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5.0 von 5 Sternen "[...] wenn von verschiedenen Menschen ein jeglicher seine eigene Welt hat, so ist zu vermuten, daß sie träumen." (KANT), 20. Februar 2009
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Träume eines Geistersehers (Taschenbuch)
Hält man Kant (1724-1804) für den korrekten, zwanghaften und rein der Vernunft zugetanen Philosophen, liegt man nicht falsch und doch nicht vollständig in der Kenntnis. Dass er zu etwas sich überreden lässt ("Es ist eine gleichsam abgerungene Schrift") und dann mit Augenzwinkern über die dem Leben entfernten Dinge schreibt, mutet ungewöhnlich an, ist es und doch ist es auch eine Freude zu lesen. Gleich sein Vorbericht zeigt den Humor, den man für ein unfreiwillig begonnenes Traktat auch benötigt: "Daraus entstand nun die gegenwärtige Abhandlung, welche, wie man sich schmeichelt, den Leser nach der Beschaffenheit der Sache völlig befriedigen soll, indem er das Vornehmste nicht verstehen, das andere nicht glauben, das übrige aber belachen wird." So weiss der Leser, wie er sich einzustellen hat und doch kommt manch Überraschendes, viel Kluges und durchaus Wissenwertes zum Vorschein.

Es geht also um "Ein[en] verwickelter metaphysischer Knoten, den man nach Belieben auflösen oder abhauen kann." Worum geht es? Es geht um Geister, um Wesen außerhalb der materiellen Welt, um Träume, Wahn und Witz. Und um den Weg eben ins Schattenreich, wie Vergils Aeneis es wagte, und nun Kant, der den Leser aufruft: "Wir wollen daher, nach der beschwerlichen Vorbereitung welche überstanden ist, uns auf den gefährlichen Weg wagen."

Und so führt uns seine "geheime Philosophie" aus der vor-kritischen Zeit des Jahres 1766 in die immaterielle Welt als ein Teil des bestehenden Ganzen, "deren Teile untereinander in wechselseitiger Verknüpfung und Gemeinschaft stehen, [...] das Verhältnis zufällig ist und nur einigen zukommen darf". Die immaterielle Welt besteht aus allen lebenden Wesen. Die Gemeinschaft dieser immateriellen Naturen ist frei von den körperlichen Schranken, Ort und Zeit sind ohne Bedeutung. Kant bemüht sich um eine systhematische Konstruktion der Geisterwelt, ausgehend vom hypothetischen Begriff der geistigen Natur. Doch wie Eigennutz und Gemeinwohl den Menschen treibt im Sinne eines umfassenden Willens, so sieht man diesen allgemeinen Willen als "eine moralische Einheit und systematische Verfassung nach bloß geistigen Gesetzen". Das sittliche Gefühl, das wir empfinden, ist nicht der allgemeine Wille selbst, sondern seine Erscheinung.

Und Erscheinungen sind all die Phantasmen der Geisterseher, die sich unterscheiden von (Tag-)Träumern. Erste bilden zwischen Einbildung und Realität eine Einheit, so kann man in Anlehnung an Aristoteles folgern, "[...] wenn von verschiedenen Menschen ein jeglicher seine eigene Welt hat, so ist zu vermuten, daß sie träumen."

Folgt man Kants Bild der Verstandeswaage, so spürt man deutlich, dass Hoffnung ein Übergewicht zu jeder Spekulation hat und dass eben diese Hoffnung Scheingründe genügend liefert, um den Geistersehern Glauben zu schenken, allein wegen der Hoffnung, nach dem Tod noch ein Seelenleben haben zu können. Kant ist es nunmehr egal, jedes Urteil legt er in die Hände der Leser, die Abhandlung für immer zur Seite.

Allein der Metaphysik gilt nunmehr seine Liebe, allein deswegen, weil es "eine Wissenschaft von den Grenzen der menschlichen Vernunft" ist. Somit hat diese kleine Abhandlung über die Träume der Geisterseher zumindest "Wahn und falsches Wissen enthüllt und gezeigt, welches Wissen erreichbar und welches unerreichbar ist".

Kants Idee bzw. fremde Überredung zu diesem Traktat ist im Zusammenhang der Schriften von schwedischen Naturwissenschaftlers und Mystikers Swedenborg (1688-1772) entstanden. Dieser hatte sich nach seiner wissenschaftlichen Arbeit ganz der Theologie und der Mystik hingegeben. Kant lässt an dem späten Swedenborg kein gutes Haar, seine Kritik ist mehr als deutlich, "alles Quatsch". Ralph W. Emerson hat ihn aufgenommen in die Sammlung der sehr lesenswerten Essays über die besonderen "Repräsentanten der Menschheit", wohlmeinend im ersten Lebensabschnitt, in der Kritik der mystischen Zeit steht er Kant nicht nach.

Wie Swedenborg nichts Endgültiges als Geisterseher für die erfahrbare und sichtbare Welt tun konnte, wo Kant ebenso die Grenzen der Vernunft sieht und nur in der Überlegung, der vom Gefühl bestimmten Vernunft etwas abgewinnen kann, so muss der Königsberger am Ende den Leser um Geduld bitten, bis die menschliche Vernunft so beflügelt ist, "diese hohen Wolken zu teilen," Bis dahin empfiehlt er mit Candide (Voltaire), das Glück bei der Gartenarbeit zu suchen.
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Träume eines Geistersehers
Träume eines Geistersehers von Immanuel Kant (Taschenbuch - 1986)
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