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40 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bis dass der Tod euch eint
Die Rezension bezieht sich auf das Original "Ghana Must Go", ist aber hoffentlich auch für Leser der deutschen Ausgabe von Interesse.

"Kweku dies barefoot on a Sunday before sunrise, his slippers by the doorway to the bedroom like dogs." Mit diesem Paukenschlag beginnt Taiye Selasis Erstlingswerk "Ghana Must Go", die Geschichte vom Auseinanderbrechen und...
Vor 18 Monaten von Felix Richter veröffentlicht

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine schwere Kost...
Schon nach den ersten 20 Seiten habe ich gemerkt, dass mir das Lesen des Buches nicht gerade leicht gefallen ist. Es ist eine recht schwere Kost, die mir durch den verwirrenden Schreibstil nicht gerade leichter gemacht wurde. Zeitlich und personell erlebt der Leser hier immer wieder einige Sprünge, die wirklich nicht immer einfach nachzuvollziehen sind. Vielleicht...
Vor 8 Monaten von Anne Catbooks veröffentlicht


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40 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bis dass der Tod euch eint, 23. März 2013
Von 
Felix Richter - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Rezension bezieht sich auf das Original "Ghana Must Go", ist aber hoffentlich auch für Leser der deutschen Ausgabe von Interesse.

"Kweku dies barefoot on a Sunday before sunrise, his slippers by the doorway to the bedroom like dogs." Mit diesem Paukenschlag beginnt Taiye Selasis Erstlingswerk "Ghana Must Go", die Geschichte vom Auseinanderbrechen und Zusammenfinden einer afrikanischen Familie in Amerika, erzählt in einem Mosaik von Rückblenden und Erzählperspektiven, in denen sich das Drama erst gemächlich und dann immer schneller entfaltet.

Die Familie, das sind Kweku Sai, erfolgreicher Chirurg mit ghanaischen Wurzeln, Fola, seine Frau, geboren in Nigeria, die ihm und der Familie zuliebe keine Karriere gemacht hat - eine Familie kann nur einen Traum verwirklichen - und Olu, Kehinde, Taiwo und Sadie, die vier schönen, begabten Kinder. Eine Idylle, die von einem Augenblick auf den anderen zerstört wird, als Kweku die Familie völlig überraschend verlässt und nach Ghana zurückkehrt. Nur Kehinde weiß warum, hat seinem Vater aber versprochen, das nicht zu verraten.

Es bleibt nicht bei diesem Schicksalsschlag: Um den Zwillingen Kehinde und Taiwo eine angemessene Schulbildung zu ermöglichen - Geld ist praktisch keins da - schickt Fola sie nach Lagos zu ihrem reichen Halbbruder. Was sie dort erleben, ist in einer der herzzerreißendsten Passagen des Buches beschrieben und trägt ganz wesentlich dazu bei, dass sich zwischen sämtlichen Familienmitgliedern ein tödliches Schweigen ausbreitet und der Kontakt untereinander fast völlig verloren geht.

Erst Kwekos Tod, sechzehn Jahre später, nähert die Familie wieder aneinander an. Alte Wunden werden wieder aufgerissen, aber ein neuer Heilungsprozess wird dadurch in Gang gesetzt, und die Sprachlosigkeit findet endlich ein Ende.

"Ghana Must Go" ist insofern autobiografisch geprägt, als die Protagonisten, ebenso wie die Autorin, zu den von ihr selbst so genannten "Afropolitans" gehören, Afrikanern, die sich durch Begabung und Fleiß und gegen die Ressentiments der westlichen Gesellschaft in dieser einen Platz erkämpft haben. Wie schwierig das immer noch ist, zeigt vor allem Kwekus Schicksal. Taiye Selasis Alter Ego ist Taiwo, als hochbegabter, schöner Zwilling mit ghanaisch/nigerianischen Eltern, und man kann nur hoffen, dass mit diesen Rahmenbedingungen das Autobiographische mehr oder weniger umrissen ist.

Taiya Selasis Prosa war für mich eine völlig neue Erfahrung. Elegant, poetisch und häufig losgelöst von grammatikalischen Konventionen ist der Roman für einen Nichtmuttersprachler vor allem zu Beginn eine gewisse Herausforderung. Aber dann wird es der reine Genuss.
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36 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spaziergang durch die Kulturen, 9. März 2013
Von 
carrie62 - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
Diesen Roman zu lesen, ist eine große Bereicherung, denn es steckt so viel Wärme und Lebensweisheit in ihm.
Taiye Selasi, die selbst in Ghana geboren ist, nimmt den Leser mit auf eine Reise in dieses Land und in die USA.
Die Geschichte beginnt in Afrika, in einem Garten.
Ein Mann verlässt das Bett seiner Frau.
Barfuß spürt er den Morgentau im Gras an seinen Füssen.
Er ist schwach, dem Tode nahe. In Rückblicken erleben wir mit ihm, Kwaku, sein Leben als erfolgreicher Chirurg und Familienvater in den USA.
Ein Leben voller Zweifel, Ehrgeiz und dem ständigen Bemühen, allem und jedem gerecht zu werden.
Bis er eines Tages scheitert und zurück kehrt nach Ghana.
Dort begegnet ihm die Krankenschwester Ama, eine einfache, anschmiegsame und loyale Frau. Kwaku hat endlich das Gefühl, zu genügen.

Spätestens an diesem Punkt der Geschichte entstehen viele Fragen. Hat er denn Fola, seine Ehefrau, nicht geliebt? Wieso hat er sie und die Kinder einfach verlassen? Wer sind diese vier Kinder?

Bunten Steinen gleich fügt Selasi einzelne Episoden dieser Familiengeschichte zu einem großartigen Mosaik zusammen.
Vieles erklärt sich im Verlauf der Story.
So auch diese einfache Weisheit, wie befreiend es ist, vergeben und vergessen zu können.
Weil plötzlich Raum entsteht für die schönen Seiten des Lebens - sei es die Leidenschaft, nach afrikanischen Rhythmen zu tanzen oder endlich frei und ohne Zwang zu lieben.
Dinge geschehen eben nicht einfach so.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine schwere Kost..., 13. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
Schon nach den ersten 20 Seiten habe ich gemerkt, dass mir das Lesen des Buches nicht gerade leicht gefallen ist. Es ist eine recht schwere Kost, die mir durch den verwirrenden Schreibstil nicht gerade leichter gemacht wurde. Zeitlich und personell erlebt der Leser hier immer wieder einige Sprünge, die wirklich nicht immer einfach nachzuvollziehen sind. Vielleicht mag es auch eher daran liegen, dass ich meistens eher einfach geschriebene Romane lese, doch da habe ich auch Zeitsprünge und einen Wechsel der erzählenden Personen.

Durch meine Probleme die Familienmitglieder auseinander zu halten (ein Personenregister wäre wirklich hilfreich gewesen!) bin ich zusätzlich auch nicht wirklich in Fahrt gekommen. Wer ist wer und wer wohnt jetzt auf welchem Kontinent und in welcher Stadt?!? Sorry, aber es war wirklich anstrengend. Wenn ich mal dachte, dass ich richtig in der Geschichte drin bin, wurde meine Illusion durch die nächste Situation vollkommen zerstört, denn dann schien auf einmal wieder alles anders. :( In diesen Minuten konnte ich den wirklich schönen Schreibstil der Autorin genießen! Ich hatte dennoch das Gefühl mich im Kreis zu drehen und an keiner Stelle wirklich vorwärts zu kommen. Die Zusammenführung der Familienmitglieder durch den Tod des Vaters in Afrika ist doch sehr dürftig und bei weitem weniger als das, was ich mir vorgestellt habe. Ich habe gedacht, dass mich hier ein berührender Familienroman erwartet, der im Hintergrund noch etwas über das Leben in Afrika in Bezug auf das Leben in den anderen Städten der Welt verrät. Doch von beiden war hier leider nicht immer etwas zu spüren. Sehr schade!!

Das Cover ist jetzt nicht wirklich spektakulär und nicht besonders aussagekräftig, aber gerade die Schlichtheit mag ich. ;)

Fazit:

Ich weiß nicht so recht, ob ich das Buch empfehlen kann oder nicht. Auch wenn mir die Geschichte zu verwirrend war, so war der Inhalt trotzdem interessant und besonders diejenigen unter euch, die gerne Geschichten lesen, die in Afrika spielen, werden hier bestimmt auch auf ihre Kosten kommen. Ich kann euch an dieser Stelle einfach nur raten euch selbst ein Urteil zu bilden und zu entscheiden, ob dieses Buch etwas für euch sein könnte oder auch nicht.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein traditioneller Familienroman, brillant erzählt, 13. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Roman beginnt damit, dass die Person stirbt, um die sich im Folgenden fast alles dreht: der Vater einer westafrikanischen Einwandererfamilie in den USA. Dieser Vater, ein talentierter Chirurg, hat die Familie vor Jahren verlassen, ist zurückgegangen nach Ghana. Er ignoriert in dieser ersten Szene die deutlichen Vorzeichen eines Herzinfarkts und stirbt morgens im Garten seines selbstentworfenen Hauses, während seine neue, junge Frau noch schläft.
Auf der Suche nach dem Warum entfaltet die Autorin dann in Rückblenden, Reflexionen und Abschweifungen ein atmosphärisch dichtes und psychologisch äußerst stimmiges Portrait der ganzen Familie: des jungen Immigrantenpaares aus Ghana/Nigeria, das die eigenen Wurzeln abschneidet, um den amerikanischen Traum zu leben – er als fleißiger, immer beherzt und engagiert handelnder und daher erfolgreicher Arzt, sie als seine kluge Partnerin, die sich beruflich zurücknimmt, um sich um die Kinder der Vorzeigefamilie zu kümmern: Olu, der als erster Sohn ganz nach dem Vater kommt, die eher kreativ-künstlerischen Zwillinge Kehinde und Taiwo sowie das Nesthäkchen Sadie.
Als der Vater aufgrund einer Intrige mit rassistischem Unterton (das wirtschaftliche Überleben des Krankenhauses erforderte ein Bauernopfer, da fiel die Wahl schnell auf ihn, den Schwarzen) entlassen wird, bricht sein amerikanischer Traum zusammen, er verlässt die Familie, bald auch die USA und beginnt in seiner alten Heimat ein neues Leben.
Im zweiten Teil des Romans finden die inzwischen erwachsenen, in alle Winder verstreuten Kinder und die Mutter anlässlich des Begräbnisses wieder zusammen – und vor allem finden sie Erlösung im Angesicht ihrer Wurzeln, ihrer Heimat, der vom Urgroßvater erbauten Hütte der Großeltern. Das ist weder originell noch gänzlich kitschfrei, aber solide und glaubhaft zuende geführt.
Natürlich – der letzte Satz deutet es an – fand ich im zweiten Teil des Romans manches etwas künstlich, etwas zu perfekt arrangiert, und trotzdem: Auch hier gibt es immer wieder Szenen, die mich begeistern: kluge, eindringliche, immer empathische Schilderungen von Menschen und dem, was ihnen zustößt. Manchmal ist das nur interessant, da einfach zuzuhören (z. B. wenn die ostasiatischen Immigranten mit den afrikanischen konkurrieren), öfter anrührend (z. B. wenn die junge Geliebte eines Professors sich geist- und wortreich darüber selbst belügt, warum sie das tut), manchmal treibt es einem (mir jedenfalls) die Tränen in die Augen (z. B. wenn die kluge, alte Ghanaerin, die so gut wie nie zur Schule gehen durfte, ihren Sohn zum Studium in die USA abreisen sieht – voll Stolz, dass sich nun ihr Lebenstraum erfüllt, und gleichzeitig verzweifelt, weil sie weiß, sie sieht ihn nie wieder).
Insgesamt ein unbedingt empfehlenswertes Buch: etwas konventionell in der Konzeption, aber wunderbar reich in der erzählerischen Ausführung.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rezension „Diese Dinge geschehen nicht so einfach“ von Taiye Selasi, 15. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Diese Dinge geschehen nicht so einfach“ von Taiye Selasi
(aus dem Englischen von Adelheid Zöfel)
S.Fischer Verlag 2013

„Geh und leb Dein Leben“. Das waren die letzten Worte, die Sadie von ihrer Mutter hörte. Ein paar Tage später erfahren sie und ihre drei Geschwister, dass ihre Mutter Fola ihre Existenz als Familienoberhaupt aufgegeben hat und allein nach Ghana zurückgekehrt ist. Sie sei eine „Yoruba-Kämpferin“ hatte ihr Mann oft zu ihr gesagt, die Nachfahrin eines stolzen nigerianischen Volkes.

In welchen Momenten hatte er sie „Yoruba“ Kriegerin genannt? Wenn er sich darüber bewusst wurde, wie schwach er, und wie stark sie war: die Mutter seiner vier Kinder - dank ihr hatte er seine Karriere als Chirurg in einer berühmten amerikanischen Klinik machen können, während sie aus einem kleinen Strassenstand mit Blumen ein gut gehendes Blumengeschäft aufgebaut hatte. Das war Fola: voll Energie, voll Optimismus, voll Tatendrang.

Die Geschichte klingt banal, ist es aber mitnichten; hier wird vordergründig eine Bilderbuch-Familie aus dem Malkasten des „american dream“ gezeichnet: eine ghanisch-nigerianische Familie versucht ihr Glück im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und das scheint ihnen auf den ersten Blick auch zu gelingen; dass es einen Haken gibt, ahnt man bereits zu Beginn des Romans: das vermeintliche Familienoberhaupt, der Familienvater, stirbt im Garten seines selbstgebauten Hauses in Ghana, wohin auch er zurückgekehrt war, während in seinem Bett eine junge Zweitfrau schlummert.

Die vier Kinder sind zu dem Zeitpunkt erwachsen, die Beerdigung des Vaters soll sie noch einmal aus allen Teilen der Welt zusammenbringen, das ist der Wunsch ihrer Mutter. In zahlreichen Rückblenden und persönlichen Erinnerungen der Protagonisten erfahren wir, wie sich diese sympathische Familie im Westen der USA eine Existenz aufgebaut hat, Mutter Fola die eigene Karriere opferte, aber dennoch neben den Kindern ein gut gehendes und kreatives Blumengeschäft geführt hatte. Der älteste Sohn – ganz der Vater - konnte beste Schulen besuchen, das Zwillingspärchen durfte am Konservatorium und in der Kunsthochschule seine Kreativität ausleben und das Nesthäkchen Sadie hatte freies Geleit in der Wahl ihres Studiums.

Trotzdem kommt es zwischen der Jüngsten und ihrer Mutter immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen und es scheint eben diese Tochter, die sich und ihrer Mutter erbarmungslos den Spiegel vorhält und dabei reflektiert, dass ihrer beider Leben etwas Irreales anhaftet. So stellt sie sich an einem traumhaft schönen Sommerabend die Frage:
„Was machte sie hier so einsam, so unendlich einsam? Was gab ihr das Gefühl, dass ihr Leben, ihres und Folas, ein einziger Schwindel war, und sie beide hier gar nicht in dieses Bild, auf diese Postkarte gehörten – dass sie beide Hochstaplerinnen waren?“

Emigration, Integration, Identitätssuche generationsübergreifend – das sind grosse Themen, die in dem Roman nur leise mitschwingen und in die uns Taiye Selasi gekonnt einführt: sie selbst hat ja für sich und alle Weltenbürger afrikanischer Herkunft den passenden Begriff gefunden, nämlich eine „Afropolitan“ zu sein.

Nikola Gazzo Januar 2014
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Quantität versus Qualität, 21. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit ihrem Debütroman legt Taiye Selasi ein Epos über eine neue Spezies von Weltbürgern vor, für die sie den Namen Afropolitans geprägt hat. Es sind dies junge, erfolgreiche Menschen mit afrikanischen Wurzeln, die über alle Erdteile verstreut als Eliten leben, oft aber den schwarzen Kontinent noch nie betreten haben, mit dem sie in ihrem Innersten verbunden sind. So erklärt sich die Aufmerksamkeit der Medien und des Publikums zum guten Teil auch mit dem unbekannten Sujet dieses kosmopolitischen Romans, der den plakativen deutschen Titel «Diese Dinge geschehen nicht einfach so» trägt.

In einer gleich von Anbeginn an mitreißenden erzählerischen Wucht entwickelt die Autorin ihre Geschichte raffiniert um ein zentrales Ereignis herum, auf das sie immer wieder zurückkommt: den einsamen Tod des begnadeten Chirurgen Kweku, der am frühen Morgen im Garten seines Hauses in Ghana einem Herzinfarkt erliegt. Die Geschehnisse in den Minuten von der ersten Schmerzattacke bis zum Hinsinken ins taubenetzte Gras werden immer nur häppchenweise erzählt, unterbrochen jeweils von ausgedehnten Rückblenden in die Vergangenheit dieses einst so erfolgreichen Mannes und seiner kunterbunten Familie. Er bleibt auch im Fokus bis zum Schluss, einem arg inszeniert wirkenden Showdown allerdings, bei dem die verstreut lebenden Familienmitglieder anlässlich seiner Beerdigung in Ghana nach langer Zeit alle wieder zusammentreffen.

Es sind die Brüche im Leben einer sechsköpfigen Familie in den USA, denen die Autorin nachspürt, deren Vorbedingungen sie aufzeigt, deren Unabwendbarkeit sie zu erklären sucht. Der Chirurg Kweku muss unschuldig als Opfer herhalten, er wird fristlos entlassen, die Klinikleitung erfüllt damit beflissentlich die Rachegelüste einflussreicher Sponsoren. Seine Karriere scheint ihm zerstört, er verschweigt das aber seiner Familie und kämpft monatelang vergebens um seine Reputation, wobei er sich finanziell ruiniert. Der gewaltsame Rauswurf aus der Klinik nach einem letzten Protest wird von seinem völlig verdutzten Sohn beobachtet, den er zum strikten Schweigen verpflichtet. Untröstlich und voller Scham verlässt er spontan und ohne Abschied seine Familie. Seine nigerianische Frau handelt beherzt, gibt das Haus auf, schickt ihre Zwillinge zum Halbbruder nach Lagos, reicht die Scheidung ein, baut sich ihre eigene Existenz auf. Als Kweku Wochen später zurückkehrt, sind seine Frau und die vier Kinder spurlos verschwunden, die Zäsur ist endgültig. Er geht in seine Heimat zurück, heiratet dort noch einmal und lässt sich schließlich sein Traumhaus bauen von einem wundersamen Handwerker. Der älteste Sohn Olu, ebenfalls Arzt, rätselt immer wieder über die absolute Tatenlosigkeit des Vaters, der die Symptome eines Herzinfarkts sehr wohl gekannt hat, aber partout nichts tat, um Hilfe zu holen. So als ob Kweku den Tod herbeigesehnt hätte nach einem für seine perfektionistischen Vorstellungen aus dem Ruder gelaufenen Leben.

Eine Stärke dieses Romans ist die geradezu eindringliche Figurenzeichnung, die den Leser emotional in das äußerst detailliert geschilderte Geschehen hineinzieht, ihn fast hineinzwingt. Erschwert wird das aber durch eine verwirrende Namensgebung, bei der auch ein knapper Stammbaum vorne im Buch nicht wirklich hilft. Hinzu kommen die häufigen, teils aberwitzigen Zeitsprünge und hektischen Perspektivwechsel, nach denen dann oft lange unklar bleibt, über wen überhaupt berichtet wird. «Großes Gefühlskino» würde man einen Film vermutlich überschreiben, der auf diesem Romanstoff aufbaut. Mehrfach taucht denn auch ein fiktiver Kameramann auf, der Kwekus Leben filmt. Die auch fotografisch tätige Autorin soll von Toni Morrison persönlich in Oxford zum Schreiben animiert worden sein, glaubt man dem werbewirksam verbreiteten Gerücht. Der üppige Roman ist jedenfalls nahe am Rande des Kitsches angesiedelt, weniger Emotionen, weniger Wunderkinder, weniger «jung-schön-intelligent-erfolgreich», aber auch weniger tragisches Scheitern wäre mehr gewesen, so mein Fazit. Bei wichtigen Figuren wie der schnöde verlassenen Exfrau zum Beispiel bleibt der Roman nur an der Oberfläche, über ihre seelischen Wunden erfährt der Leser merkwürdigerweise fast nichts. Diese fehlende Tiefe ist denn doch recht enttäuschend!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mit eisernem Willen zum Bestseller, 6. August 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
Herausragender Chirurg, Shooting-Star am weltweiten Kunstmarkt oder Jahrgangsbeste an Top-Universitäten der USA und dabei noch spektakulär schön: In den sechs Protatagonist/inn/en ihrer Familiengeschichte versammelt die Autorin Glanz und Brillanz in großem Stil. Leider erzählt sie nicht nur ÜBER begabten Ehrgeiz, sondern eben auf diese Weise.
Die Geschichte wirkt, als hätte eine talentierte Absolventin eines Creative Writing-Kurses sich mit eisernem Willen an die Realisierung eines Bestsellers gemacht: Denk Dir eine ganz unerhörte Geschichte aus. Zerschnippsle sie in dutzende Fetzen und serviere diese kapitelweise bunt verschmischt im Raum-Zeit-Kontinuum. Warte auf die letzten 40 Seiten, um dann effetkvoll die dramatischen Ursprungsereignisse aller Verirrungen, Depressionen, Trennungen, Hassgefühle offenzulegen.
Neben literarisch dichten Passagen findet sich viel Küchenpsychlologie. Die Autorin erklärt ihre Figuren über lange Strecken, anstatt sie über ihr Handeln zu charakterisieren. Das führte bei mir dazu, dass die Protagonisten letztlich doch etwas papieren blieben und ihr Beziehungsgeflecht untereinander konstruiert. Mit etwas weniger Willen zum Bestseller und ein wenig mehr Mut, die Geschichte "laufen zu lassen", könnte Taye Selasi aber bei nächster Gelegenheit einen Roman vorlegen, der keinen "Hype" braucht, um literarisch dauerhaft zu bestehen.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Familiengeheimnisse tun nicht gut, 24. Juni 2013
Von 
Gospelsinger (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kwaku steht nachts leise auf, um seine neue Frau nicht zu wecken, steht barfuß im Garten seines ungewöhnlichen selbstentworfenen Hauses in Ghana und stirbt an einem Herzinfarkt. Diese Dinge geschehen einfach so.
Aber in diesem Fall hätten diese Dinge nicht einfach so geschehen sollen. Denn Kwaku ist ein ausgezeichneter Bostoner Chirurg und hätte die Anzeichen eines Herzinfarkts so rechtzeitig erkennen müssen, dass noch genügend Zeit gewesen wäre, sein Leben zu retten. Und wo sind eigentlich seine geliebten Pantoffeln?
Kwakus Tod wirft ähnlich viele Fragen auf, wie sein Leben. Warum hat er seine Frau Fola, die Mutter seiner vier Kinder, verlassen, und damit verursacht und in Kauf genommen, dass die Familie getrennt und in alle vier Winde verstreut wird? Musste er wirklich seinen guten Job in Boston verlassen, weil er einen tödlichen Behandlungsfehler begangen hat oder wurde er aus rassistischen Gründen zum Sündenbock gemacht? Denn die afrikanischen Immigranten werden zwar als „Zukunft der Wissenschaft“ gesehen (S. 150), gleichzeitig werden afrikanische Männer jedoch auch für die Rückständigkeit des afrikanischen Kontinents verantwortlich gemacht, weil sie als Väter versagen (S. 152).
Auch Kwaku versagt als Vater, denn nach seinem plötzlichen Weggang zerfällt die vorher so heile Familie. Die Zwillinge Taiwo und Kehinde werden zu ihrem Onkel geschickt, weil ihre Mutter Fola sich die Kosten für ihre Ausbildung nicht mehr leisten kann; die kleine Sadie und der älteste Bruder Olu, der sein letztes Highschool-Jahr absolviert, dürfen bei ihr bleiben. Das hat schwerwiegende Folgen für Taiwo, denn Töchter, die von ihren Müttern verraten werden, hören auf, Mädchen zu sein, schreibt Selasi. (S. 344)
Die Kinder wachsen zu nach außen hin erfolgreichen Erwachsenen heran, aber im Innern sind sie zerrissen. Sie alle haben Probleme mit Beziehungen und mit der Tatsache, dass sie keine familiäre Sicherheit erlebt haben, sich nirgends zuhause fühlen, nicht wissen, wo sie hingehören. Sie sind und bleiben immer Außenseiter.
Dieses Außenseitertum, dieses Gefühl, nicht dazu zu gehören, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Kompensiert wird es durch eine Überangepasstheit, durch ein Streben nach Perfektion, in der Hoffnung, dadurch doch noch ein Gefühl des Angekommenseins entwickeln zu können.
Zum Beispiel sind Olu und seine Freundin Ling „zwei Roboter, Titel hamsternde, Stipendien gewinnende, Gutes tuende Androide, ein Beispiel an Perfektion, Neue-Immigranten-Perfektion, belohnte Feigheit.“ (S. 161)
Sadie fühlt sich einsam, weil sie nicht so hübsch ist, wie die anderen, und Kehinde, der mit dem Bus zu einer besseren Schule in einem anderen Stadtteil transportiert wird, steckt deswegen zwischen zwei sozialen Schichten und gehört nirgendwo richtig dazu.
Taiwo und Kehinde sind die größten Verlierer der Trennung ihrer Eltern. Sie haben bei ihrem Onkel Furchtbares erlebt, jedoch nie darüber reden können. Das ändert sich erst, als die Familie sich zur Beerdigung Kwakus in Ghana trifft. Erst hier kann die schwierige Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Fola und Taiwo bearbeitet werden.
Die im Buch nach und nach enthüllten verborgenen Geschichten der Protagonisten zeigen einmal mehr, wie gefährlich Familiengeheimnisse sein können. Es ist schade, dass erst der Tod die Familie wieder zusammen bringt und dass die vielen Missverständnisse und Verletzungen, die bei ihrem Treffen zutage treten, nicht schon vorher beseitigt wurden. Dieser Familie fehlt der materielle Reichtum als Anker, das gemeinsame Interesse an Geld, das reiche Familien zusammen hält, konstatiert die Autorin. So konnte es geschehen, dass die Kontakte der Familienmitglieder zueinander abbrachen, dass nie über die traumatischen Ereignisse der Trennung gesprochen wurde.
Taiye Selasi hat einen wunderbar lyrischen Schreibstil, kluge Gedanken und einen außergewöhnlichen Blickwinkel auf die Dinge des Lebens. „Der einzige Sinn einer Beziehung ist es, in Kleinformat das `ganze verdammte Drama' von Leben und Tod durchzuspielen. Die Liebe wird geboren, wie ein Kind geboren wird. Die Liebe wächst heran, wie ein Kind heranwächst. Ein Mensch weiß genau, dass er sterben muss, aber weil er nur das Leben kennt, glaubt er nicht an den Tod. Dann erkaltet die Liebe eines Tages. Das Herz der Liebe hört auf zu schlagen. Die Liebe fällt tot um. Auf diese Weise lernt der Mensch, dass der Tod Wirklichkeit ist, dass der Tod auch in seinem Dasein existieren kann, sein eigener Tod. (…) Der Tod muss im Herzen stattfinden, damit man an ihn glaubt. Nachdem die Liebe gestorben ist, glaubt der Mensch an seinen Tod.“ (S. 381f)
Die Autorin webt geschickt afrikanische Mythen in ihre Geschichte ein, zum Beispiel den Mythos um die Entstehung von Zwillingen und die Gewohnheit, Neugeborenen, die es nicht schaffen werden, gar nicht erst einen Namen zu geben. Auch die magische Wirkung von Trommeln und Tanz (ja, die gibt es wirklich!) spielt eine Rolle, für Sadie sogar eine entscheidende.
Ich habe für dieses Buch ungewöhnlich lange gebraucht. Nicht, weil es schwierig oder anstrengend zu lesen oder sogar langweilig wäre, (ganz im Gegenteil!), sondern weil das Lesen dieses Buches für mich ein interaktives Erlebnis war.
Taiye Selasi lässt die Atmosphäre Ghanas so lebendig werden, dass ich andauernd an meinen dortigen mehrmonatigen Familienaufenthalt erinnert wurde. So kamen mir also regelmäßig die Sehnsuchtstränen, wenn die Autorin beschreibt, wie gut diese (normalerweise fürchterlichen) Feinripp-Unterhemden an afrikanischen Männern aussehen (stimmt!), wenn im Buch Mangos frisch vom Baum gegessen werden (ein Genuss, der meilenweit von dem entfernt ist, was in unseren Läden als angeblich reife Mango verkauft wird!), wenn gari gegessen wird, die gesündeste und leckerste Art des Fast Food, oder soft coco, die ganz frische Kokosnuss, deren Fruchtfleisch noch weich und saftig ist und deren Kokoswasser so gut erfrischt, wenn dazu Milo (Kakao) oder Malta (Malzbier) getrunken wird, wenn die Menschen sich mit „chalé“ begrüßen (abgeleitet von „Charly“, gemeint sind die Briten) oder „I go come“ sagen, „ich gehe (kurz weg) und komme (irgendwann wieder)“, und im Roman der Song „Sweet Mother“ in meiner Lieblingsversion erwähnt wird. Kurz gesagt, die Genüsse, die Ghana zu bieten hat, werden hier plastisch geschildert, fast fühlbar. Dieses Buch ist daher ein guter Anlass, sich mit einem herrlichen Land zu beschäftigen.
Vor allem aber zeigt dieser empfehlenswerte Roman auf, wie normal es geworden ist, sein Geburtsland zu verlassen, Verwandte und Freunde auf unterschiedlichen Kontinenten zu haben, mehrere Heimaten zu besitzen und sich seine Identität selbst aus mehreren Kulturen zusammenbasteln zu müssen. Das ist anstrengend, hat aber auch einen ganz eigenen Reiz. Und es ist für immer mehr Menschen, von Taiye Selasi „Afropoliten“ genannt, eine Realität, mit der sie tagtäglich umgehen müssen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Diese Dinge geschehen nicht einfach so, 26. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das ist eins der wenigen Bücher, die ich nicht zu Ende gelesen habe. Mich hat die Geschichte irgendwie nicht gefesselt. Vom von Anfang an nicht in die Geschichte und den Schreibstil rein. Aber wie gesagt, dass ist nur meine Meinung. Andere sehen das evtl. anders.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leider ein paar Einschränkungen, 28. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die große Begeisterung der meisten Rezensenten kann ich leider nicht teilen. Der Schreibstil mit den über lange Strecken bruchstückhaften Sätzen ist gewöhnungsbedürftig, dadurch allerdings oft auch sehr bildhaft und emotional eindrücklich. Mit den ständigen zetlichen Sprüngen vor und zurück und ihren Szenenwechseln mit überaus detailierten, aber dann meist doch sehr alltäglichen Milieuschilderungen zerfasert die Geschichte schließlich zu sehr und wird uninteressant.
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Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman
Diese Dinge geschehen nicht einfach so: Roman von Taiye Selasi (Gebundene Ausgabe - 1. März 2013)
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