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21 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Die untergehende Sonne hing wie ein Blutklumpen über dem Horizont."
"Der Krieg wollte uns im Frühling töten."
So beginnt Kevin Powers Debütroman über einen jungen Mann, der zwischen 2004 und 2005 als Maschinengewehrschütze im Irak-Krieg stationiert ist. Der Krieg tötet allerdings im Herbst, im Oktober. Jedoch nicht ihn, sondern seinen Freund. Das erfährt der Leser bereits auf den ersten Seiten...
Vor 15 Monaten von HG veröffentlicht

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Drei Sterne für eine kleine Manipulation
Macht es überhaupt Sinn eine Rezession zu schreiben, wenn man sich entschieden hat drei Sterne zu geben? Ich befürchte die Leser neigen zu Extremwerten. Also schaut man vermutlich meistens nur die ein oder fün Sterne Rezessionen an.
Ich habe mich trotzdem entschieden als 26. etwas zu schreiben. Ich werde allerdings auf Inhaltsangaben oder...
Vor 3 Monaten von Jaydee veröffentlicht


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21 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Die untergehende Sonne hing wie ein Blutklumpen über dem Horizont.", 6. April 2013
Von 
HG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Sonne war der ganze Himmel: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Der Krieg wollte uns im Frühling töten."
So beginnt Kevin Powers Debütroman über einen jungen Mann, der zwischen 2004 und 2005 als Maschinengewehrschütze im Irak-Krieg stationiert ist. Der Krieg tötet allerdings im Herbst, im Oktober. Jedoch nicht ihn, sondern seinen Freund. Das erfährt der Leser bereits auf den ersten Seiten dieses beeindruckenden, schockierenden, ja, sprachlos machenden Buches. Und eigentlich gibt es auch gar keine Jahreszeit, an die man seine zerstörerische Wucht festzurren könnte. Denn jener Krieg tötete immer. Jeder Krieg tötet. Permanent. Und: Er nimmt nicht nur Leben, sondern zerstört auch Seelen.

"Ich merkte damals nicht, wie grausam meine Abgebrühtheit war. Der Tod von Menschen war etwas ganz Natürliches. (...) Ich musste durchhalten. Und um durchhalten zu können, musste ich einen klaren Blick bewahren, mich auf das Wesentliche konzentrieren. Unsere Aufmerksamkeit gilt meist dem, was selten ist, und der Tod war keine Seltenheit." Man liest diese stilistisch auf hohem Niveau geschriebenen Zeilen des US-amerikanischen Autors über eine der sinnlosesten und bis heute nicht erklärbaren Offensiven mit angehaltenem Atem und gleichzeitig großer Faszination. Wie Faust zu Wagner so möchte man rufen: "Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust...". Denn wie Powers die Schrecken und die Anspannung, die Gräuel, die Schönheit von Landschaften beschreibt, wie er einen Blick in die Seele seines Protagonisten zeichnet, ist faszinierend und bestürzend zugleich.

Über einen Zeitraum von sechs Jahren, beginnend ab 2003 bis 2009, begleitet der Leser Private (Soldat) John Bartle auf seinem "Ritt durch die Hölle". In elf Kapiteln und wechselnden Zeitebenen zeichnet Kevin Powers trotz feiner und sensibler Pinselstriche, schonungslos ehrlich, plastisch und drastisch, die hässliche Fratze des Krieges und den Irrweg seines aus Richmond, Virginia stammenden "Helden", der in Al Tafar, in die so geschichtsträchtige Region des Zweistromlandes, mitten in den bürgerkriegs-ähnlichen Zustand nach dem Sturz seines Diktators, geworfen wird. Dort, im sonnenverbranntem Staub von Ninive, bei Patrouillengängen in den Irrgärten finsterer Gassen, bei Schlachten in den "pockennarbigen Tälern aus Backsteinen und Beton" mit sprengstoffgefüllten "Körperbomben" und dem immer wieder vor Augen geführten jämmerlichen Verrecken, erlebt er Dinge, die den besseren Teil seines Selbst zurückzulassen scheinen.

Nach seinem knapp zehnmonatigen Einsatz ist er nur noch ein Schatten seiner selbst: ein erodierter Stein, der langsam verwittert und in seine Bestandteile zerfällt - ein Wrack. Wieder zu Hause will er den Beweis für sein "Noch-Am-Leben-sein", im Gegensatz zu seinem getöteten Freund Daniel Murphy, möglichst klein halten. Er kapselt sich ab, verwahrlost. Das Krächzen der heimatlichen Krähen wird in seinen Ohren zum ohrenbetäubenden Lärm einschlagender Mörsergranaten und der Wunsch, einfach nicht mehr aufzuwachen, allgegenwärtig. "Es war, als hätte ich die Welt, die ich gerade hinter mir gelassen hatte, auf diese übertragen." Die Gespenster des Krieges haben sein Innerstes fest im Griff. John Bartle ist zu einem seelischen Krüppel geworden, beladen mit einer Schuld um den Tod des Freundes.

Was war passiert?
"Was passiert war? Was verdammt nochmal passiert war? Darum geht es doch gar nicht, dachte ich. Warum diese Frage? Wie das Unerklärliche erklären? Die Ereignisse zu beschreiben, die banalen Fakten, die Chronologie - das wäre gewissermaßen Verrat gewesen. Wenn die fein säuberlich aufgereihten Dominosteine der Momente durch die Wucht einer vagen, undefinierbaren Ursache umgestoßen werden, zeigt das ja nur, dass alle Dinge einmal fallen werden. Das ist ihr Schicksal. Die Schilderung dessen, was geschah, reicht nicht aus. Alles geschah. Alles fiel."

Mehr möchte auch ich nicht sagen. Außer: Danke an Kevin Powers für dieses Buch. Dank auch an Henning Ahrens für die Übertragung ins Deutsche!

Fazit: Ein Buch, das in seiner Eindringlichkeit schmerzt. Lesen!
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27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Voller Schönheit und Schrecken, 26. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Sonne war der ganze Himmel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich dachte, Soldaten sind Befehlsempfänger, keine Denker. Ich dachte, Soldaten sind Kämpfer, keine Dichter. Ich dachte, Kriegsromane interessieren mich nicht. Kevin Powers hat all meine Vorurteile weggefegt. Selten habe ich zu einer Romanfigur eine so intensive Verbindung gefühlt wie zu seinem Ich-Erzähler, Private John Bartle. Powers hat es geschafft, Worte für das Unsagbare zu finden. Worte, voller Schönheit und Schrecken. Davon, wie junge Männer vom Schlachtfeld zurückkehren. Körperlich gesund. Seelisch verletzt. Ohne Heimat. Ohne Hoffnung. Ohne Deckung. Und ihr ganzes Leben liegt noch vor ihnen.

“Der Krieg wollte uns im Frühling töten”, heißt es direkt im ersten Satz. Es ist ein Spiel aus Angst und Ampehtaminen, das der 21-jährige Private John Bartle und sein 18-jähriger Truppenkamerad Murph jeden Tag spielen. Sie zählen die Toten von einem Häuserdach, auf dem sie Stellung bezogen haben. Ein Dach in der fiktiven Provinzstadt Al Tafar. Eine Szenerie aus Staub und Beton wie in einem Videokriegsspiel. Keiner will der Tausendste Gefallene sein. Es geht nicht darum, dem Tod zu entkommen, denn der ist allgegenwärtig. Es geht darum, dem Geschoss oder der Sprengfalle auszuweichen, auf der dein Name eingeritzt ist. Letztendlich ist es die Zeit, die Murph immer mehr zermürbt und später tötet. Er knickt ein. Und mit ihm John. Denn vor der Abreise hat er Murphs Mutter versprochen, auf ihren Sohn aufzupassen. Ein leicht hingesagtes Versprechen, an dem er zerbricht.

Dieser autobiographisch gefärbte Roman ist keine politische Anklage an das US-Militär, die amerikanische Regierung oder das Militär. Es ist im allerbesten Sinne ein sehr persönliches Schicksal, das aber gerade weil es kein Einzelfall ist, für sich steht. Powers findet für Johns Zerrissenheit eine überraschend literarische Sprache, die einen mitten ins Herz trifft. Sensibel, einfühlsam, melancholisch, intim. Eine große Bereicherung. Wer annährend wissen will, wie Krieg sich über die Fakten hinaus anfühlt, der kriegt hier eine ungefähre Vorstellung.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein überzeugendes und bewegendes literarisches Debüt, 27. März 2013
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die Sonne war der ganze Himmel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kevin Powers, dessen überzeugendes und bewegendes literarisches Debüt in der sensiblen Übersetzung von Henning Ahrens hier bei S. Fischer einem deutschen Publikum präsentiert wird, war selbst von 2004 bis 2005 als US- Soldat im Irak stationiert, wo er als Maschinengewehrschütze in Mosul und Tal Afar kämpfte. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg studierte er Literatur an verschiedenen Universitäten und hat es mit seinem Roman „Die Sonne war der ganze Himmel“ sofort zum New York Times - Bestseller gebracht und ist mit dem Guardian First Book Award ausgezeichnet worden.

Mit vielen persönlichen, nach einer langen Zeit der Reflexion gereiften Erfahrungen angereichert, erzählt Kevin Powers die Geschichte seines 21-jährigen Alter Egos John Bartle, der zusammen mit seinem 18 -jährigen Freund Daniel Murphy in einen Krieg geschickt wird, auf den sie niemand vorbereitet hat. Im Buch nennt er ihren Einsatzort in der Provinz Ninive Al Tafar.

Private John Bartle ist schon einige Jahre bei der Armee, als er während der Vorbereitung auf den Irak – Einsatz in Fort Dix in New Jersey seinen späteren Freund Murph kennenlernt: „Während ich auf ihn wartete, überlegte ich, was ich ihm erzählen sollte. Ich war schon einige Jahre in der Army. Es war eine ganz gute Zeit gewesen, die Army bot mir die Möglichkeit, abzutauchen. Ich muckte nicht auf und tat, was man mir auftrug. Niemand erwartete viel von mir, und ich verlangte wenig. Ich hatte so gut wie nie einen Gedanken an einen Kriegseinsatz verschwendet, und nun, da er kurz bevorstand, suchte ich vergeblich nach einem Gefühl innerer Dringlichkeit, das den Ereignissen entsprach, die sich in meinem Leben zu entfalten begannen. Alle anderen waren verrückt vor Angst, aber ich weiß noch, dass ich vor allem Erleichterung verspürte.“ Er erlebt es als Freiheit, keine eigene Entscheidung treffen zu müssen. Doch nach langen Jahren des Nachdenkens notiert er: „Wie ich erst später feststellen sollte, ist Freiheit nicht das gleiche wie offiziell beglaubigte Verantwortungslosigkeit. “

Und obwohl er Unglaubliches erlebt und neben denen, die er selbst erschießt, Unmengen an Leichen auch ziviler Opfer sehen muss, obwohl er seinen ihm ans Herz gewachsenen Freund Murph verliert, der im Kampf fällt, sind die Aufzeichnungen und Erinnerungen von Private John Bartle alias Kevin Powers keine Abrechnung mit dem Krieg oder mit der amerikanischen Politik. Es ist die literarisch intensive Auseinandersetzung mit dem Schicksal eines Einzelnen, die aber dennoch für viele steht und das Buch in den USA so erfolgreich gemacht hat. Es ist die Geschichte eines jungen Soldaten und seines Erwachsenwerdens, das erstaunliche Porträt einer besonderen Freundschaft zweier junger Männer. Das Buch beschreibt in einer ungewöhnlichen Dichte und mit beeindruckenden Bildern den Verlust von Unschuld und ist ein beachtliches Beispiel dafür, wie es der Literatur gelingen kann, im Erinnern nicht nur den sich Erinnernden selbst zu befreien, sondern auch seinen Leser damit anzustecken.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kriegstrauma literarisch verarbeitet..., 22. April 2013
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Sonne war der ganze Himmel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wer einmal einen autobiographischen Roman eines jungen Soldaten, hier am Beispiel Irak 2004, lesen möchte, der das Kriegstrauma literarisch verarbeitet, liegt hier richtig. Das Besondere ist nicht nur, dass man darin einen eigenen Erfahrungsreichtum wahrnimmt, sondern eben auch diese in eine literarische Form zu bringen, die selten ist, dazu noch ein Debut, das erstaunlich überzeugt, auch wenn der Hintergrund alles andere als leichte Kost wäre...

Im Mittelpunkt stehen der 21jährige John Bartle, Ich-Erzähler, und der achtzehnjährige Daniel Murphy, die beide aus Virginia sind, sich vor ihrem Kriegseinsatz kennenlernen, bevor sie dann gemeinsam zu ihrem Kriegseinsatz nach Al Tafa in der Provinz Ninive gehen. Eigentlich wird uns die ganze Geschichte von Private John Bartle erzählt, der sich an viele Kriegsmomente erinnert, die etwas Traumatisches in sich tragen, bei all der brutalen und grausamen Realität, mit dem die jungen Männer umzugehen haben. Beide Männer sind von einer naiven Neugier und Abenteuerlust motiviert, werden mit der drastischen Realität konfrontiert, die erste unsichtbare Schäden seelischer Art bei beiden Männern abzeichnet...

In Zeitsprüngen, zwischen 2003 und 2009 springt der Autor hin und her, geht von Gegenwart in die Vergangenheit, bis wir Private John Bartle im Gefängnis wieder treffen. Sein Versprechen, dass er der Mutter von Murph gab, konnte er leider nicht halten. Er wird Zeuge, von dem was man schon anfangs ahnt, dass nämlich sein naher Kollege dort sein Leben verlieren wird. Nicht nur seine Mutter will wissen was mit ihrem Sohn dort geschehen ist, auch für den Leser veranschaulicht Kevin Powers langsam die Geschichte jenes jungen naiven Mannes, der dort völlig traumatisiert wird und freiwillig dem eigenen Tod in die Hände läuft...

In den USA dürfte dieser Roman noch einmal ganz anders aufgenommen werden, als in Europa. Das wirklich Besondere an diesem Buch ist, das man Erlebtes und Erfahrenes aus diesem Roman herausspürt, was diese Geschichte umso authentischer macht. Dass die Brutalität des Krieges literarisch verarbeitet wird, macht diese Lektüre zusätzlich interessant und wertvoll, auch wenn der Hintergrund und der Verlauf der Geschichte natürlich sehr schmerzhaft ist. Ein Roman, der von der seelischen Deformierung eines solchen Einsatzes erzählt, vom Verlieren einer Unschuld, die diese Soldaten ja alle in sich tragen, und den Folgen, wie Kriegsbilder über ihren Einsatz hinaus Jahre einen verfolgen können. Ein sehr nahe und eindringlicher Roman, der einen aufwühlen kann, als Leser bekommt man das Gefühl, sich ein wenig mehr in jene Soldaten einzufühlen, deren innere Verletzungen wir nur erahnen können...
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was bedeutet "Krieg" für den einzelnen Soldaten?, 5. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Sonne war der ganze Himmel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kevin Powers hat das ungewöhnliche Zeugnis einer Kriegsteilnahme mit allen Schrecken und Schmerzen in seinem Debütroman zum Thema genommen. Er ist in Gestalt des Icherzählers der Protagonist, der den Irakkrieg mit gemacht hat.

Zwischen den Jahren 2003, 2004, 2005 und 2009 beschreibt er seine Erlebnisse als Teilnehmer des kruden und grausamen Krieges im Irak. Fast kein Soldat wusste so richtig, was ihn beim Aufbruch in den Irak erwarten würde.
John Bartle und sein 18 jähriger Truppenkamerad Daniel Murphy ziehen mit Ängsten aber auch Erwartung in diesen Krieg, der sich ihnen bald schon als barbarisch, heimtückisch und sinnlos erweist.
Die beiden haben sich wie vielleicht viele andere freiwillig aus jugendlichem Überdruss und einer Laune heraus zur Army gemeldet. Diese Jungs sind fast noch Kinder, als sie sich zum Töten bereit fanden. Im nun anstehenden Kampf sehen sie erst, dass es ums Überleben geht und sonst nichts. Sie sehen die Leichen und erfahren eine bestialische Zerstörung an Körper und Seele und müssen sich in alles schicken.

Die Hitze, die Unwägbarkeiten und Überfälle in der Stadt Al Tafar sind schrecklich und werden nur ertragen, indem man sich hart gegen die Toten macht. John hat leichtsinnigerweise der Mutter von Murph versprochen, ihn heil wieder nach Hause zu bringen. Solche Versprechungen waren nicht haltbar, doch John konnte sich den Bitten von Murphys Mutter nicht entziehen. Dass alles ganz anders kommt als erwartet, zeigt erst den ganzen Wahnsinn des Krieges.

In einer Mischung aus Neugierde, Angst, Wut und dem Strudel der Kriegsereignisse zeigt John Bartle emotionsgeladen das Entsetzen im Angesicht von Zerstörung und Kampf.
Kevin Powers ist sprachmächtig und gewandt. Mit seinem feinsinnigen und urteilssicheren Wortschatz schildert er Heimweh verloren die Natur in seiner Heimatstadt Richmond/ Virginia oder Sonnenaufgänge und stille Augenblicke im Irak.
In Gestalt von John Bartle hat er wahrhaftig die Gabe, Emotionen der verschiedensten Schattierungen in differenzierter Weise auszudrücken. So ist er einmal nachdenklich, dann wieder aufgewühlt, melancholisch und anrührend in seinen Gefühlen dem jungen Murph und anderen Kameraden gegenüber. Die Wucht, mit der er die Grausamkeiten und die Heimtücke dieses Krieges aufzeigt, ist faszinierend. Da das Buch kein Heldenepos ist sondern eine reine und wahrhaftige Bekanntgabe der eigenen Befindlichkeit im Zustand der Verzweiflung und Zerstörung, liest man gebannt und ergriffen, zu welchen Gefühlen dieser junge Autor fähig ist.

Man kann seinen Debütroman nur empfehlen. Henning Ahrens hat ihn treffend und sensibel übersetzt.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kommt ein Mann aus dem Krieg ..., 29. März 2013
Von 
Buchdoktor - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Sonne war der ganze Himmel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Bei ihrem ersten Zusammentreffen findet John Bartle seinen Kameraden Daniel Murphy reichlich jung. "Murph" war genau genommen kein Mann, sondern ein Junge. Dabei ist der andere Soldat, der wie Daniel aus Virginia stammt, nur drei Jahre jünger. Aus Gutmütigkeit und um Daniels Mutter über den Abschied zu trösten, verspricht Bartle, sich um den jüngeren Soldaten zu kümmern und ihn wieder nach Hause zurückzubringen. Beide Männer werden 2004 in den Irak geschickt, in einen Krieg, auf den sie niemand vorbereitet hat und in ein Land, über das die Befehlshaber gefährlich wenig wissen. Mit der Erfahrung des knapp Dreißigjährigen schreibt Bartle seine Geschichte auf und sieht sich selbst im Rückblick als sehr jungen Mann, der sich aus Abenteuerlust, zum Entsetzen seiner Eltern, zur Armee meldete. Bartle und Murphy geben sich äußerlich abgebrüht. Den Krieg personalisieren sie als jemanden, der sie töten will. Die Zahl der Gefallenen wird zur statistischen Spielerei, wenn die Männer abzählen, dass sie ungern exakt der 1000. tote US-Soldat in diesem Krieg sein möchten. Private Bartle kehrt ohne Murphy aus dem Irak zurück. Weil er sein Versprechen gegenüber „Murphs“ Mutter nicht halten konnte, fällte er eine ungewöhnliche Entscheidung, deren Folgen er auch jetzt noch nicht absehen kann. Murphys Mutter hat ein Recht darauf, von Bartle die Todesumstände ihres Sohnes zu erfahren. Je mehr der jedoch versucht, sich an „Murph“ zu erinnern, je stärker gleicht seine Erinnerung einem löcherigen Gewebe. Bartle, nur körperlich unversehrt, zieht sich völlig von anderen Menschen zurück. Der Veteran hat gerade erst seine persönliche Grenze zwischen Erinnerungen, Wahrheit und dem Erzählten neu justiert und fremdelt immer noch im Umgang mit Zivilisten. Für Angehörige und Freunde ist es nicht einfach, mit Männern umzugehen, die von der Nation öffentlich heroisiert und mit ihren Problemen allein gelassen werden. Der Protagonist in Powers' autobiografischem Debütroman dringt durch das Aufschreiben seiner Kriegserinnerungen schließlich zu den tatsächlichen Motiven vor, aus denen er sich damals naiv-forsch zu Armee meldete.

Powers lässt seinen Icherzähler schmerzlich-schön vom Krieg gegen einen oft unsichtbaren Gegner und der Rückkehr ins Zivilleben berichten. Ein großartiger Roman, der lange nachwirkt.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein Leseschatz, 13. April 2013
Von 
Bücherhimmel (Belm) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Sonne war der ganze Himmel: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Die Sonne war der ganze Himmel" ein literarisches Debüt, was Seinesgleichen sucht. Ein Buch, dass die "Fratze" des Krieges in allen Einzelheiten zeigt und durch die treffende Sprache des Autor noch mehr an Intensität gewinnt und den Leser berührt und voller Schrecken angesichts des Schicksals seines Protagonisten Private John Bartle zurücklässt.

Kevin Power findet für diese Schrecken des Krieges Worte und Sätze, die das Geschehene noch intensiver spürbar machen.Private John Bartle zieht mit 21 in den Irakkrieg, sicherlich nicht wissend, was ihn dort erwartet.Doch die Realität übertrifft alles. Die Toten, die auf der Straße oder auf den Feldern liegen, werden nicht weggeräumt , sondern verwesen an Ort und Stelle. Menschlichkeit ist hier nicht gefragt, sondern einzig und allein das Überleben.Jeden Tag kämpft man darum, nicht getroffen zu werden und überlässt nichts dem Zufall. Da durchlöchert man die Leichen , um sicher zu gehen, dass dieser Mensch wirklich tot ist, oder nicht eine Bombe bei sich hat..Da werden Zivilisten getroffen, Greise, Frauen und Kinder, weil sie zufällig im Weg stehen.Doch nicht alle kommen mit diesem Leben klar, werden sensibler und somit unvorsichtiger und zahlen mit dem Tod.So wie Johns 18 jährigen Freund, der den Tod findet, der ihm wie eine Erlösung erscheint. Doch John stürzt er in eine tiefe emotionale Krise. Hat er Murphs Mutter doch das Versprechen gegeben, ihn lebend und gesund wieder nach Hause zu bringen.

Dieses Debüt des Autors Kevin Powers, das autobiographische Züge trägt, zeigt deutlich die Wunden , die der Krieg den Soldaten schlägt, die zu Hause angekommen, nicht mehr fähig sind ein normales Leben zu führen, sich vielleicht sogar das Leben nehmen.
Die wunderbare Sprache des Autors macht das Buch zu einem wunderbaren Leseerlebnis, trotz all der Grausamkeiten, die diese Geschichte offenbart." Die Sonne war der ganze Himmel" ist ein Leseschatz, den man sich nicht entgehen lassen sollte
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterhafte Übersetzung ins Deutsche, 1. Mai 2013
Von 
Peter Zmyj (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Ich muss gleich vorweg sagen, dass ich (noch) nicht das ganze Buch gelesen, sondern lediglich die kostenlos heruntergeladenen Leseproben (englisches Original und deutsche Übersetzung) verglichen habe. Als jemand, der selbst englischsprachige Literatur übersetzt, muss ich mich vor der souveränen Glanzleistung von Henning Ahrens verneigen. Dieser Übersetzer hat es fertiggebracht, die wortgewaltige Stimme und poetische Sprache des Originals meisterhaft auf Deutsch umzusetzen. Allein schon deswegen empfehle ich dieses Buch.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Drei Sterne für eine kleine Manipulation, 29. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Sonne war der ganze Himmel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Macht es überhaupt Sinn eine Rezession zu schreiben, wenn man sich entschieden hat drei Sterne zu geben? Ich befürchte die Leser neigen zu Extremwerten. Also schaut man vermutlich meistens nur die ein oder fün Sterne Rezessionen an.
Ich habe mich trotzdem entschieden als 26. etwas zu schreiben. Ich werde allerdings auf Inhaltsangaben oder Zusammenfassungen verzichten. Das ist schon vielen Schreibern hier vollkommen überzeugend gelungen.
Ich möchte mein "Leid" weitergeben und kurz meine Probleme mit dem Buch schildern. Gekauft habe ich "Die Sonne war der ganze Himmel" ganz spontan in der Buchhalndlung; also ein Spontankauf. Interessanter Debutroman mit spannendem Inhalt! Das "kleine" Elend begann mit den Klappentexten. Muss man vielleicht stutzig oder gar misstrauisch werden, wenn so ein Roman zuviel Lob erfährt? Man könnte es beeindruckend nennen was und wer sich da alles gemeldet hat.
Trotzdem wurde das Büchlein für mich zu einer Geduldsprobe. Nichts an dem Buch ist schlecht. Mir erscheint das Thema nach wie vor spannend, aber leider ist Kevin Powers oder besser seinem Übersetzer zu keiner Sekunde gelungen mich eizufangen. Der Roman ist nicht lahm geschrieben, aber auch nicht sonderlich lesenswert. Die Leiden des Erzählers wirken für mich blaß. Ja im Krieg sterben Menschen und es gibt immer Heimkehrer die leiden, aber haben wir das nicht alle schon so oft, in so vielen Varianten erlebt, gesehen, gelesen?
Wirklich Freude, so man das bei einem solchen Thema überhaupt sagen kann, hatte ich erst beim Zurückstellen ins Bücherregal.
Nee, so wirklich gepackt hat es mich nicht!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es ist schwer!, 27. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Sonne war der ganze Himmel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Am liebsten hätte ich dieses Buch auf einmal durchgelesen,aber ich konnte es einfach nicht. Diese Fülle an Horror sollte man aufteilen. Wir Europäer können nur hoffen,solche Erfahrungen,Erlebnisse nie erleben zu müssen. Dieser Autor wird wohl zeitlebens unter Alpträumen leiden.
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Die Sonne war der ganze Himmel: Roman
Die Sonne war der ganze Himmel: Roman von Kevin Powers (Gebundene Ausgabe - 19. März 2013)
EUR 19,99
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