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5.0 von 5 Sternen Die Leere und das verzweifelte Ich., 22. Mai 2007
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Gedichte: Fêtes galantes, La Bonne Chanson, Romances sans paroles: Franz. /Dt (Taschenbuch)
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"Und so muss ich gehen / Im Herbstwehn / Und Wetter,

Bald hier, bald dort, / Verweht und verdorrt / Wie die Blätter."

Das Herbstlied von Paul Verlaine (1844 -1896) ist eine treffende Beschreibung seines Lebens. Im Mief der Amtsstuben als Beamter hielt er es nicht mehr aus, das Wirtshaus wurde zur zweiten Heimat. Seine ersten Gedichtsammlungen zeigten bereits die ganze Meisterschaft des unglücklichen Lyrikers. Seinen Worten wohnt Musik inne, so begann seine Dichterkarriere im dennoch unsteten Leben. Selbst seine Heirat (1869) rettete ihn nicht davor, die Alkoholexzesse wiederholten sich, insbesondere ab dem Jahre 1871, seit dem ihn eine homophile Freundschaft mit Rimbaud verband. Einem Streit im Rausch folgte ein Schuss, Rimbaud wurde an der Hand schwer verletzt. Verlaine ging für 18 Monate ins Gefängnis und konnte danach im bürgerlichen Leben trotz mehrerer Anläufe, unter anderem in England, nicht mehr Fuß fassen. Die Freundschaft mit Rimbaud war dahin. Selbst der Ruhm, der sich nun einstellte, und die Verehrung, die er bei der jüngeren Dichtergeneration genoss, vermochten den kranken Poeten nicht mehr aufzurichten. Am 8. Januar 1896 starb einer der bedeutendsten Lyriker des Symbolismus in Paris.

Und den jungen, nach Gedichten lechzenden Menschen wie Stefan Zweig und Hofmannsthal gab Paul Verlaine zuvor die Liebe zum Gedicht, zur Lyrik wie zur Prosa. (vgl. Stefan Zweig; Die Welt von Gestern)

Bezogen auf sein Werk ist er nur in einer Dreier-Gruppe zu verstehen. Begeistert von Baudelaire, der wiederum das Erbe von Hugo angetreten hatte, macht er sich auf, seine Lorbeeren durch Gegensätzliches zu verdienen. Die ersten Verlaine Gedichte sind nicht von einer Natur auffressenden künstlichen Ästhetik eines Baudelaire, sie sind einfach und auf den Klang ausgerichtet. So ist Musik im Reim die Hauptkunst des Paul Verlaine, bis er auf den auf die Gegenwart nichts gebenden Rimbaud traf, seine Unbekümmertheit im Leben und anschließend diesen selbst lieben lernte. Ab diesem Zeitpunkt ist die Lyrik eines Verlaine nur noch im Widerstreit mit Rimbaud zu betrachten und gerade deshalb auf höchstem Niveau mit begeisternder Phantasie. Man spürt dieses insbesondere in Rimbauds "Eine Zeit in der Hölle", welches er Verlaine entgegensetzte. Dieser: Ich werde ein Arbeiter sein, und Rimbaud ihn als Höllengemahl und törichte Jungfrau abservierte. Für ihn war Verlaine nur ein masochistischer Opportunist, weder der Verdammnis noch der Erlösung wert.

Verlaine schrieb 1873 dagegen die Romanzen ohne Worte, just in dem Jahr, als Rimbaud die Zeit der Hölle empfand. Und in Brüssel schließlich übermannte der Rausch Verlaine, "Ohne Ende seh' weit die Allee [...] sollt' dies Blätterdach unserer Liebe sein". Und weiter spürt er das Ende der Beziehung "O, was nistet dort unsere Liebe nicht!" Ein Schuss und die Folgen.

In London nach dem Arrest war er allein und auf der Suche nach neuer Liebe und doch voll Trauer, wenn er schreibt, dass nichts mehr zählt, "Und nichts mehr, nichts, außer dir!" Und weiter: "Mein Gott, durch deine Liebe ward ich wund. [...] Doch was ich habe, Gott, will ich dir geben."

Verlaine war zeitlebens Christ und die alles Heilige abkehrende und beleidigende Art Rimbauds macht ihn zu einem Zweifler, doch im hohen Alter zeigte er Reue und besann sich erneut. "Geheiligt ist der Mensch nach der geweihten Speise, [...], wenn ihm Verzeihn und Glück die heilige Ölung spendet."

Wie Rimbaud, der den Aufenthalt in der Hölle beendet mit einer Wendung nach innen, der auf dem Sterbebett sich bekehrte, ist es Verlaine, der seine inneren Wurzeln wieder entdeckte. Aber immer verbunden mit der Sehnsucht nach erfüllter Liebe. Und so schreibt er als letzte Hoffnung, die sein ewiges Zweifeln besiegen sollte: "Ach leben, leben! Meine Schöne, das kalte Nichts besiegte mich, Doch leb ich dir im Herzen? SPRICH!"

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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf der Zeitspur, 22. Juni 2005
Von 
Klaus Grunenberg (97447 Gerolzhofen, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Gedichte: Fêtes galantes, La Bonne Chanson, Romances sans paroles: Franz. /Dt (Taschenbuch)
Der Zeit nachspüren und geworfen zu sein in ein ganz anderes Leben als man träumt und dennoch ab und an das zu finden,was man sucht, das kann man auch Poesie nennen, wenn es zudem in schriftlicher Form zustandekommt.
Paul Verlaine, in Metz am 30. März 1844 als Sohn eines Offiziers geboren, hat all dies erlebt und ist ihm nachgegangen.
Da sitzt er nun in seinem langweiligen Büro als einfacher Mensch, hat leider sein Jurastudium abgebrochen und das Leben, so scheint es, geht an ihm vorbei.
Paris ist seine eigentliche Heimat, solange er sich dort verlaufen kann und Freunde genug hat, Dichter und andere Künstler, die ihn umfangen, wie eine zweite Haut.
Dann seine ersten Gedichte, galante Stücke, die jedoch nicht so richtig gewürdigt werden anfangs, dann ein zweiter Lyrikband, voll von farbiger Gestaltung, Reime und Ungebundenes und wiederum viel Rhythmus ganz im Sinne der Parnassiens, einer Dichttergruppe in Paris.
Dann die Heirat und ein Jahr später ein Brief eines 16-Jährigen an ihn, der ihn verändert, es ist Rimbaud, der schreibt, sein Freund und Gefährte, mit dem er durch halb Europa zieht und nun schreibt er ganz anders, modern einfach und hinweisend auf alle, die nach ihm kommen als Dichter. Er verfällt dem Alkohol, ist sichtlich ganz daneben und dennoch, welch ein Fest der Literatur, die dieser Mann entfesselt.
Wäre er Richter oder Anwalt geworden, was hätte er Gutes tun können, so ist er ein Dichter geworden, nur das und das genügt bis heute.
Dieses Bändchen bringt drei seiner frühen und schönsten Bände wieder mit vielen Abbildungen und einer ausgezeichneten Übersetzung von Richard Berger.
Anmerkungen und Nachwort sind ausführliche Begleiter
zu diesem Band.
Verlaine ist als französischer Lyriker als früher Vertrer des Symbolismus zu verstehen, der Einfluß hat auf die gesamte europäische Lyrik.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für manche besser als Baudelaire...., 22. Februar 2006
Von 
Kankin Gawain "Bis übermorgen dann..." (Eutopia) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gedichte: Fêtes galantes, La Bonne Chanson, Romances sans paroles: Franz. /Dt (Taschenbuch)
habe ich mir so während des Lesens gedacht. Denn wer Lyrik lesen möchte, die zwar den dekadenten Charme Baudelaires nicht vermissen läßt, andererseits aber nicht so "spleenig" ist wie dieser, dem sollte Verlaine empfohlen werden. Gewiss, das routinierte Verknüpfen höchster, transzendental aufgeladener Bilder mit niedersten "allzumenschlichen" Motiven, gibt es bei Verlaine nicht so oft wie bei seinem grossen Zeitgenossen, dafür erscheint aber Verlaines Poesie, geerdeter, gelegentlich sogar "erdiger" und hat vielleicht deshalb sogar mehr Substanz.
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Gedichte: Fêtes galantes, La Bonne Chanson, Romances sans paroles: Franz. /Dt
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