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am 27. Oktober 2001
Johann Elias Schlegel, Canut (1746)
„Canut" ist ein Drama, das 1746 erschienen ist. Der Stoff stammt aus der dänischen Geschichte. Das Trauerspiel war sehr erfolgreich. Erst nach Lessings Dramen hat es stark an Bedeutung verloren. Die Dramen der Aufklärung enthalten normalerweise keine Stoffe aus der jeweiligen nationalen Geschichte, sondern aus der Antike; so gesehen ist „Canut" eine Ausnahme und für die Zuschauer ungewohnt. Im Theater sieht Schlegel die Möglichkeit leichter und besser auf die deutsche (aber auch auf die dänische) Gesellschaft einzuwirken. Die Theateraufführung führt nämlich in Schlegels Augen zu einer Vergrösserung der Bildung und einer Verbesserung der Denkgewohnheiten sowie der Umgangssitten. Weiter werden durch das Theater die Ideen der Aufklärung, die Förderung von Vernunft und Tugenden, verbreitet und gefestigt.
Mit dem Titelhelden Canut ist der dänische König Knut der Grosse gemeint. Er stellt in diesem Drama einen vernünftigen, tugendhaften und alle seine Handlungen mit massvoller Einsicht lenkenden König dar. Er verkörpert also das Herrscherideal des aufgeklärten Absolutismus. Als sein Gegenspieler erscheint sein Schwager und ehemaliger Gefolgsmann Ulfo, der leidenschaftlich nach Freiheit und Ruhm strebt. Nur durch Betrug kann er das Herz von Canuts Schwester Estrithe, welches sie eigentlich einem treuen Gefolgsmann Canuts versprochen hat, erobern. Die Aufklärung über den Betrug und die Summe von Ulfos Schandtaten bilden den Kern der Handlung: Nachdem Ulfo einen blutigen Putschversuch gegen Canut unternommen hat, bittet Estrithe ihren Bruder, Ulfo zu verzeihen, und erhofft sich die Versöhnung zwischen den beiden Männern, denen ihre Treue gilt. Der König bietet Ulfo sogar eine neue Chance, zukünftig auf legale Weise an der Spitze eines Heeres Ruhm zu erwerben. Doch Ulfo sieht darin nur die Gelegenheit Canut ein zweites Mal auszustechen, indem er das dänische Heer gegen den König führen will. Aber auch dieses Mal misslingt sein Plan. Ulfo hat sich nun endgültig als Unmensch entlarvt. Nach Canut ist jemand, der nicht menschlich sein will, nicht wert zu leben. Canut braucht das Todesurteil an Ulfo nicht zu vollstrecken, denn ein Verbündeter Canuts tötet Ulfo in Notwehr. Ulfo verliert durch seine eigene Schuld sein Leben.
Unserer Meinung nach ist das eigentliche Thema des Stückes der Gegensatz zwischen dem Ideal des aufgeklärten Menschen (Canut), der nur positive Eigenschaften wie Güte, Selbstbeherrschung, Tapferkeit und Gerechtigkeit besitzt, und dem unbeherrschten und rücksichtslosen Bösewicht (Ulfo). Canut und Ulfo unterscheiden sich aber nicht nur in ihren charakterlichen Eigenschaften, die beiden haben auch unterschiedliche moralische Prinzipien. Ulfo entspricht nicht dem Ideal der Aufklärung, Canut hingegen schon. Er denkt und handelt vernünftig, d.h., er handelt richtig und dies führt zu Erfolg und Glück. Erfolg, das hat Ulfo nicht. Er stürzt sich durch sein unvernünftiges Handeln selbst ins Verderben, weil er unfähig ist in Frieden mit seinen Mitmenschen zu leben. Ulfo ist der Mensch, der sich selbst verwirklichen muss und so zu allen Mitteln greift, um sein Ziel zu erreichen - auch zu solchen Mitteln, die mit den aufklärerischen Idealen Recht, Sitte, Tugend und Treue in krassem Widerspruch stehen.
Estrithes Aufgabe ist es, den Erwartungen ihres Bruders sowie ihres Gatten gerecht zu werden. Infolge der ihr aufgebürdeten Pflichten steht Estrithe im Spannungsfeld zweier unvereinbarer Loyalitäten.
Der Gegensatz zwischen den beiden moralischen Prinzipien führt zur Verdeutlichung der verschiedenen Charaktere. Für Schlegel ist es wichtig, dass keine Person uncharakterisiert bleibt. Jedem soll etwas Seltenes gegeben werden, welches die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich zieht, so dass er diese Person lieb gewinnt und mit ihr leidet. Ein Stück mit blossen Typen, ohne Charaktere, ist ein Stück ohne alle Wahrscheinlichkeit, weil die Ursache, warum ein Mensch so oder so handelt, eben in seinem Charakter liegt. Alle Personen im Stück haben deshalb einen besonderen Charakter, der das Trauerspiel erst interessant macht. Schlegel hat die Charaktere nach nationalen Eigenschaften der Dänen gewählt. Canut ist die Person, die das Herz des Lesers einnimmt. Er kann allerdings nicht als Hauptperson betrachtet werden, da er sich eher passiv verhält, immer die Ruhe bewahrt und somit kein tragisches Mitleid erregt, wie es von einer Hauptperson verlangt wird. Ulfo dagegen, der so hassenswürdig und trotzig ist, zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Estrithe ist die einzige Figur, die wirklich das Mitgefühl der Zuschauer erregt. Ihre Liebe zu Ulfo ändert sich trotz all seiner Freveltaten nicht, sie ist bis zum Ende um sein Leben besorgt.
Die Lektüre war für uns sehr spannend. Dazu beigetragen haben die flüssigen Verse, die treffende Ausdrucksweise und die dichterischen Qualitäten Schlegels. Denn Schlegel erzählt nicht nur die blossen Ereignisse, sondern setzt seine Figuren so ein, dass jede etwas Besonderes darstellt.
Da die Sprache ziemlich anspruchsvoll ist, hatten wir zu Beginn der Lektüre ein wenig Mühe. Doch sobald die Sprache einmal vertraut ist, wird das Drama unterhaltsam. Es ist vor allem interessant herauszufinden, was der Autor mit dem Text sagen will. Wir denken, dass Schlegel mit seinem Trauerspiel die erwünschte Wirkung, nämlich die Ideen der Aufklärung zu vermitteln, erreicht hat. Canut stellt für die Zuschauer ein Vorbild dar. Schlegel möchte also die Zuschauer dazu bringen, dass sie versuchen sich in Canut hineinzuversetzen, seine Eigenschaften zu erkennen und somit vermehrt so denken wie er.
Dass jede Person im Drama einen eigenen Charakter hat, verleiht dem Stück etwas Lebendiges. Estrithe empfinden wir als eine sehr merkwürdige Person, denn manchmal können wir ihre grosse Geduld gegenüber Ulfo und ihre Liebe nicht nachvollziehen. Bei Ulfo verstehen wir nicht, warum er nicht einfach aufgibt und sein Schicksal akzeptiert. Er kämpft immer weiter und opfert für sein Ziel sogar sein Leben. Canut hat auch uns sehr beeindruckt. Seine ruhige Art zu handeln ist erstaunenswert.
Wer sich für die Zeit der Aufklärung interessiert, hat hier ein lebendiges Bild. Auch all jenen, die sich mit einem emotionalen Charakterdrama auseinander setzen wollen, ist „Canut" zu empfehlen.
Carmen Sax & Bianca Spescha, Bündner Kantonsschule, Chur
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am 13. Juni 2009
... ist dieses Stück noch heute für die Welt der Politik. Macht, Ruhm und Ansehen sind hier die Triebkräfte, die die Handlung vorantreiben; begleitet, beschleunigt oder auch gehindert von Pflicht, Güte, Liebe. Canut liest sich sehr gut, auch wenn es in Versen geschrieben ist. Ich habe es sehr gern gelesen, da man menschliche Charakterzüge darin sehr gut wieder erkennen.

Es ist wirklich lesenswert; auch wenn es keine Pflichtlektüre in einem Germanistikseminar ist.
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