Kundenrezensionen


1 Rezension
5 Sterne:
 (1)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschrieben 1984, aktuell seither von Jahr zu Jahr mehr, 25. Juni 2012
Von 
Christian Günther - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie (Broschiert)
Nun kommt man als durchschnittlich gebildeter Mensch, mit angewendetem gesunden Menschenverstand, auch durchaus ohne dieses Buch von Neil Postman zu der Erkenntnis, daß der überbordende Einfluss elektronischer Medien und das durch sie fortwährende Niederprasseln überflüssiger und meist inhaltsleerer Informationen, daß die totale Reizüberflutung alles andere als förderlich ist, für die Entwicklung nachhaltigen Wissens und der nur daraus erwachsenden Fähigkeit zu begründeten und begründbaren eigenen Schlüssen, zur eigenen gedanklichen Haltung und Meinungsfindung.

Dennoch ist es nur sehr zu empfehlen, sich die 200 Seiten "Wir amüsieren uns zu Tode" einmal zu Gemüte zu führen! Zum einen, weil es aus der Sicht eines Medien-Wissenschaftlers und Soziologen (Postman war Professor an der N.Y.University) Bereiche intensiv und erklärend beleuchtet, die man als Laie übersähe, dem Leser so fachliche und sachliche Diskussions-Argumente liefert, die über das eigene Empfinden und die Eigenwahrnehmung hinausgehen, und ihn gleichsam motiviert, den Fernseher o.ä. (noch) öfter im Stand-by-Modus zu belassen.

Zum anderen, gewährt es einen sehr guten Überblick über den historischen Ablauf der gesellschaftlichen Veränderungen, die das Aufkommen von zunächst Buchdruck und später elektronischen Medien auf das allgemeine Verständnis von Politik, Entwicklung, Bildung und Trivial-Information bewirkte. Postman erläutert sehr einleuchtend wie zunächst durch die aufkommende Dominanz des Buchdrucks, später dann der elektronischen Medien (Telegraphen, Radio, TV) die Gewichtung der Information und ihrer Relevanz sich massiv veränderten. Inzwischen kommt nun das Internet hinzu, was den Informations-Terror in immer neue Höhen treibt, so man sich ihm nicht gezielt entzieht. Letzteres konnte Postman damals noch nicht berücksichtigen, es sollte dem Leser aber ein Leichtes sein, den Faden gedanklich weiter zu spinnen.

Letztlich besticht Neil Postman vor allem durch seine hohe Sachlichkeit und Rationalität und behandelt das Thema nicht im Duktus einer Toten-Andacht oder Missionierungs-Rede. Er gönnt sich und dem Leser hie und da auch augenzwinkernde Polemik und er versteigt sich nicht im Ansatz zu irgendwelchen abstrusen Forderungen oder gar Schlachtrufen wie "Schafft alle TV-Geräte ab!" oder "Vergiftet alle Medienschaffenden!".
Das wäre auch vollkommener Unsinn. Eine Rückkehr in ein Zeitalter ohne Fernseher, Computer, Mobil-Telefone etc. ist ohnehin nicht realisierbar, ja nicht mal denkbar.

Neil Postman zeigt mit dem Buch Ursache und Wirkung auf und appelliert an den Gebrauch des Verstandes. Mehr können wir nicht tun.
Das Beklemmendste an der Lektüre dieses wichtigen Buches ist das Datum seiner Erst-Veröffentlichung. Postman schrieb "Wir amüsieren uns zu Tode" bereits Ende 1984. Sind wir der Gefahr und den Auswirkungen seit damals begegnet? Wider besseres Wissens, wir sind es nicht. Seither ist ein dramatisches Voranschreiten der Beliebigkeiten, der gefeierten Trivialitäten, der Krönung der Stumpfsinnigkeit zum Lebens-Sinn, eine ausufernde Veroberflächlichung der Kultur unverkennbar.

Umso wichtiger ist gerade heute die Lektüre dieses Buches, auch dann, wenn man sich im Groben über die fatalen Auswirkungen des Fernsehens und dessen massiven Beitrages zum Überschnappen einer völlig glücksbesoffenen Spaßgesellschaft im Klaren ist, und umso mehr, wenn man heute tatsächlich noch glaubt, die grassierende Bildungs-Erosion habe nichts mit dem intellektuellen Tiefflug und der grundsätzlichen Beschaffenheit (auch der des um Seriosität bemühten) Fernsehens zu tun.

"Problematisch am Fernsehen ist nicht, daß es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, daß es uns jedes Thema als Unterhaltung präsentiert!".
Mit diesem einen Satz, enthüllt Neil Postman treffend die große Gefahr. Das Buch ist eine genaue Analyse dessen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie
Gebraucht & neu ab: EUR 0,01
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen