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80 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Des Lesers liebstes Missverständnis
Auch wer Thomas Hobbes nicht kennt, kennt zumindest einen Satz: Homo homini lupus, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf ist. Und dieser hat die Rezeptionsgeschichte, zumindest wenn sie um eine echte Lektüre rum kommen will, seit jeher beeinflusst. Macht er doch ein einfaches Urteil möglich: Hobbes hat ein negatives Menschenbild. Was auch auf der...
Veröffentlicht am 25. April 2002 von A. Bock

versus
41 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Eine unvollständige Ausgabe
Diese Ausgabe ist leider nicht das Buch, was man sich erhofft.
Damit meine ich nicht das Geschriebene an sich, sondern die fehlenden Bücher Hobbes. Das Original besteht aus 4 BÜCHERN:

- Of Man
- Of Commonwealth
- Of a Christian Commonwealth
- Of the Kingdom of Darkness

(Sowohl in Englisch als auch auf Deutsch)...
Veröffentlicht am 10. April 2008 von M. Lau


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41 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Eine unvollständige Ausgabe, 10. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Leviathan (Gebundene Ausgabe)
Diese Ausgabe ist leider nicht das Buch, was man sich erhofft.
Damit meine ich nicht das Geschriebene an sich, sondern die fehlenden Bücher Hobbes. Das Original besteht aus 4 BÜCHERN:

- Of Man
- Of Commonwealth
- Of a Christian Commonwealth
- Of the Kingdom of Darkness

(Sowohl in Englisch als auch auf Deutsch)
Allerdings birgt diese Ausgabe nur die ersten zwei Teile.
Dazu gibt es jedoch nirgends einen Hinweis.
Somit muss man sich notgedrungen ein neues Buch holen, wo alle Teile drin sind. Denn ein Buch, wo nur Teil 3 und 4 zu lesen sind, existiert nicht.

Über den Inhalt gibt es nichts Negatives zu bemängeln, im Gegenteil es ist sehr gut, wenn auch z.T. sehr anspruchsvoll geschrieben. Sowohl in puncto Formulierung, als auch den Fachbegriffen.

WENN SIE ALSO LEVIATHAN LESEN WOLLEN; (was ich dringendst empfehle) DANN EINE AUSGABE WO AUCH DER KOMPLETTE LEVIATHAN NIEDERGESCHRIEBEN IST!!!
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80 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Des Lesers liebstes Missverständnis, 25. April 2002
Von 
A. Bock (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Leviathan (Taschenbuch)
Auch wer Thomas Hobbes nicht kennt, kennt zumindest einen Satz: Homo homini lupus, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf ist. Und dieser hat die Rezeptionsgeschichte, zumindest wenn sie um eine echte Lektüre rum kommen will, seit jeher beeinflusst. Macht er doch ein einfaches Urteil möglich: Hobbes hat ein negatives Menschenbild. Was auch auf der Ankündigung von Amazon zu lesen ist. Hier heißt es, dass für Hobbes der Mensch "kein geselliges, staatsbildendes Wesen, sondern ein Raubtier voller Bosheit und destruktiver Instinkte" ist. Und weiter: "Kein Gesetz, kein staatlicher Zwang hält die Menschen auf, und ihr ungezügelter Selbsterhaltungstrieb führt zwangsläufig zu einem 'Krieg aller gegen alle'."
So einfach macht es Hobbes dem Leser allerdings nicht. Und wer sich die Mühe macht, den "Leviathan" ganz zu lesen, wird feststellen, dass sich die Sache etwas anders darstellt. Hobbes redet zwar keinem liberalen Rechtsstaat das Wort, sondern einem omnipotenten Absolutismus, aber von einem negativen Menschenbild, das alle Menschen zu Tieren auf zwei Beinen macht, fehlt auch jede Spur. Und wer den gern zitierten Satz, der übrigens gar nicht aus dem "Leviathan" stammt, ganz liest, wird dies auch feststellen. Komplett heißt es nämlich: Homo homini lupus, homo homini deus, dass der Mensch dem Menschen auch ein Gott sein kann. Der erste Teil gilt laut Hobbes für den Fall des vorstaatlichen Zustands, der zweite für das Leben der Menschen in einem Staat.
Wer Hobbes verstehen will, muss sich die Mühe machen und ihn lesen (vielleicht auch seine Schriften "De Cive" und "De Homine"). Es lohnt sich, und sei es nur, um festzustellen, was für einen Staat man bestimmt nicht will.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Vorsicht vor der Hobbes-Übersetzung von Kai Kilian: sie ist brutal gekürzt, 28. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Leviathan (Gebundene Ausgabe)
Man kann das schon machen, den Text für eilige Leser zu kürzen.
Dann soll das aber in der Beschreibung ersichtlich sein.
Demjenigen, der sich genauer mit Leviathan befassen will und neben der sprachlich etwas unhandlichen Originalfassung etwas komfortabel, gleichwohl sinnerhaltend Lesbares sucht, kann man nur raten: Finger weg von dieser Ausgabe!
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das bedeutendste Werk der Politischen Philosophie in englischer Sprache, 24. Mai 2007
Von 
Dr. Horst Wolfgang Boger (Berlin & Potsdam, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Hobbes' "Leviathan, or The Matter, Forme, & Power of a Common-Wealth Ecclesiasticall and Civill", nicht nur in Tucks Sicht "arguably the greatest piece of political philosophy written in the English language", tritt uns hier in einer besonders leserfreundlichen Gestalt entgegen, wozu die kenntnisreiche Einleitung des Herausgebers, die editorische Notiz, Hobbes' Biographie, die biographischen Notizen und Referenzen (von "Aaron" bis "Zephanja"), die mitgegebenen Literaturhinweise, die drei Verzeichnisse (Sachindex, Namensindex und Index der Ortsnamen), die Konkordanz (Tuck - Macpherson - Oakeshott - Molesworth), das gelungene Seitenlayout und die angenehme Typographie wesentlich beitragen.

In seiner kenntnisreichen und wohlformulierten und gegenüber der Ausgabe von 1991 verbesserten, aktualisierten und erweiterten Einleitung stellt Tuck die Vita und das Opus von Hobbes vor. Er betont den Einflusss der kontinentalen Renaissance-Kultur auf Hobbes (immerhin verbrachte Hobbes zwischen 1610 und 1640 acht Jahre auf dem Kontinent, wo er unter anderem die Auseinandersetzung der Venezianer mit dem Papst miterlebte und wo er mit Galilei zusammentraf). Zu recht weist Tuck darauf hin, dass der "Leviathan", obgleich in einem monarchischen Staat entstanden, eben kein Plädoyer für die (Erb-)Monarchie ist, ein Umstand, der ihn bei den Royalisten sogleich in Verruf bringen musste. Der englische König (oder die Königin) wurde (und wird) nicht durch einen Vertrag bestellt, sondern kam (und kommt noch) allein durch Sukzession auf den Thron, durch Sukzession, die als göttlich oder durch Tradition legitimiert gilt. Insofern ist der Leviathan eindeutig republikanisch-demokratisch. Auch für einen zumindest latenten Liberalismus im Denken Hobbes' lassen sich Belege finden. An erster Stelle kann der Vertragsgedanke selbst genannt werden: Annähernd Gleiche und Freie schließen einen Vertrag, auf der die gesamte Ordnung beruht. An zweiter Stelle kann die natürliche Freiheit einer jeden Person angeführt werden, die die (politische) Vertragsfreiheit einschränkt. So ist jede Person berechtigt, ihr eigenes Leben zu schützen, so ist niemand verpflichtet, sich selbst zu töten, ungeachtet dessen, was der vertraglich bestellte Souverän befiehlt. Schließlich, und damit unmittelbar zusammenhängend, haben alle Bürger ein Widerstandsrecht: Wenn der so eingesetzte Souverän seine vertraglichen Pflichten nicht erfüllt, wozu vor allem die Pflicht zum Schutz von Leib und Leben gehören, dann endet auch die Pflicht der Bürger zum Gehorsam, denn der alleinige Zweck der Gehorsamspflicht ist Schutz.

Hobbes "Leviathan" ist ein klassisch gewordenes Werk der neuzeitlichen politischen Theorie und Philosophie, sein Erscheinungsdatum, 1651, liegt über dreieinhalb Jahrhunderte zurück. Die Zahl der Abhandlungen, die sich mit ihm befassen, ist kaum noch zu überblicken.

Der "Leviathan" besteht aus vier Teilen: Der erste (Kapitel 1-16) handelt vom Menschen, der zweite (Kapitel 17-31) vom weltlichen Staat (Common-wealth), der dritte (Kapitel 32-43) vom christlichen Staat (Christian Common-wealth) und der vierte (Kapitel 44-47) vom Reich der Finsternis (Kingdome of Darknesse).

Im ersten Teil stellt Hobbes sein extrem nüchternes, mechanistisches, an der Physik und Geometrie seiner Zeit orientiertes, zum Teil pessimistisches Menschenbild vor, ein Menschenbild, das ihm den Ruf eingebracht hat, derjenige Autor zu sein, "der das politische Verhalten der Menschen ausschließlich durch das Eigeninteresse zu erklären suchte", wie J. Plamenatz sagte. (Am Ende von Kapitel 18 wird zusätzlich die menschliche Neigung zur Zukunftsdiskontierung hervorgehoben.) Hobbes vertritt ausdrücklich eine Markttheorie des Wertes eines Menschen: "Der Wert ("Value, or WORTH") eines Menschen ... ist sein Preis; d. h., er richtet sich danach, wie viel man für den Gebrauch seiner Kraft geben würde. Er ist daher nicht absolut, sondern abhängig vom Bedürfnis und vom Urteil anderer". Die Würdigkeit ("Worthinesse") dagegen besteht in der besonderen Fähigkeit, bestimmte Aufgaben, z. B. ein Richteramt, zu übernehmen. "Würde" ("Dignity") schließlich wird mit Hilfe von "Wert" charakterisiert, nämlich als der "öffentliche Wert eines Menschen", als der "Wert, den ihm der Staat zuspricht" (Kapitel 10).

Hobbes nimmt an, dass die Menschen trotz aller Unterschiede hinsichtlich ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten annähernd gleich sind, insbesondere gleich in ihrem Vermögen, sich gegenseitig zu bedrohen. Aus dieser Gleichheit entsteht eine "Gleichheit der Hoffnung, unsere Absichten erreichen zu können." Daraus entwickelt er dann seine zentrale sozio-ökonomische Konflikt- und Knappheitshypothese: "... wenn ... zwei Menschen nach demselben Gegenstand streben, den sie jedoch nicht beide haben können, so werden sie Feinde und sind in Verfolgung ihrer Absicht ... bestrebt, sich gegenseitig zu vernichten oder zu unterwerfen". Aus der Gleichheit - nicht etwa aus der Ungleichheit! - entsteht Misstrauen, aus dem Misstrauen der (präventive) Krieg (Kapitel 13). Die Ursachen des Konflikts, nämlich Konkurrenz, Misstrauen und Ruhmsucht, sind in der menschlichen Natur zu finden. Ohne eine Macht, die die so disponierten Menschen im Zaum hält, leben und verbleiben sie im bloßen Naturzustand, der identisch ist mit dem Krieg eines jeden gegen jeden (Kapitel 14). In diesem Zustand aber kann kein Fleiß gedeihen, weil sich niemand seiner Früchte sicher sein kann. Es herrscht fortdauernde Furcht und die Gefahr eines gewaltsamen Todes und - in den eindringlichen, berühmt gewordenen Worten - "the life of man, solitary, poore, nasty, brutish and short." (Kapitel 13).

Zentral für den Leviathan ist die Vertrags-, vor allem aber die Souveränitätsdoktrin, die im zweiten Teil vorgestellt wird. Während Bienen und Ameisen untereinander in einer natürlichen Übereinstimmung zusammenleben, ist die Übereinstimmung der Menschen künstlich, da sie auf einem Vertrag beruht. (Später wird Hume diese Unterscheidung von "natürlich" und "künstlich" in seinem "Treatise", III.i.2, aufgreifen, wobei er jedoch in seinem Essay "Of the Original Contract" den Vertragsgedanken ausdrücklich verwirft.) Eine solche Übereinstimmung aber ist labil und verletzlich, sie bedarf zu ihrer langfristigen Sicherung einer allgemeinen, höchsten Gewalt, eines Souveräns, denn "Verträge ohne das Schwert sind nur Worte und besitzen keine Kraft, einem Menschen auch nur die geringste Sicherheit zu bieten". (In den Kapiteln 18 und 21 wird dies wiederholt.) Der einzige Weg dazu führt über die Übertragung der Macht der Individuen "auf einen Menschen oder eine Versammlung von Menschen, die ihre Einzelwillen durch Stimmenmehrheit auf einen Willen reduzieren können". Diesen einen Willen, "eine wirkliche Einheit aller", nennt Hobbes - unter Anspielung auf das Buch Hiob - "Leviathan", oder ehrerbietiger den "sterblichen Gott". Der politische Staat ist ein "Staat durch Einsetzung", durch Autorisierung, nicht ein "Staat durch Aneignung" (Kapitel 17).

Der Souverän, sei es ein Monarch oder eine Versammlung, hat eine Hauptaufgabe, nämlich für die Sicherheit der Bevölkerung zu garantieren, wobei unter "Sicherheit" nicht nur die Erhaltung des physischen Lebens gemeint ist, sondern auch die Sicherung des Eigentums, d. h. dessen, was durch rechtmäßige Arbeit erworben wurde. Diese Sicherheit wird durch "gute Gesetze" geschaffen, d. h. durch solche Gesetze, die allen nützlich sind. Zudem sind diese Gesetze auch gerecht, da sie von einem Souverän beschlossen wurden, dessen legislative Kompetenz durch Übereinkunft zustande gekommen ist: "whatsoever the Gamesters all agree on, is Injustice to none of them" (Kapitel 30; vgl. auch Hobbes' "De Cive", III.vii, wo er sich auf das römische Rechtsprinzip "Volenti non fit iniuria" beruft, das er allerdings durch seine Theorie eigenständig zu begründen können glaubt). Zu dieser Sicherheit durch Billigkeit ("equity") gehören auch Rechts- und Steuergleichheit, ausreichende materielle Grundsicherung für unverschuldete Arbeitsunfähigkeit, ein adäquates Strafrecht sowie ein angemessenes Gratifikationssystem, das Leistungsanreize bereitstellt.

Ein Staat ist immer durch "innere Krankheiten" gefährdet, durch Herrscher, die keine Macht ausüben wollen (denn dies provoziert die Rebellion), durch falsche Auffassungen wie die, jeder könne Richter in eigener Sache sein, niemand dürfe gegen sein Gewissen handeln oder die Rückführung von Heiligkeitsansprüchen auf übernatürliche Eingebungen (denn dies führt zu allgemeiner Verwirrung), durch die die Lehre von der Gewaltenteilung (denn Gewaltenteilung ist nichts anderes als Auflösung und damit gegenseitige Zerstörung). Solche Krankheiten werden verbreitet durch "ungebildete Geistliche", die häufigste Ursache ist die Lektüre der politischen und historischen Schriften der Griechen und Römer (Kapitel 29).

Der dritte Teil deutet das Christentum vor allem als gesellschaftlich anerkannte und sanktionierte Art und Weise, die mit jeder natürlichen Religion verknüpften Gefühle und Leidenschaften, nämlich Liebe, Hoffnung und Furcht auszudrücken. Kritisch setzt sich Hobbes mit dem Wunderglauben auseinander, wobei er gewisse Einwände, die von später von Hume vorgebracht werden, bereits vorweg nimmt (Kapitel 37). Zentral ist in diesem dritten Teil vor allem die Ablehnung der Lehre von der apostolischen Nachfolge, insbesondere die von Kardinal Bellarmin vorgelegte Verteidigung des päpstlichen Macht- oder Autoritätsanspruches (Kapitel 42). Nach Hobbes' Auffassung lässt sich die Quintessenz des christlichen Glaubens in einem Artikel, in einem "unum necessarium" zusammenfassen: "Jesus ist der Christus" ("Jesus is the Christ"), wobei dieses Prädikat nichts anderes bedeute als "Er, der uns errettet hat und wiederkommen wird, um uns Erlösung und ewiges Leben in seinem herrlichen Königreich zu schenken". Was zur Erlösung notwendig sei, sei in genau zwei Tugenden enthalten, nämlich im Glauben an Christus und im Gehorsam gegenüber den Gesetzen, wobei diese Gesetze solche der Natur und solche der weltlichen Souveräne seien (Kapitel 43). Damit ist das Reich Christi nicht von dieser Welt und deshalb können seine Diener ("Ministers"), falls sie keine Könige sind, in dieser Welt in Jesu Namen keinen Gehorsam fordern. Gleichzeitig wird aber betont, dass ein Verbot durch den Souverän, an Christus zu glauben, in eben dieser Welt wirkungslos ist, da weder Glaube noch Unglaube jemals einem Befehl folge, sondern eine Gabe Gottes sei, über die der weltliche Herrscher - anders als über Handlungen! - nicht verfügen könne (Kapitel 42). Damit hält Hobbes ein klares, wenn auch eigenwilliges Plädoyer zugunsten der Glaubens- und Religionsfreiheit, wenn auch nicht zugunsten der Gewissensfreiheit.

Im vierten Teil schließlich setzt sich Hobbes mit der "geistigen Finsternis" auseinander, die er auf die falsche Interpretation der Heiligen Schrift, auf heidnische Geisterlehren und Rituale (zu denen er unter anderem Weihe, Taufe und Ölung zählt), auf Afterphilosophie ("Vain Philosophy") und Fabeln zurückführt. Einer der Hauptgegner ist dabei, wie schon an früheren Stellen, Aristoteles, der erbarmungslos abqualifiziert wird: Es gebe in der Naturphilosophie nichts absurderes als die "Metaphysik", nichts, was der Regierung abträglicher sei als die "Politik", nichts, was weniger Kenntnisse verrate als die "Ethik" (Kapitel 46). Motiviert sind diese Angriffe vor allem durch die durchgängige und beherrschende Furcht, dass konkurrierende Souveränitätsansprüche, seien sie ethischer oder auch nur epistemischer Natur, einen Staat geradewegs in den Bürgerkrieg führen. Der liberale - oder liberal erscheinende - Relativismus und Pluralismus provoziert - über die Zwischenstufe des unverbindlichen und damit unerträglichen Chaos - die Tyrannei.

Rückblickend und abschließend begründet Hobbes sein ehrgeiziges und weit ausholendes Vorhaben dadurch, dass er von den "Unordnungen der Gegenwart" veranlasst, seinen Mitmenschen ohne Parteilichkeit und ohne Eifer ("without partiality, without application") die wechselseitige Beziehung zwischen Schutz und Gehorsam vor Augen führen wollte.

In seiner "History of England" (Band VI, Kapitel LXII) konnte David Hume über Hobbes sagen, kein anderer Autor des siebzehnten Jahrhunderts sei so gefeiert worden wie dieser, jetzt aber sei er nahezu vergessen. Dies sei ein lebendiges Beispiel dafür, wie prekär alle Reputation sei, die (nur) auf Argumentation und Philosophie beruhe. Damals hatte Hume mit dieser Diagnose recht, doch heute hat sich das Bild gewandelt: Hobbes ist aktueller denn je. Dass er mit seiner ausdrücklich gegen Aristoteles gerichteten und damit ausdrücklich antiklassischen Auffassung vom Menschen, von der Moral, vom Recht, von der Gesellschaft und vom Staat dazu beitrug, die Moderne zu inaugurieren, wird heute allgemein anerkannt, zumindest zur Kenntnis genommen, auch von seinen Gegnern. Den "Leviathan" zu lesen (oder wieder zu lesen) ist ein beträchtliches intellektuelles und auch sprach-ästhetisches Vergnügen. Wohl kein anderer Autor in der Geschichte der Politischen Theorie hat mit so viel systematischem Bemühen aus so sparsam gewählten und klar formulierten Voraussetzungen so viele interessante (und auch anstößige!) Konklusionen gewonnen.

Wer den "Leviathan" lieber auf Deutsch lesen möchte, möge auf die von Jutta Schlösser neu übersetzte und von Hermann Klenner mit einer Einleitung und einem Kommentar versehene Ausgabe im Felix Meiner Verlag zurückgreifen: Leviathan. Auch diese Ausgabe habe ich hier bei amazon rezensiert.

Man bedenke jedoch, dass der rhetorische Impetus z. B. von "the life of man, solitary, poore, nasty, brutish and short" (Kapitel 13) durch "das Leben des Menschen ist einsam, armselig, widerwärtig, vertiert und kurz" nur unzureichend wiedergegeben werden kann. Wer nicht Englisch kann, muss auf Vieles verzichten.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Übersetzung, 24. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Leviathan (Gebundene Ausgabe)
Im Vergleich zu der Reclam Version enthält diese Version Übersetzungsschwächen. Zwar ist diese Übersetzung näher am Original, erschwert aber durch teilweise sehr umständliche, im Deutschen unübliche Formulierungen das Textverständnis.
Schade, hätte gerne gespart, werde aber so das teurere Exemplar kaufen.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das bedeutendste Werk der Politischen Philosophie in englischer Sprache, 8. Oktober 2009
Von 
Dr. Horst Wolfgang Boger (Berlin & Potsdam, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Hobbes' "Leviathan, or The Matter, Forme, & Power of a Common-Wealth Ecclesiasticall and Civill", nicht nur in Tucks Sicht "arguably the greatest piece of political philosophy written in the English language", tritt uns hier in einer besonders leserfreundlichen Gestalt entgegen, wozu die kenntnisreiche Einleitung des Herausgebers, die editorische Notiz, Hobbes' Biographie, die biographischen Notizen und Referenzen (von "Aaron" bis "Zephanja"), die mitgegebenen Literaturhinweise, die drei Verzeichnisse (Sachindex, Namensindex und Index der Ortsnamen), die Konkordanz (Tuck - Macpherson - Oakeshott - Molesworth), das gelungene Seitenlayout und die angenehme Typographie wesentlich beitragen.

In seiner kenntnisreichen und wohlformulierten und gegenüber der Ausgabe von 1991 verbesserten, aktualisierten und erweiterten Einleitung stellt Tuck die Vita und das Opus von Hobbes vor. Er betont den Einflusss der kontinentalen Renaissance-Kultur auf Hobbes (immerhin verbrachte Hobbes zwischen 1610 und 1640 acht Jahre auf dem Kontinent, wo er unter anderem die Auseinandersetzung der Venezianer mit dem Papst miterlebte und wo er mit Galilei zusammentraf). Zu recht weist Tuck darauf hin, dass der "Leviathan", obgleich in einem monarchischen Staat entstanden, eben kein Plädoyer für die (Erb-)Monarchie ist, ein Umstand, der ihn bei den Royalisten sogleich in Verruf bringen musste. Der englische König (oder die Königin) wurde (und wird) nicht durch einen Vertrag bestellt, sondern kam (und kommt noch) allein durch Sukzession auf den Thron, durch Sukzession, die als göttlich oder durch Tradition legitimiert gilt. Insofern ist der "Leviathan" eindeutig republikanisch-demokratisch. Auch für einen zumindest latenten Liberalismus im Denken Hobbes' lassen sich Belege finden. An erster Stelle kann der Vertragsgedanke selbst genannt werden: Annähernd Gleiche und Freie schließen einen Vertrag, auf der die gesamte Ordnung beruht. An zweiter Stelle kann die natürliche Freiheit einer jeden Person angeführt werden, die die (politische) Vertragsfreiheit einschränkt. So ist jede Person berechtigt, ihr eigenes Leben zu schützen, so ist niemand verpflichtet, sich selbst zu töten, ungeachtet dessen, was der vertraglich bestellte Souverän befiehlt. Schließlich, und damit unmittelbar zusammenhängend, haben alle Bürger ein Widerstandsrecht: Wenn der so eingesetzte Souverän seine vertraglichen Pflichten nicht erfüllt, wozu vor allem die Pflicht zum Schutz von Leib und Leben gehören, dann endet auch die Pflicht der Bürger zum Gehorsam, denn der alleinige Zweck der Gehorsamspflicht ist Schutz.

Hobbes "Leviathan" ist ein klassisch gewordenes Werk der neuzeitlichen politischen Theorie und Philosophie, sein Erscheinungsdatum, 1651, liegt über dreieinhalb Jahrhunderte zurück. Die Zahl der Abhandlungen, die sich mit ihm befassen, ist kaum noch zu überblicken.

Der "Leviathan" besteht aus vier Teilen: Der erste (Kapitel 1-16) handelt vom Menschen, der zweite (Kapitel 17-31) vom weltlichen Staat (Common-wealth), der dritte (Kapitel 32-43) vom christlichen Staat (Christian Common-wealth) und der vierte (Kapitel 44-47) vom Reich der Finsternis (Kingdome of Darknesse).

Im ersten Teil stellt Hobbes sein extrem nüchternes, mechanistisches, an der Physik und Geometrie seiner Zeit orientiertes, zum Teil pessimistisches Menschenbild vor, ein Menschenbild, das ihm den Ruf eingebracht hat, derjenige Autor zu sein, "der das politische Verhalten der Menschen ausschließlich durch das Eigeninteresse zu erklären suchte", wie J. Plamenatz sagte. (Am Ende von Kapitel 18 wird zusätzlich die menschliche Neigung zur Zukunftsdiskontierung hervorgehoben.) Hobbes vertritt ausdrücklich eine Markttheorie des Wertes eines Menschen: "Der Wert ("Value, or WORTH") eines Menschen ... ist sein Preis; d. h., er richtet sich danach, wie viel man für den Gebrauch seiner Kraft geben würde. Er ist daher nicht absolut, sondern abhängig vom Bedürfnis und vom Urteil anderer". Die Würdigkeit ("Worthinesse") dagegen besteht in der besonderen Fähigkeit, bestimmte Aufgaben, z. B. ein Richteramt, zu übernehmen. "Würde" ("Dignity") schließlich wird mit Hilfe von "Wert" charakterisiert, nämlich als der "öffentliche Wert eines Menschen", als der "Wert, den ihm der Staat zuspricht" (Kapitel 10).

Hobbes nimmt an, dass die Menschen trotz aller Unterschiede hinsichtlich ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten annähernd gleich sind, insbesondere gleich in ihrem Vermögen, sich gegenseitig zu bedrohen. Aus dieser Gleichheit entsteht eine "Gleichheit der Hoffnung, unsere Absichten erreichen zu können." Daraus entwickelt er dann seine zentrale sozio-ökonomische Konflikt- und Knappheitshypothese: "... wenn ... zwei Menschen nach demselben Gegenstand streben, den sie jedoch nicht beide haben können, so werden sie Feinde und sind in Verfolgung ihrer Absicht ... bestrebt, sich gegenseitig zu vernichten oder zu unterwerfen". Aus der Gleichheit - nicht etwa aus der Ungleichheit! - entsteht Misstrauen, aus dem Misstrauen der (präventive) Krieg (Kapitel 13). Die Ursachen des Konflikts, nämlich Konkurrenz, Misstrauen und Ruhmsucht, sind in der menschlichen Natur zu finden. Ohne eine Macht, die die so disponierten Menschen im Zaum hält, leben und verbleiben sie im bloßen Naturzustand, der identisch ist mit dem Krieg eines jeden gegen jeden (Kapitel 14). In diesem Zustand aber kann kein Fleiß gedeihen, weil sich niemand seiner Früchte sicher sein kann. Es herrscht fortdauernde Furcht und die Gefahr eines gewaltsamen Todes und - in den eindringlichen, berühmt gewordenen Worten - "the life of man, solitary, poore, nasty, brutish and short." (Kapitel 13).

Zentral für den "Leviathan" ist die Vertrags-, vor allem aber die Souveränitätsdoktrin, die im zweiten Teil vorgestellt wird. Während Bienen und Ameisen untereinander in einer natürlichen Übereinstimmung zusammenleben, ist die Übereinstimmung der Menschen künstlich, da sie auf einem Vertrag beruht. (Später wird Hume diese Unterscheidung von "natürlich" und "künstlich" in seinem "Treatise", III.i.2, aufgreifen, wobei er jedoch in seinem Essay "Of the Original Contract" den Vertragsgedanken ausdrücklich verwirft.) Eine solche Übereinstimmung aber ist labil und verletzlich, sie bedarf zu ihrer langfristigen Sicherung einer allgemeinen, höchsten Gewalt, eines Souveräns, denn "Verträge ohne das Schwert sind nur Worte und besitzen keine Kraft, einem Menschen auch nur die geringste Sicherheit zu bieten". (In den Kapiteln 18 und 21 wird dies wiederholt.) Der einzige Weg dazu führt über die Übertragung der Macht der Individuen "auf einen Menschen oder eine Versammlung von Menschen, die ihre Einzelwillen durch Stimmenmehrheit auf einen Willen reduzieren können". Diesen einen Willen, "eine wirkliche Einheit aller", nennt Hobbes - unter Anspielung auf das Buch Hiob - "Leviathan", oder ehrerbietiger den "sterblichen Gott". Der politische Staat ist ein "Staat durch Einsetzung", durch Autorisierung, nicht ein "Staat durch Aneignung" (Kapitel 17).

Der Souverän, sei es ein Monarch oder eine Versammlung, hat eine Hauptaufgabe, nämlich für die Sicherheit der Bevölkerung zu garantieren, wobei unter "Sicherheit" nicht nur die Erhaltung des physischen Lebens gemeint ist, sondern auch die Sicherung des Eigentums, d. h. dessen, was durch rechtmäßige Arbeit erworben wurde. Diese Sicherheit wird durch "gute Gesetze" geschaffen, d. h. durch solche Gesetze, die allen nützlich sind. Zudem sind diese Gesetze auch gerecht, da sie von einem Souverän beschlossen wurden, dessen legislative Kompetenz durch Übereinkunft zustande gekommen ist: "whatsoever the Gamesters all agree on, is Injustice to none of them" (Kapitel 30; vgl. auch Hobbes' "De Cive", III.vii, wo er sich auf das römische Rechtsprinzip "Volenti non fit iniuria" beruft, das er allerdings durch seine Theorie eigenständig zu begründen können glaubt). Zu dieser Sicherheit durch Billigkeit ("equity") gehören auch Rechts- und Steuergleichheit, ausreichende materielle Grundsicherung für unverschuldete Arbeitsunfähigkeit, ein adäquates Strafrecht sowie ein angemessenes Gratifikationssystem, das Leistungsanreize bereitstellt.

Ein Staat ist immer durch "innere Krankheiten" gefährdet, durch Herrscher, die keine Macht ausüben wollen (denn dies provoziert die Rebellion), durch falsche Auffassungen wie die, jeder könne Richter in eigener Sache sein, niemand dürfe gegen sein Gewissen handeln oder die Rückführung von Heiligkeitsansprüchen auf übernatürliche Eingebungen (denn dies führt zu allgemeiner Verwirrung), durch die die Lehre von der Gewaltenteilung (denn Gewaltenteilung ist nichts anderes als Auflösung und damit gegenseitige Zerstörung). Solche Krankheiten werden verbreitet durch "ungebildete Geistliche", die häufigste Ursache ist die Lektüre der politischen und historischen Schriften der Griechen und Römer (Kapitel 29).

Der dritte Teil deutet das Christentum vor allem als gesellschaftlich anerkannte und sanktionierte Art und Weise, die mit jeder natürlichen Religion verknüpften Gefühle und Leidenschaften, nämlich Liebe, Hoffnung und Furcht auszudrücken. Kritisch setzt sich Hobbes mit dem Wunderglauben auseinander, wobei er gewisse Einwände, die von später von Hume vorgebracht werden, bereits vorweg nimmt (Kapitel 37). Zentral ist in diesem dritten Teil vor allem die Ablehnung der Lehre von der apostolischen Nachfolge, insbesondere die von Kardinal Bellarmin vorgelegte Verteidigung des päpstlichen Macht- oder Autoritätsanspruches (Kapitel 42). Nach Hobbes' Auffassung lässt sich die Quintessenz des christlichen Glaubens in einem Artikel, in einem "unum necessarium" zusammenfassen: "Jesus ist der Christus" ("Jesus is the Christ"), wobei dieses Prädikat nichts anderes bedeute als "Er, der uns errettet hat und wiederkommen wird, um uns Erlösung und ewiges Leben in seinem herrlichen Königreich zu schenken". Was zur Erlösung notwendig sei, sei in genau zwei Tugenden enthalten, nämlich im Glauben an Christus und im Gehorsam gegenüber den Gesetzen, wobei diese Gesetze solche der Natur und solche der weltlichen Souveräne seien (Kapitel 43). Damit ist das Reich Christi nicht von dieser Welt und deshalb können seine Diener ("Ministers"), falls sie keine Könige sind, in dieser Welt in Jesu Namen keinen Gehorsam fordern. Gleichzeitig wird aber betont, dass ein Verbot durch den Souverän, an Christus zu glauben, in eben dieser Welt wirkungslos ist, da weder Glaube noch Unglaube jemals einem Befehl folge, sondern eine Gabe Gottes sei, über die der weltliche Herrscher - anders als über Handlungen! - nicht verfügen könne (Kapitel 42). Damit hält Hobbes ein klares, wenn auch eigenwilliges Plädoyer zugunsten der Glaubens- und Religionsfreiheit, wenn auch nicht zugunsten der Gewissensfreiheit.

Im vierten Teil schließlich setzt sich Hobbes mit der "geistigen Finsternis" auseinander, die er auf die falsche Interpretation der Heiligen Schrift, auf heidnische Geisterlehren und Rituale (zu denen er unter anderem Weihe, Taufe und Ölung zählt), auf Afterphilosophie ("Vain Philosophy") und Fabeln zurückführt. Einer der Hauptgegner ist dabei, wie schon an früheren Stellen, Aristoteles, der erbarmungslos abqualifiziert wird: Es gebe in der Naturphilosophie nichts absurderes als die "Metaphysik", nichts, was der Regierung abträglicher sei als die "Politik", nichts, was weniger Kenntnisse verrate als die "Ethik" (Kapitel 46). Motiviert sind diese Angriffe vor allem durch die durchgängige und beherrschende Furcht, dass konkurrierende Souveränitätsansprüche, seien sie ethischer oder auch nur epistemischer Natur, einen Staat geradewegs in den Bürgerkrieg führen. Der liberale - oder liberal erscheinende - Relativismus und Pluralismus provoziert - über die Zwischenstufe des unverbindlichen und damit unerträglichen Chaos - die Tyrannei.

Rückblickend und abschließend begründet Hobbes sein ehrgeiziges und weit ausholendes Vorhaben dadurch, dass er von den "Unordnungen der Gegenwart" veranlasst, seinen Mitmenschen ohne Parteilichkeit und ohne Eifer ("without partiality, without application") die wechselseitige Beziehung zwischen Schutz und Gehorsam vor Augen führen wollte.

In seiner "History of England" (Band VI, Kapitel LXII) konnte David Hume über Hobbes sagen, kein anderer Autor des siebzehnten Jahrhunderts sei so gefeiert worden wie dieser, jetzt aber sei er nahezu vergessen. Dies sei ein lebendiges Beispiel dafür, wie prekär alle Reputation sei, die (nur) auf Argumentation und Philosophie beruhe. Damals hatte Hume mit dieser Diagnose recht, doch heute hat sich das Bild gewandelt: Hobbes ist aktueller denn je. Dass er mit seiner ausdrücklich gegen Aristoteles gerichteten und damit ausdrücklich antiklassischen Auffassung vom Menschen, von der Moral, vom Recht, von der Gesellschaft und vom Staat dazu beitrug, die Moderne zu inaugurieren, wird heute allgemein anerkannt, zumindest zur Kenntnis genommen, auch von seinen Gegnern. Den "Leviathan" zu lesen (oder wieder zu lesen) ist ein beträchtliches intellektuelles und auch sprach-ästhetisches Vergnügen. Wohl kein anderer Autor in der Geschichte der Politischen Theorie hat mit so viel systematischem Bemühen aus so sparsam gewählten und klar formulierten Voraussetzungen so viele interessante (und auch anstößige!) Konklusionen gewonnen.

Wer den "Leviathan" lieber auf Deutsch lesen möchte, möge auf die von Jutta Schlösser neu übersetzte und von Hermann Klenner mit einer Einleitung und einem Kommentar versehene Ausgabe im Felix Meiner Verlag zurückgreifen: Leviathan. Auch diese Ausgabe habe ich hier bei amazon rezensiert.

Man bedenke jedoch, dass der rhetorische Impetus z. B. von "the life of man, solitary, poore, nasty, brutish and short" (Kapitel 13) durch "das Leben des Menschen ist einsam, armselig, widerwärtig, vertiert und kurz" nur unzureichend wiedergegeben werden kann. Wer nicht Englisch kann, muss auf Vieles verzichten.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hobbes als Begründer des modernen Verfassungsstaates, 3. Januar 2006
Von 
Tartschthomas "thomastartsch" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Thomas Hobbes hat mit dem "Leviathan" die moderne politische Theorie- und Ideengeschichte in Form der Vertragstheorien eröffnet.
Ausgehend von seiner pessimistischen Anthropolgie und in Gestalt einer geometrisch-logischen Argumentationskette, nach der der Mensch immer nach dem strebt, was der andere besitzt, beschreibt der den Naturzustand, indem alle Menschen gleich sind.
Diese Gleichheit führt dazu, dass der einzelne ein Recht auf alles hat, womit er im Endeffekt nichts hat, da die ewige Konkurrenz und Gier zum "bellum omnio contra omnes (Krieg jeder gegen jeden)" führt. Damit gilt der Grundsatz "homo homini lupus (Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf)", was zu einem elenden und kurzen Leben führt. Da aber auch "homo homini lepus (Der Mensch ist dem Menschen ein Hase)" gilt, wollen die vernunftbegabten Menschen dem Naturzustand entkommen. Deshalb schließen sie einen (gedachten) Gesellschaftsvertrag, indem alle ihre Rechte an einem Souverän abtreten, der ihnen dafür dreifache Sicherheit garantiert: 1.Schutz vor zwischenmenschlicher Gewalt. 2. Schutz vor einem übermächtigen Staat und 3. Schutz vor den Folgen des Lebens (so soll der Staat arbeitslose Menschen unterstützen, insbesondere indem er Arbeit schafft [Hobbs nennt hier auch die Eroberung fremder Gebiete, was heute "wegfällt"]".
Kann der Souverän diesen Schutz nicht garantieren, besteht das Recht, den Vertrag aufzulösen, womit der Naturzustand wieder eintritt.
Diese verkürzte Zusammenfassung soll verdeutlichen, dass Hobbes vor dem Hintergrund der abendländischen Religionskriege und den Erfahrungen in England mit Oliver Cromwell zum ersten Mal den Gedanken der Monopolisierung von Macht in einer verfassten Ordnung erläutert, wobei die Kirche dem Staat untergeordnet wird. Auch wenn der Leviathan dazu einlädt, eine totalitäre Ordnung zu legitimieren, kann dieser alle Formen (Monarchie, Despotie, Aristokratie oder Demokratie) annehmen, wobei Hobbes die Monarchie unterstützt, was ihn in England Feindschaft und Verfolgung einbrachte.
Dem steht nicht entgegen, dass der Souverän eine Machtfülle besitzt und ausserhalb der geschaffenen Gesetze steht (was in der Demokratie auch gilt). Vielmehr muss er den Gesetzen Geltung verschaffen, da "Verträge ohne das Schwert nichts sind".
Insgesamt hat Thomas Hobbes nichts von seiner Aktualität verloren (so nennt er ausdrücklich die Wehrpflicht als Verteidigung des Staates als allgemeine Pflicht, obwohl es sonst ein Recht zur "Feigheit" gibt).
Insbesondere, da er die Frage stellt, was geschieht, wenn der Staat sein Gewaltmonopol als Merkmal des modernen Staates zu verlieren droht, da damit die Legitimation der verfassten Ordnung ins Wanken gerät. Pflichtlektüre für denjenigen, der sich mit politischer Theorie- und Ideengeschichte beschäftigt. Und auch sonst zu Empfehlen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer mag schon im Urzustand leben?,, 12. September 2007
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Leviathan (Taschenbuch)
Für den englischen Philosophen Thomas Hobbes( 1688-1679) ist Philosophie nichts anderes als die rationale Erkenntnis empirischer Zusammenhänge. Erkennen basiert nach seiner Meinung auf Empfindungen.

Begriffe sind für ihn lediglich Namen. Denken ist nichts anderes als das Rechnen mit Namen. Das Wollen ist stark determiniert.

In seinem Hauptwerk Leviathan, in welchem er seine Staatstheorie entfaltet, begreift er den Menschen als unruhiges, gehetztes Tier.

Da der Mensch in der Lage ist in die Zukunft zu schauen, befürchtet er , dass ihm die Vorräte ausgehen, bzw. dass ihm ein Dritter etwas wegnehmen könne. Das ist die Ursache, weshalb der Mensch nach Macht strebt.

Demgemäß deprimierend war der Urzustand (der so genannte Naturzustand) der Menschen vor der Vergesellschaftung. Nach Hobbes herrschte Krieg aller gegen alle. Dementsprechend einsam, brutal, häßlich und kurz war das Leben.

Um den Kampf aller gegen alle zu vermeiden verzichteten die Menschen auf das individuelle Machtstreben und übertrugen ihr Recht, Gewalt auzuüben auf einen einzelnen unter ihnen, den Herrscher.
So wurde die gesamte Gesellschaft zu einem Individuum, dem Staat.

Dieser ist der Leviathan, dem die Menschen neben dem unsterblichen Gott, Frieden und Schutz verdanken.
Der Staat im Sinne von Hobbes ist absolut.

Als solcher steht er über den Parteien und der Moral.

Erst durch die vollzogene Begründung des Staates, dem Staatsvertrag, kann der innere Frieden gesichert werden.

Eine Friedensstiftung des Staates ohne Bezug auf Grundwerte rein technisch zu begründen, ist nicht unproblematisch.
Man muss wohl die Bedenken seitens Hobbes gegenüber moralischen Erwägungen aus seinen Erfahrungen mit der moralischen Rechthaberei der Konfessionen in seinem Land sehen. Um Konflikte zu vermeiden, gedachte der Denker Religion vom Staat zu trennen. Das Gewissen sollte zukünftig Privatsache sein. Der Staat soll nach seiner Sicht absolut sein, weil er nach seiner Ansicht nur so Frieden stiften kann.

Nach den Erfahrungen des 20.Jahrhunderts ist diese Vorstellung allerdings nicht haltbar.

Ein bemerkenswerter Text. Empfehlenswert.
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Muss für Philosophieinteressierte!!!, 19. März 2000
Von Ein Kunde
Der große Leviathan, eines der wichtigsten Bücher über politische Philosophie. Thomas Hobbes stellt den Staat als menschliches Wesen dar (die Seele repräsentiert den Herrscher, die Gliedmaßen die Beamten etc.), und stellt die These auf, dass Menschen nur aus Selbsterhaltungstrieb einen Staatsvertrag eingehen. Hobbes fordert auch (in seiner Zeit!), dass die Kirche dem staat unterstellt werden müsse. ein Muss für jeden Philosophieinteressierten.
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5.0 von 5 Sternen Beste Ausgabe derzeit, 14. März 2012
Zu Hobbes` Werk selbst will ich nichts mehr sagen, denn da wurde schließlich schon genug zu erzählt/geschrieben.
Ich habe lange nach einer kompletten Ausgabe vom "Leviathan" gesucht, weil ich nämlich eine Facharbeit über dieses Buch schreiben musste/wollte und die Reclam Ausgabe jedoch nur die ersten zwei Kapitel enthielt und die Kapitel über den "christlichen Staat", sowie dem "Reich der Finsternis" dort fehlten.
Zwar sind die ersten beiden Kapitel viel maßgebender für Hobbes` Staatstheorie, aber wer wirklich ein umfassendes Bild von Hobbes` Gedankenwelt und seinem Verhältnis zur Kirche haben möchte, kommt an dieser Ausgabe hier nicht vorbei.
Es ist die einzige komplette Übersetzung ins Deuscthe vom "Leviathan" und mit ein bisschen geistiger Konzentration nicht wirklich schwer zu lesen; rundum kann ich nur eine Kaufempfehlung für diese Ausgabe aussprechen.
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Leviathan
Leviathan von Thomas Hobbes (Taschenbuch - 1986)
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