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36 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beklemmend, beeindruckend, bestrickend
Vor etwa zwei Jahren nun habe ich Richard Powers und seine eindringliche, fein gedrechselte Sprache entdeckt. "Das Echo der Erinnerung" war dabei das erste Buch, das ich nicht im Original gelesen habe - und die erste, sehr angenehme Überraschung erlebt habe: Die deutsche Übersetzung ist grandios und ebenso virtuos, wie Richard Powers es im Original (vermutlich)...
Veröffentlicht am 16. Oktober 2007 von bxa

versus
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spannender Stoff - leider mit Längen
Karen Schluters Bruder Mark wurde bei einem mysteriösen Verkehrsunfall schwer verletzt. Karen weicht keine Minute vom Bett ihres Bruders und gibt darüber sogar ihren Job auf. Mark erholt sich zwar von seinen Verletzungen, doch weigert er sich, Karen als seine Schwester anzuerkennen. Er vermutet in ihr eine fremde Frau, die lediglich eine Doppelgängerin...
Veröffentlicht am 6. Dezember 2008 von Else Kling


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36 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beklemmend, beeindruckend, bestrickend, 16. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Echo der Erinnerung: Roman (Taschenbuch)
Vor etwa zwei Jahren nun habe ich Richard Powers und seine eindringliche, fein gedrechselte Sprache entdeckt. "Das Echo der Erinnerung" war dabei das erste Buch, das ich nicht im Original gelesen habe - und die erste, sehr angenehme Überraschung erlebt habe: Die deutsche Übersetzung ist grandios und ebenso virtuos, wie Richard Powers es im Original (vermutlich) ebenfalls ist.

Mein Tip: Die ersten Zeilen lesen - wen diese Beschreibung der Ankunft der Kraniche nicht beeindruckt, wer kein Bild vor Augen hat, als säße er vor einer Leinwand, auf der sich das geschriebene Wort visuell widerspiegelt, wer sich nicht schon die ganz leise Ahnung eines eigentümliches Sogs spürt, den diese Worte ausüben ... für den ist dieses Buch womöglich nichts. Oder zumindest nicht aufgrund der eindringlichen Sprache.

Das Thema jedoch geht genauso tief - beklemmend auf der einen Seite, aber faszinierend und mitreißend dabei. In kurzen Worten widergegeben: Bruder und Schwester aus beengenden und beengten Verhältnissen einer dunklen Kindheit im ländlichsten, verlassensten Eck der USA sind mittlerweile erwachsen. Die Schwester ist auch - unter großen Mühen - der Kleinstadt der Kindheit entwachsen, der Bruder scheint irgendwann resigniert und sich Perspektivenlosigkeit ergeben zu haben.

Beide werden aus ihrer inzwischen auseinandergedrifteten Welt gerissen, als der Bruder einen Autounfall hat, die eine schweren Schädel-Hirn-Verletzung verursacht. Die Schwester fühlt sich ihm verpflichtet, ihrer Familie, ihrer Kindheit, ihrer angestammten Welt verpflichtet und eilt, halb getrieben, halb widerwillig, zurück, um sich aufopferungsvoll um ihren Bruder zu kümmern.
Das von Anfang an leicht selbstquälerische Unterton in der Motivation der Schwester wird immer quälender, auch für den Leser, als sich herausstellt, daß die Genesung des Bruders nur bis zu einem bestimmten Punkt voranschreitet. Dann stellt man fest, daß er eine seltene neurologische Störung davongetragen hat, die dazu führt, daß gerade die Menschen, denen man emotional am nächsten steht, in einem quasi amnestischen schwarzen Loch der Erinnerung begraben werden: Er erkennt seine Schwester nicht als die, die sie ist, glaubt an eine Verschwörung der CIA, die eine Schauspielerin auf ihn angesetzt hat, fühlt sich gehetzt und verfolgt, ohne zu wissen, welches Geheimnis er denn in sich tragen soll und ob er dieses nur auch vergessen habe --- und fügt dabei seiner Schwester tiefste und schmerzhafteste Verletzungen zu, ohne zu erkennen, daß es tatsächlich sie ist, der er diese zufügt, da sie ja eine vermeintlich andere ist. Der er immer wieder zeigt, wie unzulänglich sie ist, während er seine verloren geglaubte Schwester in höchsten Tönen lobt.

Der Tanz der Geschwister bei der beidseitigen Suche nach der früheren Nähe, ein Tanz, den das wiederkehrende Motiv der wiederkehrenden Kraniche spiegelt - der verzweifelte Tanz, bei dem sie gleichzeitig immer wieder von einander angezogen werden uns sich gegenseitig abstoßen, ist ebenso beklemmend wie faszinierend. Man leidet mit, hofft mit - und weiß doch eigentlich, daß alles Hoffen vergebens ist. Denn sie sind sich schon so nah, wie sie einander sein wollen - können es jedoch nicht erkennen.

Ein bitteres Lesevergnügen, aber eben doch genau das: ein großes Vergnügen.
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31 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leserin, 27. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Das Echo der Erinnerung: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Das Echo der Erinnerung" ist ein wunderbares Buch, das ich geradezu verschlungen habe, denn zum ersten Mal verbindet Powers Elemente des Kriminalromans mit gedanklicher Tiefe und umfassendem Wissen - diesmal auf dem Gebiet der Neurologie. Am Anfang der Handlung steht ein Zettel mit einer rätselhaften Botschaft, und man fiebert der Auflösung entgegen.

Außerdem bekommt man tiefe Einblicke in das Herz der amerikanischen Kleinstadt.

Was mich an dem Buch aber ganz besonders fasziniert hat, ist der Gedanke, daß wir nicht jemand SIND, sondern daß wir unablässig WERDEN. Daß wir uns immer wieder neu erfinden, unsere Geschichte immer wieder neu erzählen, immer wieder neu erzählen MÜSSEN, damit wir ein Gefühl von Identität behalten und die Absurditäten des Daseins in Sinn verwandeln. Ein Gedanke, den ich nicht nur beängstigend, sondern auch irgendwie tröstlich finde, der Gedanke, daß wir ebenso ständig im Fluß sind, wie die Welt ringsumher.

Bruce Chatwin berichtet in seinen "Traumpfaden" von der Vorstellung, der australischen Aborigines, die Welt könne nur fortbestehen, wenn man sie immer wieder ins Leben singt. Wenn niemand mehr diese Lieder singt, hört die Welt auf zu existieren.

Wenn wir uns nicht immer wieder neu erzählen, hören wir auf zu leben. Wenn wir nicht immer wieder auf die Wechselfälle des Lebens reagieren, erstarren wir und zerbrechen an dem, was auf uns einstürmt.

Ein Buch, das man auf vielen Ebenen lesen kann. Zur (zweimaligen) Lektüre dringend empfohlen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spannender Stoff - leider mit Längen, 6. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Echo der Erinnerung: Roman (Taschenbuch)
Karen Schluters Bruder Mark wurde bei einem mysteriösen Verkehrsunfall schwer verletzt. Karen weicht keine Minute vom Bett ihres Bruders und gibt darüber sogar ihren Job auf. Mark erholt sich zwar von seinen Verletzungen, doch weigert er sich, Karen als seine Schwester anzuerkennen. Er vermutet in ihr eine fremde Frau, die lediglich eine Doppelgängerin Karens sei. Diese als "Capgras-Syndrom" bekannte Störung wirft Karen völlig aus der Bahn und sie versucht alles, um die geschwisterliche Beziehung wiederherzustellen. Sogar den bekannten Neuropsychologen Gerald Weber holt sie herbei. Doch wird Mark sie jemals wieder als seine Schwester anerkennen?
Diesen durchaus spannenden Stoff vermischt der Autor mit Erkenntnissen aus der Hirnforschung und der Frage, wie eigentlich unser Ich entsteht. Es wird deutlich, dass wir in unserem Denken und Fühlen sowie in unseren Beziehungen zu anderen Menschen völlig von unserem Gehirn abhängen. Beeindruckend gelingt es ihm, Karens Kampf und ihre Verzweiflung darzustellen. Gerade die Entwicklung der Beziehung zwischen Mark und Karen hat mich fasziniert. Dabei wechselt Powers auch immer wieder geschickt die Erzählperspektive.
Doch leider hat er das Buch auf 569 Seiten ausgedehnt und sich dabei stellenweise verzettelt. Marks Geschichte tritt in den Hintergrund. Plötzlich stehen die Ehe Webers, seine Identitätskrise, seine Faszination für eine geheimnisvolle Schwesternhelferin, Karens Beziehung zu Daniel und deren gemeinsamer Kampf um ein Vogelschutzgebiet im Vordergrund. Außerdem sind die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse für jeden, der sich mit der Thematik beschäftigt hat, altbekannt. Für Laien aber möglicherweise scher zu verstehen. So verliert ein spannendes Buch in der zweiten Hälfte ziemlich an Fahrt.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von allem etwas..., 22. Mai 2009
Von 
Xirxe (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Echo der Erinnerung: Roman (Gebundene Ausgabe)
Powers mehr als 500 Seiten starker Roman hat, neben der eigentlichen Handlung, auch zwei große Themen der Menschheit zum Inhalt: Was macht den Mensch zum Individuum? Und die Zerstörung der Umwelt durch den Menschen.
Marc, der nach einem mysteriösen Unfall die ihm gefühlsmäßig am nächsten stehenden Menschen und Dinge nicht mehr erkennt (er glaubt, es sind Doubles bzw. Nachbauten), wird von seiner Schwester Karin aufopferungsvoll umsorgt. Karin ist dafür zurückgekommen in ihre Heimatstadt Kearney, aus der sie vor Jahren floh - vor der eigenen Familiengeschichte. Zurück muss sie erkennen, dass sich nichts geändert hat - all ihre Probleme treten wieder zutage. Sie bittet einen bekannten Neurologen wegen ihres Bruders um Hilfe, der aus Interesse an diesem Fall aus dem fernen New York anreist - und ebenfalls mitten in eine Lebens- und Sinnkrise gerät.
Als roter Faden zieht sich durch diesen Roman der Zug der Kraniche, der jährlich (auch zum Zeitpunkt des Unfalls) Halt an einem Fluss in der Nähe von Kearney macht und die Kleinstadt so für einige Wochen zur Attraktion von Touristenmassen wird. Doch durch den sinkenden Wasserpegel sind die seit Urzeiten auf dieser Route ziehenden Kraniche gefährdet, was sich durch geplante Bauvorhaben noch verschlimmern würde.
Schwerpunkt des Buches ist die Bruder-Schwester-Beziehung, die nicht nur durch Marcs anhaltende Verletzung belastet ist, sondern auch durch Karins persönliche Schwierigkeiten. Ihr Zwang, von allen gemocht zu werden, nie gut genug zu sein, verstärkt sich durch Marcs Krankheit noch.
Durch die Einbeziehung des Neurologen werden geschickt ausführliche und gut verständliche neurologische Fallbeschreibungen miteinbezogen, die bei mir besonders einen Eindruck hinterließen: Wie fragil unser Gehirn und damit unsere Persönlichkeit ist. Nur eine kleine Störung - und wir erkennen unsere Umwelt nicht mehr, unseren eigenen Körper, sehen Bilder die Andere nicht sehen und und und. Erschreckend!
Durch den wiederholten Wechsel der Perspektiven (Sicht Marcs, Karin, Neurologe, Kraniche) erhält man einen guten Einblick in die jeweiligen Personen.
Spannung erhält der Roman durch den ungeklärten Unfallhergang. War es ein Selbstmordversuch, waren seine Freunde eventuell daran beteiligt, vielleicht sogar eine Verschwörung? Und was ist mit Barbara, der mysteriösen Schwesternpflegerin, die mehr zu sein scheint als das was sie vorgibt? Und von wem stammt der rätselhafte Zettel an Marcs Krankenbett? Fragen, die genügend Stoff für einen Kriminalroman bieten würden, hier jedoch mehr am Rande vorkommen.
Alles in allem: Von allem etwas - und damit vielleicht etwas zuviel. Das Buch liest sich gut weg, es ist spannend genug dass man dran bleibt, aber so richtig der Schmöker ist es nicht.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Komplexes Mischwerk aus Roman und Essay, 29. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Echo der Erinnerung: Roman (Gebundene Ausgabe)
Powers legt hier eine Erzählung mit epischer Wucht vor, die mittels des Kranichs als Sinnbild der Erdgeschichte und eines rätselhaften Unfalls nicht weniger im Sinn hat, als menschliche Wahrnehmung, Gefühle und Denken von Grund auf zu analysieren und unser Selbstverständnis infrage zu stellen.

Vordergründig geht es um einen Unfall, bei dem das Gedächtnis des Opfers derart beeinträchtigt wird, dass sich seine Umgebung von seiner - objektiv falschen - Sicht der Dinge immer mehr verunsichern lässt. Die Bemühungen, dem Unfallopfer zu helfen und den Unfallhergang aufzuklären bilden dabei das dramatische Gerüst, um die Verunsicherung der Umgebung (wegen des Unfalls, aber auch wegen des 11. Septembers) zu schildern und die Grenzen unserer Erinnerung und Wahrnehmung auszuloten.

So großartig Powers dabei manche Motive wie etwa der Kranichflug gelingen, so sperrig geraten die zahlreichen Passagen, in denen Abläufe in unseren Gehirnen wissenschaftlich wiedergegeben werden und zu den letzten Fragen nach Wechselwirkungen zwischen Erinnerung, Emotion, Selbst" und Umwelt führen. In diesen Passagen sowie in der eher überflüssigen Nebenhandlung über das Leben eines Gehirnforschers verheddert Powers sich mitunter, so dass die Geschichte viel an Fahrt verliert.

Den Mut zum Epischen und Philosophischen bewunderte ich beim Lesen vorbehaltlos, allerdings wäre hier meiner meinung nach weniger mehr gewesen, was auch für den etwas holprigen Schluss zutrifft. Dennoch ein unterhaltsames, teilweise erhellendes Buch, das in mir die Vorfreude auf den 'Klang der Zeit' geweckt hat.
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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Es waren Kraniche in der Luft, 26. Januar 2007
Von 
Rezension bezieht sich auf: Das Echo der Erinnerung: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Erfolgsautor Richard Powers gilt als Ausnahmeerscheinung des gegenwärtigen US-Literaturbetriebs, "Die Zeit" (11.01.07) attestierte Powers in ihrer Rezension zu seinem neuesten Roman "Das Echo der Erinnerung" gar eine "Hochbegabung". In Richard Powers Werk nehmen vor allem die Wissenschaften einen großen Raum ein. So ist in Richard Powers Roman "Schattenfluchten" (2001) die Welt des Computers, in "Der Klang der Zeit" (2004) gleich die gesamte US-Geschichte des 20. Jahrhunderts entlang von Musik, Kultur und Rasse wissenschaftlich-akribisch thematisiert.

Die Bücher von Richard Powers machten nicht immer restlos glücklich: wollten sich in "Schattenfluchten" die reale und die digitale Welt nicht recht zusammenfügen, so ist "Der Klang der Zeit" zwar ein wortgewaltiges, aber mitunter doch zähes und arg konservatives Werk. Wenn auch mit Abstrichen: die Romane von Powers waren weit interessanter als all die Updikes und Austers, die in den letzten Jahren über den großen Teich nach Deutschland geschwappt sind.

Aufregend mutet auch das Thema des neuen Romans von Richard Powers an: der 1957 geborene US-Schriftsteller widmet sich in "Das Echo der Erinnerung" der Erforschung des menschlichen Gehirns. Das Thema hat Hochkonjunktur, wie die für ein breites Publikum populärwissenschaftlichen Bücher des Neurologen Oliver Sacks oder Antonio Damasio beweisen. Ganz nebenbei - tatsächlich bietet dieser Roman so viel Wissenschaft wie nur wenige andere - lernt man also auch bei der Lektüre von "Das Echo der Erinnerung" jede Menge über das menschliche Gehirn, leider aber auf Kosten des eigentlichen Plots.

Zur Handlung: Mark Schluter befindet sich nach einem schweren Autounfall auf einer schnurgeraden Autostraße im Krankenhaus. Waren es die Kraniche, die Mark abgelenkt haben? Eine halbe Million Kraniche machen jedes Jahr auf einen tausend Meilen langen Zug kurze Rast in Kearny, der geographischen Mitte der USA, wo Powers die Handlung spielen lässt. Nach dem Unfall befindet sich Mark in einem Schwebezustand zwischen Leben und Tod. Nach seinem Erwachen erlebt er einen Riss zwischen Kognition und Emotion. Er sieht die Menschen, allen voran seine Schwester, nicht mehr als Menschen, sondern empfindet diese als Schauspieler, die dessen Rolle übernommen haben. In Folge des erlittenen Schädel-Hirn-Traumas leidet Mark am sogenannten "Capgras-Syndrom". Karin, die dem Bruder zuliebe in die ungeliebte Heimat zurückkehrt, gerät über den geistigen Blackout von Mark selbst in mannigfaltige Ich-Irritationen. Ein erfolgreicher Neurologe aus New York gerät über die Behandlung des seltenen Falles ebenfalls in eine Lebenskrise. Gruppenbild mit Geistesgestörten: Powers stellt seinen drei Hauptfiguren eine Vielzahl weiterer Personen zur Seite. Auch sie haben ihre Sorgen und Nöte und folgen dem Zickzackkurs des Lebens. Was bleibt ihnen auch sonst übrig? Powers stellt am Beispiel seiner Romanhelden die entscheidende Gretchenfrage: Was läuft tatsächlich ab in den unendlichen Grauzonen hinter unserer Schädelwand?

Richard Powers will in seinen Romanen stets die ganze Welt unterbringen. Mit "Das Echo der Erinnerung" meint er es aber eindeutig zu gut mit seinen Lesern: Lebensweisheiten wie aus Großmutters 100jährigen-Kalender stibitzt, die Provinz als Metapher für die ganz große Welt und die hehre Absicht, die Kunst mit Leben und Wissenschaft zu vereinen. Das ist schon allein deshalb nicht die "ganz große Nummer", weil die Handlung damit bedeutungsschwanger überladen wird. Weniger ist manchmal eben doch mehr.

Der Spagat zwischen Hirnforschung (bitte keine Berührungsängste: das Buch erstickt zu keinem Zeitpunkt in medizinisch unverständliches Kauderwelsch) und Gegenwartsroman ist Richard Powers in seinem Roman "Das Echo der Erinnerung", der durch stilistische Brillanz und sprachlicher Finesse beeindruckt und damit das Lesen trotzdem lohnenswert macht, leider nicht geglückt: das Buch läuft viel zu oft Gefahr, an seinen Ambitionen zu ersticken.
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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Große Literatur, 4. Dezember 2006
Von 
Shiraz (Hamburg Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das Echo der Erinnerung: Roman (Gebundene Ausgabe)
Bei manchen Büchern weiß man einfach genau, dass sie in 100 Jahren noch gelesen werden. "Das Echo der Erinnerung" gehört sicher zu den künftigen Klassikern (ebenso wie "der Klang der Zeit").

Powers verwebt wie üblich mehrere Handlungsstränge miteinander. Da ist einmal Mac Schluter, ein Mann Ende 20, der mit seinem Auto von der Straße abkommt und bei dem Unfall schwere Gehirnverletzungen erleidet. Insbesondere leidet er danach unter dem Capgrass-Syndrom: Er glaubt, dass geliebte Personen durch Doppelgänger ersetzt wurden. Am härtesten trifft das seine Schwester, die ihren Job kündigt, um sich um Marc zu kümmern, von ihm aber wie eine Fremde behandelt wird. Als sie an den Ort ihrer Kindheit zurückkehrt, taucht sie in ihre Vergangenheit ein und wird gezwungen, ihr Leben zu überdenken.

Auf geniale Weise mit dem Unfall verknüpft ist die Geschichte von Kranichen, die jedes Jahr auf ihrer Wanderung in dem Ort Rast machen. Sie geraten in Gefahr, weil Geschäftsleute in ihrem Naturgebiet eine große Ferienanlage planen.

Nach dem Lesen der Buches war ich regelrecht erschlagen. Es gibt wohl keinen anderen Romancier, der in seinen Werken soviel Wissen unterbringt wie Powers. Er nutzt die Fall Marc Schluters zu einer großen Rundreise durch das Gehirn: Das Echo der Erinnerung erzählt über seine Funktionswiese, seine Störungen und die neuste Forschung daran. Das ist nicht immer leicht, aber sehr ergiebig. Nach der Lektüre finde ich das "komplizierteste Gebilde im Universum" auf jeden Fall noch viel faszinierender als zuvor.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Über eine aus den Fugen geratene Welt, 11. Februar 2007
Von 
Wolfgang Stroebl (Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Echo der Erinnerung: Roman (Gebundene Ausgabe)
In "Das Echo der Erinnerung" von Richard Powers geht es vordergründig um einen jungen Mann, der bei einem Autounfall einen Gehirnschaden davonträgt: er erkennt ihm nahestehende Personen nicht mehr bzw. glaubt, sie seien durch Doppelgänger ersetzt. Mindestens genausoviel wie die allmähliche Paranoia Mark Schluters interessiert den Autor aber die daraus entstehende Verunsicherung dessen Umfelds - eine augenscheinliche Metapher für Amerikas Zustand nach 9-11. "Die Welt ist völlig aus den Fugen. Man ist nirgendwo mehr sicher", sagt der Protagonist einmal.

Auf exemplarische und kunstvolle Weise wird diese Fallstudie mit den Geschichten einer Handvoll Menschen verknüpft, die ebenfalls auf ihrer Vergangenheit nicht aufbauen können und aus ihrer Bahn geworfen scheinen. Dieses Motiv der allgemeinen Verunsicherung wird sehr klar der Beständigkeit der seit ewigen Zeiten bestehenden, instinktiv geleiteten Kranichzüge entgegengestellt.

Für das alles hat Richard Powers offensichtlich sehr reichlich in der neurophysiologischen und -pathologischen Literatur recherchiert - und das lässt er seine Leserschaft leider spüren. Mit dem Auftrumpfen mit detaillierten wissenschaftlichen Zusammenhängen wird der Text des öfteren belehrend und prätentiös, was das flüssige Erzählen der Geschichte immer wieder behindert.

Schade, denn Richard Powers hat eine volltönende Partitur der Sprache zur Verfügung, hier besonders sensibel übersetzt vom Ehepaar Allié.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen die magie ist weg !, 11. Juni 2007
Von 
J. Fromholzer "fromholzer" (berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Echo der Erinnerung: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Magie ist leider weg - das traumhafte "Klang der Zeit" konnte eigentlich gar keinen "würdigen Nachfolger" erhalten, die Meßlatte dafür war eindeutig zu hoch. Richard Powers versucht in dieser Geschichte um verlorene Erinnerung, so ziemlich alles, was man sich dazu vorstellen kann, mit hinein zu packen. Das kann nicht gut gehen, unterhaltsam - ja - ist es. Mehr aber auch nicht. "Klang der Zeit" war mehr. Ich selbst habe das von Ulrich Matthes gelesene Hörbuch gehört, die schöne Stimme von Matthes entschädigt für vieles.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Richard Powers Echos des Nicht-Vergessens, 7. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Echo der Erinnerung: Roman (Taschenbuch)
In einer fantastischen Übersetzung des Originaltextes steigt der Leser in eine Verschmelzung verschiedener Handlungsebenen eines faszinierendes Kaleidoskops von Raum und Zeitstrukturen des Bewusstseins ein. Amerikanischer Naturtopos lokalisiert durch Kraniche an einem Ort in Nebraska, der gleichzeitig Ort der Familienerinnerung und Schicksalsstart und Ausgangspunkt einer Reise in die Tiefen und Abgründe amerikanischer Familien- und Kollektiverfahrung wird, ermöglichen dem Leser die Wahrnehmung der vom Autor angelegten Themenstränge und deren Einbindung in eine Art Tri Helix der Handlungsbetrachtung.

Die Tragik und das Schicksal als Ausgangspunkt der Handlung gibt den Protagonisten offene und eingeschränkte Formen der Reflexion und dem Leser die Gewissheit, der jederzeit sich plötzlich änderungswürdigen Momente des eigenen Lebens.

Familienkonstellationen , wie das Verhältnis von Bruder Mark und Schwester Karin eröffnet sich durch den schweren Unfall des Bruders die erneute Erinnerung der gemeinsamen Erfahrungen in allen Familienkonstellationen. Marks traumatische Erfahrung und eine Hirnverletzung eröffnet die eingeschränkte Chance, die Vergangenheit nicht zu akzeptieren und einen Gegenentwurf der Seele zu entwickeln.

Die Tragik der Situation und das Arrangement mit der Realität, entwickelt sich zur Stärke der Schwesterliebe.
Wer sich beim Lesen auf die facettenreichen Wechsel der Geschichte einlässt, spürt das es nicht möglich ist zu Vergessen ohne zu erinnern. Das Echo ist in dieser Hinsicht unverzeihlich.
Unbedingt lesen.Das Echo der Erinnerung
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Das Echo der Erinnerung: Roman
Das Echo der Erinnerung: Roman von Gabriele Kempf-Allie (Gebundene Ausgabe - 11. Dezember 2006)
Gebraucht & neu ab: EUR 0,01
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