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34 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Uns wird nichts mangeln
"Keine Kritik an der parlamentarischen Praxis kann so drastisch sein wie jene,
die durch das Parlament selbst vorgetragen wird. Kein Angriff auf Abgeordnete kann so polemisch sein wie das,
was sie selbst gegeneinander vorbringen, keine polemische Pointe kann so enthüllend sein wie das Zitat."

Warum tut er sich das an? So war ich versucht...
Vor 6 Monaten von eule 52 veröffentlicht

versus
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Politikfern und parteiisch
Die Idee des Buches ist vielversprechend, und sprachlich entspricht es, wie bei Willemsen nicht anders zu erwarten, allen Regeln der Kunst. Das Buch hat meiner Meinung nach jedoch zwei große Fehler: Es wird der politischen Dimension des Themas nicht gerecht, und es ist unterschwellig sehr parteiisch.

Willemsen reduziert das Parlament auf die menschliche...
Vor 3 Monaten von M.W. veröffentlicht


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34 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Uns wird nichts mangeln, 31. März 2014
Von 
eule 52 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Keine Kritik an der parlamentarischen Praxis kann so drastisch sein wie jene,
die durch das Parlament selbst vorgetragen wird. Kein Angriff auf Abgeordnete kann so polemisch sein wie das,
was sie selbst gegeneinander vorbringen, keine polemische Pointe kann so enthüllend sein wie das Zitat."

Warum tut er sich das an? So war ich versucht zu denken angesichts der mitunter leicht skurrilen Schilderungen aus den Tiefen des Hohen Hauses.
Roger Willemsen hatte ein Jahr lang Unterricht darin, wortreich nichts zu sagen. Zum Glück für uns war er kein gelehriger Schüler, denn die Protokolle seiner 'Schulstunden' sind gewohnt geistreich und tiefgründig. Er liefert uns weder Interpretationen noch Leitartikel, er bietet uns 'Mitschnitte', die zwischen den Zeilen Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung durchscheinen lassen, ohne daß er seine eigene politische Couleur dafür preisgäbe.
Die historische Abfolge der Ereignisse des Jahres 2013 ist uns noch gegenwärtig. Um so mehr ist es ein Vergnügen, sie von Roger Willemsen noch einmal auf seine Weise präsentiert zu bekommen. Dabei erfahren wir noch so einiges, was uns ohne ihn nie offenbar geworden wäre, z.B. daß unter den Bänken zuweilen Händchen gehalten wird, daß es zu später Stunde schon mal schneller gehen kann, bis ein Gesetz durchgewunken ist, daß es unter den Parlamentariern manchmal schlimmer zugeht als bei einem Haufen pubertierender Pennäler. Aber letzteres hatten wir schon geahnt.
Wir stolpern über Namen von Abgeordneten, die wir nie zuvor gehört haben und vermissen den aus unserem Wahlkreis, dessen Engagement zu unserem Wohle in der Provinzzeitung täglich so preisend hochgelobt wird.

Das Buch ist zum Nachlesen der zahlreichen Pointen unverzichtbar. Ich für mich zog es aber vor, mit Roger Willemsen als Beifahrer unterwegs zu sein. Mit seiner Stimme, der völlig akzentfreien Sprache, mit der er seine brillant geschliffenen Texte zelebriert, wird jeder auf der Zuschauertribüne verbrachte Tag zu einem Erlebnis. Jens-Uwe Krause und Annette Schiedeck fungieren treffsicher und gekonnt authentisch als Verkörperung der ParlamentarierInnen.

Schade, daß Roger Willemsen im Fernsehen so selten zu sehen ist. Sein Niveau ist über jeden Talk erhaben. 'Willemsens Woche' mit Michel Petrucciani - das waren noch Zeiten!
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr lohnend!, 22. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament (Gebundene Ausgabe)
Roger Willemsen gewährt dem Leser auf den fast 400 Seiten sehr tiefgehende und oftmals unterhaltsame Einblicke in den parlamentarischen Alltag. Auch für die Leser, die glauben bereits alles ohnehin durchschaut zu haben, werden Neues im hohen Haus entdecken. Oft war ich erheitert, dann wieder fassungslos, aber fast immer sehr interessiert an Willemsens Schilderungen.
Der gelegentliche Sprachnarzissmus sei dem Autor in diesem Buch verziehen, da er nach kurzen Passagen meistens wieder zu einem alltagstauglichen Schreibstil zurückfindet und den Leser mitzunehmen versucht. Dies gelingt ihm - anders als in anderen Werken - dieses Mal einfach wesentlich besser.
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70 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brillant geschrieben, hochinteressant das Sujet, 6. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament (Gebundene Ausgabe)
Gibt es Autoren, die sich bei der Themenwahl ihrer Bücher so unterschiedliche Themen widmen, und dabei dermaßen eloquent schreiben wie Roger Willemsen? Ich glaube nicht.

Für sein neuestes Buch beschäftigte er sich mit dem Parlament der Deutschen. 2013 nahm er dafür während der Sitzungsperiode jeden Tag im Deutschen Bundestag auf der Zuschauertribüne Platz, notierte vieles, hörte genau zu. Teilweise dauerten seine Sitzungen von 9 Uhr morgens bis 2 Uhr des Nachts.

Und so beobachtete Roger Willemsen ein Jahr lang das Parlament und dessen Ablauf. Themen wie u.a. Hochwasserkatastrophen, Militärdrohnen, der Bombenanschlag von Boston oder die Rente mit 63, aber auch der Pferdefleischskandal bestimmten die Debatten.

Abseits davon schaut er aber auch hinter die Kulissen, beschreibt das Prozedere, den Ablauf, die Organisation des Bundestages. Bürokratie, wen wundert es, herrscht hier natürlich auch. Etwas, was auch Willemsen erfahren musste. Etwa bei seinen Versuchen, länger als eine Stunde täglich auf der Tribüne Platz nehmen zu dürfen. Oder mit welchem Aufwand für jede Sitzungswoche ein neuer Ausweis beantragt werden muss.

Detailreich und mit viel Sachverstand, was die Materie angeht, aber auch mit Witz , stellt Roger Willemsen „die Politiker“ dabei nicht in gängigen Klischees aus. Stattdessen analysiert er die Reden der Abgeordneten differenziert in ihrer ganzen Bandbreite - von der idealistischen und deutlich überengagierten Rede bis hin zum bürokratischen, nichts sagenden Vortrag . Sein Zugang zum Thema ist objektiv und basiert auf 50.000 Seiten Parlamentsprotokolle .

Willemsen schreibt aber auch von der Loslösung der Politiker von ihrem Volk und stellt vieles in Frage: „Regierungsparteien kontrollieren das Kabinett nicht, vielmehr begleiten sie sein Tun repräsentativ, meist rühmend und dankend.“ , heißt es da etwa einmal.

Und so bekommt man als Leser des „Hohen Hauses“ das Gefühl, auf der Zuschauertribüne desselben zu sitzen. Mitunter kommt Empörung hoch, manchmal Be-, oft auch Verwunderung. Spannend ist das Ganze auf alle Fälle.
Eine lesenswerte Lernstunde über jenen Ort, an dem die Weichen für unser aller Zukunft gelegt werden – ein sachkundiger Blick jenseits der oft in den Medien verzerrt oder nur ungenügend dargestellten Debatten.
   
Eine clevere Idee, bestechend umgesetzt.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fragwürdige Demokratie, 6. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament (Gebundene Ausgabe)
Fragwürdige Demokratie
Willemsen erklärt am Ende seines Buches, er sei kein Journalist. In diesem Bewusstsein gelesen, wird der Leser nicht enttäuscht sein. Willemsen ist intellektuell, ein stilverliebter Autor. Ein Jahr lang hat er den Bundestag kritisch beobachtet. So entstand ein Puzzle aus Beobachtungen, Meinungen, Wertungen. Sich daraus ein präzisen Bild des Bundestages zusammenzufügen, ist nicht leicht. Eins wird rasch klar: Unsere Demokratie und unser Bundestag haben wenig mit dem gemein, was vom Ursprung her eine Demokratie sein sollte. Eigentlich müsste die Legislative, also die Abgeordneten, die Exekutive, die Regierung, überwachen, kontrollieren. Das Wort Parlament leitet sich vom Französischen parler-sprechen ab; eigentlich sollte durch Rede und Gegenrede die beste Lösung gefunden werden.
In unserer Demokratie haben diese Reden ihren Sinn verloren. Willemsen beschreibt immer wieder, wie Redner nach ihrer Rede das Plenum verlassen, die Antwort auf die eigene Rede interessiert nicht. Im Plenum werden keine Lösungen gesucht, sondern in den Ausschüssen. Deswegen ist das Plenum auch oft nur besetzt von den Mitgliedern, die dem Ausschuss angehören, dessen Gegenstand gerade beraten wird. So ist das Parlament zur Attrappe einer Demokratie geworden.
Seit Adenauers Zeiten ist der Ton entschieden gröber geworden. Durch Zurufe verhöhnen sich Abgeordnete in einer Weise, die früher vom Bundestagspräsidenten gerügt oder sogar mit dem Herauswurf geahndet wurde.
Selbst der Begriff ‚Hohes Haus‘ leuchtet nicht mehr ein, wenn man das Verhalten der Abgeordneten beobachtet, die sich unterhalten, dem jeweiligen Redner den Rücken zukehren, Zeitung lesen und mit ihren Handys telefonieren. Geachtet auf die Würde des Hauses wird nur bei den Besuchern, denen streng untersagt ist, einen Kaugummi zu kauen..
Letztlich gefährdet wird das politische System durch unkorrekte Presseberichte, die einer vertretenen Meinung ‚vehementer Widerstand attestieren‘, obwohl es nur zwei Redner waren, die eine Gegenmeinung äußerten. Letztlich führen parlamentarische Reden nicht zu Ergebnissen, das Ergebnis von Abstimmungen ist schon längst vor der Debatte parteiintern festgelegt worden.
Oft leitet Willemsen den Bericht eines Tages mit Hinweisen auf Ereignisse ein, die gerade die Tagesneuigkeiten darstellen, als wollte er damit zeigen, wie weit doch Parlamentsarbeit vom Tagesgeschehen entfernt ist. Viel Aufmerksamkeit widmet er der Kleidung, der Haltung, deutet Mienenspiel und Formen gegenseitiger Begrüßung. Hier sollte man sich von seiner Subjektivität nicht beeinflussen lassen. Das Buch ist amüsant zu lesen, nach dem Lesen wünschte man sich als Ergänzung das Buch eines Journalisten, der genauer über Vieles informiert, was Willemsen offen lässt, zum Beispiel wie es zur Begrenzung von Redezeiten kommt.
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47 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessante und manchmal anstrengende Einblicke in das Treiben unserer Volksvertreter, 6. März 2014
Von 
Marc Hoettemann "Ostwestf4le" (Rheinland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament (Gebundene Ausgabe)
Auf diese Idee ist bisher niemand gekommen: Von Januar bis Dezember 2013 hat Roger Willemsen von der Zuschauertribüne die Sitzungen des Deutschen Bundestages verfolgt und seine Erlebnisse und Erkenntnisse niedergeschrieben.

Kein Thema ist ihm zu langweilig, keine Debatte zu spröde. Sei es der Einsatz in Afghanistan oder der Skandal um Pferdefleisch in der Lasagne. Oder auch Dioxin im Hühnerei und die Frage des Leistungsschutzrechts oder der Armutsbericht. Jede Debatte wird von dem Publizist in Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament aufmerksam verfolgt und bewertet.

Natürlich geht der Autor auch auf die Inhalte der politischen Debatten ein. Doch viel mehr imponiert das Sezieren der Rhetorik der Volksvertreter. Willemsen merkt die Selbstverliebtheit der Protagonisten an, ihre Polemik und ihre fiesen persönlichen Angriffe gegen die gegnerischen Parteien sowie die teilweise grenzwertige Art der Argumentation im Rededuell.

Noch stärker als die Zusammenfassung der Besuche im Berliner Reichstagsgebäude beeindrucken die Beobachtungen von Roger Willemsen. Wenn er beispielsweise von Sahra Wagenknechts Rede im Februar 2013 berichtet, die von den meisten Mitgliedern der deutschen Bundesregierung nur en passant verfolgt wird und stattdessen lieber Akten studiert und das Schwätzchen mit dem Parteikollegen gesucht wird. Dann fasst Willemsen treffend zusammen: "Das Parlament ist am ehesten ein Büro mit angeschlossener 'Speaker's Corner'."

Doch es sind nicht nur die Beschreibungen und Analysen der Reden im Parlament, die Roger Willemsen treffsicher erledigt. Er gräbt auch in der Geschichte des Reichstages und der Geschichte des Bundestages und fördert dabei viele Details zutage, die sicherlich nicht dem Allgemeinwissen zuzuordnen sind.

Spannend sind die Ereignisse, die Roger Willemsen abseits der Debatten beobachtet. Wenn er Politiker während einer Rede eines Kollegen beim Feixen oder am iPad spielen "erwischt", wenn er das offensichtlich zur Schau getragene Desinteresse am Thema einer Diskussion unserer Volksvertreter entlarvt.

In Das Hohe Haus ist nicht die Creme de la Creme der Bundespolitiker der Star. Es sind vielmehr die Politiker aus den hinteren Reihen der CDU, SPD, der Linken und der Grünen, die ihre großen und auch kleinen Auftritte haben - und damit einen besseren Leistungsnachweis als einige der Etablierten verdient haben.

Ich gestehe, dass ich an einigen Stellen Mühe hatte, mich zu motivieren, das Buch weiterzulesen. Zu langatmig habe ich manche geschilderte Debatte empfunden, zu anstrengend war der elaborierte Sprachcode Roger Willemsens für mich. Denn "Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament" ist kein Buch zum entspannten Lesen. Es ist ein Buch, das teilweise anstrengend, teilweise amüsant ist. Und das voller Wissen steckt und gerade deshalb so lesenswert ist.

Die Mühe lohnt sich!
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schleichendes Gift.........., für jeden Tag :-), 3. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Unglaublich glaubhaft was Roger Willemsen mit seiner unverschämt schmeichelnden Stimme, auch bei ironischen Tonlagen, über seine Jahr im Hohen Haus zu berichten hat. Das muss doch wirklich mal gesagt werden, was unsere gewählten Volksvertreter so alles drauf haben an Kommunikationsverweigerung, körpersprachliche Vernichtungs- bzw. Abwertungsstrategien, Affentänzen und Selbstdarstellungen. Man kann gar nicht aufhören, ich bin extra nochmal um den Häuserblock gefahren um in Ruhe den Schluss hören zu können. Ein echter Genuß, politische Bildung auf Sterne-Niveau, danke Roger.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Politikfern und parteiisch, 21. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament (Gebundene Ausgabe)
Die Idee des Buches ist vielversprechend, und sprachlich entspricht es, wie bei Willemsen nicht anders zu erwarten, allen Regeln der Kunst. Das Buch hat meiner Meinung nach jedoch zwei große Fehler: Es wird der politischen Dimension des Themas nicht gerecht, und es ist unterschwellig sehr parteiisch.

Willemsen reduziert das Parlament auf die menschliche Ebene der einzelnen Abgeordneten. Er berichtet ausführlich über deren Stärken und Schwächen, über ihre Kleidung, ihre Manieren, ihren Dialekt und ähnliches. Besonders breiten Raum nehmen die persönlichen Schicksale ein: Willemsen schildert die letzte Rede eines Abgeordneten, der schwer krank ist, und beschreibt den Tumult, als eine Abgeordnete mitten im Plenum einen Schlaganfall erleidet.

Dies sind natürlich die angestammten Themen eines Schriftstellers, aber bei einem Buch über den Bundestag sollte man dessen politische Funktion nicht ganz übersehen. Die Abgeordneten repräsentieren im Parlament ja nicht die eigene Person, sondern die Interessen ihres Wahlkreises und ihrer Partei. Über die Vor- und Nachteile davon kann man natürlich unterschiedlicher Ansicht sein, doch Willemsen übergeht dieses Thema einfach und kritisiert unreflektiert all diejenigen Abgeordneten, die ihre eigene Person ihrer politischen Rolle unterordnen. Manchmal hat man beim Lesen den Eindruck, Willemsen setze Fraktionsdisziplin automatisch mit Herdentrieb gleich, politische Rhetorik mit Substanzlosigkeit, und Kompromissbereitschaft mit Rückgradlosigkeit. Ich finde, damit macht er sich die Welt etwas zu einfach.

Zu kritisieren ist auch, dass Willemsen den Eindruck vermittelt, er würde das Parlamentsgeschehen als neutraler Beobachter beschreiben. Tatsächlicht hat er jedoch eine sehr vorgefasste Meinung, die übrigens der Mehrheitsmeinung der Bevölkerung widerspricht. Seiner Meinung nach ist die Linkspartei die einzige, die die Lebenswirklichkeit der Menschen kennt und repräsentiert, wohingegen er die Haltung der anderen Parteien immer wieder als bürokratisch, wirklichkeitsfern, oder gar zynisch verurteilt. Wieso, fragt man sich als neutraler Leser, bekommt dann trotzdem die CDU/CSU bei der Bundestagswahl über 40% der Stimmen und die Linkspartei nur knapp 9%? Auf diese Frage geht Willemsen in dem Kapitel über den Wahlabend mit keinem einzigen Satz ein.

Nun ist es natürlich schwer zu vermeiden, dass ein politisches Buch auch die persönliche Meinung des Autors widerspiegelt, doch es gehört dann zur Aufrichtigkeit, diese auch offenzulegen. Willemsen tut das aber nicht, im Gegenteil: Er behauptet im Nachwort, er hätte "möglichst voraussetzungslos" zuschauen wollen, um ein Buch aus der "Bürger-Perspektive" zu schreiben. Lediglich in einem einzigen Satz gibt er vage-allgemein zu: "Wer betritt das Parlament schon [...] ohne weltanschauliche Überzeugungen, ohne Einstellung oder sogar Haltung [...]", jedoch nur um im direkten Anschluss zu betonen, dass er keiner Partei angehört.

Am Ende bleibt bei mir der Eindruck zurück, dass Willemsen (wie leider recht viele Anhänger des linken politischen Spektrums) sich schwertut anzuerkennen, dass es auch nicht-linke politische Einstellungen gibt, die deshalb nicht automatisch "wirklichkeitsfern", "unsozial", oder sonst irgendwie verurteilenswert sind.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Ort wie jeder andere auch. Ein Spiegelbild von uns., 13. April 2014
Von 
Happyx - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament (Gebundene Ausgabe)
Selbstverständlich ist vielen klar, dass im deutschen Parlament nur noch eine Art Schaulaufen stattfindet. Die Entscheidungen werden vorher getroffen, in Ausschüssen. Trotzdem ist es ein wichtiger Ort, an dem RW mit seiner unnachahmlichen Sprachwitz erstaunliche Dinge ans Licht bringt. Abseits des üblichen Geklüngels zwischen Massenmedien und Politikern schaut mit diesem Buch jemand in kleinste Ritzen des Verhaltens, Gesten, Mimik, Zwischenrufe, lächerliche Momente....ein Seismograph des parlamentarischen Betriebs im Parlament.

Ich habe zuletzt die Besprechung der FAZ gelesen, nicht mehr als ein Reiben an einem wirklichen Könner, abseits dessen, was dieses Buch tatsächlich erbringt. Alleine die Einleitung sei jedem empfohlen, der das Parlament besucht. Man erfährt vieles über die Entwicklung, den Zustand, die Architektur - bis hin zum repräsentativen Adler und wie er ausgewählt wurde, welche Ideen, Ziele dahinter standen. RW beschreibt die Transparenz, die jedem auffällt, der ganz nach oben geht, in die Kuppel, wo er zumeist irgend einem Parlamentarier begegnet, der seinen Verwandten den Ort seines Wirkens zeigt.

Es gibt einen Parlamentarier, den ich besonders aufmerksam nicht verfolge. Alle Talkshows mit ihm meide ich konsequent. RW schenkt ihm eine Viertel-Seite der Einwürfe, die dieser anläßlich einer Rede von Hubertus Heil zum Besten gibt. Ich möchte alle Aussagen von Volker Kauder zitieren: "Ha, ha, ha - Mann, war das eine tolle Nummer. Ha, ha, ha - Herr Heil, das glauben nicht einmal ihre Wohnzimmerfreunde. Mann, sind Sie ein primitiver Kerl. Sie arroganter Kerl, Sie. Aufgeblasener Kerl. Nein, ich bin ganz fröhlich. Weil Sie auf der Oppositonsbank sitzen, sind wir stark. Ha, ha, ha - Sie haben einen Totalausfall ganz woanders. Schauen sie mal Ihre Totalausfälle an. Die sitzen heute hier. Ha, ha, ha. - Genau." Exakt solches Kauderwelsch zeigt, wie tief man sinken kann.

Desweiteren beschreibt er einen Abgeordneten der FDP, der inzwischen nicht mehr zu Sitzungen darf, bis dorthin aber z.B. aufgefallen ist dadurch, zu behaupten, dass es nicht mehr Arme, sondern lediglich mehr Armutsberichte gäbe. Es ist Martin Lindner, ein besonders oft gesehenes Gesicht im TV, der m.E. dieser Partei mindestens 2% der Stimmen gekostet hat. RW beschreibt, wie er ihm begegnet auf dem Bahnhof und ihn vorübereilen sieht am Verkäufer der Zeitschrift für Obdachlose, nur um jetzt selbst parlamentsmäßig obdachlos zu werden.

RW erkennt durchaus, was Abgeordnete leisten müssen, er geht detailliert darauf ein. Niemand bestreitet dies. Sein Buch möchte aber den Blick auf jene Mechanismen der Kommunikation wenden, wo man davon ausgehen müsste, dass sich die Darsteller besonders gut und anständig benehmen sollten. Weit gefehlt. Charmant das ewige Geplänkel zwischen Gysi und Lammert, wenn es mal wieder um die Redezeit geht. Gysi, einer, der wirklich reden kann, frei von der Leber weg, und eigentlich immer richtige Dinge sagt. Man hört dies auch von CDU-Angehörigen in meinem Bekanntenkreis, aber eben auch von RW.

Welche Bedeutung hat das Parlament tatsächlich? Ist es heruntergekommen zu TV-Direktübertragungen und politischen Progpagandaveranstaltungen? Irgendwie schon, das Menschliche, in dem RW kleinste Nebensächlichkeiten erhellt, es ist da, wie überall, ein Abbild unserer Gesellschaft, ein Spielfeld für Akteure mit großen und größten Egos, von Anfängern und bemitleidenswerten Personen. Jener ist wer, der nach einer offiziellen Zählung am häufigsten das Wort ICH verwendete? Es war Peter Ramsauer, der zum Dank dafür wieder auf den harten Abgeordnetenbänken Platz nehmen musste.

Das Parlament diskutiert am liebsten Dinge, die im Zusammenhang mit Wertschöpfung stehen, schreibt RW. Exakt aus diesem Grund sollte man dieses Buch lesen, das penibel genau z.B. auf die Rüstungsexporte eingeht, die besonders hitzig und leidenschaftlich diskutiert werden. "Im Jahr 2011 gab es bei dem berühmten Bundessicherheitsrat, der ja zu entscheiden hat, ob ein Rüstungsexport genehmigt wird, 17586 Anträge auf Genehmigung des Exports von Waffen bzw. Rüstungsgütern. Von 17.586 Anträgen wurden 105 abgelehnt. Das sind gut 0,5 Prozent." Dagegen steht dann eine in allen Medien veröffentlichte Nachricht der Regierung, man gehe äußerst restriktiv mit Export-Zulassungen um.

"Für die FDP tritt Martin Lindner so vehement für Rüstungsexporte ein, dass einem Abgeordneten der Opposition ein "Unfassbar" entfährt, worauf Lindner erwidert: Wenn der Maßstab der politischen Debatte wäre, was Sie fassen können, dann bräuchten wir gar nicht weiter zu diskutieren." Nach einem verbalen Scharmützel fasst Herr Mißfelder zusammen: "Wir sollten nicht sensibelste Punkte der deutschen Außenpolitik zum Gegenstand parteipolitischer Auseinandersetzung machen."

Man versteht an diesen Beispielen, warum dieses Buch lesenswert und wichtig ist. Es erhellt jene verstaubten Ritzen und unerträglichen Schieflagen, die im Zuge einer traurigen Kungelei zwischen Medien und Politik nicht mehr sichtbar werden.

Unbedingt lesen!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bundestagsdauergast, 21. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament (Gebundene Ausgabe)
Während der SPD-Mann vorn redet, plaudern die Damen und Herren von der CDU/CSU miteinander, sie machen Witze oder ordnen Akten, oder sie gehen einfach mal raus. Zuhören? Och, jetzt gerade nicht. Interessiert uns ja eh nicht. Auch wenn wir angesprochen werden. Muss man ignorieren.
Im Deutschen Bundestag herrschen mitunter raue Sitten. Redner werden ignoriert, nur die eigenen Leute hören zu, andere werden mit Zwischenrufen belästigt.

Normalerweise bekommt man das Geschehen im Bundestag nur in den Nachrichten mit. Ab und zu schaut man mal live bei phoenix rein.
Der Publizist Roger Willemsen hat das ein Jahr lang, 2013, anders gemacht. Er hat sich jede Bundestagssitzung von Anfang bis (meistens) zum Ende live und vor Ort angeschaut. Er war der Dauergast auf der Tribüne. In seinem Buch "Das Hohe Haus - Ein Jahr im Parlament" berichtet er, was er beobachtet hat. Und das ist fast immer sehr spannend, oft erhellend, hin und wieder niederschmetternd, manchmal sogar erschütternd.

Im Grunde ist der Bundestag nichts anderes als die öffentliche Arena der Diskussionen, die in den Ausschüssen sowieso schon durchgeführt wurden. Was zur Folge hat, dass die Debattenkultur im Plenium oft im Ar... ist. Redner haben kaum Zuhörer, weil alle was anderes machen. Oft muss das Publikum oben auf der Empore feststellen, dass sich unsere Polit-Elite oft verhält wie ungezogene Schulkinder.
Da gibt es Gesetze, die im Eiltempo durchgewunken werden, bei anderen Themen finden regelrechte Schaukämpfe statt, die aber eben auch nur das ist: eine Schau, eine Show. Nur selten kann Willemsen von wirklichen Diskussionen berichten, von Momenten, bei denen es im Bundestag um echte Emotionen ging, um echte Sorge um die Menschen.
Bezeichnenderweise ist die aufwühlendste Stelle im Buch die, wo eine Abgeordnete im Plenum zusammenbricht und ein Notarzt kommen muss.

Willemsen schreibt das alles recht packend auf, er hat die Gabe eines Beobachters, der facettenreich erzählen kann. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise in die Abgründe der Politik. Für viele der Politiker aber ist dieses Buch ganz sicher nicht schmeichelhaft.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein gutes Buch, das fehlte - aber auch Schwächen aufweist, 29. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament (Gebundene Ausgabe)
Ganz klar – ein solches Buch, das dem Volk seine Vertreter durch tägliche Beobachtung vor Augen führt, geschrieben von einem namhaften Publizisten, hat bisher auf dem Markt gefehlt. Und Willemsen lässt sich auch nicht von der jeweils aktuellen Berichterstattung beeinflussen, er erlebt die Debatten auf seine Weise, live, sozusagen von drinnen wie von draußen, und sein Bericht spiegelt den Schmerz wider ob der Banalisierung großer Probleme, die, weil von der Opposition vorgetragen, von den Entscheidern entweder schlicht weggewischt oder ins Lächerliche gezogen werden. Ein gutes Buch.
Aber es gibt auch Schwächen. Nicht nur, dass Willemsen selektiv und subjektiv vorgeht und seine persönlichen politischen Ansichten allzu sehr durchschlagen. Mit wenigen Ausnahmen heißt das: Gysi gut, CDU/CSU doof, FDP noch doofer, SPD auch nicht toll, Grüne … die sind halt bunt. So ungefähr würde es wohl in der rudimentären Zwischenrufer-Sprache des Hohen Hauses lauten.
Und wenn man wie Willemsen den Abgeordneten gern mangelnde Stringenz in ihren Reden vorwirft, sollte man selbst logisch argumentieren und nicht beispielsweise eine Politikerin lächerlich machen, die sich selbst als "letzten Redner" des Tages bezeichnet, nicht als letzte Rednerin (S. 132). Täte sie das Letztgenannte, könnte es folgerichtig nämlich noch einen männlichen Redner nach ihr geben, was sie mittels des üblichen Sprachgebrauchs korrekt ausschloss. Auch sollte man nicht NGOs mit Hilfsorganisationen gleichsetzen (S. 170). Das ist schlicht falsch. Willemsen fungiert zudem als Meinungsbildner, es zeigt sich immer wieder, dass er recht willkürlich und plakativ aus Reden zitiert, um aus der Perspektive der "political correctness" missliebige Vortragende zu brandmarken. Sollte die nicht ganz klar erkennbare Zielgruppe der mündige und kritische Bürger sein, so benötigt dieser eine solche Bevormundung nicht.
Während mir der häufig kritisierte, zumindest stellenweise schwülstige und selbstverliebte Stil Willemsens in diesem Buch weniger auffiel, waren es die sich gebetsmühlenartig wiederholenden Beschreibungen von Handlungen der Politiker, die rasch langweilig wurden, bis es geradezu "nervte", sie wieder und wieder serviert zu bekommen. Während X über Thema N redet, kramt Frau Y in ihrer Handtasche, prüft Herr Z das Display seines Handys, lacht Merkel im gelben Kostüm mit Rösler, dreht sie X den Rücken zu. Das alles kann man ein-, zweimal auswalzen, aber doch nicht für jede Sitzung, praktisch jede erwähnte Rede. Denn jeder halbwegs intelligenter Leser begreift die durchaus kritikwürdige Kommunikations"kultur" im Hohen Haus sehr rasch.
Was sich zunächst als regelrecht temperamentvolles Kino in Buchform erweist, wirkt spätestens nach der Hälfte der zu absolvierenden Seiten recht dröge.
Wie auch immer, es lohnt sich, das Buch zu lesen: so weit man eben kommt, bis das Interesse flöten geht, weil jeder Eintrag dem anderen ähnelt wie eine Sitzung der anderen; auch Abgeordnete müssen letztlich routiniert arbeiten, um ihr Pensum zu verrichten. Wer durchhält, wird durch die ein oder andere Überraschung, durch Menschliches, Bestürzendes, Begeisterndes belohnt: eine gute Rede, die bei allen, nur nicht der eigenen Fraktion, Beifall findet. Der anrührende Abschied eines langjährigen Abgeordneten. Spontane Hilfeleistungen und echte Betroffenheit durch alle Fraktionen, als eine Abgeordnete unmittelbar nach ihrer Rede einen Schlaganfall erleidet. Und eines weiß man nach der Lektüre definitiv: wie Politiker "funktionieren" und dass die eigentliche Arbeit in den Ausschüssen geleistet wird, während das Hohe Haus eher als Theaterbühne dient.
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Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament
Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament von Roger Willemsen (Gebundene Ausgabe - 3. März 2014)
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