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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nomen est omen
"Der Zauberberg" gilt als der deutschsprachige Roman des 20. Jahhrhunderts schlechthin. Und das völlig zurecht. Es bleiben zwei Fragen: Was macht dieses Werk so besonders und warum soll man es heute noch lesen?
Das besondere am Zauberberg ist nicht sein einfallsreicher Plot (der lässt sich in einem Satz zusammenfassen) und auch nicht sein faszinierender...
Veröffentlicht am 5. April 2005 von Michael Dienstbier

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Formatierungsfehler
Es tauchen immer wieder Formatierungsfehler auf wie z. B. {151} mitten im Text aber auch innerhalb von einzelnen Wörtern auf. Das sieht dann so aus: "ele{148}gantesten toskanischen Prosa...." das stört natürlich breim Lesen.
Vor 5 Monaten von Guenther Brunner veröffentlicht


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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nomen est omen, 5. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Zauberberg. Roman. (Taschenbuch)
"Der Zauberberg" gilt als der deutschsprachige Roman des 20. Jahhrhunderts schlechthin. Und das völlig zurecht. Es bleiben zwei Fragen: Was macht dieses Werk so besonders und warum soll man es heute noch lesen?
Das besondere am Zauberberg ist nicht sein einfallsreicher Plot (der lässt sich in einem Satz zusammenfassen) und auch nicht sein faszinierender Protagonist. Am Ende des Romans resümiert der Erzähler: "Lebwohl, Hans Castorp [...] Wir haben sie [die Geschichte] erzählt um ihretwillen, nicht deinethalben, denn du warst simpel." Wir haben also einen simplen Plot und einen noch simplerern Helden, ausgedehnt auf über 1000 Seiten. Was ist denn dann das Besondere an diesem Werk?
Erstens, die Sprache. Im Zauberberg beweist Thomas Mann, wozu die deutsche Sprache fähig ist. Sie ist hier nicht nur Medium, sondern der wahre Protagonist. Die unglaubliche Vielfalt der Vokabeln und der Satzkonstruktionen haut einen vom Hocker. Viele beklagen sich ja über die zu langen, und somit schwer verständlichen, Sätze Thomas Manns. Doch meiner Ansicht nach machen gerade diese den Roman lesenswert und zu einem kurzweiligen Vergnügen. Gerade heute, wo der Dativ dem Genitiv sein Tod ist und ebenso die Partizipialkonstruktionen zu verschwinden drohen, lohnt es, sich der Sprachzauberei Manns hinzugeben.
Zweitens, die Welt des Wissens. Man gewinnt den Eindruck, dass der Wissensstand zu Beginn der zwanziger Jahre bezüglich Religion, Philosophie, Geschichte, Politik und Medizin im Zauberberg abgebildet ist. In diesem Zusammenhang stechen vor allem die Streitgespräche zwischen Settembrini, ein literarisch ambitionierter Vertreter von Vernunft und Aufklärung, und Naphta, ein kommunistischer Jesuit, hervor, denen der simple Castorp regelmäßig beiwohnt. Von Sokrates bis Nietzsche wird in diesen Gesprächen aber auch wirklich alles mal angerissen. Ich kann nicht behaupten, auch nur einen Bruchteil der Thematik dieser Unterhaltungen auch nur im Ansatz verstanden zu haben. Dennoch zählen diese Passagen zu meinen Lieblingsabschnitten. Manns ironischer Erzählstil entlockt dem Leser immer wieder ein Schmunzeln, wenn sich diese beiden Verfechter im Kampf um ihre Ideologie beinahe an die Kehle springen. Da macht es nichts, dass man ihren Argumentationen nicht folgen kann (wer weiß, ob das überhaupt intendiert ist), es bleibt trotzdem herzerfrischend und unterhaltsam.
Drittens, Liebe und Tod. Diese beiden Evergreens der Menschheitsgeschichte bilden die Hauptthematik im Zauberberg. Das Sterben im Sanatorium in Davos ist Bestandteil des alltäglichen Lebens. Menschen kommen und Menschen sterben, ohne das jemand groß Anstoß daran nimmt. Dies ist der Alltag, der in seiner Natürlichkeit auch heute noch, da der Tod immer noch ein Tabuthema ist, erschreckend wirkt. Und die Liebe natürlich. Die sich langsam anbahnende Beziehung zwischen Castorp und Clawdia Chauchat, welche dann auch tatsächlich in einer, allerdings nur sehr subtil angedeutenden, gemeinsamen Nacht kulminiert. Die beiden Hauptthemen werden an zwei Stellen im Roman deutlich herausgestellt. Im Kapitel "Schnee" findet sich der einzige kursiv gedruckte Satz im gesamten Roman: "Der Mensch soll um der Güte und Liebe willen dem Tod keine Herrschaft einräumen über seine Gedanken" und abschließend fragt der Erzähler: "Wird auch aus diesem Weltfest des Todes [gemeint ist der Erste Weltkrieg], auch aus der schlimmen Fieberbrunst, er rings den regnerischen Abendhimmel entzündet, einmal die Liebe steigen?"
Fazit: ein Sprachniveau, welches heute wahrscheinlich nicht mehr erreichbar ist, die Darstellung nahezu des gesamten Wissens zur Zeit der Entstehung des Romans und die ewig junge Thematik des Todes und der Liebe machen diesen Roman zu einem einmaligen Leseerlebnis. Wer ihn gelesen hat wird wissen, warum Thomas den Spitznamen "Der Zauberer trägt"
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78 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zauberhaft..., 15. Januar 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Zauberberg. Roman. (Taschenbuch)
Der Roman von Hans Castorp, der nur mal so zu Besuch auf dem Zauberberg, einem Lungensanatorium, landet und dort nicht mehr wegkommt. Denn, so wird schnell klar, der Zauberberg hat seine eigenen Gesetze und seine eigene Zeit. Thomas Mann beschreibt messerscharf die kleineren und größeren Marotten der Menschen. Ob es eine Armhaltung oder ein Charakterzug ist, Mann läßt seine Figuren lebendig erscheinen und bringt uns Leser in eine merkwürdige Mischung von Distanz und Identifikation. Wir blicken, so ist klar, immer von außen auf unseren Helden und verschmelzen doch immer wieder mit ihm. Und der kleine Castorp biedert sich tüchtig an, bei den "Großen" auf dem Zauberberg. Bei dem dämonische Humanisten Settembrini, doch diesen Gott, den er selbst gewählt und der doch ihn gewählt hat, geht nieder. Der ätzende kleine, aber ebenso brillante Naphta, die zauberhaft erotische, obwohl doch auch lungenkranke Madame Chauchat, der gewaltige Lebemann Mynheer Peeperkorn lassen seine Autorität bröckelig werden. Wir sehen die Entwicklung des jungen Castorp von einem, der so tut als ob, zu jemandem, der mit der Zeit, dieser merkwürdigen, so ganz anderen Zeit auf dem Zauberberg, reift, zur echten Persönlichkeit wird. Und wir sehen, wie tappsig diese Schritte zuweilen sein können. Manns Buch ist enorm detailliert, scharf beobachtet und es menschelt überall, mal liebenswürdig, mal boshaft, mal dümmlich. Doch auch die intellektuellen Höhenflüge werden mit der Zeit als Ikarusflug entlarvt. Mann läßt sich hier viele Weltbilder austoben und zeigt sein enormes Wissen, doch wirkt dieses niemals aufgesetzt in Form eines Bildungsromanes, als welcher der Zauberberg auch teilweise beschrieben wurde. Der Zauberberg ist ein großartiges Stück Literatur, es ist lang, aber nie langweilig. Dies liegt vor allem daran, daß Mann es schnell schafft, obwohl er doch immer wieder so betont von außen schreibt, uns in die dichte und morbide Stimmung des Zauberberges einzuführen. Er entführt uns in diese Welt "da oben" und läßt uns so dicht teilhaben, weil wir ja wissen, es ist alles nur ein Buch...
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91 von 100 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der anwesende Tod macht mutig und befreit, 7. März 2002
Von 
Hans Henkel (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Zauberberg. Roman. (Taschenbuch)
Als Leser wird man selbst Gast im Davoser Berghof, einem Sanatorium für Lungenkranke. Man lebt mit diesen in einer Höhe, in der fast das ganze Jahr Schnee liegt und sollte sich bei der Lektüre nicht wundern, wenn einen das ein oder andere der geschilderten Symptome befällt. So erlebt man mit Hans Castorp, einem jungen Mann einer alteingesessenen Bürgersfamilie aus dem flachen Norden Deutschlands, wie Freunde, Bekannte und ihm Fremde mit unabwendbarer Natürlichkeit und ohne allzu großes Aufsehen an ihrer Krankheit sterben. Das allein erregt schon unsere Aufmerksamkeit in einer Zeit, in der der Tod dem Alltag entfallen ist. Dort oben in dieser von außen abgeschotteten Bergwelt, verliert das Sterben seinen Schrecken und wird zu einem vertrauten, mit einem Lächeln hingenommenen, ständigen Begleiter.
Es ist die Anwesenheit des Todes, die befreit, mutig macht und Grenzen überschreiten läßt. In diesem Licht erscheint die Liebesgeschichte von Hans Castorp zu Clawdia Chauchat, einer Russin, die als Patientin dort ebenfalls ihre Zeit verbringt, besonders intensiv und jeglicher Annäherung an eine reale Beziehung enthoben. Um diese Themen - Krankheit, schwärmerische Liebe, Tod - webt Thomas Mann ein strahlenförmiges Netz feinst nuancierter in Handlung eingebetteter Betrachtungen.
Ein fast ausufernd langer Teil enthält philosophisch, theologische Streitgespräche zwischen einem Herrn Settembrini und einem Herrn Naphta, die sich leichtem Verständnis entziehen. Bei genauerem Hinsehen offenbaren sie Themen von brennender Aktualität. In diese einzudringen verlangt denkerische Schärfe, Lust am Experimentieren mit Gedanken und Freude am philosophischen Disput.
Mit der Abreise von Clawdia Chauchat verliert das Buch seinen Antrieb. Es endet mit dem sich schon in den letzten Kapiteln ankündigenden ersten Weltkrieg, der Hans Castorp vor weiterer Abstumpfung und Langeweile bewahrt.
Mit viel Witz erzählt Thomas Mann eine grandiose Geschichte, die sich trotz ihres hohen Alters eine erstaunliche Frische erhalten hat und die sich trotz ihres Umfangs fast von alleine liest. Man begegnet ihr wie einer alten Bekannten, die einem vielleicht deshalb so vertraut ist, weil es auch unsere eigene sein könnte.
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54 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zauberhafter Zauberberg, 9. November 2001
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Zauberberg (Gebundene Ausgabe)
Ein recht dicker Wälzer, der von einem Mann erzählt und von sieben Jahren, die dieser Mann in einem Lungensanatorium verbringt, gemeinsam mit seinem Vetter Joachim Ziemßen, gemeinsam mit dem Doktor Behrens und dem Psychater Krokowski, gemeinsam mit Frau Mylendonk und dem Literaten Herrn Settembrini,Madame Chauchat und wie sie alle heißen.Eine bunte Menschenschar, die vielmehr ist, als eine "Internationale der Lungenkranken", die vielmehr zu Recht ein buntes Panorama, auch Panoptikum an Gedanken, Ideen, Leidenschaften,Träumen, Abgründen, Scherzen, Gehässigkeiten zu nennen ist und in dieser Eigenschaft nicht nur den jungen Castorp, sondern auch die Leserschaft durchaus zu verwirren mag.Intellektuelle Dialoge und eine faszinierend mondäne Atmosphäre.Wunderbar artistisch und virtuos gehandhabte Sprache machen das Lesevergnügen aus.
Die märchenhafte Hermetik des Sanatoriums zieht einen schnell in seinen Bann.Schlichtweg ein Klassiker wie er angesichts des immer stärker werdenden um sich greifenden Sprachverfalls mal wieder zur Hand genommen werden sollte.Ich jedenfalls habe dieses Buch "verschlungen" und nun ja, beim Lesen "legte ich geradezu trockene Gesichtshitze zu".
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Mutter aller Seifenopern, 11. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Zauberberg. Roman. (Taschenbuch)
"Der Zauberberg" gehört mit Sicherheit zu den besten zehn Büchern, die jemals geschrieben wurden. Ein Universalwerk, das so ziemlich alle Themen unter die Lupe nimmt - und das mit unnachahmlicher Tiefe und Präzision -, die Menschsein ausmachen: Liebe und Tod, Zeit und Ewigkeit, Gesundheit und Krankheit... Hinzu kommt, dass es keinen Autor deutscher Sprache gibt - selbst Goethe landet im Vergleich zu ihm höchstens auf dem zweiten Platz -, der virtuoser mit der deutschen Sprache umzugehen vermag als Thomas Mann. Im "Zauberberg" nun sieht man den Nobelpreisträger zweifellos auf der Höhe seines sprachkünstlerischen Gestaltungsvermögens. Und schließlich - diese Erkenntnis mag überraschen - erweist sich der "Zauberberg" als nichts Geringeres als die Mutter aller Seifenopern und sollte insofern auch TV-Junkies und Lesemuffeln etwas zu bieten haben: Denn welcher Unterschied zwischen dem liebenswert-skurrilen Mikrokosmos um Hans Castorp und dem Figureninventar einer Grundyufa-Produktion oder - noch treffender - der legendären "Schwarzwaldklinik" (was dem einen sein Prof. Brinkmann, ist dem andern sein Hofrat Behrens)? Tatsächlich, hat man sich erst einmal eingelebt in dem Davoser Sanatorium, das Schauplatz der Handlung ist, stellt sich alsbald der so genannte "Big Brother"-Effekt ein: Die einzelnen Charaktere werden zu lieben "alten Bekannten", zur virtuellen Ersatzfamilie, an deren Freud' und Leid man emotional Anteil nimmt und auf das rasche Wiedersehen mit denen man sich freut, wie der Serienjunkie der nächsten Episode seiner Lieblingsserie entgegenfiebert. Nur sind eben die Dialoge tausendmal besser. Und so ist denn auch der Umfang des Buches von fast 1000 Seiten kein Nachteil. Im Gegenteil: Wenn man das Buch nach der letzten Seite zugeklappt hat, weiß man gar nicht mehr, wie man weiterleben soll ohne Castorp, Settembrini und die anderen!
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24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was für ein Buch!, 12. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Zauberberg. Roman. (Taschenbuch)
Zugegeben: Man braucht Muße, Zeit und sicher am Anfang auch einen langen Atem, denn es dauert eine Weile bis man auf dem "Zauberberg" "angekommen" ist.
Thomas Mann bringt es fertig, eine Geschichte, die man auf zwei Seiten zusammenfassen könnte, auf knapp tausend Seiten so ungeheuer detailreich, faszinierend und beeindruckend zu erzählen, dass sich der Leser ihr kaum entziehen kann.
Hans Castorp, der Held dieses Buches, kommt einige Jahre vor Ausbruch des ersten Weltkrieges in das Lungensanatorium "Berghof" in Davos, wo sein Vetter Joachim Ziemßen eine Tuberkulose auskuriert. Eigentlich will er drei Wochen später wieder die Heimreise antreten, aber es kommt anders und es werden sieben Jahre, bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges, daraus.
Es ist eine bunt gemischte, hermetisch abgeschlossene Gemeinschaft, auf die Hans Castorp im "Berghof" trifft, zu der auch mehr und mehr gehört, die ihm zur eigenen Welt wird.
Diesen Zirkel aus reichen, schwer und weniger schwer Kranken beschreibt Thomas Mann in sehr bildreicher, ausdrucksstarker Sprache. Seine langen Sätze, die ja sein "Markenzeichen" sind, sind ungeheuer geschliffen und ausgefeilt. Sie ermöglichen dem Leser, sich ganz tief in diese Geschichte einzuleben, quasi als stiller Besucher mit Hans Castorp zu leiden, zu lieben und zu leben. Ein absolut zeitloser, anspruchsvoller Lesegenuss!
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unvergleichliche Ästhetik in der Sprache, 25. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Zauberberg. Roman. (Taschenbuch)
Der Zauberberg ist ein wundervoller, sprachgewaltiger und überaus lehrreicher Roman.
Wie Thomas Mann es schafft, selbst die langweiligste Handlung mit seinem fein verschlungenem und ästhetischem Stil zu einem unvergleichlichen Hochgenuss werden zu lassen und die Zeit eines Abends auf eine gefühlte halbe Stunde zu verkürzen, beweist seine grandiosen literarischen Fähigkeiten. So habe ich mich sogar öfters dabei ertappen müssen, mir einige Passagen betont und leidenschaftlichlich mit kindlicher Freude selbst vorzulesen und ich glaube nicht zu lügen, wenn ich sage, dass ich durch den Zauberberg ein völlig neues Verhältnis zur deutschen Sprache und ihrer wunderbaren Gebrauchs- und Variationsmöglichkeiten gewonnen habe.
Das Buch ist vornehmlich ein Bildungsroman, und kann diese Funktion auch vortrefflich erfüllen. Ich habe mich oft mit der Hauptperson, dem jungen Hamburger Kaufmannssohn Hans Castorp, dessen Durchschnittlichkeit vom Autor nicht selten besonders betont und hervorgehobenen wird, identifizieren können, und habe mich darauf eingelassen, seine Bildungsreise mit ihm anzutreten, denn Mann versteht es meisterhaft, geschichtliche Zusammenhänge resp. politische und gesellschaftliche Aspekte des frühen 20. Jhd. mit viel Witz zu erklären bzw. zu interpretieren.
Mein einziger Kritikpunkt, der für mich wohl deswegen soviel Gewicht hat, weil ich ein 17 Jähriger Jugendlicher bin, der in seiner Kindheit mit Unterhaltung von den Medien regelrecht bombadiert wurde, ist die fehlende Spannung des Buches, die vom Leser in einigen Passagen doch schon einiges an Disziplin abverlangt.
Das hindert mich allerdings nicht daran, den Zauberberg als ein Meisterwerk der Weltliteratur zu bezeichnen und ihn jedem, der sich ernsthaft fürs Lesen begeistern kann, wärmstens ans Herz zu legen, denn alleine schon der Sog der Mann'schen Sprachgewalt, der sogar Nietzsches verbale Verführungskraft übertrifft, rechtfertigt die Lektüre dieses ca. 1000-seitigen Meisterwerkes.
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32 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Dokument, ein gewaltiges Buch, 22. Januar 2001
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Zeit ist ein seltsames Gut, und das ist, könnte man meinen, das Motto, die Prämisse dieses gewaltigen Buches. Zeit verhält sich nicht, sondern ergibt sich aus der Betrachtung, die sich hier sozusagen mit sich selbst in Rekursion befindet, denn sowohl Autor als auch Protagonist schwelgen in dieser. Hans Castorp, ein eher farbloses, ristokratisches Mittzwanziger-Weichei aus Hamburg, soeben als Ingenieur examiniert, aber eigentlich noch immer unentschlossen was die nähere Zukunft anbetrifft, tritt auf Anempfehlung seines Hausarztes einen Kurzbesuch im Davoser Sanatorium "Berghof" an, wohl auch, um seinen Cousin Joachim zu besuchen, der bereits monatelang dort verweilt. "Feuchte Flecken" an der Lunge und die sich aus dem verlockend-zeitlosen Ambiente der luxuriösen Sanatoriumsanlage ergebenden Befindlichkeiten bewegen Castorp dazu, seinen Aufenthalt zu verlängern. Auf über sieben Jahre schlußendlich, bis der Ausbruch des ersten Weltkrieges dem eher geselligen, denn therapeutischen Beisammensein zwischen fünf ausgiebigen täglichen Mahlzeiten, "Liegediensten" und gesprächsreichen Lustwandlungen ein Ende setzt. Einen solchen Klassiker zu rezensieren, das wage ich kaum. Ich kann nur meinen Eindruck wiedergeben. Die Hauptfigur, die ich nicht als den "Helden" des Buches bezeichnen möchte (und Mann tut dies auch nur augenzwinkernd), verfällt alsbald dem Reiz des Losgelöstseins von jeglicher Verantwortung und Entscheidung, pflegt sein kaum vorhandenes Zipperlein und einen wachsenden, höchst sittlich installierten Bekanntschaftskreis, nähert sich gar - vergleichsweise ungestüm - der verehrten Dame vom "guten Russentisch" an und lauscht gebannt absorbierend den Zwiegesprächen der - aus meiner Sicht - eigentlichen Hauptfiguren, zweier im Permanentdiskurs befindlichen Herren namens Settembrini und Naphta, selbst lungenkrank, der eine anarchistischer Jesuit und der andere humanistischer Pädagoge. Obschon die Dialoge zu allen Themen der Politik, Philosophie, Kultur und Religion zeitweise etwas weitschweifig ausfallen, ist es gerade die bestechend-ironische Eloquenz dieser Diskussionen, die mir große Freude bereitet haben. Gleichzeitig bindet das Buch auf beeindruckende Weise an Umfeld, zeitbezogene Moral- und Sittenvorstellungen, zeichnet feinfühlig, detailverliebt und mit unfaßbar subtiler Ironie eine Welt und ein Zeitgefühl, das nachzuempfinden unbändigen Genuß bereitet, mir bereitet hat. Besondere Dramatik findet im "Zauberberg" nicht statt, obwohl Hauptfiguren sterben, denn das ist immanent, wir sind schließlich in einem Lungensanatorium. Nein, die gefügten und akribisch geschilderten Wahrnehmungs- und Verhaltenskontexte sind es, die die Spannung erzeugen, in einem Buch, das gänzlich ohne drastische Handlungselemente auskommt, ganz im Gegenteil, da die Bindung des Lesers an eben jenen Kontext Identifikation und Mitfühlen erzeugt, ohne daß hierfür heutzutagige literarische Brachialmaßnahmen erforderlich wären. Spannend, bildend, überaus amüsant, und ein Zeitdokument von ganz besonderer Art.
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein klassischer Bildungsroman, 26. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Zauberberg. Roman. (Taschenbuch)
Wer hier angesichts des Titels Abenteuer, Magie oder Fantasy erwartet, sollte dieses Werk auf keinen Fall lesen. "Der Zauberberg" ist ein klassischer Bildungsroman. Jeder, der die deutsche Sprache liebt und seinen geistigen Horizont erweitern möchte, wird an diesem Buch Gefallen haben. "Der Zauberberg" ist aber auch ein Roman über das Wesen der Zeit an sich.
In diesem Roman geht es um die charakterliche Reifung des Protagonisten Hans Castorp von einem schnöselig-versnobten, blutleer-unbedarften und ichzentrierten Jüngling zu einem leidenschaftlichen, aufgeweckt-gebildeten, loyalen und liebesfähigen Mann. Dies alles geschieht vor dem Hintergrund eines siebenjährigen Sanatoriumsaufenthaltes Castorps, der dort eigentlich nur seinen Vetter besuchen wollte, aber auf dem "Zauberberg" hängen bleibt. Während der erste Tag nicht aufhören will und die erste Woche nur zäh vergeht , beschleunigt sich der Fluß der Zeit immer mehr, bis die sieben Jahre scheinbar wie im Flug vergangen sind und trotzdem wie eine Ewigkeit wirken.
Diese sieben Jahre im Sanatorium in Davos bilden die Kulisse für eine faszinierende Beschreibung des europäischen Geisteszustands vor dem Ersten Weltkrieg, dessen Ausbruch den Roman beendet. Alle wichtigen Ideen, Moden, Glaubensrichtungen und politischen Strömungen treten als Personen in diesem Roman auf und ziehen in ihrer wechselwirkenden Dynamik den interessiert beobachtenden Castorp immer mehr in ihren Bann. Insbesondere zum Humanisten Settembrini entwickelt Castorp ein aufrichtiges und freundschaftliches Verhältnis. Was den Roman neben den Bildungs- und Liebesbemühungen des Protagonisten vor allem ausmacht, sind dann auch die Gespräche und Diskussionen, bei denen Castorp anfangs eher ein wißbegieriger Zuhörer ist als ein aktiver Teilnehmer.
Ein Höhepunkt dieses Werks ist die größtenteils unglückliche Liebesbeziehung Castorps zu Madame Chauchat und der französische Dialog, welcher sich zwischen den beiden im Rahmen einer Karnevalsfeier im Sanatorium entspannt. Typisch für Thomas Mann ist die einzigartige sprachliche Filigranität und Eleganz, mit der all dies erzählt wird. Ein derart tiefes Sprachverständnis und -gefühl hat meiner Meinung nach ansonsten nur Nietzsche erreicht. Alles in allem halte ich den Zauberberg für eines der wichtigsten deutschsprachigen Werke überhaupt, wovon nicht zuletzt der Stapel an Sekundärliteratur zeugt, der sich mit diesem Roman und seiner Interpretation und Bedeutung beschäftigt.
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Meisterleistung der Erzählung versunken in der Zeit, 15. Mai 2002
Rezension bezieht sich auf: Der Zauberberg. Roman. (Taschenbuch)
Der Zauberberg ist die Geschichte einer Reise, die Reise des typischen mittleren Helden Hans Castorp, die aus dem "normalen" Leben schrittweise entführt.
Die Geschichte spinnt sich um Castorp, er spielt nicht die Hauptrolle, er wird nur immer mehr ein Instrument der Zeit, die ihn einspinnt, ihn in seinen Bewegungen und Empfindungen langsamer werden läßt, so wie sie den Leser gefangen nimmt, ihn entrückt, wenn er sich einläßt auf ein Abenteuer in den Bergen, entrückt der Welt, in ihrer Selbstverständlichkeit.
Scholastisch geprägte Dialoge mit unbedingter Konsequenz reißen Fragen auf, die Nähe zu dem verständnislosen Castorp spüren lassen, der seine Liebe auf einem Röntgenbild erlebt. Eine tiefe Liebe, die um so tiefer wird je weniger sie erfüllt wird. Das alles in einer unerbitterlichen Landschaft, die Reisen bietet, die das Reale übersteigen.
Thomas Mann erzählt fast immer überwältigend, fesselt erst langsam, dann fester und - die Bereitschaft des Lesers ein wenig voraussetzend - letzlich schmerzlich, wenn die reale Zeit die letzen Seiten eines meisterlichen Roman deutet, der von der Idee her kein Ende haben kann (aber Bücher sind - leider - endlich).
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Der Zauberberg
Der Zauberberg von Thomas Mann (Gebundene Ausgabe - 1952)
Gebraucht & neu ab: EUR 3,99
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