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5.0 von 5 Sternen Im Zentrum der Macht und der Geschichte Russlands, 11. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Kreml: Eine neue Geschichte Russlands (Gebundene Ausgabe)
Vordergründig vollzieht Catherine Merridale in ihrem sehr flüssig und eingängig geschriebenen Buch die bauliche Geschichte und die baulichen Eigenheiten des Kreml als „roter Faden“ durch das Buch minutiös nach.

Das Gebäude kennt der Leser am Ende der Lektüre bis in den letzten Winkel hinein, was sowohl der bildkräftigen Beschreibung Merridales als auch den übersichtlichen Karten und Plänen im Buch geschuldet ist.

Hintergründig, vor allem, legt Merridale in ihrer „Gebäudebiographie“ aber ebenso eine übersichtliche, fundierte und hervorragend zu lesende Geschichte Russlands vom 12. Jahrhundert an bis in die Gegenwart hinein.

„Der Kreml ist ein Ort, an dem sich Geschichte konzentriert und an dem jeder Stein mehrere Vergangenheiten zu repräsentieren scheint. Die Wirkung ist hypnotisch“.

Und das ist keinesfalls zufällig im Lauf der Jahre so „bebaut“ worden, weder das „Chaos der Dachverkleidung“ bis hin zu der „überwältigenden Menge von Palästen und uralten Mauern“, es gilt (und das führt Merridale überzeugend dargestellt vor Augen):
„Außerdem ist der Kreml absichtlich so arrangiert worden“.

Eines aber ist der Kreml nicht, und das hat System. Das Gebäude ist nicht “heimelig“ , genauswenig, wie es übersichtlich daherkommt. Es war (und ist) von Beginn an Ausdruck (und dementsprechend in späteren Bauphasen darauf beruhend ausgebaut worden) „Ausdruck des besonderen Charakters der russischen Kultur“ und verweist in seinem Stil „auf die historisch verwurzelte Macht“.

So spiegelt sich vom Bau des Kreml (aus Holz und mehrfach niedergebrannt in den Folgejahren) über die ersten Mauerwerke bin hin zu den goldenen Dächern und darüber hinaus die wechselhafte Geschichte Russlands im Bauwerk wieder, wie der Kreml selbst als „corporate identity“ Signalwirkung in vielfacher Form in das russische Volk immer wieder hinein entfaltet hat.

So wie Anfang des 17. Jahrhunderts das „Goldene“ Ausdruck des Volksgefühls war, das „frische Ideen (nicht) nützlicher sein könnten als überlieferte Frömmigkeit“ und der starken Sehnsucht nach einem „goldenen Zeitalter“, in der Zar in Glanz und Prunk regiert.

So wird auch aus dieser Betrachtungsweise her erklärlich, warum Peter der Große, dem Fortschritt anhängend, Moskau und den Kreml mied und in St. Petersburg seinen Ort der „Weltoffenheit“ anders und neu erbaute. Eine Offenheit dem neuen, den Ideen, der Welt gegenüber, die, wie die neuere Geschichte des Kremls von der Oktoberrevolution an zeigt, sich nicht erhalten hat, sondern wieder in die „Trutzburg“ eingezogen ist.

Aber auch die Phase der „Normalität“, die mit Boris Jelzin im neuen „Zeitabschnitt“ begann und auch unter Putin durchaus über lange Strecken hinweg im Kreml anzutreffen war (und in Teilen noch ist) findet im Buch seinen Niederschlag.

Immer wieder aber ist der Kreml Schauplatz, Symbol und Mittelpunkt der russischen Drehung „um die eigene Achse“, eines starken, verwurzelten, in Teilen nicht nur in der Sowjetzeit irrationalen Patriotismus, eines Ausbaus und Glanzes des Kreml innen wie außen, der sich bei Weitem nicht immer in der tatsächlichen Lage Russlands und seines Volkes widerspiegelt.

Ein interessantes und informatives, gut zu lesendes Buch, dass der „russischen Seele“ und der russischen Geschichte von ganz anders als gewohnter Seite her sich nähert.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Kreml - im Zentrum der russischen Geschichte, 20. Mai 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Kreml: Eine neue Geschichte Russlands (Gebundene Ausgabe)
Catherine Merridales neues Buch lässt sich mit einer Matrjoschka vergleichen. Es enthält nicht eine Geschichte, sondern drei Geschichten, die ineinander verschränkt sind - die Geschichte des Kremls, der Stadt Moskau und des russischen Staates von seinen Anfängen im Mittelalter bis in die Gegenwart. Kaum ein zweites Bauwerk wird so sehr mit Russland assoziiert wie der Moskauer Kreml. Er befindet sich nicht unbedingt im geographischen Zentrum des Landes, kann aber als symbolisches Zentrum Russlands gelten. Der Eindruck, er sei eine Trutzburg, die die Jahrhunderte unverändert und unbeschadet überstanden habe, täuscht. Der Kreml hat Dynastien, Eroberer und verschiedene Regime kommen und gehen sehen; er war zahllosen Feuersbrünsten ebenso ausgesetzt wie Napoleons Sprengmeistern und dem vandalenhaften Wüten der Bolschewiki, die in den 1920er und 1930er Jahren etliche Kirchen und Klöster auf dem Kremlgelände niederreißen und abtragen ließen. Der Kreml wurde so oft umgebaut oder um neue Bauten erweitert, dass sich seine ursprüngliche Gestalt kaum noch erahnen lässt. Fest steht, dass die Anfänge der Bebauung auf dem Kremlhügel mindestens bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen.

Merridales Buch bietet mehr als nur die Geschichte eines architektonischen Ensembles. Aber selbst diese Geschichte wäre für sich allein genommen spannend und faszinierend genug, um erzählt zu werden. Da der Kreml jahrhundertelang als Herrschaftssitz der Moskauer Großfürsten und russischen Zaren diente, bietet es sich an, ihn als Prisma zu benutzen, um die wesentlichen Linien und Leitmotive von acht Jahrhunderten russischer Geschichte herauszuarbeiten. Das Wachstum des Kremls vollzog sich parallel zum allmählichen Erstarken des russischen Staates. Merridale erzählt von den verschiedenen Funktionen des Kremls, von seinen Glanzzeiten und den Zeiten der Vernachlässigung, von der Bedeutung, die er für das russische Volk als Erinnerungsort und Bezugspunkt nationaler Selbstvergewisserung hatte, von seinen vielen architektonischen Metamorphosen, von seiner Anziehungskraft auf in- und ausländische Künstler und Baumeister. Das Nebeneinander von Palästen, Kirchen und Klöstern innerhalb der Kremlmauern verdeutlicht die enge Verbindung von weltlicher und geistlicher Macht im Moskauer Staat. Bis ins späte 17. Jahrhundert diente der Kreml als Fürstenresidenz, Verwaltungszentrum, Krönungsort, Schatzkammer und Herrschergrablege; in Krisen- und Kriegszeiten schützte er die Herrschenden vor rebellierenden Untertanen oder äußeren Feinden. Seit der Verlegung von Hof und Regierung nach Petersburg fristete er jedoch ein Schattendasein. Die Nachfolger Peters des Großen kappten die Verbindungen zum alten Moskauer Reich aber nicht vollständig: Bis hin zu Nikolaus II. kehrten alle Zarinnen und Zaren in den Kreml zurück, um sich dort krönen zu lassen.

Im 19. Jahrhundert wurden die Bauten, Kunstschätze und Archive des Kremls zum Mekka russischer Historiker und Kunstwissenschaftler. Nirgendwo sonst schienen russische Geschichte und russische Kultur in derart konzentrierter Form vorzuliegen. Der Kreml wurde zum Objekt wissenschaftlicher Studien und archäologischer Ausgrabungen. Seine Zeit als Regierungssitz schien ein für allemal vorbei zu sein; die Umwandlung in ein gigantisches Museum, eine "russische Akropolis" zeichnete sich ab. Doch Anfang 1918 verlegten die Bolschewiki die Hauptstadt zurück nach Moskau. Sie verschanzten sich im Kreml. Die neuen kommunistischen Herrscher waren kulturelle Barbaren und hatten keinen Sinn für die Schätze, von denen sie umgeben waren. Einige der ältesten und architekturgeschichtlich bedeutsamsten Kremlbauten fielen der Abrissbirne zum Opfer, ebenso wie weite Teile der Moskauer Altstadt. Wieder wurde der Kreml zu einem Ort, an dem eine kleine, weitgehend unsichtbare Elite Entscheidungen über das Schicksal des Riesenreiches traf, ohne dass die Bevölkerung Einfluss auf diese Entscheidungen nehmen konnte. Für Merridale ist der Kreml auch ein Symbol für das Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft in Russland, ein Sinnbild für die Distanz zwischen Herrschern und Beherrschten. Erst unter Chruschtschow gewann der Kreml eine neue Rolle, die er bis heute besitzt - die einer Touristenattraktion. Seine alte Funktion als Schaltzentrale der Macht und Bühne für die Selbstdarstellung des Staates und seiner Führer hat er ebenfalls bis heute behalten.

Der Kreml steht aber keineswegs nur für Selbstisolation und Abschottung nach außen. Im Gegenteil, gerade der Kreml bietet viele Beispiele dafür, wie Russland kulturelle Einflüsse aus dem Ausland aufnahm. Es waren italienische Architekten, die im späten 15. Jahrhundert den Kremlmauern und einigen Kremlbauten eine Gestalt gaben, die sich im Wesentlichen bis heute erhalten hat. Peter I. richtete im Kreml das erste russische Theater nach westlichem Vorbild ein, argwöhnisch beäugt von der orthodoxen Geistlichkeit. Trotz aller geschichtlichen Veränderungen, trotz aller Wunden, die ihm geschlagen wurden, blieb der Kreml bis heute ein Gravitationszentrum, das unablässig Aufmerksamkeit auf sich zieht, an dem niemand vorbeikommt, sei er Politiker, Journalist oder Tourist. Es ist eine erzählerische Meisterleistung, wie Merridale politische Geschichte, Kultur- und Architekturgeschichte miteinander verknüpft. Die im Untertitel angekündigte "neue" Geschichte Russlands bietet sie allerdings nicht. Ihre Ausführungen zur russischen Geschichte sind konventionell und frei von überraschenden Einsichten. Lehrreich, informativ und unterhaltsam ist das Buch aber allemal. Zahlreiche Farbabbildungen sowie einige Karten und Baupläne unterstützen den Text. Leider fehlen Stammtafeln, so dass bisweilen der Überblick über die Verwandtschaftsverhältnisse der Moskauer Großfürsten und russischen Zaren verlorengeht. Die ideale Vorbereitungslektüre für eine Moskaureise!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kam sehr gut an, 27. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Kreml: Eine neue Geschichte Russlands (Gebundene Ausgabe)
Da dieses Buch ein Geschenk war für einen aus Russland stammenden, jungen, Mann, der sehr an der Geschichte seines eigentlichen Heimatlandes hängt, kann ich selbst nur das Feedback weiter geben das ich erhalten habe.
Laut Seiner Meinung ist das Buch eine sehr gut gelungene Aufzeichnung des Kreml. Vom Bau bis heute werden alle Bauten erklärt, beschrieben und es sind zigfach Zeichnungen und Photos vorhanden die die ganzen Epochen und Stile erzählen. Daneben ist das Buch wohl auch über die Geschichte Russlands sehr gut recherchiert und aufgearbeitet.
Seiner Meinung nach eine absolute Kaufempfehlung.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichte des wohl bekanntesten Gebäudes der Weltgeschichte, 24. Juni 2014
Von 
HEIDIZ "Bücherfreak" (Heyerode) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der Kreml: Eine neue Geschichte Russlands (Gebundene Ausgabe)
Ich habe mit meinem Mann unsere Hochzeitsreise zu DDR-Zeiten nach Moskau und (damals) Leningrad unternommen – nun habe ich durch Zufall ein Buch entdeckt, welches mich an diese Reise erinnert hat und mir Informationen bot, die ich gern aufnehmen wollte …

Der Kreml – eine neue Geschichte Russlands …

Wir hatten damals hinter dem Kreml in einem Theater „Der Barbier von Sevila“ erlebt in Russischer Sprache – man kann sich vorstellen, dass das ein unvergessliches, wenn auch nicht einfach aufzunehmendes Erlebnis war ….
Zum Kreml habe ich daher eine ganz andere Beziehung – ganz andere Erinnerung, wie man meint, dennoch interessierte mich dessen Geschichte. Außerdem hatte ich von einem Bekannten erfahren, der das Buch gelesen hatte, dass es wirklich interessant und lesenswert geschrieben ist, so dass es auch Nichthistoriker verstehen.

Mein Interesse war geweckt und so möchte ich euch heute berichten, wie mir das Buch gefallen hat.

Gliederung:
=========

Anmerkung zum Text
Einleitung

Grundsteine
Renaissance
Der goldene Palast
Kremlenagrad
Ewiges Moskau
Klassische Ordnungen
Feuervogel
Nostalgie
Akropolis
Rote Festung
Kremnologie
Normalität

Anmerkungen


Das Buch beginnt mit einer ganzseitigen Skizze des Kreml unter Wassili III. 150ß5 – 1533. Doppelseitig wird dann Moskau mit seinen Nachbarn unter Iwan dem Schrecklichen ca. 1550 gezeigt. Weiter geht es mit einer Abbildung von Zentral-Moskau, des Kreml und Kitai-Gorod. Die 4. Abbildung zeigt den Plan des Kreml von 1903, einschließlich der Gebäude, die nach 1917 abgerissen wurden. Abschließend sieht man eine Skizze des Planes vom Kreml, wie man ihn 2013 sehen konnte.

Inhalt:
=====

Der Kreml „überlebte“ alle Kriege und Anfeindungen und von all diesen wird im Buch berichtet. Er ist das Symbol der Russischen Nation und wohl auch das bekannteste Bauwerk der Welt. Der Kreml ist eine Festung, auch, wenn man ihn meist gar nicht als solche sieht und betrachtet. Die Autorin schildert die Historie dieser Festung, die uneinnehmbar war und ist, die standhaft blieb, wie das Russische Volk. Gleichzeitig mit der Geschichte des Kreml lernt man die Geschichte Russlands zu einem wichtigen Teil kennen. Man „wandert“ durch die einzelnen „Kapitel“ dieses Bauwerks innerhalb der Geschichte und lernt somit die Geschichte Russlands und der Welt kennen. Die Autorin schildert spannend und packend fesselnd, überhaupt nicht trocken – ganz im Gegenteil, was den Kreml ausmacht. Sie schildert das Auf und Ab dieser Festung und ich war absolut begeistert von ihrem Können, das sachlich Recherchierte in eine romanhaft spannende Form zu „pressen“. Zarenkrönungen wurden hier vollzogen und es wurde intrigiert – was bedeutet, dass man an Hand dieser Erklärungen gut in die Tiefe der Geschichte eindringen kann und ein Verständnis für Russland und seine Menschen sowie seine Macht aufbauen kann, wenn man sich intensiv mit dem Inhalt des Buches beschäftigt, sich darauf einlässt.

Die Schreibweise ist sehr ansprechend. Literarisch schreibt die Autorin interessant und inhaltlich sachlich tiefgründig – dennoch nicht trocken sondern imposant und verständlich.
Wenn man den Lebenslauf der Autorin liest, dann wird klar, warum sie so informativ und inhaltlich tiefgründig und umfassend komplex schreiben kann.

Im Buch sind auch 31 Farbaufnahmen zum Kreml zu sehen, die die Texte nochmals bildhaft untermalen. Außerdem ist das Buch mit einem edlen Lesebändchen versehen.

Leseprobe:
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Als junge Braut hatte sich Katharina die Große Mitte des 18. Jahrhunderts in ihren Briefen über die verschiedenen Unannehmlichkeiten des Kreml beklagt. Als ihr Sohn, Kaiser Paul, 1797 gekrönt wurde, zogen es große Teile seines Gefolges aus den gleichen Gründen vor, sich außerhalb der Zitadelle einzuquartieren. (17) Aber andere wurden durch die Romantik und den Reiz der Gotik von der alten Stätte angelockt. Auch Fürstin Golowina, die zur Krönung des neuen Zaren in Moskau eintraf, beschwerte sich wie die meisten über den Mangel …

Die (17) ist in den Anmerkungen erläutert. Es gibt auch ein Abkürzungsverzeichnis und Informationen zu weiterführender Literatur.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "...weil alles auf Mythen beruht." (S.511), 21. Mai 2014
Von 
Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Kreml: Eine neue Geschichte Russlands (Gebundene Ausgabe)
Ich bin mir nicht ganz sicher ob es sich Catherine Merridale an einigen Stellen ihres beeindruckenden Werkes nicht doch ein wenig zu einfach macht. So schreibt sie in der Gegenwart angelangt: "Das Hauen und Stechen der Realpolitik, die Kompromisse, die Korruption und die Händel werden verborgen, weil alles auf Mythen beruht." Was soll dieser Ausflug der Wissenschaftlerin in die Polemik? Hauen und Stechen in der täglichen Realpolitik gibt es auch in Berlin und Washington, ebenfalls gut versteckt.

Stärken des Buches sehe ich besonders in den geschichtlichen Erläuterungen der Autorin. Es ist spannend den Ausführungen Merridales zu folgen. Genau beschreibt sie die ersten Anfänge vor 1000 Jahren auf dem Hügel nahe Moskau, der heute der Kremlhügel genannt wird. Sie zählt die Zarenfamilien und Brände auf und es wird nicht langweilig ihr zu folgen. Geschickt verbindet sie Zitate und Episoden und es macht Spaß sich als Laien mit dem Riesenreich im Osten zu beschäftigen. Spätestens beim Lesen bekommt man ein Gespür von und für Russland.

Kein anderer Regierungssitz kann auf eine so reiche Geschichte verweisen wie der Kreml, deshalb ist es wichtig, dass Catherine Merridale dieses Buch geschrieben hat. Übrigens widerlegt sie ihren Satz mit den Mythen indirekt selbst. Sehr richtig beschreibt sie den Kreml als ein Sammelsurium an Einflüssen aus aller Welt, also mit geheimnisvollen russischen Mythen ist man wohl auf dem Holzweg.
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5.0 von 5 Sternen Sachbuch, historischer Thriller, Biographie: DER KREML, 4. August 2014
Von 
J. Fromholzer "fromholzer" (berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Kreml: Eine neue Geschichte Russlands (Gebundene Ausgabe)
Sachbuch, historischer Thriller und Biographie - das alles ist DER KREML von der Historikerin Catherine Merridale. Zügig zu lesen, keine Seite langweilig und stets ist der Leser im Bann dieses bombastischen Bauwerks, nicht selten glaubt man bei der Lektüre den Weihrauch der Kirchen zwischen den Zeilen heraus zu riechen, so eindringlich schildert Catherine Merridale Räume und Menschen. Bei den Räumen natürlich auch die öffentlich nicht zugänglichen.

Richtig gespenstisch wird es u.a. 1812, als die Franzosen vor Moskau stehen: "Im Verlauf der Schlacht hielt Moskau eine Nachtwache und eine religiöse Prozession im Kreml und um den Roten Platz ab. Die Gläubigen strömten in die Entschlafens-Kathedrale, um zu beten. Andere meldeten sich freiwillig, um die 22.000 Verwundeten (...) zu versorgen, die bereits in den Lazaretten und provisorischen Krankenstationen der Stadt eingetroffen waren. (...) Schmuck, Ikonen und Gold aus dem Kreml wurden nach Süden und Osten zur Wolga und nach Wladimir gekarrt; andere Objekte (...) vergrub man unter den Kremlmauern.", Seite 280 - 281.

Was immer wieder auffällt, je weiter man mit der Lektüre des Buch vorankommt: die Unübersichtlichkeit des Kremls. Kennt man überhaupt alle Räume, Kellergewölbe, verschüttete und vergrabene Schätze? Hier beginnt dann sehr stark die eigene Phantasie des Lesers zu arbeiten.

Fazit. Perfektes Sachbuch und historischer Thriller.

( J. Fromholzer )
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4.0 von 5 Sternen KREML, 24. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Kreml: Eine neue Geschichte Russlands (Gebundene Ausgabe)
Der Kreml. Eine neue Geschichte Russlands. Catherine Merridale
Sehr informativ. Unterhaltsam und spannend geschrieben. Der aktuelle
geschichtliche Hintergrund könnte etwas ausführliocher sein.

E.H.P.
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Der Kreml: Eine neue Geschichte Russlands
Der Kreml: Eine neue Geschichte Russlands von Catherine Merridale (Gebundene Ausgabe - 22. Mai 2014)
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