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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Glücklich ist, wer Gott hat", 13. Mai 2007
Von 
M. Thomas "M. Thomas" - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: De beata vita / Über das Glück: Lateinisch/Deutsch (Taschenbuch)
Die Schrift "De beata vita - Über das Glück" des Kirchvaters Augustinus ist der gelungene Versuch, christliche Theologie mit antiker Philosophie zu versöhnen: "Die Methode, Glauben durch Denken und umgekehrt Philosophie durch Religion wechselseitig zu interpretieren und zu bestimmen, gilt von nun an ... als legitim".

Augustinus war ein wortgewandter Redner, der sein Handwerkszeug in den römischen Rhetorik- und Grammatikschulen seiner nordafrikanischen Heimat lernte. Im Nachwort wird der Glanz seiner Schriften treffend beschrieben, die "gerade durch die Kunstfertigkeit in der Behandlung und Beherrschung der Sprache einerseits Unmittelbarkeit und Einprägsamkeit suggeriert".

In jungen Jahren entzündete Ciceros Hortensius in Augustinus die große Liebe zur Philosophie. Von den großen Lehrmeistern der Antike, insbesondere von Platon und Cicero übernahm er auch den Aufbau des Werkes in Dialogform. Anders jedoch als die fiktiven Dialoge der Vorbilder beruht sein Büchlein auf einem tatsächlich geführten Gespräch. Das Buch ist seinem Gönner und Freund aus der Mailänder Zeit, dem angesehenen Politiker Theodorus gewidmet.

Die Vorrede beginnt leicht verständlich mit einer Meer-Metaphorik, die an biblische Parabeln erinnert: Dort wird das stürmische Meer des Lebens, der ersehnte Hafen der Philosophie, das Festland des Glücks, das freilich nur wenige erreichen und das verführerische, aber gefährliche Riff vor der Hafeneinfahrt beschrieben. Augustinus vergleicht den Menschen mit dem Seefahrer. Er unterscheidet drei Arten. Diejenigen, die in Küstennähe rudern erreichen mühelos den Hafen. Andere lassen sich von der "trügerischen Oberfläche" der See locken, sie erliegen dem "Glanz von Vergnügungen und Ehren". Durch die "Bücher gelehrter und weiser Männer" finden sie jedoch zurück in den sicheren Hafen. Zur dritten Gruppe zählen alle jene, die lange umherirren oder sich an "sinkenden Sternen" orientieren. Er selbst bekennt, lange Jahre Irrender gewesen und von den "Lockungen von Ehe und Ehrenamt" geblendet worden zu sein.

Augustinus beschreibt uns aber auch das Bild des Menschen, der den Naturgewalten ausgeliefert ist. Wie ein Spielball wird der Mensch von Gott oder der Natur "in diese Welt wie in ein stürmisches Meer" geworfen. Durch eigenes Handeln kann der Mensch zum Festland des Glücks gelangen. In späteren Werken des Kirchenvaters tritt das individuelle Handeln zugunsten der Gnade Gottes zurück, die den Menschen zur Erlösung führt.

Der Hauptteil beginnt mit der Vorstellung der Gesprächsteilnehmer. Anlässlich seines Geburtstages unterhält sich Augustinus mit seiner Mutter Monnica "der ich alles verdanke, was ich bin", seinem Bruder Navigius, seinem Sohn Adeodatus "viel versprechenden Geistes, wenn mich meine Liebe nicht täuscht" sowie Vettern, Freunden und Schülern. Gegenstand der Unterhaltung ist das persönliche Glück. Immer wieder achtet Augustinus darauf, dass die Teilnehmer mit dem Fortgang Schritt halten und am Ende jedes Abschnittes fasst er die Ergebnisse zusammen.

Der Dialog baut auf den elementaren Grundlagen der Erkenntnis auf. Mehr als tausend Jahre vor der Geburt des Cartesius bezieht Augustinus den Zweifel in die wissenschaftliche Arbeit mit ein: "Weißt du wenigstens dass du lebst? ... Dass es beides gibt, Leib und Seele, daran zweifelst du also nicht". Seine Erkenntniskette baut er logisch auf: Ich lebe, also habe ich einen Leib und eine Seele. Alle Menschen streben nach dem Glück "beatos nos esse volumnus". Glücklich ist aber nur, wer besitzt, was er begehrt und keinen Mangel leidet. Das Gut, was er begehrt,"Darf weder von Fortuna abhängig noch irgendwelchen Zufällen unterworfen sein. Denn Sterbliches und Vergängliches können wir nicht besitzen, wann und wie lange wir es wollen". Folglich muss das Glück verheißende Gut ewig und zeitlos sein - Gott. "Glücklich ist, wer Gott hat".

Augustinus wirft die Frage auf "wer von den Menschen Gott hat". Nach eingehender Diskussion reift der Schluss: Gott ist in allen Menschen. Auch hier unterscheidet Augustinus drei Arten von Menschen. Diejenigen, die Gott gefunden haben sind glücklich. Menschen, die auf der Suche nach Gott sind, können noch nicht glücklich sein. Alle Menschen, die sich von Gott entfernt haben, sind unglücklich.

An zwei Arten der Speise stellt Augustinus metaphorisch dar "wie für den Körper, so auch für die Seele, die eine heilsam und nützlich, die andere schädlich und verderblich" sein kann. Es gilt, das rechte Maß zu finden (frugalitas) und das maßlose zu meiden (nequitia). Das Maßvolle ist für Augustinus das Sein, die Fülle, das Weise. Das Maßlose setzt er hingegen mit dem Nicht-Sein, dem Mangel und der Torheit gleich.

Fazit: Das Frühwerk zeigt einen rhetorisch geschulten Kenner der klassischen Philosophie, der elegant die Brücke zwischen der alten und neuen Welt schlägt.

Die zweisprachige Reclam Ausgabe des Werks ist mit ausreichenden Anmerkungen ausgestattet und gut kommentiert.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Leicht lesbarer Einstieg in das Denken des Augustinus, 18. Mai 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: De beata vita / Über das Glück: Lateinisch/Deutsch (Taschenbuch)
Bei diesem kleinen Werk des großen Kirchenlehrers Aurelius Augustinus handelt es sich um die Wiedergabe eines Dialoges mit seinen Freunden, die er einem anderen verehrten Freund widmet. Die grundsätzliche Frage dabei: "Wer ist wirklich glücklich", wie ja der Titel schon erwähnt. Die Konklusionen dabei sind nicht unbedingt immer schlüssig, weil in bezug auf die "geistige Haltung" des Lesers einiges vorausgesetzt wird - für einen Heiden dürfte diese Schrift nicht gedacht gewesen sein. Aber der heutige Leser wird sich sehr leicht zurechtfinden, auch wenn eben manche Argumentation unbefriedigend bleiben muß. Der Text erweist sich dabei ideal als Einstieg in das augustinische Denken, mit vielen stoischen, platonischen Einflüssen. Wer sich mit Augustinus noch nicht befasst hat, sollte dieses leicht lesbare und kurzweilige Buch unbedingt lesen.
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De beata vita / Über das Glück: Lateinisch/Deutsch
De beata vita / Über das Glück: Lateinisch/Deutsch von Augustinus (Taschenbuch - 1. Januar 1982)
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