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Trost der Philosophie
Format: TaschenbuchÄndern
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29 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. Mai 2001
"Der Trost der Philosophie" gehört wahrscheinlich zu den schönsten Werken der (spät-)antiken Philosophie. Der zu Unrecht verurteilte Boethius führt im Gefängnis ein Zwiegespräch mit der personifiziert gedachten Philosophie über Recht und Unrecht. Dabei werden alle Register stoischer Sprach- und Disputationskunst gezogen, um den armen Gefangenen am Schluß davon zu überzeugen, dass er mit Recht stolz auf sein Leben sein kann und sich um die Ungerechtigkeit seiner Richter nicht weiter kümmern soll. Der Dialog ist teils amüsant (wenn auch nie so ironisch wie die platonischen) und nie langweilig, lediglich die eingestreuten Gedichte mögen für manchen nicht so ansprechend sein. Selbige lassen sich aber ohne Verlust überlesen. Dieses Buch ist zwar auch als "Zwischendurchlektüre" geeignet, verdient aber eigentlich eine eingehende Lektüre. Am besten einfach anfangen zu lesen, die Reclamausgabe dürfte schließlich auch preislich überzeugen :-)
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Februar 2014
Ein Buch, welches den Weg zur Erkenntnis, von der unberechenbaren Macht Fortunas, die sich dem Menschen gegenüber als unzuverlässige Instanz herauskristallisiert, zu den wahren, den Seelenfrieden bringenden zeitlosen Ideen führt. Der Gesinnungswandel vollzieht sich in Form eines Heilungsprozesses zwischen dem Autor und der personifizierten Philosophie. Der mit Vorkenntnissen versehene Leser wird die hohe Äquivalenz zu Platon schnell bemerken und seine Kunst der Didaktik wiederentdecken. Boethius, der des Hochverrats bezichtigt und verurteilt wurde, verfasste seine Consolatio nach vorherrschendem Konsens während der Gefangenschaft und wurde kurze Zeit später hingerichtet.
Durch seine Schicksalsschläge geprägt, scheint die Idee des Guten in dieser Welt generell in Frage zu stehen. Er fragt sich nun, ob der Mensch auf sein Schicksal Einfluss nehmen kann, oder ob die Vorsehung Gottes keinen Spielraum mehr für etwaige Willensentscheidungen offenlässt. Zunächst jedoch, ebnet die Philosophie den Weg für das Verstehen des wahren Glücks und offenbart dem Gefangenen, dass sein bisheriges Streben nach irdischen Gütern wie Reichtum, Würden und Macht nur ein Scheinweg sei, der vorgibt diesen Trugbildern nachzueifern und sie für die höchsten zu erreichenden Ziele des Menschen ausgibt. Es gilt die Blickrichtung zu wechseln und sein Leben nicht von den täglich sich materiell aufdrängenden Dingen beeinflussen zu lassen, sondern eine geistige Perspektive einzunehmen, die sich der unveränderlichen Wesensform widmet. Boethius lässt hier seine neuplatonische Prägung durchschimmern, denn auch Platon versuchte sich von der Welt des Stofflichen zu lösen und stattdessen die Quelle des Guten durch den stufenweisen Aufstieg der Seele zu erreichen. Die Reden der Philosophie bewirken nun ihren Trost und ermöglichen ein Einsehen bei Boethius, dem irdischen Streben zu entsagen und bereit für die Erkenntnis Gottes zu sein.
Doch seine gewonnenen Erkenntnisse schlagen sich schnell wieder in große Zweifel um, denn in Anbetracht all der Übel auf der Welt, scheint es sehr abwegig, die Natur durch den Plan eines höchsten Guten geleitet zu sehen. Boethius wirft hier das bekannte Theodizeeproblem auf. Die Philosophie argumentiert mit dem Verweis auf das in allen Lebewesen strebende Verlangen nach Glückseligkeit und das es dem Bösen lediglich an Sein mangelt sein Wesen zu erfüllen. Je nach Abweichung seiner eigenen Konstitution bekomme jeder den ihm zugewiesenen Lob oder Tadel.
Doch gerade diese Zuweisung sieht Boethius nach keinen nachvollziehbaren Gesetzmäßigkeiten ablaufen, stattdessen scheinen für ihn Lohn und Strafe willkürlich verteilt zu werden. Der Blick des ganzen Anliegens gleitet nun stetig in das göttliche System ab.
Die Philosophie öffnet ihm die Augen und lehrt ihn, dass alle menschlichen Abläufe, ob sie nun ihrem Wesen entsprechen oder auch nicht, von einer göttlichen Vorsehung gelenkt und korrigiert werden.
Doch wo bleibt da der Raum für freie Willensentscheidung und Zufall. Im fünften und letzten Buch versucht die Philosophie nun in Form eines recht schwierigen Gedankenganges aufzuzeigen, dass die göttliche Vorsehung noch ein Hintertürchen für die freie Wahl offenlässt.
Insgesamt besitzt das Werk ein Potential, welches unserer heutigen hektischen Gesellschaft wieder die Augen zu öffnen vermag und zu zeigen, dass das Treiben nach immer mehr Besitz und Macht, nicht für die einzigen als erstrebenswert zu haltenden Antriebe angesehen werden sollten.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 13. März 2007
Mitten zwischen den Ost- und den Westgoten wurde im Jahre 475 n. Chr. Boethius als echter Römer geboren. Mit seiner Volljährigkeit und nach der Hochzeit ging er nach Athen, um die richtige Philosophie zu studieren und schlug später, nach Italien zurückgekehrt, eine Politikerlaufbahn ein. Wegen Hochverrats wurde er angeklagt, zum Tode verurteilt und bis zum Vollzug, ein Jahr später, in einen Turm eingesperrt. In dieser Abgeschiedenheit suchte er Trost in der Philosophie und verfasste sein Werk gleichen Namens in fünf Büchern (Kapitel). Und so begann er: "Der ich Gesänge vordem in blühendem Eifer vollendet, / Wehe, wie drängt das Geschick traurige Weisen mir auf."

Dieses Werk machte ihn berühmt, so dass er am Ende neben Augustinus begraben wurde.

In Erwartung seines Todes schrieb er dieses Werk, er, der aus diesem Grunde der Sokrates des Mittelalters bezeichnet wurde. "Wer Böses tut", sagte er, "ist in erster Linie ein Dummkopf, denn den guten Menschen geht es besser als schlechten." Und er fügte an: "Im Leben kommt es darauf an, Gutes zu tun."

Sein zweites Buch (Kapitel) ist das Buch der Liebe. Alles auf der Welt wird von der Liebe getragen. Denn, "Liebe ist es, die alles eint, über Länder herrscht, über Meere und den Himmel. [...] Oh wie glücklich sind die Menschen, deren Herzen von derselben Liebe erfüllt ist."

Boethius verdanken wir die Übertragung verschiedener Werke von Aristoteles, die Analytik (beide), die Topik und andere. Die Philosophie beschreibt er wie eine Frau, die ein Gewand mit den Buchstaben Theta und Pi trägt, die Initialen von Theorie und Praxis. Diese beiden Extreme, zwischen denen die Philosophie wie das Leben noch heute oszilliert.

Weitere interessante Gedanken lassen sich finden, die Unterscheidung von Vorsehung und Schicksal zum Beispiel. Oder Glück und Glückseligkeit, diese erlangen wir dort, wo wir uns über die menschlichen Angelegenheiten erheben und mit der göttlichen Sphäre in Verbindung treten. Dante findet im Paradies der Göttlichen Komödie (17. Gesang, 37-42) eine Erweiterung. Denn auch wenn alles vorgezeichnet ist, steuert das Schiff des Lebens der Steuermann, man selbst.

Boethius ist ein Grenzgänger, der versucht die Sache aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Sein Standpunkt wechselt, um zur Vernunft zu kommen. Er bringt etwas scheinbar Getrenntes zusammen, den Glauben mit dem Zweifel, die Religion mit der Philosophie, das Sein mit der Essenz Gottes. Ipsum esse; nicht immer gelingt es, zu glauben. Boethius rät daher, sich dennoch nicht zu sehr vom Verstand leiten zu lassen, sondern die Welt aus den Augen der Hoffnung zu betrachten.

Diese Idee erklärt, dass Boethius, wartend auf den Tod, sich mehr Hilfe von der Philosophie als von der Religion versprach. Oder er denkt an sein Vorbild Sokrates, so wie Platon ihn im Phaidon überliefert hat.

Im Jahre 524 wird das Urteil vollstreckt. Dieser Trost ist ein ergreifendes Dokument menschlicher Selbstbehauptung.
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am 30. Januar 2015
Über das Buch selber will ich nichts sagen, dass haben andere zu Genüge getan.

Ich habe mir das Reclam-Bändchen gekauft, übersetzt von Karl Büchner. Eine weitere günstige Ausgabe gibt es von Dtv, Olaf Gigon ist der Überrsetzer.
Und da ist noch der kostenlose Text bei Zeno.org.

Es fällt mir schwer, die Reclam Aussage flüssig zu lesen. Am besten komme ich klar mit dem Text bei Zeno.org.

Nur ein Beipiel, gleich aus dem ersten Buch.
Reclam: "Siehe, zerrissene Musen befahlen mir, was ich schreibe"
Gigon: "Also schreiben mir voll Schmerz...die verwundeten Musen"
Zeno: "Also geboten es mir die trostlos klagenden Musen".

Die Musen sind einmal zerrrissen, einmal verwundet, einmal trostlos klagend. Mit Zeno kann ich am meisten anfangen.

So geht das durchweg. Bei jedem dritten Satz schaue ich bei Zeno, was der Text bei Reclam wohl bedeuten mag.Reclam lesen ist wesentlich anstrengender als Zeno. Ob jetzt Büchner philologisch richtiger liegt als Zeno kann ich nicht beurteilen, bin kein Fachmann.
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11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. August 2003
Sie sitzen in der Todeszelle und warten nach einer steilen Karriere auf die Hinrichtung. Würden Sie sich wünschen, dass ausgerechnet die Philosophie zu Ihnen kommt, um Sie zu trösten?
Wenn die Philosophie sich tatsächlich aufmacht, sollten Sie beruhigt sein; sie lässt Ihnen viel mehr Freiheit, als andere erbauliche Künste. Augustinus hätte vielleicht getröstet, dass Ihre Lebensperle die kontrastierende Fassung braucht (i. e. Verleumdung etc), um besser zur Geltung zu kommen - und dass nebenbei Gottes Wege für uns verschlungen sind.
Boethius widerspricht mit nachdrücklichen Freiheitsgedanken. Wir müssen heute aber doch sagen: er hat sich nicht durchsetzen können. Weder der Optimismus, noch der Freiheitsgedanke haben das Mittelalter wirklich prägen können.
So müssen wir den Trost der Philosophie heute nur betrauern. Für die Welt wäre es besser, anstelle der Philosophie wäre jemand anders gekommen und hätte ihn befreit.
Sie sollten dieses Werk nicht erst in der Todeszelle lesen!
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