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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Literarische Helden hautnah und nicht perfekt
Stefan Zweig hat mal wieder ein Meisterwerk abgeliefert. Und er hat drei "Helden" der deutschen Sprache aufs Korn genommen. Er zerlegt die drei Herren, die so nachhaltig in die deutsche Sprache Eingang gefunden haben vor den Augen des Lesers. Menschliche und charakterliche Schwächen - und daran mangelt es wahrlich nicht! - werden haarklein beschrieben und darin...
Veröffentlicht am 18. Februar 2011 von A. Bothe

versus
2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Viel zu aetherisch und schwärmerisch
Ich habe früher schon einiges von Zweig gelesen und fand seine Bücher bisher sehr interessant.
Aber dieses Buch nervt mich: Zweig verehrt und schwärmt, steigert sich immer mehr in seine
Bewunderung hinein. Mittlerweil erfährt man so gut wie nichts von biographischen Fakten; alles
bleibt ziemlich abstrakt und verschwommen. Eine...
Veröffentlicht am 30. September 2011 von wilhelm ademar


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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Literarische Helden hautnah und nicht perfekt, 18. Februar 2011
Von 
Stefan Zweig hat mal wieder ein Meisterwerk abgeliefert. Und er hat drei "Helden" der deutschen Sprache aufs Korn genommen. Er zerlegt die drei Herren, die so nachhaltig in die deutsche Sprache Eingang gefunden haben vor den Augen des Lesers. Menschliche und charakterliche Schwächen - und daran mangelt es wahrlich nicht! - werden haarklein beschrieben und darin erkennt Zweig meist schon die Wurzel des "Bösen" oder das Fundament zum Scheitern.

Hölderlin: Der Held auf den die Mutter und die Tante ihre ganzen Hoffnungen setzen. Ein Tagedieb, der auf seine große Chance hofft und wartet und doch in seiner Isolation gefangen ist und sich nicht aus ihr zu befreien weiß.

Kleist: Der rastlose Tunichtgut, der immer wieder von seinen nervösen Nerven gejagt wird und sich in halsbrecherische Abenteuer und Gefahren stürzt und bis zum Schluss mal ängstlich, mal frech dem Schicksal ins Gesicht lacht - und doch letzten Endes dramatisch vor dem Schicksal kapituliert.

Nietzsche: Der kongeniale und stets missverstandene Philologe, der sich in den Bereich der Philosophie verirrt; stets krank, stets den Wohnort wechselnd, stets von den blitzartigen Nervenschlägen geplagt, stets arbeitsam und unverstanden, von den Kollegen des Fachs immer belächelt und verspottet und gegen Ende verachtet und verhasst.

Zweig skizziert den Weg des Scheitern bis zum Tode einschließlich bei allen drei historischen Figuren: immer ehrlich, immer schattenscharf analysierend, aber nie anklagend. Man schwankt zwischen Mitleid mit den Figuren und Entsetzen über die Unentschlossenheit (Hölderlin) oder die Rastlosigkeit (Kleist) oder die Nervosität (Nietzsche).

Zweig hat eine unnachahmliche Charakterstudie für die drei Helden vorgelegt, die von Ihren jeweiligen Dämonen gejagt und gehetzt werden und jeweils in den Abgrund getrieben und gerissen werden. Wer die drei "Großen" der deutsche Sprache bzw. Literatur mal unter der "Charakter-Lupe" betrachten will ist goldrichtig bei dem Buch.

Relativ kurz und knappe Kapitel machen es schnell und einfach lesbar. Viel Spaß dabei!
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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und aus den Worten wird Gesicht, 17. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Der Kampf mit dem Dämon: Hölderlin. Kleist. Nietzsche (Gebundene Ausgabe)
Ich weiss wirklich nicht, wann ich das letzte Mal ein solch dichtes, nachdenklich-zauberhaftes Buch gelesen habe, so voll Dunklem, voll Zaudern und Erschaudern, voll Ehrfurcht und Leidenschaft fuer Leben und Tod.
Stefan Zweig gliedert Dichter in grundsaetzlich zwei Sphaeren: in die Gesunden, mit dem Leben Verwurzelten, die ihr Haus in Gedanken bauten, wie auch im Leben - und in die Sphaere der Lodernden, Daemonischen, Gehetzten, jener, die ein Leben lang weiterzogen, auf der Suche waren, vielleicht nach Fragen, aber sicherlich nach dem Hoechsten, und dies unter Aufopferung ihres Ichs.
"Jeder schoeperische Mensch erfaehrt so den Kampf mit seinem Daemon, und immer ist es ein Heldenkampf; immer ein Liebeskampf."
"Wie immer hat das Heldenhafte keinen gefaehrlicheren Widersacher als gerade die zaertlich Wohlmeinenden, die das heilige Feuer mit sorglichem Atem niederdruecken zur haeuslichen Herdflamme."
"Nur wer die ganze Hoelle in sich trug, konnte so um Gott ringen."
Ueberreizter Schreiton, Foehnhimmel, halb Stammeln - halb Gebet, ... leere Meilensteine laengst eines mit brennenden Fluegeln durchmessenen Weges, kalte Kulissen, sprachlose Farbe... Stefan Zweig lebt mit den Gestalten, seine Worte beruehren, treffen. In den Wiederholungen wird aus dem Text deutlicher und klarer ein Gesicht erkennbar - und der Leser darf verstehen, dass hier nicht nur vier Gestalten aus der Geschichte zusammentreffen, sondern dass hier das Gesicht eines Lebensweges gezeichnet wird. Ein wunderbares Buch, nicht nur, um Hoelderlin, Kleist und Nietzsche nahezukommen und sie unter einer Idee zu vereinen, auch, um zu verstehen, was manche Menschen treibt, auch das letzte Hemd, den letzten Freund noch der Idee zu opfern.
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30 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Offenbarung jenseitiger Imperative, 5. März 2006
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Kampf mit dem Dämon: Hölderlin. Kleist. Nietzsche (Gebundene Ausgabe)
Wenn ein Gleichnis Hilfsmittel einer rationalen Aussage ist, dann hat Zweig hier in wunderbarer Weise dieses geschaffen. Das Dämonische zeigt sich da deutlich, wo es beispielhaft Verwendung findet, wo ein Mensch als Repräsentant des Dämonischen vorbildlich gilt. Zweig gelingt es, vorzüglich und vollkommen in die Empfindsamkeit seiner Protagonisten einzudringen. Drei Personen sind es, die dem Gleichnis offensichtlich dienen und doch sind es eigentlich fünf.
Beginnen wir mit den dreien, die ihr Leben der Unterordnung jenseitiger Imperative gewidmet, die sich selbst in den Mittelpunkt ihres Lebens gestellt und sich für den Bereich darüber hinaus entschieden haben. Es sind Hölderlin, Kleist und Nietzsche, die gem. Plutarchs Werk oder Safranskis Frage: „Wieviel Wahrheit braucht der Mensch?“ herhalten für eine vergleichende Lebensgeschichte. Diese Drei geben sich letztendlich einer überweltlichen Macht hin, die sie aus dem warmen Sein des Lebens hinaus reißt in eine unkontrollierbare Leidenschaft, um in der Verstörung des Geistes oder im selbst gewählten Tod zu enden. Nur im wachen Zustand erkennen sie sich als Besessene einer höheren Macht, als dem Dämon verhaftet.
Mehr wird deutlich im Vergleich mit einer weiteren Person, die Zweig als leise Metapher, als Über-Ich und doch real all den Gemeinsamkeiten der eigentlichen Drei überschweben lässt. Es ist Goethe, der mit Verstand und Macht gegen sich selbst das Dämonische in sich erkennend sich diesem abwendet. Wie die Welt durch geschickte in Sediment gesetzte Abformungen, durch tierische oder pflanzliche Überreste etc Botschaft für die Nachwelt gibt, so beschreibt und überliefert Goethe frei vom Dämonischen klare Ideen, Erkenntnisse und rationale Handlungen als Sammler diverser Wissenschaften.
Der fünfte im Bunde ist Zweig selbst, der mit nahezu übertriebener Leidenschaft sich in das Innenleben der vom Dämon Besessenen mit Bravour und überwältigender Sprache hinein arbeitet. Ja, die drei vom Dämon Verführten in ihrem Leid gedanklich begleitet, Kleist bis in den Freitod. Er lebt quasi mit ihnen, in der beschreibenden Wiederholung vieler Eigenschaften und Gegebenheiten kommt er ihnen näher – im Geist und in der Emotion. Er setzt sich selbst der Gefahr aus, die Spannung seines Geistes als Grenzwert zu erleben und in der möglichen Überspannung sich selbst zu verlieren. So scheint er Goethe als rettende Hand zu brauchen, da dieser in den „Leiden des Werthers“ längst die Erfahrung eines Grenzgängers machte und erfolgreich meisterte, und Zweig in Anlehnung an Hölderlins Dualismus „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ sich mit ihm sicher wähnt.
Zweig entwickelt seine Entdeckung des Dämonischen in der Folge von Hölderlin über Kleist zu Nietzsche. Über den Himmel und das metaphysisch Göttliche, hin zum egozentrisch Menschlichen bis in die Einsamkeit der Über-Intelligenz und der letztendlichen Opferung des Selbst gegenüber der Lebendigkeit ohne Lebensplan.
Hölderlin: „Nur was blühet, erkenn ich“
Das Prinzip des Werdens ist für Hölderlin präsenter als das des Seins. Diotima als Frau bleibt sein Streben, die Realisierung würde den Traum zerstören. „Es ist eine bessere Zeit, die suchst Du, eine schönere Welt.“ (Diotima an Hyperion)
Kleist: „Verflucht das Herz, das sich nicht mäßigen kann.“
Kleist ist hier Sehender seiner Leiden doch den Gegensätzen seiner Leidenschaft verhaftet. Im Gegensatz zu Hölderlin, der alle Idealität von der äußeren Welt zu realisieren fordert, fordert Kleist sie von und für sich. Seine Inszenierung des Lebens schließt den Freitod mit ein.
Nietzsche: „Auf die ewige Lebendigkeit kommt es an, nicht auf das ewige Leben.“
Nietzsche will sich lebendig und das ist seine Wahrheit und zu dieser Wahrheit verhält er sich stur und monogam. Ihn reizt nicht das Halten und Haben, ihn reizen die Fragen, das Forschen, das Suchen, das Jagen – bis zum Schmerz, bis zur Verzweifelung. Die Welt wird so von ihm nicht erobert und diese Erkenntnis führt ihn in die verzweifelte Einsamkeit.
Über das Denkbare und das Lebbare philosophierte Safranski entlang nahezu selben Personen-Gleichnissen. Die persönliche Idee jedes Einzelnen steht oberhalb allem Anderen und ist bestimmend in der Wahl der Lebenspraxis. Wer den Weg vom Menschen fort einschlägt, anstatt zu ihm, verabschiedet sich von allen sozialen Kontexten.
Dostojewski formulierte es so, das es das „höhere Herz ist, das sich quält“. Enttäuschte Leidenschaft führt zur Lebensfeindschaft, zur Unrast ohne Heimat, letztendlich, weil „ein Traum von ihr nicht genügt“ (Hölderlin).
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In Kreisen, 11. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Der Kampf mit dem Dämon: Hölderlin. Kleist. Nietzsche (Gebundene Ausgabe)
"Im höheren Menschen aber, besonders im produktiven, waltet die Unruhe schöpferisch fort als ein Ungenügen an den Werken des Tages, sie schafft ihm jenes 'höhere Herz, das sich quält' (Dostojewski), jenen fragenden Geist, der über sich selbst hinaus eine Sehnsucht dem Kosmos entgegenstreckt. (...)
So gerät jeder schöpferische Mensch unverweigerlich in den Kampf mit seinem Dämon, und immer ist es ein Heldenkampf, immer ein Liebeskampf: der herrlichste der Menschheit. (...)
Jede dämonische Natur verachtet die Realität als eine Unzulänglichkeit, sie bleiben - Hölderlin, Kleist, Nietzsche, jeder in einer anderen Weise - Rebellen, Aufrührer und Empörer gegen die bestehende Ordnung. Lieber zerbrechen sie, als dass sie nachgeben."
Ich habe schon einmal einen Kommentar zu dem Buch geschrieben, dass ich aber noch etwas hinzufügen möchte, soll vielleicht auch die Tiefe des Buches ein wenig bestätigen.
Wichtig ist mir noch zu sagen, dass der Leser hier kein chronologisches, kein logisch gegliedertes und rational-kurzes Buch vor sich liegen hat. Vielmehr sind die Kapitel angefüllt mit Wortbildern, tiefen Gedanken und jener Sehnsucht nach Wahnsinn und Tod, die auch Zweig schliesslich in den Abgrund reissen würde. Und trotzdem gelangt das Buch nicht auf Abwege, es geht nur oft an dem Feuer vorbei, das Zweig fassen will, und wandert dabei doch so, dass der Leser stets eine neue Perspektive erhält, ein neues Detail erkennt. "Der Kampf mit dem Dämon" ist meiner Meinung nach ein bemerkenswerter Einblick in drei Geister - vielleicht in vier, denn Stefan Zweig lebt nach, was andere sonst höchstens berichten könnten.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Parforceritt in die Literatur, 10. April 2009
Stefan Zweig: Der Kampf mit dem Dämon: Hölderlin, Kleist, Nietzsche

Der Kampf mit dem Dämon ist Zweigs zweiter Teil der Reihe "Baumeister der Welt" und stellt den produktiven und Welten schaffenden europäischen Autoren Balzac, Dickens und Dostojewski (des ersten Teils) diejenigen Denker des (hier de facto nur deutschen!) Abendlandes gegenüber, die, nicht minder produktiv, sich selbst in ihrem Werk verbrannt haben und vom Dämon besessen, vollends in ihm aufgegangen und mit ihm untergegangen sind. Bei Kleist (1777-1811) , Hölderlin (1770-1843), und Nietzsche (1844-1900) 'koppeln' sich Werk und Leben so unmittelbar aneinander, dass es kaum mehr zu trennen ist. Aus diesem Grunde muss es zugleich pathologisch zugehen, denn jeder 'Normalsterbliche' wird zur Psychologie gedrängt und muss erahnen, dass er sich in seinem Sein niemals soweit aus der eigenen beschaulichen Heimstätte der eigenen Denk- und Lebensart herauswagen kann, wie diese Drei es in ihrem Drang nach Freiheit und weitestgehender Ichbesessenheit getan haben. Das Produktive kann also nicht als reine Schöpfung mit einem stetigen Wachstum (so wie bei Goethe) verstanden werden, sondern bedeutet hier das eigene Dasein, das komplette Leben in die Waagschale einer sich beständig widersprechenden Erkenntnis vom Leben und seinen (Selbst)Wahrheiten zu werfen. Aus dieser Perspektive kann man sagen, dass etwas untergehen und zerrieben werden muss, wenn sich das Extreme aufmacht den Sinn des Lebens zu definieren und sich mit Kräften gegen alles Konventionelle stemmt. Die menschlichen "Naturgesetze" (das ist rein veranschaulichend gemeint!) gelten nur bis zu einer bestimmten Grenze, aber darüber hinaus wenden sie sich gegen sich und ihre ureigene Logik. Der Sinn oszilliert dann zwischen Wahnsinn und Normalität, ohne zurückzukehren an seinen Ursprungsort - der Sehnsucht nach Ordnung.
Das anscheinend Irrationale im menschlichen Dasein triumphiert und wirkt unerbittlich gegen den der sich die Freiheit für sein Denken erkämpft und erleidet. Sehr treffend beschreibt Camus in seinem 'Mythos von Sisyphos' eine derartige menschliche Sehnsucht, welche erst dann versöhnt sein kann, wenn die anthropologische Vernunft erkennt, dass auch das Universum lieben und leiden kann (Mythos von Sisyphos, S.24). Ein hübsch utopische Vorstellung.
Aber "...ein Mensch ist immer das Opfer seiner Wahrheiten. Hat er sie einmal erkannt, so kann er sich von ihnen nicht frei machen." (Mythos von Sisyphos, S.39) Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Absurdität und Dämonie, denn "das Absurde anzuerkennen bedeutet zu wissen: "...wichtig ist nicht, gesund zu werden, sondern mit seinen Krankheiten zu leben." (Mythos von Sisyphos, S.45). Das ist positiver Nihilismus !
Darum eben schien es Kleist, Hölderlin und Nietzsche nicht zu gehen. Die Verbindung zwischen Mensch, Werk und Leben scheint bei ihnen besonders das dämonisch Irrationale, Leidenschaftliche, das aus Leid und Unrast, aus impulsiven Emotionen, Krankheiten und Schmerz, aber auch aus Unersättlichkeit für "die (eigene) Wahrheit" produzierte (gefühlt fleischlich) Geistige zu sein, welches wiederum in das eigene Leben "zurückströmt". Ein lebenslanger, irreversibler Exzess mit zweitweiligen Pausen.
Im Gegensatz dazu stehen Kant oder Goethe, deren Stetigkeit, Disziplin und Tugend ein Leben und das dazugehörige Werk in geradezu akkurater Weise erschaffen lies und sie sich als gute Buchhalter und Verwalter ihres Selbst und damit ihres Wissens, ihrer Vernunft, ihrer Dichtung und Sprache bewährten. Während sich im Gegensatz die "dämonischen Drei" das Werk aus dem eigenen Leben geradezu herausgeätzt haben. In der Retrospektive verschmilzt das Essentielle des jeweiligen Denkers zu einem leidenschaftlichen Strom des Ganzen und das faszinierende Werk wird ganz Mensch und Wahrheit und Denken und Gefühl und Leben und Tod in einem. Kein sprödes von intellektueller, emotionaler Redlichkeit und sezierten Wahrheiten konstruiertes Weltbild aus basischen Elementen, sondern eruptives Schaffen, dessen Erkenntnis zu allerletzten Konsequenzen führt, denn "das Wahre suchen heißt nicht: das Wünschenswerte suchen" (Mythos von Sisyphos, S.47). Und diese Konsequenz bis in den Tod gelebt zu haben, ist schon meisterlich und verschwenderisch zugleich, wie es selten in dieser Qualität gelingen mag.

Sprachlich ist dieser zweite Teil der "Baumeister der Welt" höchste Kunst. Zweig fesselt von der ersten Seite an und zieht den Leser in seinen Bann. Man setzt sich also in diese Emotionskutsche, Zweig als Wagenlenker zieht die Zügel und die Peitsche knallt. Es knirscht geradezu zwischen den Seiten und man kann der dargebrachten Faszination für das Dämonische nur erliegen, denn es geht im Grunde (literarisch) höchst erotisch zu. Hätte man die Zeit (und ich muss gestehen von Hölderlin noch nichts von Kleist ein wenig und von Nietzsche ein bisschen mehr gelesen zu haben) man würde sofort auf Quellensuche gehen und den Werken und einigen Sekundärquellen nachspüren. Es reizt ungemein den Hyperion, den Empedokles, Kohlhaas, Penthesilea, Friedrich von Homburg, Ecce homo usw. sofort 'hinterherzuschlingen'. Soviel Leidenschaft für "fremdes" Werk und Leben, wie Zweig an dieser Stelle aufbringt und den Lesern durch seinen Sprachreichtum vermitteln kann, stößt bei mir auf fruchtbare Dankbarkeit und kann als nahezu einmalig betrachtet werden. So auch Sigmund Freud, dem dieses Buch gewidmet wurde und der sich nach der Lektüre dankend an Zweig wendet:
"Reichen Dank für das schöne Buch! Den ersten, wahrscheinlich kunstvollsten Aufsatz über Hölderlin habe ich in einem Zug durchgelesen, mit einigen eingeschobenen Pausen, um Atem und Besinnung zu schöpfen. Ich muss Ihnen einmal sagen, daß Sie mit der Sprache etwas ausrichten könne, was Ihnen meines Wissens kein anderer nachmacht. Sie verstehen es, den Ausdruck so an den Gegenstand heranzudrängen, daß dessen feinste Einzelheiten greifbar werden und daß man Verhältnisse und Qualitäten zu erfassen glaubt, die bisher überhaupt noch nicht in Worte gefasst worden sind..." (siehe Nachwort: S. 345).

Kurzum: Man kann hier nur eine eindeutige Empfehlung aussprechen !
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dionysos in Weimar, 14. November 2007
Von 
Es sind keine Biographien im herkömmlichen Sinn, die Stefan Zweig hier geschaffen hat, sondern eher psychobiographische Essays oder Psychogramme. Historisches oder Biographisches im engeren Sinn interessiert ihn nur insofern, als es geeignet ist, das Wesentliche und Typische seiner Figuren sichtbar zu machen. Im Vergleich miteinander soll dieses Typische herausgearbeitet und sichtbar gemacht werden. Das erinnert an Plutarchs Methode der vergleichenden Doppelbiographik und Zweig nennt ihn im Vorwort auch einen "erlauchten Ahnherren".

Was ist nun das Wesenhafte, das Hölderlin, Kleist, Nietzsche miteinander verbindet? Zweig nennt es das "dämonische" Element. Das Dämonische, das ist Übermaß und Ekstase, Selbstentäußerung und Selbstvernichtung, tragische Atmosphäre, "ein Gewitterhimmel von Gefahr und Gefährdung des Lebens", Rauschkunst und fieberhaftes Schaffen. Es ist auch kein Zufall, dass in diesem Kontext immer wieder altgriechische Sprachbilder auftauchen: Das Dionysische, das Pythische (Orakelhafte), das Orphische, das Tragische. Hölderlin und Nietzsche und zu einem guten Teil auch Kleist, sie mögen im Deutschland des 19ten Jahrhunderts gelebt haben, aber ihr Denken wurzelt fest in griechischem Boden.

Es hat aber seinen Preis, als Altgrieche in deutschen Ländern zu leben. Das ist die andere Seite, die Zweig herausarbeitet: Nomadische Existenzen sind es, Besitzlose, Heimatlose, Familienlose, die ständig an der Grenze leben, physisch und psychisch. Und an der äußersten Grenze ihrer Existenz, kurz vor dem geistigen Verfall (Hölderlin, Nietzsche) oder der Selbstvernichtung (Kleist) schaffen sie Ungeheuerliches, Großartiges: Nietzsche verglüht zum Klang seiner Dionysos-Dithyramben, Hölderlin verdämmert in der Rhythmik seiner Nachtgesänge, Kleist zelebriert seine Selbstauslöschung in der dunklen Messe seiner Todesbriefe. Dieser Weg in den Abgrund, in die letzte Götterdämmerung ist der rote Faden, den Zweig in seinen Psychogrammen nachzeichnet.

Nie "psychologisiert" Zweig. Das ist deshalb bemerkenswert, weil er sich selbst als "Psychologe als Leidenschaft" bezeichnet und das Buch Sigmund Freud gewidmet ist. Zwar notiert er manchen bemerkenswerten Gleichklang in der Familienkonstellation (alle drei wachsen sie früh vaterlos auf, bleiben ein Leben lang von den Müttern abhängig), in der Sozialisation (deutsche Gymnasialtradition), im späteren Bindungsverhalten (distanziert und zugleich schwärmerisch) oder in den künstlerischen Neigungen (zentral bei allen drei: die Musik). Aber diese psychologischen Erkundungen dienen immer nur dazu, die Kräfte und Temperaturen des "Dämonischen" freizulegen, niemals aber dazu, die dionysischen Gesänge selbst auf einen Familienroman zu reduzieren. Davor schützt Zweig - neben seinem Kunstverständnis - sicher auch die tief empfundene Nähe zu den Portraitierten.

Nie "moralisiert" Zweig. Zwar führt er die "Dioskuren" aus Weimar, Goethe und Schiller als Gegenpole zu Hölderlin, Kleist und Nietzsche ein und zeigt wie die beiden den "Dämon" bändigen konnten, während ihm die drei verfallen sind. Der Vergleich impliziert aber keine Wertung. Keine künstlerische, aber auch keine moralische. Gewiss, Goethes Dichtung (wie auch sein Leben) ist, bei aller Dämonie im einzelnen (Werther, Faust) doch an sich "gesund". Kräfte und Gegenkräfte balancieren sich aus, Sinnlichkeit und Vernunft, Einzelstreben und Gemeinschaftsgefühl gehen eine harmonische Verbindung ein. Nicht umsonst gilt Goethe als Sinnbild des Klassischen, des Humanistischen. Anders die Jünger des Dionysios: Deren Werk und Leben ist bei aller Harmonie im einzelnen doch an sich "ungesund", grenzüberschreitend, zerstörerisch. Die Abgründe des Dämonischen sind augenfällig: Rausch, Gewalt, Exzess liegt hier in der Luft. Aber in ein paar Randbemerkungen zeigt Zweig auch die von vielen gefühlten Untiefen des Humanistischen auf: das Abgleiten ins Pietistische, Quietistische.

Kann man es sich aussuchen, ob man zum "Hammer des Herren" (Nietzsche) wird, oder zum "orphischen Sänger des Göttlichen" (Hölderlin) oder zum "Herrn Geheimrat" (Goethe). Ja? Das wäre dann aufklärerisch-deutsch gedacht. Nein? Das wäre dann tragisch-griechisch gedacht. Ich denke, Zweig neigt mehr zur griechischen Antwort...
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dämonisch gut, 31. Dezember 2011
Ein fesselndes Buch über drei aus Sicht Zweigs Besessene. Toll geschrieben und ohne Angst vor Zuspitzungen.
Etwas störend ist vielleicht Zweigs immer wiederkehrende Ansicht, Wahnsinn, der in Kunst und Philosophie etwas Geniales produziert, wäre die höhere Form der Gesundheit. Naja...
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kongenial geschrieben, 23. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Kampf mit dem Dämon: Hölderlin. Kleist. Nietzsche (Gebundene Ausgabe)
Wie immer bei Stefan Zweig sind die Biografien in einer Hochsprache geschrieben, die bei unseren Zeitgenossen kaum mehr zu lesen ist.
In aller Kürze werden in den schmalen Bändchen auch die persönlichen und psychisch-seelischen Charakteristika eindrucksvoll und überzeugend dargestellt. Sehr lesenswert!
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5.0 von 5 Sternen Stefan Zweig wie immer hoch interessant, 15. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Habe das Buch einem Freund geschenkt, der es ganz toll fand. Ich hatte es zuvorals ebook gelesen,
Wenn man sich je mit Nietzsche Hölderlin oder Kleist beschäftigt hat, gibt dieses Werk entscheidende Hintergrundinfos
und ein Verständnis für die Genialität dieser Dichter , die ich nur selten oder besser nie so umfassend fand.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Analyse ohne Lücken, 10. Januar 2011
Das Buch ist interessant und da ich bereits 3 andere Bücher von Zweig gelesen hatte, war ich an den epischen und ausschweifenden Stil des Autors gewöhnt, der mir persönlich gut gefällt. Einziger Kritikpunkt meinerseits wäre, dass die Gewichtung zu sehr auf Hölderlin und etwas wenig auf Nietzsche gefallen ist, aber das ist nicht tragisch. Ist zu empfehlen.
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Der Kampf mit dem Dämon: Hölderlin. Kleist. Nietzsche
Der Kampf mit dem Dämon: Hölderlin. Kleist. Nietzsche von Stefan Zweig (Gebundene Ausgabe - 1. Oktober 1981)
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