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16
4,4 von 5 Sternen
Der Zirkus: Ein Jahr im Innersten der Politik
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. Januar 2014
Nils Minkmar hat ein schonungsloses Buch geschrieben - auch wenn die kleinliche Art, mit der er zuweilen kritisiert (ein Toaster, den die SPD als spaßigen Fanartikel betreibt, toastet "SPD" in die morgendliche Scheibe Brot; Minkmar kritisiert hier, dass "He's toasted" im Englischen ein Ausdruck für eine erledigte Person ist) etwas pedantisch anmutet. Wer die vielen Petitessen, die die Journalisten im Rahmen des Bundestagswahlkampfes 2013 aufgebauscht haben, als störend und unsinnig empfand, wird diese Passagen des Buches zuweilen als störend empfinden.

Auf der anderen Seite sind die Analysen des Wahlprogramms und der Fehler, die im Rahmen der Kampagne gemacht wurden, durchaus treffend und helfen dabei, den Ausgang der Bundestagswahl zu verstehen. Durchaus interessant sind die Anekdoten aus dem Wahlkampf, von denen der FAZ-Redakteur Minkmar zu berichten weiß.

Leider ist es dem Buch anzumerken, dass der Autor den Kandidaten nicht in Vollzeit, sondern immer nur zu bestimmten Terminen oder für eine kurze Zeitspanne begleitet hat. Es wäre sicherlich interessant gewesen, einmal eine kurze Zusammenfassung einer kompletten Woche im Leben des Spitzenpolitikers Peer Steinbrück vorgelegt zu bekommen, und auch Minkmar selbst erwähnt am Ende des Buches, dass seine Eindrücke angenehmer als die der am Wahlkampf beteiligten Personen sind, weil er sich immer Auszeiten nehmen konnte.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
"Bewegen, vorwärts ... ", dieses Günter Grass Zitat über den Wahlkampf von Willy Brandt wird ein Motto, das der Autor Nils Minkmar durch sein gesamtes Buch "Der Zirkus" ziehen läßt. Immer wieder wenn Peer Steinbrücks Wahlkampf (den er begleitet) ins Stocken gerät, oder Tiefschläge eingesteckt werden müssen, erinnert Minkmar daran. Es muss eben trotzdem weiter VORWÄRTS gehen.

Nils Minkmars Buch ist vom Stil her ein hochwertiges, längeres Zeitungsfeulliton - und so flüssig und spannend liest es sich auch. Den Begriff "Zeitungsfeuilleton" meine ich nicht negativ, dies nur eine kurze Klarstellung. Minkmar begleitet Peer Steinbrücks Wahlkampf backstage, wie man wohl bei einer Rockband sagen würde, access all areas ! DER ZIRKUS beginnt als "Winterzirkus" (Zitat) und endet dann in der Nacht des Wahlabends mit einem VORWÄRTS als "ehemaliger Kanzlerkandidat".

Das Buch ist ein Pageturner, man möchte es am liebsten in einem Zug durchlesen, es erzeugt Bilder ....... Nils Minkmar beschreibt die unterschiedlichen Szenen / Bühnen eindringlich; auch das, was nicht sichtbar ist, sondern nur zwischen den Bildern zu erahnen ist.

Fazit: ein Zirkus, keine Tragödie und keine Komödie.

( J. Fromholzer )
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Erst dachte ich beim Anblickdieses Covers: "Der Verlag hat hoch gepokert. Inzwischen spielt der Mann auf dem Cover ja keine herausgehobene Rolle mehr, da hat sich das Buch wohl erledigt, sozusagen vom Schritt der Zeit überlatscht!"

Beim Lesen allerdings wurde ich schnell eines anderen belehrt. Der Autor beweist mit seinem Buch, dass es sich beim Titel wirklich oft um realistischen Zirkus handelt. Der Blick des Autors hinter die Kulissen von Parteien und Personen ist erhellend und oftmals niederschmetternd, hin und wieder hab ich auch mal geschmunzelt.

Da säuselt die Kanzlerin ihrem Nicolas bedrückt ins Ohr, wie viel Macht sie weniger hat als er in Frankreich. Er empfindet Mitleid. Über ihn redet heute niemand mehr, die Kanzlerin ist noch immer die machtlose, dafür aber im Amt. Oder ist es doch nur gekonnter Zirkus? Sie tut so machtlos und hat ihre Parteifreunde doch alle in ihrer Hand?

Verblüffend war für mich auch, als mich Nils Minkmar darauf hinwies mit welchen Themen wir in den Wahlkampf gestartet waren und um welche es dann tatsächlich ging. Diese authentische und ehrliche Momentaufnahme des politischen Deutschland dieser Jahre zeigt sehr deutlich mit welchen Mitteln in der Politik gespielt wird. Über einiges konnte ich schmunzeln, einiges finde ich allerdings sehr bedenklich ...

Dem Autor vielen Dank für diese Einblicke!
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. Dezember 2013
Vielleicht hat Minkmar das wichtigste Buch zur Lage der SPD, der deutschen Politik, Europa und dem zwiespältigen Verhältnis zwischen Rolle und Zustand der Medien geschrieben.

Nur am Rande erzählt Minkmar die Geschichte des überraschend verflixten Wahlkampfs von Peer Steinbrück. Er nutzt die Bilder jedoch brillant, um den Blick auf die wichtigen großen Zusammenhänge und Fragen zu lenken: Vorwärts aber wohin? Wer bezahlt die europäische Schuldenkrise? Warum werden kriminelle Sportfunktionäre mit minutenlangem Applaus belohnt? Wieso duckt sich eine ganze politische Klasse vor den amerikanischen Geheimdiensten weg? Woher kommt die nächste politische Generation, wenn Politik kein erstrebenswertes Beruf(ung)sfeld darstellt? Warum Wachstum, wenn die Zufriedenheit nicht mit wächst? Wieso zahlen erneut die Sozialversicherten für die neuerliche Rettung Europas - das dritte Mal nach 2. Weltkrieg und Wiedervereinigung?

Immer wieder wird deutlich, dass es die Medien sind, die die Macht der Schärfung auf Details missbrauchen. Sie stellen den Fokus auf die falschen Nuancen. Inhalte müssen so schon lang nicht mehr überwunden werden. Wenn Merkel zum Volk sagt "Sie kennen mich", wird auch deutlich, dass sie es sich in dieser Medienlandschaft erlauben kann, das als Hauptargument für eine Wiederwahl anzubringen.

Am Ende steht ein Wahlverlierer, der vielleicht für Deutschland und Europa der bessere Kanzler gewesen wäre und bei einem selbst bleibt das ungute Gefühl, dass etwas viel Grundsätzlicheres nicht mehr funktioniert. Minkmar spricht viele dieser Grundsätzlichkeiten ganz klar an. Grundsätzlichkeiten, die für jeden offen vor Augen liegen, der sie sehen will, deren Lösungen jedoch einer Komplexität unterliegen, die uns zwischen schnelllebigen SMS, Tweets, Trending Topics und klickwütigen Publikationen abhanden gekommen ist. Was sich nicht in ein Ranking pressen lässt, ist zu aufwendig, um erforscht zu werden. Das sollen andere machen. Nur wer und wo sind diese?
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Wenn früher ein Zirkus in die Stadt einzog, kam dies fast einer Parade gleich. Bunte Wagen, Sattelschlepper, Elefanten und andere exotische Tiere erzeugten ein großes Getöse. Kinder liefen aufgeregt am Straßenrand umher, um die echte Menagerie zu bestaunen. Artisten, Jongleure und Feuerschlucker brachten ihre Augen zum Leuchten. "Erst wer im runden sandigen Boden den Blick der Zuschauer halten und ihm standhalten konnte, erst wer ein wirkliches Risiko eingegangen war, wer in hoher Höhe gezittert hatte oder Auge in Auge mit einem Raubtier stehen musste, war ein echter Unterhalter. Es war Unterhaltung, die voraussetzungs-, aber nicht anspruchslos war und so alt wie die westliche Demokratie selbst.", berichtet Nils Minkmar, Feuilletonchef der FAZ, in seinem Buch. Heute allerdings lockt diese Art der Massenunterhaltung kaum noch jemand "unterm Sofa hervor". Es gibt sie zwar noch, die Zelte, die früher das Leben ganzer Regionen in Aufruhr versetzten, aber ihre jedermann aufrüttelnde Bedeutung haben sie beinahe gänzlich verloren.

Eine gewisse Analogie kann man auch beim aller vier Jahre stattfindenden Bundestagswahlkampf feststellen. Das Interesse sinkt und den Weg an die Urne finden immer weniger. "Der Wahlkampf war etwas Optionales geworden, dem sich nur noch die motivierten und Gutwilligen zuwandten. (...) Die Akrobatik war nach wie vor vollendet, aber der Rahmen war antiquiert und lebte von der Nostalgie derer, die als Kinder und Jugendliche von den großen Shows der bundesrepublikanischen Demokratie beeindruckt worden waren.", stellt der Autor fest. Eine die Leute beschäftigende soziale Bindewirkung gibt es nicht mehr. Die Ursachen sind - ganz genau wie beim "echten" Zirkus - sicherlich in der dominierenden Konkurrenz zu Fernsehprogrammen und Computern zu suchen. Vielleicht aber auch in dem antiquierten Rahmen, aus dem die großen Parteien herausschauen. Trotzdem finden sich immer wieder Kandidaten, die sich vor den großen Karren spannen lassen und durchs Land "tingeln", um ihr politisches Programm zu präsentieren. Nils Minkmar hat sich dem Tross der SPD und ihrem Spitzenkandidaten Peer Steinbrück angeschlossen. Ein Jahr lang begleitet er ihn bei all seinen Terminen und Verpflichtungen. Beginnend mit einer Vorbesprechung im Willy-Brandt-Haus, unter dem alles dominierenden, beinahe für Beklemmung sorgenden Blick der überlebensgroßen Plastik von "Super-Willy", über öffentliche Wahlkampfveranstaltungen, das legendäre Fernsehduell mit der Kanzlerin unter Moderation von Stefan Raab bis hin zum letzten "Abgesang" nach der im September stattgefundenen und bis dato nicht ergebnispräsenten Bundestagswahl. Minkmar war Teil Staffage der "roten Wagenburg" und erhielt einen Blick in das Zentrum der Macht.

Nicht sensationsheischend, spektakulär oder populistisch, sondern fundiert, differenziert und weitestgehend neutral (eine gewisse Affinität zur SPD ist ihm dennoch nicht abzusprechen und die relativ humanen Seitenhiebe auf die Bundeskanzlerin sind nicht völlig vorurteilsfrei) schreibt er im Stil eines großen Zeitungsfeuilletonisten über seine Erfahrungen im autarken, überwiegend geschlossenen Club einer großen Partei. Wird Politik überschätzt? Wie sollte der ideale Kanzlerkandidat sein? Welches politische Programm spricht den heutigen Wähler an?, sind nur einige Fragen, die er sich im Laufe der Monate stellt und zu beantworten versucht. Er analysiert das Wahlprogramm, räumt auf mit Mythen, Hypothesen oder Vermutungen und weitet die mediale, momentbezogene Berichterstattung aus. Dies alles jedoch ohne ausufernd oder gar ermüdend zu wirken, sondern immer wieder erfrischend gewürzt durch wirkungsvolle Bonmots. Dabei liest sich dieser "politische Insiderbericht" trotz seines hohen sprachlichen Niveaus äußerst flüssig und gut verständlich.

Letztendlich kam alles so wie es fast vorausschaubar war - oder noch schlimmer: die SPD erzielte eines ihrer schlechtesten Wahlergebnisse. Vielleicht, so Minkmar, hätte sie sich lieber an den Spruch von Antoine de Saint-Exupéry gehalten, der einmal meinte: "Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer." Doch gerade damit haderte die SPD allzu offensichtlich. Sie hinterfragte sich ständig, "ob nicht ein schönes Alpenpanorama, ein tiefer Wald oder ein Kurztrip nach Berlin die Männer eher inspirierten und ob es denn überhaupt ein Schiff sein müsse - und wohin wolle man mit dem überhaupt fahren? Auf so etwas sei schon mancher ins Unglück gesegelt." Möglicherweise lag es aber auch daran, dass die Partei Wortkargheit kultiviert und "Verbundenheit mit der Verehrung der heimatlichen Scholle und vorreflexiver Instinkte statt Diskursfähigkeit und intellektueller Kompetenz." Es scheint, so der Autor, dass die SPD nur noch das "Museum ihrer selbst", ein "politisches Weltkulturerbe" ist.Vielleicht sollte sie sich die Aussage von Lars Brandt zu eigen machen, der einmal äußerste: "Man soll sich auf Dauer eben nicht schlichter geben, als man ist." Genauso wie es der Zirkus nicht tut. Denn ein kleines bisschen sehnt sich so mancher vielleicht genau dorthin zurück. Zirkus strahlt immer eine besondere Magie aus, weil er echt, weil er dreidimensional und vor allem weil er live ist.

Fazit: Kenntnisreich, informativ, interessant und fern jeglicher Populistik gewährt Nils Minkmar einen Einblick in die "Zirkusmanege" der SPD-Parteizentrale. Er berichtet von Artisten, Feuerschluckern, Raubtierbändigern und vor allem seinem "Direktor" und dessen Alltag hinter den Kulissen. Ein Buch, das viele Handlungen seiner Akteure verständlicher, wenn mitunter auch nicht nachvollziehbarer macht.
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am 31. Dezember 2013
Über ein Jahr lang begleitete Minkmar den Kanzlerkanidaten der SPD, Peer Steinbrück. Herausgekommen ist ein Buch, das sich nicht darauf beschränkt, den - oft unkoordiniert und erratisch wirkenden - Wahlkampf der SPD zu schildern, sondern das ein Schlaglicht auf den Gemütszustand der ältesten Partei Deutschlands wirft und (durchaus selbstkritisch) beschreibt, in welchem medialen Umfeld Politik heute gemacht wird.

Der Wahlkampf, dessen Chronologie dem Buch einen roten Faden gibt, ist letzten Endes nur die Schablone für ein Sittengemälde der politischen Kommunikation zu Beginn der 2010er Jahre, die eng mit der Digitalisierung verbunden ist.

Mit Nachsicht beurteilt Ninkmar das Auftreten von von Peer Steinbrück im Wahlkampf und kritisiert seine Kollegen, die lieber über Steinbrücks Missgeschicke als über sein politisches Programm berichten wollen. Aufgrund der Komplexität moderner Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik fiele es den Medien eben leichter, ein Urteil über die Person und die moralische Integrität eines Spitzenpolitikers zu fällen als über seine fachliche Eignung. Und hier habe Steinbrück mit seinen Aussagen über das Kanzlergehalt, den Preis von Weinen und seine Rednerhonorare eben mehr Angriffsfläche geboten.

Dass Minkmar in seinem Buch den Wahlkampf und das politische Establishment allgemein mit einer gewissen Distanz beobachtet - schließlich ist er als Kulturjournalist nicht Teil des "politisch-medialen Komplexes" - ist eine der Stärken des Buches. Während Wahlkampf für Politik-Geeks ein kommunikatives Hochamt ist, fremdelt Minkmar auch nach einem Jahr intensiver Beobachtung mit dem Politgeschäft, was sich schließlich auch im Titel des Buches niederschlägt. Für ihn ist Wahlkampf ein "eigener Modus", geprägt durch "große Tristesse" und "seltenen Dorfplätzen des Glücks".

Deswegen ist das Buch auch nicht einfach ein Buch für Wahlkampf-Geeks, sondern ein nachdenklicher Zwischenruf über den Zustand der Demokratie in Deutschland. Der feuilletonistische Stil mag dem ein oder anderen Leser vielleicht etwas schwerfallen, wen das allerdings nicht stört, für den ist "Im Zirkus" eine wärmstens empfohlene Lektüre für die Zeit zwischen den Jahren.

Eine Langfassung dieser Rezension finden Sie auch auf meiner Webseite.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 50 REZENSENTam 28. Oktober 2013
Eine "unvergleichliche Innenansicht des politischen System in Deutschland" wird im Klappentext versprochen. Gemessen daran ist der Buchinhalt aus meiner Sicht doch etwas limitiert. Es mag ja sein, dass der Autor während der einjährigen Wahlkampftour sehr nah dran war am Kanzlerkandidaten Steinbrück. Aber diese Nähe macht die Aussagen im Buch darüber auch nicht spannender - eher im Gegenteil. Hier mal ein Ausschnitt aus dem Buch damit der Leser in etwa einen Eindruck bekommt: "Am Abend im Hotel trank er (Steinbrück) im kleinen Kreis etwas lokalen Wein und sinnierte vor sich hin. Es gab zu später Stunde dort nichts mehr zu essen, man hatte vorsorglich Sandwiches bestellt. Es handelte sich um ungetoastetes Toastbrot, dass sich an den Ecken leicht wellte. Belegt waren die Dinger mit Salami, Mayonaise und sehr müden Salat." Meine Meinung: etwas ermüdend!

Um fair zu sein, muss man zugestehen, dass das Buch auch interessante Stellen hat, vor allem dort, wo der Autor kritisch über im Wahlkampf gemachte Fehler der SPD reflektiert. Zum Beispiel bezüglich des Wahlkampfslogans. Der hieß ja: "Das Wir entscheidet". Der Autor berichtet im Buch, dass dieser Slogan eigentlich schon vergeben war, und zwar an eine Zeitarbeitsfirma. Aber weil das nur in einem pdf-Dokument veröffentlicht worden war, hatte es die Suchmaschine der SPD nicht gefunden. Die "Tageszeitung" spottete entsprechend: "Zu blöd zum Googeln", und das ganze Land lachte mit. Der Autor kritisiert aber auch die Lieblosigkeit und Beliebigkeit der Parole. Er fragt: Wer ist mir dem "Wir" eigentlich gemeint? - nur die SPD-Anhänger, ganz Deutschland oder gar ganz Europa?

Fazit: Das Buch hat sicherlich interessante Stellen. Und für SPD-Parteistrategen mag es hinsichtlich von im Wahlkampf gemachten und für die Zukunft zu vermeidenden Fehler eine Fundgrube sein. Für alle anderen, also für fast alle, ist das Buch nach meiner Meinung aber sicher kein Muss.

Das Gleiche, was man beim "Hundertjährigen" noch total genial und erfrischend fand, wirkt nun schon ein wenig überdreht. Es ist fast wie bei einer Liebesbeziehung: eigentlich ist nichts anders, nichts schlechter geworden - aber doch fehlt irgendwie der Zauber des ersten Mals. (den es wohl immer nur einmal gibt)
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am 4. Februar 2014
Nils Minkmar begleitete Peer Steinbrück im Jahr der Bundestagswahl 2013 und beschreibt seine Impressionen. Aus diesen Impressionen wird die Fixierung auf "skandalträchtige" Themen in der medialen Berichterstattung ebenso deutlich, wie das "Gefangensein" in einer von verschiedenen Organisatoren verantworteten "Wahlkampfmaschine". Minkmar bleibt dabei jedoch nicht stehen, sondern führt diese Beobachtungen über in eine beeindruckende Medien- und schließlich auch Gesellschaftsanalyse. Auch wer diese nicht in allen Punkten teilt, wird in seinem Politikverständnis profitieren. Das Buch ist sehr verständlich geschrieben, deshalb "leicht" lesbar.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. November 2013
Ich hatte einen pointierten Einblick in den Zirkus Wahlkampf erhofft und erhielt sehr viele, wenn auch oft überzeugend analytische Worte, dass es am Kandidaten und Menschen Steinbrück, der dem Autor um einiges sympathischer als die Kandidatin Merkel zu sein scheint, nicht gelegen habe, dass die SPD verlor, wie sie verlor. Für die andere politische Richtung fehlte mir eine faire Durchdringung, vergleichbar der zuneigungsvollen Betrachtung der Sozialdemokratie.

Es klingt immer die Enttäuschung über einen Wahlkampf durch, der die großen Themen aussparte. Und es sei schade, dass die SPD zu wenig von P. Glotz hat und den Wahlkampf nicht richtig organisierte. Das letzte stimmt wohl. Des Kandidaten Solowahlkampfveranstaltung hat mir, trotz der sehr schlechten Vorbereitung, da kann ich Nils Minkmar nur zustimmen, enorm zugesagt.

Sehr lesenswert, trotzdem bei mir ein zwiespältiger Eindruck bleibt.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. Dezember 2013
- allein der titel macht ja schon neugierig
- interessant für alle, die gern hinter die politischen kulissen gucken
- manches ist schon erstaunlich
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