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4.0 von 5 Sternen "Revolte der realistischen, sensualistischen Lebenslust gegen die spiritualistisch-altkatholische Askese"
Heinrich Heines Tanzpoem entstand als Auftragsarbeit für das königlich englische Theater zu London. Leider kam das Ballett nicht zur Aufführung.

In den einleitenden Bemerkungen beschreibt Heine die Entstehung der historischen Faustsage. Als Quelle nennt er ein „altes angelsächsischem Gedicht“, das als Mysterium französischer...
Veröffentlicht am 14. März 2013 von M. Thomas

versus
2 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen nicht so toll
gehört für mich eher zur Sekundärliteratur, als zur Primären. Das eigentliche Stück ist ca.20 Seiten lang. die Hintergrundinformationen über die hisotrischen Vorgänger des Faust benötigen 2 Drittel des Buches
Veröffentlicht am 8. März 2009 von S. Lenglachner


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4.0 von 5 Sternen "Revolte der realistischen, sensualistischen Lebenslust gegen die spiritualistisch-altkatholische Askese", 14. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Doktor Faust (Taschenbuch)
Heinrich Heines Tanzpoem entstand als Auftragsarbeit für das königlich englische Theater zu London. Leider kam das Ballett nicht zur Aufführung.

In den einleitenden Bemerkungen beschreibt Heine die Entstehung der historischen Faustsage. Als Quelle nennt er ein „altes angelsächsischem Gedicht“, das als Mysterium französischer Troubadoure den Weg zurück auf die englische Bühne über Marlowes Drama fand und dann in Puppenspielen einer breiteren Bevölkerung zugänglich wurde. Goethe verdankte einer solchen Aufführung die Inspiration zu seinem Drama („Ihr naht euch wieder schwankende Gestalten, die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt“ – Zueignung in: Faust der Tragödie erster Teil). Auch Heine kannte die Schauspiele: „So erinnere ich mich selbst, dass ich zweimal von solchen Kunstvagabunden das Leben des Faust spielen sah“.

Während Heines Tanzpoem sich an den Volksbüchern orientiert, herrscht nach Heines Einschätzung in Goethes Drama der Einfluss der Puppenspiele vor. Goethes Fragmentausgabe „weicht noch nicht ab von der schlichten Puppenspielform, und es ist kein wesentliches Motiv darin enthalten, welches auf eine Kenntnis der älteren Originalbücher von Spieß und Widmann schließen lässt“.

Doch zwischen Goethes Drama und Heines Tanzpoem sind zahlreiche Parallelen erkennbar. Im Mittelpunkt der Handlung steht der „magisterhafte“, „doktorstolze“ Gelehrte, der seine Seele dem Teufel verspricht, um des Lebens höchste Genüsse zu erlangen. Das Bündnis wird mit Blut besiegelt. Im Unterschied zu Goethes Mephistopheles ist Heines Mephistophela jedoch ein weiblicher Teufel. Aber in Heines Faustinszenierung fehlt der Hexensabbat ebenso wenig, wie die leidenschaftliche Sehnsucht Fausts nach der klassischen Schönheit, verkörpert durch Helena.

Gravierender sind die Unterschiede schon, wenn man Fausts Liebe zu der einfachen Bürgertochter betrachtet. In Goethes Faust büßt Gretchen für ihre Leidenschaft im Kerker und bezahlt für ihr Vergehen mit dem Leben. Heine erspart seiner Jungfrau diesen Leidensweg, lässt hingegen Faust büßen. Auf dem Weg zum Brautaltar fordert Mephistophela von Faust den Wetteinsatz. Im Gegensatz zu Goethe folgt Heine der Vorlage des Volksbuches. Heines Faust darf nicht auf Erlösung durch die himmlische Heerschar hoffen, er muss den „Höllenfürsten“ den Tribut zollen.

An diesem Punkt setzt auch Heines Kritik an Goethes Handlung an. „Er (Goethe) hat sich in dieser Beziehung einer Willkür schuldig gemacht, die auch ästhetisch verdammenswert war. Ja, die Mängel seines Gedichtes entsprangen aus dieser Versündigung, denn indem er von der frommen Symmetrie abwich, womit die Sage im deutschen Volksbewusstsein lebte, konnte er das Werk nach dem neu ersonnenen ungläubigen Bauriss nie ganz ausführen, es ward nie fertig, wenn man nicht etwa jenen lendenlahmen zweiten Teil des Faustes, welcher vierzig Jahre später erschien, als die Vollendung des ganzen Poems betrachten will. In diesem zweiten Teil befreit Goethe den Nekromanten aus den Krallen des Teufels, er schickt ihn nicht zur Hölle, sondern lässt ihn triumphierend einziehen ins himmelreich, unter dem Geleite tanzender Engelein, katholischer Amoretten, und das schauerliche Teufelsbündnis, das unseren Vätern so viel haarsträubendes Entsetzen einflößte, endigt als frivole Farce – ich hätte fast gesagt: wie ein Ballett.“

Während Goethes Faust unterschiedliche Aspekte berücksichtigt (u.a. Belohnung für stetes Streben des Menschen, Tatkraft im zweiten Teil) und dadurch in gewisser Weise moderner ist, läuft Heine Faustmotiv auf eine Polarisierung hinaus. Die „eigentliche Idee“ der Faustsage besteht Heine zufolge in der „Revolte der realistischen, sensualistischen Lebenslust gegen die spiritualistisch-altkatholische Askese“.

Leider gelang Heines Ballett nicht der Durchbruch auf der Bühne.
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2 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen nicht so toll, 8. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Doktor Faust (Taschenbuch)
gehört für mich eher zur Sekundärliteratur, als zur Primären. Das eigentliche Stück ist ca.20 Seiten lang. die Hintergrundinformationen über die hisotrischen Vorgänger des Faust benötigen 2 Drittel des Buches
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Der Doktor Faust
Der Doktor Faust von Heinrich Heine (Taschenbuch - 1991)
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