holidaypacklist Hier klicken Jetzt informieren foreign_books Cloud Drive Photos TomTom-Flyout Learn More saison Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip GC FS16

Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen54
4,1 von 5 Sternen
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 29. März 2009
Angesichts der neueren Verfilmung des Stoffes, bei der man vermeintlicherweise glauben mag, die Geschichte der Effi Briest von Fontane aufgetischt zu bekommen, lohnt einmal wieder die Lektüre des Originals. Man wird dabei entdecken, dass der Roman eine sehr andere Geschichte erzählt als ihre aktuelle Verfilmung - und zwar nicht nur wegen des geänderten Schlusses.
Fontane orchestriert in großartiger Weise all die unterschiedlichen Stimmen seiner Figuren Effi, Frau und Herr Briest, dem Liebhaber Crampas und dem ältlichen Innstetten. Von einem Distanz haltenden und Überblick bewahrendem Erzähler werden sie alle in ihrer gesellschaftlichen Rolle erfasst und beleuchtet. Aus der erzählerischen Distanz begreift man den gesellschaftlichen Zwang, dem alle hier auftretenden Charaktere unterworfen sind: Das naive Mädchen Effi, die - noch halb Kind - ihren Eltern gefallen will, zugleich aber den preußisch eingeimpften Ehrgeiz in sich kultiviert; die sich selber halb weis machen will, sie könne diesen 30 Jahre älteren Innstetten lieben, der pikanterweise vor vielen Jahren um die Mutter geworben hat. Innstetten, der sich - mitunter sogar rührend - um das ihm doch recht fremde Mädel kümmert, der aber keinerlei Schimmer hat, was eine Beziehung zu einem Menschen neben der gesellschaftlichen Konvention und Rolle noch sein könnte; der schließlich einen Menschen im Duell erschießt, nicht weil er aus den tiefen seiner Verletztheit nicht anders konnte, sondern weil er glaubt, gesellschaftlich wohl so handeln zu müssen - auch wenn ihm selbst leichte Zweifel hieran kommen. Schließlich die Eltern, die ihre eigene Tochter nach dem entdeckten Ehebruch mit Crampas glauben verstoßen zu müssen, weil es sich wohl so geziemt. Ein Haufen Fremdbestimmter, die eigentlich nicht wissen was sie tun, noch was sie tun sollen. Die dem Popanz eines abstrakten Ehrenkodex aufsitzen, aus dem es innerhalb dieser Gesellschaft kein entkommen gibt.
Das soll erzählt werden. Fontane übt an seiner Gesellschaft Kritik, indem er sie in ihrer Beschränktheit zeigt und die Mittel, mit denen er dies tut, sind wunderbar: Die Spannung der Geschichte ergibt sich einzig aus dem Zuschauen der Charaktere in ihrer jeweiligen Zwangsituation. Die psychologische Genauigkeit dabei ist für den Leser schierer Erkenntnisgenuss. Hinzu kommen die vielen Motive und Symbole wie die Schaukel, der reißende Schlon und der exotische Chinese, die - verwoben mit dem gesamten Stoff - die Handlungsgeschichte überhöhen und aufladen. Diejenigen Elemente hingegen, die man auf der Geschehensebene landläufig mit Spannung verbindet wie die Hochzeit Effis, die Affäre mit Crampas oder das Duell mit Todesfolge werden geschickt, ja mit Meisterschaft übergangen. Diese hochgradige, an Lakonie grenzende Subtilität macht einem erst die ganze Wucht der des Erzählten erfahrbar. Wenn es beispielsweise im ersten Satz des 3. Kapitels - nachdem wir Effi bisher nur als kindliches, mit Freundinnen spielendes Mädchen wahrgenommen haben - heißt: "Noch an demselben Tage hatte sich Baron Innstetten mit Effi Briest verlobt." Effi Briest zeigt Fontanes ganze Könnerschaft.
Was macht der Film von Hermine Huntgeburth hieraus? Ich möchte vorwegschicken, dass ich Literaturverfilmungen grundsätzlich für ein spannendes Genre halte. Huntegeburths Film jedoch läuft in allen Bereichen auf eine unentschuldbare Verflachung hinaus. Die Vielschichtigkeit der Charaktere wird gegen ein holzschnitzartiges Gut / Böse vertauscht. Effi ist von Anbeginn die trotzige Kritikerin, die sich dieser Gesellschaft ausgeliefert fühlt und aufbegehrt. Innstetten wirkt in seinem Verhalten wie ein brutaler Waldschrat, der Effi in der Hochzeitsnacht aufs Übelste vergewaltigt. Der Sympathieträger Sebastian Koch hingegen widerspricht dieser Aussageabsicht der Regisseurin. Die Affäre (im Buch gibt es nur einen einzigen erzählten Kuss und bis zur Entdeckung der Briefe weiß man nicht definitiv von der Affäre) wird natürlich weidlich ausgekostet. Und schließlich emanzipiert sich Effi zum Schluss des Films. Sie ist nicht - wie alle anderen Figuren im Roman ebenfalls - das Opfer ihrer Gesellschaft, sondern transzendiert diese. Sie geht als alleinige Siegerin, als erste emanzipierte Frau über ihre Gesellschaft hinaus und lässt alle anderen bedröppelt zurück. Das wiederum verkehrt die Aussage Fontanes ins Gegenteil! Während Fontanes Roman eine zwar unausgesprochene - und daher umso harschere - Kritik an der gründungsbürgerlichen Gesellschaft der Bismarckzeit übt, entlässt der Film sein Publikum in mit dem siegesgewissen Lächeln auf den Lippen, es wieder einmal geschafft zu haben. Jawohl Effi, du hast es all diesen Relikten der Vergangenheit gezeigt.
Natürlich weiß man, dass das Kino in seiner Zuschauerlenkung anders arbeiten muss als der Film. Es ist allerdings schade, wenn es ihm nur noch gelingt, die einfachsten und basalsten Gefühle auszudrücken.

Zur vorliegenden Ausgabe ist zu sagen, dass sie hervorragend ist. Sie hat Zeilenangaben, verfügt über einen Fußnotenapparat und hat einen großen Anhang, angefangen von einem Lebensabriss Fontanes über den historischen Fall zur Vorlage Effis bis hin zur Rezeption, die auch Fassbinders Verfilmung mit einschließt.

Auf das in Zukunft auch weiterhin Fontane gelesen und nicht nur der Film gesehen wird.
0Kommentar|11 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 4. September 2010
Ich gebe zu, dass Fontane bislang nicht unbedingt zu meinen Lieblings-Schriftstellern zählte. Nach dieser CD hat sich das geändert. Gert Westphal ist einfach ein genialer Vorleser. Er schafft es, dass alle Protagonisten unverwechselbar lebendig werden. Ich hab sie alle vor mir gesehen, wie sie da so sitzen und ihre Meinungen von sich geben. Man meint sogar zu sehen, wie sie in dem Moment schauen.
Es hört sich alles so mühelos an und es ist einfach eine Freude, hier zuzuhören.
Und dabei entdecke ich, wie witzig und ironisch Fontane ist, was für ein toller Beobachter und auch Kritiker seiner Zeit.
Diese CD hat sich in jeder Hinsicht gelohnt und - man mag sie auch gerne nochmal hören.
Mir jedenfalls hat Westphal Fontane nahegebracht (und ich wage zu bezweifeln, ob mir das beim Selberlesen gelungen wäre). Jetzt muss mehr her.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. Juli 2010
Stück Fontanes. Eines der bedeutendsten. Wichtiger Bestandteil in seiner Berliner-Romane-Zeit und behält den typischen Charakter Fontanes bei. Man findet ihn selbst in einer Figur wieder und auch seine Mitmenschen spiegeln sich in den handelnden Figuren. Schönes Buch. Ab und zu komplizierte Formulierungen oder langatmige Sätze - aber die damalige deutsche Literatur ist so. Und das macht sie so schön.
Gerne gekauft - nicht bereut es im Unterricht behandelt zu haben.
Empfehlenswert für Schüler.
Gute Erklärungen für heutige ungebrauchte Worte.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 20. Mai 2013
Die "EinfachDeutsch"-Ausgabe von "Frau Jenny Treibel" kann ich nur weiterempfehlen. Durch viele Kommentare und Worterklärungen wird das Verstehen der Thematik erleichtert. Darüber hinaus sind im Anhang hilfreiche Texte bezüglich Fontane enthalten, welche ich sehr gut im Unterricht einbringen konnte. Insbesondere wenn ihr die Lektüre also für die Schule benötigt, ist die "EinfachDeutsch"-Ausgabe wohl die beste Wahl, doch auch sonst wird man sich mit ihr den Text am Leichtesten erschließen können.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. September 2013
Theodor Fontane ist ein Autor des Realismus. Seine Werke werfen zugleich auch immer einen kritischen Blick auf das Zeitgeschehen. Adel und Finanzwirtschaft trafen sich im Zeitalter der Industrialisierung beim abendlichen Diner und tauschten freundliche Nettigkeiten aus. Garniert wird das Ganze mit künstlerischen Einlagen. Die Industriekapitäne planten ihren nächsten Schachzug. Die Damen der Gesellschaft schmückten sich mit Edelsteinen und Halbwissen. Krönender Abschluss der Soiree im Hause der Treibels ist der Liedervortrag von Frau Kommerzienrätin: „Wo sich Herz zum Herzen find’t“.

Das, was für die Ohren der modernen Leser nach gesellschaftlichem Small Talk klingt, birgt politischen Sprengstoff. Die Arbeiter forderten ihr Recht und die Privilegien des Adels werden bedroht. Deshalb tritt man bescheiden auf, um nicht „dem Neid der Menschen und dem sozialdemokratischen Gefühl so ganz nutzlos neue Nahrung zu geben“.

In Theodor Fontanes Roman ‚Frau Jenny Treibel’ prallen Wirtschaft und Wissenschaft in Person zweier sehr ungleicher Frauen aufeinander. Auf der einen Seite steht ‚Frau Kommerzienrätin Jenny Treibel’ - Fontane verschweigt den Gesellschaftsrang im Romantitel - geborene Bürstenbinder. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen („die gute Frau Bürstenbinder, die das Püppchen drüben im Apfelsinenladen immer so hübsch herauszuputzen wusste“), hatte aber durch die Heirat mit dem „Berlinblaufabrikanten“ Treibel Geld und Titel erworben. Professor Willibald Schmidt, der in jungen Jahren vergebens um die Gunst von Jenny Bürstenbinder warb, nennt die Kommerzienrätin „Ein Musterstück einer Bourgeoise.“ Nach außen betont Jenny Treibel, dass „Geld eine Last ist und dass das Glück ganz woanders liegt“, doch Corinna Schmidt pariert im Gespräch der beiden Damen: „Das sagen alle die, die drüber stehen und die kleinen Verhältnisse nicht kennen“.

Corinna Schmidt, Tochter von Professor Willibald Schmidt, ist ihre Gegenspielerin. Sie ist gebildet und besitzt Verstand. Das Werben ihres Cousins Marcel, ein angehender Archäologe, weist sie zurück. Sie träumt von einem sorglosen Leben im Wohlstand und legt ihre Motive Marcel gegenüber offen: „Aber ein Hang nach Wohlleben, der jetzt alle Welt beherrscht, hat mich auch in der Gewalt, ganz so wie alle anderen, und so lächerlich und verächtlich es in deinem Oberlehrers-Ohre klingen mag, ich halt es mehr mit Bonwitt und Littauer als mit einer kleinen Schneiderin, die schon um acht Uhr früh kommt und eine merkwürdige Hof- und Hinterstubenatmosphäre mit ins Haus bringt und zum zweiten Frühstück ein Brötchen mit Schlackwurst und vielleicht auch einen Gilka kriegt. Das alles widersteht mir im höchsten Maße; je weniger ich davon sehe, desto besser. Ich finde es ungemein reizend, wenn so die kleinen Brillianten im Ohr blitzen, etwa so wie bei meiner Schwiegermama in spe …. ‚sich einschränken’, ach, ich kenn das Lied, das immer gesungen und immer gepredigt wird …“.

Während eines Diners bei Treibel kokettiert mit Ihrem Wissen und umgarnt geschickt den jüngsten Spross der Treibelschen Dynastie, Leopold. Aber eine Ehe mit dem als willensschwach, ängstlich und zögerlich beschriebenem Leopold will Jenny Treibel auf jeden Fall verhindern.

Fontanes Roman endet mit einem Happy End. Corinna gelangt zur Einsicht, dass man nicht „die ganze Welt auf den Kopf stellen“ kann, um mit den Worten der Wirtschafterin Schmolke zu sprechen, und dass man „sein Leben nicht auf Hass stellen“ soll. Professor Schmidt bezeichnet die Eskapade als Irrtum, Tollheit und Schritt vom Weg. Corinna heirate Marcel, bekennt jedoch: „Sieh das mit dem Leopold, das wäre vielleicht gegangen, warum am Ende nicht? … Aber diese Mama, diese furchtbare Frau … Und mehr noch Marcel, ich glaube nicht, dass ich sehr unglücklich geworden wäre …“. Sieg des Verstandes oder Eingeständnis der Niederlage? Wenn Professor Schmidt Pindar zitiert („Werde, der du bist“) sieht er Marcel an den großen Grabungsstätten forschen, aber für Corinna fällt ‚nur’ die Rolle der Begleiterin ab. Ob die junge Frau darin die Erfüllung ihres Lebens finden wird?
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Erster Eindruck: Fontanes Werk in gelungener Umsetzung

Die aus einfachen Verhältnissen durch eine Heirat mit dem Kommerzienrat zur Bourgeoisie aufgestiegene Jenny Treibel hält in ihren Reden immer noch am Bild der romantischen Liebe und dem Leben in einfachen Verhältnissen fest ' sogar als sie von der Verlobung ihres Sohnes Leopold mit der Tochter eines Gymnasiallehrers Corinna erfährt. Mit allen Mittel versucht sie, diese unstandesgemäße Verbindung wieder zu lösen...

Theodor Fontane hat zahlreiche bedeutende Romane verfasst, zu ihnen gehört unter anderem 'Frau Jenny Treibel' aus dem Jahr 1893, der für viele als das humorvollste Werk des Schriftstellers gilt. 1985 wurde der Titel vom Norddeutschen Rundfunk umgesetzt, diese Aufnahme ist nun beim Hörverlag erschienen und passt wunderbar in dessen anspruchsvolles Repertoire. Im Mittelpunkt der Geschehnisse steht die Titelgebende Figur, die in all ihrer Scheinheiligkeit kompromisslos aufgedeckt wird. Sie verwehrt der Tochter eines ehemaligen Freundes genau das, was sie selbst für sich in Anspruch nahm ' eine Vernunftehe, um gesellschaftlich aufzusteigen. Sie propagiert die wahre Liebe, macht sich aber immer noch über das schmalzige Gedicht eben jenes damaligen Verehrers lustig. Sie nutzt alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel, um ihren Willen durchzusetzen, will jedoch immer al sanftmütig und liebevoll erscheinen. Trotz all dieser humorvollen Leichtigkeit schimmert immer wieder die Gesellschaftskritik durch, die Fontane in dieses heitere Stück verpackt hat. Doch auch die anderen Figuren sind in aller Deutlichkeit dargestellt, werden in entlarvenden Szenen offen gelegt, ihre Ziele und ihr Streben immer wieder in Frage gestellt. Das vielschichtige Werk wurde behutsam in das Medium Hörspiel umgesetzt, enthält an wichtigen Szenen einen Erzähler, kommt zum großen Teil aber mit der Dialogform aus. Auch ' und gerade - bei Respekt vor klassischen Werken bietet Frau Jenny Klein eine recht anspruchsvolle Geschichte auf hohem Niveau, ohne verkopft zu wirken. Vielmehr kann die humorvolle Handlung bestens unterhalten.

Zahlreiche wunderbare Sprecher haben sich hier vor dem Mikrofon versammelt, um dem Hörspiel Leben und Tiefe zu verleihen. Als Frau Jenny Treibel ist Maria Körber zu hören, die das Scheinheilige und Hochmütige ihrer Figur auf den Punkt trifft, all das Zwiespältige und Lächerliche findet sich in ihrer Stimme wieder. Franz Josef Steffens ist als Gymnasiallehrer Prof. Willibald Schmidt zu hören und kann seine einprägsame Stimme gekonnt einsetzen, auch diese Figur von allen Seiten zu beleuchten und den Mann in all seinen Facetten erscheinen zu lassen. Seine Tochter Corinna wird von Imogen Kogge gesprochen, ihr Eifer und Starrsinn, der schließlich doch an Jenny Treibels starken Willen zerbricht, stellt die genau dar. Weitere Sprecher sind unter anderem Gerhard Garbers, Ulrich Matschoss und Ulli Lothmanns.

Regisseur Hans Rosenhauer hat neben den treffenden Dialogen auch für die passende musikalische Untermalung gesorgt, die sich aus Melodien von Jürgen Lamke zusammensetzt. Sie sind meist verspielt und greifen die humorvolle Grundstimmung des Stückes auf, setzen sie noch weiter fort, ohne aufdringlich zu wirken. Alles wirkt hier rund und gut aufeinander abgestimmt.

Natürlich ist auch auf dem Cover ein Abbild von Frau Jenny Treibel zu sehen, die gut bürgerliche Dame wird hier mit stolzem Gesichtsausdruck und einer gewissen Unnahbarkeit dargestellt. Die beiden CDs sind in einem stabilen und hochwertigen Digipack untergebracht, das insgesamt ansehnlich gestaltet wurde und kurze Informationen zum Autor bereit hält.

Fazit: Humor und Kurzweil täuschen hier nicht über die Kritik an den verschiedenen Figuren hinweg, sodass hier bestens Anspruch und Unterhaltung verbunden werden.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Im Muster einer klassischen Komödie verbunden mit schönsten fontanschen Beschreibungen wird einem das wohlhabende Leben des berliner Fabrikanten und Kommerzienrats Treibel mit seiner dünkelhaften und dominanten Gattin Jenny - geborene Bürstenbinder - aufgezeigt. Jenny, eine typische Vertreterin der neu geborenen Bourgeoisie, ist oberflächlich und sentimental, hängt in ihrem wohlbetuchten Leben gerne romantischen Erinnerungen an ihre Jugendliebe Professor Schmidt nach, der ihr einst ein Gedicht widmete, welches sie noch heute mit dünner Stimme auf Gesellschaften vorzusingen pflegt. Sie umgibt sich gerne mit der klugen und unterhaltsamen Corinna, Tochter des Professor Schmidt, welche sie regelmäßig zu Dinners und Festen quasi als "Zierde" ins Haus einlädt. Das Blatt wendet sich jedoch, als Corinna Leopold, den Sohn der Treibels, verführt. Jenny Treibel, Tochter eines kleinen Krämers, ist mit der nicht standesgemäßen Eheschließung alles andere als einverstanden und setzt alles dran, den Bund zu verhindern. Sie hat relativ leichtes Spiel, denn Corinna scheint tatsächlich in erster Linie aus sportlichem Ehrgeiz und dem Verlangen nach Komfort, nicht aus Liebe, gehandelt zu haben.

Historisch gesehen ist der Roman nicht ubedeutend, da er das Berliner Besitzbürgertum (Bourgeoisie) und Bildungsbürgertum gegenüberstellt, sowie die Beziehung der beiden Schichten verdeutlicht. Die Bourgeoisie ziert sich gerne mit allem "künstlerischen" und "intellektuellen", die Welten bleiben aber strikt getrennt. Allerdings geht das Buch für meinen Geschmack nicht so in die Tiefe, daß es wirklich fesselt. Die Personen kämpfen nicht wirklich und erleiden auch keine großen Schicksalsschläge. Nicht vergleichbar mit einer Effi Briest! In der Summe ist das einfach eine nette Geschichte, nett zu lesen, aber kein Muss.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. Februar 2010
In seinem Roman ,,Frau Jenny Treibel'' erzählt Theodor Fontane von der resoluten Jenny, die, ehemals Tochter eines Krämers, den Kommerzienrat Treibel geheiratet hat und so zu Geld und Ansehen gekommen ist. Trotz allem unterhält sie Beziehungen zu ihrem ehemaligen Verlobten Professor Wilibald Schmidt und dessen kluger Tochter Corinna. Diese hat den Wunsch, dem Bildungsbürgertum, dem sie angehört zu entfliehen und, wie Jenny damals, ins Besitzbürgertum aufzusteigen. Deshalb bringt sie Jennys jüngsten Sohn Leopold dazu, ihr einen Heiratsantrag zu machen. Als Leopolds Mutter davon erfährt, ist sie alles andere als begeistert und setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um die Verlobung wieder aufzulösen.
Dieses Werk Fontanes zählt nicht zu seinen bekanntesten und kommt wohl auch nicht an ,,Effi Briest'' heran. Trotzdem ist dem Autor mit ,,Frau Jenny Treibel'' ein Meisterstück gelungen, dass vor Komik, Ironie und Gesellschaftskritik nur so strotzt. Es gibt in diesem ganzen Roman keine Figur, die nicht ihr Fett wegkriegt, wobei es hier vorrangig um Kritik am Bürgertum geht, das Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Gesellschaftsstand war und sich in Bildungs- und Besitzbürgertum teilte. Besonders kritisiert Fontane dabei die Heuchelei, was in seinem Roman auch deutlich wird.
Zur Sprache kann man eigentlich nur sagen, dass Fontane eben so schreibt wie er schreibt und man sich an den opulenten Stil erst einmal gewöhnen muss.
Allen Fontane-Liebhabern möchte ich dieses Werk ans Herz legen, denn man lernt auch einmal die komische Seite dieses Autors kennen. Aber auch Gesellschafts- und Berlinromanleser werden sich an diesem Roman erfreuen.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Die Kerngeschichte "Jenny Treibel" ist die Beziehung der Tochter des eher klein- bis mittelbürgerlichen Gymnasialprofessors Corrina Schmidt und dem Sohn Leopold des wohlhabenden Industriellen Kommerzienrats Treibel, dessen Frau die eher aus einfachen Verhältnissen stammende Jenny ist. Corrina möchte sich Leopold gerne schnappen; der ist auch interessiert, aber die Frau Mama ist dagegen. Die Kerngeschichte nimmt aber gar nicht soviel Raum ein, sondern wird umlagert von der Beschreibung einer Reihe anderer Personen und Beziehungen (etwa eines Gelehrtenzirkels des Gymnasialprofessors, der Ehe der Treibels oder eines englischen Besuchers), welche hauptsächlich in Form vieler Gespräche bei Tisch, Besuchen und gesellschaftlichen Anlässen bestehen. Der Charakter ist heiter; Fontane macht sich über die vielen kleinen Eitelkeiten und Nicklichkeiten der Berliner Gesellschaft und die Spannungen zwischen gesellschaftlichen Schichten mit viel Ironie lustig.

Das Buch ist sicher nicht das ganz große Werk. Die Liebesgeschichte ist nett, aber nicht allzu packend und nicht 'groß'. Die auftretenden Figuren sind schön und präzise gekennzeichnet, aber an vielen Stellen nix Neues; der Humor ist süffisant und geistreich, manches wird aber auch einen Tick langatmig. In der Dramaturige kann das Fehlen von echter Handlung anstatt nur Gesprächen gelegentlich etwas nerven. Man muss sich darauf einlassen, wird dann aber mit viel Sprachschönheit und Wortwitz belohnt. Kein Buch, das einen berührt oder bewegt, aber sehr gut unterhält und einen interessanten Einblick in das Leben der Zeit bietet.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 23. August 1999
Theodor Fontanes Roman spielt Ende des 19 Jh. in Berlin. Einst als Tochter eines Bürstenbinders geboren, schaffte es die Titelfigur Jenny Treibel durch Heirat mit einem Großindustriellen, in die höhere Mittelklasse aufzusteigen. Eigentlich liebte sie damals einen anderen - den späteren Professor Schmidt und Vater von der 25jährigen Corinna. Mit beiden steht sie noch immer in gutem Kontakt. Jenny Treibel gibt sich als Inbegriff einer Bourgoise, stets auf Äußerlichkeiten bedacht, spielt sie die Offenheit in Person. Über ihre Vergangenheit als arme Bürstenbindertochter sieht sie gekonnt hinweg. Bei einem der Treibelschen Diners ergibt es sich nun, daß die intelligente und temperamentvolle Corinna, dem jüngsten Sohn des Hauses, gehörlich den Kopf verdreht. Die Professorentochter liebt den stark von der Mutter beeinflußten Leopold nicht wirklich, aber der Gedanke an gepflegte Gesellschaften, Feierlichkeiten und Ausritte schien ihr aufregend. Als Leopold die Verlobung mit Corinna bekanntgibt, stellt das für Jenny natürlich eine Tragödie dar. Sie versucht alles, um die, in ihren Augen, nicht standesgemäße Hochzeit zu verhindern und wirft Corinna Bechenbarkeit sowie Gefühllosigkeit vor. Der Leser wartet mit Spannung auf den Ausgang der kurzweiligen Geschichte. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
0Kommentar|6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden