Kundenrezensionen


28 Rezensionen
5 Sterne:
 (16)
4 Sterne:
 (5)
3 Sterne:
 (3)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:
 (4)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das nackte Leben
Liebes Leben, auf Englisch Dear Life, was sich richtiger als "Das nackte Leben" als mit dem deutschen Titel übersetzen ließe, präsentiert 14 Stories, die nach dem Willen der Autorin ihre letzten sein werden.

Es sind erzählerische Juwelen; scharfkantig, hart, funkelnd. Munro packt ganze Leben in die wenigen Seiten. Ich empfand es fast als...
Vor 11 Monaten von alasca veröffentlicht

versus
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Billig und schlampig ausgestattetes Hörbuch
Die Bücher von Alice Munro gefallen mir sehr gut. Deshalb gönnte ich mir die teure Hör CD von Alice Munro, zumal ich die Stimme von Sophie Rois sehr gerne höre. Ich bin von der CD sehr enttäuscht und verärgert. Meine Hörbücher lade ich mir auf den mp3 player um sie beim Laufen zu hören, da wäre es bei einem Hörbuch...
Vor 9 Monaten von Susi Südzucker veröffentlicht


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das nackte Leben, 17. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Liebes Leben: 14 Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
Liebes Leben, auf Englisch Dear Life, was sich richtiger als "Das nackte Leben" als mit dem deutschen Titel übersetzen ließe, präsentiert 14 Stories, die nach dem Willen der Autorin ihre letzten sein werden.

Es sind erzählerische Juwelen; scharfkantig, hart, funkelnd. Munro packt ganze Leben in die wenigen Seiten. Ich empfand es fast als magisch, wie sie den Eindruck zu vermitteln versteht, dass ihre Figuren existiert haben, bevor die Geschichte beginnt, und dass sie ihr Leben danach fortsetzen werden. Sie gibt quasi vor, lediglich einen entscheidenden Moment dieses Lebens zu beleuchten; einen, in dem sich etwas zuspitzt oder das Blatt sich wendet. Diesen Moment breitet sie vor uns mit bestechender Klarheit aus. Das, was sie dabei auslässt, ist ebenso gehaltvoll wie das, was gesagt wird, und in den Leerräumen zwischen Gesagtem und Ungesagtem bleibt reichlich Raum für Resonanz. Ihr Blick scheint, einem Scheinwerfer gleich, den Gegenstand ihrer Aufmerksamkeit gnadenlos zu erhellen, ist aber nie ohne Mitgefühl. In ihrer knappen, polierten Komplexität klingen Munros Geschichten lange nach und wollen sich erst setzen, bevor die nächste Geschichte in Angriff genommen wird.

Der Titel des Bandes hilft, den gemeinsamen Nenner der Geschichten zu finden. Alle spielen im ländlichen Ontario; die Erzählzeit ist die Zeit der 30er und 40er Jahre. Es geht um die Frustrationen eines Frauenlebens, aber auch um die Last, Ehemann und Vater zu sein. Es geht um Tod und Verlust, um Stolz, Verrat, Enttäuschung, Verletzung, Versagen. Immer aber geht es um die Unberechenbarkeit des Lebens, das unsere Pläne durchkreuzt, die Karten neu mischt, uns überrascht, herausfordert und manchmal fast zerstört.

"Train" ist der Titel der Geschichte, die mich am meisten beeindruckt hat. Wie oft verurteilen wir das Verhalten von Menschen? Wir finden ihre Handlungsweise seltsam, herzlos, unmoralisch. Wir sagen: Wie kann man nur? Ja, wie? Munros Erzählung eines heimkehrenden Soldaten, der scheinbar grundlos vor seinem Heimatbahnhof vom Zug springt und bei der ersten Frau bleibt, die er trifft, macht klar: Nur wenn du die Geschichte eines Menschen ganz kennst, kannst du ihn verstehen. Aber verstehen wirst du ihn. Also urteile nicht. Und das ist nur eine der Geschichten, und nur eine von vielen möglichen Deutungen; ich bin sicher, dass andere Leserinnen noch ganz andere Sichtweisen beitragen könnten.

Die letzten 4 Stories nehmen eine Sonderstellung ein. Sie sind, so lässt uns die Autorin vorweg wissen, die ersten und einzigen autobiografischen Geschichten, die sie willens sei zu schreiben. Stilistisch fallen die autobiografischen Erzählungen gegenüber den fiktiven deutlich ab: Sie sind nicht so stringent, poliert und glänzend wie sie. Sie sind, wie sie einmal sagt, "nur das Leben", nicht die Fiktion, die mehr Aussagekraft hat als die sachliche Wahrheit. Trotzdem sind sie bedeutsam in Bezug auf das Phänomen Alice Munro.

Jubilee und die anderen fiktiven Orte Munros stehen für Wingham, den Geburtsort der Autorin in Southwestern Ontario. Ihre Heimat war und ist geprägt von einer für uns Europäer unvorstellbaren Ländlichkeit. Eine Gegend, die sich zwischen Lake Huron und Lake Erie über Hunderte von flachen, eintönigen Kilometern Landwirtschaft erstreckt, unterteilt von seichten Strömen; in den kleinen Städten entlang der Flüsse eine einengende Gesellschaft, deren christlich geprägte Kultur weniger den Glauben, als vielmehr eine Lebenshaltung diktiert. Wie Munro ihre Mutter beschreibt, diese Frau, die sich um jeden Preis von ihrem bäuerlichen Herkunftsmilieu emanzipieren will, lässt ahnen, wie schwer es für Munro gewesen sein muss, ihren Weg zu gehen. Dabei hat sie die Last und Eigenart ihres Ursprungs benutzt, um aus ihren Erfahrungen etwas Großartiges, Neues, aber gleichzeitig auch Allgemeingültiges zu destillieren. Was ihre Figuren fühlen, erleiden, wie sie handeln, was ihnen wichtig ist: Das ist überall auf der Welt ganz genau so. Eben dies macht die große Weisheit von Alice Munro aus.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprachgefühl, Tiefe, Kraft - ein wunderbares Buch, 7. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Liebes Leben: 14 Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
"Mit Seeblick": Eine Frau merkt, dass sie alt und vergesslich geworden ist und beschließt deswegen, 20 Meilen entfernt einen Facharzt aufzusuchen. Als sie in dem kleinen Ort ankommt, kann sie die Arztpraxis nicht finden. Ein hilfsbereiter Mann geleitet sie zu einem Altenheim, in dem der gesuchte Arzt vielleicht praktiziere. Es ist Abend, das Altenheim ist menschenleer. Als sie es wieder verlassen will, kann sie die Ausgangstür nicht öffnen. Sie sitzt im Foyer das Altenheims fest. "Sie macht den Mund auf, um zu schreien, aber es will kein Schrei herauskommen. Sie zittert am ganzen Körper, und sosehr sie sich auch bemüht, sie schafft es nicht, Luft in ihre Lunge zu bringen ... Ruhig. Ruhig. Atmen. Atmen." (S.269). Epilog: Nancy erwacht in dem Altenheim; sie hat von früher geträumt, als ihr Mann noch lebte und sie noch Auto fuhr. Eine Geschichte wie von Franz Kafka: Merkwürdig, verwirrend, beklemmend. Es wird immer enger und auswegloser. Doch dann die überraschende Auflösung: Nancy lebt schon längst in einem Altenheim und hat im Traum noch einmal ihre (und unsere) Ängste vor dem Altwerden durchlebt: Vergesslich werden. Die Eigenständigkeit aufgeben müssen. Sich von Ärzten untersuchen lassen. Irgendwann unfreiwillig in einem Altenheim landen, mit fest verschlossener Ausgangstür. Wer will das schon?

Meisterhaft, wie die 80jährige Alice Munro in diesem Juwel von einer Geschichte das ganze Problem des Altwerdens auf den Punkt bringt. Und jede einzelne der 14 Kurzgeschichten ist so gut, so dicht, so bewegend wie diese.
"Amundsen": Eine junge Lehrerin verliebt sich in den leitenden Arzt eines Heims für tuberkulosekranke Kinder.
"Heimstatt": "Die wichtigste Aufgabe einer Frau ist es, ihrem Mann eine Heimstatt zu bereiten."
"Corrie": Eine gehbehinderte Frau lässt sich auf eine Liebesgeschichte mit einem verheirateten Mann ein; spannend, was die beiden in dieser Geschichte voneinander denken, was sie einander geben und was sie vom anderen nehmen ...
"Nacht": Eine 14jährige träumt davon, wie sie ihre kleine 9jährige Schwester erwürgt. Sie kann nicht mehr schlafen, bekommt Angst vor ihren eigenen Gedanken, vertraut sich ihrem Vater an. Der sagt: "Tja. Menschen haben manchmal solche Gedanken." (S. 328) Und das war's, die 14jährige ist geheilt: "Von da an konnte ich schlafen."

Mein drittes Buch von Alice Munro, meine dritte bewegende Lese-Erfahrung mit dem Sprachgefühl, der Tiefe, der Kraft dieser fröhlichen, lebendigen Literaturnobelpreisträgerin aus Kanada. Unbedingt lesenswert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


34 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die schönste Liebeserklärung an das Leben, 8. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Liebes Leben: 14 Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
Vielleicht liegt es an der Magie der Vorweihnachtszeit. Vielleicht an den langen Abenden bei Tee und Kerzenlicht.
Ganz sicher aber liegt es an der magischen Erzählkraft von Alice Munro, dass ich die letzten Tage wie im Rausch verbracht habe.
Dabei bin ich ganz sicher kein Leser von Erzählungen. Weil 20 Seiten zu schnell vorbei sind. Und mit der nächsten Story wieder neue Personen, neue Orte auftauchen.
Ein wahrer Leser liest Romane! Dachte ich. Bis zu dem Tag, an dem ich mich auf Munros Erzählungen eingelassen habe.

Mit jeder ihrer Geschichten wird man versetzt in eine Zeit und an Orte, die sehr fern sind. Immer sind es kleine Städte in den unendlichen Weiten Kanadas.
Oft sind es die 30er, 40er oder 60er Jahre. Man gewinnt beim Lesen das Gefühl, neue Freunde und Freundinnen gefunden zu haben. Egal, ob Greta und Harris, Nachtwächter Ray, das Mädchen Caro und sein Hund Blitzee oder die vergessliche Nancy - ihre Erlebnisse und Schicksale lassen einen nicht unberührt. Man nimmt sie mit in den Tag, sie hallen lange nach.
Meist sind sie eher unspektakulär, doch jede für sich einzigartig schön.
Weil sie von der Unvorhersehbarkeit des Lebens erzählen. Von den kleinen Alltäglichkeiten und den großen Verletzungen.
Von der Hoffnung, dass ein Brief den Liebsten erreicht.
Oder, umgekehrt, von dem Wunsch, ein bereits abgeschickter Abschiedsbrief möge nach einer Versöhnung mit dem Geliebten nie eintreffen.

Und am Ende dann die vier autobiographischen und sehr persönlichen Geschichten!
Von dem Mädchen mit den Korkenzieherlocken, dass sich sehnlichst Rollschuhe wünscht.
Das sich für einen glücklichen Menschen hält, trotz Armut, harter Lebensbedingungen, einer kranken Mutter....
Mit fünf Jahren ist sie beim Vorlesen zu Tränen gerührt, wenn Alice im Wunderland als riesiges Mädchen im Kaninchenloch gefangen ist.
Sie liebt es, mit den Füßen im warmen Backofen zu sitzen und Romane wie "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" oder "Zauberberg" zu verschlingen, ohne sie wirklich zu verstehen.
Es ist wundervoll, einer so großen Autorin für wenige Momente so nah sein zu dürfen.
Und es ist irgendwie tröstlich, dass es neben "Liebes Leben" ja noch all die anderen Erzählbände von ihr gibt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von der stillen Vergänglichkeit des Lebens, 16. Dezember 2013
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Liebes Leben: 14 Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
Sie sind konzentriert wie ein Destillat, komprimiert, und manchmal kaum zu greifen. Keine leichte Lektüre für 'mal zwischendurch. Die Erzählungen in diesem Band variieren zwischen 16 und 46 Seiten. Literatur könnte nicht dichter geschrieben sein. Alice Munro gibt mit dem vorliegenden Erzählband ihren literarischen Abschied, den sie bereits bekannt gab. Gleichzeitig ist er so etwas wie eine Krönung ihres Schaffens, prämiert durch den kürzlich vergebenen Nobelpreis für Literatur. Alice Munro zu lesen, bedeutet sich auf anspruchsvollen Stoff einzulassen, der ebenso geschrieben ist. Eine Literatin die sich dem Unscheinbaren, dem Unsicheren, dem Flüchtigen verschrieben hat, ihre Botschaft liegt nicht selten zwischen den Zeilen, einzelne Sätze wirken manchmal so, als ob sie in ihrer wirklichen Dimension nur wage einzuschätzen sind. Ihre Erzählungen kreisen um Träume, um Sehnsüchte, um ganze Lebensdramen. Alice Munro erzählt von Unsicherheiten, von Ängsten, von Befürchtungen, von Ungewissheiten und der vergeblichen Bemühung, seinem Leben eine glückliche Wendung zu geben. Viele ihrer Figuren stehen im Spannungsfeld von Neubeginn und einem gescheiterten Leben, zwischen Einsamkeit und Unwirklichkeit. Hier wird völlig unscheinbar und alltäglich erzählt, unspektakulär und undramatisch nähert sich Alice Munro ihren Lebensdramen an, leise, umeinschätzbar, manchmal flüchtig. Alice Munro erzählt Provinzgeschichten, oft von einfachen Menschen. Menschen die manchmal in ihren Umständen, ihren Geschichten wie gefangen scheinen, wo der stille Schrei nach einem Ausbrechen nicht zu überhören ist und doch: Manche ihrer Charaktere sich wie ihrem Schicksal zu ergeben scheinen. Weil für mich vieles wie nicht greifbar war, habe ich viele Geschichten 2x hintereinander gelesen, manche Passagen sogar öfter. Als ob sich eine Alice Munro in ihrer Vollendung dem Leser nur langsam erschliessen würde. Oft erst beim zweiten Lesen, das gebe ich ehrlich zu, hat sich so etwas wie ein "erstes Erfassen" eingestellt. Wie ein Echo hallt so manche Erzählung nach - unmöglich nach dem Beenden, sofort eine Neue zu beginnen. So erweist sich AM einmal mehr, als ein reichhaltige Kost, die es zum Einen erst einmal zu erfassen und danach noch zu verdauen gilt. Den vorliegenden Band, empfinde zumindest ich als reichhaltiger, konzentrierter und anspruchsvoller, als zwei andere Bände die ich bereits von ihr las. Wenn ich mit etwas Mühe hatte, war es das Nicht-Fassbare. Doch den Leser in einer gewissen "Ungewissheit" zu lassen, öffnet auch Räume für das Eigene..

In DAS AUGE erzählt Munro aus der Ich-Perspektive von der eigenen Kindheit und einem damals siebzehnjährigen Kindermädchens namens Sadie. Sadie wird für die Ich-Erzählerin Identifikationsfigur und Vorbild. Als Sadie zu Tode kommt, wird auch die Ich-Erzählerin auf eine ganz eigene Art- und Weise durch ihren Tod berührt...In DOLLY erzählt Munro von einem Pensionärspäärchen, das den eigenen Tod vorbereiten will. Als eines Tages an der Haustür eine Frau Kosmetik verkaufen will, stellt sich heraus, dass sie den Mann der Ich-Erzählerin von früher kennt....In ZUG erzählt Munro von Jackson, einem Vagabunden und Kriegsheimkehrer. 60er Jahre. Er freundet sich mit Belle an, hilft ihr auf ihrem Hof, renoviert und repariert. Als Belle ins Krankenhaus kommt um eine Operation vorzunehmen, scheint sie sich völlig für ihn zu öffnen. Doch dann trifft Jackson Illeane die er von früher kennt, Munro erzählt von ihrer gemeinsamen Geschichte. Irgendwie scheint es für Jackson mit den Frauen nicht zu klappen. Munro erzählt von seiner Kindheit, seiner Prägung von seiner Stiefmutter. Als es ihm emotional zu eng wird, haut er ab, reisst seine Zelte ab. Waren er und Illeane wohl ein richtiges Paar? In CORRIE erzählt uns Alice Munro eine verbotene Liebe zwischen Howard und Corrie. Als das Hausmädchen Liliane die Liebschaft der beiden entdeckt, zahlen sie ihr Geld, um ihre Liaison zu verschweigen. Doch als Liliana stirbt, und beide auf ihrer Beerdigung sind, werden die beiden von Neuem auf eine ganz eigene Art und Weise, von ihrem Schicksal das sie mit Liliana verbindet berührt...Und schliesslich in KIES beschreibt ein Ich-Erzähler seine Kindheit mit seiner Schwester Caro und seinen Eltern. Als seine Mutter jedoch von Neal, also einem anderem Mann als seinem Vater schwanger wird, zieht die Familie in den Wohnwagen von Neal. Die Mutter erhofft sich mit dem neuen Mann - ein neues Leben. Als Neal von der Schwangerschaft erfährt - sucht er das Weite. Als dann auch noch Caro zu Tode kommt - scheint das familiäre angestrebte Glück völlig erschüttert. Doch wie Caro zu Tode kommt - lässt Munro lediglich in subtilen Andeutungen. Der Ich-Erzähler versucht bis zum Schluss eigentlich, nachzuempfinden - was mit seiner Schwester wirklich geschah...

Munro erzählt von äusseren Dramen und inneren Charakterwelten, die nicht immer ausgedrückt werden, sich doch aber erahnen lassen. Obwohl es manchmal so scheint, als ob wir als Leser keinen Zugang zu den beschrieben Personen bekommen, eröffnet sich paradoxerweise oft ein Zugang im Leser selbst, der betroffen über die erzählten Vorkommnisse nachzusinnen beginnt. Gerade das Nichtausgedrückte zumindest scheint es so, ermöglicht es dem Leser, eine eigene Reflektion zu machen. Das Innere im Verhältnis zum Äusseren steht bei Munro immer in einem gewissen Verhältnis, genauso, wie darin vorkommende Zeit die der Vergänglichkeit überdeutlich anheim fällt. Egal ob Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft, Munro packt ganze Dekaden auf gerade mal 30 Seiten rein, erzählt ganze Lebensverläufe, ganze Leben. Hier werden Menschen in ihrer stillen Suche nach Liebe beschrieben, manchmal zaghaft, manchmal bescheiden, manchmal unerfüllt, manches bleibt im Angedeuteten und Unerfüllten. Munro schafft es den Leser an Ortschaften und in Zeitabschnitte zu führen, wo Lebensschicksale wie aufeinander zulaufen. Es ist der Schmerz von unerfüllter Liebe, die dieses Werk still durchzieht, manchmal tröstend, manchmal traurig. Das Verhältnis zu den eigenen Eltern, der Wunsch fremd zu gehen, Kindheits- und Jugenderlebnisse sind es, die Munro hier ins Licht rückt. Trotz ihren Sehnsüchten leiden die Menschen, oft sind es Frauen die hier beschrieben werden, an ihren (Liebes-)Entbehrungen die manchmal unerfüllbar erscheinen. Die 83-jährige Autorin aus Kanada, packt ihre ganze Lebenserfahrung rein, geht zeitmässig bis an den Rand des zweiten Weltkriegs.

Jedoch ihr Werk und ihre Art zu schreiben in seiner Bau- und Konstruktionsweise analysieren zu können, dürfte schwierig werden - Alice Munro ist schwer einzuschätzen und auszuloten, selbst in manchen letzten Sätzen oder Absätzen einer Erzählung, weiss man im Grunde nie, ob man als Leser auf einer Falltür steht - die sich plötzlich noch nach unten aufreisst und vielleicht mit etwas konfrontiert wird, dass einem den Boden unter den Füssen wegzieht - im freien Fall- versteht sich. Selbst zu den vier letzten Erzählungen die mit der Überschrift "Finale" beginnen und stark autobiographisch vor allem über die eigene Kindheit erzählen wollen, schreibt sie: "Ich glaube, sie sind die ersten und letzten - und die persönlichsten - Dinge, die ich über mein Leben zu sagen habe." Selbst hier sind Andeutung und Nichtgewissheit - wie übrigens im ganzen Buch spürbar. Irgendwie werde ich einfach das Gefühl nicht los, dass Alice Munro eine Autorin ist, die sich erst einem nach und nach erschliesst, als ob sie in ihren Erzählungen kaum unmittelbar zu erfassen wäre. Ihre Erzählungen sind wie ein stiller Ton, der von der Vergänglichkeit des Lebens erzählen möchte. Wer sich Zeit nimmt, hat Aussicht auf etwas, das die Kraft hat, im Leser noch lange nachzuwirken. Wer es aushält, das Nichtgreifbare hinzunehmen, gibt sich die Möglichkeit - eine neue Dimension von etwas zu erfahren, zu was Literatur überhaupt fähig ist. Nicht umsonst hat Alice Munro, die grösste Auszeichnung für ihr literarisches Schaffen bekommen - für was ein Werk überhaupt ausgezeichnet werden kann.

Zitat: "Es gab mehrere Menschen in der Stadt, die ungewöhnlich aussahen, und vielleicht hätte ich sie für einen davon gehalten. Da war der Bucklige, der jeden Tag die Türen des Rathauses wienerte und, soweit ich weiss, nichts sonst tat. Und die völlig ordentlich aussehende Frau, die unablässig laut mit sich selbst redete und Leute ausschimpfte, die nirgendwo zu sehen waren." (339)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


31 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heimstatt oder: "Das Leben ist völlig unvorhersehbar.", 18. Dezember 2013
Von 
HeikeG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Liebes Leben: 14 Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
"Ich brauche nichts weiter zu tun als zuzuschauen und glücklich zu sein - mehr wird nicht von mir verlangt. (...) Wichtig ist nur, glücklich zu sein. (...) Alles andere ist egal. (...) Du glaubst gar nicht, wie gut das tut. Nimm alles hin, und die Tragödie verschwindet. Oder sie wird jedenfalls leichter, und du bist einfach da, gehst entspannt durch die Welt." Ist Glück wirklich so einfach zu bekommen, wie es ein Protagonist im neuen Erzählband der frisch gekürten Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro ausspricht? Oder hat dieser Satz in Wahrheit einen viel tieferen Sinn, als auf den ersten, flüchtigen Blick wahrgenommen? Vielleicht will die kanadische Autorin gar den Finger in die berühmte Wunde legen und darauf aufmerksam machen, nicht immer dem allerorts verheißenden Glück, dem "lieben Leben" in seinen mannigfaltigen Formen ständig hinterherzurennen. Sondern einfach einmal auszuharren und seine Umgebung bewusst wahrzunehmen, um die vielfältigen, zumeist im Verborgenen schlummernden Glücksmomente zu entdecken.

Der Stil der vierzehn neuen Erzählungen fordert dazu buchstäblich auf. Munro schreibt geradlinige, ausgesprochen inhaltsverkürzte, aber trotzdem unglaublich intensive Texte. Man erfährt vielfach nur zwischen den Zeilen, dass etwas Außergewöhnliches passiert bzw. ein einschneidendes Ereignis stattgefunden hat. Und trotzdem spricht sie in zwei Zeilen mehr aus, als andere Bücher auf dreißig Seiten. "All dieses Ausweiden, das heutzutage in Familien betrieben wird..." scheint ihr ein Graus zu sein. Fast beiläufig, scheinbar unbeteiligt, lässt sie ihre Protagonisten erzählen, so als schauten sie, mit einer Tüte Chips auf der Couch sitzend, teilnahmslos und durch eine Milchglasscheibe auf das vor ihnen vorbeiplätschernde Geschehen einer Fernsehsendung. Wie fremdgesteuerte, zumeist auch völlig emotionsarme Marionetten wirken sie dadurch.

Wirklich glücklich sind die Figuren der kanadischen Autorin allerdings nicht. Munros Geschichten handeln von Krankheit, Verlorensein und Verlust, von Betrug oder Verletzungen, vom Alter und gelebten Leben, aber auch von Liebe, Leidenschaft und Lust. Oder kurz und knapp: vom Leben. Und genau wie in jenem kann man sich auch bei Munro niemals ganz sicher sein. Die Autorin versteht es auf beeindruckende Art und Weise mit dem wirkungsvollen Stilmittel der Reduktion eine "Theorie der unguten Spannung" aufzubauen. Ihren Texten haftet eine nebelverhangene Herbstschwere an, "eine trübe Sehnsucht, eine regnerische, träumerische Traurigkeit, eine Schwere ums Herz". Zudem stattet sie sie mit einer "intellektuellen Ernsthaftigkeit und materiellen Unordnung" aus. Worte wie "vielleicht", "wer weiß", "falls möglich" oder "hätte" finden sehr oft Verwendung.

Obwohl sie sich sehr gut und flüssig lesen, fliegen sie einem nicht leichtfüßig zu wie ein Schmetterling, sondern strahlen eher eine "kontrastreiche unfreundliche Düsternis" aus. Für den Erstleser der Autorin mag dieser schnörkellose Stil zunächst etwas gewöhnungsbedürftig wirken, beinahe so wie die kahlen Äste eines winterruhenden Baumes auf einen Tropenbewohner. Auf konkrete Erklärungen wartet man vergeblich. Die "Arbeit" des Erkennens, Verarbeitens und Wertens überlässt sie dem Leser. Doch gerade dieses Unbestimmte und Vage, das von Heidi Zerning kongenial ins Deutsche übertragen wurde, versteht die scheue Kanadierin grandios auszudrücken. Lässt man sich auf diesen Stil ein, so wird man von dieser literarischen "Nacktheit" von Seite zu Seite, von Geschichte zu Geschichte mehr gefangen genommen. Denn ist nicht auch das reale Leben nackt und nicht wie allerorts medial vorgegaukelt eine bunt-schillernde Glimmer-Glitzerwelt?

Fazit: "Wir sagen von manchen Dingen, dass sie unverzeihlich sind oder dass wir sie uns nie verzeihen werden. Aber wir tun es - wir tun es immerfort." Alice Munro stößt den Leser ohne Kompromisse in diese "Dinge" hinein. "Liebes Leben" entpuppt sich dadurch nicht als fiktive Geschichte. "Liebes Leben" ist das Leben selbst!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Billig und schlampig ausgestattetes Hörbuch, 3. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Liebes Leben (Audio CD)
Die Bücher von Alice Munro gefallen mir sehr gut. Deshalb gönnte ich mir die teure Hör CD von Alice Munro, zumal ich die Stimme von Sophie Rois sehr gerne höre. Ich bin von der CD sehr enttäuscht und verärgert. Meine Hörbücher lade ich mir auf den mp3 player um sie beim Laufen zu hören, da wäre es bei einem Hörbuch mit Kurzgeschichten schon hilfreich wenn wenigstens die Kapitel betitelt wären, aber sie sind ohne Interpret Autor oder CD Nummer billigst gemacht. Man muß es erst umständlich selbst eingeben. Sophie Rois liest auch nur eine von den 6 CDs. Ich habe bei Parlando angefragt, ob alle ihre Produkte in dieser Machart sind, aber keine Antwort erhalten. Von Parlando werde ich höchstens noch Hörbücher ausleihen, jedoch nie mehr Geld dafür ausgeben. Schade um ein so gutes Buch!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alice Munro ist eine geniale Erzählerin, 12. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Liebes Leben: 14 Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
Alice Munro ist eine geniale Erzählerin. Den Nobelpreis für Literatur hat sie verdient.

Jede der Geschichten bleibt einem im Gedächtnis.

Man freut sich beim Lesen der einen schon auf die nächste.

Ich werde auch noch all die anderen Kurzgeschichten, die sie geschrieben hat, jetzt schon mit Vorfreude, lesen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig! Eigentlich 14 abgeschlossene Roman auf kleinem Raum, 20. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sprache und deren Dichte sind beeindruckend. Ein Satz kann bereits eine umfassende Aussage, eine ganz bestimmte Stimmung, eine landschaft so deutlich machen, daß man "mitten drin" ist.
Absolut lesenswert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Scharfer Blick auf das Leben, oft ernüchternder Blick auf die Liebe, 9. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Liebes Leben: 14 Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
Typisch für Alice Munros Erzählungen, und auch für die hier im Buch vereinten, sind der nüchterne Stil, die fehlende Sentimentalität, die man vielleicht in Geschichten über die Liebe und Lebensträume vermuten würde. Tatsächlich vereint die vierzehn Werke - oder zumindest die ersten zehn, die nicht autobiografisch sind - eher das Scheitern von Beziehungen als die Liebe selbst. Es geschehen kleine Verrate und Betrügereien, die ebenso schmerzhaft sind wie große, es gibt falsche Erwartungen, unterdrückte Gefühle, verleugnete Partner und mangelnde Zuneigung zuhauf. Die Grundstimmung ist durchaus melancholisch zu nennen; häufig folgt spät in der Erzählung eine gemeine kleine Enthüllung, die den Leser und die Handelnden gleichermaßen ernüchtert und nicht nur die gesamte Beziehung in Frage stellt, sondern den getroffenen oder erträumten Lebensentwurf selbst. Immer sind die Figuren, die Alice Munro entwirft, sehr realititätsnah und dadurch enorm menschlich.

Moral spielt häufig eine Rolle, ohne dass die Autorin direkt das Handeln ihrer Romanfiguren bewertet - eine Frau, die auf einer Zugfahrt spontan ihren Ehemann betrügt; ein Mann, der den Kontakt zu seiner krebskranken Freundin einfach abbricht und die Flucht ergreift, ohne sie noch einmal zu besuchen; ein Arzt, der einer Frau die Hochzeit verspricht und sie dann schäbig sitzen lässt. Wie im wahren Leben eben, muss man zugeben, und bedauert es doch, dass die Episoden kein Happy End besitzen, sondern in den meisten Fällen ein sehr offenes und oft genug entzaubertes Ende.
Unaufgeregt sind die Geschichten, und doch gehen sie tief, wirken noch lange nach, nachdem man das Buch schon wieder zugeklappt hat. Die Nüchternheit, mit der Alice Munro ihre Figuren betrachtet, lässt auch für den Leser eine Betrachtung aus großer Distanz zu, und dennoch kommt er den Protagonisten sehr nahe, weil die Autorin kunstvoll kleine Aspekte und Eigenheiten einfließen lässt, die für Lebendigkeit und Glaubhaftigkeit sorgen. Hat man sich einmal eingelesen in eine Geschichte, landet man in einem eigenen kleinen Mikrokosmos und glaubt am Ende, die Personen selbst zu kennen, so genau ist das Bild, das Munro von ihnen und ihrem Leben entwirft. Diese Fähigkeit, ein ganzes Leben auf teilweise lediglich 20 Seiten zu komprimieren und fühlbar zu machen, gehört zu den großen Stärken von Alice Munro.

Mit "Liebes Leben" hält der Leser vierzehn Kurzgeschichten in Händen, die einerseits einen scharfen Blick auf die Unberechenbarkeit des Lebens und seine Widrigkeiten werfen und andererseits einen entzaubernden Blick auf die Liebe und wie die Menschen mit ihr umgehen. Der zeitliche Rahmen - überwiegend die 1930er und 1940er Jahre, oft wird der Zweite Weltkrieg erwähnt, wenn auch nur am Rand - birgt einen zusätzlichen Reiz, die Handlungsorte - häufig der sehr ländlich geprägte Südosten Kanadas (Alice Munro wurde in Ontario geboren) - ebenso.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das nackte Leben, 9. Dezember 2013
Von 
Felix Richter - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Liebes Leben: 14 Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
Dear Life, das "nackte Leben", also das Leben in seiner Quintessenz, ist im Original nicht nur der Titel der vierzehnten und letzten Kurzgeschichte, sondern auch das Leitmotiv des ganzen Buches. Es ist ein Leben, geprägt von den Entbehrungen der kanadischen Provinz in der Zeit während und nach dem zweiten Weltkrieg, in einem aus heutiger Sicht unerträglich miefigen religiös-konservativ-patriarchalischen Milieu (wobei ihre eigene Familie diesem Schema nicht entsprach).

Die Übersetzung des Titels mit "Liebes Leben" mag dem Wortspiel geschuldet sein: Es wird tatsächlich geliebt, in dem Maße, in dem es die Umstände der Zeit zuließen, aber das ist es nicht, was die Geschichten verbindet. Es ist vielmehr der Kampf jedes einzelnen der Charaktere - fast immer Frauen - das Leben nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten, was in den meisten Fällen eigentlich nichts weiter heißt als die Offerten des Zufalls zu nutzen, oft rücksichtslos und egoistisch, aber gerade deshalb zutiefst menschlich.

Es sind Geschichten mit meist offenem Ende, bei denen man trotzdem stets das Gefühl hat, dass nichts mehr zu erzählen ist. Was folgen könnte, wäre wohl zu banal und alltäglich, wie eben meistens im Leben. Das ist das schöne, ballastfreie an Kurzgeschichten: Es wird sich auf das Wesentliche konzentriert.

Die Sammlung ist in zwei Teile gegliedert. Die ersten zehn Geschichten sind Fiktion, in der sich die Qualitäten zeigen, die Alice Munro wohl den Nobelpreis eingetragen haben. Hier gelingt es ihr, von Beginn an eine extrem dichte Atmosphäre zu entwickeln. Der Leser wird mitgenommen und schlüpft unweigerlich in die Rolle der Protagonisten, seien es Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, auch im manchmal sehr fremden Milieu von alleinherrschenden Familienvorständen und unterwürfigen Ehefrauen. Und man ahnt auch, mit welch unbändiger Energie sich Alice Munro am eigenen Schopf aus dem heimatlichen Provinzsumpf gezogen haben muss.

Dagegen fallen, wie ich finde, die vier letzten Geschichten deutlich ab, das gilt vor allem für die letzte, ausgerechnet "Liebes Leben". Es sind Erinnerungen aus ihrer eigenen Kindheit, und es ist nach ihrem Bekunden das Erste und Letzte - und Persönlichste - was sie über ihr eigenes Leben zu sagen hat. Vielleicht hat sich zwischen den Zeilen manches verborgen, aber ich hatte das Gefühl, in den ersten zehn Geschichten viel mehr über die Alice Munro erfahren zu haben, und über das Land und die Zeit, die sie geprägt haben.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Liebes Leben: 14 Erzählungen
Liebes Leben: 14 Erzählungen von Alice Munro (Gebundene Ausgabe - 3. Dezember 2013)
EUR 21,99
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen