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50 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 7. Januar 2010
...zumindest wenn man von 'Der Schatten des Windes' ausgeht.
Nach einer unglückseligen Jugend darf der 17jährige David Martin, dessen Leidenschaft das Schreiben ist, seine ersten Geschichten in einer Zeitung veröffentlichen. Er hat Erfolg, doch durch Neid und Mißgunst von Kollegen verliert er seine Stelle. Sein Freund und Förderer Vidal vermittelt ihn an zwei ausbeuterische Verleger, für die er eine neue Serie anspruchsloser Geschichten schreibt - diese ist bald ebenfalls sehr erfolgreich. Er mietet sich im Haus seiner Träume eine Wohnung, doch glücklich wird David dennoch nicht, denn er ist unglücklich verliebt ohne Aussicht dass dieser Zustand sich ändert. Auch das Schreiben befriedigt ihn nicht und als ein mysteriöser Verleger ihm für eine immense Summe einen Auftrag für ein Buch erteilt, nimmt er diesen an.
Damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf: Dieser Auftrag und der auf merkwürdige Weise verstorbene Vorbesitzer seiner Wohnung scheinen miteinander in Zusammenhang zu stehen. David beginnt nachzuforschen und wird in ein verworrenes Komplott verstrickt, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.
Zafóns Sprache ist unverkennbar: bilderreiche Beschreibungen, eine Wortvielfalt die ihresgleichen sucht. Doch im Vergleich zu 'Der Schatten des Windes' fehlen die Geschehnisse und Erzählungen, die Ausführungen und Anekdoten zu allem und jedem, die zeitweise beinahe märchenhaft anmuteten. Stattdessen gibt es eine durchgängige Geschichte, die an Düsternis und Trostlosigkeit fast nicht zu überbieten ist. Kaum ist dem Protagonisten etwas Glück hold, trifft ihn bereits der nächste Schicksalsschlag. Und Zafón handelt diesmal auch , zumindest ansatzweise, eine der großen Fragen der Menschheit ab: Was ist Religion, wie entsteht der Glaube an Gott? Keine Angst, auch für Atheisten ist dies durchaus lesenswert. Zudem nimmt dieser Teil nur einen kleinen (zu kleinen?) Raum des Buches ein. Ich persönlich hätte gerne mehr darüber gelesen.
Fazit: Wieder sehr gute Unterhaltung, diesmal sogar mit etwas Tiefgang :-), wenn auch insgesamt die düstere Stimmung fast etwas überhand nimmt.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Juli 2013
Ich habe soeben Das Spiel des Engels" zu Ende gelesen. Die Geschichte hat mich so verwirrt und verloren zurückgelassen, dass ich unbedingt eine Rezension dazu schreiben wollte, nicht zuletzt auch deshalb, um mir meine offenen Fragen zur Handlung einerseits, aber auch das Erstaunen über die meisterhafte Sprache Carlos Ruiz Zafóns von der Seele zu schreiben".
Als ich das Buch jedenfalls beendet hatte, blieb ich mit vielen Fragen zurück, u.a. damit, ob ich irgendwas nicht mitgekriegt habe oder einfach nicht verstanden habe. Ob ich ein wichtiges Element, das alle Mysterien der Handlung aufklären kann, übersehen habe. Aber da es vielen anderen Rezensenten zu meinem Trost ebenso zu gehen scheint wie mir, bin ich für mich nun zu dem Schluss gelangt, dass es vermutlich nichts zu verstehen gibt, dass das Buch für die aufgeworfenen Rätsel und Fragen keine Antworten liefert.
Die Geschichte lässt sich meines Erachtens nach in zwei essenzielle Stränge einteilen, die irgendwie miteinander verwoben zu sein scheinen, auf der einen Seite die Geschichte Davids und sein Pakt mit Andeas Corelli, auf der anderen Seite die Vergangenheit des Turmhauses mit seinem früheren Bewohner Diego Marlasca, auf dessen Spuren sich David begibt.
Schon ab einem frühen Zeitpunkt der Handlung beginnt der Autor, immer wieder geradezu paranormal anmutende Elemente in seine Geschichte einzuflechten, die mich von Anfang an fasziniert und mitgerissen haben. Als Beispiel hierfür wären das Bordell und Chloé zu nennen, oder Davids düstere Operation, die ihm im Traum das Leben rettet. Diese Elemente haben mich gefangen genommen und ich war gespannt, wie der Autor all diese Elemente (neben den Nachforschungen Davids zu Diego Marlasca) am Ende zu einem großen Ganzen verbinden würde (ich möchte nicht verschweigen, dass dies eine wahrscheinlich nur schwierig zu bewerkstelligende erzählerische Meisterleistung bedeutet hätte, die ich Zafón aber sofort zugetraut hätte). Außerdem fragt man sich, wer nun all die Morde begeht und warum Corelli um jeden Preis so ein mächtiges Buch veröffentlichen will?
Bis zum Epilog konnte ich das Buch nicht wegelegen, immer in der Hoffnung, dass Zafón gleich alles noch aufklären würde, dass auf der nächsten Seite sicher gleich die ersehnte Erklärung auftauchen würde, die dieses Buch zu einem einzigartigen Meisterwerk gemacht hätte. Aber es kam nichts dergleichen. Das Ende hat mich irgendwie enttäuscht. Für den Showdown am Ende hätte ich mir eine große Konfrontation zwischen David und Corelli gewünscht, dass sich David gegen den mit Corelli geschlossenen Pakt aufbäumt und sich von der scheinbaren Personifikation des Bösen befreit und seine Freiheit zurückerkämpft und dass sich, zweitrangig, das Rätsel um Marlasca auflöst. Stattdessen steht am Ende eine brutale Todesszene an der nächsten, in denen David ganz banal vor der Polizei davonläuft. Von Corelli ist dort keine Spur. Was es nun genau mit Salvador, Marlasca und den geschehenen Morden auf sich hat, wird ebenfalls nicht befriedigend erklärt.
Am Ende steht Davids Flucht aus Barcelona. Im Epilog kehrt der Patron schließlich voller Reue und Menschlichkeit zurück, mit einer neunjährigen Cristina an der Hand. Diese Situation verleiht dem Buch zwar ein versöhnliches und magisches Ende, jedoch erfährt man nicht, wieso der Patron auf einmal seine Haltung gegenüber David verändert hat, warum er nun als Wohltäter auftritt und Davids große Liebe wieder erstehen lässt und den beiden ein neues Leben schenkt. Das Buch, das er von David wollte, wurde nicht veröffentlicht. Aus welchem Grund sollte Corelli nun also so friedfertig handeln?
All diese Fragen hinterließen eine unbefriedigende Leere. Jedoch muss neben all der Kritik aber auch unbedingt erwähnt werden, dass Zafón wie schon im ersten Teil mit seiner wunderschönen Sprache und seiner einzigartigen Fähigkeit, seine Leser in ein düsteres Barcelona voller Spannung zu entführen, zu begeistern weiß. Er beherrscht seine erzählerischen Werkzeuge bis hin zur Perfektion, was für den Leser ein echtes Lesevergnügen erzeugt (habe das Buch auf spanisch gelesen). Von Anfang an konnte ich das Buch nicht weglegen. Hinsichtlich der Charaktere würde ich gern sagen, dass ich die bereits so oft erwähnte Antipathie anderer Leser gegenüber David nur teilweise nachvollziehen kann. Am Anfang fand ich David sehr sympathisch und ich konnte nicht anders, als auf jeder Seite mit ihm mit zu hoffen und zu leiden. Allerdings erreicht die Entwicklung des Charakters einen Punkt, in denen Davids Zynismus und Verbitterung überhand nimmt und man sich irgendwann nicht mehr so recht mit ihm identifizieren kann. Es wäre außerdem wünschenswert gewesen, wenn die Figur der Cristina deutlicher herausgearbeitet gewesen wäre, sodass verständlicher gewesen wäre, was diese Frau an sich hat, dass David an ihrem Verlust fast verzweifelt. Ansonsten fand ich alle Charaktere, wie schon im ersten Teil, hervorragend gelungen.

Was kann ich also abschließend sagen? Zunächst ist leider festzuhalten, dass Das Spiel des Engels" nicht an Der Schatten des Windes" heranreicht (den dritten Teil habe ich mir aber trotzdem bestellt und freue mich schon darauf). Jedoch ist das Buch trotz aller ungeklärter Aspekte sehr unterhaltsam, und man sollte bei aller Kritik auch vorsichtig sein, die in der Geschichte trotz allem gekonnt platzierten Spannungselemente nicht kaputt zu diskutieren und sie stattdessen für das, was sie sind, wertzuschätzen. Man sollte das Buch vielleicht unter einigen Prämissen lesen und sich darauf gefasst machen, dass der Grundton sehr düster und depressiv ist und dass man vieles nicht hinterfragen, sondern einfach nur hinnehmen und akzeptieren sollte. Dann hat man ein Buch voller reicher, meisterhafter Sprache, eine wahnsinnig spannende Geschichte und ein ganz versöhnliches Ende, das auf jeden Fall anders ausfällt, als man gedacht hätte. Vielen Dank für dieses Buch, Señor Ruiz Zafón!
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241 von 265 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. Mai 2009
Wahrscheinlich bin ich der letzte Mensch auf der Welt, der den Schatten des Windes noch nicht gelesen hat. Insofern hatte ich bei der Lektüre von Das Spiel des Engels auch keine Erwartungen, die enttäuscht werden konnten. Und enttäuscht bin ich auch nicht. Nur vollkommen zwiegespalten.

Einerseits habe ich das Buch gerne und zügig gelesen, und insbesondere die schaurig-schönen Beschreibungen von Barcelona, das hier keineswegs als sonnendurchflutete Mittelmeerstadt daherkommt (wie ich es mir vorgestellt hatte), haben mir gut gefallen. Andererseits denke ich seit Tagen darüber nach, was genau ich in diesem Buch nicht begriffen habe - oder ob es vielleicht gar nichts zu begreifen gab.

Die Handlung: Der junge, ehrgeizige weil aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Schriftsteller David Martin bekommt von einem geheimnisvollen Verleger den geheimnisvollen Auftrag ein geheimnisvolles Buch zu schreiben. (Das Buch ist so geheimnisvoll, daß wir, die Leser, nie auch nur eine einzige Zeile aus dem Buch im Buch zu lesen bekommen. Das an sich finde ich bei einem Buch über das Bücherschreiben schon etwas befremdlich). Sowohl David als auch der Leser erkennen schnell, daß es sich um den klassischen Teufelspakt handelt, weshalb die verspäteten Versuche Davids, sich daraus zu befreien, für ihn und alle um ihn herum nur im Unglück enden können.

Das Buch hat meiner Meinung nach zwei Schwächen: Erstens verzettelt es sich in zu vielen phantastischen Elementen, von denen kein einziges schlüssig aufgelöst wird. Und da auch dem Autor die Lösungen fehlen, läßt er alles einfach in Mord und Totschlag enden.
Zweitens, und das ist wirklich fatal bei einem Roman, der in der ersten Person erzählt wird: Für den Ich-Erzähler David Martin kam bei mir bis zur letzten Seite keine Sympathie auf. Er wirkte auf mich eigenartig passiv und schwach, abhängig von stärkeren Charakteren wie seinem väterlichen Freund Don Pedro oder dem sympathischen Senor Sempere, und wird damit ein williges Opfer des "Engels". Selbst die eingeflochtene Liebesgeschichte berührte mich überhaupt nicht, weil ich den Protagonisten nicht liebenswert fand.

Und dann, andererseits, auch wieder starke Szenen: David hat endlich sein erstes Buch unter seinem eigenen Namen veröffentlicht. Voller Stolz läßt er seiner Mutter, die ihn als Kind verlassen hat, ein Exemplar zukommen. Er beobachtet, wie sie das Buch verständnislos anschaut und dann wegwirft. - Und während ich ernsthaft bis zur letzten Seite erwartet habe, daß die Mutter nochmals auftaucht, hat David die Kränkung innerhalb weniger Absätze vergessen und kommt nie wieder darauf zurück.

Mein Gesamteindruck ist, daß der Autor - der echte, Ruiz Zafon - sehr viele nette Ideen, aber keine Zeit, keine Lust oder keine Energie hatte, sie in einem logisch aufgebauten Roman zu verarbeiten. Folglich hat er einfach einzelne Szenen und Gedanken durch Fantasy-Elemente miteinander verbunden. Sehr clever. Frage ist nur, ob Klappentext und Kritik so wohlwollend gewesen wären, wäre dies der Erstling eines unbekannten Autoren und nicht der Nachfolger eines Weltbestsellers gewesen. Den werde ich übrigens als nächstes lesen... sehr gespannt und voller Erwartungen.
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39 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Mai 2009
Natürlich, auch ich habe "Schatten des Windes" gelesen und war von diesem Roman fasziniert. Und natürlich - es ist schwer, nach so einem Erfolg einen weiteren überragenden Roman folgen zu lassen, da die Erwartungshaltung der Leser/innen sehr hoch ist.
Ich empfand diese Geschichte um den Protagonisten David Martin vor allem als sehr düster, fast schon depressiv - die Personen, die Stadt, die ganze Erzählung. Mich berührte weder die Handlung, noch waren mir Personen im Buch sonderlich sympatisch - außer natürlich der gute Buchhändler Sempere und Sohn. Es gab viele Handlungsstränge, die nachher irgendwie sehr lose zusammengeführt wurden.
Mich ließ nicht nur das Ende, sondern das ganze Buch ratlos zurück. Am Anfang dachte ich, vielleicht verstehe nur ich die Geschichte einfach nicht - aber nach dem Lesen vieler Rezensionen bin ich doch froh, dass es anderen Leserinnen und Lesern ähnlich ging.
Wer skurrile und düstere Geschichten mag, soll dieses Buch lesen. Ich würde es auf jeden Fall kein zweites Mal in die Hand nehmen.
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372 von 432 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. Dezember 2008
Nein, es ist nicht fair, ein Buch an einem anderen zu messen. Aber Tatsache ist nun mal, dass Leser so etwas tun. Bewusst oder unbewusst vergleichen sie Werke miteinander, umso mehr, wenn es sich dabei um Werke desselben Autors handelt. Wie käme also "Das Spiel des Engels" um einen Vergleich mit dem "Schatten des Windes" herum? Darauf gibt es nur eine Antwort: gar nicht!
Ein Rezensent weiter oben meinte - übrigens sehr originell und treffend ausgedrückt - er sei nicht nur ein Fan vom "Schatten ..." sondern ein "Jünger" desselben. Mit Ihrer Erlaubnis, liebe(r) M. Thomas, möchte ich mich dieser sicherlich nicht kleinen "Jünger"-Gemeinschaft zugehörig bezeichnen.
Unter diesen Voraussetzungen hatte der "Engel" kein leichtes "Spiel": Die Erwartungen waren enorm, und dann sind bekanntlich Enttäuschungen ja meist vorprogrammiert.

Als Zafons neuer Roman angekündigt wurde, war meine Freude riesengroß, doch je näher der Erscheinungstermin rückte, mischte sich zu meinen Erstaunen immer mehr -wie soll ich es nennen? - Angst in die freudige Erwartung. Endlich war es soweit: Der Tag X war da, das Lesevergnügen konnte beginnen. Zunächst war die Welt noch in Ordnung: ein vielversprechender Anfang, die Sprache wunderschön fließend (ein dickes Lob an dieser Stelle an Herrn Schwaar!!!) - also alles wie gewohnt.
Und als dann klar war, was für eine Art Buch David Martin für Andreas Corelli (Initialen "A.C." - Antichrist = Zufall?) schreiben soll, konnte ich nur ehrfürchtig staunen: Wow!!! Er (Herr Zafon) hat's mal wieder geschafft, der Geschichte einen genialen Dreh zu geben. Respekt!
Ab da waren meine letzten Zweifel verflogen, und ich las mit der "positivsten" Einstellung (man entschuldige diese unmögliche Steigerung) weiter.
Zwischendurch las ich die ersten Rezensionen der "schnelleren" Leser durch und dachte bei den etwas zurückhaltenderen, welche die "losen Enden" bemängelten oder sich an dem Übernatürlichen/ Surrealen/ Irrealen störten, zunächst noch: Sooo schlimm wird's wohl nicht sein, das wird sich sicher alles noch finden. Leider sollte ich damit Unrecht haben. Nachdem ich das Buch fertig gelesen hatte (und meine Zuversicht mit fortschreitender Seitenzahl immer mehr dahinschwand), musste ich diesen Rezensenten (allesamt "Schatten" -Jünger anscheinend), die ihre Enttäuschung bestimmt auch nur schweren Herzens zu Papier (sprich "ins Netz") gebracht hatten, zustimmen.
Wo sich beim "Schatten des Windes" der Kreis schließt, und sich zum Schluss alles makellos ineinander fügt, wie in einem Mosaik (und jedes scheinbar übernatürliche Ereignis eine völlig natürlich-rationale Erklärung hat), bleiben beim "Spiel des Engels" so manche lose Enden übrig, die den Leser unbefriedigt zurücklassen.
Das Eindringen des surrealen Elements in die Realität hat mich letztlich sehr irritiert - da helfen auch die ganzen Faust-Mephisto - Parallelen nicht. Dabei bin ich als Walter Moers' Zamonien - Fan und "Herr der Ringe" - Jünger dem Fantastischen durchaus wohlgesonnen. Doch das muss in sich selbst stimmig sein, oder aber es funktioniert nicht.
Nun ein paar (sehr persönliche) Anmerkungen zu den Charakteren: Im "Schatten ..." habe ich sie alle geliebt - die "Guten" sowieso und die "Bösen" auch (Was ist doch Fumero für eine grandios gelungene Gestalt - auch wenn man ihm im wirklichen Leben nie und nimmer begegnen möchte!) Doch die besten sind die, die sich einem Schwarz-Weiß-Schema entziehen (Julian Carax).
Diese Ambiguität spürt man auch bei manchen der "Spiel des Engels"-Charaktere, doch hilft sie einem nicht wirklich dabei, sie zu "mögen", und manchmal fällt einem sogar das Verstehen ihrer Handlungsmotivation schwer.
David Martin hat mich nicht "berührt". Und wenn man mit der Hauptperson eines Romans nicht "warm werden" kann, dann stimmt etwas nicht.
Es gab im "Schatten ..." mehr als eine Szene, die mich buchstäblich zu Tränen gerührt hat - und ich habe sie niemals als kitschig oder konstruiert empfunden, obwohl es Vorwürfe in diese Richtung gab. (Schließlich bietet die reale Wirklichkeit manchmal "Zufälle", dass man ob deren Unwahrscheinlichkeit nur staunen kann.)
Dieser Faktor des "die Seele Berührens" fehlt meiner Meinung nach dem "Spiel ..." völlig. Die Tragik der einzelnen Schicksale mag nicht recht überzeugen und geht einem nicht unter die Haut (so lässt einen Davids und Christinas Liebe seltsam kalt). Woran das liegt, kann ich nicht auf den Punkt bringen. Es ist einfach (k)ein Gefühl (da).
Wenn die schönsten und berührendsten Momente des Buches sich (ebenfalls meiner subjektiven Meinung nach) allein in der Buchhandlung von Sempere und Sohn abspielen (also im "alt-geliebten Milieu"), dann weiß ich auch nicht: entweder bin ich gnadenlos voreingenommen (was ich wirklich nicht sein will), oder aber "Das Spiel des Engels" hat dem unvermeidlichen Vergleich mit seinem großartigen Vorgänger - ganz objektiv betrachtet - nicht standhalten können.
Hierzu möge sich jeder sein eigenes Urteil bilden!

PS. Ich bin mir dessen bewusst, dass dies keine Rezension im eigentlichen Sinne ist (und bestimmt nur wenig hilfreich - wenn überhaupt), sondern vielmehr eine ziemlich wilde Ansammlung ureigener subjektiver Eindrücke, die ich mir einfach mal von der Seele schreiben wollte.
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Juni 2011
Es ist für mich als ehemaligen Buchhändler schon immer suspekt gewesen, wenn ein Autor den Verlag wechselt. Wer war da mit wem unzufrieden - Lektor oder Autor? Nun ist es ja historisch bedingt von Suhrkamp zu Fischer nicht weit, aber trotzdem....ich habe, da ich das Erstlingswerk dieses Autors schon nicht wirklich prickelnd fand (ich hatte damals immer den Eindruck, dass ich den Stil schon irgendwoher kannte, aber besser), sehr lange gewartet, bis ich dieses Buch hier angefasst und gelesen habe. Und das auch nur, weil ich die Sonderausgaben von Fischer optisch und haptisch (Taschenbuch mit Hardcover und Lesebändchen - komliment an die Marketingabteilung) sehr ansprechend finde. Was ist allerdings nicht ansprechend finde, ist der Wirr-Warr in diesem Buch. Handlungsstränge werden angefangen, aber nicht zu Ende geführt, Personen tauchen auf, verschwinden aber sofort wieder und diese ständigen Beschreibungen der Stadt...alles hat was von den damaligen "Wie-bringe-ich-möglichst-viele-Orte-auf-hundert-Seiten-unter-Köln-Krimis" bei Emonds (und diese möchte ich hier nicht abwerten).

Der Autor scheint sich gewaltig verzettelt zu haben. Am Anfang schreibt er einen Entwicklungsroman, dann geht er zur Mystik über (hat was von "Literarische Antwort auf Stephen King") und das letzte Drittel (der Showdown zieht sich ziemlich hin!) mit den detailierten Beschreibungen der Örtlichkeiten, Personen und Aktionen schreit förmlich nach "Verfilm' mich!!". Nach der Lektüre bestätigte sich also auch hier, alles schon mal irgendwo gelesen, aber auf mehrere Romane verteilt und besser.

Einen Stern bekommt das Buch dann doch...auch wenn vieles nicht(auf)geklärt wird, Spannung kann der Autor schon aufbauen(immerhin schreibt Ruiz Zafon auch mystische Jugendbücher - und das kann er), auch wenn sie im nächsten Augenblick wieder verpufft.

Thomas Hardow
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 9. März 2014
David Martin, ein junger ambitionierter Schriftsteller, ist nicht eben ein Glückskind. Seine Jugend verläuft trist, sein literarisches Talent wird ausgebeutet, mit der Angebeteten will es nicht klappen und sein bester Freund aus gutem Hause ist ihm immer irgendwie einen Schritt voraus. Zu allem Überfluss ist er mit einer schweren Krankheit geschlagen. Als nun ein geheimnisvoller Verleger wiederholt an Martin herantritt und ihm schlussendlich ein unschlagbares Angebot unterbreitet, scheint sich das Blatt für den vom Schicksal geschlagenen zu wenden.

Meine Lektüre von "Das Spiel des Engels" ist eine Geschichte des Scheiterns. Ich hatte nur am Rande mitbekommen, dass Zafon ein Bestseller-Autor ist und ging ohne jegliche Erwartung an das Buch heran. Selbst dass die "Für Sie" im Klappentext schreibt, man lese sich mit diesem Buch in einen Rausch, hat mich nicht abhalten können. Auf S. 300 bin ich dann ausgestiegen. Wieso?

Der Autor ließ mir bis dato den roten Faden komplett vermissen. Ein bißchen wird aus Martins Leben erzählt, dann geht es um die Literatur und schriftstellerischen Ehrgeiz, dann kommt eine Frau ins Spiel und kurz darauf noch eine und zwischenzeitlich fallen recht phantastische Ereignisse vom Himmel, die merkwürdig aus dem Kontext gerissen scheinen (z.B. eine Vision einer Begegnung mit einer Prostituierten, deren Bordell sich im nachhinein als heruntergebrannte Ruine herausstellt). Geheimnisvolle bibliophile Gestalten hüten unteridische Labyrinthe (was entfernt an Moers "Stadt der Träumenden Bücher" erinnerte). Der undurchsichtige Verleger wird als düstere Rätselgestalt ungeschickt in Szene gesetzt (die metallisch glänzenden Augen! das wölfische Grinsen!), um so etwas wie Grusel zu erzeugen, und das alles findet in einer für meinen Geschmack deutlich zu blumigen Sprache statt.
Ausgestiegen bin ich dann, als ein philosophisches Gespräch zwischen Autur und Verleger in Sätzen gipfelt wie "Wir verbringen das Leben zum großen Teil träumend, vor allem, wenn wir wach sind." (S. 276) oder "Ein Intellektueller ist in der Regel jemand, der sich nicht gerade durch seinen Intellekt auszeichnet." (S. 277). Was soll das sein, Oscar Wildes Aphorismen zu Hause am Küchentisch nachgebaut? Offenbar ist ein Bestseller-Autor manchmal jemand, der sich nicht gerade durch sein Gespür für Sprache auszeichnet.

So kam also die Notbremse auf Seite 300 zu Stande. Die Zeit möchte ich lieber überzeugenderen Büchern widmen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
In diesem Roman erfahren kundige Leser die Vorgeschichte von Isabella Gispert, also Daniel Semperes Mutter und von David Martin, Protagonist aus "Der Gefangene des Himmels". Zentraler Ruhepunkt in der an Aktionen reichen Geschichte ist der Buchladen Sempere. Inhaber ist der Opa von Daniel Sempere; Daniels Vater ist zu dieser Zeit noch ein junger Mann. Auch der magische "Friedhof der vergessenen Bücher" spielt wieder eine Rolle.

Isabella ist ein forsches intelligentes Mädchen mit markanten Charakterzügen und damit die schillernde Gestalt dieses Romans. Hauptakteur ist zweifelsohne der Schriftsteller David Martin. David verkuppelt Isabella mit Sempere junior. Bei dieser Aktion zeigt er Charme und Humor, wie in den anderen Büchern dieser Reihe Fermin. Er selbst ist in Christina, der Tochter des Fahrers seines Freundes Pedro Vidal, ebenfalls Schriftsteller, verliebt.

David Martin macht einen existenziellen Reifungsprozess durch. Von einem sympathischen jungen Mann entwickelt er sich hin zu einem Antihelden. Schuld ist Andreas Corelli, der ihm den Auftrag erteilt, ein geheimnisvolles religiöses Buch (über dessen Inhalt nichts verraten wird) zu schreiben. Die Verbindung zu Corelli gleicht einem Pakt mit dem Teufel. Hier gleitet der Roman über ins Fantastische.

Während der ersten zweihundert Seiten ahnt der Leser noch nicht, wie sich die Geschichte entwickeln wird. Der Roman ist spannend. "Das Spiel des Engels" ist auch ein magischer Krimi mit vielen Toten. David Martins Wege und Entscheidungen sind schicksalhaft. Realität und Traumwelt vermischen sich. Der Leser wird verwirrt, aber die losen Fäden werden nicht sauber zusammengeführt. Dies ist die größte Schwäche des recht komplexen Romans. Er ist mysteriös und unterhaltsam, aber auch rätselhaft, ohne dass diese Rätsel abschließend gelöst werden. "Das Spiel des Engels" ist nicht vergleichbar mit den perfekt konstruierten Romanen eines Leo Perutz. Es bleiben zu viele Fragen offen.
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am 16. September 2012
Der Roman wird in drei Akten erzählt, in den ersten lernen wir David Martin kennen, einen erfolglosen Schriftsteller der am Anfang seiner Karriere steht und sich erstmal als Zeitungsangestellter durchschlägt. Wir erfahren was für eine Kindheit er hatte und welche Wünsche, Träume er hat und natürlich wen er liebt. Es passiert auch gleich recht viel negatives in seinen Leben, er verliert seinen Job, wird Schriftsteller von Schauergeschichten wo die Verleger ihm soviel abverlangen, das es ihm Gesundheitlich immer schlechter geht. Er lebt in einen Horrorhaus was eher wie eine Gruft wirkt als wie ein schönes Zuhause. Er schreibt seinen ersten eigenen Roman und gleichzeitig den von seinen Freund, da er das Gefühl hat, auch ihn was Gutes tun zu müssen, da dieser sein Leben bis jetzt unterstützt hat. Es kommt wie es kommen muss, sein Roman flopt, während der Andere über alles gelobt wird und sein Freund der Frau die er liebt einen Antrag macht, welche diese auch annimmt. So kommt es das David krank, erschüttert und dem Tode nahe einen Vertrag mit einen Verleger abschließt, den er wohl sonst nicht abgeschlossen hätte.
Hier kommt dann der zweite Akt, David ist gesund lebt auf und schreibt, für den ersten Eindruck ist er glücklich, aber hier kommen die Fragen warum ist der Verleger so seltsam, was will er mit den Buch was er schreiben soll, über eine neue Religion und warum findet er nichts über diesen Verlag und seinen Verleger. Dann werden seine zwei alten Verleger Opfer eines Brandes und David ein Verdächtiger. Sein Leben wird immer merkwürdiger und die Intrigen spinnen ihn ein.
Ich kann, nachdem ich den Roman gelesen habe, gar nicht sagen in welche Sparte er passt und wohin ich ihn für mich einsortieren soll. Eine Phantasiegeschichte, ein Thriller, eine Hommage an das Schreiben und die Bücher? Ich bin da noch einwenig ratlos, aber was ich sagen kann, es liest sich verdammt gut und trotz der 700 Seiten, sehr schnell. Das Buch unterhält und ist extrem spannend, so dass die Seiten nur so dahin fliegen, es macht Spaß in die Welt von David abzutauchen, diesen Menschen kennen zu lernen, seine Sprüche zu lesen, dabei zu schmunzeln, mit ihm mitzuleiden. Für mich hat er einen Pakt mit den Teufel geschlossen und ihn zum Schluss ausgetrickst, dank des Friedhofs der vergessenen Büchern. Ob sich das alles für ihn gelohnt hat, müsst ihr dann selber lesen.
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am 28. September 2011
Ich bin wahrscheinlich der einzige Mensch auf dieser Welt, der den Schatten des Windes gar nicht so super toll fand. Es war ein nettes Buch, ja, aber es hat mich nicht so sehr gepackt. Auf das Spiel des Engels bin ich deshalb ganz neutral rangegangen und es hat mich echt umgehauen. Für mich war es das beste Buch, was ich je gelesen habe. Ich bin aus allen Wolken gefallen, als mir selbst Freunde gesagt haben, dass sie so sehr enttäuscht von dem Buch waren und sogar richtig sauer, dass sie es überhaupt gekauft haben. Ich glaube es kommt sehr darauf an, auf welche Art von Geschichte, Schreibstil und Gestaltung einer Handlung man Wert legt.

Geschichte:
Die Geschichte ist sehr spanndend, aber auch sehr mysteriös und man weiß die ganze Zeit nicht wirklich, wohin das ganze führen soll. Das könnte vielleicht den ein oder anderen schon zur Weißglut bringen. Gerade das mysteriöse fand ich aber spitze und das manches auch nicht wirklich real sein kann, sondern man sich in einer mystischen Welt bewegt - vielleicht sogar in einer Geisterwelt. Wer also selbst sehr offen ist, auch für nicht reale Dinge, der findet an der Geschichte bestimmt großen Gefallen.

Erzählstil:
Bei mir persönlich kommt der Erzähl- und Schreibstil des Autors perfekt an. Er trifft mich mit jedem Wort und ich muss keinen Satz 2x mal lesen, was ja manchmal der Fall ist, wenn man mit einem Autor nicht warm werden will. Die Worte hab ich einfach nur so aufgesaugt und konnte nicht aufhören zu lesen. Die Beschreibung der Szenarien war so gut, dass ich mir die einzelnen Szenen und Orte vorstellen konnte, als wäre ich selbst dort. Auch die mysteriöse, geheimnisvolle Stimmung ist bei mir voll angekommen. Ich finde er wählt stets die richtigen Worte, um einen sofort einzufangen.

Ende der Geschichte:
Das Ende ist sicherlich enttäuschend für Menschen, die auf eine absolute Klärung stehen und wenig eigene Phantasie haben. Ich fand es genau richtig, weil man auch danach noch darüber nachgrübelt, ob man es wirklich richtig verstanden hat und ob es so auch Sinn ergibt. Am liebsten würde man einzelne Szenen nochmals wiederholen. Für mich war es perfekt, aber ich mag auch Filme von David Lynch, bei denen man ja oftmals auch über die Sinnhaftigkeit diskutieren kann. Also, wer wenig Raum für eigene Vorstellungskraft möchte und ein Buch am Ende zufrieden bei Seite legen will, der sollte das Buch nicht lesen. Wer aber nachwirkende Bücher mag und die eigene Phantasie gerne spielen lässt, für den ist es genau richtig.
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