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Kundenrezensionen

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am 24. Oktober 2012
Das Buch ist für den Kindle nicht ordnungsgemäß formatiert. Im Text befinden sich hunderte Anmerkungen, die mit einer Zahl in geschweiften Klammern gekennzeichnet sind. Erstens kann man auf dem Kindle auf diese Anmerkungen gar nicht zugreifen, zweitens stehen sie teilweise mitten im Wort! Also z.B. so: Ereig{305}nis. Das ist beim Lesen störend. Der Verlag beweist, dass er offensichtlich nur die Kohle abkassieren will, sich aber nicht dafür interessiert, wie das eBook überhaupt aussieht!
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am 28. Oktober 2013
Alles fängt so schön an: Familie Buddenbrook ist auf dem Gipfel des Erfolgs, der Lübecker Clan sticht Konkurrenten aus, die Tochter des Hauses hält die vorwitzige Nase hoch, der Urgroßvater klopft ihr auf die Schultern. Feste jagen Feste, der Sparstrumpf wird immer voller, man kungelt um Mitgiften und biedert sich bei der Kirche an. Auf große Häuser folgen noch größere, und doch: würde sich Familie Buddenbrook aus der Vogelperspektive betrachten, würde ihr auffallen, dass alle Mitglieder schlechte Zähne haben – ein früher Hinweis auf den Tod des Senators, der spät im Roman nach einer misslungenen Zahn-OP sterben wird. Warum ich Zähne erwähne? Thomas Mann lehrt seine Leser, dass einer Familie, die opportunistisch ist und am Alten festhält, der Biss fehlt – der Biss, um gegen eingetütete Eheschließungen aufzubegehren; der Biss, um frömmelnden Priester, die ihr Geldsäcklein aufhalten, an der Haustür abzuwehren; der Biss, eine gebärfreudige Blumenfrau zu heiraten statt eine bleiche reiche Kaufmannstochter aus Amsterdam, mit deren Exotik man sich so gern schmücken will. Und ja, auch der Biss, "nein" zu sagen, sich die Perücke vom Kopf zu reißen, ehrlich zu sein und aufrichtig statt strategisch und manipulativ und konservativ und die Güter beschützend und dem Luxus verfallen sowie dem Anstand und der Fassade. Eine radikale Gesellschaftskritik, die jedem zu denken geben sollte, ist sie doch noch immer gültig – nicht allein zwischen den Jahren 1835 und 1877. Familie Buddenbrock – das ist ein Clan, der lernunfähig ist. Und so heißt es ganz am Ende: "Es ist, wie es ist." Fügsamkeit statt Kreativität – die "Buddenbrooks" lehren, wie man alles falsch macht. Manns imposantes Werk habe ich bereits zweimal gelesen. Es ist ein richtig dicker Wälzer, in dem sich mit der eigenen, steigenden Lebenserfahrung immer mehr Neues und Verstecktes entdecken lässt. Das macht es zu einem meiner Lieblingsbücher.
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am 18. Dezember 2012
Weder Fußnoten,noch Bemerkungen. Seitennummerierung mitten im Wort, wie es in anderen Rezenzionen beschrieben. Insgesamt sehr unprofessional, entspricht nicht dem Niveau von Kindle-Büchern.
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am 18. Mai 2007
In diesem Buch zeigt sich ganz besonders, wie meisterhaft Thomas Mann mit der deutschen Sprache umgehen konnte. Stilistisch sind die "Buddenbrooks" ein Kunstwerk erster Güte, ein aus fadengeraden Sätzen, punktgenauen Beschreibungen, zielsicheren Dialogen, exakt gesetzten Motivwiederholungen gezimmertes Konstrukt, das über mehrere hundert Seiten hinweg eine spannende, niederschmetternde Geschichte erzählt, die Geschichte vom Untergang einer großen Familie. Thomas Manns über die Seiten fließende Sätze führen einen mit exakter Eleganz und zugleich spielerischer Leichtigkeit durch Leben und Sterben seiner bis ins I-Tüpfelchen ausgereiften Charaktere und lassen einen dabei abwechselnd pikiert die Nase rümpfen, süffisant lächeln, herzlich lachen und genauso herzlich weinen.

Wer Gefallen an der deutschen Sprache und ihren Finessen findet und sich an Detailverliebtheit nicht stört, wird an diesem Buch seine Freude haben und darüber hinaus so gebannt von der Story sein, daß er am liebsten die Nacht durchlesen würde!
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am 16. November 2014
Im Jahre 1835 feiert die Kaufmannsfamilie Buddenbrook im Kreise ausgewählter Gäste den Einzug im neuen Stammhaus in der Mengstraße. Weitläufig, aber nicht pompös, ist das Haus Symbol für die guten Geschäfte von Vater und Sohn, die mit hanseatischer Nüchternheit den guten Ruf und den wirtschaftlichen Bestand von Firma und Familie mehren. Aber unter der akkuraten Oberfläche gibt es kleine Risse. Der bereits mit Geld abgefundene weitere Sohn Gotthold stellt neue Forderungen. Die Buddenbrooks jedoch sind kühle Rechner, die auch in familiären Dingen zuerst mit den Augen eines Geschäftsmanns abwägen, um dann mit der Sicherheit erfahrener Kaufleute zu ihren langfristigen Gunsten zu entscheiden.

Thomas Mann zeichnet in seinem gewaltigen Zeitgemälde des 19. Jahrhunderts das Bild eines deutschen Bürgertums, das in seinem traditionellen Status gefangen ist. Der Ehrenkodex der rechtschaffenen Kaufleute und der unverrückbare Glaube in den dauerhaften Fortbestand ihrer Wertvorstellungen macht die Buddenbrooks blind für die Umwälzungen ihrer Gegenwart. Mit dem "Verfall einer Familie" ist gleichzeitig der Untergang einer Schicht bezeichnet, der es nicht gelingt, sich der neuen kapitalistischen Realität zu eröffnen. Die Mitglieder der Familie sind dazu verurteilt, ihr eigenes Schicksal dem Wohlergehen des Unternehmens zu opfern. Und nicht allen gelingt es, die damit einhergehenden Leiden zu verschmerzen.

Als im Frühjahr 1900 Thomas Mann dem S. Fischer Verlag in Berlin sein Romanmanuskript einreichte, konnte niemand ahnen, das hier ein Stück Weltliteratur zur Veröffentlichung kommen sollte. Mann, gerade 25 Jahre alt, war bislang nur durch ein paar Novellen in Erscheinung getreten. Dieses umfängliche, aber auch beeindruckend reife Werk begründete seinen literarischen Ruhm, der ihn bis zum Literaturnobelpreis führen sollte und auch nach seinem Tod nicht abreißen sollte. Der "Zauberer" hatte zum ersten Mal die Magie seiner Sprache entfaltet unrd die Leser in seinen Bann gezogen. Er hatte aber auch bewiesen, wie stilvoll und harmonisch ein Meister das Deutsche, unsere Muttersprache, gebrauchen kann.

Jahrzehntelang ist dieser glanzvolle Roman als Schullesestoff unter pädagogischen Aspekten zerlesen worden, was dem Buch unsinnigerweise einen schlechten Ruf eingebracht hat. Wem es gelingt, sich von unschönen Unterrichtserinnerungen frei zu machen und dieses wunderbare Werk unvoreingenommen zu lesen, wird vielleicht eine große Überraschung erleben: Stoff und Sprache sind unverändert lebendig und fesselnd.
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am 20. Januar 2013
Inspiriert vom Fernsehfilm bestellte ich die Originalfassung. Obwohl ich den Schluss dadurch schon kannte, gab es doch viele weitere Begebenheiten. Durch die Originalsprache des 19. Jhdt. kann man sich sehr gut in die damalige Denkweise dieser Gesellschaftsschicht hineinversetzen. Und es erschüttert doch immer wieder, wie wenig Rechte die Frauen vor gar noch nicht so langer Zeit besaßen.
Leider - und das haben ja auch die anderen Leser immer wieder bemängelt - ist diese ebook-Fassung mit ganz vielen kleinen Zahlen in geschweiften Klammern bestückt, manchmal mitten im Wort und das beeinträchtigt den Lesefluss. Am Ende des Buches las ich dann, dass dies jeweils die Seitenumbrüche der Originalfassung markieren würde ... mmmh, muss das wirklich so übernommen werden? Immerhin ist das Buch ja nicht gerade zum Schleuderpreis zu erstehen.
Daher nur 4 statt 5 Sterne.
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am 30. August 2002
Im Lübeck des frühen 19. Jahrhunderts gelten noch Rang- und Hackordnungen, wie sie heute nicht mehr vorstellbar sind, genießen nur "Bürger" (und hier auch nur die männlichen) das Wahlrecht, werden Senatorenposten noch auf Lebenszeit vergeben, ist als Bürgermeister nur wählbar, wer eine akademische Laufbahn abgeschlossen hat, gibt es noch "Hausarme", die zu Weihnachten an Katzentischen der familiären Bescherung beiwohnen dürfen, entscheiden Stand und Familienoberhäupter über Eheschließungen, werden Weihnachtsgeschenke nach dem Tod des Beschenkten zurückgegeben und Erbanteile nach und nach vom Vormund ausbezahlt, zählt der Wert einer Braut unmittelbar über die zu erwartende Mitgift.
Der Roman erzählt die Geschichte der Kaufmannsfamilie Buddenbrook, hauptsächlich vom Schicksal Thomas Buddenbrooks, der Mitte des Jahrhunderts die Familiengeschäfte übernimmt, zu einer Zeit, als Revolutionen und die Begehren des "einfachen" Volkes die Strukturen zu verändern beginnen, sich Ehrencodizes im Geschäftsleben verschieben, Werte bröckeln. Thomas hat alle Hände voll damit zu tun, sich der Schwester Antoinie, dem leichtlebigen Bruder Christian, allen angeheirateten und durch Geburt hinzukommenden Familienmitgliedern zu widmen, ihre Geschicke im Interesse der angesehenen Sippe zu lenken, was nicht immer
gelingt, eher sogar selten. Er wird Senator und führt die Firma zu großem Erfolg, aber es ist abzusehen, daß die Ideale des Mannes nach und nach den gesellschaftlichen Veränderungen zum Opfer fallen werden, daß der moralische Anspruch nicht mehr genügt, um den Widrigkeiten zu trotzen; er ist ein Anachronistikum, und er weiß es. Die Familie wird zerbrechen, der Verfall, der im Untertitel des Romans angekündigt wird, ist unaufhaltsam, da die verinnerlichte Bürglichkeit Buddenbrooks, sein Ehrgefühl und seine Ziele mit den Ansprüchen der veränderten Gesellschaft unvereinbar sind. Der Sohn Johann, genannt Hanno, ist es schließlich, der die letzte Eintragung im Familienbuch vornimmt.
Es tut wohl, unendlich wohl, ein Werk zu lesen, das ohne jede Effekthascherei auskommt, auf heute populäre Stilmittel der Leserbindung verzichten kann, weil die Sprache so mächtig, so angemessen, so facetten- und einfallsreich ist, ohne daß das Erzählte ihr je untergeordnet wird, ganz im Gegenteil. Figuren und Orte erhalten durch einfache Nuancierungen und präzise, redundanzfreie Formulierungen ihr Gesicht und ihre Charakteristika, wirken immer plastisch, authentisch, überaus dramatisch, entwickeln Eindringlichkeit und Tragik; für Vergleichbares müßten zeitgenössische Autoren ärmeltief in die Trickkiste greifen, ohne einem großen Vorbild wie diesem auch nur nahe zu kommen. Gleichzeitig beweist das Buch, warum es zeitlose Literatur gibt und was sie ausmacht. Insbesondere aber ist es eine Demonstration dafür, wie Sprache in Vollendung eingesetzt werden kann, ohne zum Selbstzweck zu werden, wie sich Handlung und Erzählweise zu einer komfortablen Symbiose verbinden, ohne daß das eine je zum Sklaven des anderen wird - eine Kunstfertigkeit, zu der später nur wenige deutsche Schriftsteller wieder in der Lage waren.
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am 5. Oktober 2014
Der Leser begleitet die Familie Buddenbrook auf über 700 Seiten durch ihre Geschichte und wird Zeuge des schleichenden Verfalls dieser angesehen Kaufmannsfamilie aus Lübeck. Was bleibt, ist die Frage, worin die eigentliche Ursache des Unterganges der Familie liegt.

Die Buddenbrooks leben vor allem für die Gesellschaft, weil die Gesellschaft maßgeblich für den Erfolg der Familie verantwortlich ist, aber die Gesellschaft verändert sich konträr zu den Idealen der Familie und irgendwann beginnen die Buddenbrooks, an ihrem selbst auferlegten Erfolgsdruck zu ersticken. Vor allem Thomas Buddenbrook, denn nach dem Tod der alten Buddenbrooks, bleibt die ganze Verantwortung an ihm hängen. Sein Bruder Christian pflegt seine eingebildeten Krankheiten und hat überhaupt keinen Geschäftssinn. Seine Schwester Antonie liebt den Reichtum und die Anerkennung und getrieben von diesen eingeengten Ansichten, geht sie die erste Ehe mit einem Betrüger und die zweite mit einem Taugenichts ein. Statt die Tragik dahinter zu erkennen, zieht sie es vor, sich nach dem Scheitern beider Ehen zu bemitleiden und schafft es obendrein, dass ihre Tochter Elisabeth ebenfalls einen fragwürdigen Mann ehelicht. Thomas Buddenbrooks Frau Gerda ist zwar schön, aber unnahbar. Sie liebt die Musik, aber nicht ihren Mann. Endlich erblickt der langersehnte Sohn Hanno das Licht der Welt, aber er entspricht überhaupt nicht dem Buddenbrook-Ideal. Er ist schwächlich und fühlt sich von seinem beharrlichen Vater überfordert und sucht, genau wie seine Mutter, Zuflucht in der Musik.

Was zurück bleibt ist ein erschöpfter Thomas Buddenbrook und Thomas Mann hat für den innerlichen Zerfall Thomas Buddenbrooks ein schönes Bild erschaffen, denn je mehr sein Inneres zerbricht, umso mehr Aufwand betreibt er mit der Pflege seines Äußeren. Am Ende ist er in sich gefangen und diese innerliche Gefangenschaft erniedrigt ihn, erdrückt ihn und raubt ihm alle Kraft zum Weitermachen. Sie schnürt ihm die Kehle zu, sodass ihm die Luft zum Atmen, zum Leben ausgeht.

Manchmal hat man als Leser das Gefühl, dass die detailverliebten, nicht enden wollenden Beschreibungen des Autors dem Werk an einigen Stellen die Energie entzieht. Man glaubt, die Handlung käme ins Stocken und hinge an einem seidenen Faden, was die Lust am Weiterlesen mitunter beeinträchtigt. Aber man muss bei Thomas Mann auf der Hut sein, denn hinter jedem seiner Worte steckt mehr als eine simple Beschreibung. Es sind empathische Intelligenz und Weitblick verbunden mit Sprachgewalt, die dieses Werk schlussendlich zu einem Meisterwerk machen.
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am 18. April 2005
Diese Radioproduktion von 1965 war im Wortsinn ein großes Unternehmen. Über 40 Sprecher formten unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner den Roman Thomas Manns zu einem acht Stunden dauernden Hörspiel um, das nun auf sieben CDs (bzw. sechs MCs) vorliegt. Das Buch hat, selbst in kleinem Druck, mehr als 500 Seiten. Sein Inhalt ließe sich ungekürzt auch nicht auf der doppelten Anzahl von CDs unterbringen. Streichungen waren folglich unerlässlich, aber es galt, den Eindruck eines mehrere Generationen verbindenden Zeitstroms zu erhalten. Die stimmliche Präsenz der Figuren musste diese Fülle vermitteln, ohne verwirrend zu werden. Dieses Problem wurde durch zwei Kunstgriffe gelöst: ein Erzähler verbindet die Handlungsstränge und bringt so auch wichtige Textpassagen zu Gehör, die sich kaum hörspielhaft umsetzen ließen, zum anderen bietet die vom Beginn bis zum Schluss der Handlung gegenwärtige Gestalt der Antonie (Tony) Buddenbrook, zunächst, als Kind, von Claudia Fischer, dann von Gisela Peltzer gesprochen, so etwas wie eine akustische Orientierungslinie. Auch im Roman selbst nimmt diese Tony eine Sonderstellung ein: "Sie tritt zu Beginn des Romans auf; mit ihr endet er." Obgleich sie also die Abfolge der Generationen, die historischen Ereignisse, wie auch den geschäftlichen Auf- und Abstieg des Hauses Buddenbrook unmittelbar miterlebt, bleibt sie eigentümlich reflexionslos und kommentiert, was immer ihr oder der Familie zustößt, mit stereotypen Wendungen, die im Buch wie im Hörspiel leitmotivischen Charakter haben.
Die Kunst Thomas Manns besteht nicht zuletzt darin, Figuren zu schaffen, deren komplexe Schablonenhaftigkeit nicht nur den Schein des Individuellen gewinnt, ohne jedoch die Züge des Allgemeinen und manchmal Banalen zu verlieren. Diese Menschen leben und leben nicht, sie sind einem zugleich nah und fern. Es ist so, als befände sich gerade in ihrem Innersten etwas Unerreichbares, ja Totes, das nun, nach außen dringend, die körperlich-geistige Hülle mit einem unheimlichen Anschein von Lebendigkeit und Differenziertheit erfüllt. Wenn man mithin die Texte dieses Autors spricht oder seine Figuren stimmlich darstellt, besteht wohl hierin die schwierigste Aufgabe: die Balance zwischen individueller Präsenz und Stereotypie, Partizipation und ironischer Entfremdung zu halten. Zu größten Teilen ist das in dieser Radiobearbeitung geglückt. Palma - wer oder was immer das ist, erfährt man leider nicht - macht aus dem Präteritum des Romans ein Präsenz, in dem Gert Westphal die Ereignisse heranrückt und sie doch auch wieder ironisch bricht, ohne dabei in sarkastische Drastik zu verfallen. Ebenso sind beide Stimmen Tonys zugleich von naiver Frische und einer gewissen gesellschaftlich-festen Dummheit, und beides zusammen macht ihren paradoxen Reiz aus und prägt sich ein. Es ist wohl unvermeidlich, dass die Nebenfiguren, wie etwa Sesemi Weichbrodt oder Ida Jungmann, auf gewisse Schablonen festgelegt werden: "sei glücklich, mein Kind", mit der berühmten Übertreibung der Vokale und dem "leicht knallenden Geräusch" des Kusses auf die Stirn, hört man über weite Strecken hinweg beinahe als einziges von der ersten; aber das Hörspiel spiegelt hier nur die bereits in Thomas Manns Stil liegende Gefahr. Dieter Borsche und Lil Dagover sprechenebenfalls vorzüglich Johann Buddenbrook und seine Frau Elisabeth, die zweite Generation der Handelsfamilie, einzig eine Rolle scheint mir nicht so überzeugend und an einer wichtigen Stelle sogar falsch angelegt, nämlich die von Thomas, gesprochen ausgerechnet vom Regisseur selbst, Wolfgang Liebeneiner. Er macht seine Sache als Leiter der Schauspieler gut, spielt aber selbst ein wenig dünn und verfällt in der Szene, in der Thomas Buddenbrook am Gartentisch aus dem zweiten Band von Schopenhauers "Welt als Wille und Vorstellung" das Kapitel über den Tod liest, in einen merkwürdigen, ja übertriebenen und lächerlichen Klang, der völlig unangemessen ist. Überhaupt wurde hier eine Kürzung vorgenommen, die man bedauern muss. Von dem tiefen, geradezu mystischen Erlebnis, das diese Lektüre bei Thomas auslöst, und von dem er sich in der Folge beschämt distanziert, bleibt beinahe nichts, eben nur sein doch verfälschter Beginn. Andere Episoden des Romans, etwa das Auftreten Grünlichs und Permaneders, der beiden Ehemänner Tonis, oder auch die Schulszenen mit dem kleinen Hanno, dem unglücklichen Kind Thomas', sind breiter ausgeführt und vermitteln eine wirkliche atmosphärische Intensität, die sich durchaus zu einem entsprechenden Gesamteindruck erweitert.
Die Übersetzung eines Romans in ein anderes Medium - Film oder Hörspiel - ist immer prekär, ja gefährlich, aber wer sich auf die "Buddenbrooks" in dieser Form einlässt, erlebt tatsächlich, wie eine ganze Welt an ihm vorüberzieht.ist immer prekär, ja gefährlich, aber wer sich auf die "Buddenbrooks" in dieser Form einlässt, erlebt tatsächlich, wie eine ganze Welt an ihm vorüberzieht. Man wird die acht Stunden kaum in einem Zug anhören, sondern die sieben CDs auf vielleicht drei Tage oder Abende verteilen - umso besser, denn auf diese Weise entsteht ein ganz auf die akustische Sphäre bezogener Zeitraum, in dem Nerven und Psyche ruhig und konzentriert gleichsam im Geflecht der Stimmen mitschwingen. Wenn man innehält, fühlt man sich unleugbar erholt und erfrischt und begreift, dass diese Form der Wahrnehmung, gegenüber anderen reizüberflutenden, einen eigenen kulturellen Bezirk herstellt, wie es wohl sonst nur bei herausragenden Theateraufführungen geschieht.
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am 1. Dezember 2004
In einer Zeit als Rangordnung, Ansehen und Familienzugehörigkeit wohl noch eine viel größere Rolle spielten als es heutzutage der Fall ist, ist dieser fabelhafte, viel gerühmte Roman der Weltliteratur angesiedelt. Die Erzählung beschreibt die Entwicklung einer angesehenen Handelsfamilie im Lübeck des 19. Jahrunderts, die aufgrund von unglücklichen Umständen und internen Zwistigkeiten, langsam, aber stetig zerfällt. Insgesamt lernt der Leser vier Generationen der Buddenbrooks kennen und wird somit stark mit der Familie und ihren Verbindungen vertraut gemacht. Während dieser Zeit passieren viele einschneidende, tragische, teils auch erfreuliche Erlebnisse, die man, zumindest am Anfang noch, mit Spannung mitverfolgt. Nach einiger Zeit jedoch beginnen die fatalen Ereignisse überhand zu nehmen und der Leser verliert die Hoffnung dass sich alles noch einmal zum Guten wenden würde und verfällt in eine lethargische, resignierende Stimmung.
Die Sprache, welche Thomas Mann verwendet, kann ich ebenfalls nur in den höchsten Tönen loben. Diese Grazie bei der Wortwahl, diese Vielfalt bei der Beschreibung von Personen und Begebenheiten, diese Ausreizung der deutschen Sprache ist einfach ein Genuss. Vom hochangesehenen, würdevollen Konsul bis hin zum sentimentalen, verschlossenen Erbnachfolger werden alle Handelnden wunderbar und überzeugend präsentiert. Die Art und Weise wie die Charakterzüge und Stimmungen der einzelnen Personen geschildert werden ist einzigartig, bewegend und überzeugend. Der einzige Nachteil ist nur dass die verspielten und weit ausgeschmückten Schilderungen sich zeitweise zu lange ziehen und dadurch einzelne Passagen etwas langweilig werden.
Ein guter Roman, der besonders durch seine Sprache und Charaktere beeindruckt, aber stellenweise zu langatmig geraten ist.
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