikum einer Person, die „von“ der Politik lebt. Zum Wesen des Politikers gehöre ebenfalls Leidenschaft und Augenmaß, während Weber ein ausgewogenes Zusammenspiel von Verantwortungs- und Gesinnungsethik einfordert.

Weber weist stets daraufhin, dass seine Ausführungen nur Idealtypen darstellen. In der Realität sind vor allem Mischformen aus den genannten Typen existent. Die „reine“ Darstellung diene nur dem besseren Verständnis.

Weber hat mit seiner Rede „Politik als Beruf“ einen Grundstein der deutschen Soziologie respektive Politologie gelegt. Umfassend werden zentrale Begriffe eingebracht, das „Staatssystem“ in all seinen Facetten beleuchtet und das Wesen der Bürokratie und des Politikers erläutert. Weber liefert ein ansprechendes Werk ab, welches vor allem für Studierende der Politikwissenschaft im Grundstudium geeignet ist, da es wesentliche Informationen in kompakter Abhandlung bietet. Trotz allem bleibt es in seiner Komplexität unberührt: Dies wirkt sich letztendlich auch in einigen Punkten negativ aus.

Mit einem eigenwilligen Satzbau, der durch zahlreiche Verschachtelungen und Einschüben charakterisiert ist, wird dem Leser das Verständnis vehement erschwert. Nicht selten müssen einzelne Abschnitte oder gar ganze Seiten mehrfach gelesen werden, um die Intention des Autors zu entschlüsseln. Webertypisch sei noch das häufige Setzen von Doppelpunkten genannt, hinter denen er zentrale Thesen nochmals zusammenfasst. Der gedankliche Wechsel inmitten des Textes bleibt für den Leser, wenn überhaupt, nur schwer nachvollziehbar.

Nachteilig wirkt sich dabei auch aus, dass keine Einteilung in einzelne Kapitel vorgenommen wurde. Das Nachschlagen bestimmter Auszüge verkommt zu einer vermeidbar langen Suche. Die „Überschaubarkeit“ von 80 Seiten trügt doch zu sehr.

Obgleich man sich - wie bereits vorher erwähnt – mit der vorliegenden Lektüre eine gute Grundlage verschaffen kann, so ist es absolut notwendig, nach weiterer Literatur zu recherchieren. Dies liegt nicht zuletzt am Alter der Rede. Sie wurde in den Anfangsjah-ren der Weimarer Republik gehalten und blendet somit die fortschreitende Eingliederung heutiger Staaten in supranationale Verbünde wie der EU aus.

Fazit: Eine Beschaffung des Buches „Politik als Beruf“ kann für Studierende der Sozialwissenschaften durchaus empfohlen werden. Als allgemeine Grundlage ist es sowohl für den konkreten Bezug zum Fachgebiet der „Politischen Theorie“ als auch für zunächst fachfremd erscheinende Bereiche der politikwissenschaftlichen Forschung geeignet. So werden beispielsweise Zusammenhänge in verschiedenen politischen Systemen plastischer.darstellt.

Über die oben genannten Kritikpunkte lässt sich durch entsprechende Zeitinvestitionen in die Lektüre des Textes hinwegsehen.
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am 29. Januar 2004
Dieser 1919 gehaltene Vortrag behandelt die Entwicklung der politischen Machtverhältnisse bis zur Gegenwart. Weber nennt drei Rechtfertigungsmöglichkeiten für politische Herrschaft:
1. traditionale Herrschaft
2. charismatische Herrschaft
3.(durch Satzungen und Regeln)legale Herrschaft
Er unterscheidet außerdem zwischen Berufspolitikern, die "für" und denen, die "von" der Politik Leben und zeigt die Problematiken der Gesinnungs- und Verantwortungsethik auf.
Diese kurze Übersicht der prägnanten Inhalte sollte genügen, um einen Überblick über die wichtigsten Begriffe zu geben, die bis heute verwendet werden. Webers Vortrag ist über weite Strecken allgemeingültig und doch spezifisch.
Ich sehe von einer detaillierteren Inhaltsangabe ab, weil ich denke, diese 66 Seiten sollte und kann man in der weberschen Sprache lesen - sie gehören mit Sicherheit zu den wichtigsten der Politiktheorie.
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am 13. Mai 2008
Dies schmale Bändchen, als Schrift entstanden aus einem Vortrag vor bündischen Studenten, revidiert den eindimensionalen Demokratiebegriff angepasst korrekter Sozialkundelehrbücher. Als Broschüre wünschte man es auf den Plätzen unserer Legislativen verteilt, denn obwohl Ralf Dahrendorf ein entschärfendes Nachwort anhängt, steht Webers Politikbegriff eher in der Tradition von Machiavelli und offenbart eine Nähe zum späteren Carl Schmitt, als dass es ihm um liberale Bestimmungen ginge. Politik und Staat sind für ihn wesenhaft Gewalt und Macht, legitimiert durch die Autorität „traditionaler Herrschaft“, die „Gnadengabe persönlichen Charismas“ und den dezisionistisch anmutenden „Glauben an die Geltung legaler Satzung“. – Der wahrhafte Politiker ist Führer, Demagoge, Prophet und Feldherr. Weber beschreibt die Herausbildung des modernen Staates zwar als Ergebnis der Rationalität von Recht und Verwaltung; die Demokratie erscheint ihm aber gerade insofern nicht als sakrosankt, als dass sie Erneuerung und Inspiration erstickt im „Kuhhandel der Honoratioren“ und in der „unerhörten Langeweile“ der als „Zünfte von Stellenjägern“ verfassten Parlamentsparteien. Weber beschwört den „Ethos der Politik als Sache“ und fordert „Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmaß.“ Der moderne Politiker überwindet die Barrieren, die ihm die „Beamtenintelligenz“ der saturierten Parlamentarier setzt und stellt sich ins Wagnis: „Es ist ja durchaus richtig, und alle gesellschaftliche Erfahrung bestätigt es, dass man das Mögliche nicht erreichte, wenn nicht immer wieder in der Welt nach dem Unmöglichen gegriffen worden wäre.“ Er bindet sich aber absolut an eine kritische Verantwortungsethik, gerade weil er „sich mit diabolischen Mächten einlässt, die in jeder Gewaltsamkeit lauern.“ – Wenn jeder, der mutig und kritisch sich vorwagt, den Etablierten als „Populist“ gilt, dann kann man Webers kleine Schrift durchaus als Verteidigung des Populismus lesen. Ralf Dahrendorf: "Dahinter steht ein Bild von Politik, das sich nicht leicht abweisen lässt, möglicherweise ein plausibleres Bild, als es die modischen Lehrbücher der Demokratie liefern."
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am 11. Januar 2010
Was Max Weber in seinem "Berufsleitfaden" als Vortrag vor Studenten in der beginnenden ganz jungen parlamentarischen Demokratie formuliert hat, kann man heute noch jedem Berufspolitiker unters Kopfkissen legen in der Hoffnung, daß es wirkt.
Weber wollte damals das Thema nicht dem "Gesinnungspolitiker" Kurt Eißner überlassen, widerrief seine schon gemachte Absage an den Freistudentischen Bund der Universität München.
In einer Zeit, in der die Systemwahl der Regierungsform so unklar war wie selten, beleuchtete er die Felder der Ethik politischer Entscheidung-dass Verantwortung im Vordergrund stehen müsse, dass ohne die gesinnungstaktischen Belange aber keine Durchsetzbarkeit pragmatisch möglich sei.
Der Langmut und eine gewisse Härte werde verlangt, da von einer Vollerfüllung seiner eigenen Ziele im Diskurs nie auszugehen sei. Die Kürze, Verständlichkeit und Affektlosigkeit machen das Werk zu einem klassischen Text der politischen Bildung.
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am 9. Dezember 2009
.....und nach meinem Empfinden Pflichtlektüre für jeden Politiker. Insbesondere die Gegenüberstellung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik sollte sich der ein oder andere Politiker gründlich durchlesen.
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am 25. August 2010
D e r Klassiker für "Berufspolitiker" - Wenn auch nach dem I. Weltkrieg geschrieben hat dieses Büchlein nichts an Aktualität eingebüßt.
GM
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