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41 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Mühe lohnt sich, 4. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: De rerum natura /Welt aus Atomen: Lat. /Dt. (Taschenbuch)
Lukrez ist ein Autor, den man nicht nebenher liest. Er ist sprachlich anspruchsvoll, seine Hexameter wirken - bei aller Kunstfertigkeit - nicht so ausgefeilt wie die eines Vergil oder Ovid, und doch: Lukrez hat etwas. Da ist zunächst die inhaltliche Seite: Lukrez beginnt ein ehrgeiziges Unterfangen: Er will die Philosophie des Epikur in (lateinische) Hexameter bannen. Man täte Lukrez sicher weh, wenn man in seinem Opus lediglich ein Nachschlagewerk zu Epikur sähe. Trotzdem muss zunächst festgehalten werden, dass er diesem rein inhaltlichen Anspruch durchaus gerecht wird. Gleichwohl bietet er mehr. Sprachlich lehnt er sich an sein Vorbild Ennius an (viele Vorbilder gab es ohnehin noch nicht, was Lukrez in mancher Hinsicht zum Pionier macht). Die Sprache des Lukrez erfordert Geduld, die belohnt wird. Bisweilen schwierig und undurchschaubar, ist seine Sprache dennoch (oder gerade deswegen) kunstvoll und beeindruckend.

Die vorliegende Ausgabe von Karl Büchner bietet eine Übersetzung, die - wie letztlich alle Übersetzungen - als Verstehensgrundlage zu betrachten ist, mit der sich sinnvoll weiterarbeiten lässt. Was ein wenig nervt, sind Büchners schlechte Hexameter in der Übersetzung. Ein Beispiel: II, 449:

"mächtiger Kieselstein, des harten Eisens kernige Masse" Sieben betonte Silben im deutschen Hexameter sind doch recht merkwürdig. Auch wenn Büchners Verskunst in vielen Fällen nicht zu überzeugen vermag (Beispiele wie das o. g. findet man ca. alle 10 Seiten), ist seine Übersetzung brauchbar und ein solides Werkzeug. Wie dem auch sei:

Lukrez' "De rerum natura" ist das einsame Meisterwerk eines dichterischen Könners, das die Bestnote allemal verdient hat.
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50 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Lust zu Lesen, 17. September 2008
Rezension bezieht sich auf: De rerum natura /Welt aus Atomen: Lat. /Dt. (Taschenbuch)
Lukrez "De rerum natura" ist einem breiten Publikum heutzutage fast unbekannt. Und das ist mehr als schade. Die vorliegende zweisprachige Ausgabe (auf jeder Seite findet sich links der lateinische Originaltext und rechts eine deutsche Nachdichtung) ermöglicht nun auch dem Leser, der nicht fließend Latein beherrscht, das Werk auf Deutsch kennenzulernen und zugleich die Sprachgewalt des lateinischen Originals zu erleben.

Lukrez mächtiges Lehrgedicht in Hexametern, eingeteilt in sechs Bücher, entstand im ersten Jahrhundert vor Christus. Über den Autor ist fast nichts bekannt, er lebt allein in seinem einzigen Werk weiter. Thema des Gedichts ist die Philosophie Epikurs (die zu großen Teilen überhaupt nur durch Lukrez überliefert ist). Ausgehend von der für die Antike geradezu visionären Erkenntnissen, das alles, was existiert, aus kleinsten unteilbaren Teilchen besteht, entwickelt Lukrez ein rationalistisches und materialistisches Weltbild. Er zeigt, dass alle Erscheinungen und Phänomene der Natur auf natürlichem Weg, ohne Zuhilfenahme überirdischer oder göttlicher Mächte, erklärt werden können. Auch wenn manche konkreten Erklärungsversuche heutzutage naiv oder sogar abseitig klingen, ist doch das grundlegende Anliegen des Buchs für die Zeit seiner Enstehung revolutionär und einzigartig. Lukrez vertritt ein aufklärerisches Weltbild, das in der Antike kein Gegenstück hatte. Kein Wunder, dass dem aufkommenden Christentum das Werk ein Dorn im Auge war, und dass es keine Chance hatte, sich etwa gegen die idealistische Philosophe eines Plato durchzusetzen.

Das materialistische Weltbild ist für Lukrez jedoch kein Selbstzweck. Entsprechend seinem Lehrmeister Epikur strebt Lukrez ein Leben in Glückseligkeit an. Mit Hilfe seiner rationalistischen Philosophie will er den Menschen vor der Furcht vor dem Irrationalen und dem Tod befreien. So lehrt er, dass man schon deshalb vor dem Tod keine Angst haben müsse, weil er ja lediglich den Zustand wiederherstellt, der vor der Geburt bestand, und dieser Zustand war ja auch nicht beängstigend. Lukrez behauptet zwar nicht, dass es keine Götter gebe, er meint aber, dass diese in das menschliche Leben nicht eingreifen. Durch die Befreiung von der Furcht will er zu wahrem Seelenfrieden führen.

Aber trotz seines eher abstrakten Inhalts ist das Gedicht nicht trocken und belehrend, sondern voll gewaltiger Sprachkraft. Lukrez, am Anfang des goldenen Zeitalters der lateinischen Literatur, musste sich - gleich seinem Zeitgenossen Cicero - seine eigene Sprache erst noch erschaffen, und das leidenschaftliche Ringen um den richtigen Ausdruck gibt dem Werk etwas Elementares und Mitreißendes, auch wenn Lukrez' Sprache die abgeklärte Reife der Werke etwa Vergils oder Ovids noch fehlt. An manchen Stellen erhebt sich das Werk zu großer Dichtung, wie etwa in der Einleitung des ersten Buchs, einem großen Hymnus auf die Göttin Venus, welcher Botticelli zu seinem Gemälde "Die Geburt der Venus" inspirierte.

Das Gedicht ist nicht ganz vollendet, was aber den Lesegenuss nicht trübt. Jedem geistig interessierten Menschen sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Für mich ist es von allen antiken Werken, noch vor Vergils "Aeneis" und Ovids "Metamorphosen" das Werk, das am unmittelbarsten zu mir spricht.
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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Atomtheorie und Welterklärung der Antike- eine Schatz!, 9. Juli 2012
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Rezension bezieht sich auf: De rerum natura /Welt aus Atomen: Lat. /Dt. (Taschenbuch)
Von den antiken griechischen Begründern einer atomistischen Naturerklärung Leukipp, Demokrit und Epikur (500 bis 300 v. Chr.)sind nur geringe Bruchstücke ihrer Werke überliefert. Dem Römer Lukrez (ca. 100-50 v. Chr) gebührt das Verdienst uns ihre Theorien in voller Breite in seinem berühmten Lehrgedicht "de rerum natura" überliefert zu haben.
Es ist ein gigantisches Werk: in der Reclam- Ausgabe fast 300 Seiten, in lateinischen Hexametern geschrieben. Ihnen steht seitenweise mit weiteren 300 Seiten die sorgfältige Übertragung ins Deutsche von Karl Büchner gegenüber, ergänzt durch gründliche Anmerkungen.
Lohnt es sich dieses Buch zu lesen?
Lukrez selbst beklagt am Beginn seines Gedichts die (damalige) Armut der lateinischen Sprache, die es nahezu unmöglich machte den Gedankenreichtum und die Eleganz des griechischen Originals nachzuahmen. Entsprechend spröde kommt einem zunächst der lateinische Text vor, in den man sich einlesen muß, wobei die parallele Übersetzung eine große Hilfe ist.
Wie der Rezensent werden die meisten Leser nur Bruchteile des lateinischen Textes studieren, sich aber schnell von dem Inhalt der deutschen Übersetzung faszinieren lassen. Der hat es in mehrfacher Hinsicht in sich.
1.) Lukrez breitet die Grundgedanken der Atomisten in detaillierten Weise aus, die erkennen läßt, welch großartiges Denkmodell die griechischen Vorbilder entwickelt hatten. Der grundlegende Bruch mit Vorläufertheorien ist, daß die Welt im wesentlichen leer ist (wir würden heute von Vakuum sprechen), in der sich kleinste Teilchen mit begrenzt vielen unterschiedlichen Eigenschaften bewegen und zusammenklumpen können. Es ist mißverständlich, wenn wir den antiken Begriff Atom auf unsere heutigen Atombegriff reduzieren; tatsächlich ist die Theorie ganz universell, wenn wir als unsichtbare, unteilbare Grundeinheiten der Atomisten neben Atomen das zulassen was wir heute als Quark, Photon, Molekül, als Gen, als Zelle bezeichnen.
2.) Er beschreibt zahlreiche Erscheinungen in atomistischer Auslegung. Manches mag beim ersten Hören naiv erscheinen, wie die antike Auffassung, daß beim Sehen die z.B. von der Sonne beleuchteten Gegenstände materielle Häutchen von ihrer Oberfläche aussenden, welche die Kenntnis des Aussehens ins Auge übertragen. Tatsächlich ist dies eine ganz moderne wellenmechanische Vorstellung, wenn man als kleinste Teilchen der Häutchen Photonen sieht, und die Häutchen als das von der Oberfläche modulierte Wellenfeld der beleuchtenden Lichtquelle. Stringent leitet er Brechung und Spiegelung ab, überträgt die Ergebnisse auf das Hören, beschreibt die Endlichkeit und unterschiedliche Größe der Ausbreitungsgeschwindigkeit von Schall und Licht.
3.) Während der moderne Naturwissenschaftler sich scheut sein enges Fachwissen auf die Gesamtheit der Erscheinungen anzuwenden, ist es das universelle Ziel von Lukrez ALLE Erscheinungen der Natur unter dem atomistischen Aspekt zu verstehen, den Unterschied zwischen lebender und toter Materie wie den zwischen Körper und Geist. Hochinteressant!
4.) Den Naturphilosophen liegt nicht daran als Ingenieur exakte Voraussagen zu treffen, sondern plausible Erklärungen zu finden. Lukrez folgt hier der Methode Epikurs, der zufrieden ist, wenn es für ein natürliches Phänomen (berühmte Beispiele sind Gewitter und die regelmäßigen Nil-Überschwemmungen)wenigstens eine Erklärung gibt, die auf natürlichen Ursachen beruht und nicht den Eingriff von übernatürlichen Kräften erfordert.
5.) Wie bei Epikur ist für Lukrez "die Befreiung der Seele von der Angst" vor Göttern und übernatürlichen Mächten das Ziel aller Bemühungen. In klugem Selbsterhaltungtrieb läßt er den römischen Göttern ihre Existenz, sie haben aber nichts mit der Welt und den Menschen zu tun, für die alles nach Naturgesetzen geschieht.

Ich kannte bisher nur die überlieferten Bruchstücke der Atomisten und war völlig überrascht, welche höchst modernen und universellen Vorstellungen sich in ihrem dank Lukrez überlieferten Gesamtwerk finden lassen. Insofern ist dies ein Schatz, dessen Kenntnis zum Grundbestand einer Allgemeinbildung gehören sollte. Höchste Anerkennung gebührt dem Übersetzer, der eine so große Arbeit für einen sicher begrenzten Kreis von Latein-Lesern auf sich nahm. Er verdient es, daß die Übersetzung einen breiteren Leserkreis findet.
Detaillierte Angaben zu Lukrez und dem Inhalt des Werkes findet man unter [...]

Dieter Roess
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ausführliche Darstellung des antiken Atomismus in Gedichtform, 15. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: De rerum natura /Welt aus Atomen: Lat. /Dt. (Taschenbuch)
Über den Autor Lukrez ist nur wenig Sicheres bekannt. Er lebte vermutlich im 1. Jahrhundert vor Chr., war Römer und Anhänger der epikureischen Lehre.

Sein Werk De rerum natura ist weniger der Versuch einer eigenen naturphilosophischen Betrachtung, sondern die möglichst genaue Darstellung der Lehren des Epikur. Sein Werk stellt die längste und ausführlichste Darstellung der epikurischen Lehre und des antiken Atomismus dar. Dieses Werk besteht aus sechs Büchern und ist in der Form eines Lehrgedichts abgefaßt. Im 1. Buch werden die Grundlagen von Raum und Materie erläutert. Buch 2 behandelt die Bewegung und Formen der Atome. Somit sind die Grundlagen der epikureischen Naturphilosophie dargestellt. In den weiteren Bänden werden Seele und Körper des Menschen, seine Sinneswahrnehmungen, die Weltenstehung und weitere Naturphänomen erklärt.

In der vorliegenden Reclam-Ausgabe wird der lateinische Text jeweils seitenweise der Übersetzung von Karl Büchner gegenübergestellt. In einem ausführlichen Nachwort erfolgt eine recht gute Einführung in das Werk.

Das Buch ist sehr gut geeignet, um ein tieferes Verständnis der antiken Atomtheorie und der materialistischen Naturerklärung in ihrer epikureischen Interpretation zu erlangen. Allerdings ist es durch die Gedichtform sehr mühselig zu lesen. Aber das ist natürlich Geschmacksache.
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De rerum natura /Welt aus Atomen: Lat. /Dt.
De rerum natura /Welt aus Atomen: Lat. /Dt. von Titus Lucretius Carus (Taschenbuch - 1986)
EUR 16,80
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