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5.0 von 5 Sternen "Alles Vortreffliche ist ebenso schwierig wie selten." (Spinoza), 3. Mai 2008
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Philosophische Essays (Broschiert)
"Alles Vortreffliche ist ebenso schwierig wie selten." (Spinoza)
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Wisset, ein erhabner Sinn
Legt das Grosse in das Leben
Und er sucht es nicht darin.
(Friedrich Schiller: Die Huldigung der Künste)

Robert Spaemann (1927-) ist ein Verfechter des Hegelwortes über Philosophie, nämlich "Erkenntnis dessen, was in Wahrheit ist". Nimmt man dieses ernst, ist man weit entfernt von der Behauptung, Philosophen äußern private Meinungen und glaubt ein Leser dieses, hat der Philosoph seine Intention verfehlt. "Was in Wahrheit ist" klingt nach einer Letztbegründung oder einem System sich gegenseitig tragender Selbstverständlichkeiten. Und doch ist Philosophie eben untrennbar vom Bemühen durchzogen, das zufällige standpunktgebundene Denken zu überwinden. Sich einer Sache daher anzunehmen, ist höchste Kunst, redet doch die Sache nicht selbst. Wer redet, ist ein Mensch und dieser versucht sich zu befreien von den Vorurteilen der Zeit und den methodologischen Vorentscheidungen der Wissenschaft. Um zu "reden wie die Wirklichkeit selber", tritt des Menschen "besondere Artung und Schwierigkeit" (Brecht) hervor, seine subjektive Weise, die Sache zu sehen, seine Weise der sprachlichen Übermittlung. Universalität steht seit Platon im Gegensatz, sie bedeutet Entindividualisierung und doch meint Platon nicht diese Konsequenz, vielmehr sieht er die Individualität einer Bildungselite als universalisierte Erfahrung. Glauben wir heute mit Rorty z.B. vernünftige Allgemeinheit entstehe durch Konsens suchenden Dialog oder Diskurs, so wird vergessen, dass der philosophische Diskurs nicht sich an privaten Interessen orientiert, sondern sich an Vorschlägen zur gerechten Lösung von Interessenkonflikten reibt. Es geht also nicht um Meinungen, sondern um Begründungen von Meinungen. Sich an Sokrates erinnernd geht es auch nicht nur um die verallgemeinerte Meinung, dem was man denkt, sondern darum, dass Du und Ich es einsehen. Philosophie steht und fällt mit dem Du und Ich. So verstanden sind Spaemanns Essays ein Dialog mit dem Leser. Eine Schrift gegen das Vergessen, eine Schrift zur Übereinstimmung mit dem Ich und der Natur. Er ist sich mit Spinoza bewusst, dass alles Vortreffliche ebenso schwierig wie selten ist. So begibt er sich an die Themen:

Natur / Naturtheologie und Handlung / Die Aktualität des Naturrechts / Philosophie als Lehre vom glücklichen Leben / Die kontroverse Natur der Philosophie / Unter welchen Umständen kann man von Fortschritt sprechen? / Moral und Gewalt / Sein und Gewordensein. Was erklärt die Evolutionstheorie? / Funktionale Religionsbegründung und Religion / Ende der Modernität?

Subjektiv ausgewählt sollen folgende Abschnitte betrachtet werden, da sie eine gewisse Aktualität haben:
(1) "Natur", hier insbesondere die Frage der Naturbeherrschung als Abkehr von den Zielen der Natur an sich und des Menschen innerhalb der Natur und seiner Zugehörigkeit zu der Gattung. In diesem Sinne ist die Frage der Naturwissenschaft und deren Position interessant beleuchtet.

(8) "Sein und Gewordensein. Was erklärt die Evolutionstheorie?", denn hier unterscheidet Spaemann die Fragen der Evolution zur Würde des Menschen und dem Diskussionseifer um den Evolutionismus. So wie bei Aristoteles zumindest der Löwe existieren muss, um ein brüllender Löwe zu sein, wenn er nicht brüllt macht er was anderes, so ist im Gedankenansatz von logischen Gesetzen zu beachten, dass diese ebenso die Existenz denkender Subjekte voraussetzen. Spaemann führt hin zur Verbindung von Evolution an sich und der Würde des Menschen im Sinne der Religion. Evolutionismus wird wie alle Ismen als Übereifer abgestraft, spätestens dort, wo die Evolutionstheorie mit der Hinzunahme einer Deutung zur Emphase wurde und den stillen Platz der Forschung verlassen hat.

(9) "Funktionale Religionsbegründung und Religion" dienen in einer Weise, die Wissenschaft und Religion insofern verbindet, dass beide um die Kontingenzbewältigung konkurrieren und zwar im Sine der Kontingenzbeseitigung in der Wissenschaft und dem Staunen dort, welches nur der Beginn zur Trivialisierung ist. Religion ent-trivialisiert durch eine Aktivierung des Staunens, durch die Steigerung der Kontingenzerfahrung, durch die Weckung der Sinne für das Wunderbare, für das Arkanum der Natur, dessen Geheimnis die Wissenschaft zu offenbaren wünscht als Verschiebung der Kontingenz ins faktisch Folgenlose. So sind Wissenschaft und Religion in ihrem Resultat gleich, jedoch gegenläufig in den Tendenzen. "Sich zu diesem Sein der Welt im Ganzen selbst noch einmal als zu einem kontingenten Faktum zu verhalten, dass ist Religion", so Spaemann im Sinne Wittgensteins, der das "Gefühl von Welt als begrenztes Ganzes", das "mystische" nannte. Warum letzten Endes alles ist, wie es ist? ist keine Frage, die die Religion löst, aber eine, die durch sie erst entsteht. Fordert denn nicht die Idee, die Welt im Ganzen als kontingentes Faktum zu sehen, die Anitzipation eines Sinnes, der dieses Faktum übergreift? In der Welt selbst deren Sinn zu sehen, der mit den Tatsachen noch nicht abgetan ist, heißt für Wittgenstein an einen Gott glauben.

(10) "Ende der Modernität?" ist eine Frage, die die Zeit mit einem formalen Prädikat betrachtet und ihr eine unendliche Dauer mit einer individuellen Jetztzeit unter dem Prädikat Modern verleiht. Oder aber es ist eine Frage, die rein rhetorischer Art ist und niemals mit Ja beantwortet werden kann, würde doch deren Ende oder ihre Ablösung einem Scheitern gleichbedeutend sein. Ein Ende der Modernen kann es wohl nur geben, wenn sie ein Selbstverständnis mit inhaltlichen Errungenschaften von endlichem Gehalt vorweist, welches es zu bewahren gilt. Das heißt auch, dass es für die Moderne nicht wesentlich ist, modern zu sein, sondern wesentlich ist, ihren immanenten Reichtum um seiner selbst Willen zu schützen. Das geht nur, wenn er einem Bedürfnis entspricht, welches nicht in Bezug auf unsere vordergründigen Bedürfnisse gilt, und gerade darum SINN hat. Weitere Einsichten finden Sie bei Spaemann.

Spaemann bleibt in seinen Gedanken nie an einer Stelle, er negiert, betrachtet neu immer in Hinsicht auf Subjekt und Prädikat und diese jeweils in Negation. Seine Gedanken gehen in jeder Sache hinter das Offensichtliche. Daher insgesamt ein intensives, interessantes und lesenswertes Werk.
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Philosophische Essays
Philosophische Essays von Robert Spaemann (Broschiert - 1994)
EUR 6,80
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