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Kundenrezensionen

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am 15. Juli 2005
Der einzige Vorwurf, den sich Markus Werner mit seinem Buch "Am Hang" zuweilen ausgesetzt sieht, ist der, dass die Handlung doch arg konstruiert wirkt.
Ich persönlich, sehe darin keine Schwachstelle des Buches, sondern vielmehr ein Muss.
Die zwei Hauptcharaktere Loos und Clarin treffen am Pfingstwochenende im Tessin in einem Hotel aufeinander, als Clarin einen freien Platz - auf der ansonsten hoffnungslos überfüllten Terasse des Hotels - sucht. Durch dieses scheinbar zufällige Aufeinandertreffen geraten beide ins Gespräch. Clarin, der junge, erfolgreiche Hedonist, trifft hier quasi auf seinen Gegenpol, den enttäuschten Linken Loos, der, vereinfacht dargestellt, das Grundkonzept seiner Überzeugung jedoch vehement verteidigt. Schon die Figuren, die hier aufeinandertreffen, wirken auf seltsame Weise konstruiert. Sie bilden lediglich das Transportmittel, für das, was Werner zweifelsohne mit seinem Buch gelungen ist: Eine brilliante Abbildung zweier grundverschiedener Lebenseinstellungen, die sich in einer ständig zuspitzenden Dialogsituation befinden. Es dreht sich um Moral, Lebenseinstellungen und die Konsequenzen, die sich aus gewissen Lebenseinstellungen ergeben. Alle Figuren und die ganze Umgebung bilden hier lediglich das statische Gerüst, die Bühne mit der die ganz im Zentrum stehenden Dialoge hervortreten können.
Für mich liegt die großartige Pointe des Buches nicht im Ende, das für den aufmerksamen Leser wirklich nicht überraschend kommt. Vielmehr wird durch das Ende wieder ein perfektes Gleichgewicht zwischen Clarin und Loos hergestellt, da Loos' Dominanz innerhalb der Dialoge relativiert wird. Denn die besitzt Loos zweifelsohne; immer eine scharfe Bemerkung, immer eine Pointe mehr im Ärmel, dominiert er Clarin auf recht elegante Art.
Durch das Ende gewinnt, Werners Buch somit ein Gleichgewicht, eine Anregung zum Nachdenken, die vor allem auch handwerklich Ihresgleichen sucht. Er vermeidet vor allem durch seine schriftstellerische Klasse, dass das Buch den Hauch von Zeigefingermoral bekommt. Das Konstruierte ist dafür aber unentbehrlich.
Wer den scharfen Dialog liebt, den plötzlichen Übergang vom Seichten zum Scharfen, der ist bei Werner richtig aufgehoben. Jeder, dem die bedingungslose Unterordnung der Umgebung und der Figuren, so gut sie auch gemacht sei, wiederstrebt und der sich eher ganzheitliche Darstellungen von Moral und Lebenseinstellungen wünscht, der sei unter anderem auf Hesse verwiesen (von Markus Werner in seinem Buch übrigens selber mit einem Augenzwinkern empfohlen).
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Kann Hass eine Vorbedingung von Liebe sein? Diese und viele andere Fragen werden an einem Tisch in einem Restaurant im Tessin zwei Abende lang erörtert. Begegnet sind sich dort, offenbar rein zufällig, Thomas Clarin, ein junger Scheidungsanwalt und Thomas Loos, ein in die Jahre gekommener Altphilologe. Die beiden Herren führen einen hochinteressanten Dialog, der eine Vielzahl alltagsphilosophischer Problemkreise berührt. Vorrangiges Gesprächsthema allerdings sind Reflexionen über die Ehe, die Liebe, Seitensprünge, Verlassenheit und Tod. Die beiden Tischpartner vertreten in diversen Punkten sehr gegensätzliche Ansichten. Dies hängt nicht zuletzt mit den unterschiedlichen Lebenserfahrungen, über welche die Protagonisten immer wieder berichten, zusammen. Während der offenkundig verwitwete Altphilologe das Hohelied der Minne anstimmt und die Achtung, damit wohl auch das bedingungslose Ja dem Du gegenüber, in den Vordergrund einer Beziehung stellt, ist Clarin von dererlei Vorstellungen überfordert. Er bevorzugt stattdessen lockere Beziehungen ohne Gefühlstiefe, ohne großes Engagement. Auf solche Weise, glaubt er, könne man Tragödien verhindern. Wie sich die beiden Standpunkte zueinander verhalten, was diese beiden gebildeten Herren umtreibt und möglicherweise verbindet, erschließt sich erst ganz allmählich auf den letzten Seiten dieses Buches.
Für den neugierigen Leser nur so viel: Einer der Schlüsselsätze dieses klugen, gleichwohl auch spannenden Romans ist meines Erachtens folgender: " Wenn Du einen Riesen siehst, so frage dich zuerst, ob es sich um den Schatten eines Zwerges handelt." Gewollte Maskarade, Vermummungskunst und schließlich Enttarnung sind die eingesetzten Mittel dieses wunderbaren Autoren, um zu zeigen, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt und selten etwas so ist , wie es scheint.
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am 17. März 2006
Eine brillante Verwebung verwirrender Puzzlestücke, die sich im Laufe der Geschichte immer weiter zu vermischen scheinen, und schlicht grossartiger Zwiegespräche, die zu lesen oder zu hören (ich hatte das Hörbuch) eine reine Freude sind. Beide Charaktere - der undurchschaubare Loos, der um seine verlorene Frau trauert, und der ewige Junggeselle Clarin - diskutieren über das Leben, die Zeit, die Liebe - und eben auch über ihr eigenes Leben, ihre Wünsche, ihre Ansichten, und ihre Lieben und Geliebten, und das so unterhaltsam wie sprachlich wundervoll. Die zunehmend verwirrende Verknüpfung beider Leben, die schlussendlich nicht eindeutig zu klären ist, ist ein genialer Dreh des Autors - aber was mich wirklich an diesem Buch begeistert hat, sind die Unterhaltungen der beiden Männer. Präzise, wahr, auf den Punkt formuliert - grossartig!
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am 7. März 2005
Eine faszinierende Erzählung mit novellistischen Zügen, welche sich aus der Masse der literarischen Neuerscheinungen wohltuend hervorhebt. Die uralte, aber stets emotial attraktive Thematik "Treue und Verrat", "Beziehung und Betrug", "hedonistische Oberflächlichkeit und hingabevolle Bindung" wird dialektisch in Form eines reizvollen Vexierspieles ausgelotet. Was wissen die jeweiligen Liebespartner voneinander und was bleibt ihnen aufgrund ihrer Ignoranz, ihres naiven Vertrauens oder ihrer Einfühllosigkeit voreinander verborgen... Die beiden männlichen Protagonisten ergänzen in einem über zwei Nächte sich hinziehenden Gespräch bewusst und unbewusst ihre gegenseitigen Defizite und gelangen jeder für sich zu einer anderen Wahrheit, die beide aus dem Lot wirft. Alles ist stimmig an diesem brillanten Kammerspiel: Inhalt, Form, Sprache...auch die - wenn auch teilweise schwadronierenden philosophischen Exkurse, auch der trockene Schweizer Humor und nicht zuletzt die gelungenen Dialoge. Dieses Werk ist eine Bereicherung der neueren deutschsprachigen Literatur.
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am 25. Februar 2006
...ein kleines literarisches Meisterstück, das so ungezwungen leicht beginnt und sich langsam aber stetig zu einer bedrohlichen schwarzen Wolke verdichtet. Da sitzen zwei Männer durch Zufall am gleichen Tisch eines Hotelrestaurants im schweizer Tessin und beginnen ein Gespräch, dessen Inhalt mehr und mehr die persönlichen Ansichten und Lebensmodelle der beiden offenbart. Der jüngere, Clarin, ein oberflächlicher, sorgloser leichter Charakter, fühlt sich von Stunde zu Stunde mehr angezogen von Loos, einem depressiven, schwermütigen und dunklen Menschen. Was diese Anziehung, aber auch stetig wiederkehrende Ablehnung des Anderen ausmacht, kann Clarin nicht in Worte fassen, doch die Neugierde treibt den Anwalt am nächsten Tag erneut in das Restaurant um das Gespräch mit dem Altphilologen fortzusetzen. Dass die beiden in Wahrheit nicht zufällig an einem Tisch sitzen, wird dem Leser schnell klar, denn wie so oft im Leben, ist nichts wie es scheint; und so betrachtet man als Außenstehender gebannt, die Entwicklung der Geschichte um zu erfahren, wie gefährlich eng die beiden "fremden" Männer doch miteinander verbunden sind.
"Am Hang" - wunderbar unterhaltsam erzählt von einem großartigen Schriftsteller.
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am 19. September 2004
Aus der Zufallsbekanntschaft des extrovertierten jungen Anwalts Clarin mit dem eigenwilligen, schwermütigen Lehrer Loos in einem Tessiner Ferienort entwickeln sich tiefgründige Gespräche über die Liebe, das Leben, die Welt und die Frauen. Loos erscheint als gramgebeugter, von der Welt enttäuschter Witwer, der durch den Unfalltod seiner über alles geliebten Frau Bettina seinen Lebenssinn verloren zu haben scheint und der diese Verbitterung in monologartigen Ausführungen als Anklage an die Welt richtet. Der Ich-Erzähler Clarin steht als lebensfroher etwas oberflächlicher Frauenheld in starkem Kontrast zu dem Pessimisten Loos, den er zeitweise für verrückt hält, dessen Faszination er sich dennoch nicht entziehen kann. Die Gespräche der beiden Männer werden zunehmend persönlicher und der Leser ahnt, dass eine Verbindung zwischen ihnen besteht und es sich womöglich doch nicht um eine reine Zufallsbekanntschaft handelt...
Selbst wenn den Leser gewisse Vorahnungen über die Verstrickungen der beiden Protagonisten überkommen, ist das Buch dennoch reich an Spannung und hält einen bis zum Schluss in Bann. Die Ausführungen des Loos sind in ihrem Pessimismus und Zynismus lesenswert, Clarin als optimistischer Gegenpart glaubhaft. Obwohl einige Dialoge zu sehr in Schriftsprache verfasst sind, ist „Am Hang" eine rundherum spannende, intelligente und äußerst empfehlenswerte Lektüre.
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am 4. Oktober 2004
Diese Sentenz Ovids ist das Motto des Herrn, der sich dem Scheidungsanwalt Thomas Clarin auf der Terrasse eines Tessiner Restaurants als Thomas Loos vorstellt. So heißt er nicht, wie sich später zeigt. Der Name ist ein Wortspiel, eine verkappte Drohung. Thomas' Los will er sein, Schicksal spielen für Clarin. Zunächst tauschen die beiden sich nur über ihre Lebenshaltungen aus, deren Gegensatz vor allem beim Thema Ehe greifbar wird. Loos (bleiben wir bei diesem Namen) war 12 Jahre lang verheiratet, vor einem Jahr hat er seine Frau verloren, wie er sagt. Die Ehe war ihm das eins und alles, die Substanz seines Lebens. Dem Zynismus des Bindungsverächters Clarin, der meint, die Stufenleiter der Ehe führe vom Begehren über das Mögen über Gewöhnung zur Abneigung und schließlich zum Haß, setzt er die These entgegen, wirklich lieben könne man nur, was man einmal gehaßt habe.
Mehr und mehr beginnen dann die Gespräche der beiden die allgemeine Ebene zu verlassen und ins Biographische zu wechseln. Loos erzählt von seiner Frau, ihren Vorlieben und Abneigungen, kleinen Gesten und Eigenheiten, Clarin von Valerie, seiner letzten Beziehung, einer verheirateten Frau, deren Mann er nie kennengelernt hat. Er hat sie hier im Tessin verlassen, wo sie sich zur Kur in eben dem Hotel aufhielt, in dem auch Loos' Frau wohnte. Damit beginnen sich, untergründig und vage zunächst, die Lebensgeschichten beider Männer zu verschlingen. Als Clarin schließlich erkennt, wie sehr Loos' Schicksal mit seinem Leben und seiner Haltung verbunden ist, ist es zu spät: er hat bereits zuviel preisgegeben. In der Tat, Loos hat sich gut verborgen. Zu gut, soweit es den vertrauensseligen, extravertierten Clarin betrifft.
Mit "Am Hang" ist Markus Werner ein präzise geschriebener, spannender kleiner Roman gelungen, der den Leser in Atem hält und, wie jede gute Geschichte, am Ende auf angenehme Weise beunruhigt. Der einzige Wermutstropfen (und deshalb nur 4 Sterne): die Pointe, auf die hin erzählt wird, schimmert zu früh durch.
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'Am Hang' von Markus Werner ist eine rätselhafte, spannende und packende Geschichte über zwei völlig unterschiedliche Männer, die auf der Terrasse eines Hotels im schweizerischen Montagnola miteinander ins Gespräch kommen. Der eine ist Anfang dreißig und Scheidungsanwalt, ein Lebemann, der nichts verschmäht. Dieser Sonnyboy ist ein offenherziger Mann mit wechselnden Frauenbekanntschaften. Längere Bindungen meidet er, weil ihm Frauen, wenn sie einmal erobert sind, schnell langweilig werden. Er wird magisch angezogen von einem rätselhaften Mann in den Fünfzigern, der um seine Frau zu trauern scheint.

Das Gespräch der beiden ist phasenweise ein kluges und anregendes über gegensätzliche Weltanschauungen und Grundstimmungen: Optimismus oder Pessimismus, Genuss und Lebensfreude oder Weltschmerz und Reflexion, Melancholie oder Heiterkeit. Aus diesen Gegensätzen hätte der Autor größere Funken schlagen können. Die Meinungen prallen jedoch ungefiltert aufeinander, hier der Welthaß und Jammer über die Übel dieser Welt, dort der Wille, die Kürze des Lebens genußvoll und umtriebig zu verbringen.
Das Gespräch verengt sich schließlich aber immer mehr auf die Frage der Beziehung der beiden Männer zu ihren Frauen. Immer zweifelhafter erscheint, was sie über diese Beziehungen einander erzählen. Die Ehe des Älteren ist wohl doch nicht so harmonisch, wie sie erscheint. Und hinter der Lockerheit mit der der Jüngere Beziehungen eingeht und beendet, lauern Gefühle, die man nicht wie einen Motor einfach abschalten kann. Vielleicht verbergen beide Einfühlung und Empathie für das andere Geschlecht hinter ihrem mannhaften Gehabe. Die Geschichte erzählt auch etwas über Treue und das gegenseitige Unverständnis der Geschlechter, aber auch über die bittere Verletzung der Gefühle, die man dem anderen zufügen kann.

Der Paukenschlag am Ende der Erzählung zeigt, wie versiert der Autor alles zuvor Gesagte bewußt in der Schwebe und im Undeutlichen lässt. So erweist sich der Spruch von Hermann Hesse, der in dem Buch eine gewisse Rolle spielt, 'es muss das Herz bei jedem Lebensrufe,/ Bereit zum Abschied sein und Neubeginne', als nicht mehr so eindeutig, wie es zunächst den Anschein hat.
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am 15. Januar 2008
Das beste Buch, das ich je gelesen habe. Es zeugt von unglaublich viel Verständnis! Es klingt pathetisch, aber ich war noch nie so dankbar für ein Buch.
Zunächst war ich skeptisch, da es auf einem Dialog beruht und habe mich gefragt, ob es deshalb nicht langweilig würde es zu lesen. Aber es ist so leichtverständlich geschrieben, dass es überhaupt nicht schwer fällt es zu lesen. Im Gegenteil: Ich konnte es nicht mehr weglegen, da es zudem noch so spannend aufgebaut ist. Bewundernswert wie der Autor eine derartige Tiefe in eine einfache Sprache kleiden und soviel Inhalt in wenige Seiten packen konnte. Dabei lässt es den nötigen Freiraum für die eigene Geschichte des Lesers: „Am Hang“ klingt nach wie ein Gedicht. Selten war ich so bewegt.
An den Autor: Jetzt möchte ich die Geschichte aus Sicht der weiblichen vermeintlichen Protagonistin lesen!
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am 24. April 2010
In einem Tessiner Restaurant treffen sich vermeintlich zufällig der Scheidungsanwalt Thomas Clarin und der Altphilologe Thomas Loos. Die Namensgleichheit ist auf den ersten Blick die einzige Gemeinsamkeit der grundverschiedenen Charaktere: Clarin der dem Leben zugewandte Optimist, Loos der zweifelnde und trauernde Pessimist. An zwei Tagen saufen sie, was das Zeug hält, und erörtern dabei die großen und kleinen Themen der Menschheit. Loos, der den tragischen Verlust seiner Frau nicht verwinden kann, und Clarin, der dem wortgewandten Loos zunächst skeptisch gegenübersteht, entwickeln nach und nach eine ungewöhnliche Freundschaft auf der Basis einer dennoch vorhandenen subtilen Distanz.

Werners Ausarbeitung der fein ziselierten Dialoge erscheint dabei manchmal tiefgründig, teilweise seicht und mitunter auch belanglos - dennoch spielen sich die ungleichen Gesprächspartner die verbalen Bälle zu, dass man vom Redeschwall der zumeist beschwipsten Diskutanten schnell vereinnahmt wird. So stehen existenzielle Themen ausgesprochenen Banalitäten des Alltags gegenüber, gehen teils nahtlos ineinander über und bedingen sich gegenseitig. Ernste Zeilen über die Liebe und den Verlust wechseln sich mit mitunter drolligen Rededuellen über die "Geborgenheit" in Boxershorts oder zum Stand der Bildung ab: "Die Lust am Denken ist vorhanden, wenn auch nicht unbedingt stündlich."

Zugegebenermaßen wirken die Handlungsstränge doch etwas konstruiert, zu bemüht und zu harmonisch aufeinander abgestimmt. Ein paar Ecken, Kanten und Ungereimtheiten hätten dem ansonsten kleinen, feinen Büchlein sicher gut gestanden. Werners Verliebtheit in den Konjunktiv und die gekünstelte Sprache besitzen einerseits den Makel, dass diese vermeintliche Synergie gestelzt und wenig realistisch daherkommt, andererseits ist sie nicht unangenehm und schlicht und ergreifend gut zu lesen. So sind Werners knapp 200 Seiten sicherlich kein Meilenstein, aber ein Bestseller zum intelligenten Zeitvertrieb, der sich wohltuend vom sonstigen Einheitsgekritzel auf den Bestsellerlisten abhebt.
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