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77 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbare Bücher
Diese Bücher sind einfach wunderbar. Wer Sinn für gelungene Formulierungen hat, sich an der Verwendung auch nur einzelner Wörter erfreuen kann, der fühlt sich in jedem der "Joseph" Bücher zu Hause. Sicher muss man sich an den Stil gewöhnen, bleibt am Anfang an der ein oder anderen Stelle hängen. Doch das Lesevergnügen stellt sich...
Am 13. Februar 2003 veröffentlicht

versus
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen die Schrift ist zu klein
die Schrift ist zu klein, auch wenn man Brille trägt, es ist schwer zu lesen, man wird schnell müde, weiss jetzt nicht, 4 bändige ausgabe noch kaufen?
Vor 11 Monaten von Vladimir Baronsky veröffentlicht


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21 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Joseph-die wahre Geschichte, 4. Februar 2004
Man kann fragen: "Reicht der Name Mann nicht aus, um dieses Buch zu empfehlen?" Man wird antworten: "Ja." Was gibt es darüber hinaus noch zu sagen? Die wiedererzählte Geschichte Josephs gehört wohl zum besten, was ich gelesen habe. Weshalb? Weil es eben Mann ist. Weil mit der liebenswürdigsten Sorgfalt die Charaktere entwickelt werden, weil die Menschen erst durch Manns Schilderung der biblischen Geschichte einen Charakter bekommen. Weil stets eine leichte Ironie herauszuhören ist, wenn die Sprache auf göttliches Wunderwirken kommt, von dem dieses Werk voll ist. Weil die Erzählung in aller Detailverliebtheit unglaublich fesselnd ist. Weil die Sprache wundervoll ist. Weil es, zusammenfassend gesagt, eben Mann ist.
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4.0 von 5 Sternen Tolles, gewaltiges Werk - aber nichts für Anfänger (in der Thomas-Mann-Literatur)!, 11. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Joseph und seine Brüder: Vier Romane in einem Band (Gebundene Ausgabe)
Gut achtzehn Jahre hat Thomas Mann an diesem Epos gearbeitet - so wurde es in seiner Entwicklung auch ein Abbild der Lebensgeschichte des Schriftstellers selbst, seiner Exilgeschichte, seiner sozialen, politischen und psychologischen Interpretation von Stationen der Geschichte der 1920er-40er Jahre am Beispiel bzw. parallel der biblischen Josephsgeschichte.
Ein tolles, ein gewaltes Werk. Ich möchte hier Einzelheiten aus den vielen positiven Bewertungen nicht wiederholen.

Aber warum nur vier Sterne und nicht fünf? Was die ästhetische Qualität und die Story angeht hat dieses Buch sogar mehr als fünf Sterne verdient. Es ist ein absolutes Highlight der Erzählkunst. Aber die vier Sterne möchte ich als "Empfehlung" und "kleine Mahnung" vergeben: Wer in die »Buddenbrooks« oder in »Tonio Krüger« sofort emotional eintauchen kann und schließlich mitlacht, mitleidet, mitweint, ja der dürfte beim »Joseph« zunächst etwas verwundert und ratos sein. Man benötigt einfach Zeit und Langmut, sich in Handlung, Personen, Orte, Kulte, Mysterien hineinzufinden - und oft bleiben die Personen »Typen«, Genrefiguren. Wer sich über die anfängliche Verwirrung ob der Fülle von Ideen und Figuren dennoch in das Werk hineingeschafft hat, ja, der wird jedenfalls belohnt mit einer blendenden dramatischen, psychologisch-politischen-religiös inspirierten Inszenierung.
Mir stellte sich zunächst auch die Problematik des »Hineinfindens«. ich habe das Buch weggelegt und erst etwa ein Jahr später neu begonnen. Auf jeden Fall ist eine Vertrautheit mit der Antike (altes Ägyten, alter Orient) und eine gewisse Bibelfestigkeit sehr sinnvoll beim Lesen des Buches. Fast schon Voraussetzung. Thomas Mann schrieb - anders als viele englischsprachige Autoren dieser Zeit (die andere Erzähltraditionen haben) für ein »Bildungspublikum«. Auch wenn ich mich damit einiger Kritik aussetzen dürfte: Genau das galt nicht nicht nur für die 30er und 40er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, das gilt (leider) auch heute noch. Und das ist gewiss kein Vorzug dieses Buches.
Meines Wissens git es sogar ein Online-Lexikon zum Studium des »Joseph«, um Orte, Personen, Handlungen usf. besser nachvollziehen zu können.
Ein Aspekt begeistert mich noch immer am »Joseph«: Die Idee der Inspiration der Hebräer durch Echnatons Ein-Gott-Glauben (an Aton). Dies mag kein schriftstellerischer Erst-Einfall von Thomas Mann sein. Er dürfte wahrscheinlich Sigmund Freuds Schrift »Der Mann Moses und die monotheistische Religion« von 1939 und die ausgelöste Diskussion gekannt und für den Josephs-Zweck verwertet haben. Es bleibt dennoch eine großartige - erste - Umsetzung dieser Idee in der fiktionalen Literatur, auch wenn die These, Echnatons »Monotheismus« (oder »Henotheismus«?) habe den Ein-Gott-Jahwe-Glauben angeschoben, sehr reizvoll, aber, historisch und theologisch gesehen, sehr zweifelhaft ist. Und so hat sich auch das Bild Echnatons seit den 30er Jahren sehr gewandelt, vom religiösen Erneurer und spirituell - etwas spinnerhaft - gepolten Exzentriker, den niemand so recht »verstand«, hin zu einem Machtpolitiker dessen religiöser Revolutionswillen seinem egozentrierten Herrscheranspruch ensprang. Wie auch immer die Geschichte gewesen sein mag - Mann jedenfalls baut diese historische Episode Ägyptens geschickt mit der Josephsgeschichte zusammen.

Wer mit Thomas Mann erste gute Erfahrungen gemacht hat - und sich nicht von der überbordenden Fülle der Ereignisse, ideen, Personen und Intentionen der ersten »hundert Seiten« entmutigen lässt, der kommt mit der Josephstetralogie auf seine Kosten. Kleiner Tipp: Vielleicht erst mal den ersten Einzelband gesondert (und gebraucht) für wenige Euro kaufen und »antesten«.
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5.0 von 5 Sternen Eine biblische Geschichte wird zum Leben erweckt, 14. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Joseph und seine Brüder: Vier Romane in einem Band (Gebundene Ausgabe)
Thomas Mann ist ein Dichter, der mit Josephs Geschichte einen Stoff genial und nicht immer einfach aufbereitet hat. Wer sich in das 1324 Seiten Werk einliest und durchhält, wird reichlich belohnt. Beeeindruckend sind die Charakteristiken der handelnden Personen und die Genauigkeit im Detail geschichtlicher Handlungen. Ein Werk, ein Monument!
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10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Hochgenuss, 26. August 2006
Ein Werk, das mit Religion nur am Rande zu tun hat, sondern mit Menschen. Das Buch lässt ahnen, wie die jüdische Religion entstanden sein könnte, welche Einflüsse eine Rolle spielten. Vor allem aber wird erzählt, wie die Menschen lebten. Es gibt Einblicke in eine Mentalität, die auch heute noch zum Verständnis arabischer Denkweise(aus der die Juden wohl ursprünglich stammen) nur zu empfehlen ist. Thomas Mann ist ein Meister darin, Charaktere lebendig werden zu lassen und Gründe ihres Handelns zu verstehen. Die Geschichten zu lesen ist ein Hochgenuss.
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14 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kein Vergleich zu den ersten zwei Bänden, 15. Mai 2001
Von Ein Kunde
ist dieser dritte Band aus Thomas Manns Romantetralogie "Joseph und seine Brüder".
Wo Mann im ersten und zweiten Band die alttestamentarische Josephsgeschichte zum Anlaß nimmt und ausschmückt und fabuliert, beult er hier Josephs Gang nach Ägypten nur unangemessen aus. Josephs Verbindung zur Mut-em-enet wird hier gezeigt und ihre fatale Verliebtheit in den schönen Jüngling. Stellenweise noch sehr gut und sehr witzig, flaut der Roman doch sehr oft sehr ab und zieht sich einfach nur hin.
Kein absoluter Genuß, obwohl die sprachliche Eleganz und der eloquente Humor natürlich über allem steht!
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5.0 von 5 Sternen Nichts verlohren, 28. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Joseph und seine Brüder: Vier Romane in einem Band (Gebundene Ausgabe)
Das Buch Joseph und seine Brüder hat an Kraft nichts verlohren in fast 90 jahren. Erst jetzt komt eine Übersetzung auf Holländisch auf dem Markt. Das erste Mal! Fúr mich ein Zeigen im Auf Deutsch zu lesen; Ich möchte die richtige Atmosfere geniessen.
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7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Biblische Legende in neuem Gewand, 28. Januar 2008
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Die Josephslegende, die Thomas Manns Roman zugrunde liegt, stammt aus altorientalischen Quellen, u. a. dem Koran (12. Sure) und der Bibel (Genesis). Es ist die Geschichte des spät geborenen Joseph, Liebling seines Vaters Jaakob, der von seinen neidischen Brüdern an einen arabischen Händler verkauft wird, als Sklave nach Ägypten kommt und dort bald hohe Ämter innehat. Als ihn die Frau seines Herrn verführen will, widersteht Joseph und bezahlt dies mit Gefängnis. Sein Genie kommt ihm jedoch zu Hilfe: Er kann die Träume des Pharaos deuten und erhält dafür das höchste Amt im ägyptischen Staatsdienst. Joseph versöhnt sich mit seinen Brüdern und lässt sie - also im Grunde das künftige Volk Israel - mit dem hochbetagten Vater nachkommen. Thomas Mann verwandelt die Legende in einen modernen Roman, d. h. die Personen handeln nicht schicksalsgetrieben, sondern aus persönlichen Motiven, die Figuren sind psychologisch fein gezeichnet, und der Autor erzählt mit sehr viel Ironie. Damit wird "Joseph und seine Brüder" zum virtuosen Manifest gegen den primitiven Mythenwahn der Faschisten. Der Roman steht bis heute im Schatten anderer Werke Thomas Manns - was einen keinesfalls von der Lektüre abhalten sollte!
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5.0 von 5 Sternen Weltliteratur, 4. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Joseph und seine Brüder: Vier Romane in einem Band (Gebundene Ausgabe)
Hier wird man auf schöne und fesselnde Weise in die Geschichte des Alten Testaments eingeführt. Beeindruckend, dass man aus so wenig Bibel-Versen 4 Romane machen kann ! Sehr zu empfehlen !
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3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bewegte Sprache und ausführliche Information zugleich, 23. Januar 2008
Von 
Klaus Grunenberg (97447 Gerolzhofen, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Dieses Buch sollte man eigentlich lesen und sich nachher mit mehr zu dem Thema befassen. Das Thema ist die Religion, unsere Religion, also die christliche, die mosaische und die mohamedanische. Es geht darum, wie sich (Zeitsprung!) eine gedankliche Festsetzung (egal ob durch Traum oder gedankliche Arbeit im Wachzustand) über Jahrtausende bis heute aufrecht halten kann. Und wie es sich anschickt, diese Erkenntnisse umzusetzen in Theorie und in Tat, was oftmals erschreckend ist, aber nicht sein muß.

Das sind fundamentale Gegebenheiten der Jetztzeit und darum ist es wichtig, dieses Buch zu lesen, wo ein Mann in lyrischverzückter und-verzückender Sprach seine Stimme zu einem Gesang erhebt, zu einem prosaischen Epos, das uns anspringt. Und das in in einer Zeit, wo das potentiell Böse sichtbar herrschte und die Menschen verrückt zu machen schien.

Thomas Mann hat in seinem Exil in Amerika ein Gesamtwerk konzipiert und geschrieben, von dem der Titel hier ("Joseph in Ägypten") ein Teil des Ganzen ist.
Thomas Mann hat sich den Frust an seiner Zeit, wie es scheint, von der Seele geschrieben und er hätte sonst vielleicht nicht überleben können, wie man meinen kann, denn all dies hier in dem Buch ist von Wichtigkeit und trieb ihn um.

Wie Joseph nach Ägypten kommt, wie er sich verhält, alles wird in teilweisen schönen Wiederholungen erläutert und ausgemalt, daß es eine Freude ist.

Die Hauptsache, die uns natürlich interessiert, wie ging das zu mit Pothiphars Frau,wie könnte es sich zugetragen haben,
das wird beantwortet in ausführlichen Worten und in Bezug gesetzt zu damaligen Verhältnissen. Dabei wird sowohl Joseph wie Pothiphar als auch Mut, seiner Frau Gerechtigkeit zuteil und zwar ausführlich erzählt.

Wer sich, wie gesagt, dafür interessiert, woher unsere Religion kommt, die eine orientalische ist, aus dem vorderen Orient, was Sigmund Freud darüber sagte (Moses!) und was ein Ägyptologe wie Jan Assmann wiederum über Freud darüber meint, der wird mit Thomas Manns Werk wiederum eine betont einfühlsame Erfahrung machen und sich bereichert fühlen.

Es ist, wie es ist, der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein, sondern von seinen Wünschen, auch wenn sie oftmals "nur" gedanklich sind.
"Joseph in Ägypten" ist so ein Brot.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Weltanschauliches Groß-Epos der Humanisierung mit jüdisch-christlicher und politischer Schlagseite, 20. Juli 2014
Von 
Thorwald Franke (Frankfurt am Main) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Joseph und seine Brüder: Vier Romane in einem Band (Gebundene Ausgabe)
Der Roman "Joseph und seine Brüder" ist das große weltanschauliche Epos von Thomas Mann. Anhand der bekannten biblischen Episode entfaltet Thomas Mann mehrere große und kleine Themen, die das weltanschauliche Denken des Autors reflektieren. Dabei greift Thomas Mann weit über den engeren Kulturkreis des jüdischen Mythos hinaus.

Hauptthema 1: Mythen.

Das ganze Buch handelt von Mythen und ist selbst ein Mythos, es zeigt wie Mythen entstehen, sich entwickeln, und in anderen Mythen aufgehen. Immer wieder und wieder werden Mythen erzählt und immer neu erzählt, dabei variiert und kombiniert. Der Leser erfährt sehr praktisch und am eigenen Leib, was Mythen sind. Das ganze Buch ist in einer episch-altertümelnden Sprache gehalten, die eine sehr glaubwürdige Atmosphäre des Mythischen schafft. Allein das ein Meisterwerk von Thomas Mann.

Mythen sind nichts, was wir ablegen könnten. Sie liegen unserer Kultur zugrunde, ob wir wollen oder nicht. Entweder wir leben die Mythen, oder die Mythen leben uns. Es gibt kein Entrinnen. Zwischen Religion und Mythologie wird hier übrigens nicht unterschieden.

Literarisch geschickt erweitert Thomas Mann den Horizont der Mythen weit über den engeren Kreis des jüdischen Mythos hinaus. Neben der Mythologie der Griechen, der Ägypter, der Babylonier, der Sumerer oder auch der Etrusker (sehr viel verdankt Thomas Mann hier offenbar Egon Friedell) lässt Thomas Mann aber auch teils witzige literarische Reminiszenzen an Form und Inhalt einfließen, u.a. an Goethes Faust, Dante, Karl May, Schneewittchen oder den Golem. Vor allem aber fließt auch der christliche Mythos ein. Je mehr Vorbildung der Leser mitbringt, desto mehr wird er das Werk genießen können.

Wie so viele, so hat auch Thomas Mann in diesem Roman die Erscheinung des Pharao Echnaton in Verbindung mit dem Eingottglaube der Israeliten gebracht. Ein weiterer geschickter und sehr mythischer Topos ist, dass die jeweiligen Vaterfiguren der Geschichte zeitweilig an die Stelle Gottes treten, indem sie milde und belehrend-erziehend wirken: Jaakob, der Karawanenführer, Petepre, der Gefängnisdirekter, Pharao.

Schon hier sei gesagt, dass das Thema Mythen von allen Themen dieses Romans das Gelungenste ist, während die Behandlung der anderen Themen an schweren Defiziten leidet, wie wir unten zeigen werden.

Hauptthema 2: Mythenentwicklung hin zum Humanen.

Thomas Mann sieht im jüdisch-christlichen Mythos eine fortschreitende Entwicklung zum Humanen. Der gottessorgende Mensch fühlt den Drang zur Milderung und zur Überwindung althergebrachter Sitte und Weisung. Diese Entwicklung geschieht im Selbstgespräch mit Gott und aus innerem Fühlen und Drängen heraus.

Zwar lässt Thomas Mann ein einziges Mal auch das platonische Thema kurz anklingen, dass Dichtung auch wahr sein müsse, doch sieht er dieses Kriterium darin erfüllt, dass sie von Gottessorge getragen ist (S. 1245-1247). Wahrheit ist demgemäß gar keine Wahrheit im eigentlichen Sinne, sondern das richtige Einfühlen in die Gottessorge, ein gefühliges Ins-Reine-Kommen mit sich selbst und Gott, ein höchst irrationaler Vorgang. Jaakobs Milde wird explizit einem "Wahrheitseifer" als das Bessere gegenübergestellt (S. 1259).

Der Gott Thomas Manns ist kein rationaler Gott. Er entwickelt sich mit den Menschen mit, lässt sich von Luzifer und Menschen verführen, veranstaltet mit der Menschheit ein großes Gottesspiel, über das man lachen sollte, und am Ende wendet er alles entstandene Leiden doch immer zum Guten. Es ist offensichtlich, dass sich Thomas Mann dem so verstandenen jüdisch-christlichen Mythos auch persönlich verpflichtet fühlt.

Sehr glaubwürdig ist Thomas Manns Schilderung des menschlichen Haderns und Leidens, und der menschlichen Schwäche und Erniedrigung, die aber auch Kraft und Erneuerung aus geistigen Quellen erfahren kann.

Hauptthema 3: Judentum und Christentum.

Thomas Mann unternimmt alles, um zu zeigen, dass der jüdische Mythos den christlichen Mythos vorbereitet und praktisch bereits enthält, von der Dreifaltigkeit bis hin zur leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Hier entfaltet Thomas Mann seine ganze sprachliche und erzählerische Meisterschaft, und spielt brilliant mit Worten wie "Ich bin's", "Auferstehung", "leeres Grab", oder "Sohn Gottes".

Schließlich gestaltet Thomas Mann in dem Verhältnis von Gottessohn Joseph zu seinen "alten Brüdern" andeutungsweise auch seine Vision vom wünschenswerten Verhältnis zwischen Christentum und Judentum. War das Gottesspiel auch böse, so war es doch ein Spiel zum guten Zweck, über das man lachen sollte, und allseitige Bitte um Vergebung ist angesagt.

Nebenthema: Erwählung und Leiden.

Joseph ist der Erwählte, der Ausgesonderte. Der Liebling und der Schöne. Als solcher ist er naiv und offenherzig, muss für seinen "Frevelmut" aber büßen durch den Neid der Nichterwählten. Er ist erwählt, muss dafür aber viel leiden, um zum Ziel zu kommen. Er erreicht das Besondere, aber der Segen geht dennoch nicht auf ihn und seine Nachkommen über, sondern auf einen anderen.

Nebenthema: Ökonomie.

Anhand von Josephs Wirtschaftssystem in Ägypten zeigt Thomas Mann, wie er sich die Organisation der Ökonomie in seiner Zeit vorstellt (um die Seite 1284):
- Volksfürsorge für Ärmere.
- Reichere werden enteignet, Bodenreform.
- Der Eigentumsbegriff wird relativiert und an die Bewirtschaftung gekoppelt.
- Eine Flat-Tax für alle.
- Die Tempel werden geschont, weil das Volk es nicht verstehen würde.

Nebenthema: Klimawandel.

Wissenschaftlich völlig korrekt deutet Thomas Mann die Möglichkeit einer zufälligen Aufeinanderfolge von sieben Dürrejahren nicht als Klimawandel, sondern als möglichen Zufall. Noch interessanter ist, dass Thomas Mann für einen Klimawandel die Sonnenflecke verantwortlich macht: "Das hat übergeordnete Gründe, es führt ins Kosmische und zu den Gestirnen, die zweifellos Wind und Wetter bei uns regieren. Da sind die Sonnenflecke -- eine beträchtlich entlegene Ursache." (S. 1191)

Damit nimmt Thomas Mann eine Erkenntnis vorweg, zu der wir nach dem langen Irrtum der Treibhaus-Hypothese langsam wieder zurückkehren: Maßgeblich für Klimaschwankungen ist immer noch nicht der Mensch, sondern die Sonne.

Nebenthema: Atlantis.

Thomas Mann akzeptiert offenbar im Gefolge des von ihm mit viel Zustimmung gelesenen Egon Friedell die pseudowissenschaftliche Annahme einer Urzivilisation namens Atlantis. Während zur gleichen Zeit manche Nationalsozialisten diese Vorstellung von Atlantis zum Herkunftsort der arischen Rasse umzudeuten versuchen, ist Atlantis für Thomas Mann der Herkunftsort sowohl der arischen als auch der semitischen Sprachen. Vermutlich bezieht sich folgendes Wort von Thomas Mann aus einem Vortrag von 1942 über seinen Roman auch auf diesen Sachverhalt: "Der Mythos wurde in diesem Buch dem Faschismus aus den Händen genommen und bis in den letzten Winkel der Sprache hinein humanisiert, -- wenn die Nachwelt irgendetwas Bemerkenswertes daran finden wird, so wird es dies sein."

Schwäche 1: Thomas Mann ignoriert den Kern unserer aufgeklärten Kultur.

Thomas Mann konzentriert sich in seinem Roman "Joseph und seine Brüder" allein auf das Mythische und die jüdisch-christliche Tradition. Den Kern unserer Kultur, die griechische Philosophie, übergeht er jedoch vollkommen. Damit muss Thomas Mann in vielerlei Hinsicht scheitern.

Philosophie bedeutet natürlich die Hinterfragung der Mythen, die Einführung der Herrschaft der Vernunft und die Frage nach der Wahrheit. Ohne das ist die menschliche Kultur seit über 2000 Jahren überhaupt nicht mehr denkbar, und Thomas Mann übergeht es vollkommen!

Damit gerät auch das zentrale Projekt, das Thomas Mann mit seinem Roman "Joseph und seine Brüder" verfolgte, ins Zwielicht: Denn nicht aus innerem Fühlen und Drängen heraus haben sich die Mythen und Religionen humanisiert, sondern aus dem Drang zur Vernunft heraus. Es gibt keine Garantie dafür, dass das innere Fühlen religiöser Menschen immer in Richtung Humanisierung geht; das Pendel des Fühlens und Meinens kann auch wieder in die gegenteilige Richtung umschlagen. Nur die Vernunft, nur der Humanismus der klassischen Antike ist Garant und wahre Quelle der Humanisierung. Alles andere kann dazu nur eine vorübergehende Vorstufe sein.

Wir müssen feststellen: Thomas Mann war eben leider nur ein Dichter, aber kein Denker.

Schwäche 2: Theologisch verfehlt.

Die nächste Schwäche hängt sehr eng mit Schwäche Nr. 1 zusammen: Denn ohne Philosophie und Rationalität ist Theologie gar nicht zu haben. Es ist zu bezweifeln, dass Thomas Mann mit seinem Werk im Denken von jüdischen, christlichen oder islamischen Theologen einhaken kann. Allzu leicht tändelt dieser Gott, und lässt seine Anhänger im Stich, die seine unwiderrufenen Weisungen von gestern noch befolgen. Allzu leicht löst sich für Thomas Mann das Problem des guten Gottes, der Leiden zulässt, auf. Humanisierung auf dem Wege der Theologie schön und gut, aber so geht es nicht.

Ja, schlimmer noch: Die ganze jüdisch-christliche Tradition mit all ihren Mythen wird seit über 2000 Jahren im Spiegel der griechischen Philosophie überliefert und gedeutet und mythologisch weiter entwickelt. Selbst unter rein mythischen Gesichtspunkten hätte Thomas Mann hier also versagt.

Hier ist Thomas Mann dem schwärmerischen Drang zum Wünschenswerten erlegen, der aber die Auseinandersetzung mit der Realität nicht ersetzen kann.

Schwäche 3: Störend ahistorisch.

Ein historischer Roman muss historisch nicht genau sein, er ist ja Literatur. Wo aber die beabsichtigte Botschaft eines historischen Romans davon abhängt, wird historische Genauigkeit doch wichtig.

Thomas Mann versetzt eine fortgeschritten humanistische Denkatmosphäre in den Kontext einer religiös-patriarchalischen Stammesgesellschaft: Das funktioniert so leider nicht. Natürlich repräsentieren auch die Geschichten um Jakob und Joseph ein Stück Humanisierung, aber in einem weit geringeren Maße und einem weit früheren Stadium der Humanisierungsgeschichte, als dass es passen würde. Man darf als Literat durchaus Dinge hinzuerfinden, aber nur, wenn es sich in den vorgegebenen Rahmen einpasst. Sobald dieser Rahmen gesprengt wird, kommt immer etwas entschieden Falsches hinein, eine unauflösliche Dissonanz. Aus dem vorgegebenen Rahmen, der überlieferten Geschichte, wird etwas herausgeholt, was nicht in ihr steckt. Dann hätte der Literat seine Gedanken besser im Rahmen einer anderen Vorlage entwickelt.

Beispiele: Wenn Jaakob und Joseph bei Vollmond am Brunnen sitzen, beschleicht den Leser das unabweisbare Gefühl, hier würde doch eher der väterliche Sokrates mit dem jungen Phaidros am Ufer des Ilissos sitzen, als der Patriarch einer religiösen Stammesgesellschaft mit seinem Sohn. Die Gedanken schweifen viel zu frei. Besonders deutlich wird das Unpassende, wo Thomas Mann hinzuerfindet oder weglässt. Niemals könnte ein echter Patriarch es ohne Blutzoll dahingehen lassen, dass sein Sohn mit einer seiner Ehefrauen schläft. Niemals könnte ein Patriarch eine solche Selbsterniedrigung hinnehmen, wie Thomas Manns Jaakob vor Esaus Sohn Eliphas. Hingegen übergeht Thomas Mann dezent, mit welchen und wievielen Frauen dieser Patriarch Jaakob zu schlafen pflegt.

Schwäche 4: Der Islam fehlt.

Nicht nur das Christentum, auch der Islam geht auf die biblischen Patriarchen zurück, und gerade heute wären wir alle höchst interessiert daran zu wissen, wie Thomas Mann den Islam in seine Erzählung eingewoben hätte, so wie er das Christentum auch hineingewoben hat. Doch mehr als den folgenden Satz finden wir nicht: "Da nahm er die ägyptische Magd und zeugte mit ihr einen Sohn und nannte ihn Ismael. War aber ein abwegig Erzeugnis, nicht auf der Heilsbahn, der Wüste gehörig, ..." (S. 1129). Das ist zu wenig, und würdigt weder die Errungenschaften noch die Schwächen des Islam in angemessener Weise, noch gibt es uns Rat, wie wir mit dem Islam umgehen sollen.

Schwäche 5: Allzu linker Linksliberalismus

Thomas Mann wollte den Mythos aus den Klauen der Ideologie befreien und sprachlich für immer humanisieren, doch er hat ihn womöglich doch nur für eine weitere politische Ideologie in Dienst genommen. Das ganze Werk atmet den Geist eines altbackenen, allzu linken Linksliberalismus.

Da ist zunächst die typisch linksliberale weltanschauliche Schwammigkeit, der Verzicht auf Rationalität. Man möchte sich gerne in den überkommenen Mythen wiegen, aber sie glauben möchte man nicht mehr. Alles soll nur noch im übertragenen Sinn gelten, bis vom eigentlichen Sinn nichts mehr übrigbleibt. Man haust offenbar gerne in den Trümmern einer gefallenen Weltanschauung. Die Mühe, eine direkt glaubhafte, konsistente Weltanschauung zu ersinnen, wird geradezu verpönt, und durch ein Schwelgen in überlieferter Bildung ersetzt. Ordnung und Disziplin vor sich selbst sind nicht gefragt. Wahrheit wird nicht gesucht, sondern für gefunden geglaubt, und als Pseudo-Wahrheit in den Dienst einer Sache gestellt, die man längst für ausgemacht hält. Wahre Bildung ist das nicht.

Aber auch die ökonomischen Visionen Thomas Manns zeigen es: Das Eigentum soll relativiert werden, Reiche soll es nicht mehr geben, alle Menschen sollen ökonomisch gleich sein, der gute Staat sorgt für alle. Das ist beinahe schon kommunistisch, denn wo die herausragenden Männer zurückgestutzt werden und der Staat der Übervater ist, dort ist keine Freiheit mehr. Die ökonomische Schonung der Tempel entspricht natürlich einer Schonung der heutigen Kirchen: Hier kommt die weltanschauliche Schwammigkeit eines Festhaltens am Christentum mit dem linken ökonomischen Denken zusammen.

Wenn man bedenkt, dass sich die Kirchen in der Bundesrepublik zu finsteren Horten eines allzu linken Linksliberalismus, eines schwärmerischen Utopismus, entwickelt haben, die sich bis heute an ihre überkommenen Privilegien klammern und darin vom links durchwirkten BRD-Establishment, das früher einmal kirchenkritisch war, maßgeblich unterstützt werden, bis hin zur bedenkenlosen Einführung eines Islamunterrichtes in Zusammenarbeit mit verfassungsfeindlichen Islamverbänden, nur um das analoge Privileg des christlichen Religionsunterrichtes weiter rechtfertigen zu können -- wenn man das bedenkt, dann war Thomas Manns Werk in diesem Punkt wahrhaft prophetisch und vielleicht auch unheilvoll wirkmächtig.

Womöglich ist es kein Zufall, dass Thomas Mann gerade zum Islam nichts zu sagen hatte. Denn zum Islam weiß der allzu linke Linksliberalismus bis heute nichts Vernünftiges zu sagen, und glaubt, ihn unverwandelt und ungesiebt in die bestehenden Strukturen einbeziehen zu können. Wie wenn der Patriarch am Brunnen mit seinen zwölf Söhnen sich nahtlos in unsere durch griechisches Denken aufgeklärte Gesellschaft fügen könnte. Nach dem von Thomas Mann vorgegebenen Muster der Ignoranz des griechischen Erbes kollidiert hier Wunschdenken mit Wirklichkeit.

Schwäche 6: Literarische Faux-pas

Teilweise belästigt Thomas Mann den Leser mit einer läppischen Initimität. Wenn man zum soundsovielten Mal von "Dudu dem Ehezwerg", dem "Hutzel", gelesen hat, dann hat man davon irgendwann genug und will es nicht mehr sehen.

Längen sind eine Stärke dieses Romans, der alles in buchstäblich epischer Breite darlegt. Doch der Leser atmete sichtlich auf, als die Liebeswehen von Potiphars Weib Mut-em-enet endlich vorüber waren, und die Geschichte wieder an Fahrt aufnahm: Wer diese harte Prüfung bestanden hat, der wird den Roman auch vollends zu Ende lesen.

Fazit:

Trotz gravierender Schwächen ist Thomas Mann ein sprachliches Meisterwerk gelungen, das über Mythen und Menschen viel zu sagen weiß, und das zu lesen sich lohnt. Man darf dabei aber niemals vergessen, dass Thomas Manns Weltsicht eine schwere jüdisch-christliche und politische Schlagseite hat, die der kundige Leser in seinem eigenen weltanschaulichen Denken in vielfacher Hinsicht nachkorrigieren muss -- dann kann dieses Werk ein Genuss sein.

Ohne diese Korrektur jedoch wird dieses Buch zur Quelle eines unheilvoll mythischen Denkens, zu einem unendlich tiefen Brunnenloch, aus dem die Dämonen der Vergangenheit in die Gegenwart hinaufsteigen können. Ob Thomas Mann das gewollt hätte? Wir glauben nicht: Denn mit Thomas Mann wissen wir, dass die Geschichten sich immer weiter spinnen, und wie sein Gott so hätte auch Thomas Mann inzwischen sicher längst wieder seine Meinung weiter entwickelt und würde jene bestraft sehen wollen, die am "Überständigen" dieses Romans festhalten wollen: "Denn es ekelt den Herrn das Überständige, worüber er mit uns hinauswill".
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Joseph und seine Brüder: Vier Romane in einem Band
Joseph und seine Brüder: Vier Romane in einem Band von Thomas Mann (Gebundene Ausgabe - 15. Oktober 2007)
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