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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der zweite Teil einer meisterhaften Biografie, 18. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Kafka: Die Jahre der Erkenntnis (Gebundene Ausgabe)
"Am Abend des 13.Juli, eine Woche nach seiner Ankunft, ging Kafka hinüber, in der Tasche das Gebetbuch. Durch ein Fenster im Erdgeschoss blickte er in die Küche, in der eine junge Frau beschäftigt war, eine Frau mit halblangem, dichtem lockigen Haar, runden Wangen und vollen Lippen. In der Hand hielt sie ein Messer, mit dem sie Fische abschuppte für das große Mahl. Kafka zögerte bei diesem Anblick.Erst als sie aufschaute, trat er ein. >So zarte Hände<, sagte er, >und sie müssen so blutige Arbeit verrichten.<" Es war der 13.7.1923. Kafka hatte noch 11 Monate zu leben. Natürlich wußte er das nicht, als er die Frau traf, die seine letzte Liebe werden sollte. Dora Diamant war 25, Kafka war 40. Im September zog er nach Berlin, in eine eigene Wohnung, ganz nah bei Dora, die immer zu ihm kam. Das war ein kleiner Schritt für einen Menschen, doch ein Riesenschritt für einen Franz Kafka (dieser Spruch paßt heut gut, am Jahrestag der Mondlandung). Bei Felice Bauer traute er sich diesen Schritt nicht. Die war auch in Berlin und hat auf ihn gewartet. Reiner Stachs Buch "Kafka. Die Jahre der Entscheidungen" handelt zentral von seiner Liebe zu ihr. Mit Felice war Kafka verlobt, doch weder er noch sie schafften es, sich wirklich zu fassen, anzufassen und ihre Leidenschaft sinnlich zu (be)greifen. Bei Dora gelingt ihm dies. Weil er krank ist. Weil seine Angst vor der Liebe verschwindet, im Angesicht seiner Todesangst. Und weil Dora ihn wirklich packt. Und sich nicht irritieren läßt. Sie bleibt ganz nah bei ihm, bis er stirbt.
Reiner Stach beschreibt Kafka deutlich als einen Mann, dem die Liebe über alles geht. Das Schreiben hilft ihm das Lieben zu ertragen. In dem Punkt ist Kafka der schreibende Zwilling van Goghs. es ist bestimmt kein Zufall, daß diese beiden Menschen, die aus der Not der Liebe ihre Kunst geschaffen haben, heute als die größten Seelen in ihrem Metier gelten. Es ist ganz paradox und wird in den zwei Kafka-Biografien, die Reiner Stach geschrieben hat, offensichtlich. Was Kafka geschrieben hat, ist einzigartig, eine Singularität und der Begriff "kafkaesk" trifft seine Ausnahmestellung. Doch in seinem eigenen Leben ist sein Lieben viel bedeutender als sein Schreiben. Das hat auch damit zu tun, daß sein Genie so lange nur von wenigen erkannt wurde. Was wohl auch gut war: denn was wäre aus Kafkas Kunst geworden, wenn sie, so wie heutzutage üblich medial breitgetreten worden wäre?
Reiner Stach schafft es in diesem Buch, wie auch schon im letzten, Intimität zu erzeugen. Genau das ist auch Kafkas Botschaft. Intimität verbindet sowohl Liebe als auch Kunst mit Seele und erst durch diese Verbindung wird das persönliche zum allgemeinen.
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35 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Jahre der Erkenntnis / Jahre des Leids, 29. Juni 2008
Von 
Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Kafka: Die Jahre der Erkenntnis (Gebundene Ausgabe)
Dr. Franz Kafka hatte ein außergewöhnliches Leben hinter sich, als er 1294 an Tuberkulose starb. Dieses Buch DIE JAHRE DER ERKENNTNIS zeigt seinen letzten Lebensabschnitt als Biographie in deutscher Sprache, so nah am Zeitgeschehen, als wäre man selbst dabei. Doch seien wir ehrlich, Franz Kafka war ein Mensch mit einer überdurchschnittlich hohen Auffassungsgabe was seine Mitmenschen und deren Verhalten anging. Sein Leben war Leiden, doch Leiden sind auch Erkenntnis und ein Gewinn war und ist dies allemal für die Welt.

Das Buch behandelt insbesondere die Jahre 1916 bis 1924 - vom 1. Weltkrieg bis hinein in die Weimarer Demokratie, welche schon den Keim des Todes in sich trug, ebenso wie Franz Kafka, dessen Gesundheitszustand sich stetig durch die Tuberkulose verschlechterte.

Das Buch ist nahe am Geschehen, es verarbeitet Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Interviews ebenso, wie Archive und Originaldokumente. Das Buch KAFKA - DIE JAHRE DER ERKENNTNIS gibt uns das Bild eines zutiefst leidenden jungen Mannes, hin und her gerissen zwischen seiner Herkunft und seinen Begabungen - als Deutscher Jude mit Tschechischem Pass hätte es ihn gar nicht schlechter treffen können zu dieser Zeit (1916-1924) - und so war es dann auch - sein Leben war Leiden - das Leiden einer ganzen Generation, deren Heimat und Wurzeln in Flammen aufging.

Der Autor Reiner Stach hat sich bereits umfassend mit den Werken und dem Leben Franz Kafkas auseinandergesetzt, seine Nachforschungen ergaben nicht ein neues Bild, doch nun hat auch die deutschsprachige Literatur ihren KAFKA wie sie ihn verdient.

Als EX POST Betrachtung verschlägt einem das Lesen so mancher Seite die Sprache und doch ist es wie ein Traum, auf den Schritten Kafkas wandeln zu dürfen und seinem Leben ein bisschen näher zu sein, welches so früh und so tragisch 1924 endete.

Ohne Kaiserreich und 1. Weltkrieg, ohne die Supermächte Russland und Deutschland, zwischen denen Tschechien zerquetscht wurde und ohne die Weimarer Republik mit ihrem unrühmlichen Ende hätte das Leben Kafkas nicht so sein können wie es war - eine surreale Reise am Horizont von Europa - ein Leben im Wandel und verbrannt im Katalysator der sich anbahnenden und epochalen Ereignisse.

Für jeden Kafka Leser und Kenner ein absolutes Muss - eine Biographie wie keine andere.

Sehr empfehlenswert!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die beste Biographie aller Zeiten, 23. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kafka: Die Jahre der Erkenntnis (Taschenbuch)
Diese Biographie über Kafka ist die beste Biographie, die ich jemals gelesen habe. Reiner Stach hat viele Jahre recherchiert und Unterlagen zusammen getragen um sich schließlich an das Schreiben der Biographie zu machen. Er hat nicht einfach nur eine Biographie geschrieben - er ist tief in das Leben des Franz Kafka eingetaucht und schreibt hier in einer wunderbaren Sprache über den Schriftsteller Franz Kafka. Über die Stationen seines Lebens, sein Elternhaus, seine Erfahrungen an Schule und Universität, über seine Arbeit und die ersten und folgenden Schreibversuche. Erfolge und Misserfolge, über seine Krankheiten. Auch über die Frauen, zu denen er Kontakt hatte, die er liebte, von denen er sich entliebte. Und dies alles in einer wunderbaren collagenartigen Form, die Reiner Stachs Recherche mit Originalschriftstücken, Briefen, Zitaten aus Büchern, Notizzetteln und Tagebüchern verbunden hat. Hier kann man stundenlang lesen. Der Schreibstil ist packend, analytisch, beschreibend, poetisch. Großartige Arbeit! Absolut empfehlenswert.
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5.0 von 5 Sternen DIE Kafka-Biographie, 30. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Kafka: Die Jahre der Erkenntnis (Taschenbuch)
Natürlich gibt es eine ganze Reihe guter Kafka-Biographien, allerdings ist R. Stachs auf drei Bände angelegtes Werk aus mehreren Gründen die Nt.1.
Gegenüber Hartmut Binders Kafka-Biographie(n) gelingt es Stach einen lebendigen Kafka zu zeichnen, ohne dabei in toten Faktenaufzählungen zu versinken. Wagenbachs Biographie bezieht sich ohnehin nur auf einen kurzen Lebensabschnitt. Peter A. Alts Biographie ist ein Buch für Akademiker und Spezialisten, bietet aber letztlich nichts Neues über Kafka. Bei Stach wird der Leser auf den neuesten Forschungsstand geführt, dabei gut unterhalten und umfassend informiert. Aufgrund seiner Recherchen werden sogar neue Erkenntnisse vermittelt. Es gibt momentan keine vergleichbare Biographie, die die Schwierigkeit Kafkas widersprüchliche Persönlichkeit darzustellen so meisterhaft löst. Hoffen wir, dass bald der letzte Teil der Trilogie erscheint
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen was vermag Selbsterkenntnis?, 1. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Kafka: Die Jahre der Erkenntnis (Gebundene Ausgabe)
Die zweite Hälfte von Kafkas Leben: Die Verlobung mit Felice Bauer wurde von ihr bereits wieder gelöst, nachdem Kafka ewig herumlavierte. Allerdings ist man dabei, sich gerade wieder etwas anzunähern. Erschwert wird es etwas durch die Distanz Prag-Berlin. Kafka hat einige erste Veröffentlichungen in Zeitschriften unterbringen können, wie etwa "Die Verwandlung". Max Brod wirbt für ihn, wo er nur kann. Aber Kafka geht es nicht gut. Er leidet physisch (Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit) darunter, dass seine Arbeit in der Arbeiter-Unfall-Versicherung ihn, und zwar inzwischen seit Jahren, daran hindert, weiterzuschreiben. Sein Traum ist Berlin, dort kennt er Schriftsteller und andere Leute der Literaturszene; dort zu wohnen und nur von Schriftstellerei zu leben, das wärs. Aber der erste Weltkrieg bricht aus, und sein Plan rückt in weite Ferne. Sein Arbeitspensum in der Unfallversicherung wird nur noch größer, nachdem die Versicherung auch für verletzte und nervlich therapiebedürftige Kriegsheimkehrer zuständig wird.

Dass er nicht schreiben kann - seine vorläufige Absicht einer längeren unbezahlten Auszeit kann Kafka auch nicht durchsetzen - quält ihn inzwischen so, dass er auch über andere Auswege nachdenkt, um wenigstens endlich die innere Spannung loszuwerden. Z.B. doch heiraten und Familie gründen oder in den Krieg ziehen. Aber nicht mal einen Fronteinsatz erlauben ihm die Vorgesetzten, und zur Ehe kann er sich dann doch wieder nicht überwinden. Es geht also einfach weiter. Nur ein paar auswärtige Kuraufenthalte zur Entspannung und eine abgeschiedene Kammer, die seine Schwester ihm zur Verfügung stellt, ermöglichen ihm nach langer Pause wieder, etwas zu schreiben.

Gleichzeitig sind die Abende in der unwohnlichen Kammer aber auch einer der Auslöser seiner Lungenkrankheit, die kurz nach Kriegsende ausbricht, ihn über Jahre begleiten und ihn schließlich in Form von Tuberkulose mit knapp 41 Jahren umkommen lassen wird. Das Ausbrechen der Krankheit ist Kafka aber erstaunlicherweise grade recht - Hauptsache eine Veränderung. Er nimmt dies zum Anlass jetzt doch endgültig mit Felice zu brechen. Außerdem ermöglicht die Krankheit ihm nun auch tatsächlich längere Auszeiten, die er teilweise zum Schreiben nutzen kann.

Einige seiner neuen Texte werden in den folgenden Jahren ebenfalls veröffentlicht und finden auch Anhänger. Er ist eine Art Geheimtip, geschätzt z.B. von Walter Benjamin oder Kurt Tucholsky. Später wird er auch hin und wieder auf offener Straße erkannt oder ruft Ehrerbietung hervor, wenn er sich als ebenjener Autor zu erkennen gibt. Aber die Beziehung zu seinem Verleger Wolff gestaltet sich äußerst zäh.

Kafka lernt Julie Wohryzek kennen, die er heiraten will, was aber doch in letzter Minute scheitert, und verliebt sich dann in Milena Jesenska, die aber in Wien wohnt, und sich außerdem - trotz ihrer Verehrung für Kafka - am Ende nicht von ihrem Mann trennt. Bei einem seiner letzten Kuraufenthalte trifft er Dora Diamant, mit der er, schon schwerkrank, noch eine Weile in Berlin wohnt, obwohl dort gerade die Nachkriegs-Inflation das Leben fast unmöglich macht.

Durch Kafkas ganzes Leben zieht sich der Konflikt mit seiner Familie, vor allem mit dem herrischen und infantilen Vater, daneben die anhaltende Vertrautheit zu seiner Schwester Ottla sowie die Auseinandersetzung mit seinem Jüdischsein. Als Kafka hebräisch gelernt hat und ernstlich nach Palästina gehen will, ist es schon zu spät, seine Krankheit zu weit fortgeschritten.

Rainer Stach erzählt die Geschichte Kafkas mit einer ungebrochenen Sympathie für seine Hauptperson, außerdem mit viel Sinn für die nicht wenigen überaus absurden Situationen, in die Kafka sich manövriert. Kafka wird sichtbar als jemand, der stur an einer Art Phantom festhält und damit viele zur Verzweiflung bringt, aber gleichzeitig auch große Sympathien weckt; er schließt immer wieder neue Freundschaften. Rainer Stach stellt auch die jeweiligen politischen Gegebenheiten vor allem in ihren Auswirkungen auf den Alltag aufwändig dar.

Viele wiedergegebene Textausschnitte und vor allem Briefe Kafkas zeigen, in wie exzessiver Weise Kafka eine Analyse seiner Befindlichkeiten betrieb ' und das, obwohl er überzeugt war, dass eigentlich nur 'das Böse' sich selbst erkennen kann. In der Biografie von Rainer Stach wird deutlich, dass eine der wesentlichen Fragen, die Kafka umtrieben, jene war, wie weit ein Verstehen der eigenen Psyche möglich und überhaupt wünschenswert ist. Diese Frage ist immer noch oder wieder aktuell, wo es heute mehr denn je um die Optimierung der eigenen Persönlichkeit und um eine Auslotung der eigenen "Stärken" und "Schwächen" geht. Kafka dagegen fühlte sich mit am wohlsten, wenn er wieder mal einen Kurs im Garten- und Gemüseanbau belegen konnte.
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5.0 von 5 Sternen Kafkas letzte Jahre, 10. September 2013
Von 
barbara kurz (heidenheim, deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Kafka: Die Jahre der Erkenntnis (Taschenbuch)
Im zweiten Band der Biographie beleuchtet Autor Stach die letzten Lebensjahre von Kafka und bringt dabei wie im Vorgänger unglaublich viel Detailwissen ein, das aus damaligen Aufzeichnungen (Tagebüchern, Zeitungen, aber auch Wetterberichten) zusammengetragen wurde. Es ist überaus interessant zu lesen, wie Kafka seine TBC-Erkrankung als zweispältiges Schwert auffaßte, da es ihm einerseits ermöglichte, sich der Literatur zu widmen, jedoch andererseits eben jene Schwächung des Körpers durch die Krankheit ihn daran hinderte, so zu schreiben, wie er es wollte.
Für Kafka-Interessenten ein Muß, alle anderen sollten zuerst die üblichen Stücke von ihm lesen.
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Kafka: Die Jahre der Erkenntnis
Kafka: Die Jahre der Erkenntnis von Reiner Stach (Gebundene Ausgabe - 2. Juni 2008)
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