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29 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Es gibt einen amerikanischen Traum. Man darf nur nicht daraus aufwachen, das ist der Trick.“*
* Seite 89

Es hat schon etwas von einer Weihnachtsgeschichte als der Bankräuber Willie Sutton kurz vor Heiligabend begnadigt und entlassen wird. Längst hatte er die Hoffnung aufgegeben in Freiheit zu sterben. Doch so richtig frei ist er dennoch nicht. Erst muss er noch einen Reporter mitsamt Fotografen durch die Stationen seines Lebens begleiten...
Vor 17 Monaten von book.seller veröffentlicht

versus
10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen In der Tat: Knapp am Herz vorbei
Weihnachten 1969 wird Willie Sutton, der beliebteste Bankräuber aller Zeiten, aus dem Gefängnis entlassen. Den folgenden Tag verbringt er mit einem Reporter und einem Fotografen und lässt für sie sein Leben Revue passieren: Von seiner Kindheit im irischen Viertel von New York über seinen ersten Raub bis hin zu den 200 Banküberfällen, bei...
Vor 15 Monaten von ferkel veröffentlicht


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29 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Es gibt einen amerikanischen Traum. Man darf nur nicht daraus aufwachen, das ist der Trick.“*, 19. Februar 2013
Von 
book.seller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Knapp am Herz vorbei. Roman (Gebundene Ausgabe)
* Seite 89

Es hat schon etwas von einer Weihnachtsgeschichte als der Bankräuber Willie Sutton kurz vor Heiligabend begnadigt und entlassen wird. Längst hatte er die Hoffnung aufgegeben in Freiheit zu sterben. Doch so richtig frei ist er dennoch nicht. Erst muss er noch einen Reporter mitsamt Fotografen durch die Stationen seines Lebens begleiten. Angefangen bei seiner Kindheit im irischen Viertel von New York, über seine ersten legalen und illegalen Jobs, seine einzige richtige Liebe Bess, bis hin zu seinen legendären Banküberfällen, die ganz ohne Gewalt abliefen.

Den Bankräuber Willie Sutton hat es tatsächlich gegeben. Während seiner Zeit im Gefängnis schrieb er selbst zwei Autobiografien, die sich jedoch gegenseitig widersprachen, und deshalb ist das Meiste in diesem Buch auch fiktiv von Moehringer erfunden. Das macht aber nichts, denn „Knapp am Herz vorbei“ hat nicht den Anspruch als Biografie herzuhalten. Vielmehr ist es ein Abbild der heutigen, von den Banken regierten Welt. Das war schon zu Suttons Zeiten so und hat sich trotz mehrerer verheerender Börsencrashe nicht geändert. Die Menschen sind mehr und mehr unzufrieden und treiben immer mehr der Armut zu.

Das ist die eine Seite des Romans. Die andere ist einfach eine abenteuerliche Geschichte eines jungen Mannes, der das lukrative Geschäft des Banküberfalls für sich entdeckt, aber auch die Schattenseiten dieses Lebens, sprich Gefängnis, kennenlernt. Moehringer füllt seine Sutton mit viel Persönlichkeit und schildert seine Lebensstationen sehr bildlich. Er schreibt über Liebe und Freundschaft, über Wirklichkeit und Erfindung. Und besonders bei letzteren merkt der Leser dieses Buches schnell, wie dünn die Grenze zwischen beiden ist, denn Sutton lebt frei nach seinem Motte: „Es gibt einen amerikanischen Traum. Man darf nur nicht daraus aufwachen, das ist der Trick.“

Und auch wenn der deutsche Titel etwas kitschig klingt (der amerikanische Originaltitel „Sutton“ hätte auch in Deutschland funktioniert) ist es das Buch keineswegs. Moehringer hat schon mit „Tender Bar“ bewiesen, dass er sehr gut unterhalten kann, und genau das ist ihm auch mit diesem Buch gelungen.
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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Roman der nachwirkt, 23. Februar 2013
Von 
Charlene (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Knapp am Herz vorbei. Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Mann, der in seiner dreißigjährigen Erfahrung als Verbrecher über 100 Banken ausgeraubt hat, von den Opfern als freundlicher und rücksichtsvoller Mensch beschrieben wird und mehrfach aus dem Gefängnis ausgebrochen ist. Wenn seine Geschichte nicht als Steilvorlage für einen Roman dient, welche dann?

Die historische Person

Noch heute kennen viele Amerikaner William „The Actor“ Sutton. Der in Brooklyn geborene und in einfachen Verhältnissen aufgewachsene Mann, raubte seit den späten 20er Jahren Banken und Juweliergeschäfte aus. Dabei verkleidete er sich immer umfangreicher und trat häufig als Polizist oder Briefträger auf. Kurz vor Eröffnung der Geschäfte und Banken kam er mit Hilfe seiner Kostüme und unter Verwendung entsprechender Ausreden in die Filialen hinein. Er fesselte die ankommenden Mitarbeiter nacheinander und wartete auf denjenigen, der den Tresor öffnen konnte. Er arbeitete mit unterschiedlichen Komplizen und ging immer sehr strukturiert vor. Eine Waffe hatte er zwar immer dabei, benutze sie aber nie. Darüber, ob sie eventuell gar nicht geladen gewesen sei, gibt es widersprüchliche Angaben. Bei seinen diversen Ausbrüchen war er ebenfalls sehr kreativ, aber auch ein wenig abgebrühter als bei den Raubüberfällen.

Trotz diverser Delikte und Fluchtversuche wurde William Sutton 1969 begnadigt. Er verlebte die letzten Lebensjahre in Florida, wo er Bücher schrieb, Banken half ihre Sicherheitssysteme zu verbessern und für Kreditkarten mit Foto warb.

Er verstarb 1980 im Alter von 79 Jahren.

Das Buch

J.R. Moehringer hat sich mit William Sutton eine real existierende Person ausgesucht, deren Persönlichkeit auf den ersten Blick glasklar erscheint. Dazu passend entwirft er eine Geschichte, die sich an den Fakten orientiert und zunächst sehr stringent wirkt. Ausgangspunkt sind die Begnadigung Suttons und ein Interview, das er direkt nach seiner Entlassung gegeben hat. Einen ganzen Tag fuhr er mit einem Reporter und einem Fotografen durch New York und besuchte Orte, die in seinem Leben wichtig waren. Der daraus entstandene Artikel enttäuschte jedoch. Neben Unwahrheiten und sonderbaren Anekdoten enthielt er keine neuen Informationen. Moehringer erzählt diese Geschichte praktisch nach. Dabei wechseln sich zwei Erzählstränge ab. Zunächst geht es um die Fahrt durch New York und die Fragen, die an Willie gestellt werden. Der zweite Erzählstrang setzt sich aus Erinnerungen zusammen. Dadurch wird dem Räuber sehr viel Raum zum Sprechen gegeben und nur an wenigen Stellen, die sich meist in dem ersten Erzählstrang befinden, wird auf eine teilweise unbedarfte Art und Weise auf die Folgen seiner Taten hingewiesen. Paradoxerweise zeigt sich aber darin eine Stärke des Romans. Die Fakten dienten wirklich nur als Vorlage für den Roman. Moehringer erschafft eine literarische Figur, die sich öffnet, Verletzlichkeit zeigt und sich von dem öffentlichen Bild abhebt. Das ist Sutton in so einer Form nie gelungen und es ist auchfraglich, ob er das überhaupt gewollt hätte. Allerdings habe ich mir oft die Frage gestellt, inwieweit das daraus entstehende Interesse an der Handlung eingeschränkt ist, wenn man vorher schon etwas über William Sutton weiß. Ich konnte ganz unvoreingenommen herangehen und habe mich nie gefragt, was jetzt ausgedacht ist oder der Wahrheit entspricht. Das hat eine gewisse Spannung und Lesefreude erzeugt. Diese wurde nur dadurch getrübt, dass mir eine gewisse psychologische Tiefe fehlte. Ab und an wäre eine schärfere Analytik geeignet gewesen. Wenn man jedoch das ganze Werk gelesen hat, wendet sich das Blatt ein wenig. Dies gilt übrigens für verschiedene Punkte. Erst wenn man das gesamte Buch gelesen hat, ergibt sich ein sehr viel differenzierteres Bild. Gerade auf den letzten Seiten gibt es noch einige Wendungen, die viele Dinge schlussendlich in einem anderen Licht dastehen lassen.

Durchweg hervorragend werden die sprachlichen Mittel genutzt. Moehringer hat aus meiner Sicht eine literarische Perle geschaffen, die sich nicht in Sphären aufhält, die man nur mit einem Fremdwörterbuch erreichen kann. Gleichzeitig findet man diesen Schatz aber auch nicht auf dem Grund, der nur so vor Alltagssprache trieft und den Geist verklebt. Nein, er schreibt anspruchsvoll verständlich und in einem tollen Rhythmus. Dabei ist die Satzlänge hervorragend. Und das sage ich jetzt nicht aus Sicht eines Fontane-Liebhabers. Die Gedanken gehen nicht verloren, man kommt sich aber auchnicht veralbert vor, weil die Sätze zu kurz sind. Sie sind einfach genau passend. Es ist fasst so, als ob sich die Sprache an den Protagonisten angepasst hat. Daher fragt man sich unweigerlich was zuerst da war, die Figur oder ihre Sprache...

Fazit: Ein wundervolles Buch, das eine spannende Lebensgeschichte erzählt. Während des Lesens ist die Geschichte allerdings wie ein sich entwickelnder Schmetterling. Die Raupe läuft dahin und der Leser fliegt nur so über die Seiten. Dann wird es ein wenig düster und eng, man möchte sich in einen Kokon einwickeln. Erst wenn man das Buch schließt, fliegt der Schmetterling davon.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen In der Tat: Knapp am Herz vorbei, 24. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Knapp am Herz vorbei. Roman (Gebundene Ausgabe)
Weihnachten 1969 wird Willie Sutton, der beliebteste Bankräuber aller Zeiten, aus dem Gefängnis entlassen. Den folgenden Tag verbringt er mit einem Reporter und einem Fotografen und lässt für sie sein Leben Revue passieren: Von seiner Kindheit im irischen Viertel von New York über seinen ersten Raub bis hin zu den 200 Banküberfällen, bei denen nicht ein Schuss gefallen ist. Fakten und Fiktion vermischen sich in diesem Buch. Der Autor J.R. Moehringer erzählt auf Grundlage von Suttons wahrem Leben und seinen Vermutungen die Geschichte.

"Knapp am Herz vorbei" war mein erstes Buch von J.R. Moehringer. Die Idee, einer geschichtlichen Persönlichkeit durch Visionen wieder Leben einzuhauchen gefällt mir äußerst gut, aber wirklich überzeugen konnte sie mich hier dann doch nicht. Ich brauchte ziemlich lange, um das Buch zu lesen. An so mancher Stelle fehlte mir die Emotion, zu viel Erzählung plätschert neutral dahin, die Atmosphäre bleibt eintönig. Spannung gibt es nicht, bisweilen mal abenteuerliche Verstrickungen. Ich wartete bis zum Ende darauf, dass die Sympathie zu Sutton, die wohl alle anderen Leser gefangen haben muss, auf mich überspringt. Es geht um viel Licht und Schatten und alles, was das Leben ausmacht, aber das gab es schon so oft und schon besser. Positiv ist, dass man sich beim Lesen schnell in der Zeit zurückversetzt fühlt, da der Autor alles sehr authentisch schildert.

Sprachlich ist das Buch sehr schön. Der Stil von Moehringer ist sehr angenehm zu lesen und hat Niveau, doch zwei Eigenheiten haben mich sehr gestört: Der Reporter und der Fotograf, die Sutton den ganzen Tag begleiten, werden ständig nur "Schreiber" und "Knipser" genannt und die Sätze regelmäßig im Sinne von "Schreiber sagte", "Schreiber machte" usw. begonnen. Das nervte schon nach einigen Seiten. Dass der Autor auf die Anführungszeichen für die wörtliche Rede verzichtet hat, hat mir im Kontext der Geschichte am allerwenigsten gefallen. Bisher war mir diese Eigenart vor allem aus der Trümmerliteratur bekannt und da ist sie auch charakteristisch (und sinnvoll). Auch wenn Sutton nicht genau weiß, wie viel Zeit ihm noch bleibt, wirkt es doch bei 448 Seiten nicht gerade glaubhaft, dass für Anführungszeichen keine Zeit war, zumal Details der Lebensgeschichte auch sehr in die Länge gezogen werden.

Nach dem Lesen habe ich zwar eine Vorstellung davon, warum dieser Bankräuber so bewundert wurde und warum er überhaupt so geworden ist. Trotzdem kann keine Rede davon sein, dass mich das Buch sehr bewegt hätte oder ich dem Charme (Wessen eigentlich?) erlegen wäre, wie andere Rezensionen in schillernden Farben schildern. Insgesamt eine interessante Geschichte, die sprachlich aus der Masse heraus sticht, die mich jedoch nicht packen konnte. Der Titel sagt es eigentlich schon, für mich ging das Buch knapp am Herz vorbei.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein amerikanischer Robin Hood, 20. Februar 2013
Von 
Andreas Schröter "Andreas Schröter" (Dortmund) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Knapp am Herz vorbei. Roman (Gebundene Ausgabe)
Willie Sutton (1901 – 1980) hat zwischen 1920 und 1952 etwa 100 Banken ausgeraubt. Dabei soll er nie jemanden erschossen haben. In Amerika gilt er als eine Art Nationalheld: jemand, der es den Mächtigen zeigt - ein bisschen wie Robin Hood. Nun hat J.R. Moehringer ein Buch über ihn verfasst, das in Deutschland den seltsamen und grammatisch fragwürdigen Titel „Knapp am Herz vorbei“ trägt.

Der 1964 geborene amerikanische Schriftsteller, dessen in Deutschland 2007 erschienener Debütroman „Tender Bar“ ein Weltbestseller war, hätte sich sicher einen einfacheren Protagonisten für sein zweites Werk aussuchen können, denn das Leben des realen Willie Sutton steckt voller Widersprüche und Legenden. Auch war Sutton nicht immer ein Held in den Augen der Amerikaner. Als der junge Pfadfinder Arnold Schuster, der Sutton 1952 der Polizei ausgeliefert hatte, wenige Tage später erschossen wurde, ändert sich die öffentliche Meinung zu Suttons Ungunsten.

Der Roman beginnt mit der Haftentlassung Willie Suttons an Weihnachten 1969. Zwei Journalisten, ein Schreiber und ein Fotograf, unternehmen mit dem prominenten Ex-Bankräuber eine Tour, die die drei zu einigen Stationen führt, die für Willi Sutton eine Bedeutung hatten – eine Art Rahmenhandlung, die die wichtigsten Ereignisse in Suttons Leben miteinander verbindet. Das ist geschickt gemacht.

Und so lernt der Leser Willies brutale Brüder, die ihn als Kind ständig drangsalierten, genauso kennen wie Bess, die für immer seine große Liebe bleiben wird. Dieser Punkt ist wohl das größte Zugeständnis Suttons an die Gesetze des Romans, denn ob der echte Sutton diese eine große Liebe wirklich hatte, ist ungewiss. Später verübt er die ersten Banküberfälle, wird gefasst, bricht wieder aus, umgibt sich mit den falschen Freunden, wird wieder gefasst und so weiter.

Die Gefahr, die darin steckt, eine reale, bekannte Persönlichkeit als Romanvorbild zu nehmen, besteht natürlich darin, dass das Ganze etwas unspannend bleibt, weil man entweder weiß, wer Willi Sutton war und wie sein Leben verlief oder es ganz schnell bei Wikipedia nachlesen kann. Trotzdem: „Knapp am Herz vorbei“ bietet ein kurzweiliges Lesevergnügen, bei dem es keinesfalls in Groschenheftmanier nur um Banküberfälle und ein oberflächliches Räuber-und-Gendarm-Spiel geht, sondern vor allem um das zutiefst Menschliche, das diese amerikanische Legende umweht.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine fiktive Biographie über einen echten Bankräuber, 12. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Knapp am Herz vorbei. Roman (Gebundene Ausgabe)
William Sutton ist ein kranker alter Mann, als er nach jahrelanger Haft aus dem Gefängnis entlassen wird. Doch als „Willie the Actor“ ist er der bekannteste Bankräuber Amerikas, zahlreiche Banken hat er ausgeraubt, ohne jemals seine Waffe zu benutzen. Zwei Journalisten begleiten William in diesem Buch auf seine Erinnerungsreise, seine Kindheit und Jugend in New York als Nachfahre irischer Einwanderer Anfang des 20. Jahrhunderts, seine ersten Überfälle, Verurteilungen und Ausbrüche aus Hochsicherheitsgefängnissen. Und immer wieder kommen sie zu Bess, der Frau, mit der alles anfing.
Der Roman besticht durch seine Nähe zu der Hauptfigur, die der Autor J.D. Moehringer durch die persönlichen Erinnerungen von William Sutton herstellt. Die Erzählzeit springt zwischen seinen Erinnerungen und der Gegenwart hin und her, in der er mit Schreiber und Knipser durch New York fährt und die Spuren seines Lebens ergründet. Obwohl einem klar ist, dass das, was William tut eigentlich falsch ist, kann man als Leser nicht anders, als mit ihm zu fühlen und im immer wieder Glück zu wünschen, in der Liebe, bei seinen Überfällen und auch, wenn er mal wieder versucht aus einem Gefängnis zu entwischen, aus dem es eigentlich keinen Ausweg gibt. Die ganze Geschichte ist durchzogen von seinen Gefühlen für Bess, die er eigentlich nur kurz kannte und für die er seinen ersten Raub begangen hat. Egal wo er ist, die Erinnerung an Bess hält ihn aufrecht. Dabei ist nicht immer klar, ob er sich wirklich erinnert oder Wunschträume spinnt, wie es hätte sein sollen zwischen ihnen.
J.R. Moehringer ist eine großartige fiktionale Biographie eines Bankräubers gelungen, den es wirklich gab. Der „wahre“ William Sutton raubte in seinem Leben um die zwei Millionen Dollar. Auch die Gewaltlosigkeit des Räubers entstammt nicht der Fantasie des Autors, in einem Interview gab William Sutton, dass die Waffe, die er trug, nie geladen gewesen wäre. Die Umsetzung der Geschichte in dem Roman „Knapp am Herz vorbei“ ist dem Autor wunderbar gelungen und er erzählt das Leben von William Sutton so nah und mitreißend, dass man ihn nur ungern wieder verlässt.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Perle der Literatur!, 17. März 2013
Von 
Andrea Koßmann "Kossis Welt" (Marl, NRW) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Knapp am Herz vorbei. Roman (Gebundene Ausgabe)
Bevor ich mit dem Lesen dieses Buches anfing, wusste ich NICHTS über den Inhalt. Da ich aber von dem Debüt des Autors ('Tender Bar') bereits so begeistert war, wollte ich diese Geschichte nun auch lesen. Bereits die Vorbemerkung des Autors hielt mich aber dazu an, nach dem Hauptcharakter dieses Buches zu googlen. Denn der Name "Willie Sutton" war mir bis zu diesem Zeitpunkt gänzlich unbekannt. Aber anhand der Anmerkung klang es so, als würde die Geschichte rund um Sutton teilweise auf einer wahren Begebenheit beruhen. Und genau so war es dann auch. Im Internet fand ich heraus, dass Willie Sutton der bekannteste Bankräuber Amerikas in den 1920er Jahren war. Er raubte an die 100 Banken aus und 'verdiente' damit über 2 Millionen Dollar. Angaben, die eigentlich Angst machen sollten. Angst vor einem Menschen, der sich scheinbar skrupellos am Geld anderer Menschen bereichert.

Doch dann fing ich an, die Geschichte zu lesen und wunderte mich, dass alles ganz anders kam. Willie Sutton wurde in der Weihnachtszeit 1969 unverhofft aus dem Gefängnis entlassen. Aber statt sich direkt in sein neugewonnenes Leben zu stürzen, fährt er zunächst mit einem Reporter und einem Fotografen (die im Buch schon fast liebevoll 'Schreiber' und 'Knipser') genannt werden, wichtige Stadtteile und Gebäude ab. Orte, an denen Sutton Teile seines Verbrecherlebens verbracht hat. Während die drei sich an den jeweiligen Orten aufhalten, verfolgen wir Suttons Gedankenwelt der Vergangenheit und lernen fast alles über sein Leben kennen.

Und wenn man dieses Leben dann nach und nach kennenlernt, kann man irgendwann gar nicht anders, als mit dem eigentlichen Verbrecher zu sympathisieren. Er hatte eine schwere Kindheit und auch unschöne Dinge haben sein Leben immer wieder neu geprägt. Nicht zum Guten, denn sonst wäre er ja kein Bankräuber geworden. Und auch die Liebe zu Büchern konnte ihn nicht auf den richtigen Weg bringen. Die Literatur nahm einen hohen Stellenwert in seinem Leben ein und schon allein deshalb mochte ich Willie einfach. Ich hatte beim Lesen der Geschichte Verständnis für ihn. In der damaligen Zeit wurde er von den Amerikanern als Held gefeiert und genauso empfand auch ich ihn beim Lesen seines Lebens. Er versucht, aus dem Gefängnis auszubrechen und ich habe ihm die Daumen gedrückt, dass er es schafft. Er raubt Banken aus und ich habe gehofft, dass er nicht erwischt wird. Er lernt die Liebe kennen, verliert sie wieder und ich hoffte inständig, dass er sie irgendwo auf der Welt noch einmal finden möge.

Den Schreibstil von J. R. Moehringer würde ich auf jeden Fall der 'upper class' zuordnen. Für mich war die Geschichte eine wahre Perle in der Literatur, die verlangte, langsam gelesen zu werden. Diesen Wunsch habe ich ihr erfüllt und für meine Verhältnisse sehr lange an diesem Buch gelesen. Ein Buch, bei dem ich dazu überging, mich mit dem Leben von Sutton mehr beim Nichtlesen zu beschäftigen, als beim Lesen. Ich las immer nur ein paar Seiten und war dennoch gefangen in dem Leben dieses Menschen, das mir auch jetzt noch keine Ruhe lässt.

Die Geschichte zeigt auf, dass man nur ein Leben hat und dass man es so gut wie möglich nutzen sollte. Nein, damit meine ich ganz sicher nicht, dass man Banken ausrauben sollte, aber dass man sich immer sagen sollte, dass man dieses oder jenes schafft. Man muss an sich selber glauben. Das ist das Wichtigste.

Zitat aus dem Buch (Seite 350): "Die meisten fliehen nicht aus dem Gefängnis, weil sie glauben, es geht nicht. Man trichtert ihnen tagtäglich ein, dass es nicht geht - die Aufseher, der Anstaltsleiter, die Mitgefangenen. Und die äußeren Gegebenheiten - die Gitterstäbe und Mauern. Der erste Schritt bei einer Flucht ist der Glaube daran, dass man es schafft." Ein wunderbarer Satz, den man auf jede beliebige Situation münzen kann, in der man sich gerade gefangen fühlt. Aber es gibt auch Momente, aus denen man gar nicht ausbrechen möchte. In diesem Fall geht es mir so mit dieser Geschichte, die mich sicher noch lange in meinem Leserherzen begleiten wird.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Gentleman, der Banken ausraubte, 11. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Knapp am Herz vorbei. Roman (Gebundene Ausgabe)
INHALT
Weihnachten 1969; William Francis Sutton jr - von der Presse Willie the Actor genannt - wird im Alter von 68 Jahren aus dem Gefängnis entlassen und fährt einen Tag lang mit einem Fotografen sowie einem Reporter durch New York, das er zum letzten Mal vor 17 Jahren gesehen hat.
Auf den Spuren seiner Vergangenheit durchlebt er alle wichtigen und prägenden Ereignisse in seinem Leben und lässt seine Begleiter daran teilhaben. Kaum ist ein Bankencrash und die daraus folgende finanzielle Depression überstanden, folgt die nächste und so findet Willie kaum Arbeit. Mehr durch Zufall kommt es schließlich so weit, dass er beginnt, Banken zu überfallen, und sich als "Gentleman" einen Namen macht, da er außerordentlich freundlich ist, nie seine Waffe abfeuert und vom Raub ablässt, wenn eine Frau schreit oder ein Baby weint.
So weit die Fakten. Doch die Persönlichkeit ist viel komplexer, schwieriger und faszinierender.

MEINE MEINUNG
J. R. Moehringer ist ein wundervoller Roman gelungen.
Nach einer kurzen Einleitung ins Geschehen - am Tag von Willies Entlassung - wechselt der Autor den Schreibstil: Erinnerungen an Willies Vergangenheit und die Fahrt durch die Straßen New Yorks wechseln einander ab; dabei sind die Erinnerungen ausführlich und detailliert dargestellt, während die Rahmenhandlung einen relativ geringen Teil ausmacht. Sie ist jedoch kursiv geschrieben, sodass der Unterschied auf den ersten Blick erkennbar ist.
Hinzu kommt, dass der Autor auf sämtliche Kennzeichnung der wörtlichen Rede verzichtet. Anfangs habe ich mich sehr schwer damit getan; mit der Zeit kam ich gut rein, doch ich musste das Buch sehr viel konzentrierter lesen und habe länger gebraucht als es sonst der Fall ist. Dafür gibt es einen kleinen Abzug.

Sehr schön ausgearbeitet fand ich die Figur Willie Sutton mit all seinen Eigenheiten und seiner Vielschichtigkeit. Mir hat sich am Ende die Frage aufgedrängt, wie viel Fakt und wie viel Fiktion ist - und wie oft der Autor mit seiner Fantasie womöglich der Realität nahe gekommen ist oder sie sogar getroffen hat - doch letzten Endes macht es keinen Unterschied.
Es stellte sich auch die Frage nach den Namen der Nebenpersonen - ob der Autor sie deswegen namenlos belassen (sie lediglich als "Schreiber" und "Knipser" betitelt) hat, weil Willie Sutton es tat, oder ob es lediglich ein Stilmittel war. Aber auch das ist eigentlich egal.

Mir hat diese Reise in die Vergangenheit sehr viel Spaß gemacht, ich hatte viel Freude daran, (den fiktiven) Willie Sutton kennen zu lernen und ihn auf seiner Reise zu begleiten und kann dieses Buch allen empfehlen, die sich gerne mit realen Figuren beschäftigen. Sie sollten nur nicht mit der Erwartung daran gehen, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit erzählt zu bekommen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch mit kriminalistischen Aspekten über den "Bankräuber der Herzen", 24. Juni 2013
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Knapp am Herz vorbei. Roman (Gebundene Ausgabe)
Sein literarisches Debüt feierte der Journalist J.R. Moehringer im Jahr 2005 mit dem autobiographischen Werk "Tender Bar" in dem er von seiner Jugend in New York erzählte. Auch in seinem neuen aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit übersetzten Roman handelt es sich auch um eine Biographie, diesmal nicht die eigene, sondern die des amerikanischen Bankräubers Willi Sutton. Mit diesem sehr spannenden Buch setzt er dem berühmtesten amerikanischen Verbrecher der 50 er Jahre ein literarisches Denkmal, wenn auch die Geschichte Suttons schon in früheren Publikationen erzählt wurde, in zwei sich widersprechenden Autobiografien hat er sein Leben mit widersprüchlichen Informationen beschrieben.

Moehringer spricht von einer "Wunschbiografie", denn er erzählt nicht lupenrein die wahre Lebensgeschichte Suttons, halb ist die Geschichte wahr, halb ist sie fiktional. Kindheit und Jugend dieses Gentleman - Bankräubers sind erfunden. Es ist ein Drehbuchroman, weil man das Gelesene immer direkt vor sich sieht. Die Dialoge stehen immer im Fokus der kommenden Szenarien.

Sutton war sehr arm, verliebte sich im New Yorker Vergnügungspark Coney Island in ein reiches Mädchen. Eine Heirat war für einen "Hungerleider" nicht standesgemäß, also überfiel er die erste Bank, um sich ohne Gewaltanwendung dort Geld zu holen wo es herum lag. Ein Banküberfall nach dem anderen folgte, und das tat er immer in anderen Kostümen. Da er seine Banküberfälle wie Filmauftritte inszenierte, mal als Postbote, mal als Klempner, immer in anderen Verkleidungen, bekam er die Spitznamen "Willie the Actor". Er beobachtet die Banken, kennt die Namen der Angestellten und plant präzise seine Fluchtwege. Seine Überfälle bricht er immer dann sofort ab, wenn Frauen oder Kinder vor Angst schreien und er hat nie Gewalt angewendet. Er bleibt sauber und darum gewinnt er unsere Sympathie. Bis zu seiner Festnahme hatte Sutton über hundert Banken überfallen, zwei Millionen Euro erbeutet. Er galt als moderner Robin Hood, obwohl er von seinem überall vergrabenen Geld nie jemand etwas abgegeben hat.

Ein junger Mann, namens Schuster, hat Sutton 1952 in der U-Bahn erkannt und an die Polizei verraten. Er wird später erschossen. Da kippte die Sympathie für Sutton, weil man ihn verdächtigte. Er stand unter dem Verdacht die Fäden gezogen zu haben. Moehringer lässt alles offen, man kann nur rätseln. Sutton war ja gerade inhaftiert und saß in der Strafanstalt "Eastern State Penitentiary". Konnte er der Mörder sein? Beim Leser führt das sicher nicht zu einem Sympathiesturz.

Der Roman fängt dort an, wo Sutton als 70 jähriger nach über 30 jähriger Haftzeit aus dem Knast entlassen wird. Er wird von zwei namenlosen Leuten abgeholt, die ein Exklusivinterview mit ihm vereinbart haben. Gemeinsam fahren die drei die einzelnen Stationen von Suttons Leben ab. Viele Orte sind verschwunden. Sutton legt Wert darauf die Orte chronologisch abzufahren, kreuz und quer zu fahren, als Metapher dafür, dass auch das Leben oft Umwege macht.

So entwirft Sutton als Geschichtenerzähler und Liebender eine Lebensgeschichte, die ein Leben erzählt, wie es vielleicht war. Der Schreiber" resümiert: Sutton hat wahrscheinlich drei Leben geführt, eines an das er sich erinnerte, eines was er den Leuten erzählt hat und eines wie es wirklich war. Und im Laufe der Lektüre entpuppt sich Sutton immer mehr als wunderbarer, liebenswerter Mensch. Wir erfahren, dass Sutton während der Haftzeit Zeitungen und anspruchvolle Lektüre gelesen hat. Seine Zelle war eine Bibliothek. Und dieser belesene Mann, der niveauvolle Lektüre wie Brecht und Proust gelesen hat, sagt dann so wunderbare Sätze wie:"Banken und Bräute solltest du immer zu deinen Bedingungen verlassen, bevor es zu spät ist."

Über der ganzen Szene schwebt das reiche Mädchen Bess, mit der er gemeinsam einst den Safe ihres Vaters, eines reichen jüdischen Schiffswerftbesitzers, geknackt hat. Moehringer rückt diese Bess ins Zentrum des Romans, wobei nicht bekannt ist ob da überhaupt etwas stattgefunden hat, ob er sie sexuell geliebt hat. Erotik ist manchmal dann am stärksten, wenn man nicht weiß, ob es Wirklichkeit oder Traum war.

Es ist eine köstliche, liebevoll und rasant erzählte Gaunerballade, die sich flott lesen lässt, bei der Moehringer den Leser am Ende gewollt konsterniert zurück lässt, denn die wunschfreie Wirklichkeit muss man aus den zahlreichen Mosaiksteinchen selbst zusammen setzen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Geschichte, die ans Herz geht, 31. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Knapp am Herz vorbei. Roman (Gebundene Ausgabe)
Es ist 1969, Heilig Abend in New York. Willie Sutton wird nach 17 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Nach außerplanmäßiger "Begnadigung" packt Mr. Sutton seine Habseligkeiten zusammen, bekommt seinen Entlassungsanzug und tritt hinaus in eine ihm fremd gewordene Welt. Und dann reist er zurück in seine Vergangenheit durch seine Lebensgeschichte. Durch seine Kindheit im irischen Viertel von New York, durch seine Zeit als Heranwachsender mit seinen Freunden, zu dem ersten Treffen mit seiner großen Liebe Bess. Er reist zurück zu seinen zahlreichen Banküberfällen, Gefängnissaufenthalten und den damals herrschenden Verhältnissen.
Fazit:
J.R. Moehringer nimmt den Leser mit auf die Reise durch das Leben von Willie Sutton. Der Erzählstil hat mir sehr gefallen und hält einem immer in Atem. Die Charaktere sind sehr gut beschrieben und man erfährt einiges über die damalige Zeit, darüber dass Frauen noch kein Wahlrecht hatten, die Prohibition,... Die Geschichte von Willie Sutton wird gefühlvoll, aber zu keiner Zeit überzogen oder kitschig erzählt. Was davon erfunden oder wirklich passiert ist, bleibt dem Leser verborgen, spielt aber auch keine Rolle.
Wirklich zu empfehlen!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Es war einmal in Amerika, 28. März 2013
Von 
Sommerwind - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Knapp am Herz vorbei. Roman (Gebundene Ausgabe)
Moehringer, mit dem Roman "Tender Bar" (2007) zu Weltruhm gelangt, wandelt auf den Spuren von E.L. Doctorow. Ähnlich wie dieser hat sich Moehringer in seinem neuesten Roman einer realhistorischen Figur gewidmet: Willie „The Actor“ Sutton (1901-80) war ein legendärer US-amerikanischer Bankräuber. Während seiner kriminellen Karriere hat Sutton geschätzte 2 Million Dollar erbeutet - und nahezu ein halbes Leben im Gefängnis verbracht.

Sutton ist die Hauptfigur in Moehringers Roman "Knapp am Herzen vorbei" (amerikanisches Original 2012: "Sutton"), eine (heimliche?) Scheherazade gegen den modernen Casino-Kapitalismus, eine "dichte Beschreibung" (Clifford Geertz) des kriminellen Milieus und die Geschichte einer unglücklichen Liebe.

Moehringer zeigt mit diesem Werk, dass er keine literarische Eintagsfliege ist. Ähnlich wie in "Tender Bar" gestaltet Moehringer Stimmungen und Beziehungen konkret, authentisch und facettenreich. Bisweilen drastisch. Moehringers Stärke ist die Atmosphäre. Manche Passagen in diesem Roman erinnern an den harten Realismus von Knut Hamsun ("Hunger").

"Knapp am Herzen vorbei" ist ein intelligenter, unterhaltsamer und spannender Roman. Mehr kann man von guter Literatur nicht erwarten. Einzig die gelegentlich ins Robin-Hood-Klischee abdriftende Romantisierung des Protagonisten mag man in Frage stellen. Entschädigt wird man dafür durch einen klugen Romanaufbau, der Gegenwart und Vergangenheit ineinander verschränkt.

Moehringers neuestes Werk ist mindestens ebenso gut wie sein Debüt. Wenn es bei diesem Niveau bleibt, ist noch einiges von dem 1964 in New York geborenen Schriftsteller zu erwarten.

(Unlängst hat die über alle Maßen begabte Leserin Elke Heidenreich in der WELT auf die grammatikalische Blödsinnigkeit des Titels hingewiesen. Diesem Hinweis kann man sich nur anschließen. Warum hat man nicht den prägnanten Titel des Originals übernommen? Wenn Tom Wolfes neuester Roman auch in Deutschland - ganz im unsinnigen Einklang mit der Filmindustrie - "Back to Blood" heißt, warum konstruiert man dann für Moehringers Roman diesen schrägen Titel?)
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Knapp am Herz vorbei. Roman
Knapp am Herz vorbei. Roman von J.R. Moehringer (Gebundene Ausgabe - 18. Februar 2013)
EUR 19,99
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