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1.0 von 5 Sternen Für dieses Glaubensbekenntnis braucht es keinen Philosophen, 17. Mai 2012
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Rezension bezieht sich auf: Die grossen Fragen. Philosophisch-theologische Gedanken (Gebundene Ausgabe)
Für dieses Glaubensbekenntnis braucht es keinen Philosophen

Rezension zu Franz von Kutschera: Die großen Fragen. Philosophisch-theologische Gedanken.

Franz von Kutschera schreibt in scheinbarem Understatement: "Ich [...] nehme für meine Aussagen nur eine einzige Legitimation in Anspruch, ihre Wahrheit, und die selbst kritisch zu prüfen, fordere ich den Leser auf." (p. 195)

Hilfreicher wäre es allerdings gewesen, wenn ein Autor von dem philosophischen Format v. Kutscheras den Leser hätte daran teilnehmen lassen, wie ein analytischer Philosoph diese kritische Prüfung durchführt. Denn der Name v. Kutschera hat einen guten Klang in der zeitgenössischen deutschen Philosophie. Der analytische Philosoph Franz von Kutschera hat auf allen Gebieten der Philosophie gearbeitet und eine Reihe von Büchern verfasst, von denen manche sogar zu Lehrbüchern geworden sind.

Das vorliegende Buch mit "philosophisch-theologischen Gedanken" stellt einen Tiefpunkt in dieser Reihe philosophischer Werke dar.

Es ist das Glaubensbekenntnis eines Menschen, der die allseits bekannten Antworten des Christentums auf existenzielle Fragen in affirmativer Weise übernimmt. Dass es sich bei dem Autor um einen Philosophen, sogar um einen analytischen Philosophen handelt, ist nicht erkennbar. Selten werden Antworten kritisch geprüft, und nie werden konsequent Folgerungen aus einer Prüfung gezogen. Dabei weiß der Autor sehr wohl, wie dünn das Eis ist, auf dem sein Glaubensbekenntnis steht. Er spricht von der "Labilität von Vorstellungen [...], die es Religionen oft erlaubt hat, inhaltlich Unverträgliches zu verbinden" (p. 275). In völliger Hilflosigkeit leistet v. Kutschera schließlich den Offenbarungseid:

"Die Aussagen der Schriften enthalten gelegentlich Widersprüche, und dann müssen wir uns entscheiden, was für uns gelten soll." (p. 301)

Ich bin sicher, v. Kutschera hat jedem Studenten in der einführenden Logik-Vorlesung beigebracht: Eine Theorie, welche Widersprüche enthält, ist wertlos. Bekanntlich lässt sich aus einer widerspruchsvollen Menge von Aussagen jede beliebige Aussage ableiten - warum nicht auch Franz von Kutscheras Weltanschauung?

Für diejenigen, die noch mehr über das Buch erfahren wollen, hier weitere Einzelheiten:

Die großen Fragen - das sind die existenziellen Fragen: "Die Frage nach dem Sinn unseres Lebens, dem Sinn der Geschichte und [...] nach dem Sinn des ganzen Weltgeschehens." (p. 83) Der Konflikt zwischen Todesbewußtsein und Lebenswille. (p. 77). Kutscheras Ausgangspunkt ist eine Anthropologie, welche die Verbindung von Vernunft, Freiheit und Zuwendung als geistige Natur des Menschen charakterisiert. (p. 59)

Das zweite Kapitel liefert dem Leser den theoretischen Rahmen, in dem solche existenziellen Fragen abgehandelt werden. Dieser Rahmen sind Weltanschauungen. Eine Weltanschauung ist eine umfassende Deutung von Mensch und Welt, die praktische Orientierung geben will. (p. 108) Während ein Weltbild nur eine theoretische, auf Erkenntnis bezogene Komponente enthält, hat eine Weltanschauung zudem eine praktische, also das Handeln steuernde, Komponente. Diese praktische Komponente hat mit Werturteilen zu tun. Hier eröffnet sich die Diskussion, ob Werturteile immer subjektiv, also letztlich Konventionen sind. Die von v. Kutschera favorisierte Alternative ist die objektive Existenz von Werten, die erkannt werden können wie andere Sachverhalte auch.
Wissenschaftstheoretisch betrachtet fasst v. Kutschera eine Weltanschauung in leichter Verallgemeinerung eines Begriffes von Thomas Kuhn als ein Paradigma auf. Bekanntlich sind verschiedene Paradigmen untereinander inkompatibel. Daher drückt dieses Konzept sehr gut die Relativität verschiedener Weltanschauungen aus. Kutschera unterscheidet überzeugend immanente von transzendenten Weltanschauungen. Er gibt eine klare Abgrenzung:

"Für immanente Weltanschauungen ist die empirische Realität die ganze Wirklichkeit; es gibt nur das, was prinzipiell unserer Erfahrung zugänglich ist." (p. 121f)
"Für transzendente Weltanschauungen ist das Empirische hingegen nur ein Teil der Gesamtwirklichkeit; [...] . Das Transzendente wird unterschiedlich begriffen, als überweltlich oder, bildlich gesprochen, als zusätzliche Dimension der empirischen Welt. Generell gilt aber, daß es als die größere, mächtigere, wertvollere und bestimmende Wirklichkeit angesehen wird." (p. 122)

Soweit kann der Rezensent zustimmen. Ärgerlich und einfach falsch wird es jedoch, wenn v. Kutschera einer immanenten Weltanschauung die Verharmlosung existenzieller Fragen unterstellt:

"Tatsache ist aber doch, daß diese Sicht [die immanente Weltanschauung] all das verharmlosen muß, was uns bedrängt und was uns überhaupt bewegt, existentiellen Fragen nachzugehen - Tod, Vergänglichkeit, Abhängigkeit, Leid, das Befangensein im Subjektiven, in partikulären Meinungen und Interessen, das Böse -, und daß sie ignorieren muß, was die Größe des Menschen ausmacht." (p. 137)

Diese Größe des Menschen besteht nach v. Kutschera in seiner Fähigkeit, "sich anderen zuzuwenden und sich an überpersönlichen Zielen zu orientieren". Kutschera verkündet apodiktisch, daß eine immanente Weltanschauung die Größe des Menschen ignorieren muß. Eine Begründung dieser hochmütigen These bleibt der Autor schuldig.

Der Hauptteil des Buches sind drei Kapitel mit den Überschriften "Der Glaube an Gott", "Heilsgeschichte" und "Leben aus dem Glauben". Die ersten beiden dieser Kapitel handeln vom Alten und Neuen Testament. Hier überschüttet v. Kutschera den Leser mit einer Fülle von Anmerkungen aus der theologischen Sekundärliteratur. Er bringt diese Aussagen aber nicht auf einen Nenner. Worin besteht die eigene Leistung des Autors bei dieser Aufzählung?
Das dritte dieser Kapitel, und damit das letzte des Buches, enthält dann v. Kutscheras persönliches Glaubensbekenntnis. Zwar hat v. Kutschera in seinem Buch keinen Anspruch auf Originalität erhoben. Aber der Rezensent fühlt sich doch stark an Gretchens Ausspruch in Goethes Faust erinnert: "Ungefähr sagt das der Pfarrer auch."
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Die grossen Fragen. Philosophisch-theologische Gedanken
Die grossen Fragen. Philosophisch-theologi
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von Franz von Kutschera (Gebundene Ausgabe - 11. September 2000)
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