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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der größte Komplott in der Geschichte der Religionen
Maria und Josef sind auf dem Weg nach Bethlehem, um an einer Volkszählung teilzunehmen. Maria ist hochschwanger und trägt die Frucht eines "Engels" in sich. Bei ihrer Niederkunft jedoch stellt sich heraus, dass es zwei Kinder sind, denen sie das Leben schenkt. Der Erstgeborene - Jesus - ist stark, der Zweitgeborene erscheint Maria kränklich und schwach,...
Veröffentlicht am 19. Juni 2011 von SA.M.T

versus
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Titel verspricht zu viel
Philip Pullman hat sich im Phantasy-Genre mit seinen mitunter tiefgründigen Erzählungen einen guten Namen gemacht. Immer wieder scheint darin die im vorliegenden Buch nun ausschließlich dargestellte Verwunderung über die Entwicklung der Kirche von der einfachen, menschlichen, nächstenliebenden Lehre eines Jesus zum (allzu häufig...
Veröffentlicht am 22. Februar 2011 von Alfons Klüpfel


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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der größte Komplott in der Geschichte der Religionen, 19. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus (Gebundene Ausgabe)
Maria und Josef sind auf dem Weg nach Bethlehem, um an einer Volkszählung teilzunehmen. Maria ist hochschwanger und trägt die Frucht eines "Engels" in sich. Bei ihrer Niederkunft jedoch stellt sich heraus, dass es zwei Kinder sind, denen sie das Leben schenkt. Der Erstgeborene - Jesus - ist stark, der Zweitgeborene erscheint Maria kränklich und schwach, doch just als die Weisen aus dem Morgenland ihrem Stern folgend in Bethlehem eintreffend, finden sie den jüngeren in der Wiege vor und bringen ihm ihre Geschenke. Christus - der Gesalbte - wird der Zweitgeborene fortan genannt. Die beiden Brüder wachsen auf und obwohl es Christus ist, dem es mehrfach gelingt Wunder zu vollbringen so ist es doch sein Bruder, der die Massen zu begeistern versteht. Jesus ist wie geschaffen dafür und schon bald zieht er predigend durchs Land. Christus - im Schatten seines mächtigen Bruders stehend - beginnt dessen Worte aufzuzeichnen, um sie der Nachwelt zu erhalten. Als er Besuch von einem Unbekannten erhält, der ihn auch noch dazu ermutigt seine Aufzeichnungen nicht nur wortwörtlich zu führen, sondern da und dort "zum besseren Verständnis" zu verbessern, ahnt er noch nicht, dass er damit den Grundstein für eine Institution legt, die 2000 Jahre später eine der größten Religionen der Welt sein würde ...

Philip Pullman ist hier ein überaus spannendes Werk gelungen, dass die These der Wiedergeburt Jesu einer verblüffend einfachen Erklärung zuführt, das aber auch durchwegs plausibel erklärt, wie die Dinge - von seinem Betrachtungspunkt aus - zusammenspielen.
Die größte aller Fragen bei seiner Theorie jedoch ist: wer ist der Unbekannte, der Christus motiviert und mit schlangenartiger Raffinesse dazu bringt, seinen Bruder auszuliefern? Ist es womöglich gar Satan selbst, der hier seine Hände im Spiel hat?

Dieses Buch wird jenen gefallen, die sich mit Verschwörungstheorien gerne auseinander setzen, es wird auch jenen gefallen, die der Kirche kritisch gegenüber stehen und durchaus bereit sind eine Alternative zur vermeintlichen Geschiche Jesu zu akzeptieren.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine wahrhaft frohe Botschaft!, 4. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus (Gebundene Ausgabe)
Auf der Rückseite heißt es in großen Lettern: DIES IST KEINE FROHE BOTSCHAFT.

Nachdem ich Pullmans "His Dark Materials"-Trilogie um den Goldenen Kompass, das magische Messer und das Bernstein-Teleskop gelesen hatte, war mir klar, was diese Worte bedeuten sollten: Als Gnostiker rechnet Pulmann mit der christlichen Kirche ab, die Jesus als Gottes Sohn für ihre Zwecke missbraucht hatte.

Für einen gläubigen Gnostiker steht Jesus für das Licht. Er ist eine niedergekommene Lichtgestalt, die verkündet, dass jeder die Erkenntnis (Erleuchtung) in sich trägt und somit ein Kind des höchsten Gottes (Ursprungs) ist. Ein Gott, der im übrigen nicht der Jahwe des alten Testamentes ist. Denn der, so heißt es aus gnostischer Sicht im Allgemeinen, ist der Demiurg, der die Materie (His Dark Materials) in die Welt gebracht hat und damit das Licht des Geistes in einer Hülle gefangen hält. Höchstes Ziel eines guten Gnostikern ist es also, sich dieser Hülle zu entledigen und den Geist zum Licht (Ursprung) zurückzuführen. Jesus ist nach dieser Überzeugung also der Lichtbringer (Luzifer), derjenige, der die Lichtteilchen, die in jedem ruhen aktiviert. Im Goldenen Kompass entspricht diesen Lichtteilchen der Staub. Dem Erleuchteten war es, nachdem er erfüllt war von diesen Lichtteilchen verboten, sich mit jemandem zu verbinden, dessen Blut vom materiellen Glauben verunreinigt war, das die Agenten (Matrix) des Demiurgen in die Welt gebracht hatten. Beiß' also besser ein Stück vom Apple ab und think different!

Ein Affront für die Kirchen also, für die Jesus der einzige Sohn Gottes ist und der Mensch ihm demütig und ohne Verstand zu dienen hat.

Nach der Aufklärung fanden diese gnostischen Ideen des erleucheten Blutes wieder Gefallen in den frühen Kreisen um Rudolf Steiner, den Theosophen, den Ariosophen, schließlich den Kosmikern um Alfred Schuler und Stefan George (hierzu gibt es ein faszinierendes zeitgenössisches Dokument von Franziska Gräfin zu Reventlow "Herrn Dames Aufzeichnungen" Super Tipp!) aus den 1910ern im Münchner Schwabing und gipfelte in den Rassentheorien des Nationalsozialismus.

Aus christlicher Sicht eine völlig verdrehte Welt. Aus Sicht gläubiger Gnostiker die einzige Wahrheit.

Ist "Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus" also eine Streitschrift eines überzeugten Gnostikers? Eine längst fällige Abrechnung mit der christlichen Kirche? Die Aufdeckung eines der größten Komplotte, die die Welt je gesehen hat? Ein Aufruf an die Gläubigen der Welt zur Umkehr, zur einzigen Wahrheit, bevor das jüngste Gericht naht?

Je weiter ich in diesem Buch vorangeschritten war und nach eindeutigen Zeichen für meine Theorie geforscht hatte und nur verwirrter wurde, weil nichts passte, um so deutlicher wurde mir, dass es Pulmann um etwas anderes ging.

Pulman ist kein Gnostiker sondern ein Historiker. Ein sehr nüchterner Historiker. So nüchtern, dass einem die Seligsprechungen Jesu bei seiner berühmten Bergpredigt unkommentiert im Hals stecken bleiben und man erst am Ende begreift, was Pulmann einem damit sagen will. Jesus war einfach nur ein Mensch. Und das ist für mich, als überzeugter Ungläubiger EINE GUTE BOTSCHAFT!

Auf 230 nicht eng beschriebenen Seiten teilt Pulman die Geschichte von Jesus und Christus in 48 kleine Häppchen mit Überschriften auf, die uns aus dem Neuen Testament größtenteils vertraut sind, wenn man es nicht kennt: Maria und Joseph, Die Empfängnis Jesu, Die Taufe Jesu, Die Versuchung Jesu in der Wüste, Jesus und der Wein, Jesus predigt auf dem Berg, Der Tod des Johannes, Jesus und die Geldwechsler, Jesus im Garten Gethsemane, Jesus und Pilatus, Maria aus Magdala am Grab und so weiter und so fort. Die Geschichten und Bilder eben, die man von Jesus-Verfilmungen aus der Kindheit kennt.

Gleich zu Beginn wird man damit konfrontiert, dass Jesus weitere Geschwister hat; darunter sein Zwillingsbruder Christus, dem in der "Heiligen Nacht" von drei Astrologen eine große Zukunft beschieden wird. Jesus ist ein kleiner Rabauke, der viel draußen ist, mit seinen Geschwistern und den Kindern auf der Straße spielt, dabei einigen Unsinn macht und stets zu spät nach Hause kommt, während Christus, ein eher ruhiger Junge, meist zu Hause bei Vater und Mutter bleibt, schon früh tief beseelt ist vom Glauben, viel betet und sehr empfänglich ist für das Übersinnliche und für eine mögliche Rolle als Gottessohn. Bis zu Jesus Taufe im Jordan blieb für mich unklar, wer von den beiden nun der Gottessohn sein sollte. Dann aber wird beschrieben, wie gerade der Tunichtgut Jesus von Heiligen Geist in Gestalt einer Taube zum geliebten Sohn auserwählt wird und fortan spielt Christus nurmehr die Rolle eines Beobachters, der aber immer wieder versucht, Jesus auf den rechten Pfad zu bringen und ihm vorzuschreiben, wie er sich künftig als Gottessohn zu verhalten habe, damit auch möglichst viele an ihn glauben und eine große Gemeinde entsteht. Jesus aber will sich nichts sagen lassen. Er hat seine eigene Interpretation von der Welt und die will er nicht zu Gunsten einer großen Anhängerschaft aufgeben. Jesus bleibt störrisch und unangenehm und das gefährdet den Aufbau einer Gemeinde und fördert stattdessen seine mögliche Gefangenschaft als Aufwiegler. Seine Predigten sind widersprüchlich und passen so gar nicht in unsere Vorstellung von Demokratie und Menschenrechten. Er predigt, man solle für seine Überzeugung seine Familie verleugnen und auch ruhig mal das Schwert sprechen lassen. Je nach Situation sind Geld und Besitz wichtig oder nicht und Tiere sind grundsätzlich weniger wert als Menschen. Auch die Rolle der Frau bleibt unklar und will sich nicht so ganz in unser "christliches" Werteverständnis fügen. Da fragt man sich doch: Häh?! Wieso ist Jesus jetzt der Gute? Wohin soll das Ganze führen?

Doch da tritt ein Fremder in Christus Leben und gibt ihm Ratschläge, wie sich Jesus doch noch erfolgversprechend vermarkten lässt. Christus glaubt in dem Fremden einen Engel, einen direkten Botschafter Gottes zu erkennen, doch Pulman lässt die Rolle dieser Figur bis zum Schluß offen und bis zum Schluß kann es sich auch einfach nur um einen geschickten Unternehmer handeln, der unerkannt bleiben will und Christus als Zeugen und Vertrauten braucht, um eine machtvolle und profitable Firma namens Kirche aufzubauen. Christus bleibt also immer mehr im Hintergrund, notiert Jesus Botschaften und deutet sie für die Nachwelt positiv um. Allerdings scheitert er als überzeugter Anhänger von Jesus Wundern und als frommer Gottesgläubiger bei dem Versuch, eine an Krebs leidende Hure, der er beischläft, selbst von ihrem Leid auf wundersame Weise zu heilen. Zudem erfährt er von Aussetzigen, wie Jesus Wunder tatsächlich funktionieren und in Wirklichkeit gar nicht so große Wunder sind und wie häßlich und unbelehrbar der Mensch sein kann. Und während Jesus ein ernsthaftes Zwiegespräch mit einem zweifelhaften Gebilde namens Gott führt (für mich mit die beste Passage) lässt sich der gescheiterte Christus von dem Fremden dazu überreden, wie Abraham ein Opfer zu bringen, und sein eigen Fleisch und Blut auszuliefern, um das Unternehmen Kirche voranzubringen und doch noch die Welt zu retten.

Und nun wird klar, was Pulman mit diesem Buch sagen will. Es gab einen von vielen Wanderpredigern, der in einem besetzten Land die unterschiedlichsten Ideen entwickelte, wie man sein Volk in eine bessere Situation führen könnte. Überzeugt von den seinerzeit kursierenden Weltanschauungen konstruiert sich dieser Wanderprediger eine mögliche Antwort auf die gegebenen Situationen. Weil er einfach nur ein Mensch ist, der sich Gedanken über die Welt macht, sind diese Konstruktionen natürlich fehleranfällig, angreif- und revidierbar. Sie sind gekennzeichnet von liebevollen Begegnungen genauso wie von Wut und Verzweiflung. All das was das Menschsein nunmal ausmacht. Um aus dieser Person nun einen Gottessohn zu machen, bedarf es des Zufalls in Gestalt eines Beobachter und "vielleicht" eines windigen Geschäftmachers, die aus den (Wider-)Sprüchen etwas stimmiges, schlüssiges und heiliges machen. Nur so lässt sich der Wanderprediger an die Bevölkerung und vor allem an die zukünftigen Machthaber verkaufen. Und so ist es ja bekanntlich auch geschehen. Das ist das einzige, was an dieser Geschichte wahr ist.

Eine wie gesagt wahrhaft FROHE BOTSCHAFT!
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Titel verspricht zu viel, 22. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus (Gebundene Ausgabe)
Philip Pullman hat sich im Phantasy-Genre mit seinen mitunter tiefgründigen Erzählungen einen guten Namen gemacht. Immer wieder scheint darin die im vorliegenden Buch nun ausschließlich dargestellte Verwunderung über die Entwicklung der Kirche von der einfachen, menschlichen, nächstenliebenden Lehre eines Jesus zum (allzu häufig menschenverachtenden) Leviathan Kirche, oder, um es griffiger auszudrücken: vom geliehenen Esel zum aus Kirchensteuern bezahlten Mercedes.

Im vorliegenden Buch verzichtet Pullman weitgehend auf seine eigenen erzählerischen Fähigkeiten, er zitiert vorwiegend mehr oder weniger wörtlich Geschichten und Gleichnisse aus den Evangelien. So bleiben aus meiner Sicht nur wenige Seiten wirklich lesenswert: 180 bis 189 aus dem Kapitel "Jesus im Garten Gethsemane".
Dafür ist das Buch zu teuer.

Zum Nachdenken und Nachlesen finde ich folgendes Buch aus dem selben Themenkreis spannender, kompetenter geschrieben und gleichzeitig eine gelungene Satire: "Das Evangelium nach Hoche", das ggf. über die Homepage des Autors Karl Hoche erhältlich ist.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die hier vorliegende vollständige Einspielung des Schauspielers Hanns Zischler ist eine echte Alternative zum Selbstlesen, 16. Februar 2011
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Der britische Schriftsteller Philip Pullman wagt in seinem neuen Buch etwas eigentlich Unerhörtes. Er verändert, ohne die entsprechenden Stellen genau zu markieren, die biblische Überlieferung vom Leben und vom Sterben des Jesus von Nazareth. Er tut das in der durchaus guten Absicht, etwas auf die Spur zu kommen, was Christen und Nichtchristen seit langem beschäftigt und über das Theologen und deren Kritiker seit Jahrhunderten viele dicke Bücher geschrieben haben.

Wie ist es dazu gekommen, so lautet die seit undenklichen Zeiten gestellte Frage, dass aus dem Liebesevangelium des Jesus von Nazareth eine verfasste Kirche mit Ordnungen und Hierarchien wurde, eine ausgefeilte theologische Dogmatik, die den einfachen Menschen, an die sich Jesus doch ursprünglich gerichtet hat, so fern ist wie der Mond und so unverständlich wie eine Sprache vom Mars.

Der greise Schweizer Pfarrer und Schriftsteller Kurt Marti hat eben in seinen "Spätsätzen" gesagt: "Ihm, Jesus, glaube ich Gott." Und, seien Sie versichert, so wie ihm geht es vielen Frauen und Männern, die jeden Sonntag in den immer leerer werdenden Kirchen unseres Landes (außer natürlich am Heiligabend) die Botschaft von der Liebe Gottes verkündigen und die oft mehrmals in der Woche in den Trauerhallen der Städte und Dörfer versuchen, den Menschen nahezubringen, dass Gott mit der Auferstehung Jesu Christi von den Toten dem Tod ein für alle mal die Macht genommen hat.

Deshalb sollten gläubige Christen dieses zugegebenermaßen gewagte Buch nicht vorschnell aus der Hand legen, sondern dem nachspüren, was Pullman ausdrücken will, obwohl er dazu an keiner Stelle des Buches selbst etwas sagt, sondern seinen Leser auch damit alleine lässt, herauszufinden, was denn nun von seinen Texten den biblischen Überlieferungen entnommen ist, was er erfunden hat, und wen oder welche geschichtliche Kraft er hinter dem für ihn schon noch zu Lebzeiten von Jesus feststehenden Verkirchlichung seiner Botschaft steht.

Sein Ansatz ist einfach. Maria hat nicht nur einen Sohn geboren im Stall von Bethlehem, sondern männliche Zwillinge. Jesus wird zum Prediger, der wie im Neuen Testament überliefert immer mehr Menschen um sich schart und tief von der baldigen Heraufkunft des Königsreich Gottes, der basilea tou theou, wie der griechische Urtext sagt, überzeugt ist. Sein Bruder Christus findet das durchaus gut, doch er ist skeptisch und fürchtet, dass Jesus bald Probleme mit der Obrigkeit bekommt. Ein Unbekannter und Namenloser, der "Fremde", schleicht sich bei Christus ein, und macht ihm deutlich, dass schon jetzt eingegriffen werden muss. Christus lässt sich von einem Jünger Jesu alles, was er nicht selbst miterlebt, berichten und schreibt es auf, verändert auch die eine oder andere Überlieferung schon so, dass für eine kirchliche Nachwelt plausibel wird. Christus hält den Fremden für einen Engel. Der kundige Theologe hört und liest aus seinen Worten die Theologie der Gnosis und des Johannesevangeliums heraus. Nach der Darstellung Pullmans ist es Christus, der Jesus verrät für die höhere Sache. Jesus selbst wendet sich in einer langen Rede im Garten Gethsemane kurz vor seinem Tod enttäuscht von Gott ab und Christus verändert die Erzählung vom Kreuzestod. Er streicht nämlich den Bericht, dass auch Jesus, so wie allen Gekreuzigten die Beine gebrochen wurden, um den Tod herbeizuführen, sondern führt die Wundmale ein. Christus ist es auch, der den Frauen am Grab als Engel, den sie für den Gärtner halten, erscheint, und er begegnet den Emmausjüngern.

Als evangelischer Theologe begrüße ich einen solchen literarischen Versuch, dem Geschehen nach dem Tod Jesu auf die Spur zu kommen, doch ich bemängele, dass Pullman keine Quellenangaben macht, seine historisch und in der heutigen Zeit meist auch biblisch nicht kundigen Leser zu einer steilen These verführt, die einfach gut kommt. So hat er bei seiner These vollkommen die Theologie des Paulus vergessen, der lange vor der gnostischen Tradition und lange vor der johanneischen Schule die wahrhaft prägende Interpretation des christlichen Glaubens gefunden hat, etwa im Römerbrief , in den beiden Korintherbriefen und in den Briefen nach Thessalonich.

Es ist unbestritten, dass es in der Zeit zwischen der mündlichen Überlieferung bis zur den ersten schriftlichen Zeugnisses der neuen christlichen Bewegung Veränderungen gab. Aber es grenzt schon an eine schlechte Verschwörungstheorie, dies schon zu Lebzeiten Jesu anzusetzen. Ein Literat darf das, aber Pullmans Buch ist von keiner einzigen echten Forschung zur Frühgeschichte des Christentums gedeckt.

Ich wünsche ihm dennoch viele Leser, weil es sich immer lohnt, sich mit der jesuanischen Tradition und mit dem, was aus ihr geworden ist, auseinanderzusetzen.

Noch einmal Kurt Marti: "Wir sollen nicht wollen, was wir nicht können, nämlich uns ein Bild von Gott machen. Und doch können wir uns Gott nicht ohne bildhafte Vorstellung denken. Halten wir es also wie die Bibel: Sie redet von Gott in vielen verschiedenen Bildern und lässt diese ins neutestamentliche Bekenntnis münden, Jesus Christus sei das menschliche 'Ebenbild des unsichtbaren Gottes'(Kolosserbrief 1,15)".

Die hier vorliegende vollständige Einspielung des Schauspielers Hanns Zischler ist eine echte Alternative zum Selbstlesen. In seiner Stimme, in seinem Tonus und seiner inneren Spannung, mit der er den Roman liest, bringt er den Konflikt zwischen Jesus und Christus, das was Pullman ausdrücken wollte, sehr gut zur Geltung.
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25 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nur teilweise gelungener Versuch sich literarisch mit der jesuanischen Tradition auseinanderzusetzen und ihren Folgen, 10. Februar 2011
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus (Gebundene Ausgabe)
Der britische Schriftsteller Philip Pullman wagt in seinem neuen Buch etwas eigentlich Unerhörtes. Er verändert, ohne die entsprechenden Stellen genau zu markieren, die biblische Überlieferung vom Leben und vom Sterben des Jesus von Nazareth. Er tut das in der durchaus guten Absicht, etwas auf die Spur zu kommen, was Christen und Nichtchristen seit langem beschäftigt und über das Theologen und deren Kritiker seit Jahrhunderten viele dicke Bücher geschrieben haben.

Wie ist es dazu gekommen, so lautet die seit undenklichen Zeiten gestellte Frage, dass aus dem Liebesevangelium des Jesus von Nazareth eine verfasste Kirche mit Ordnungen und Hierarchien wurde, eine ausgefeilte theologische Dogmatik, die den einfachen Menschen, an die sich Jesus doch ursprünglich gerichtet hat, so fern ist wie der Mond und so unverständlich wie eine Sprache vom Mars.

Der greise Schweizer Pfarrer und Schriftsteller Kurt Marti hat eben in seinen "Spätsätzen" gesagt: "Ihm, Jesus, glaube ich Gott." Und, seien Sie versichert, so wie ihm geht es vielen Frauen und Männern, die jeden Sonntag in den immer leerer werdenden Kirchen unseres Landes (außer natürlich am Heiligabend) die Botschaft von der Liebe Gottes verkündigen und die oft mehrmals in der Woche in den Trauerhallen der Städte und Dörfer versuchen, den Menschen nahezubringen, dass Gott mit der Auferstehung Jesu Christi von den Toten dem Tod ein für alle mal die Macht genommen hat.

Deshalb sollten gläubige Christen dieses zugegebenermaßen gewagte Buch nicht vorschnell aus der Hand legen, sondern dem nachspüren, was Pullman ausdrücken will, obwohl er dazu an keiner Stelle des Buches selbst etwas sagt, sondern seinen Leser auch damit alleine lässt, herauszufinden, was denn nun von seinen Texten den biblischen Überlieferungen entnommen ist, was er erfunden hat, und wen oder welche geschichtliche Kraft er hinter dem für ihn schon noch zu Lebzeiten von Jesus feststehenden Verkirchlichung seiner Botschaft steht.

Sein Ansatz ist einfach. Maria hat nicht nur einen Sohn geboren im Stall von Bethlehem, sondern männliche Zwillinge. Jesus wird zum Prediger, der wie im Neuen Testament überliefert immer mehr Menschen um sich schart und tief von der baldigen Heraufkunft des Königsreich Gottes, der basilea tou theou, wie der griechische Urtext sagt, überzeugt ist. Sein Bruder Christus findet das durchaus gut, doch er ist skeptisch und fürchtet, dass Jesus bald Probleme mit der Obrigkeit bekommt. Ein Unbekannter und Namenloser, der "Fremde", schleicht sich bei Christus ein, und macht ihm deutlich, dass schon jetzt eingegriffen werden muss. Christus lässt sich von einem Jünger Jesu alles, was er nicht selbst miterlebt, berichten und schreibt es auf, verändert auch die eine oder andere Überlieferung schon so, dass für eine kirchliche Nachwelt plausibel wird. Christus hält den Fremden für einen Engel. Der kundige Theologe hört und liest aus seinen Worten die Theologie der Gnosis und des Johannesevangeliums heraus. Nach der Darstellung Pullmans ist es Christus, der Jesus verrät für die höhere Sache. Jesus selbst wendet sich in einer langen Rede im Garten Gethsemane kurz vor seinem Tod enttäuscht von Gott ab und Christus verändert die Erzählung vom Kreuzestod. Er streicht nämlich den Bericht, dass auch Jesus, so wie allen Gekreuzigten die Beine gebrochen wurden, um den Tod herbeizuführen, sondern führt die Wundmale ein. Christus ist es auch, der den Frauen am Grab als Engel, den sie für den Gärtner halten, erscheint, und er begegnet den Emmausjüngern.

Als evangelischer Theologe begrüße ich einen solchen literarischen Versuch, dem Geschehen nach dem Tod Jesu auf die Spur zu kommen, doch ich bemängele, dass Pullman keine Quellenangaben macht, seine historisch und in der heutigen Zeit meist auch biblisch nicht kundigen Leser zu einer steilen These verführt, die einfach gut kommt. So hat er bei seiner These vollkommen die Theologie des Paulus vergessen, der lange vor der gnostischen Tradition und lange vor der johanneischen Schule die wahrhaft prägende Interpretation des christlichen Glaubens gefunden hat, etwa im Römerbrief , in den beiden Korintherbriefen und in den Briefen nach Thessalonich.

Es ist unbestritten, dass es in der Zeit zwischen der mündlichen Überlieferung bis zur den ersten schriftlichen Zeugnisses der neuen christlichen Bewegung Veränderungen gab. Aber es grenzt schon an eine schlechte Verschwörungstheorie, dies schon zu Lebzeiten Jesu anzusetzen. Ein Literat darf das, aber Pullmans Buch ist von keiner einzigen echten Forschung zur Frühgeschichte des Christentums gedeckt.

Ich wünsche ihm dennoch viele Leser, weil es sich immer lohnt, sich mit der jesuanischen Tradition und mit dem, was aus ihr geworden ist, auseinanderzusetzen.

Noch einmal Kurt Marti: "Wir sollen nicht wollen, was wir nicht können, nämlich uns ein Bild von Gott machen. Und doch können wir uns Gott nicht ohne bildhafte Vorstellung denken. Halten wir es also wie die Bibel: Sie redet von Gott in vielen verschiedenen Bildern und lässt diese ins neutestamentliche Bekenntnis münden, Jesus Christus sei das menschliche 'Ebenbild des unsichtbaren Gottes'(Kolosserbrief 1,15)".
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Jesus und Christus, 6. März 2011
Von 
Sophia! - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus (Gebundene Ausgabe)
"Gott wird sein Reich auf seine Art bringen, und zwar dann, wenn es ihm gefällt."
_
Philip Pullman, Autor des bereits verfilmten Romans "Der goldene Kompass", erzählt eine radikal provozierende Geschichte, die keinesfalls als frohe Botschaft bezeichnet werden kann.
Jesus und Christus sind nicht ein und dieselbe Person, sondern Zwillinge!
Am Anfang des Buches scheint es so, als sei Christus der gute Herr und Jesus der Schurke. Denn Jesus ist der aktivere der beiden Brüder, der aufmüpfige, der gegen die vorgegebene Ordnung Widerstand leistet und dadurch auch seinen Eltern Kummer nicht erspart. Christus hingegen ist ruhig und traditionsbewusst. Die heilige Schrift kennt er nur allzu gut.
Relativ schnell stellt sich heraus, was Christus von seinem Bruder möchte. In der Wüste übernimmt er die Rolle des Bösen, indem er seinen Bruder zu bewegen versucht, feste Glaubensregeln aufzustellen und somit ein System für die einfachen Leute zu schaffen. Jesus lehnt entschieden ab. Aufgrund zunehmender gesellschaftlicher Ungerechtigkeiten trifft er dann doch den Entschluss zu predigen und das Wort Gottes zu verkünden.
Dabei provoziert er ganz bewusst. Jesus vergibt Sünden und macht keinen Unterschied zwischen seiner Familie und Außenstehenden, vielmehr sieht er in jedem einen Bruder oder eine Schwester.
Während Jesus aktiv Menschen begegnet und ihnen hilft, hält sich Christus unauffällig im Hintergrund. Angestiftet von einem mysteriösen Fremden schreibt er Jesu Worte, ohne dessen Wissen, auf. Dabei verzichtet er nicht auf zahlreiche Veränderungen und Verbesserungen.
Schließlich geht es um die Wahrheit, die festgehalten werden soll und nicht um historische Fakten.
Am Schluss ist es Christus, der Jesus auf Befehl eines Engels verraten soll. Die Auferstehung ist eine Inszenierung, die Menschen dazu bewegen soll, Gutes zu tun.
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Dieser Band regt zum Nachdenken an über den historischen Jesus und den Christus des Glaubens. Pullman greift dabei sowohl Politik und Gesellschaft als auch Religion und insbesondere die Institution Kirche an, deren Machtstrukturen und Regeln oftmals Negatives bewirken. Das Buch ist eine kritische Auseinandersetzung mit eben diesem Negativen. Der Text ist in einzelne Kapitel unterteilt und gut lesbar. Es handelt sich um eine Mischung aus biblischem Wissen und Fiktion. Besonders interessant ist das Kapitel Jesus im Garten Gethsemane. An dieser Stelle zweifelt er an seinem Glauben und beklagt sich darüber, dass er von Gott niemals eine Antwort erhält. Hier lehnt er eine organisierte Form der Kirche erneut entschieden ab. Falls es dennoch zu einer Institution kommen sollte, wünscht er sich folgendes:
"Dass eine Kirche, die in deinem Namen aufgebaut wird, arm bleibt, arm und machtlos und bescheiden. Dass sie über keine andere Autorität verfügt als über die Autorität der Liebe. Dass sie niemanden ausschließen darf."
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Fazit: Eine außergewöhnlicher Text, der auch unangenehme Aspekte anspricht und zur Reflektion der Akte Jesu anleitet.
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5.0 von 5 Sternen Sehr mutig, gut gelungen!, 11. April 2013
Philip Pullman bewegt sich mit diesem Buch auf dünnem Eis, schreibt er doch seine eigene Geschichte über Jesus Leben. Andererseits ... warum nicht? Jeder sollte das Recht haben, seine eigenen Vorstellungen dieses weltberühmten Mannes niederzuschreiben.
Wahre (oder was offiziell als wahr ausgelegt wird) Gegebenheiten kleiden dabei das Buch aus, so dass für den Leser tatsächlich ein historischer Mehrwert entsteht.
Mich hat dieses Buch sehr zum Nachdenken über die Geschichte Jesu angeregt; noch nie zuvor habe ich mich nach dem Lesen dieses Buches so sehr mit den Evangelien beschäftigt.
Dieses Buch ist klasse!
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2.0 von 5 Sternen Warum bloß???, 3. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus (Gebundene Ausgabe)
Warum bloß hat uns der Autor dieses Buch angetan? Zu viele Verschwörungsbücher gelesen?Mit Dan Brown ein paar Tütchen durchgezogen und dann an einem Tag heruntergekurbelt?
Ich gebe ja zu....teilweise recht witzig und provokativ geschrieben ( wenn auch nicht sonderlich subtil) ist es als U-Bahn Lektüre durchaus zu empfehlen.Über diese Thematik gibt es eindeutig bessere Bücher( Christopher Moore..zb.).
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5.0 von 5 Sternen einmal eine andere Sichtweise, 14. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein sehr interessanter Aspekt, den hier Pullman verfolgt.
Bei Zwillingen könnte es sich tatsächlich so abgespielt haben.
Interessant, köstlich, unterhaltsam.
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1.0 von 5 Sternen Schundroman, 8. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus (Gebundene Ausgabe)
Ich fand den Roman einfach nur schlecht, und zwar sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Und nicht einmal provokant. Dazu ist er viel zu unoriginell und fad.
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Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus
Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus von Phillip Pullman (Gebundene Ausgabe - 14. Februar 2011)
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