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4.0 von 5 Sternen Aus der Gegenwart gefallen
"Im Grunde kennt die Literatur nur zwei große Themen: Die Liebe und den Tod. Der Rest ist Mumpitz." (MRR)

In diesem Sinne ist Monika Marons neuer Roman ein gelungener - denn er umkreist eben diese beiden existenziellen Fragen. Olga, die alte Freundin der Ich-Erzählerin Ruth, ausgebildete Schauspielerin, mit fast neunzig Jahren gestorben, Mutter ihres...
Vor 9 Monaten von Karl-Heinz Heidtmann veröffentlicht

versus
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Marons phantastisches Erinnerungsspiel
Einem wilden Erinnerungsreigen gleich kommt Monika Marons neuer Roman „Zwischenspiel“ daher. Maron stellt das vielleicht zentrale Thema ihres gesamten Oeuvres auch hier in den Mittelpunkt: die Erinnerung. Maron schreibt, um zu erinnern. „Zwischenspiel“ ist ein phantastisches Erinnerungsspiel, das um die großen existenziellen Fragen kreist: um...
Vor 8 Monaten von Marcel Winter veröffentlicht


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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Marons phantastisches Erinnerungsspiel, 3. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Zwischenspiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Einem wilden Erinnerungsreigen gleich kommt Monika Marons neuer Roman „Zwischenspiel“ daher. Maron stellt das vielleicht zentrale Thema ihres gesamten Oeuvres auch hier in den Mittelpunkt: die Erinnerung. Maron schreibt, um zu erinnern. „Zwischenspiel“ ist ein phantastisches Erinnerungsspiel, das um die großen existenziellen Fragen kreist: um Leben und Tod, um Liebe und Schuld. Anders als in ihren vorherigen Roman bedient sich Maron dieses Mal eines Kunstgriffs: Sie stellt die Handlung als große Traumsequenz in einem Park dar, in dem Lebende und Tote sich treffen, parlieren und über Existenzielles und Persönliches reflektieren.

Was realistisch anfängt - die Protagonistin Ruth ist auf dem Weg zur Beerdigung ihrer Freundin und Schwiegermutter Olga, verfährt sich und landet in einem Park - wird ins Surreale, Impressionistische gehoben. Die spärliche Handlung dient hierbei als Kulisse für die Reflexionen Ruths und ihrer Gesprächspartner. Maron spielt ein phantastisches Spiel, in dem Gegenwart und Vergangenheit verschmelzen und die Grenzen zwischen Leben und Tod aufgehoben werden.
Der Protagonistin begegnen auf ihrem Spaziergang durch den Park mehrere Gestalten: der Alkoholiker Bruno etwa, gleichsam der philosophische Motor, ihre verstorbene Freundin Olga und nicht zuletzt die wiederauferstandenen Margot und Erich Honecker, die ewig-gestrig ihre Meinung zum Kommunismus nicht revidiert haben. Den Tag hindurch begleitet wird die Protagonistin von einem Hund.

Der Erinnerungsreigen kulminiert schließlich in der Verlebendigung des Gemäldes „Das Begräbnis der Sardine“ von Francisco de Goya, das das Madrider Karnevalsfest als wilden Totentanz zeigt. Am Ende des Tages wird der Reigen aufgelöst und die Protagonistin wird wieder in die Realität entlassen: „Es war vorbei“, lauten die letzten Worte des Romans.

„Zwischenspiel“ ist ein Roman, der mich einigermaßen ratlos zurückgelassen hat. Das Besondere ist mit Sicherheit das surreale, impressionistische Moment und die daraus erwachsenden Reflexionen der Protagonisten. Während der Roman in den Feuilletons der großen deutschen Zeitungen durchweg positiv besprochen wurde, weiß ich mit Marons Ausflug ins Phantastische nichts anzufangen. Vieles bleibt im Vagen, ein impressionistischer Hauch ja, ein Wind deswegen noch lange nicht. Es muss die Frage gestattet sein, warum Maron für ihre Reflexionen, die viel Raum einnehmen, das Genre des Romans wählt und sich nicht etwa für den Essay entscheidet. Ihre früheren Romane, „Animal triste“ etwa oder „Endmoränen“, kreisen um ähnliche (existenzielle) Themen und haben auf mich doch eine größere Wirkung gehabt. Was bleibt von „Zwischenspiel“ in bleibender Erinnerung? Ich fürchte, nicht allzu viel.
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aus der Gegenwart gefallen, 25. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zwischenspiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Im Grunde kennt die Literatur nur zwei große Themen: Die Liebe und den Tod. Der Rest ist Mumpitz." (MRR)

In diesem Sinne ist Monika Marons neuer Roman ein gelungener - denn er umkreist eben diese beiden existenziellen Fragen. Olga, die alte Freundin der Ich-Erzählerin Ruth, ausgebildete Schauspielerin, mit fast neunzig Jahren gestorben, Mutter ihres ersten Mannes. Trauerfeiern dienen nicht nur als Beweis des Mitgefühls mit den Angehörigen, sondern auch dazu, das Leben im Zusammenhang mit dem Verstorbenen Revue passieren zu lassen.

Doch nicht nur die Aussicht, bei der Beisetzung den Vater ihrer Tochter zu treffen, verstört sie. Denn vieles haben wir in unserem Gedächtniskeller gut eingeschlossen, um Störendes zu vergessen und weiter leben zu können. Sie fragt sich, "wo die ganzen Ichs überhaupt bleiben, die man in seinem Leben war und denen man das letzte immerhin verdankt?"

Als sie am Tag des Begräbnisses erwacht, verschwimmen ihr die Buchstaben vor den Augen, ihre Wahrnehmung ist getrübt. Ruth, unlängst sechzig geworden, hadert mit der eigenen Sterblichkeit. Auf dem Weg zum Friedhof in der Nähe von Pankow verfährt sie sich und gelangt stattdessen in einen Park, der sich als ein ziemlich verwunschener Ort herausstellt und wo ihr für den Rest dieses Tages Tote und Lebende erscheinen, skurrile Szenen entstehen, in denen Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen - einzig real ein ihr zugelaufener Hund.

Die Erzählerin führt nun Geistergespräche mit den Toten ihres Lebens und es entsteht ein Dialog über alte Lieben, alte Wunden, Verrat, Abschiede - vielleicht auch nur mit den vielen Ichs, denn in ihren Tagträumen und (Selbst-) Gesprächen geht es vor allem um die eigenen Lebensentwürfe, über die Unmöglichkeit, ohne Schuld und ohne Wunden durchs Leben zu kommen, um Vergangenes, Verpasstes - und um das Sein, das Älterwerden und den Tod. Die verstorbene Olga taucht als Erste auf.

"Mein eigener Tod blieb für mich eine unvorstellbare, wenn auch mit Sicherheit zu erwartende Angelegenheit. Ich konnte mich auch nicht mit den Gedanken trösten, dass es nach dem Sterben eigentlich nicht schlimmer sein konnte als vor dem Geborenwerden (...), aber die Kränkung lag eben im Wegsein, während alles andere, die Stadt, die Straße, das Haus, der Stuhl, die Bilder, das Bett, noch da sein würde. In solchen Augenblicken wäre ich gerne religiös gewesen und beneidete alle Menschen, die ernsthaft an einen Hott und ihr Weiterleben nach dem Tode glaubte, obwohl ich nie verstand, wie ihnen das gelingen konnte."

Nach Olga taucht der tote Bruno, Saufkumpan ihres zweiten, ebenfalls totgesagten Ehemannes auf. Zu DDR-Zeiten waren sie für kurze Zeit ein Paar, ehe Ruth ihn kurz vor der Hochzeit kurzerhand sitzenließ. Mit Bernhards Mutter, der verstorbenen Olga, blieb Ruth jedoch in Kontakt - und die gemeinsame Tochter Fanny wuchs bei ihr auf. Sie folgte dem Schriftsteller Hendrik, der im Osten nicht publizieren durfte, nach West-Berlin.

Maron war und ist aber immer auch eine wachsame politische Beobachterin - auch der westdeutschen Demokratie, in der sie seit 1988 Jahre lebt. Und so berichtet sie den im Park auftretenden Schimären von Margot und Erich Honecker:

"(...) wie es in unserer schönen neuen Demokratie gerade aussah, dass wir seit Jahren in einer monströsen Krise hingen, die von den geheimbundähnlich agierenden Regierungen im Verein mit undurchschaubaren Banken ausgenutzt wurde, um neue Kommissionen, Räte und andere Gremien zu schaffen, deren Namen über ihre Funktion nichts verrieten und die den Verdacht aufkommen ließen, sie seien den Arsenalen des Regimes entliehen, dem wir gerade entkommen waren, dass die Wahlen, nach denen wir uns so gesehnt hatten, auch jetzt keine Wahlen mehr waren, weil alle Parteien einander ähnelten, dass, was immer man auch wählte, das Gleiche herauskam (...)"

Es sind feinfühligen Passagen, die das Buch lesenswert und den Leser nachdenklich machen:

"Ich habe oft darüber nachgedacht, warum wir in einer Zeit, nach der sich die meisten später als der schönsten zurücksehnen, so enttäuscht vom Leben sind, dass wir schon wegen einer unerwiderten Liebe in Erwägung ziehen, auf den ganzen Rest zu verzichten; und warum wir dreißig oder vierzig Jahre später, wenn die Leidenschaften erlahmt und die Lieben entzaubert sind, wenn die Bilanz der Niederlagen und Erfolge fast abgeschlossen ist und Krankheiten und drohendes Siechtum die verbleibende Zeit schon verdüstern, warum wir dann so verbissen um jeden Tag kämpfen, martialische Operationen und Therapien erdulden, Gliedmaßen amputieren lassen, uns füttern und windeln lassen, nur noch um den Frühlingswind auf der trockenen Haut zu spüren, wenn er durch das offene Fenster bis an unser Krankenlager weht."

Erst als es dunkel wird, verschwinden die Geister wieder, ebenso wie der ihr lieb gewordene Hund. Nur für ein paar Stunden war die Frau aus der Gegenwart gefallen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lebenslinien....., 16. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Zwischenspiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ruth, Protagonistin des vorliegenden Romans von Monika Maron, ergeht sich auf dem Weg zur Beerdigung ihrer kürzlich verstorbenen neunzigjährigen Freundin Olga in Erinnerungen, in denen sie sich mit ihren eigenen verschiedenen „Ichs“ konfrontiert sieht. Mutter, Schwiegertochter, Freundin oder potenzielle Ehefrau: alle Perspektiven vermischen sich zu einem nebulösen Durcheinander. Und doch suggeriert uns Monika Maron in ihrem Roman, wie die Wendungen des Lebens im einzelnen verlaufen können: diffus und von Brüchen und Abschieden gezeichnet.

Von Olga gilt es Abschied zu nehmen, der Frau, die Freundin und fast Schwiegermutter und Ratgeberin zugleich für Ruth gewesen ist.

Doch in ihren Erinnerungen an einem trüben Tag, den sie auf einer Parkbank verbringt, stehen auch Schuldgefühle, Trauer über das Vergangene und die Brüchigkeit ihrer Beziehungen, Versäumtes, Erlebtes und der Tod vor ihrem inneren Auge. Fanny, Ruths Tochter, ist längst ihren eigenen Weg gegangen. Jetzt, am Grab von Olga, würde Ruth allen wieder begegnen: Bernhard, ihrem fast - Ehemann und Vater ihrer Tochter, den sie mit einem kranken Sohn aus einer früheren Beziehung einst alleine gelassen hat. Sie denkt wie verloren an Fanny und auch an Bruno, einen Freund aus längst vergangenen Tagen.
In ihrer Erzählweise lässt Monika Maron ganze Lebensphasen wieder erstehen, und in einem bunten Reigen sieht man Ruths Leben vorbeiziehen.

Die DDR mit ihrem Denunziantentum hinter der Mauer und dem Zustand der Eingeschlossenen findet ebenso Erwähnung wie die guten und schlechten Beziehungen in verschiedenen Ehen oder Paarbeziehungen.

Geht es nicht uns allen so, dass wir verschiedene Leben durchleben? Gute und schlechte Zeiten, glückliche und einsame Zeiten, gelungene und weniger gelungene Entscheidungen?

Die Lektüre regt an und auf, denn unweigerlich werden wir in eigenen Assoziationen an Erlebtes und Vergangenes erinnert. Dazu gehören denn auch politische Gegebenheiten, die unseren jeweiligen Aufenthalt mit bestimmen. Lebten wir in Frieden, unter einer Diktatur, im Westen oder im Osten?

Vieles im Leben ist Zufall. Es bleibt unsere Aufgabe, uns durch das Dickicht des Tagesgeschehens einen eigenen Weg zu bahnen.
Ein nachdenkliches, weises und kluges Buch hat uns die Autorin beschert. Man lasse sich inspirieren, der eigenen Vergangenheit ins Auge zu blicken.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im "Erinnerungskeller" oder: "Die Verwandlung des Alltäglichen in seine impressionistische Variante", 26. November 2013
Von 
Heike G. (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Zwischenspiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Träume begleiten unsere Nächte und erscheinen uns zuweilen so deutlich wie die Realität. Sie können ein Bild in einem leuchtenden, strahlenden Gold malen oder nur schemenhafte Schleier in tiefem Grau bis dunklem Schwarz ziehen. Nach dem Erwachen verflüchtigen sich diese Impressionen der Nacht, die vielfach unsere Befindlichkeiten und Gefühle widerspiegeln, allerdings schnell wieder im Nirwana des schwer Greifbaren. Zurück bleibt vielleicht noch ein diffuser Schatten oder ein sich auflösendes Bild "tanzender, farbiger Punkte, die jeden Augenblick davonfliegen könnten, um sich an anderer Stelle wieder zusammenzusetzen." Mit wenigen, lockeren, groben und eher kurzen Pinselstrichen sowie größtenteils bis zur Skizzenhaftigkeit verschwommen dargestellten Objekten in hellen und kräftigen Farben, fing gerade die künstlerische Stilrichtung des Impressionismus diese flüchtigen Augenblicke am eindrucksvollsten ein. Nicht mehr das erzählende Thema, sein Wesen oder gar das abstrakte Ding an sich standen im Vordergrund, sondern die leuchtenden Farben und deren subjektive Wahrnehmung: eine neue Art des Malens sensueller "Eindrücke", des Festhaltens von Sinneseindrücken auf der Leinwand. Einer der bedeutendsten Vertreter des Impressionismus und gleichzeitiger Namensgeber war Claude Monet mit seinem Landschaftsbild "Impression, soleil levant" (1872).

Monet ist es auch, dessen "Im Park Monceau" (Au Parc Monceau, 1878) für das Umschlagbild von Monika Marons neuem Roman "Zwischenspiel" gewählt wurde. So generiert bereits der Einband einen wirkungsvollen und absolut stimmigen Einstieg in den Text der Autorin, der vielerlei Anleihen bei den "Künstlern des flüchtigen Augenblicks", wie die Impressionisten zu Beginn eher verächtlich genannt wurden, enthält. Auch Marons sechzigjährige Protagonistin Ruth erwacht eines Morgens aus einem schemenhaft-körperlosen Traum: "Für einen kurzen Augenblick war er plötzlich zum Greifen nah, nur ein Gefühl, kein Bild, und dann wieder nichts. Vielleicht hatte ich vom Tod geträumt, dachte ich, so ein dunkles Nichts kann nur der Tod sein." Es ist der Tag der Beerdigung von Olga, der Mutter Bernhards, des Vaters ihrer Tochter, mit der sie trotz des frühen Beziehungsbruchs, eine lange Freundschaft verband. Der Traum sollte allerdings nur der Anfang einer Kette irrealer Ereignisse dieses Tages sein. Zuerst blendet sie beim Betrachten des Morgenhimmels ein dem allgemeinen Strom entgegen fliegender Wolkenfetzen. Hinzu gesellt sich eine temporäre Störung ihrer Sehfunktion. Plötzlich sieht Ruth ihre Umgebung nur noch verpixelt und verschwommen, beinahe wie hingetupft. Trotzdem setzt sie sich ins Auto, um zum Friedhof zu fahren. Völlig orientierungslos landet sie in einem Park, in welchem die Vergangenheit auf einmal zum Leben erwacht. "Verbannte Erinnerungen" tauchen ungebeten auf und stehen ihr in Form diverser "Erinnerungsleichen" klar und deutlich gegenüber: "...plötzlich erschienen mir Tote, und ich sprach zu ihnen wie zu Lebenden." Olga, die vermeintlich Bestattete, erscheint höchstpersönlich und diskutiert mit ihr über Schuld und Unschuld. Ein verstorbener Freund ihres ehemaligen Ehemannes sitzt quietschvergnügt auf einer Parkbank und sogar politische "Relikte" ihrer DDR-Vergangenheit werfen munter ihrer abgehalfterten Parolen in den Raum, bevor zu guter Letzt sogar Francisco de Goyas um 1816 gemaltes "Das Begräbnis der Sardine" zum schaurig-grotesken Leben erweckt.

Monika Maron hat ganz im Stil der Impressionisten ihre ganz persönliche, illusionistische Wiedergabe der Realität literarisch umgesetzt. Nicht das Objekt an sich scheint ihr von Bedeutung, sondern die Nuancen und Übergänge und der dadurch entstehende Eindruck. Sie löst Konturen auf und lässt der Fantasie einen großen Raum. Ganz nach dem Motto: "Ein Roman sei schließlich kein Lexikon, in dem alles vorkommen müsse, was es gibt. Die Literatur lebe von Metaphern und Gleichnissen und nicht von der plumpen Benennung der Wirklichkeit." Der Leser nimmt dabei aktiv an der Entstehung und Wirkung ihres Bildes teil. Fragen und Gedanken ihrer Protagonistin geraten somit auch zu einem ganz persönlichen Disput: "Was ist so ein Ich eigentlich? (...) Wo bleiben die ganzen Ichs überhaupt, die man in seinem Leben war und denen man das letzte immerhin verdankt? (...) ob nicht vielleicht das Kind, das ich einmal war, mir von allen bisherigen Ichs am vertrautesten geblieben war?" Maron lässt Ruth über das Unverständnis des "Wegseins" von Personen philosophieren, über Schuld und Unschuld, über verpasste Lieben, Lebensentwürfe und deren Haltbarkeit und über das Älterwerden. Auch politische Gedanken werden nicht ausgespart, zum Beispiel der Irrsinn der Bespitzelung durch das MfS.
Gehalten ist das sehr gut und flüssig zu lesende "Zwischenspiel" in einem wunderbar reflektierenden Duktus. Auch wenn der Text etwas "schwer Benennbares, dass allen Gewissheiten gleich wieder den Boden entzog, das im Tragischen das Lächerliche durchscheinen ließ und umgekehrt, das glauben ließ, der Autor verfüge über ein geheimes Wissen, das ihn Menschen und Räume deutlicher erkennen ließ als andere..." enthält, gestaltet sich der geschilderte "wundersame Irrsinn eines Tages" zu einem unglaublich intensiven und bereichernden Leseerlebnis der besonderen Art, bei dem letztendlich sogar in der Darstellung des Schatten- oder Totenreiches eine logische Quintessenz gefunden wird. Denn das " Leben ist reiner Zufall. (...) erst im Dunkel des Todes erscheint unser Leben im rechten Licht." Oder eben beim Hinabsteigen in unseren eigenen "Erinnerungskeller".
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Roman wie ein impressionistisches Gemälde, 3. Dezember 2013
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Zwischenspiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Einem impressionistischen Gemälde gleich hat die in der DDR aufgewachsene und seit 1988 in der BRD lebende Schriftstellerin Monika Maron ihren neuen Roman komponiert. In einem „Zwischenspiel“ durchlebt die ich-erzählende Protagonistin Ruth, eine ausgebildete Schauspielerin, ihre Vergangenheit und ihr bisheriges Leben.

Ruths ehemalige Schwiegermutter Olga ist mit über neunzig Jahren gestorben und Ruth bereitet sich darauf vor, zu deren Beerdigung zu fahren. Sie hatte sich mit der Mutter ihres ersten Mannes Bernhard immer gut verstanden. Doch die auf der Beerdigung bevorstehende Begegnung mit ihm belastet sie. Da ist etwas lange erfolgreich Verdrängtes, eine alte Schuld, die sie hochkommen spürt. Die Frage quält sie, "wo die ganzen Ichs überhaupt bleiben, die man in seinem Leben war und denen man das letzte immerhin verdankt?"

Als Ruth am Morgen der Beerdigung erwacht, nachdem sie am Vortag alles geplant hatte, findet sie ihre Wahrnehmung verändert. Alles verschwimmt regelrecht vor ihren Augen. Ein genialer Kunstgriff von Monika Maron, um ihre Hauptfigur nun in der Folge sehr seltsame Dinge erleben zu lassen. Auf der Fahrt zum Friedhof in der Nähe von Pankow verirrt sie sich und landet in einem Park, in dem ihr den ganzen Tag lang (die Beerdigung verpasst sie) Lebende und Tote erscheinen. Nicht nur Menschen, die sie kannte und die in ihrer Vergangenheit eine Rolle spielten, sondern auch das Ehepaar Honecker taucht auf. In diesen Gesprächen, die sie mit den „Geistern“ führt, geht es über alte Lieben und kaum vernarbte Wunden. Es geht um die Erfahrung des Verrats, immer wieder auch um Abschiede. Doch es sind nicht nur die Gespräche mit den „Geistern“, die sie führt. Über lange Strecken denkt sie dort in jenem verwunschenen Park nach über sich selbst, über die Entwürfe, die sie für ihr Leben hatte, über ihr Scheitern, hauptsächlich aber und mit Nachdruck über die Tatsache, dass man nicht ohne Schuld und ohne Wunden sein Leben führen kann. So vieles ist versäumt, so vieles verpasst worden, und unaufhaltsam nähert sich das Alter und mit ihm der Tod:
"Mein eigener Tod blieb für mich eine unvorstellbare, wenn auch mit Sicherheit zu erwartende Angelegenheit. Ich konnte mich auch nicht mit den Gedanken trösten, dass es nach dem Sterben eigentlich nicht schlimmer sein konnte als vor dem Geborenwerden. Aber die Kränkung lag eben im Wegsein, während alles andere, die Stadt, die Straße, das Haus, der Stuhl, die Bilder, das Bett, noch da sein würde. In solchen Augenblicken wäre ich gerne religiös gewesen und beneidete alle Menschen, die ernsthaft an einen Gott und ihr Weiterleben nach dem Tode glaubte, obwohl ich nie verstand, wie ihnen das gelingen konnte."

Als es dunkel wird, beginnt Ruth wieder klar zu sehen und sie kommt wieder in der Gegenwart an. „Es war vorbei“.

Als der Rezensent diese letzten drei Worte des Romans liest, ist er davon überzeugt, dass diese Stunden im Park, dass dieses „Zwischenspiel“ dem Leben von Ruth noch einmal eine entscheidende Wendung gegeben hat.
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22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klug und komisch!, 26. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Zwischenspiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
'Schuld bleibt immer, so oder so', sagt Olga, soeben verstorben, zur Ich-Erzählerin Ruth auf die Frage, ob es ein Leben ohne Schuld geben könne. Ruth hat Olgas Beerdigung versäumt, weil sie den Friedhof nicht gefunden hat, und ist stattdessen in einem Park gelandet. Dort sitzt sie, von der Suche erschöpft, auf einer Parkbank und denkt über ihr Leben nach, schaut zurück, was hätte sie anders machen können, denkt an 'ihre' Toten. Und die nehmen plötzlich neben ihr Platz, teilen ihr Nachdenken über die Vergangenheit, über die Konsequenzen von Entscheidungen, befördern ihre Erinnerungen, mischen sich ein, widersprechen, machen sich lustig. Sind lustig. Ironisch. Gut. Boshaft. Böse. Dumm. Menschen eben, wenn auch tot. Ihren Gesprächen, in denen sich Gestern und Heute klug und federleicht ineinander verschränken, zuzuhören ist ein großes Vergnügen, unterschnitten sind sie mit Szenen aus der Vergangenheit, in denen kein Wort zuviel steht und kein falsches, Porträts verstorbener Freunde, die liebevoller und genauer nicht sein könnten (Bruno!) und Porträts verstorbener Feinde wie des Ehepaars Honecker, zum Fürchten komisch. Unbedingt lesen! Zwischenspiel' ist ein fantastischer Roman!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Langweilig und wirr!, 7. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zwischenspiel: Roman (Kindle Edition)
Wirres Buch bei dem man ständig darauf wartet, dass es endlich los geht.
Habe es zu Ende gelesen, da ich schon mehr als die Hälfte hatte. War aber froh, als ich damit fertig war.
Kann man getrost darauf verzichten!
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4.0 von 5 Sternen eintauchen in eine fremde Welt..., 27. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Zwischenspiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es ist das erste Buch von Monika Maron, das ich gelesen habe, da ich schon viel von dieser Schriftstellerin gehört hatte und neugierig geworden bin.
Mir hat das Buch sehr gefallen, die Idee, der Schreibstil und die Sprache. Ein Stern weniger für meiner Meinung nach zu langatmigen Episode mit Olga und Bruno, die man hätte abkürzen können oder vom Inhalt des Themas mit etwas mehr Spannung füllen.
Letztendlich sanfte Übergänge in die "Anderswelt" der Verstorbenen, in denen die Autorin den Leser mitnimmt.
Am Ende eine ebenso sanftes "Erwachen" in der Realtiät, mit dem Eindruck wertvolle Gespräche und Gedanken der Protagonisten mitgenommen zu haben.
Ich würde das Buch jedem empfehlen!
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5.0 von 5 Sternen Interessantes Buch und interessantes Hörbuch!, 25. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zwischenspiel (Audio CD)
Habe es als Geschenk an eine Freundin geschickt, die - wie ich - sehr anspruchsvoll ist, was Literatur betrifft. Sie ist von der CD genauso angetan, wie ich von dem Roman in Buchform.
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein virtuoses Buch!, 8. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Zwischenspiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die ersten Seiten führen den Leser sachte und leicht wie in einen Tanz hinein, der bereits einige Seiten weiter zu einem wilden Reigen wird, dem man sich nicht entziehen kann. Und in dem fantastischen, humorvollen Geschehen schwingen immer die großen Fragen des Menschseins mit. Doch es ist nicht allein die Geschichte, die diesen wunderbaren Roman trägt, sondern auch und im Besonderen die Sprache, der Ton der Autorin: einzigartig, unverwechselbar, grandios!
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Zwischenspiel: Roman
Zwischenspiel: Roman von Monika Maron (Gebundene Ausgabe - 18. Oktober 2013)
EUR 18,99
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