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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Meisterstück
Wer schon immer mal über den Satz des Sokrates "Ich weiß, dass ich nichts weiß" nachgedacht haben und sich über seine wahre Bedeutung im Unklaren gewesen sein sollte: hier findet sie oder er die Lösung. Die Betonung in diesem Satz liegt auf "Ich". In seiner Verteidigungsrede beruft sich Sokrates hauptsächlich darauf, dass er als einziger...
Veröffentlicht am 17. Juli 2010 von helmut seeger

versus
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1.0 von 5 Sternen Paganierung und griechischer Text fehlen
In der ebook-Version fehlt die Paganierung und der griechische Text, diese Ausgabe ist daher völlig ungeeignet. Schade, wäre nett gewesen, so etwas auf Dauer platzsparend im Reader zu haben.
Vor 14 Monaten von fb veröffentlicht


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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Meisterstück, 17. Juli 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Apologie des Sokrates: Griech. /Dt (Taschenbuch)
Wer schon immer mal über den Satz des Sokrates "Ich weiß, dass ich nichts weiß" nachgedacht haben und sich über seine wahre Bedeutung im Unklaren gewesen sein sollte: hier findet sie oder er die Lösung. Die Betonung in diesem Satz liegt auf "Ich". In seiner Verteidigungsrede beruft sich Sokrates hauptsächlich darauf, dass er als einziger oder einer von wenigen wisse, dass er eigentlich nichts wisse.
Ein Orakel habe ihn hingegen einst als den "Weisesten" bezeichnet, woraufhin er sein Leben der Widerlegung dieses Orakels gewidmet habe. Leider habe er feststellen müssen, dass alle diejenigen (Politiker, Dichter, Handwerker), die er selber als die eigentlich Weisen betrachtet habe, in Wahrheit auch nicht mehr Einsichten als er selber gehabt hätten, aber davon überzeugt gewesen wären, weise zu sein.
Sokrates habe sich nun der Aufgabe gewidmet, all diesen Menschen klar zu machen, dass sie eigentlich gar nicht weise seien, was ihm eine Unzahl an Feinden eingetragen habe, die letztlich auch für seine Vorladung gesorgt hätten.
Natürlich geht diee Rede über diesen Grundgedanken hinaus, aber hier wird schon das Scchelmische und Hintergründige der Argumentation Sokrates (oder war es Platons Interpretation) deutlich. Manchem Redner würde man heutzutage einen solchen Geist und eine solche rhetorische Geschicklichkeit wünschen.
Die Apologie ist in jedem Fall ein Meisterstück, auch wenn nicht alle Teile von solch rhetorischer Brillanz sind wie die Argumentationsführung beim erwähnten Kerngedanken. Es spielt dabei letztlich auch keine Rolle, wie historisch exakt das ganze ist und welchen Anteil Platon an der Ausformulierung hat, um diesem Werk Anerkennung zu zollen.
Zu loben ist auch das Nachwort, welches das Geschehen in den historischen Zusammenhang einordnet und wesentliche Erläuterungen zur Ideengeschichte hinzufügt, die auch dem Laien zum besseren Verständnis dienen, auch wenn es an einigen Stellen zur bloßen Zusammenfassung der Rede gerinnt.
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23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Unterhaltung, 21. November 2003
Rezension bezieht sich auf: Apologie des Sokrates: Griech. /Dt (Taschenbuch)
Ich war erstaunt, dass so alte Texte noch soviel Unterhaltung bringen können. Im Vergleich zu den aristotelischen Texten ist dieses Stück eine echte Wohltat. Das Buch ist Sokrates Verteidigungsrede in seinem Abesie-Prozess (Gotteslästerung). Die Fußnoten geben dem Hobby-Philosophen eine Menge Hintergrundwissen. Der Schreibstil an sich hat mich jedoch überrascht, weil die deutsche Übersetzung nicht zu kompliziert ist, was wir allerdings der Primärquelle verdanken. Hier und da hat Sokrates/Platon sogar etwas Humor hineingebracht, der das ganze etwas auffrischt.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Platons philosophisches Lebensideal, 6. August 2010
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Apologie des Sokrates: Griech. /Dt (Taschenbuch)
Im Jahr 399 v. Chr. wurde Sokrates wegen Leugnung der staatlich anerkannten Götter und Verführung der Jugend vom Athener Rat zum Tod verurteilt. Zehn bis 20 Jahre nach dem weltberühmten Justizfall verfasste sein Schüler Platon, der bei dem Prozess zugegen war, die Apologie des Sokrates. Die Verteidigungsrede ist jedoch keine historisch korrekte Darstellung der Ereignisse, sondern vielmehr ein Entwurf von Platons philosophischem Lebensideal. Ihm zufolge ist es die Aufgabe des Philosophen, öffentlich anerkannte Weisheiten infrage zu stellen und die Mitmenschen zu einem tugendhaften Leben anzuleiten. Geld und Ansehen, Karriere und Ämter stehen laut Platon dem Glück im Weg. Bevor die Menschen sich mit politischen Angelegenheiten befassen, sollen sie sich zuerst um sich selbst, um ihre Seele kümmern. Wer nach diesen Grundsätzen lebt, das führt uns Platons Sokrates ebenso wortgewaltig wie eindringlich vor Augen, braucht selbst den Tod nicht zu fürchten. Mit ihrer zeitlosen Wahrheit und ihrer schlichten, beinahe alltäglichen Sprache zieht die Apologie des Sokrates den Leser in ihren Bann, heute ebenso wie vor 2400 Jahren.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Für die Ewigkeit, 14. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Apologie des Sokrates: Griech. /Dt (Taschenbuch)
Platon mag in der Welt der Philosophie längst nicht mehr wichtig sein und seine "Ideenlehre" ist auch seit Jahrhunderten überholt. Dennoch ist sein Werk ewig. Ich habe die "Apologie des Sokrates" bisher als einziges seiner Werke gelesen und muss sagen, dass meine Erwartungen nicht zu hoch waren. Man kann noch eine Menge aus diesen über 2000 Jahre alten Zeilen lernen und nicht zu Unrecht hat Platon einen weit verbreiteten Ruf - auch heute noch. Die geschichtlichen Fakten zu Sokrates Verteidigungsrede haben zwar vermutlich anders ausgesehen - was auch in den Anmerkungen erläutert wird - aber der geistreiche wie unterhaltsame Text tröstet über solche Kleinigkeiten schnell hinweg. Außerdem war das Buch innerhalb weniger Stunden zu lesen. Dies Alles führt letztendlich dazu, dass auch mein Interesse für Platons Dialoge des Sokrates geweckt wurde.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anmerkungen zur Apologie des Sokrates, 9. Mai 2007
Von 
Rezension bezieht sich auf: Platons Apologie (Audio CD)
Gleich zu Beginn nennt Sokrates drei Prinzipien, die es bei allem Tun zu beachten gelte, und die er selbst in seiner Verteidigungsrede beachten werde: die Wahrheit, die Gerechtigkeit, das Ziehmliche: die drei Sokratischen Siebe. Für Pädagogen sehr beachlich auch der Schlußaufruf an seine Richter bzgl. der Behandlung seiner Söhne, wenn sie Geld, Reichtum, Ehre etc. höher achten sollten als ihre unsterbliche Seele: Von Verwöhnen, Erziehungsurlaub, Resozialisierung ist da nicht die Rede, sondern von Strafe, Leid - Zufügen, Züchtigen, "so, wie ich das immer mit euch getan habe."

Nach dem Studium der Apologie muß Kriton, dann - mindestens die Rahmenpartie - Phaidon folgen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Paganierung und griechischer Text fehlen, 28. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Apologie des Sokrates (Kindle Edition)
In der ebook-Version fehlt die Paganierung und der griechische Text, diese Ausgabe ist daher völlig ungeeignet. Schade, wäre nett gewesen, so etwas auf Dauer platzsparend im Reader zu haben.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Claudius-Übersetzung klasse zur Sprache gebracht!, 4. Februar 2012
Von 
Neuschäfer "Lesenslust" (Erkelenz, Rheinland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Platons Apologie (Audio CD)
Je nachdem worauf man den Schwerpunkt legen möchte, kann einen entweder der Text selber oder die Übersetzung bzw. Übertragung von Matthias Claudius zusagen. Diese CD verbindet beides durch eine ausgesprochen ausgezeichnete Lesugn von Christian Brückner.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der absolute Klassiker., 4. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Apologie des Sokrates: Griech. /Dt (Taschenbuch)
Die Apologie ist meines Erachtens der absolute Klassiker unter den philosophischen Werken. Natürlich werden hier keine Themen wie Metaphysik o.ä. behandelt; Es geht wohl eher um Ethik und Moral und die Tugend des Menschen. Jeder der dieses Buch gelesen hat, wird sicherlich den ein oder anderen Gedanken daran verschwenden, was das Gute eigentlich ist und wie man tugendhaft handelt. Auf jedenfall ein Bereicherung, die jeder auch in sein eigenes Leben einbeziehen kann. Dieses Werk war meine erste philosophische Lektüre, seitdem bin ich begeisterter Leser geworden und werfe immer mal wieder einen Blick in dieses gute Buch. Ein weiterer Vorteil man kann es an einem Wochenende durchlesen, was sehr selten ist für ein philosophisches Meisterwerk.
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14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Mein Kriton, wir müssen dem Asklepios einen Hahn opfern." (Sokrates), 31. März 2007
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Apologie des Sokrates: Griech. /Dt (Taschenbuch)
..

"So hat denn der Gott auch mich der Stadt beigegeben als einen Mann, der nicht müde wird, euch zu wecken, [....], schlagt in eurem Ärger auf mich ein und verurteilt mich zum Tode, um dann euer weiteres Leben zu verschlafen."

Ein Orkan fegte über Sokrates. Siebzigjährig hatte er sich 500 Richtern zu stellen, angeklagt der Gotteslästerung (Asebie nach Anaxagoras), der Missachtung des Staatsgefüges und vor allem junge Männer gegen ihre Väter aufgewiegelt zu haben. Zu Recht sei er, ein böser Mensch, zum Schweigen zu verurteilen, sei es auch durch Tod, befanden Meletos, ein Dichter, Anytos, ein Politiker und Handwerker, Lykon, der Redner.

Diesen historischen Hintergrund greift Platon auf, um Sokrates, seinen Lehrer in drei Reden Position beziehen zu lassen. (1) Eine Vereidigungsrede (Apologie) gegen die Vorwürfe der Anklage, (2) eine Rede nach dem Schuldspruch und (3) eine Rede nach der Verhängung der Todesstrafe.

In (1) versucht Sokrates ohne rhetorische Raffinesse aufzuzeigen, das diese Verurteilung auf alten Vorurteilen beruht. Denn so wie das Orakel von Delphi ihm weissagte, niemand sei weiser als er, so musste er den Göttern folgend, die Bürger durch Fragen prüfen, glaubte er doch, dass sie alle weise seien. Diese Prüfung aber ergab, dass Schein und Sein unterschiedliche Attribute sind und so blieb letzter Schluss, dass keiner wirklich etwas weiß. Im Unterschied zu den Anderen und deren Einbildung erkennt Sokrates, dass er weiß, dass er nichts weiß. Und deutlich unterscheidet er zwischen dem Wissen der Fachleute, denn dieses ist unbestritten, sondern es geht um das finale Wissen vom dem Guten und der Wahrheit, welche die Sophisten glauben zu besitzen, Sokrates jedoch im Widerspruch zu ihnen sich von dieser Gruppe distanziert. Die Suche nach Wahrheit ist für Sokrates ein Gottesdienst und niemals eine Lästerung, ein von den Götten angewiesener Beruf und Todesfurcht könne ihn nicht veranlassen, diesen Posten zu verlassen.

Dass er die Jugend verderbe, führt Sokrates auf das Imitationsverhalten zurück. (Heute spricht J. Bauer über Spiegelneuronen, wenn er gleiches meint.) Diese Jugend macht nichts anderes, als sich dem Schein des Wissens der Älteren zuzuwenden. Und wie er auch in der Verführung der Jungen keine Absicht hege, so auch gegenüber der Polis, deren Gesetze er sehr wohl achte. Denn gerade weil er weiß, das er nicht weiß, sich also auch nicht einbilde, etwas zu wissen, weiß er am besten, was seine politische Pflicht ist, die ihn unbeirrbar bestimmt. Damit ist dieses Wissen zugleich seine Tugend.

Und er stelle fest, dass es von großem Schaden gerade für die Polis sei, wenn er seine Tätigkeit nicht mehr gewinnbringend für alle einbringen könne. Politisch könne er sich nicht beteiligen, wohl aber über die Gespräche. Denn folge er dem Rat des Dämons, zeige er zugleich seine eigene Kraftlosigkeit im Wissen um das, was gut für ihn selbst sei. Dieses göttliche Dämonium entspricht dem sokratischen Wissens des Nichtwissens. Diese erste Rede endet mit einem Schuldspruch mit knapper Mehrheit.

Die nun folgende (2) wird sich dem Strafmaß zuwenden. Ein Leben ohne Selbstprüfung sei nicht lebenswert, sagt er hier und folgert daraus, dass er auf sein höchstes Gut, der permanenten Reflexion, nicht verzichten könne. Auch seien die Gespräche unter Menschen dazu da, diese auf diesen Weg des Wissens zu bringen. Auch formulierte er seinen Gegenantrag der dauerhaften Beköstigung als Lohn dafür, da er nichts anderes tat, als Menschen dazu zu bewegen, ihrer selbst zu achten. Dieses komme schließlich der Polis zu Gute. Das Strafmaß wurde darauf hin festgelegt, die Todesstrafe.

Nun folgt in der dritten Rede (3) die Frage, was ist der Tod. Der Tod sei nun auch kein Übel, vor allem, weil das Dämonium während des Prozesses geschwiegen habe. Auch sei der Tod etwas Positives für ihn, wisse doch niemand außer den Göttern, ob er den besseren Weg gehe oder die Richter. Er zieht noch einmal die genaue Grenze zwischen dem, was dem Menschen zu wissen versagt ist und dem was er wissen kann. Letztendlich hat der Mensch die immerwährende Aufgabe, um diese Grenze zu wissen.

Sokrates geht, um zu sterben.

Platon zeichnet in der Apologie das Bild einer Persönlichkeit, unerschrocken und mit einer Liebe zur Weisheit (Philosophie). Sokrates verkörpert für ihn den immerwährenden Sucher nach der Wahrheit (ibid), dem Eros und dem Schönen (Phaidros), der Seele (Phaidon) oder dem Eros (Symposion). Er zeigt aber auch, dass es eben nicht um den Einzelnen geht, sondern dass in der Anklage gegen Sokrates, die Selbstanklage des Staates enthalten ist und das dieser der Heilung bedarf. Die Apologie zeigt deutlich, dass das Wissen des Guten nicht zu erreichen ist, es ist ein Streben aus der Erinnerung des einmal geschauten Göttlichen. In der späteren Politeia, den Gleichnissen, zeigt aber Platon ebenso deutlich, dass er niemals aufgeben wird, dieses Wissen um das Vollkommene zu finden. Cicero und Montaigne sehen in dieser sokratesschen Suche die Notwendigkeit einer Harmonisierung. Daher ist neben diesem Streben nach Weisheit durch Vernunft eine negative Kehrseite notwendig gegeben. Wenn man keinen Charakter hat muss man Methode haben, lesen wir bei Camus in: Der Fall

Diese Schrift ist nicht abzuschließen, ohne auf die Gegebenheiten der Zeit hinzuweisen. Die Macht der Tradition: "Überall, wo noch die Autorität zur guten Sitte gehört, wo man nicht begründet sondern befiehlt, ist ein Dialektiker ein Hanswurst," sagte Nietzsche (in Anl. an Cicero und Montaigne) und doch konnte diese abstoßende Figur einen der größten geistigen Siege erringen. Er faszinierte seine Welt, in dem er das bestehende Denken auf neue Ebenen führte, denen des hellenistischen Wettkampfes im Geiste. Er sah hinter die Fassaden das monstrum in animo, den Zerfall. Er, Sokrates, bemühte sich, den eigenen Instinkt, die Emotionalität zu bekämpfen, in dem er die Vernunft zum Tyrannen über sich machte. Die Harmonisierung des Gegensätzlichen blieb aus, so musste das Urteil vielleicht so fallen.

Was lehrt uns Sokrates? mag die letzte Frage des Lesers sein. Auch wenn 56% der 500 Richter ihn für schuldig sprechen, verlor er nie die Zuversicht in seiner zweiten und dritten Rede. Unser Glaube, Recht zu handeln, soll also nicht auf Billigung einer Mehrheit beruhen. Die Frage bleibt heute, ob das Vermeiden von Unbeliebtheit meinungsbildend ist oder sein darf? Ist das nicht auf Popularität achtende Streben nach Einsicht etwas Bewundernswertes? Weiterhin zeigt er deutlich, dass nicht die Zahl der Widersprechenden eine Rolle spielen darf, sondern nur die Güte der Gründe. Auch ist eine Ansicht, nachvollziehend und eloquent vorgetragen, nicht a priori richtig. Denn es sollte auch die reine Logik dahinter interessieren, die zu den Schlüssen geführt hat. Es geht Sokrates um Eindringlichkeit.

Sokrates fordert den wachen, intelligenten und selbstbestimmten Menschen, der selbstverständlich, die Gesetze achtend, sich selbst achtet. Nichts anderes forderte Kant 2000 Jahre später, in dem er den Kategorischen Imperativ zur allgemeinten Regel erklärt und das moralische Gesetz zum innersten Antrieb. SAPERE AUDE!

Und diese Aufforderung zum Selbst-Weiterdenken zur Vermeidung einer schlecht gebildeten Meinung (=Krankheit) gab Sokrates uns mit seinem allerletzten Satz vor seinem Tod im Phaidon, vielleicht als Metapher:

.............. "Mein Kriton, wir müssen dem Asklepios einen Hahn opfern."
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der ideale Philosoph im »Auftrag« Apollons, 9. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Apologie des Sokrates: Griech. /Dt (Taschenbuch)
Den widersprüchigen Vorwürfen gegen ihn begegnete er mit Gelassenheit, seine Gegner konnten vor Gericht gegen seine Argumentation nicht bestehen - er lebte und atmete für seine Überzeugungen, bis zum bitteren Ende... Im Grunde hatte die Anklage gegen Sokrates nichts mit Religion zu tun; Sokrates wurde unangenehm. Menschen, die für sich beanspruchten auf dem Gebiet der Weisheit Autoritäten zu sein und hohes Ansehen bei den Mitbürgern genossen, erkannten durch die Gespräche mit Sokrates, der für sich selbst keine Weisheit beanspruchte, dass sie im Grunde nicht so weise waren, wie ihr Ruf vermuten ließ und dass sie in Wirklichkeit kein Expertentum aufweisen konnten. Mit seinen Fragen machte sich Sokrates unbeliebt, zog sich den Unmut einiger »Größen« seiner Zeit zu, die sich durch ihn bedroht fühlten. Aus diesem Grund musste er beseitigt werden. Sokrates, der die ihm angebotene Fluchtmöglichkeit ablehnte, sah sich selbst im Dienste Apollons wirkend (der Grund wird im Buch erklärt) und wollte oder konnte auf Grund seines Charakters von seiner göttlichen Mission nicht ablassen.

Er machte die Menschen auf ihre widersprüchlichen Überzeugungen aufmerksam, leitete sie an, ihr eigenes Gewissen zu überprüfen, um ihnen zu helfen, Selbsterkenntnis zu finden.

Ich empfehle dieses Buch weiter. Die Übersetzung ist gut gelungen und es werden viele Tatsachen erwähnt, die mit dem Thema zusammenhängen und wichtig sind, damit die Leser richtige Schlüsse ziehen können. Nur eine Sache hat mir nicht gefallen - und deshalb die 4 Punkte: die Schriftgröße ist viel zu klein. Vor allem für hellenische Ethniker ist die Lektüre dieses Werks überaus wichtig.
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Apologie des Sokrates: Griech. /Dt
Apologie des Sokrates: Griech. /Dt von Platon (Taschenbuch - 1986)
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