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Kundenrezensionen

49
4,1 von 5 Sternen
Frau Jenny Treibel (Reclams Universal-Bibliothek)
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Jenny Treibel hat es geschafft: Durch die Heirat mit einem Fabrikanten ist sie aus einfachen Verhältnissen ins Berliner Großbürgertum aufgestiegen. Stolz trägt sie den Pomp ihrer Klasse zur Schau und schwärmt gleichzeitig verklärt von der romantischen Liebe und vom einfachen Leben. Diese Ideale vergisst sie allerdings ganz schnell, als sich die kluge Professorentochter Corinna mit Jennys willenlosem Sohn Leopold verlobt. Die Mutter wirft ihr ganzes Gewicht in die Waagschale, um die nicht standesgemäße Verbindung zu verhindern. Der lebhaften Corinna bleibt trotz ihres Charmes der gesellschaftliche Aufstieg verwehrt, sie muss sich den bürgerlichen Konventionen fügen. Theodor Fontane hat mit "Frau Jenny Treibel" im Alter von 72 Jahren seine Höchstform erreicht. Voller Humor zeichnet der Meister des poetischen Realismus ein lebendiges Bild der Berliner Gesellschaft am Ende des 19. Jahrhunderts. Der Roman besitzt alle Qualitäten, für die Fontane verehrt wird: Lächelnd und voller Menschenliebe schildert der Autor unterschiedliche Charaktere, deren Gespräche er mit ironischen Seitenhieben auf die konservative Gesellschaft spickt. Die Lektüre von Fontanes witzigstem Werk ist eine Zeitreise in eine andere Welt, in der die Suche nach dem Glück aber offenbar ebenso dramatisch und komisch war wie heute.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. März 2005
Dieses Buch ist eines der wenigen, das mich in der Schule wirklich fasziniert hat! Die Handlung an sich gibt nicht besonders viel her: Jenny Treibel versucht die Heirat ihres Sohnes Leopold mit Corinna, einer Professorentochter, zu vereiteln, da sie diese als unter ihrerm Stand/Würde ansieht.
Hierbei kommt der Charakter der Jenny Treibel voll zur Geltung: selbst einmal arm gewesen versucht sie nun alles, um ihre Stellung im Besitzubürgertum zu halten und zu mehren. Fontane hat es wirklich verstanden den Realismus in dieses Buch zu bringen und er zeichnet ein detailliertes Bild der wilhelminischen Gesellschaft.
Ich empfehle dazu die Lektürehilfe von Klett, die einem wirklich noch jeden Winkelzug und die versteckten Genialitäten in diesem Werk aufzeigt, um voll in den Genuss dieses Buchs zu kommen.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. August 1999
"Frau Jenny Treibel" gehört zu Theodor Fontanes bekanntesten und auch besten Romanen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der heiratsbedingte Aufstieg der Kleinbürgerin Jenny Bürstenbinder in die Kreise der Fabrikanten-Bourgeosie in den 1880er Jahren. Relativ schnell hat sie sich dem Verhalten, der Sprechweisen und dem Lebensstil ihrer neuen Schicht angepaßt und entsprechend hat sie auch ihre Söhne erzogen. In ihrem Gedächtnis, in ihrem Herzen - wie sie es nennt - trägt sie jedoch die Erinnerung an ihre Jugendzeit, die sie trotz der erlebten Armut zusehends als einfaches, aber glückliches Leben idealisiert. Voller Sentimentalität erinnert sie sich ständig an das Lied "Wenn sich Herz zum Herzen findet", das ihr damaliger Verehrer für sie geschrieben hat; sie läßt es auf ihren Gesellschaften vortragen und wird nicht müde zu beteuern, daß "Herz" und "Liebe" die eigentlichen Werte seien, ohne die man nicht glücklich werden könne. Nichtsdestotrotz hatte sie seinerzeit ihren Verehrer im Regen stehen lassen, als der renommierte und vor allem reiche Fabrikant Treibel um ihre Hand anhielt. Diese Vergangenheit Jennys wird Gegenwart, als die Tochter ihres ehemaligen Verehrers ihren willenschwachen Sohn heiraten will und somit selbst den Aufstieg in die Bourgeosie beabsichtigt. Alle heeren Worte, alle beschworenen Werte sind bei Jenny schnell über Bord geworfen, sie kämpft nun wie eine Löwin, um diese unstandesgemäße Heirat zu verhindern. Diese Geschichte ist höchst amüsant geschrieben und brilliert in ihrer subtilen Ironie, hinter der der Leser immer wieder den augenzwinkernden Fontane erkennt. Unbedingt zu empfehlen! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. November 2007
Berlin im ausgehenden 19. Jahrhundert. Das Regiment im Haus von Kommerzienrat Treibel führt seine Frau Jenny, die aus einfachen Verhältnissen stammt, sich daran aber nicht gern erinnert und stets bestrebt ist, sich standesgemäß zu geben. Sie hofft, dass Treibels politische Ambitionen Früchte tragen, produziert sich gerne bei gesellschaftlichen Zusammenkünften und versucht, ihren hoffnungslosen zweiten Sohn Leopold auch noch anständig zu verheiraten.

Dass die kecke, gewitzte und kokette Professorentochter Corinna Schmidt ein Auge auf Leopold geworfen zu haben scheint, passt der Dame so gar nicht ins Konzept. Leopold soll wie sein älterer Bruder eine Frau von gleichem Stand heiraten, schließlich ist Otto Treibel mit einer Hamburgerin aus sehr gutem Hause verheiratet.

Fontane zeichnet hier mit Witz und Ironie ein satirisches Gesellschaftsbild, das mir nach einigen Anlaufschwierigkeiten (viel politisierendes Wortgeplänkel bei geselligen Abenden, zahlreiche Bezüge zur damaligen aktuellen Gesellschaftslage, die mir nichts sagten) doch noch Spaß gemacht hat, mit sprechenden Namen (am besten fand ich, wenn er die Töchter von Professor Kuh als Kälber bezeichnet hat ) und etwas überzeichneten Figuren, den Irrungen und Wirrungen von Liebe und Kalkül bei der Partnerwahl und einer leise durchklingenden Kritik an Standesdünkel und Überheblichkeit, die sich in der Person von Jenny Treibel konzentrieren. Die Titelfigur war somit eine der unsympathischsten Figuren für mich.

10 Jahre nach Anschaffung als Schullektüre, die nie beendet wurde, bin ich froh, das Buch endlich gelesen zu haben - auch wenn ich mich zumindest anfangs auf die Sprache und die Hintergründe erst mal richtig einlassen musste.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. April 2012
Frau Jenny Treibel, Fabrikantengattin und "Kommerzienrätin", hat um des Geldes Willen nach oben geheiratet, zelebriert aber nach 30 oder mehr Jahren Ehe noch immer eine sentimentale Freundschaft zu ihrer Jugendliebe, einem Gymnasiallehrer. Doch wie wird sie reagieren, wenn dessen lebhafte, intelligente fünfundzwanzigjährige Tochter nun ihrem eigenen netten, mediokren Sohn Avancen macht, ebenfalls um des Geldes Willen?
Das ganze sanfte Drama spielt sich, hauptsächlich durch Gespräche der Protagonisten erzählt, binnen weniger Wochen und einiger Abend- und Nachmittagsgesellschaften ab, ein schönes Gesellschaftsporträt mit vielen zeittytischen Anspielungen, eine wunderbare Zeitreise ins späte 19. Jahrhundert. Ein wenig unglaubwürdig, weil zu gutmütig, scheint mir der Kommerzienrat Treibel zu sein. Überhaupt kommen, wie oft bei Fontane, die Männer eher besser weg als die Frauen, ungeschlagen allerdings die herzensgute Haushälterin Schmollke, die aber wiederum auch dadurch besticht, dass sie ständig ihren ebenfalls herzensguten Verblichenen zitiert.
Lesen und genießen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. November 2011
"Frau Jenny Treibel" ist der humorvollste Roman, den ich von Theodor Fontane gelesen habe. Nach "Irrungen, Wirrungen" und "Effie Briest" geht es auch hier vordergründig darum, wer mit wem zusammen kommen soll oder auch nicht. War es in "Irrungen, Wirrungen" der Versuch, eine gesellschaftlich unmögliche Verbindung durchzusetzen, was scheiterte... und in "Effie Briest" der Leidensweg der Protagonistin, die sich in ihrer Ehe in einen anderen verliebte.. so nutzt Fontane diese Geschichte um einerseits ein millieugerechtes Bild diverser gesellschaftlicher Schichten zu zeichnen, andererseits auch einige Male klar Stellung zu beziehen - aber immer humorvoll und mit Liebe zu den verschiedenen Charakteren. Dieses besonders gelungene Werk gesellschaftlicher Satire aus dem Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts kann ich wärmstens empfehlen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. Mai 2012
Frau Jenny Treibel, Kommerzienrätin, ist eine alte Freundin von der jungen Corinna Schmidt. Sie fährt im Landauer vor und überbringt ihr eine Einladung zum Dinner. Die Treibels sind das Sinnbild der Bourgeoisie. Sie verkörpern die hohlen Phrasen und tun alles um den Schein zu wahren, um gut in der Gesellschaft angesehen zu sein. Die Schmidts sind das genaue Gegenteil. Eine gebildete Familie, die nicht zum Geldadel gehören. Corinna freundet sich mit Leopold an. In der Gesellschaft der Treibels kommt die neue Bürgerschicht zum Ausdruck. Herr Treibel schließt sich der Politik an und möchte in der Gesellschaft etwas gelten. Die Gesellschaft der Schmidts ist geprägt von Gymnasiallehrern und gebildeten Professoren. Sie stellen die Bildungsbürger dar. Ein bisschen verstaubt und an die alten Griechen gebunden. Durch Corinna und Leopold werden die beiden Schichten miteinander konfrontiert. Corinna möchte dieser Schicht entweichen und für sie ist Leopold der Rettungsanker. Mit ihm kann sie das verwirklichen, was eine junge gebildete Frau erreichen möchte. Marcel möchte ihr die Flausen austreiben und redet ihr gut zu. Er erfährt, dass Willibald Schmidt in früheren Zeiten Interesse an Jenny Treibel hatte. Sie es aber nicht ernst meinte. Beide blieben freundschaftlich verbunden. Sie werde Leopold nur für einen ansehnlichen Zins abgeben. Die Poesie ist bei ihr falsch und nur gespielt. Sie entledigt sich ihrer niedrigeren Herkunft. Das beruhigte Marcel. Jenny Treibel ist erbost, als Leopold ihr die Verlobung mit Corinna mitteilte. Sie möchte einen Skandal vermeiden und verheiraten ihn mit Hildegard. Sie ist das gewünschte Objekt für Leopold. Die Eltern machen sich nichts vor und verheiraten ihn standesgemäß mit einer Kaufmannsfamilie. Leopold scheitert an seine Untätigkeit, so dass Corinna das Interesse an ihm verliert. Marcel ist schließlich ihre Wahl.
Es ist eine Satire auf die Koketterie. Der Untertitel, wo sich Herz zum Herzen find't, ist der poetischen Anklang und doch ist er nur Schein. Sprachlich ist es eine Charakterisierung der Positionen. Man bleibt in den besseren Kreisen unter sich. In den Gesprächen sieht man den Witz Fontanes. Unverhohlen spricht er die Sicht der Dinge aus.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Dezember 1999
In Anbetracht des Verlages, der Aufmachung und des ungemein günstigen Preises der vorliegenden Ausgabe drängt sich mir folgendes auf: Sicherlich geht es mir wie vielen anderen Lesern: Zahlreiche Bücher, die man in der Schule lesen mußte, werden alleine schon durch diese Tasache zu unsäglichen Machwerken, die man mit der nächsten Appollo-Rakete auf den Mond schießen möchte. Bei "Frau Jenny Treibel" von Fontane ging es mir nicht so. Denn die Geschichte ist einfach zu stark, die Sprache zu gewitzt als daß man das Buch nach bestandenem Abitur einfach zur Seite legt - auf Nimmer Wiedersehen. Fontanes Gesellschaftssatire über den sozialen Aufstieg und den damit verbundenen mentalen und psychischen Veränderungen eines Menschen stammt aus dem vergangenen Jahrhundert, es könnte jedoch auch heute spielen. Selbstsucht, Überheblichkeit, Vergessen der Vergangenheit, soziale Härte, aber auch gleichzeitig die Idealisierung der guten alten Zeit - alles Elemente eines ständig aktuellen Themas, hier thematisiert in Jenny Bürstenbinder, der Tochter eines kleinen Gemüsehändlers, die in die höchsten bourgeoisen Kreise einheiratet. Fontanes witzig-ironischer Schreibstil macht die Lektüre darüber hinaus zu einem einzigartigen Erlebnis!. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. Januar 2012
Er kann es: auch die humorvolle Sparte ist Fontane ganz und gar nicht fremd. Hier ist das größte und eindrucksvollste Beispiel. Man stellt sich den Autor quasi plastisch vor, wie er an seinem Schreibtisch sitzt und aus dem Schmunzeln nicht herauskommt. Er läßt es offen: ist alles -wirklich alles nur eine Farce? Eins ganz sicher: die Kommerzienrätin Jenny Treibel geborene Bürstenbinder aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammend, ist eine reine Witzfigur....für den Leser wohlgemerkt, jedoch nicht für die sie umgebende Staffage, die schlecht daran tun würden, diese Vorzüglichste nicht für voll zu nehmen. Und diese Staffage, die sich allesamt ernst nimmt: der hilflose Sohn Leopold, die hochstrebende Jenny, die Schwiegertochter Helene, der Leutnant Vogelsang - alle nehmen sie sich für voll und jedes Wort, das sie sprechen karikiert sie.
Lediglich der Kommerzienrat Treibel: er durchschaut seinen Autor und ist die wie immer gelassen, joviale Patriarchengestalt. Köstlich wie er sich selber kritisiert, bei dem Durchlesen der ihn betreffenden Zeitungsartikel und noch köstlicher, wie er feststellt, daß trotz Schwiegertochters Einfluss DOCH Blut in seiner Enkelin Adern fließt.
Ich hatte gerade vor kurzem wieder das Hörbuch durchgehört, direkt nach dem Genuß des Effi Briest Hörbuchs und es fiel mir wie Erleichterung von der Seele, daß es auch humorvolle Beispiele des Satzes gibt "Es gibt kein richtiges Leben im Falschen".
Kurz noch zum Hörbuch: es sei jedem wie immer wärmstens die Gert Westphal Ausgabe empfohlen - wie immer köstlich!
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. März 2009
Angesichts der neueren Verfilmung des Stoffes, bei der man vermeintlicherweise glauben mag, die Geschichte der Effi Briest von Fontane aufgetischt zu bekommen, lohnt einmal wieder die Lektüre des Originals. Man wird dabei entdecken, dass der Roman eine sehr andere Geschichte erzählt als ihre aktuelle Verfilmung - und zwar nicht nur wegen des geänderten Schlusses.
Fontane orchestriert in großartiger Weise all die unterschiedlichen Stimmen seiner Figuren Effi, Frau und Herr Briest, dem Liebhaber Crampas und dem ältlichen Innstetten. Von einem Distanz haltenden und Überblick bewahrendem Erzähler werden sie alle in ihrer gesellschaftlichen Rolle erfasst und beleuchtet. Aus der erzählerischen Distanz begreift man den gesellschaftlichen Zwang, dem alle hier auftretenden Charaktere unterworfen sind: Das naive Mädchen Effi, die - noch halb Kind - ihren Eltern gefallen will, zugleich aber den preußisch eingeimpften Ehrgeiz in sich kultiviert; die sich selber halb weis machen will, sie könne diesen 30 Jahre älteren Innstetten lieben, der pikanterweise vor vielen Jahren um die Mutter geworben hat. Innstetten, der sich - mitunter sogar rührend - um das ihm doch recht fremde Mädel kümmert, der aber keinerlei Schimmer hat, was eine Beziehung zu einem Menschen neben der gesellschaftlichen Konvention und Rolle noch sein könnte; der schließlich einen Menschen im Duell erschießt, nicht weil er aus den tiefen seiner Verletztheit nicht anders konnte, sondern weil er glaubt, gesellschaftlich wohl so handeln zu müssen - auch wenn ihm selbst leichte Zweifel hieran kommen. Schließlich die Eltern, die ihre eigene Tochter nach dem entdeckten Ehebruch mit Crampas glauben verstoßen zu müssen, weil es sich wohl so geziemt. Ein Haufen Fremdbestimmter, die eigentlich nicht wissen was sie tun, noch was sie tun sollen. Die dem Popanz eines abstrakten Ehrenkodex aufsitzen, aus dem es innerhalb dieser Gesellschaft kein entkommen gibt.
Das soll erzählt werden. Fontane übt an seiner Gesellschaft Kritik, indem er sie in ihrer Beschränktheit zeigt und die Mittel, mit denen er dies tut, sind wunderbar: Die Spannung der Geschichte ergibt sich einzig aus dem Zuschauen der Charaktere in ihrer jeweiligen Zwangsituation. Die psychologische Genauigkeit dabei ist für den Leser schierer Erkenntnisgenuss. Hinzu kommen die vielen Motive und Symbole wie die Schaukel, der reißende Schlon und der exotische Chinese, die - verwoben mit dem gesamten Stoff - die Handlungsgeschichte überhöhen und aufladen. Diejenigen Elemente hingegen, die man auf der Geschehensebene landläufig mit Spannung verbindet wie die Hochzeit Effis, die Affäre mit Crampas oder das Duell mit Todesfolge werden geschickt, ja mit Meisterschaft übergangen. Diese hochgradige, an Lakonie grenzende Subtilität macht einem erst die ganze Wucht der des Erzählten erfahrbar. Wenn es beispielsweise im ersten Satz des 3. Kapitels - nachdem wir Effi bisher nur als kindliches, mit Freundinnen spielendes Mädchen wahrgenommen haben - heißt: "Noch an demselben Tage hatte sich Baron Innstetten mit Effi Briest verlobt." Effi Briest zeigt Fontanes ganze Könnerschaft.
Was macht der Film von Hermine Huntgeburth hieraus? Ich möchte vorwegschicken, dass ich Literaturverfilmungen grundsätzlich für ein spannendes Genre halte. Huntegeburths Film jedoch läuft in allen Bereichen auf eine unentschuldbare Verflachung hinaus. Die Vielschichtigkeit der Charaktere wird gegen ein holzschnitzartiges Gut / Böse vertauscht. Effi ist von Anbeginn die trotzige Kritikerin, die sich dieser Gesellschaft ausgeliefert fühlt und aufbegehrt. Innstetten wirkt in seinem Verhalten wie ein brutaler Waldschrat, der Effi in der Hochzeitsnacht aufs Übelste vergewaltigt. Der Sympathieträger Sebastian Koch hingegen widerspricht dieser Aussageabsicht der Regisseurin. Die Affäre (im Buch gibt es nur einen einzigen erzählten Kuss und bis zur Entdeckung der Briefe weiß man nicht definitiv von der Affäre) wird natürlich weidlich ausgekostet. Und schließlich emanzipiert sich Effi zum Schluss des Films. Sie ist nicht - wie alle anderen Figuren im Roman ebenfalls - das Opfer ihrer Gesellschaft, sondern transzendiert diese. Sie geht als alleinige Siegerin, als erste emanzipierte Frau über ihre Gesellschaft hinaus und lässt alle anderen bedröppelt zurück. Das wiederum verkehrt die Aussage Fontanes ins Gegenteil! Während Fontanes Roman eine zwar unausgesprochene - und daher umso harschere - Kritik an der gründungsbürgerlichen Gesellschaft der Bismarckzeit übt, entlässt der Film sein Publikum in mit dem siegesgewissen Lächeln auf den Lippen, es wieder einmal geschafft zu haben. Jawohl Effi, du hast es all diesen Relikten der Vergangenheit gezeigt.
Natürlich weiß man, dass das Kino in seiner Zuschauerlenkung anders arbeiten muss als der Film. Es ist allerdings schade, wenn es ihm nur noch gelingt, die einfachsten und basalsten Gefühle auszudrücken.

Zur vorliegenden Ausgabe ist zu sagen, dass sie hervorragend ist. Sie hat Zeilenangaben, verfügt über einen Fußnotenapparat und hat einen großen Anhang, angefangen von einem Lebensabriss Fontanes über den historischen Fall zur Vorlage Effis bis hin zur Rezeption, die auch Fassbinders Verfilmung mit einschließt.

Auf das in Zukunft auch weiterhin Fontane gelesen und nicht nur der Film gesehen wird.
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Effi Briest. Roman.
Effi Briest. Roman. von Theodor Fontane (Taschenbuch - 1986)
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