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5.0 von 5 Sternen Das Mögliche und die Angst, 25. November 2006
Von 
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Rezension bezieht sich auf: Der Begriff Angst (Taschenbuch)
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"…. die Angst, daß ich mich verraten könnte und alles das sagen, wovor ich mich fürchte, und die Angst, daß ich nichts sagen könnte, weil alles unsagbar ist, - und die anderen Ängste . . . die Ängste. Ich habe um meine Kindheit gebeten, und sie ist wiedergekommen, und ich fühle, daß sie immer noch so schwer ist wie damals und daß es nichts genützt hat, älter zu werden."

Die Angst, spielt hier bei Rilke in den "Aufzeichnungen des Malte L. Brigge" eine herausragende Rolle. Und wie Kierkegaard auch Ibsen, Thomas Mann, Franz Kafka oder Max Fritsch beeinflusste, so eben auch Rilke in seinem Denken und Schreiben. Gunter Anders (Angst als Ware), Sartre und Heidegger ("Freisein für die Freiheit" ist Angst bildend) waren ebenso beeinflusst und haben sich auf dieses Thema in Bezug auf die Freiheit eingelassen. Epikur ging diesem Gedanken weit zuvor nach und fand Lösungswege. Hier verweise ich auf seine Schrift: "Von der Überwindung der Angst."

Nach Kierkegaard ist jeder Mensch sich der Spannungsverhältnisse zwischen der gegenwärtigen Einschätzung seiner Situation und den in gewisser Weise verfügbaren Alternativen bewusst. Für ihn gibt es keinen Menschen, "in dem zuinnerst nicht doch eine Unruhe, ein Unfrieden, eine Disharmonie wohnt, […], eine Angst vor einer Möglichkeit des Daseins oder eine Angst vor sich selbst." Was bedeutet nun diese Unsicherheit, diese Unruhe wirklich? Kierkegaards Konzept von der Angst ist neben dem der Verzweifelung ein zentrales Thema und beeinflusste berühmte Philosophen. Seine Beschäftigung mit der Angst umfasst ein weites Gebiet von Phänomenen, das u. a. von der Beschäftigung des Kindes mit dem Abenteuerlichen bis hin zu den Vorahnungen der sexuellen Reifung. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Bewusstsein von Freiheit. Direkt zu Anfang seines Werkes trennt er Angst von Furcht, da Furcht sich auf etwas Gegenständliches bezieht, während Angst sich auf etwas bezieht, "auf etwas, das Nichts ist." "Die Wirklichkeit der Freiheit als Möglichkeit für die Möglichkeit" wird von Kierkegaard als Phänomen Angst beschrieben, und kommt aus dem Inneren, und Sartre, Kierkegaard folgend, ergänzt, in dem er von "Angst vor mir selbst" sprach. Angst entsteht im handelnden Subjekt, nicht von aus außen. Sie ist ein ambivalenter Schwebezustand, angezogen und abgestoßen von der ängstigen "Möglichkeit zu können". Angst ist "Schwindel der Freiheit", der da entsteht, wenn "die Freiheit in ihre eigene Möglichkeit hinabschaut und dann die Endlichkeit ergreift, sich daran festzuhalten." Diese vehemente Dringlichkeit, mit der sich Kierkegaard seinem Thema nähert ist schon die Vorwegnahme der Ideen der späteren Existentialisten.

Kierkegaard ist Widerstreiter zu Hegel (obwohl er seine Begriffe umdeutend gebraucht). Ebenso positioniert er sich als ein Philosoph des Christentums. In dieser Rolle ist sein Anliegen, den Begriff Angst in der Erörterung der Erbsünde zu bestimmen. Der paradiesische Sündenfall schafft erst die Klärung von Gut und Böse und deren Folgen. Das Verbot, vom Baum der Erkenntnis zu essen, "weckt in ihm [den Menschen] die Möglichkeit der Freiheit." Der Wechsel des Zustandes von der unbewussten Ummittelbarkeit zu einem des Selbstbewusstseins und der Selbstbestimmung erfolgt in jedem Individuum. Unschuldig ist der "Geist träumend im Menschen" und die Möglichkeit der Zukunft ist das "tiefe Geheimnis der Unschuld, dass sie zur gleichen Zeit Angst ist." Eine wichtige Möglichkeit ist die Erfahrung der Sünde. Mit dem Verlust der Unschuld (Unwissen) wächst Erkenntnis von Schuld und Freiheit. Freiheit schafft Möglichkeiten, die es zu ergreifen oder zu verfehlen gilt. Freiheit ist ebenso Handlungsfreiheit und hier ist er sicherlich in der moralischen Folge Kants zu sehen, der Handeln in den sich selbst gegebenen Gesetzten als willentliches Freisein definierte. Max Stirner in: "Der Einzige und sein Eigentum" spricht deutlich von der subjektiven Eigenheit, von der egoistischen Selbstbestimmung in Freiheit. ("Und nun nehme ich die Welt als das, was sie mir ist, als die meinige: Ich beziehe alles auf mich.") Folgt man diesem Anspruch in Gänze ist auch Kierkegaard zu verstehen, für den "die Entsagung innerhalb der Möglichkeit ein Begehren ist". Es zeigt sich, dass die Freiheit des Möglichen Gut und Böse in der Beurteilung einschließt. Shakespeares Hamlet stuft jedoch den Menschen im Nichtnutzen der göttlichen Eigenschaften des Denkens zur allumfassenden Bildung und Erkenntnis als rein tierisch ab, sieht aber auch die Angst vor dem Guten, wenn er seine beiden Freunde ermahnt, "allem einen Sinn, aber keine Zunge" zu geben.

Einfluss Kierkegaards auf die Dichtung ist am Beispiel Rilke und Zweig (Novelle: ANGST) offensichtlich. Sartre und Heidegger haben seine Ideen zweifelsohne aufgegriffen. Überwindung von Angst lehrt uns Epikur, in dem er Freundschaften dagegenstellte. In Joh 16,33 finden wir ebenso: "In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost ich habe die Welt überwunden." Kierkegaard kann Angst nicht überwinden, weil es für ihn gleichbedeutend mit dem Ende des Möglichen ist. Vielmehr schließt er sich der Idee des Märchens an, "nämlich zu lernen, wie man sich ängstigt, damit er nicht entweder dadurch verloren geht, dass ihm nie eine Angst gewesen, oder dadurch, dass er in der Angst versinkt; wer dagegen gelernt hat, sich in der richtigen Weise zu ängstigen, der hat das höchste gelernt." Dieser Mensch ist "durch Angst gebildet". Dieser Bildung folgt der Glaube, wie er konstatiert und somit schließt er am Ende den Kreis vom psychologischen Philosophen zum philosophischen Theologen.

Kierkegaard gehört zu den großen und beeinflussenden Philosophen, ein Ausflug in seine Gedankenwelt ist lohnenswert. Mich hat die Lektüre von Rilke erneut dazu gebracht.
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36 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen wichtig für Existenzphilosophen, 3. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Der Begriff Angst (Taschenbuch)
Dieses eher kleine Werk von Kierkegaard gehört zu unrecht zu seinen weniger bekannten. Der Untertitel "Eine einfache psychologisch-hinweisende Überlegung in Bezug auf das dogmatische Problem der Erbsünde" mag auf manche, die Kierkegaard für einen bloßen Theologen halten, ein wenig abschreckend wirken. Dabei findet sich in diesem Buch ein, im Vergleich zu "Furcht und Zittern" oder "Die Krankheit zum Tode", erfrischend spielerischer Umgang mit dem Christentum. Der Mythos der Erbsünde wird für Kierkegaard zum Anhaltspunkt, einige Vorgänge, die sich in jedem Augenblick in der menschlichen Psyche abspielen, zu beschreiben und zu analysieren. Begriffe wie Schuld oder Sünde scheinen dabei ihre negativen Konnotationen zu verlieren, ohne dass von ihrer Tragik abgesehen wird. Die Gewöhnung an den wertfreien Umgang mit solchen Begriffen ist eine hervorragende Vorbereitung für die Lektüre von späteren Existenzphilosophen wie Sartre oder Heidegger, die gerade diesem Buch von Kierkegaard viel zu verdanken haben. Als Einstieg in Kierkegaards Philosophie ist dieses Buch allerdings nur bedingt geeignet, da es vielleicht dafür ein wenig zu schwer verständlich ist. Deshalb auch ein Stern Abzug und die Empfehlung, lieber mit dem poetischeren "Entweder-Oder" oder der systematischeren "Krankheit zum Tode" zu beginnen. Nichtsdestotrotz enthält dieses Werk zentrale Aussagen von Kierkegaards Philosophie. Vor allem seine Analyse des Augenblicks bleibt wohl das Brillianteste, was über das Problem der Zeit geschrieben wurde.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Begriff Angst, 30. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Begriff Angst (Taschenbuch)
interessantes und sehr informatives Buch.
Kann man jederzeit empfehlen.
Würde ich wieder kaufen.

Also bis dann, ihr Leseratten.
Danke bis dann.
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Der Begriff Angst
Der Begriff Angst von Sören Kierkegaard (Taschenbuch - 1992)
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