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am 17. Juli 2006
Wer Heines direkte Sprache mit ironischem Witz und Ausdruck kennt und mag, findet hier einen der interessantesten Wege zu den Themen der Philosophie und der Religion. In der Tat, eine Geschichte im doppelten Sinn. Die Hauptdarsteller und deren vorgegebenen oder tatsächlichen Scharmützel sind hier aufs beste beschrieben. Aus dem Dunkel wird Licht, weil Heines Art des Schreibens weit weg vom nur sachlich fachlichen - ohne jedoch darauf zu verzichten - diese Hauptthemen dem Leser mit erhöhtem Interesse nahe bringt, selbiges bei ihm erzeugt. Der Leser erfährt, erlebt nahezu die Geschichte und deren Zusammenhänge, der Übergänge, der Absichten der Herren Luther, Spinoza bis Hegel, Lessing und Co. und deren Beeinflussung / Beinflusst-Werden der / durch die Religion.

Ein Feuerwerk, gedacht für die Franzosen und deren Verhältnis zu Deutschland. Und in dieser Kombination ein aktuelles Pamphlet einer aktuellen Situation, geboren aus der Geschichte von Religion und Philosophie.

Zu wenig beachtet, aber um so mehr zu empfehlen.
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am 25. Februar 2008
Dies ist eine der genialsten Darstellungen - wenn nicht die genialste Darstellung - zur Religions- und Geistesgeschichte der Neuzeit. Im kurzweiligen Plauderton kommt Heinrich Heine daher und erörtert dabei doch unversehens die umwälzendsten Dinge.

Im Mittelpunkt seiner Darstellung steht das Werk von Immanuel Kant "Die Kritik der reinen Vernunft". Heinrich Heine arbeitet die religionsgeschichtliche Bedeutung dieses Buches heraus wie kein anderer vor ihm oder nach ihm. Noch heute wird in Diskussionen rund um religiöse Fragen die geistesgeschichtliche Bedeutung des philosophischen Werkes von Immanuel Kant kaum erwähnt, dabei war das Erscheinen dieses Werkes entscheidend auch noch für heutige Debatten.

Heinrich Heine arbeitet klar und deutlich heraus: Ihr Franzosen habt doch nur einem König den Kopf abgeschlagen. Unser Immanuel Kant aber ... Oh, unser Immanuel Kant hat einen Gott geköpft. Diese geistesgeschichtliche Revolution ist - im Gegensatz zur Französischen - noch heute nicht in allen Köpfen der Menschen der westlichen Welt angekommen. Deshalb - und wegen seines genialen literarischen Charakters - bleibt dieses Werk von Heinrich Heine von unentbehrlicher Bedeutung.

Auch Goethe faßte die Revolution treffend zusammen: "Der Herr Pfarrer ist eine Person - Gott ist keine."
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Heinrich Heine, der deutsche Jude und Demokrat, den es früh ins Pariser Exil trieb, war es eine Herzensangelegenheit zwischen den Franzosen und Deutschen zu vermitteln. Mit den Französischen Zuständen hatte er den Deutschen erklärt, was im Nachbarland Frankreich vor sich ging und mit der Schrift Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland machte er im Jahre 1852 das gleiche für die Franzosen. Ihm war bewusst, dass die Sozialisation der beiden Völker in Bezug auf ihre Nationenbildung unterschiedlicher nicht hätten sein können. Was als eine in Fortsetzungen geplante Serie zum Verständnis der deutschen Denk- und Handlungsweise vorgesehen war, geriet zu einem Buch, das bis zum heutigen Tage nicht an Logik, Schlagkraft und Sprachgewalt zu überbieten ist. Es eignet sich auch in unseren Tagen exzellent dazu, den geistesgeschichtlichen und historischen Kontext von Religion und Philosophiebildung zu erklären und die Besonderheiten vor allem der Reformation und der Herausbildung der klassischen deutschen Philosophie zu begreifen.

In seiner eigenen, unübertroffenen Weise beginnt Heine mit der Darstellung der deutschen Mythen und Sagen aus der vorchristlichen Zeit, um dem französischen Leser eine erste Vorstellung davon zu vermitteln, mit welcher Grausamkeit und Vehemenz die Vorstellungswelt des Nachbarvolkes ausgestattet ist. Heine geht über zur Christianisierung und weiter zur Reformation, die aus seiner Sicht die Genese des deutschen Genres der Philosophie wurde. Aufbauend auf den leistungsethischen und selbstverantwortlichen Ideen des Protestantismus skizziert er die ersten Systeme der klassischen deutschen Philosophie, deren Aporien er auf den Punkt bringt: Die Deutschen haben einen Hang dazu, mit universalistischen Systemen ihre Philosophien zu konstituieren, die alle Fragen existenzieller Relevanz zu beantworten zu haben. Daraus leitet sich die fast jeder Schule innewohnende zwanghafte Universalität ab. Bei seinen Schilderungen geht es nicht ohne Augenzwinkern zu. So, wenn er anhand von Kants Hausdiener Lampe erklärt, warum der große Gedankenchirurg nach der systematischen Zerlegung Gottes in der Kritik der reinen Vernunft doch noch einmal zur Feder Griff, um die Möglichkeit der individuellen Gotteszuflucht in der Kritik der praktischen Vernunft zuzulassen, weil er das betrübte Gesicht Lampes nicht mehr ertragen konnte, der plötzlich auf seinen Gott verzichten sollte.

Die Dialektik Hegels repliziert Heine mit einer Virtuosität, die das Herz stillstehen lässt und er plaudert das Schulgeheimnis der Hegelschen Dialektik aus wie einer, der es eben wissen musste, weil er dabei war. Denn alles, was ist, ist vernünftig, aber eben auch: alles, was vernünftig ist, muss sein!

Heine schließt diese immer wieder lesenswerte Schrift mit nahezu prophetischer Prognostik. Ausgehend von der Vorstellung, dass das Wort der Tat vorausgeht wie der Blitz dem Donner macht er den Franzosen klar, dass die Deutsche Philosophie als Basis des Handelns alles in den Schatten stellen wird, was sich die Franzosen werden vorstellen können. Und er rät ihnen, ganz Heine, als Kenner der Klassik das Bild im Auge zu haben, das die Götter nackt bei Nektar und Ambrosia zeigt, mit Ausnahme einer Göttin, die Panzer, Schild und Speer trage, es sei die Göttin der Weisheit.
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am 9. September 2012
Völlig unakademisch, witzig und doch treffsicher schildert Heinrich Heine die deutsche Philosophie. Diese Souveränität wünschte man sich von heutigen Autoren. Obwohl der Text so locker leicht daherkommt, merkt man, dass Heine sehr genau verstanden hat, worauf es ankommt. Wahrscheinlich muss man einen Philosophen komplett verstanden haben, um ihn so unverkrampft darstellen zu können. In der Beschreibung der Philosophie Kants beispielsweise trifft Heine den Nagel auf den Kopf. Obwohl der Text weit über 150 Jahre alt ist, wirkt er auch heute noch lebendiger als so manche moderne Philosophiegeschichte.
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Heine beschreibt sehr schön für die Franzosen die geistige philosophische Entwicklung in Deutschland. Man findet u.a. Gedanken zu Luther und zu seiner Religion. Ferner werden Kants Kritik, Fichtes Transzendentalismus und kurz die Naturphilosophie besprochen.
Der Leser erfährt wie Goethe und Heine von Spinoza stark geprägt wurden und warum Hegel Kant und Fichte weit überragt.

Ist der Deutsche tatsächlich dem Deismus entwachsen und zum Pantheismus gewechselt, wie es Heine schreibt? Nach Ansicht von Heine hat Kant den Deismus endgültig vernichtet.
Heine zeigt die deutschen Philosophen als große Weltdenker und als Menschen, die sich auch mit dem Gottesbegriff immer wieder beschäftigen.

Heines Buch ist lesenswert und zeigt im Überblick die Geschichte einer "deutschen Revolution", die zwar mit der Geschwindigkeit eines Bummelzuges ablief, aber immer wieder die Wirkung eines Donners hatte...
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TOP 500 REZENSENTam 8. Juli 2014
Diese Bändchen aus Artikeln Heinrich Heines, die zuerst für französische Leser gedacht waren, ist eine großartige Fundgrube an Einsichten und klugen Überlegungen. Dazu nur drei Beispiele:

• PROTESTANTISMUS UND PHILOSOPHIE
Am besten hat mir Heines Überlegung gefallen, in der er die Blüte der deutschen Philosophie auf Luther zurückführt. Heine schreibt: "Indem Luther den Satz aussprach, daß man seine Lehre nur durch die Bibel selber, oder durch vernünftige Gründe, widerlegen müsse, war der menschlichen Vernunft das Recht eingeräumt die Bibel zu erklären und sie, die Vernunft, sogar als oberste Richterin in allen religiösen Streitfragen anerkannt. Dadurch entstand in Deutschland die sogenannte Geistesfreiheit, oder, wie man sie ebenfalls nennt, die Denkfreiheit. Das Denken ward ein Recht und die Befugnisse der Vernunft wurden legitim Freilich, schon seit einigen Jahrhunderten hafte man ziemlich frei denken und reden können, und die Scholastiker haben über Dinge disputiert, wovon wir kaum begreifen wie man sie im Mittelalter auch nur aussprechen durfte. Aber dieses geschah vermittelst der Distinktion, welche man zwischen theologischer und philosophischer Wahrheit machte, eine Distinktion, wodurch man sich gegen Ketzerei ausdrücklich verwahrte; und das geschah auch nur innerhalb den Hörsälen der Universitäten… Jetzt aber, seit Luther, machte man gar keine Distinktion mehr zwischen theologischer und philosophischer Wahrheit, und man disputierte auf öffentlichem Markt, und in der deutschen Landessprache und ohne Scheu und Furcht. Die Fürsten, welche die Reformation annahmen, haben diese Denkfreiheit legitimiert, und eine wichtige, weltwichtige Blüte derselben ist die deutsche Philosophie. "

• NORD UND SÜD VERSTEHEN SICH NICHT
Trotz des allergrößten Lobes für Luther als den größten und deutschesten Mann unserer Geschichte bleibt Heine unparteiisch und versucht er ihm nachzuweisen, daß er die letzten Gründe der katholischen Kirche gar nicht begriffen hat. Weit vernünftiger als Luther sei Papst, Leo X. gewesen, der vielleicht gar nicht gemerkt habe was Luther eigentlich wollte, "indem er damals viel zu sehr beschäftigt war mit dem Bau der Peterskirche, dessen Kosten eben mit den Ablaßgeldern bestritten wurden, so daß die Sünde ganz eigentlich das Geld hergab zum Bau dieser Kirche, die dadurch gleichsam ein Monument sinnlicher Lust wurde, wie jene Pyramide, die ein ägyptisches Freudenmädchen für das Geld erbaute, das sie durch Prostitution erworben".
Heine weiter: "Diesen Triumph des Spiritualismus, daß der Sensualismus selber ihm seinen schönsten Tempel bauen mußte, daß man eben für die Menge Zugeständnisse, die man dem Fleische machte, die Mittel erwarb den Geist zu verherrlichen, dieses begriff man nicht im deutschen Norden. Denn hier, weit eher als unter dem glühenden Himmel Italiens, war es möglich, ein Christentum auszuüben, das der Sinnlichkeit die allerwenigsten Zugeständnisse macht. Wir Nordländer sind kälteren Blutes, und wir bedurften nicht so viel Ablaßzettel für fleischliche Sünden, als uns der väterlich besorgte Leo zugeschickt hatte. Das Klima erleichtert uns die Ausübung der christlichen Tugenden, und am 31. Oktober 1516, als Luther seine Thesen gegen den Ablaß an die Türe der Augustiner-Kirche anschlug, war der Stadtgraben von Wittenberg vielleicht schon zugefroren, und man konnte dort Schlittschuh laufen, welches ein sehr kaltes Vergnügen und also keine Sünde ist."

HEXEN
Heine befaßt sich auch damit, warum der Hexenglaube nördlich der Alpen so verbreitet war, wenn er auch unerwähnt läßt oder nicht wußte, daß in Rom nie eine Hexe verbrannt wurde. Tatsächlich war die Hexenverfolgung vor allem auf die germanischen Länder beschränkt. Heine schreibt: "Diese Greuel entstanden nicht direkt durch die christliche Kirche, sondern indirekt dadurch, daß diese die altgermanische Nationalreligion so tückisch verkehrt, daß sie die pantheistische Weltansicht der Deutschen in eine pandämonische umgebildet, daß sie die früheren Heiligtümer des Volks in häßliche Teufelei verwandelt hafte. Der Mensch läßt aber nicht gern ab von dem was ihm und seinen Vorfahren teuer und lieb war, und heimlich krämpen sich seine Empfindungen daran fest, selbst wenn man es verderbt und entstellt hat. Daher erhält sich jener verkehrte Volksglaube vielleicht noch länger als das Christentum in Deutschland, welches nicht wie jener in der Nationalität wurzelt."
Hochinteressant Heines Feststellung: "Zur Zeit der Reformation schwand sehr schnell der Glaube an die katholischen Legenden, aber keineswegs der Glaube an Zauber und Hexerei. Luther glaubt nicht mehr an katholische Wunder, aber er glaubt noch an Teufelswesen."

FAZIT
Zweifellos eines der besten deutschen Bücher.
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am 29. August 2014
Heinrich Heines "Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland" von 1834/5 ist aus mehreren Gründen absolut lesenswert: Zum einen, weil es eine sehr persönliche Sicht auf den Verlauf der Geistesgeschichte in Deutschland bietet, die durch Ehrlichkeit, Individualität und Offenheit überzeugt. Hier geht es nicht darum, Objektivität vorzutäuschen, sondern hier sagt jemand seine Meinung, und der Leser ist zum Selberdenken aufgefordert. Auch dort, wo man die Darstellung für zu oberflächlich und einseitig hält, hat Heine doch immer einen guten Punkt getroffen. Heine hat hier einige Einsichten mit Worten geprägt, die fast zu Sprichworten geworden sind.

Zum anderen sollte man dieses Buch deshalb lesen, weil es von vielen gelesen wurde, und ein Bild der deutschen Geistesgeschichte erzeugt hat, das von vielen geteilt wird. Auch und gerade, weil es auch Fehler hat, sollte man um die Wirkmächtigkeit dieser Irrtümer wissen. Schließlich ist Heines Werk aber auch ein Zeitdokument, das einem die Augen öffnet, wie die Dinge in den damaligen Zeiten gelaufen sind - und wie sie wohl zu allen Zeiten laufen bzw. laufen könnten.

Für Heinrich Heine mündet die Reihe Kant, Fichte, Schelling, Hegel in Pantheismus, in "Naturphilosophie". Im Pantheismus, in der Romantik, lebt auch das alte Germanentum wieder auf, während die Juden als "Schweizergarde des Deismus" nicht in das pantheistische Bild passen. Heine weiß, dass in der Naturphilosophie auch Gefahren liegen: Das Wiederaufleben der "Berserkerwut" des Germanentums aus "tausendjährigem Schlummer". Man meint, eine Prophezeiung auf Marx und Hitler zu lesen.

Hier gibt es eigentlich keinen Grund für Optimismus und Fortschrittsglaube. Es ist unverständlich, wie Heine den Gang der Geistesgeschichte einschließlich ihrer Gefahren so beschreiben kann, aber dann relativ optimistisch dabei ist. Heine hätte hier die Frage nach einer besseren Alternative stellen müssen. Aber das tut er nicht. Heine scheint vielmehr im Ganzen recht einverstanden zu sein mit der "Naturphilosophie". Die Gefahren scheint er nicht ernst zu nehmen.

In diesen Zusammenhang muss wohl auch die Aussage Heines eingeordnet werden, dass er das Christentum selbst dann noch erhalten wollte, wenn der Glaube geschwunden ist. Das ist eine sehr unphilosophische Aussage. Hier wird deutlich, dass Heine selbst kein ganz klarer Kopf ist. An anderer Stelle äußert er, wie ihm unwohl ist, wenn Kant Gott seziert; damit zeigt er eine unphilosophische Religiosität. Von diesem Punkt aus lassen sich Heines Irrtümer und Fehlurteile verstehen. Hierher gehört wohl auch, dass Heine seinen eigenen Fortschrittsoptimismus ein wenig relativiert, ohne ihn im Kern zu hinterfragen. Man kann sicher sein, dass Heine vor ideologischem Handeln und Fanatismus zurückgeschreckt wäre. Aber Heine mäßigt seinen Optimismus nur, statt dass er ihn grundsätzlich hinterfragt. Auch hier wird die Gefahr von Heine gesehen, aber kleingeredet. Eine bessere Alternative zum naiven Fortschrittsoptimismus wird nicht gegeben. Heine ist ganz offenkundig fasziniert von dem Neuen und will daran nur das vermeintlich Gute sehen. Heinrich Heine ist einer der ersten, die die Greuel von Kommunismus und Nationalsozialismus vor lauter Faszination nicht sehen wollten - wenn auch nur auf einer theoretischen Ebene.

Die Aufgabe des modernen Lesers ist es, sich dieser Faszination Heinrich Heines zu entziehen, und bessere Alternativen zu suchen.

Interessant die Aussagen über das deutsche Wesen: Methodisch, gründlich, langsam, auch im Hass, und mit einer Wirkung aufgrund der Gedankentiefe, die die Welt erschüttern wird. Die Deutschen sind generell langsam, wenn sie aber einmal eine Bahn eingeschlagen haben, verfolgen sie diese bis zum Ende.

Ein Irrtum ist u.a. die Auffassung, dass es eines Luthers bedarf, um etwas zu bewegen, und dass ein Erasmus und Melanchthon es allein nicht geschafft hätten. Denn Heine selbst spricht später davon, dass Kant und seine Nachfolger eine Wirkung entfalten würden, gegen die die französische Revolution nichts sei.
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am 17. April 2013
Diese kritische Betrachtung von Philosophie und Religion ist zwar über 150 Jahre alt,
aber keineswegs überholt. Sie ist sehr lesenswert und vermittelt Einsichten in beide Bereiche,
Religion und Philosophie. Auf den letzten beiden Seiten wirkt sie geradezu prophetisch, auch
wenn die Prophetie den ganzen Umfang der Katastrophe noch nicht erwarten konnte.
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am 12. August 2012
Heinrich Heine hat ‚Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland’ im Jahr 1834 im Exil für die französische Zeitschrift ‚Revue de deux mondes’ geschrieben, um dem Gastgeber eine „Überschau deutscher Geistesvorgänge“ zu vermitteln. Das Werk wurde im Jahre 1835 gemeinsam mit dem Gedichtezyklus ‚Neuer Frühling’ unter dem Titel ‚Der Salon II’ veröffentlicht.

Fast zwanzig Jahre nach der der Veröffentlichung des Buches, im Vorwort zur zweiten Auflage aus dem Jahre 1852 bedauert der Dichter, dass die „patriotisch-demokratische Tendenz“ des Werkes verlorenging und an „scholastisch-theologische Klopffechtereien“ erinnere, die dem „humanistisch-toleranten Naturell“ des Verfasser tief zuwider seinen. Auch Heines religiöse Haltung hatte sich geändert. Er hatte seinen Frieden mit Gott gefunden und rät allen Gottsuchenden: „wer seinen Gott verloren hat, der kann ihn in diesem Buche (die Bibel) wiederfinden“.

Heines Gedanken zur Religion in Deutschland:

Doch zurück zu den Gedanken, die den Autor zur Abfassung des Werks veranlassten. Das Christentum hält er für eine unzerstörbare Idee. Er lehnt aber den Einfluss jüdisch-leidender Momente ebenso ab wie die gnostisch-mythischen Elemente. Der Manichäismus, der Kampf des Guten gegen das Böse, und die fernöstliche Lehre von der Inkarnation Gottes führten zu der Irrlehre der „Abtötung des Fleisches, vom geistigen Insichselbsversenken“. Heine dagegen gibt sich weltoffen und genussfreudig. Sein Glaubensbekenntnis lautet: „Denn ich glaube an den Fortschritt, ich glaube, die Menschheit ist zur Glückseligkeit bestimmt …“.

Durch die christliche Dogmatik verschließ sich der Gläubige den Gefühlen und „alles was süß und lieblich war“, wird als Teufelei verschrien. Eine solche Religion mag für Leidende hilfreich sein, ist aber nicht dienlich für aufgeklärte Geister. Ein Menschenalter bevor Friedrich Nietzsche den Begriff Sklavenmoral prägte, nahm Heinrich Heine den Gedankengang vorweg: „In der Tat, wir sind dem Deismus entwachsen. Wir sind frei und wollen keinen donnernden Tyrannen. Wir sind mündig und bedürfen keiner väterlichen Vorsorge. Auch sind wir keine Machwerke eines großen Mechanikus. Der Deismus ist eine Religion für Knechte, für Kinder, für Genfer, für Uhrmacher … Denn Deutschland ist der gedeihlichste Boden des Pantheismus; dieser ist die Religion unserer größten Denker, unserer besten Künstler …“.

Luther hatte die seit Bonifazius „an Rom gefesselte“, deutsche Kirche befreit und der Mutter Gottes „untersagt, Wunder zu tun … Überhaupt … hören die Wunder auf. Sei es nun, dass es den lieben Gott verdrießt, wenn ihm die Physiker so misstrauisch auf die Finger sehen, sei es auch, dass er nicht gern mit Bosko konkurrieren will: sogar in der jüngsten Zeit, wo die Religion so sehr gefährdet ist, hat er es verschmäht, sie durch irgend ein eklatantes Wunder zu unterstützen“.

Nietzsche war auch nicht der erste Dichter, der Gottes Tod prophezeite. Heine zeichnet den Lebenslauf des Deismus, von seiner Wiege am Nil über die Tempel Palästinas bis zur Auswanderung nach Rom auf. Nun liegt Gott auf dem Sterbebett. Heine nennt es den „21. Januar des Deismus“, der Tag, an dem Ludwig XVI hingerichtet wurde. „Hört ihr das Glöckchen klingeln?“, fragt Heine „ Kniet nieder – man bringt die Sakramente einem sterbendem Gott“.

Seine Kritik endet mit dem Appell für die Denkfreiheit und gegen die Zensur. Doch Heine hatte den Bogen überspannt. Der deutsche Bundestag verhängte im Dezember 1835 ein Schreibverbot über ihn. „Und nun ward mir das Schreiben verboten!“, beklagt er sich in der Vorrade zum dritten Teils des ‚Salon’.

Heines Gedanken zur Philosophie in Deutschland:

Als Vater der neueren Philosophie wird von Heinrich Heine zu Recht der französische Denker René Descartes bezeichnet. Obwohl sich die Franzosen mit seiner Philosophie nie so recht anfreunden konnten, fand Descartes Denkmodell in Deutschland begeisterte Anhänger. Die Vorliebe der Franzosen für den Materialismus erklärt Heine mit der Neigung des Volkes für alles Maschinelle und Mechanische und erwähnt La Mettries Werk ‚Die Mensch-Maschine’. Zudem bedurfte die Französische Revolution einer „kaltscharfen, materialistischen Philosophie“. Der Materialismus hat im Kampf gegen die Monarchie seine Mission erfüllt.

„Deutschland hat von jeher eine Abneigung gegen den Materialismus“, schreibt Heine. Die deutschen Philosophen eiferten Descartes nach. Gottfried Wilhelm Leibniz wird als „großer Schüler“ Descartes genannt und über Lessing sagt Heine: „er war ein Genie“.

Das Prädikat ‚Genius’ gesteht Heine Immanuel Kant zwar nicht zu, aber sein Werk ‚Kritik des reinen Verstandes’ vergleicht er mit einem Schwert, „womit der Deismus hingerichtet worden in Deutschland“. Um den Menschen ihr irdisches Glück zurückzugeben, belebte Kant in der ‚Kritik der praktischen Vernunft’ „den Leichnam des Deismus (wieder), den die theoretische Vernunft getötet“ hatte.

Schellings mystische Intuition nennt Heine eine „Narrheit“. Der Vorwurf, Schelling habe sich „zurückgeschlichen in den (katholischen) Glaubensstall der Vergangenheit“, trifft in gleichem Maße auf den Ankläger zu, der im ‚Salon III’ bekennt, „dass ich an alle meine religiösen Irrtümer gar nicht mehr glaube“.

Bei der Abfassung der Schrift hält Heine Hegel noch für größten Philosophen Deutschlands seit Leibniz. Auch hier hat sich Heines Bild im Lauf der Zeit gewandelt. Im Vorwort zur zweiten Auflage höhnt er: „Diese spinnwebige Berliner Dialektik kann keinen Hund mehr aus Ofenloch locken, sie kann keine Katze töten, wie viel weniger einen Gott“.

Fazit: Heines pointierte Kritik trifft wie so seine Gegner frontal. Mutig nimmt den Kampf gegen Kirche und Zensur auf und spricht sich für die Denkfreiheit aus. Nicht das Schreibverbot, das der deutsche Bundestag im Dezember 1835 über ihn verhängte, besänftigte ihn, sondern seine geläuterte Einstellung zu Gott.
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am 10. Februar 2014
Heinrich Heine zu Lesen ist ein Vergnügen, schon der Sprache wegen und des Humors. Auch wenn die wiederkehrenden Hinweise auf die Sicht von Franzosen heute doch nicht mehr so ganz zutreffen mögen, lohnt es sich sehr dieses Werk zu lesen. Man muss es im Kontext der Entstehungszeit verstehen, dann ist es lehrreich und immer wieder amüsant.
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