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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein traditioneller Familienroman, brillant erzählt
Der Roman beginnt damit, dass die Person stirbt, um die sich im Folgenden fast alles dreht: der Vater einer westafrikanischen Einwandererfamilie in den USA. Dieser Vater, ein talentierter Chirurg, hat die Familie vor Jahren verlassen, ist zurückgegangen nach Ghana. Er ignoriert in dieser ersten Szene die deutlichen Vorzeichen eines Herzinfarkts und stirbt morgens im...
Vor 14 Monaten von damals veröffentlicht

versus
73 von 94 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen das Ende am Anfang und so weiter...
Ist es nicht interessant, wie Neuerscheinungen bereits mit Lobeshymnen, Pauken und Trompeten von den Medien angekündigt werden, bevor sie überhaupt erst richtig bei unserem Buchhändler angekommen sind? Welche Rolle übernimmt der Feuilleton, um bereits Bücher vor Ihrer Erscheinung auf den Buchmarkt zu puschen? Die vorliegende Neuerscheinung zeigt...
Vor 15 Monaten von A. Zanker veröffentlicht


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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein traditioneller Familienroman, brillant erzählt, 13. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Roman beginnt damit, dass die Person stirbt, um die sich im Folgenden fast alles dreht: der Vater einer westafrikanischen Einwandererfamilie in den USA. Dieser Vater, ein talentierter Chirurg, hat die Familie vor Jahren verlassen, ist zurückgegangen nach Ghana. Er ignoriert in dieser ersten Szene die deutlichen Vorzeichen eines Herzinfarkts und stirbt morgens im Garten seines selbstentworfenen Hauses, während seine neue, junge Frau noch schläft.
Auf der Suche nach dem Warum entfaltet die Autorin dann in Rückblenden, Reflexionen und Abschweifungen ein atmosphärisch dichtes und psychologisch äußerst stimmiges Portrait der ganzen Familie: des jungen Immigrantenpaares aus Ghana/Nigeria, das die eigenen Wurzeln abschneidet, um den amerikanischen Traum zu leben – er als fleißiger, immer beherzt und engagiert handelnder und daher erfolgreicher Arzt, sie als seine kluge Partnerin, die sich beruflich zurücknimmt, um sich um die Kinder der Vorzeigefamilie zu kümmern: Olu, der als erster Sohn ganz nach dem Vater kommt, die eher kreativ-künstlerischen Zwillinge Kehinde und Taiwo sowie das Nesthäkchen Sadie.
Als der Vater aufgrund einer Intrige mit rassistischem Unterton (das wirtschaftliche Überleben des Krankenhauses erforderte ein Bauernopfer, da fiel die Wahl schnell auf ihn, den Schwarzen) entlassen wird, bricht sein amerikanischer Traum zusammen, er verlässt die Familie, bald auch die USA und beginnt in seiner alten Heimat ein neues Leben.
Im zweiten Teil des Romans finden die inzwischen erwachsenen, in alle Winder verstreuten Kinder und die Mutter anlässlich des Begräbnisses wieder zusammen – und vor allem finden sie Erlösung im Angesicht ihrer Wurzeln, ihrer Heimat, der vom Urgroßvater erbauten Hütte der Großeltern. Das ist weder originell noch gänzlich kitschfrei, aber solide und glaubhaft zuende geführt.
Natürlich – der letzte Satz deutet es an – fand ich im zweiten Teil des Romans manches etwas künstlich, etwas zu perfekt arrangiert, und trotzdem: Auch hier gibt es immer wieder Szenen, die mich begeistern: kluge, eindringliche, immer empathische Schilderungen von Menschen und dem, was ihnen zustößt. Manchmal ist das nur interessant, da einfach zuzuhören (z. B. wenn die ostasiatischen Immigranten mit den afrikanischen konkurrieren), öfter anrührend (z. B. wenn die junge Geliebte eines Professors sich geist- und wortreich darüber selbst belügt, warum sie das tut), manchmal treibt es einem (mir jedenfalls) die Tränen in die Augen (z. B. wenn die kluge, alte Ghanaerin, die so gut wie nie zur Schule gehen durfte, ihren Sohn zum Studium in die USA abreisen sieht – voll Stolz, dass sich nun ihr Lebenstraum erfüllt, und gleichzeitig verzweifelt, weil sie weiß, sie sieht ihn nie wieder).
Insgesamt ein unbedingt empfehlenswertes Buch: etwas konventionell in der Konzeption, aber wunderbar reich in der erzählerischen Ausführung.
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39 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bis dass der Tod euch eint, 23. März 2013
Von 
Felix Richter - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Rezension bezieht sich auf das Original "Ghana Must Go", ist aber hoffentlich auch für Leser der deutschen Ausgabe von Interesse.

"Kweku dies barefoot on a Sunday before sunrise, his slippers by the doorway to the bedroom like dogs." Mit diesem Paukenschlag beginnt Taiye Selasis Erstlingswerk "Ghana Must Go", die Geschichte vom Auseinanderbrechen und Zusammenfinden einer afrikanischen Familie in Amerika, erzählt in einem Mosaik von Rückblenden und Erzählperspektiven, in denen sich das Drama erst gemächlich und dann immer schneller entfaltet.

Die Familie, das sind Kweku Sai, erfolgreicher Chirurg mit ghanaischen Wurzeln, Fola, seine Frau, geboren in Nigeria, die ihm und der Familie zuliebe keine Karriere gemacht hat - eine Familie kann nur einen Traum verwirklichen - und Olu, Kehinde, Taiwo und Sadie, die vier schönen, begabten Kinder. Eine Idylle, die von einem Augenblick auf den anderen zerstört wird, als Kweku die Familie völlig überraschend verlässt und nach Ghana zurückkehrt. Nur Kehinde weiß warum, hat seinem Vater aber versprochen, das nicht zu verraten.

Es bleibt nicht bei diesem Schicksalsschlag: Um den Zwillingen Kehinde und Taiwo eine angemessene Schulbildung zu ermöglichen - Geld ist praktisch keins da - schickt Fola sie nach Lagos zu ihrem reichen Halbbruder. Was sie dort erleben, ist in einer der herzzerreißendsten Passagen des Buches beschrieben und trägt ganz wesentlich dazu bei, dass sich zwischen sämtlichen Familienmitgliedern ein tödliches Schweigen ausbreitet und der Kontakt untereinander fast völlig verloren geht.

Erst Kwekos Tod, sechzehn Jahre später, nähert die Familie wieder aneinander an. Alte Wunden werden wieder aufgerissen, aber ein neuer Heilungsprozess wird dadurch in Gang gesetzt, und die Sprachlosigkeit findet endlich ein Ende.

"Ghana Must Go" ist insofern autobiografisch geprägt, als die Protagonisten, ebenso wie die Autorin, zu den von ihr selbst so genannten "Afropolitans" gehören, Afrikanern, die sich durch Begabung und Fleiß und gegen die Ressentiments der westlichen Gesellschaft in dieser einen Platz erkämpft haben. Wie schwierig das immer noch ist, zeigt vor allem Kwekus Schicksal. Taiye Selasis Alter Ego ist Taiwo, als hochbegabter, schöner Zwilling mit ghanaisch/nigerianischen Eltern, und man kann nur hoffen, dass mit diesen Rahmenbedingungen das Autobiographische mehr oder weniger umrissen ist.

Taiya Selasis Prosa war für mich eine völlig neue Erfahrung. Elegant, poetisch und häufig losgelöst von grammatikalischen Konventionen ist der Roman für einen Nichtmuttersprachler vor allem zu Beginn eine gewisse Herausforderung. Aber dann wird es der reine Genuss.
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35 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spaziergang durch die Kulturen, 9. März 2013
Von 
carrie62 - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
Diesen Roman zu lesen, ist eine große Bereicherung, denn es steckt so viel Wärme und Lebensweisheit in ihm.
Taiye Selasi, die selbst in Ghana geboren ist, nimmt den Leser mit auf eine Reise in dieses Land und in die USA.
Die Geschichte beginnt in Afrika, in einem Garten.
Ein Mann verlässt das Bett seiner Frau.
Barfuß spürt er den Morgentau im Gras an seinen Füssen.
Er ist schwach, dem Tode nahe. In Rückblicken erleben wir mit ihm, Kwaku, sein Leben als erfolgreicher Chirurg und Familienvater in den USA.
Ein Leben voller Zweifel, Ehrgeiz und dem ständigen Bemühen, allem und jedem gerecht zu werden.
Bis er eines Tages scheitert und zurück kehrt nach Ghana.
Dort begegnet ihm die Krankenschwester Ama, eine einfache, anschmiegsame und loyale Frau. Kwaku hat endlich das Gefühl, zu genügen.

Spätestens an diesem Punkt der Geschichte entstehen viele Fragen. Hat er denn Fola, seine Ehefrau, nicht geliebt? Wieso hat er sie und die Kinder einfach verlassen? Wer sind diese vier Kinder?

Bunten Steinen gleich fügt Selasi einzelne Episoden dieser Familiengeschichte zu einem großartigen Mosaik zusammen.
Vieles erklärt sich im Verlauf der Story.
So auch diese einfache Weisheit, wie befreiend es ist, vergeben und vergessen zu können.
Weil plötzlich Raum entsteht für die schönen Seiten des Lebens - sei es die Leidenschaft, nach afrikanischen Rhythmen zu tanzen oder endlich frei und ohne Zwang zu lieben.
Dinge geschehen eben nicht einfach so.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Familiengeheimnisse tun nicht gut, 24. Juni 2013
Von 
Gospelsinger (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kwaku steht nachts leise auf, um seine neue Frau nicht zu wecken, steht barfuß im Garten seines ungewöhnlichen selbstentworfenen Hauses in Ghana und stirbt an einem Herzinfarkt. Diese Dinge geschehen einfach so.
Aber in diesem Fall hätten diese Dinge nicht einfach so geschehen sollen. Denn Kwaku ist ein ausgezeichneter Bostoner Chirurg und hätte die Anzeichen eines Herzinfarkts so rechtzeitig erkennen müssen, dass noch genügend Zeit gewesen wäre, sein Leben zu retten. Und wo sind eigentlich seine geliebten Pantoffeln?
Kwakus Tod wirft ähnlich viele Fragen auf, wie sein Leben. Warum hat er seine Frau Fola, die Mutter seiner vier Kinder, verlassen, und damit verursacht und in Kauf genommen, dass die Familie getrennt und in alle vier Winde verstreut wird? Musste er wirklich seinen guten Job in Boston verlassen, weil er einen tödlichen Behandlungsfehler begangen hat oder wurde er aus rassistischen Gründen zum Sündenbock gemacht? Denn die afrikanischen Immigranten werden zwar als „Zukunft der Wissenschaft“ gesehen (S. 150), gleichzeitig werden afrikanische Männer jedoch auch für die Rückständigkeit des afrikanischen Kontinents verantwortlich gemacht, weil sie als Väter versagen (S. 152).
Auch Kwaku versagt als Vater, denn nach seinem plötzlichen Weggang zerfällt die vorher so heile Familie. Die Zwillinge Taiwo und Kehinde werden zu ihrem Onkel geschickt, weil ihre Mutter Fola sich die Kosten für ihre Ausbildung nicht mehr leisten kann; die kleine Sadie und der älteste Bruder Olu, der sein letztes Highschool-Jahr absolviert, dürfen bei ihr bleiben. Das hat schwerwiegende Folgen für Taiwo, denn Töchter, die von ihren Müttern verraten werden, hören auf, Mädchen zu sein, schreibt Selasi. (S. 344)
Die Kinder wachsen zu nach außen hin erfolgreichen Erwachsenen heran, aber im Innern sind sie zerrissen. Sie alle haben Probleme mit Beziehungen und mit der Tatsache, dass sie keine familiäre Sicherheit erlebt haben, sich nirgends zuhause fühlen, nicht wissen, wo sie hingehören. Sie sind und bleiben immer Außenseiter.
Dieses Außenseitertum, dieses Gefühl, nicht dazu zu gehören, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Kompensiert wird es durch eine Überangepasstheit, durch ein Streben nach Perfektion, in der Hoffnung, dadurch doch noch ein Gefühl des Angekommenseins entwickeln zu können.
Zum Beispiel sind Olu und seine Freundin Ling „zwei Roboter, Titel hamsternde, Stipendien gewinnende, Gutes tuende Androide, ein Beispiel an Perfektion, Neue-Immigranten-Perfektion, belohnte Feigheit.“ (S. 161)
Sadie fühlt sich einsam, weil sie nicht so hübsch ist, wie die anderen, und Kehinde, der mit dem Bus zu einer besseren Schule in einem anderen Stadtteil transportiert wird, steckt deswegen zwischen zwei sozialen Schichten und gehört nirgendwo richtig dazu.
Taiwo und Kehinde sind die größten Verlierer der Trennung ihrer Eltern. Sie haben bei ihrem Onkel Furchtbares erlebt, jedoch nie darüber reden können. Das ändert sich erst, als die Familie sich zur Beerdigung Kwakus in Ghana trifft. Erst hier kann die schwierige Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Fola und Taiwo bearbeitet werden.
Die im Buch nach und nach enthüllten verborgenen Geschichten der Protagonisten zeigen einmal mehr, wie gefährlich Familiengeheimnisse sein können. Es ist schade, dass erst der Tod die Familie wieder zusammen bringt und dass die vielen Missverständnisse und Verletzungen, die bei ihrem Treffen zutage treten, nicht schon vorher beseitigt wurden. Dieser Familie fehlt der materielle Reichtum als Anker, das gemeinsame Interesse an Geld, das reiche Familien zusammen hält, konstatiert die Autorin. So konnte es geschehen, dass die Kontakte der Familienmitglieder zueinander abbrachen, dass nie über die traumatischen Ereignisse der Trennung gesprochen wurde.
Taiye Selasi hat einen wunderbar lyrischen Schreibstil, kluge Gedanken und einen außergewöhnlichen Blickwinkel auf die Dinge des Lebens. „Der einzige Sinn einer Beziehung ist es, in Kleinformat das `ganze verdammte Drama' von Leben und Tod durchzuspielen. Die Liebe wird geboren, wie ein Kind geboren wird. Die Liebe wächst heran, wie ein Kind heranwächst. Ein Mensch weiß genau, dass er sterben muss, aber weil er nur das Leben kennt, glaubt er nicht an den Tod. Dann erkaltet die Liebe eines Tages. Das Herz der Liebe hört auf zu schlagen. Die Liebe fällt tot um. Auf diese Weise lernt der Mensch, dass der Tod Wirklichkeit ist, dass der Tod auch in seinem Dasein existieren kann, sein eigener Tod. (…) Der Tod muss im Herzen stattfinden, damit man an ihn glaubt. Nachdem die Liebe gestorben ist, glaubt der Mensch an seinen Tod.“ (S. 381f)
Die Autorin webt geschickt afrikanische Mythen in ihre Geschichte ein, zum Beispiel den Mythos um die Entstehung von Zwillingen und die Gewohnheit, Neugeborenen, die es nicht schaffen werden, gar nicht erst einen Namen zu geben. Auch die magische Wirkung von Trommeln und Tanz (ja, die gibt es wirklich!) spielt eine Rolle, für Sadie sogar eine entscheidende.
Ich habe für dieses Buch ungewöhnlich lange gebraucht. Nicht, weil es schwierig oder anstrengend zu lesen oder sogar langweilig wäre, (ganz im Gegenteil!), sondern weil das Lesen dieses Buches für mich ein interaktives Erlebnis war.
Taiye Selasi lässt die Atmosphäre Ghanas so lebendig werden, dass ich andauernd an meinen dortigen mehrmonatigen Familienaufenthalt erinnert wurde. So kamen mir also regelmäßig die Sehnsuchtstränen, wenn die Autorin beschreibt, wie gut diese (normalerweise fürchterlichen) Feinripp-Unterhemden an afrikanischen Männern aussehen (stimmt!), wenn im Buch Mangos frisch vom Baum gegessen werden (ein Genuss, der meilenweit von dem entfernt ist, was in unseren Läden als angeblich reife Mango verkauft wird!), wenn gari gegessen wird, die gesündeste und leckerste Art des Fast Food, oder soft coco, die ganz frische Kokosnuss, deren Fruchtfleisch noch weich und saftig ist und deren Kokoswasser so gut erfrischt, wenn dazu Milo (Kakao) oder Malta (Malzbier) getrunken wird, wenn die Menschen sich mit „chalé“ begrüßen (abgeleitet von „Charly“, gemeint sind die Briten) oder „I go come“ sagen, „ich gehe (kurz weg) und komme (irgendwann wieder)“, und im Roman der Song „Sweet Mother“ in meiner Lieblingsversion erwähnt wird. Kurz gesagt, die Genüsse, die Ghana zu bieten hat, werden hier plastisch geschildert, fast fühlbar. Dieses Buch ist daher ein guter Anlass, sich mit einem herrlichen Land zu beschäftigen.
Vor allem aber zeigt dieser empfehlenswerte Roman auf, wie normal es geworden ist, sein Geburtsland zu verlassen, Verwandte und Freunde auf unterschiedlichen Kontinenten zu haben, mehrere Heimaten zu besitzen und sich seine Identität selbst aus mehreren Kulturen zusammenbasteln zu müssen. Das ist anstrengend, hat aber auch einen ganz eigenen Reiz. Und es ist für immer mehr Menschen, von Taiye Selasi „Afropoliten“ genannt, eine Realität, mit der sie tagtäglich umgehen müssen.
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73 von 94 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen das Ende am Anfang und so weiter..., 22. März 2013
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ist es nicht interessant, wie Neuerscheinungen bereits mit Lobeshymnen, Pauken und Trompeten von den Medien angekündigt werden, bevor sie überhaupt erst richtig bei unserem Buchhändler angekommen sind? Welche Rolle übernimmt der Feuilleton, um bereits Bücher vor Ihrer Erscheinung auf den Buchmarkt zu puschen? Die vorliegende Neuerscheinung zeigt dies überdeutlich und vehement.

Dass ein Iljoma Mangold hier eine kräftigen Trompetenfanfare anstimmt, zeigt doch, dass auch ein solcher Redakteur wenn auch von der Zeit - mit Vorsicht zu geniessen ist. Kraft- und Werbewörter wie "Furore" sollen also einen neuen Bestseller ankündigen, der aus meiner Sicht nicht im Entferntesten auch nur das Zeug dazu hätte. Eine Afro-Amerikanerin mit den Wurzeln aus Ghana scheint sich dann ganz gewaltig zu verzetteln, ein irritierender Schreibstil, Afrikanische Ausdrücke, die selbst nicht im Anhang erklärt sind. Und: verwirrende Beschreibungen und seitenlange irritierende Formulierungen wo man oft nicht mehr weiss, um welche Personen es noch geht oder wer hier noch spricht. Wiederholtes Zurückblättern, um noch einigermassen dabei zu bleiben, lässt sich wohl nicht vermeiden. Hoch angepriesen, doch aus meiner Sicht eine literarische Dunstwolke, die nicht viel wert ist und sich selbst bald wieder aufgelöst haben dürfte...

Im Zentrum der Geschichte steht der Chirurg Kweku, mit dem auch die Geschichte beginnt - oder besser mit seinem Tod. Ein verwirrender Familienroman um eine afrikanische Familie deren Kinder in den Staaten Wurzeln schlagen, dort auf die Schule gehen und sich Existenzen aufbauen wollen. Geographisch bewegen wir uns im Dreieck, London, Accra (Hauptstadt von Ghana) und New York. Kweku ist mit Fola verheiratet mit der er vier Kinder hat. Eine Familie die sich auseinander lebt, sich fremder wird, ein Familienvater der beruflich scheitert, obwohl er angeblich einer der besten ist. Kinder die in Weltstädten verstreut sind und sich wieder im Afrikanischen treffen werden, denn der Tod Kwekus hängt über dieser Geschichte, wie ein unsichtbarer behüteter Geist. Er führt die Familie zusammen, nämlich dort, wo ihre Wurzeln sind. Selasi beschreibt eine Familie, die auseinander bricht, ein Zusammenhalt der längst der Vergangenheit angehört. Und eine Ehe die sich auseinanderlebt. Die Liebe scheint sich unter den Menschen zu verflüchtigen, wenn sie denn überhaupt irgendwann vorhanden war.

Eine Lesefreude kann dieser Roman nicht generieren. Die Menschen erleben Schmerz, scheitern, leben sich auseinander, werden sich fremd, haben mit Verlusten umzugehen. Nur bei Selasi gibt es kein Vorwärts, keine wirklich Entwicklung: sondern eher in gewisser Weise eine Art Stagnation. Vermutlich soll der Roman aufzeigen, mit welchen Schwierigkeiten eine Immigration gerade von Afrikanern in den Staaten verbunden ist und wie sehr die eigenen Wurzeln das erschweren können. Selasi selbst hat diese Wurzeln, auch wenn sie in London geboren und in Massachusetts aufgewachsen ist. Die Frage ist nur, wie hat sie das verarbeitet und wie ist das zu lesen....Für meine Begriffe scheitert selbst Selasi an der Umsetzung, einer Familie die ihre Zukunft in Amerika sieht. Ein dürftiges Debut - auch könnte der Feuilleton gehörig daneben greifen: eine Note von Schall und Rauch. Eine Romanbemühung die sich bedauerlicherweise im Kreis dreht...

Wenn ich Sätze lese wie: "..die ganze Stadt sang eine Arie der Qual. Die Palmen wirkten erschöpft", bricht zumindest bei mir keine Begeisterung aus.

Um etwas vom Schreibstil dieser Autorin wieder zu geben, sei folgende Stelle zitiert:
(382)

"Der einzige Sinn einer Beziehung ist es, in Kleinformat das ganze verdammte Drama von Leben und Tod durchzuspielen. Die Liebe wird geboren, wie ein Kind geboren wird. Die Liebe wächst heran, wie ein Kind heranwächst. Ein Mensch weiss genau, dass er sterben muss, aber weil er nur das Leben kennt, glaubt er nicht an den Tod. Dann erkaltet die Liebe eines Tages. Das Herz der Liebe hört auf zu schlagen. Die Liebe fällt tot um. Auf diese Weise, lernt der Mensch, dass der Tod Wirklichkeit ist, dass der Tod auch in seinem Dasein existieren kann, sein eigener Tod. Der Verlust eines Haustieres oder einer Rose oder eines Elternteils kann einem Menschen weh tun, aber er führt nicht zur Erkenntnis. Der Tod muss im Herzen stattfinden, damit man an ihn glaubt. Nachdem die Liebe gestorben ist, glaubt der Mensch an seinen Tod."
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Afrofamilie in Not., 24. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
Inspiriert von Toni Morrison hat Taiye Selasi sich an ihren ersten Roman gewagt. Er beinhaltet eine Familiengeschichte und ist ein seltenes Gemisch aus Trauer, Wirklichkeit und Erinnerung.

Kweku Sai, ein aus Ghana stammende Arzt und Familienvater, stirbt eines Tages einfach so. Man findet ihn eines Morgens im feuchten Gras. Er ist erst 57 Jahre alt und niemand begreift, wie er so unauffällig sterben konnte. War er doch ein hervorragender Arzt, der die Vorzeichen eines Infarkts hätte bemerken können. Er lebte zuletzt in Ghana mit seiner zweiten Frau Ama.
Warum ist er vor 16 Jahren zurückgekehrt in das Land seiner Väter?

Das ist die Ausgangslage für einen Familienroman, der seinesgleichen sucht.

In langen assoziativen Passagen erlebt man Kweku als jungen Arzt in Amerika mit seiner Frau Fola und den vier gemeinsamen Kindern.
Die Erinnerungen an sein Herkunftsland Ghana sind stets gegenwärtig. Seine letzte heiße, urwüchsige und einfache Behausung in Ghana steht gegen ein schönes, großes und praktisches Haus in Boston/Amerika. Kweku arbeitete leidenschaftlich gerne. Er rettete Menschen -und Säuglingsleben, so auch das seiner jüngsten Tochter Sadie.

Als schweren Schicksalsschlag erreicht den berühmten und hervorragenden Arzt Kweku aufgrund einer Intrige eines Tages die Kündigung aus seinem erfolgreichen Job. Nachdem die Prozesse, die er gegen die Kündigung angestrengt hat, verloren sind, kehrt er beschämt und verarmt seiner Frau und den vier Kindern den Rücken und verschwindet unauffindbar. Er lebt bis zu seinem frühen Tod in Ghana.
Die Kinder machen auf verschiedene Weise ihren eigenen Weg. Die je eigenwilligen Berufswege zeigen sie als außergewöhnliche und individuelle Charaktere. Fola bleibt allein.

Der Tod Kwekus führt nach vielen Jahren alle noch einmal in Ghana zusammen.

Insgesamt ist die Geschichte traurig. Die bürgerliche Ordnung, die Kweku und seine Frau anstrebten, geht unter der Infamie einer Intrige und bodenloser Beschuldigungen gegen den erfolgreichen Chirurgen zugrunde. Auch rassistische Elemente spielen hier keine geringe Rolle.

Freie Assoziationen bilden den Humus, auf dem die Geschichte entwickelt wird. Es gibt keinen durchgehenden Erzählstrang. Wie im Traum folgt man Erinnertem mit Gegenwärtigem. Über Kontinente und Großstädte hinweg bleibt die Familie zwar verbunden. Innerlich jedoch geht ein Riss durch ihr Leben.

Als folgte man einer sporadisch ablaufenden Gedankenkette findet man sich in einer Erzählform wieder, in der es Wärme, Liebe und Geborgenheit neben Ehrgeiz und Erfolg und Verlorenheit gibt. Hat man sich einmal in die poetischen Feinheiten, die zwischen den Ereignissen zu finden sind, eingelesen, kann man sich der Faszination der Erzählung nicht mehr entziehen. Hingerissen lauscht man den atmosphärischen Klängen, mit denen man in die wechselnden Stimmungen und das Ambiente hineingezogen wird.

Ein außergewöhnlicher Roman ist Tayie Selasi gelungen. Nicht umsonst wird sie als „neue internationale Stimme jenseits von Afrika“ gepriesen.
Ihre Vorfahren stammen selber aus Ghana. Sie wuchs in London und Massachusetts auf. Ihre Eltern waren Bürgerrechtler und Ärzte.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leider ein paar Einschränkungen, 28. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die große Begeisterung der meisten Rezensenten kann ich leider nicht teilen. Der Schreibstil mit den über lange Strecken bruchstückhaften Sätzen ist gewöhnungsbedürftig, dadurch allerdings oft auch sehr bildhaft und emotional eindrücklich. Mit den ständigen zetlichen Sprüngen vor und zurück und ihren Szenenwechseln mit überaus detailierten, aber dann meist doch sehr alltäglichen Milieuschilderungen zerfasert die Geschichte schließlich zu sehr und wird uninteressant.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine schwere Kost..., 13. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
Schon nach den ersten 20 Seiten habe ich gemerkt, dass mir das Lesen des Buches nicht gerade leicht gefallen ist. Es ist eine recht schwere Kost, die mir durch den verwirrenden Schreibstil nicht gerade leichter gemacht wurde. Zeitlich und personell erlebt der Leser hier immer wieder einige Sprünge, die wirklich nicht immer einfach nachzuvollziehen sind. Vielleicht mag es auch eher daran liegen, dass ich meistens eher einfach geschriebene Romane lese, doch da habe ich auch Zeitsprünge und einen Wechsel der erzählenden Personen.

Durch meine Probleme die Familienmitglieder auseinander zu halten (ein Personenregister wäre wirklich hilfreich gewesen!) bin ich zusätzlich auch nicht wirklich in Fahrt gekommen. Wer ist wer und wer wohnt jetzt auf welchem Kontinent und in welcher Stadt?!? Sorry, aber es war wirklich anstrengend. Wenn ich mal dachte, dass ich richtig in der Geschichte drin bin, wurde meine Illusion durch die nächste Situation vollkommen zerstört, denn dann schien auf einmal wieder alles anders. :( In diesen Minuten konnte ich den wirklich schönen Schreibstil der Autorin genießen! Ich hatte dennoch das Gefühl mich im Kreis zu drehen und an keiner Stelle wirklich vorwärts zu kommen. Die Zusammenführung der Familienmitglieder durch den Tod des Vaters in Afrika ist doch sehr dürftig und bei weitem weniger als das, was ich mir vorgestellt habe. Ich habe gedacht, dass mich hier ein berührender Familienroman erwartet, der im Hintergrund noch etwas über das Leben in Afrika in Bezug auf das Leben in den anderen Städten der Welt verrät. Doch von beiden war hier leider nicht immer etwas zu spüren. Sehr schade!!

Das Cover ist jetzt nicht wirklich spektakulär und nicht besonders aussagekräftig, aber gerade die Schlichtheit mag ich. ;)

Fazit:

Ich weiß nicht so recht, ob ich das Buch empfehlen kann oder nicht. Auch wenn mir die Geschichte zu verwirrend war, so war der Inhalt trotzdem interessant und besonders diejenigen unter euch, die gerne Geschichten lesen, die in Afrika spielen, werden hier bestimmt auch auf ihre Kosten kommen. Ich kann euch an dieser Stelle einfach nur raten euch selbst ein Urteil zu bilden und zu entscheiden, ob dieses Buch etwas für euch sein könnte oder auch nicht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Authentisch und begeisternd, 9. Juni 2013
Von 
Susanna Clottey (Weyhe bei Bremen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Vielleicht bin ich voreingenommen, weil ich selbst mit einem gebürtigen Ghanaer verheiratet bin und schon in Accra war, aber das Buch hat mich von Anfang an gefesselt, wenn auch der Anfang etwas "anstrengend" zu lesen ist. Das gibt sich aber schnell, wenn man erst sämtliche Protagonisten kennt, kann man nicht aufhören zu lesen. Schwierig für Nicht-Ghana-Kenner ist vielleicht, dass einige Begriffe wie "Ga" (ein Volk in Ghana, das im Raum Accra lebt) oder auch "obroni" (aus der Twi-Sprache, soviel wie "Europäer" oder "Weiße") nicht erklärt werden.
Das Buch gibt das wieder, was ich als ghanaische Seele kennengelernt habe und zeigt deutlich: "Africa is the future" <3
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1.0 von 5 Sternen rausgeschmissenes Geld, 4. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
Interessanter Umschlag, spannender Titel und die kurze Inhaltsangabe und die Rezessionen lassen sich auch gut. Also im Buchladen gekauft ohne vorher reinzulesen - ein Fehler!

Erst dachte ich es liegt an der Hitze, dass ich nicht in die Story finde, aber es wurde nicht besser...auch am nächsten kühlen Tag nicht :/ Nach 30 Seiten hatte ich keine Lust mehr.

...kein ersichtlicher roter Faden
...keine Spannung
...total kompliziert geschrieben

Wohl nur was für Deutschstudenten ;)
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Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman
Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman von Taiye Selasi (Gebundene Ausgabe - 1. März 2013)
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